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Red Eagle

Eine Shadowrun ™ Kurzgeschichte von Frank Lauer.


Versteckspiel

Der Regen durchnäßte schon Dirks Panzerjacke und der junge Rigger fror. Verdammt, warum fuhr er noch diese verfluchten Rennen? Unruhig las er die Displayuhr seiner Cyberaugen ab: 21.30. Wo bleiben die Drekheads nur? Er würde sich auf den Mist auch gar nicht mehr einlassen, aber die Dreißigtausend pro Rennen machen sich nun mal gut auf dem Ebbi!
Na ja, wenigstens um die Bullen muß er sich keine Sorgen machen.
Die Organisatoren der Rennen hatten, mit soliden Bestechungen, dafür gesorgt, daß der Straßenabschnitt Polente frei war. Nachdem er noch fünf Minuten gewartet hatte kamen ein Nightsky und ein Mercedes E160, der eindeutig stark modifiziert war, auf den Parkplatz gefahren.
Ein Mann mit einem dunklen Anzug stieg langsam aus dem Nightsky. Dirk aktivierte seine Lichtverstärkung und öffnete ein Zoomfenster im linken Auge. Darin konnte er eindeutig Hiro Jakaschima, den Organisator der Rennen erkennen. Er fluchte innerlich und rannte zu dem Mann. Der Mann schaute ihn mit einem kalten Geschäftslächeln an und sagte freundlich:
"Guten Abend, Streetraider san! Ich habe mir erlaubt für sie einen neuen Gegner auszusuchen, darf ich ihnen Dimon vorstellen?" Der Fahrer des Mercedes war mittlerweile ebenfalls ausgestiegen und schaute den neunzehnjährigen Dirk argwöhnisch an. Dirk nickte ihm ernst zu, doch Dimon spuckte aus: "Drek! Das iss ja noch'n Baby! Den puste ich nach'n ersten fünf Metern schon weg!" Dirk lächelte:
"Das werden wir ja noch sehen Chummer!" Er war es mittlerweile gewöhnt, von seinen Gegnern beleidigt zu werden. Fakt war, daß er für einen Autoduellist in seiner Liga, noch ziemlich jung war.
Die meisten anderen Fahrer waren bereits Mitte zwanzig. Fakt war jedoch auch, daß er verdammt gut und mit seinem Honda bis jetzt noch ungeschlagen war. Die beiden Fahrer wandten sich wieder dem Japaner zu. Der schaute sie, immer noch kühl, lächelnd an: "Sie kennen die Regeln!
Das Rennen beginnt, wenn ich diese Pistole abfeuere! Wer zuerst das fünf Kilometer entfernte Ziel erreicht, ist der Sieger und erhält die üblichen Dreißigtausend. Alles ist erlaubt, außer das Feuern auf die Übertragungsdronen! Begeben sie sich nun bitte in ihre Fahrzeuge!" Dirk lief zu seinem Honda. Er hatte keine Angst, warum auch, daß war bereits sein neunzehntes Rennen und nie hat er einen nennenswerten Schaden davongetragen. Er öffnete die Tür und machte es sich auf dem ledernen Fahrersitz bequem. Nachdem er einige Sekunden untätig dagesessen war, zog er das dünne Glasfaserkabel aus der Halterung und stöpselte es in seine Stirnbuchse. Schon begann die Litternei der Bootrutine des Fahrzeugadapters. Eine sanfte weibliche Stimme irgendwo in seinem Schädel begann ihm die verschiedenen Systemstati seines Fahrzeugs zu erzählen:

-System online

-Elektronik IO

-Motor IO

-Getriebe IO

-Treibstoff 12 Liter

-Muniton 1000 Schuß

-Granaten 25 Schuß

-Alle Systeme bereit

In seinem Sichtfeld erschienen zahlreiche Displays, die ihn über Infos wie Drehzahl, Geschwindigkeit und Munition auf dem laufenden hielten und in seinem linken Auge erschien ein schwarzes Feld. Hier würde nachher das Zielsystem seines Mikroturms erscheinen. Sein Smartlink II und die Fahrzeugsteuereinrichtung arbeiteten hervorragend zusammen. Er startete den Motor. Die Stimme klärte ihn sofort auf, daß alles perfekt funktionierte. Verdammt, daß will ich aber auch hoffen, dachte Dirk leicht verärgert. Manchmal gehen im die Statusmeldungen echt auf den Wecker. Plötzlich ertönte ein lauer Knall und der Parkplatz wurde von einer Leuchtkugel mit grellem Licht überflutet. Endlich!
Das war das Startsignal. Dirk gab Gas und der Honda raste mit quietschenden Reifen vom Parkplatz herunter. Mit einem beiläufigen Gedanken ließ er seinen kleinen Turm ausfahren und wurde dafür von seinem Wagen mit einem fast zärtlichen: "Waffensysteme bereit! MG geladen und entsichert, Granatwerfer entladen und entsichert!", belohnt. Außerdem erschien, in dem schwarzem Feld in seinem Auge, der Zielmonitor der Smartlinkkamera.
Gelobt sei die Technik. Sei Konkurrent war knapp hinter ihm und er sah im Rückspiegel, wie sich dessen MGs auf ihn ausrichteten. Fluchend riß er seinen Wagen nach links und die MG-Salve ging ins Lehre. Nun stieg er voll in die Eisen! Und der Mercedes schoß an ihm vorbei.
Kurz darauf hatte er den Drekhead in seinem Zielsucher. -Ziel erfaßt, Trefferwahrscheinlichkeit 96 %!- Das ist doch schon mal was, dachte er und ließ seine SF-20 bellen. Der Treffer zertrümmerte die Heckscheibe des Mercedes. Doch dieser ließ seinen Wagen nun eine 180° Wende vollführen! Verdammt will dieser Narr uns beide umbringen? Dirk konnte gerade noch ausweichen und schoß mit hundertdreißig an dem Kerl vorbei! Da traf auch schon die erste MG-Salve seinen Wagen.
-Warnung, Turmhydraulik beschädigt. - Dirk fluchte leise in sich hinein und drehte seinen Turm. Das Zielbild flackerte leicht und die Erfassung fiel ihm schwer. Doch schließlich gelang es ihm:- Ziel erfaßt, Trefferwahrscheinlichkeit 74%!-. Verdammt wenig, doch besser als nichts.
Er feuerte! Ein Schuß durchschlug die Windschutzscheibe des Gegners.
Die anderen prallten wirkungslos ab. Der Mercedes überholte wieder und feuerte aus nächster Nähe eine Granate. Die Seitenscheiben des Hondas zerbarsten in tausend Scherben. Ein Splitter durchschlug Dirks Panzerjacke und drang in seine Schulter ein. Er stöhnte unter dem brennenden Schmerz. Verdammter Bastard! Er mußte sich zusammenreißen!
Der Mercedes war nun etwa zwanzig Meter vor ihm. Er konzentrierte sich wieder auf die Steuerung des Turms. Dieser war durch den Schaden verdammt träge geworden, doch er bekam erneut eine Zielerfassung: - Ziel erfaßt, Trefferwahrscheinlichkeit 70%- er feuerte. Die Kugeln schlugen in das Heck des Merkedes ein. Kurze Zeit später schlugen Flammen daraus hervor und der Wagen kam zum stehen. Tanktreffer! Dirk sah wie sich sein Gegner aus dem brennenden Wrack befreite und davon rannte. Es wäre ein leichtes gewesen ihn zu erfassen und ihm ein paar Kugeln hinterher zu schicken, aber das war nicht Dirks Art. Im Gegenteil, er war jedesmal froh, wenn sein Gegner überlebte. Er hatte etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt.
Der Rest sollte nun keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Er ließ den Autopilot übernehmen und öffnete seine Jacke um die Wunde zu begutachten. Als er den verletzten Arm bewegte durchzuckte ihn ein mörderischer Schmerz. Verdammter Sauhund, in der Hölle soll er schmoren! Er betrachtete die Wunde. Noch mal Glück gehabt, der Splitter saß nicht sonderlich tief! Er biß die Zähne zusammen und zog ihn aus der Wunde. Der Schmerz trieb ihm Tränen in die Augen. Er griff unter den Beifahrersitz um den Verbandskasten hervorzuholen. Als er gerade dabei war seine Wunde zu verbinden, machte ihn der Autopilot darauf aufmerksam, daß er das Ziel erreicht hatte. Ein kurzer Neuralimpuls und das Fahrzeug stand.
Er befestigte notdürftig den Verband und schloß sein Panzerjacke.
Dann öffnete er befriedigt die Tür und stieg selbstsicher aus.
Ein weiterer Sieg für den Streetraider! Er lächelte und schüttelte den Kopf. Alter Narr, was soll der Mist. Irgendwann gehst du bei den verdammten Rennen noch drauf. Er lehnte sich mit dem Rücken an sein Auto und erwartete den Japsen, welcher einige Minuten später auch eintraf.
Die Limousine hielt knapp neben Dirk, so daß er noch einen leichten Luftzug spürte. Die hintere Tür öffnete sich und der Japaner ging auf den Rigger zu und schüttelte ihm die Hand: "Herzlichen Glückwunsch, sie haben sich ihr Geld redlich verdient!" Dirk nickte nur und nahm den Ebbi entgegen. Als der Japaner wieder mit seinem Nightsky im Regen verschwunden war. Setzte sich Dirk wieder fluchend in seinen Wagen und verließ ebenfalls den Parkplatz.

Am nächsten Morgen wachte er mit mörderischen Schmerzen in der linken Schulter auf. Verdammter Mist, die Wunde hatte sich entzündet.
Er richtete sich stöhnend auf und lief in Richtung Bad. Sein Schädel brummte, als ob er die letzten drei Tage durchzecht hätte. Er ließ sich erst mal kaltes Wasser über den Kopf laufen, um einigermaßen klar zu werden. Er rieb sich die Augen und stöhnte leise. Den scheiß Japsen soll doch der Geier holen! Langsam tastete er über ein Regal, bis seine Hand eine Schachtel Aspirin zu fassen bekam. Nachdem er sich drei Tabletten eingeworfen hatte, ging es ihm etwas besser und er wankte unsicher in die Küche. Dort braute er sich einen wirklich mörderischen Kaffee, mit dessen Hilfe er unwillig zwei Toasts herunter spülte.
So gestärkt begann er sich anzuziehen. Als er sich das T-Shirt überstreifen wollte, erinnerte seine Schulter ihn an die Wunde. Er stöhnte vor Schmerz und beschloß sich ihre Bitte nach sanfterer Behandlung zu Herzen zu nehmen. Jetzt mußte er erst einmal mit seiner Kiste bei seinem Mech Tim vorbeischauen. Die Karre hatte gestern doch einiges abbekommen.
Irgendwie schaffte er es bis zu dem Honda und ließ sich erleichtert auf den Fahrersitz sinken. Er stöpselte sich ein und ließ sie Bootrutienen über sich ergehen. Dann startete er den Motor. Der Erfinder der Riggeradaption sollte heilig gesprochen werden, um nichts auf der Welt wollte er sich jetzt unnötig bewegen. Zwanzig Minuten später traf er bei Tim ein. Dieser lag gerade unter einem Westwind und pfuschte an dessen Motor herum. Dirk stieg langsam aus, wobei er seine Schulter übertrieben schonte und rief: "Hallo Tim, altes Haus. Was macht der Job?" Tim zog sich unter dem Westwind vor und antwortete fröhlich, während er sich an seiner Hose die öligen Hände abwischte:
"Hey Dirk, sieht man dich auch mal wieder? Wie geht's denn so?"
Dirk ging auf ihn zu und antwortete leidend: "Frag nicht Chummer!
Meine Kiste hat gestern einiges abbekommen, könntest du sie dir mal ansehen." Tim lachte: "Schaffst´s du's auch mal ein Rennen zu fahren, ohne das du das Ding halb zerlegst?" Dirk kicherte: "Hatte ich eigentlich vorgehabt, aber der Bastard gegen den ich gefahren bin war da anscheinend anderer Meinung!" Sie gingen zum Wagen rüber und Tim sah sich den Schaden an und fluchte: "Was ist der Typ den gefahren, n' Behemoth?" Dirk lächelte: "So was ähnliches, ein E-160." Tim fuhr sich durch die Haare und sagte seufzend: "Na ja, daß kriegen wir schon wieder hin. Übrigens Sheila war gestern hier, sie hat nach dir gefragt." Dirk runzelte die Stirn. Sheila war seine Schieberin. Wenn sie nach ihm fragte bedeutete das Arbeit, Nachfüllung fürs Ebbi und meist eine Menge Schmerzen. Er schaute seinen Freund mißtrauisch an und fragte: "Weißt du um was es geht?"
Tim hatte sich umständlich über den Honda gebeugt und schaute sich den Schaden an der Turmhydraulik an: "Keine Ahnung. Sollst sie mal anrufen!" Dirk seufzte: "Darf ich mal dein Teflon benutzen?"
Tim ließ nur ein leises hm vernehmen. Dies als Zustimmung deutend, machte sich Dirk zum Büro auf. Dort angekommen schob er auf dem Schreibtisch einigen Papiergram zu Seite , nahm das Telephon ab und wählte die ihm all zu gut bekannte Nummer. Sheila ließ sich Zeit, doch irgendwann nahm sie dann doch ab. Dirk begrüßte sie: "Hey Sheila.
Hab gehört, daß ich dich anrufen soll." Sheila antwortete mürrisch: "Wird auch Zeit, daß du dich meldest! Hätte da einen kleinen Job für dich!" Dirk seufzte: "Darf man erfahren um was es geht?" "Ich soll ein Team für einen kleinen Datenklau zusammenstellen und mir fehlt da noch ein Rigger. Wärst du interessiert?" "Kommt drauf an", antwortete er vielsagend.
Sheila seufzte: "Die Sache bringt dir fuchzigtausend und du mußt nicht mal deine Karre riskieren. Wenn du interessiert bist, komm morgen um 20 Uhr ins Stealhous in Virnheim!" Nachdem sie das gesagt hatte brach sie die Verbindung ab. Dirk legte auf und dachte nach. Fünfzigtausend waren schon eine schöne Summe und er konnte mal wieder etwas Abwechslung gebrauchen. Er beschloß sich die Sache morgen mal anzuhören, ablehnen konnte er dann immer noch! Er verabschiedete sich von Tim und nahm sich ein Taxi nach Hause. Wo er es sich mit einem Tee vor dem Trideo gemütlich machte. Er ließ den restlichen Tag langsam angehen und ging früh in Bett, konnte jedoch lange nicht einschlafen. Er grübelte noch lange über Sheilas Auftrag nach. Ein Datenklau! Bis jetzt hatte sie ihm nur Kurierjobs gegeben. Glaubte sie nun endlich an seine Fähigkeiten?

Als er am nächsten Morgen erwachte, hatte er immer noch leichte Kopfschmerzen. Langsam richtete er sich auf und streckte sich. Nach ein paar Minuten raffte er sich auf und setzte sich in Richtung Bad in Bewegung.
Sein Kreislauf wehrte sich kräftig und er mußte sich einmal an einem Türrahmen festhalten um nicht zu stürzen. Im Bad angekommen stützte er sich auf das Waschbecken und schüttelte den Kopf, als ob er so die Schwäche abschütteln könnte. Nachdem er sich ausgiebig gewaschen hatte, begab er sich in die Küche und verspeiste ein mehr als üppiges Frühstück.

Er beschloß sich den bis zum Abend zu schonen und verbrachte fast den ganzen Tag vorm Trideo. Um 18.45 Uhr nahm er sich seine Panzerjacke von der Garderobe und ging mit neugieriger Vorfreude aus seiner Wohnung.
Was würde diese Sache wohl bringen? Er schlenderte gemütlich den Gang entlang, bis er den etwas verwahrlosten Aufzug erreichte. Er fuhr die drei Stockwerke, bis in den Keller hinunter, wo er seine Rapier XS wie erwartet vorfand. Zufrieden setzte er seinen Helm auf und machte es sich auf dem Sattel des Motorrads bequem. Er fischte den Codeschlüssel aus seiner Tasche und steckte ihn ins Schloß. Mit leisem zischen öffnete sich eine Blende und das Riggerkabel kam zum Vorschein. Er stöpselte sich ein und startete die Maschine. Er genoß das Gefühl, wie das Motorrad auf seine Gedanken reagierte und steuerte die Maschine aus der Garage. Der Verkehr war eigentlich ganz erträglich und er verließ Schwetzingen in Richtung Kirchheim, um dort auf die Autobahn zu fahren. Auf der Autobahn war für diese Uhrzeit ziemlich wenig Verkehr.
Dirk murrte; zum Teufel mit den verfluchten Hundert. Er drehte seine Maschine auf und beschleunigte auf 180. So machte das fahren doch erst richtig Spaß.
Nach wenigen Minuten erreichte er das Kreuz Viernheim und wechselte die Autobahn. Bald darauf stand er vorm Stealhouse und stellte seine Maschine ab. Das Stimmengewirr der Jugendlichen vor der Disco mischte sich mit der lauten Musik von drinnen. Dirk grinste, das war sein Leben. Es war erst halb acht und so hatte er noch etwas Zeit sich zu vergnügen. Er aktivierte die Alarmanlage des Motorrads und machte sich fröhlich, in Richtung des Eingangs, auf den Weg. Er stellte sich belustigt vor, was passieren würde, wenn einer die Maschine klauen wollte. Tja 200 Volt tun Wunder!
Plötzlich stellten sich ihm zwei Gangmitglieder in den Weg. Beide waren ziemlich heruntergekommen und es gelang ihm nur mit Mühe ihr Alter auf etwa 14 zu schätzen. Der eine fuchtelte ihm mit einem Messer vor der Nase herum und sagte möglichst cool: "Hey Alter. Ja ich mein dich Pisser! Has bestimmt ´n paar Almosen für zwei arme Jugendliche!" Er unterbrach sich kurz und kicherte, dann sprach er weiter, während er sich unruhig im Takt der Musik bewegte: "Wenn nicht isses auch nich schlimm! Dann verschönern wir dir halt deine häßliche Fratze!" Dabei machte er eine unmißverständliche Geste mit seinem Messer. Dirk war wütend, diese Kerle konnten einem den ganzen Abend verderben. Er griff sich langsam in die Jacke, als wollte er seinen Ebbie herausholen. Dann zog er blitzschnell seine Combat und hielt sie dem Drekhead unters Kinn. Dieser wurde kreidebleich und wich einen Schritt zurück: "Hey Chummer, keine Panik Mann!" Dirk winkte mit der MP und antwortete grimmig: "Erstens, ich bin nicht dein Chummer! Zweitens, heute gibt es keine Almosen. Und letztens, wenn ihr euch nicht turbomäßig vom Acker macht, werde ich euch zusätzliche Nasenlöcher verschaffen, komprende?" Die Typen drehten sich um und rannten mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit davon. Dirk sah ihnen grinsend zu, die würden ihn nie wieder belästigen! Am Eingang angekommen bezahlte er die acht EC Eintritt. Der Laden wurde auch nicht billiger. Er ging lächelnd am Securityguard vorbei, der ihn mit einem Metalldetektor abtastete. Kein Alarm! Gelobt sei der Erfinder der Urban Combat! Nun stürzte er sich ins Vergnügen. Er kämpfte sich durch die undefinierbare Masse aus menschlichen Körpern hindurch, bis er die Tanzfläche erreicht hatte. Dort gab er sich völlig dem Rhythmus der Musik hin. Nachdem er zwanzig Minuten ausgiebig getanzt hatte, begab er sich gut gelaunt zu einem Tisch der am Rande des infertilen Getümmels stand. Dort wurde er schon von Ulbrich, dem Besitzer des Stealhouse erwartet. Ulbrich war ein Zwerg mittleren Alters und stellte Sheila oft ein Hinterzimmer für besondere Anlässe zur Verfügung.
Dirk begrüßte den Zwerg, wobei er verzweifelt versuchte die Musik zu übertönen: "Hallo Ulbrich, wie geht's denn so?"
Ulbrich lachte lautstark und seine mächtige Stimme war trotz der Musik gut zu hören: "Hoi, Streetraider! Kann mich nicht beschweren, wieder ne heiße Sache am brodeln?" Dirk lächelte verschmitzt:
"Keine Ahnung, Chummer! Deswegen bin ich hier. Vielleicht will Sheila auch nur eine Party mit uns feiern!" Ulbrich lachte abermals und bedeutete dem Rigger mit einem Nicken, daß er ihm folgen solle und bahnte sich seinen Weg durch die Menge. Dirk trottete ihm gehorsam hinterher. Nach kurzer Zeit und zahlreichen Anremplern erreichten sie eine kleine unscheinbare Tür. Ulbrich öffnete und machte mit dem Arm eine einladende Geste:
"Du kennst ja den Weg!" Dirk nickte und ging in den Gang. Als sich die Tür hinter ihm schloß, blieb er stehen und genoß die plötzliche Ruhe. Die Tür war schallisoliert um im Hinterzimmer vernünftige Besprechungen zu ermöglichen. Auf einmal wurde die himmlische Ruhe wieder von der lärmenden Musik zerrissen. Dirk drehte sich stöhnend um und erwartete ein weiteres Teammitglied zu sehen.
Statt dessen entdeckte er eine Jugendliche die vor ihm im Gang stand. Es war ziemlich dunkel und er konnte sie nur schemenhaft sehen. Sie hatte lange, anscheinend dunkelbraune, Haare, war etwa 1,6 Meter groß und ziemlich schwächlich. Verdammt, was macht ein Kind hier hinten! Sie muß ihm heimlich durch die Tür gefolgt sein. Verfluchte neugierige Göre! Er stürmte entschlossen vor, ergriff sie an den Schultern und schrie sie grimmig an: "Was machst du hier! Du hast hier nichts zu suchen!" Einen Moment lang trafen sich ihre Blicke. Er sah nun ihre feinen spitzen Ohren und ihr zartes Gesicht. Ihre Augen glühten vor Wut. Er war einen Augenblick verunsichert und sein Griff ließ nach. Die Kleine riß sich los und schlug ihm wütend schreiend ins Gesicht: "Faß mich nie wieder an, verdammter Drekhead!"
Dirk stand einige Sekunden wie angewurzelt da. Er hatte sie mittlerweile losgelassen und schaute sie fassungslos an. Die Kleine funkelte ihn von unten an und atmete heftig. Ihm wurde der Scherz in seiner Wange bewußt.
Das Mädchen schlug eine gute Kelle! Verdammt war das ein Luder, aber ihre Stimme und ihre Augen... Dirk blickte auf den Boden um ihrem Blick auszuweichen und schüttelte wütend den Kopf! War er jetzt völlig durchgeknallt! Die Kleine hatte ihn gerade geschlagen und er erfreute sich an ihrem Gesicht. Plötzlich hörte er hinter sich eine wütende Stimme: "Raider! Bist du jetzt völlig verrückt? Warum greifst du Matschbirne einen Teamkollegen an?" Er drehte sich um und starrte fassungslos in Sheilas Gesicht. Die Schieberin war von vier weiteren Runnern umringt. Ein Elf stürmte an dem immer noch fassungslosen Rigger vorbei und versetzte ihm dabei einen Schlag in den Magen. Dirk krümmte sich stöhnend und sah ihm nach. Der Elf stand mittlerweile bei dem Mädchen und redete beruhigend auf sie ein. Jetzt wurde ihm einiges klar und er dachte wütend: "Ich Narr, die Datenbuchse! Sie ist eine Deckerin.
Zugegeben sie ist ziemlich jung, aber Sheila weiß was sie tut. Warum mußt gerade mir das passieren?" Er ging auf die Kleine zu. Der Elf funkelte ihn böse an, doch Dirk schaute das Mädchen an und sagte schüchtern: "Sorry, ich konnte ja nicht wissen..."
Die Kleine riß den Kopf zu einer arroganten Geste nach oben und sagte zu dem Elf: "Houl, schau wo du mich hingebracht hast. Mit solchen Stümpern soll ich arbeiten?" Sie ging erhobenen Hauptes an Dirk vorbei und alle umstehenden brachen in schallendes Gelächter aus.
Dirk wurde rot, verdammt peinliche Lage. Sheila bedeutete ihnen ihr zu folgen und ging in den Besprechungsraum. Nachdem sie sich alle gesetzt hatten begann sie zu sprechen: "'n Abend Chummers. Freut mich, daß ihr alle erschienen seid. Bevor wir zum Geschäftlichen kommen werde ich euch erstmal vorstellen. Meiner Meinung nach vereinfacht es die Besprechung stark, wenn jeder weiß, welche Rolle sein gegenüber spielt und was er von ihm erwarten kann! Fangen wir mit Claw an:" sie deutete auf einen hageren Mann, welcher eindeutig stark modifiziert war; "Er wird für physische Unterstützung sorgen. Seine Erfahrungen und Fertigkeiten als Kämpfer sind mehr als zufriedenstellend! Das gleiche gilt für Hänger und Fireball;" Sie deutete dabei auf zwei ebenfalls bis an die Grenze des machbaren verchromte Runner, einen Zwerg und einen Ork. Jetzt wandte sie sich an den Elfen: "Das ist Houl, er folgt Wolfs Pfad und wird für magische Unterstützung sorgen.
Neben ihm sitzt Little Girl,", sie lächelte die junge Elfe an:
"Sie ist eure Deckerin und auf ihrem Gebiet ein absolutes As. Und last not least, Streetraider," Sie deutete grimmig lächelnd auf Dirk: "Er wird euer Rigger sein. Ein hervorragender Fahrer, der sich auch durch gut Kampffertigkeiten und hochwertige Verdrahtung auszeichnet, wenn er auch manchmal etwas impulsiv ist!" Dirk senkte verlegen den Kopf und Sheila sprach weiter: "Jetzt zum geschäftlichen. Wie ihr wißt handelt es sich um einen simplen Datenraub. Das einzige Problem besteht darin, daß der Zielhost nicht an das Gitter angeschlossen ist und ihr somit Little zum Einstöpselpunkt bringen müßt, den Rest erledigt sie!" Sie nickte der Kleinen zu und sprach weiter:
"Ziel der Aktion ist Intertech, ein Tochter der AG-C, bei den Daten handelt es sich um Informationen über ein Projekt der AG-C. Ich erwarte mittleren physischen und starken Matrixwiederstand. Ich bin bereit jedem von euch die bereits genannte Summe für die Ausführung des Auftrags zu zahlen. Seid ihr interessiert?" Dirk lächelte, das war eine ziemlich geschickte Formulierung, jeder wurde also unterschiedlich bezahlt, Sheila vermied aber Diskussionen, da keiner die Bezahlung des anderen kannte und es gegen die Etikette verstoßen würde, danach zu fragen. Alle waren einverstanden. Sheila kramte in ihrem Koffer und sagte zufrieden:
"Nun gut! Hier sind Pläne von Gebäuden und Gitter!"
Sie rollte einige Pläne aus und begann Einzelheiten zu erklären.
Danach besprachen die Runner ihre Vorgehensweise. Dirk mußte sich immer wieder wundern, die kleine Elfe schien ziemlich erfahren zu sein.
Jedesmal wenn er sie ansah, mußte er lächeln. Er fand die Kleine einfach süß und irgendwie sympathisch. Verflucht, sie war ein Kollege! Keine Gefühle während eines Runs, oder du wirst nicht sehr alt, ermahnte er sich immer wieder. Aber der Anblick des Mädchens nahm ihn gefangen. Er biß sich auf die Lippen und dachte verzweifelt:
"Laß dir nur nichts anmerken!"

Nach einer Stunde war die Besprechung beendet und sie standen auf. Als sie das Haus verlassen hatten streckte sich Dirk genüßlich.
Er wandte sich den anderen zu und sagte: "Wir sollten uns erst mal die Hardware ansehen!" Claw, Hänger und Fireball nickten zustimmend, während Little abweisend von ihm weg sah und Houl auf sie einredete.
Der Rigger zuckte mit den Schultern, allmählich konnte sie ihn mal, was hatte er ihr denn getan? Er ging zu dem Inrido, den man ihnen zur Verfügung gestellt hatte. Im Innern des Lieferwagens entdeckte er eine Ruhrmetall Maus IV mit ZwillingsMG. Er sah sich Drohne an und stellte zufrieden fest, daß beide über einen Fahrzeugadapter verfügten. Dirk stieg wieder aus und sah seine Kollegen an: "Alle Achtung. Sheila hat ganze Arbeit geleistet, das Zeug ist absolute Spitze." Little Girl schaute ihn hochnäsig an und sagte geringschätzig: "Dann können wir ja anfangen! Wenn es dem Herr genehm wäre. Auf deutsch; warum bist du noch nicht eingestöpselt?" Ein Schauder raste durch Dirks Körper, aber er konnte der Kleinen einfach nicht böse sein. Wortlos wandte er sich ab und begab auf den Fahrersitz. Houl setzte sich neben ihn, während die anderen hinten einstiegen. Dirk war das sehr recht, denn der Schamane schien die Deckerin zu kennen. Solche Fragen verstoßen zwar gegen die Straßenetikette, aber... egal. So konnte er zumindest etwas über die Kleine erfahren. Er stöpselte sich ein. Als die Riggerbootrutiene ihm den Typ des Autopiloten verriet nickte er hochachtungsvoll.
Ein Fuchi Ki-Operator IV, so ziemlich das beste auf dem zivilen Markt.
Er startete den Motor und fuhr in Richtung Worms, wo sich das Werk der Intertech befand. Als sie die Autobahn erreicht hatten aktivierte Dirk den Autopiloten und unterbrach die Riggerverbindung. Er streckte sich genüßlich und sagte zu Houl: "Sag mal Chummer, ist Little Girl immer so zickig?"
Houl lachte: "Meistens. Sie hat in ihrem Leben viel mitgemacht und haßt es, wie ein kleines Mädchen behandelt zu werden. Nun ja Kumpel, ich glaube, du bist bei ihr unten durch." Houl sah das traurige Glänzen in Dirks Augen, als er das sagte, überging es aber. Nach einer Stunde standen sie vor dem Werk in Worms. Dirk parkte abseits vom Haupteingang zwischen dem Zaun und einem verfallenen Lagehaus. Houl schloß seine Panzerjacke, die Feier konnte beginnen. Als er ausstieg rief ihm Dirk noch nach: "Ladet noch die Maus IV aus! Und Houl... Viel Glück!"
Houl drehte sich nochmals um und lächelte: "Danke. Halt die Ohren steif!" Dirkt nickte. Bald sah er den Trupp unter Houls Führung zum Zaun laufen. Claw trug irgend etwas auf dem Rücken, aber Dirk konnte nicht erkennen, was es war. Er stöpselte sich in die Fernsteuerung ein und drehte mit der Maus einsam seine Runden.

Claw nahm die Spezialleiter vom Rücken und entfaltete sie. Mit großer Geschicklichkeit stellte er sie so auf, daß eine Brücke über den Zaun entstand. Sie kletterten schnell über die Leiter um zu verhindern, daß sie von einer Streife entdeckt wurden. Dann rannten sie zum Hauptgebäude. Das Magschloss bot dem Knacker keinen Widerstand und so standen sie bald in einem dunklen Gang. Das Terminal lag nur einige Türen weiter und sie erreichten es ohne besondere Schwierigkeiten.
Houl begann sich Sorgen zu machen, es lief einfach alles zu glatt. Die Streetsams gingen in Stellung und Little Girl machte sich am Computer zu schaffen. Houl kniete neben ihr. Als sie sich einstöpselte legte er ihr die Hand auf die Schulter und sagte sanft: "Paß auf dich auf kleine Schwester!" Die Kleine lächelte und nickte. Sie setzte sich auf einen Stuhl und aktivierte die Verbindung. Von da an nahm sie den Raum, in dem sie sich befanden, nicht mehr war. Die Zeit verging, obwohl es nur Sekunden waren, kam es dem Team wie eine Ewigkeit vor. Es war immer wieder zermürbend, untätig zu warten bis der Decker seinen Job erledigt hatte. Sie hatten in dem Raum kein Licht eingeschaltet, doch dank ihrer Sichtmodifikationen und den empfindlichen Augen des Elfs konnten alle einigermaßen vernünftig sehen. Was sie jedoch nicht vor den Geschehnissen der nächsten Minuten bewahren sollte. Plötzlich ging das Licht an und ein Wachmann trat herein. Sie hatten sich von der Ruhe einlullen lassen und waren jetzt völlig überrascht. Der einzige der reagierte war Claw, doch der Wachmann war schneller. Ein Schuß zerriß die Stille und Houl sah entsetzt, wie eine Blutfontäne Claws Hinterkopf verließ. Der Kämpfer brach leise röchelnd zusammen. Der Wachmann schaute sie grimmig an und sagte: "Waffen weg und keine Tricks, sonst könnt ihr euch zu ihm in die Hölle gesellen!"
Houl ließ seine Waffe fallen und murmelte dabei unauffällig eine Zauberformel. Der Wachmann wankte auf einmal, während Houls Züge sich veränderten. Einen Moment lang schien es, als ob in seinem Gesicht sich ein Fell ausbreiten wollte, dann verschwand dieser Effekt jedoch wieder und der Wachmann brach lautlos zusammen. Houl fluchte leise vor sich hin und hob seine Waffe wieder auf. Jetzt war´s aus mit der Heimlichkeit.
Er mußte ein Ablenkungsmanöver starten, sonst würde es hier bald nur so von Wachen wimmeln. Er ging zu Hänger und sagte grimmig:
"Komm, wir werden den Pissern mal etwas Feuer unterm Arsch machen!
Fireball, wir treffen uns in zehn Minuten am Wagen!" Der Ork nickte und Hänger verließ mit Houl den Raum.

Dirk wartete ungeduldig. Plötzlich hörte er einen Schuß.
Verdammt was sollte er tun, mit der Drone kam er nicht über den Zaun.
Hoffentlich passiert der Kleinen nichts. Verfluchtes warten. Zwei Minuten später ertönten weiter Schüsse, die jedoch aus einer völlig anderen Richtung kamen. Kurz darauf gab es auch noch eine Explosion. Was zum Teufel ging da drinnen vor?

Little Girl spürte, wie die Welt um sie herum verschwamm. Sekundenbruchteile später fand sie sich in einem riesigen Garten wieder. Sie war endlich in der Matrix. Hier fühlte sie sich wohl. Sie schaute an sich herunter und schüttelte lachend den Kopf. Was hatte ein so schmuddeliges Straßenkind in einem so noblen Garten zu suchen? Sie nahm einige Modifikationen an ihrem Icon vor Zum Glück war sie nicht wie ein normaler Decker an ein Icon gebunden, sondern konnte als Otaku ihr Icon ziemlich frei modifizieren.
Bald war sie eine kleine Gärtnerinn mit einer hübschen grünen Schürze. Lächelnd sah sie sich um. Das paßte doch schon viel besser ins Bild, war ja auch ihre Idee. Sie schlenderte durch den Garten und beobachtete einige Gärtner bei der Arbeit. Wahrscheinlich waren es Anwendungen, die ein Peripheriegerät bedienten. Sie entdeckte auch ein paar Tiere, unter anderem einen Hund und ein paar Vögel.
Diese waren wahrscheinlich nicht ungefährlich, sie konnten von Sonden bis Killerice alles sein, aber Little war sich ziemlich sicher, daß es sich um ICE handelte. Na ja, wenn sie sich unauffällig verhielt würden sie sie in Ruhe lassen und außerdem waren sie sehr schön modelliert, es war eine Freude ihnen zuzusehen. Auf einmal haderte sie mit sich selbst. Es passierte ihr immer wieder, daß sie beim Anblick der Schönheit und Reinheit der Matrix ihre Arbeit vergaß. Sie war schließlich nicht zum Vergnügen hier! Nach kurzer Überlegung hatte sie ein Suchprofil der Daten zusammengestellt; Gemeinschaftsprojekt mit AG-C, neue Bioware, streng geheim, Red Eagel. Sie ging zu einem der Gärtner und fragte ihn höflich: "Guten Tag Kollege. Ich habe da ein kleines Problem. Ich soll mich um eine besondere Pflanze kümmern.
Eine noch sehr geheime Rose namens Red Eagel, sie soll mit der AG-C zusammen gezüchtet worden sein und genetisch verändert sein. Ich weiß jedoch beim besten willen nicht, wo sie steht. Kannst du mir da helfen?"
So übersetzte sie ihre Frage in die Metaphorik dieses Systems. Der Gärtner schaute sie mißtrauisch an, doch dann sagte er lächelnd:
"Tja der Boß ist auch nicht mehr das, was er mal war, die Pflanze steht bestimmt irgendwo im verbotenen Garten." Er zeigte auf eine große Dornenhecke. Die Elfe bedankte sich und ging darauf zu. Plötzlich bemerkte sie, das einige Vögel über ihr kreisten. Verdammt Sonden-ICE jetzt heißt es vorsichtig sein! Nachdem sie einmal um die Hecke herum gelaufen war entdeckte sie einen Eingang, der jedoch von einerm Greif bewacht wurde. Sie ging auf das Fabelwesen zu und sprach es vorsichtig an: "Ich müßte in den verbotenen Garten um dort einige Arbeiten zu erledigen."
Der Greif schaute sie mißtrauisch an und antwortete mit tiefer Stimme:
"Zeig mir deinen Erlaubnisschein!" Little griff in die Tasche ihrer Schürze und zog einen Zettel heraus, den sie dem Greif gab.
Der Greif schaute sie wütend an und grollte: "Das ist eine Fälschung!
Ich werde dich aus dem Garten fegen!" Das Mädchen schleuderte blitzschnell einen Wurfstern gegen das ICE und es brach zusammen. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel und ein Gewitter zog auf. Little laß schnell den Systemstatus ab. Verdammt, passiver Alarm, das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie ging in den verbotenen Garten hinein. Es begann zu regnen und sie fror bitterlich. Verdammte Sysops! Das war doch wohl etwas zu realistisch.
Sie entdeckte ein Hinweisschild und las die Aufschrift. Nach jedem lesen erschien eine neue Aufschrift. Ein Inhaltsverzeichnis, hervorragend. Bald fand sie die Datei und ihr wurde klar warum man ihr mißtraut hatte.
Es war gar keine Pflanze, sondern ein Krug, auf dem Grund eines Brunnens.
Sie analysierte das Wasser und wurde in ihrer Vermutung bestätigt; es handelte sich um Wirbel-ICE. Sie konzentrierte sich auf die Entschlüsselung und bald lag der Krug vor ihr auf dem Boden. Sie steckte ihn ein und der Kopiervorgang begann. Plötzlich verstärkte sich das Gewitter, der Himmel wurde ununterbrochen von Blitzen durchzuckt und es begann zu hageln. Little versuchte mit den Händen ihren Kopf zu schützen.
Aktiver Alarm, schlimmer konnte es nicht werden! In diesem Punkt irrte sie sich jedoch! Wie aus dem nichts tauchte ein zähnebleckender Höllenhund vor ihr auf. "Oh Gott, Schwarzes ICE, jetzt geht's mir an den Kragen!", dachte sie verzweifelt. Doch sie blieb standhaft, sie mußte warten, bis der Kopiervorgang beendet war, sonst war alles um sonst. Sie rief ihr Sprite und neben ihr erschien ein kleiner Straßenköter. Der Höllenhund sprang sie an und riß ihr ein Stück Fleisch aus der Schulter. Ein furchtbarerer Schmerz durchzuckte sie, doch sie stellte erleichtert fest, daß es sich nur um Non-Lethal-ICE handelte. Sie schaute den Straßenköter an und schrie: "Struppi, faß!"
Der Hund griff unerschrocken den viel größeren Gegner an. Doch nach kurzem Kampf wurde er von dem Höllenhund zerfetzt. Little sah traurig zu und dachte: "Tut mir leid Kleiner, aber das mußte sein! Bis zum nächsten mal." Ihre Gehirn signalisierte ihr, daß der Ladevorgang abgeschlossen war und sie veranlaßte sofort, das ihr Speicher von der Matrix getrennt wurde. Als sie sich gerade ausstöpsen wollte, sprang der Höllenhund sie erneut an. Diesmal zerfetzte er ihr jedoch die Kehle. Sie wurde ausgeworfen und war augenblicklich bewußtlos.

Als der Ork sah wie das Mädchen zuckend vom Stuhl fiel, geriet er in Panik. Er stand auf und rannte aus dem Gebäude heraus, ohne sich nochmals um das Mädchen zu kümmern. Anstatt über den Zaun zu klettern sprengte er ihn einfach und lief zum Wagen wo ihn ein völlig verwirrter Rigger erwartete und ihn anschrie: "Was zum Teufel ist da drinnen passiert?" Der Ork stotterte vor sich hin: "Wir wurden überrascht. Die Deckerin wurde gekrillt. Alle Tot! Wir müssen weg!" Dirk packte ihn an den Schultern und schrie wütend: "Reiß dich zusammen, die anderen müssen noch leben, es wird doch noch geschossen?
Was ist mit Littel? Bist du sicher, daß sie tot ist?" Beim letzten Satz stiegen ihm Tränen in die Augen. Fireball starrte ihn seltsam an und sagte böse: "Nein bin ich nicht. Meinst du ich riskiere für eine Fee meine Haut und bleibe wegen ihr nur eine Sekunde länger in so einer Hexenküche?" Er drehte sich um und rannte davon.
Dirk konnte kaum noch klar denken, er wies die Maus IV an die Stellung zu halten und rannte mit gezückter Urban Combat durch den zerstörten Zaun. In seinem Auge erschienen Zielkreuz und Statusanzeigen der Waffe, 33 Schuß im Magazin, Waffe feuerbereit. Er kannte die Pläne des Gebäudes ebensogut wie die anderen und so fand er schnell den Raum, indem sich Little eingestöpselt hatte. Als er sie regungslos unter dem Tisch liegen sah blieb ihm fast das Herz stehen. Er ließ sich vor ihr auf den Boden fallen und schrie verzweifelt: "Bitte, Kleine, daß darfst du mir nicht antun!" Er legte seine Hand auf ihren Brustkorb und stellte glücklich fest, daß sie noch schwach atmete. Schnell riß er ihr das Kabel aus der Datenbuchse und hob sie auf die linke Schulter. Ein Stechen trieb ihm Tränen in die Augen und er schrie auf. Er hatte seine Verletzung ganz vergessen.
Langsam trug er das Mädchen stöhnend aus dem Raum. Als er die Tür schon fast erreicht hatte fiel ein Schuß. Dirk wurde an der rechte Schulter getroffen und stürzte hart. Little überschlug sich einige male und blieb dann regungslos liegen. Dirk warf sich zur Seite und eine weitere Kugel schlug genau an der Stelle ein, wo er gelegen hatte.
Er sah den Wachmann, der bereits wieder auf ihn zielte. Doch diesmal war Dirk schneller, der Wachmann konnte mit den durch Bioware gepuschten Reflexen des Riggers nicht mithalten. Die MP ließ ein leises Zischen vernehmen und auf der Brust des Wachmannes wurden drei kleine Löcher sichtbar, um die sich ein ständig wachsender dunkler Rand bildete. Der Mann sah Dirk überrascht an und brach zusammen. "Sorry, Chummer.", dachte Dirk und hob Little wieder auf. So schnell er konnte lief er weiter.
Er schien die Schußverletzung gar nicht zu spüren.

Houl rannte in Richtung Wagen. Es war ihnen gelungen die Sicherheitskräfte abzulenken, aber sie hatten einen hohen Preis bezahlt. Hänger war von einem Schreckhahn getötet worden. Houl hatte sich dann unsichtbar gemacht und versuchte nun das Auto zu erreichen. Als er dort ankam stellte er verwundert fest, daß keiner der anderen hier war. Zum Teufel, was ist nun schon wieder passiert. Er wollte gerade wieder in das Gebäude stürmen, als er Streetraider mit Little auf dem Rücken sah. Er ließ den Zauber fallen, damit sie ihn sehen konnten. Plötzlich kam ihm ein Gedanke, er ging auf astrale Wahrnehmung und schaute sich die beiden an. Erleichtert stellte er fest, das Little, bis auf einige Schürfwunden, unverletzt war. Bei dem Rigger sah das schon anders aus. Der Schamane sah bei ihm große Wut, Sorge. Außerdem schien er einiges Blut verloren zu haben. Houl eilte ihm entgegen um im zu Helfen. Der Rigger sah ihn verzweifelt an: "Wir müssen sie schnell zu einem Arzt bringen!" Houl nahm ihm das Mädchen ab und sagte: "Nicht nötig, sie ist in Ordnung, aber du siehst schlecht aus!" Dirk schrie ihn an: "Mir geht es blenden, aber die Kleine! Das Ice hat sie erwischt!" Houl schrie jetz seinerseits: "Verflucht ich sagte sie ist in Ordnung.
Ich habe sie gescannt! Laß uns hier verschwinden." Sie liefen zum Auto und legten Little hinten hinein. Dirk wies die Drohne an hier zu bleiben und Verfolger aufzuhalten. Dann rasten sie davon. Nach einigen Minuten brach der Kontakt zu der Drohne ab. Sie war wahrscheinlich zerstört worden. Houl sah den Rigger besorgt an. Plötzlich hielt Dirk das Auto an. Er begann zu wanken und hielt sich den Kopf, dann brach er zusammen.
Houl untersuchte ihn und stellte erschrocken fest, daß er beinahe tot war. Der Zauberer legte ihm die Hand auf die Schulter, und versuchte einen Heilzauber zu sprechen. Es fiel ihm ziemlich schwer, verfluchte Cyberware, doch es gelang. Der Rigger blib zwar bewußtlos, aber würde es überleben. Danach programmierte er den Autopiloten. Er würde sie zu seiner Wohnung bringen.

Houls Wohnung lag am Rand von Heidelberg im Stadtteil Boxberg. Es handelte sich um ein kleines Apartment in einem der dortigen Hochhäuser. Er stellte den Inridio in der Tiefgarage ab und öffnete die Ladepritsche.
Dort sah er Littel Girl, sie rieb sich den Kopf und ihre Stirn blutete.
Als sie ihn sah fragte sie mit schmerzverzerrtem Gesicht: "Was ist geschehen Markus?" Er reichte ihr die erleichtert Hand, sie konnte sich noch an seinen Namen erinnern, also konnte das ICE sie nicht allzu hart erwischt haben. Er half ihr auf die Beine und antwortete: "Später kleine Schwester. Du mußt mir erst helfen Raider in meine Wohnung zu bringen. Die anderen hat es erwischt!" Littel, oder Nathalie, wie sie mit richtigem Namen hieß, atmete verächtlich aus: "Ausgerechnet dieser Drekhead mußte durchkommen!" Das klang zwar sehr hart, aber Markus kannte sie besser. Er hörte in ihrer Stimme die gut versteckte Erleichterung und erwiderte mit gespieltem Ernst: "Du solltest nicht so von ihm reden! Immerhin hat er dir das Leben gerettet!" Alle Härte verschwand aus dem Gesicht der Elfe und machte Überraschung und ängstlicher Sorge Platz. Sie wollte anfangen zu sprechen, aber der Schamane legte seinen Finger auf die Lippen und sagte: "Ruhig, er lebt hilf mir ihn hoch zu tragen. Sie trugen ihn zusammen in den Aufzug. Markus bewunderte das Mädchen. Sie mußte am Ende sein, unterstützte ihn jedoch mit aller Kraft. Sie schleppten den Rigger durch die geschmackvoll in indianischem Stiel eingerichtete Wohnung und legten ihn vorsichtig im Schlafzimmer aufs Bett. Markus sah, daß Nathalie leicht wankte und sagte besorgt: "Du solltest dich ein bißchen hinlegen!" Sie schüttelte jedoch trotzig den Kopf: "Erst erzählst du mir, was da draußen passiert ist!" Der Schamane seufzte: "Na gut. Du gibst ja doch keine Ruhe! Setz dich ins Wohnzimmer, ich mache uns erst mal ne Ladung Soykaff." Das Mädchen gehorchte und nach zehn Minuten saßen sie mit einem wunderbaren Kaffee am Wohnzimmertisch. Markus begann zu erzählen und Nathalie hörte zur Abwechslung mal aufmerksam zu: "Eigentlich gibt es da gar nicht so viel zu erzählen. Während ich mit Hänger das Ablenkungsmanöver aufzog, wurdest du ohnmächtig. Fireball drehte durch und rannte davon, worauf Raider ins Gebäude stürmte und dich raus holte. Dabei hat er sich eine Kugel eingefangen und ist gestürzt.
Hänger wurde auf der Flucht von einem Schreckhahn erwischt. Das war´s!
Run vergeigt, zwei Mann tot, einer verschollen einer schwer Verletzt. Scheiß Bilanz, meinst du nicht auch?" Nathalie tastete nach der Schürfwunde an ihrem Kopf. Jetzt war ihr klar, woher sie die hatte. Aber dafür konnte sie dem Rigger wirklich nicht böse sein, im Gegenteil, sie machte sich ziemliche Vorwürfe wegen seiner Verletzung. Sie schaute Markus mit ihren großen, klugen Augen ernst an und sagte: "In einem Punkt hast du nicht Recht! Der Run war ein Erfolg, ich habe die Datei!
Aber warum hat Raider sein Leben für mich riskiert? Er wäre beinahe für mich gestorben. Ich war furchtbar ungerecht zu ihm!" Beim letzten Satz schluchzte sie leise. Der Schamane legte ihr tröstend die Hand auf die Schulter: "Er wird es schon überstehen. Ist 'n zäher Bursche. Ich weiß nicht, warum er dich da raus geholt hat. Kann nämlich keine Gedanken lesen! Aber als ich ihn asscannte, sah ich nur Sorge und Angst um dich! Er schien weder Schmerzen noch Todesangst zu haben. Auch später sorgte er sich so sehr um dich, daß er seine eigene Verletzung vernachlässigte und beinahe starb. Es klingt verrückt, aber ich glaube er hat dich sehr gern. Verdammt ich versteh´s auch nicht!" Plötzlich erinnerte er sich, was die Kleine geleistet hatte, als sie Raider hierhoch gebracht hatten und er fragte vorsichtig:
"Magst du ihn auch?" Sie wich seinen Blicken aus und antwortete schüchtern: "Ja. Es hat keinen Sinn dich zu beschwindeln , du würdest doch die Wahrheit erkennen. Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich zu ihm hingezogen. Ich werde mal nach ihm sehen!"
Sie wollte aufstehen, doch Markus sah sie streng an und sagte: "Einen Teufel wirst du tun! Du ruhst dich jetzt erstmal aus und ich kümmere mich um ihn! Ich kann keine zwei halbtoten in meiner Wohnung gebrauchen."
Das Mädchen schmollte gespielt und antwortete trotzig: "Ja, Papi.
Das Töchterchen legt sich ja schon hin. Darf ich noch das Sandmännchen sehen?" Darauf begannen beide herzlich zu lachen. Markus besorgte noch eine Decke für Nathalie und sah nach Dirk. Der Rigger würde nicht vor morgen früh zu sich kommen. Jetzt legte auch er sich schlafen.
Er mußte sich heute mit dem Boden begnügen, aber er schlief trotzdem zufrieden ein. Irgendwo heulte Wolf ihm anerkennend zu.

Houl wachte irgendwann gegen elf auf. Das Tageslicht blendete seine müden Augen und er kniff sie gähnend zusammen. Warum lag er hier auf dem Boden? Langsam fielen ihm die Geschehnisse des letzten Tages wieder ein. Er streckte sich ausgiebig und stand auf. Was nun? Langsam lief er zum Sofa und versuchte seine Müdigkeit abzuschütteln. Dort sah er Nathalie ruhig schlafen. Er mußte lächeln. Nun mußte er auch noch nach dem Rigger sehen. Er ging in´s Schlafzimmer. Raider lag auf dem Bett und rieb sich stöhnend die Schläfen. Markus ging auf ihn zu: "Moin Chummer, weilst ja wieder unter den Lebenden!"
Dirk schaute ihn verständnislos an und fragte: "Wo bin ich? Was ist passiert?" Markus antwortete: "Keine Panik, du bist in Sicherheit.
Wir haben dich Gestern nach dem Run zu mir gebracht." Der Rigger sah ihn fragend an: "Wer ist wir?" "Na..., äh Little und ich." Houl hätte beinahe Littles richtigen Namen verraten. So gut kannte er den Rigger jetzt auch wieder nicht. Plötzlich richtete Dirk sich auf und sagte nervös: "Wie geht es ihr, ich muß sie sehen, um zu wissen, daß es ihr gutgeht." Houl drückte ihn sanft ins Bett zurück und erwiderte: "Verdammt, bleib liegen!
Bei deinem Blutverlust würdest du keine fünf Meter laufen ohne zusammenzubrechen!" Dirk wollte sich wehren, aber sein Körper teilte ihm schnell mit, daß er dem Schamanen recht gab. So antwortete er nur schwach: "Versteh mich bitte nicht falsch! Ich weiß, daß die Kleine deine Freundin ist und will sie dir bestimmt nicht streitig machen. Sie kann mich eh nicht ausstehen!" Markus begann schallend zu lachen und sagte: "Oh, ich glaube, da muß ich einiges richtigstelle! Erstens, ich bin mit Little gut befreundet, aber wir sind kein Paar. Ich kenne sie von der Straße und habe ihr manches Mal geholfen. Sie ist eine Art kleine Schwester für mich. Zweitens, der den sie mal als Freund bekommt, hat mein ehrliches Mittleid. Sie ist die größte Nervensäge die ich je kennengelernt habe. Und dritten, sie kann dich sehr wohl ausstehen, hättest mal sehen sollen, was sie hier gestern veranstaltet hat. Ich hätte ihr beinahe einen Betäubunszauber verpaßt, damit sie endlich schläft. Die Kleine mag dich, mein Beileid!" Er konnte sich kaum noch halten vor lachen. Plötzlich wurde er von einer hellen Stimme unterbrochen: "Das habe ich gerade noch gehört, Hundebubie! Wie geht es dem Patient?" Er drehte sich um und sah Nathalie unter dem Türrahmen stehen. "Er kann sich schon wieder Sorgen um dich machen, also geht es ihm wieder besser!", sagte er lachend. Das Mädchen kam auf die beiden zu. "Würdest du mich bitte einen Moment mit ihm allein lassen?", sagte sie spitzbübig.
Houl stand auf und ging zur Tür, wobei er immer noch lachend sagte:
"Kein Problem, aber übertreibt es nicht, er ist noch sehr schwach!"
Er konnte nur knapp einem Schuh ausweichen, den Nathalie ihm als Erwiderung auf diesen Satz nachwarf. Nathalie setzte sich auf den Rand des Bettes.
Dirk sah sie an und fühlte sich irgendwie glücklich: "Little, Mann bin ich froh, daß es dir gut geht!" "Nenn mich nicht Little, für dich bin ich Nathalie!", sagte sie, wobei sie ihm sanft die Hand auf die Schulter legte. Dirk griff vorsichtig nach ihrer Hand und sagte glücklich: "Du bist mir also für die Sache im Stealhous nicht mehr böse?" Sie lächelte: "Nein, wie könnte ich, ich verdanke dir mein Leben! Verzeih mir, daß ich dich so schlecht behandelt habe!" Dirk schloß die Augen und sagte traurig: "Du hast mich so behandelt, wie ein Profi nun mal einen Anfänger behandelt!" "Nein ich war ein Idiot, du bist kein Anfänger. Wo sind den die ganzen Profis? Tod und geflohen! Du warst sehr tapfer, Raider", sagte Nathalie leise. "Bitte nenn mich nicht so! Ich heiße Dirk.", erwiderte er. Sie lächelte ihn an und sagte langsam: "Dirk du wärst beinahe gestorben, warum hast du dich so in Gefahr gebracht?" Dirk blieb beim Anblick ihres Lächelns fast das Herz stehen und er antwortete verlegen: "Ich konnte dich doch nicht da drinnen lassen!" Anstatt zu antworten küßte sie ihn sanft auf die Wange. Dirk sah die Tränen in ihren Augen und strich ihr zärtlich mit der Hand über den Hals. Plötzlich stand Markus in der Tür. "Könnt ihr beiden das auf später verschieben? Doc Flona wartete nämlich schon auf unseren Halbtoten!", sagte er lachend und handelte sich damit einen unsagbar bösen Blick von Nathalie ein. Gemeinsam verfrachteten sie Dirk in den Bus, wobei er mehr als einmal beinahe das Bewußtsein verlor. Nathalie wich keinen Meter mehr von Dirks Seite. Sie fühlte sich immer noch schuldig. Sie hätte nie gedacht, daß sie sich nachdem, was damals passiert ist, noch mal verlieben würde, aber es ist geschehen. Der Doc war entsetzt über Dirks Zustand, aber nach seinem halben Vorrat an Blutersatz, fühlte Dirk sich wie neu geboren.

Verdiente Pause

Am nächsten Tag schaute Dirk bei Tim vorbei. Er fand den Mechaniker, wie üblich, in seiner Werkstatt zwischen halb zerlegten Autos. "Hoi Tim! Wie geht´s meiner Karre?", sagte Dirk, wobei er gut gelaunt auf seinen Freund zulief. Tim schaute auf und antwortete: "Oh, hoi Dirk! Deiner Karre geht's gut. Frisch gewaschen und gebügelt! Aber ob das auch dein Ebbie freuen wird?" Dirk schaute ihn mißtrauisch an: "Wieviel?" Tim lächelte hämisch: "Hm. Laß mal rechnen. Lackieren, neue Scheiben, die Turmhydraulik... macht einundzwanzig Kilo." "Na ja. Hab mir fast schon so etwas gedacht", seufzte Dirk und zog seine Scheckkarte aus der Tasche. Tim nahm sie nickend entgegen und buchte den Betrag ab. Dabei sagte er: "Hab gehört, du hast da einen ziemlich harten Run durchgezogen. Wer war eigentlich die Kleine mit der dich Speed beim Doc gesehen hat?" Dirk spielte geistesabwesend mit seinem Schlüssel: "Das geht dich nichts an, Chummer!" Tim gab ihm die Karte zurück und sah ihn fragend an: "Ey. Sei doch nicht so. Sie soll verdammt hübsch gewesen sein. Aber, na ja ein bißchen jung." Bei dem Gedanken an Nathalie schlug Dirks Herz höher. Er schaute den Mechaniker verlegen an und sagte: "Sie ist ein klasse Chummer, das kannst du mir glauben! Aber jetzt muß ich wirklich gehen!" Er wandte sich ab und lief zu seinem Wagen. Tim rief ihm noch lachend hinterher: "Dann hat also der schüchternste Rennfahrer auch noch ein Mädchen gefunden. Wurde aber auch Zeit!" Dirk reagierte gar nicht darauf, sonder betrachtete zufrieden sein Auto.
Tim hatte zwar eine große Klappe, war aber ein hervorragender Mechaniker.
Er schloß den Honda auf und setzte sich hinein. Dann stöpselte er sich ein. Diesmal nervte ihn die Frauenstimme des Bordcomputers, er mußte immer an Nathalie denken. Er startete den Motor und fuhr in Richtung Boxberg. Dort warteten Markus und Nathalie, sie mußten ja schließlich noch die Kohle für den letzten Run abholen. Er parkte den Honda vor dem Wohnblock und lief guter Dinge zum Eingang. Wenige Minuten später stand er vor Markus Wohnung und klingelte. Nathalie öffnete und fiel ihm um den Hals. Dirk erwiderte glücklich die Umarmung. Dann schaute er ihr tief in die Augen und lächelte: "Vorgestern hättest du mich noch nicht umarmt, sondern eher gewürgt!" Sie legte ihm scherzhaft die Hände um den Hals und sagte lachend: "Das kann dir auch jetzt noch passieren!" Er legte ihr den Arm um die Schulter und beide gingen in die Wohnung. Markus kochte wieder einen seiner berühmten Kaffees und bald saßen alle am Tisch. Während sie den Kaffee genossen, erzählte Nathalie, was sie in den Daten aus dem letzten Run alles gefunden hatte. Dabei sah sie immer wieder Dirk in die Augen und er konnte sich nur mit Mühe auf die Informationen konzentrieren.
Es handelte sich um Aufzeichnungen über ein Biowareprojekt, bei dem der Konzern mit der AG-C zusammenarbeitete. Es wurde vermerkt, daß die ursprünglichen Pläne von einem schweizer Konzern namens Genom stammten und dieser mit den Forschungen weiter war. Außerdem wurde ersichtlich, das Seader starkes Interesse an dem Projekt zeigte. Der Rest waren alles medizinische Daten, die Nathalie nicht verstand. Markus runzelte die Stirn und sagte: "Seader hat Interesse an der Sache, vielleicht sind sie unsere Auftraggeber gewesen." "Ist jetzt auch egal, laßt uns das Zeug endlich loswerden.", sagte Dirk freudig, während er Nathalies Arm streichelte. Nathalie sah ihn verständnislos an und erwiderte: "Das kannst du so nicht sagen, Dirk. Es ist immer gut zu wissen, für wen man arbeitet!" Dirk schaute verlegen auf den Tisch und sagt: "War nicht so gemeint Engel. Ich will die Sache nur hinter mir haben." "Er hat recht! Laßt uns Sheila anrufen!", sagte Markus entschlossen. Er stand auf und holte den Telekom. Kurze Zeit später erschien Sheilas Gesicht auf dem Schirm. Sie sah etwas besorgt aus. "Wie ist es gelaufen? Hab´ gehört ihr hattet Schwierigkeiten.", sagte sie vorsichtig. Markus sah sie verärgert an und erwiderte: "Schwierigkeiten ist gut! Die Hälfte des Team ist verschwunden oder tot. Aber wir haben die Daten! Wann können wir uns treffen?" Sheila nickte zufrieden und antwortete: "Heute Abend halb acht vorm Cinema-Palast in Nußloch. Bringt die Karre und die Drone mit!"
Dirk schüttelte ernst den Kopf und drängte sich ins Bild. "Tut mir leid Lady, die Drone hats zerlegt!", sagte er schuldbewußt.
Sheila war der Ärger darüber leicht anzusehen: "Na ja, kann man machen nichts! Aber den Wagen habt ihr noch." Dirk nickte und antwortete: "Klar, hat keinen Kratzer abbekommen." "Nun gut. Dann bis heute Abend", schloß Sheila und legte auf. "Hm, vor dem Cinema-Palast, was haltet ihr davon, wenn wir uns heute einen schönen Abend machen?", sagte Dirk gut gelaunt, während er an seinem Kaffee nippte. Markus lächelte und meinte: "Schaut euch den an:
Gestern noch halb tot und heute will er schon wieder ausgehen!" Nathalie mußte herzhaft lachen. "Tja, er ist halt hart im Nehmen!", sagte sie, während sie nach Dirks Hand tastete. Dieser ergriff sie glücklich und fragte: "Was nun, das Treffen ist erst in fünf Stunden." Nathalie stellte die Tasse ab und meinte:"Ich werde noch ein bißchen im Gitter spazieren gehen. Hab´ ein paar Bekannten versprochen sie heute zu treffen!" Als sie Dirks besorgtes Gesicht sah stand sie auf und küßte ihn auf den Mund: "Keine Angst Dirk. Ich habe mir ja auch keine Sorgen gemacht, als du deinen Wagen abgeholt hast. Hab´ ja nicht vor, in´n heißes System zu decken.
Will nur ein paar Chumskies besuchen." Sie stand auf und ging zur Couch. Dort legte sie sich hin und stöpselte sich in die Telekomstation auf dem Wohnzimmertisch ein. Markus sah sie warnend an und sagte: "Mach bloß keinen Blödsinn! Ich kann hier keine Bullen gebrauchen!" Das hörte sie jedoch schon gar nicht mehr. Der Schamane schüttelte den Kopf und sah Dirk klagend an: "Da hast du dir was eingefangen!
Es ist leichter eine Horde Geister zu bändigen, als dieses kleine Luder. Hilfst du mir wenigstens abspülen?" Dirk nickte lachend, nahm zwei Tassen und folgte ihm in die Küche. Markus ließ Wasser in die Spüle laufen und legte das Geschirr hinein. "Seltsam, bis jetzt hat sie sich noch nie für Männer interessiert. Sie hat schlechte Erfahrungen gemacht, weißt du. Mit zehn wurde sie auf der Straße vergewaltigt. Damals fand ich sie halb tot in der Gasse", sagte er nachdenklich. Dirk sah ihn entsetzt an und sagte erschüttert:
"Oh mein Gott. Jetzt verstehe ich auch ihre Panik, als ich sie Gestern festgehalten habe. Hat man die Kerle erwischt?" Markus verzog sein Gesicht zu einem bitteren Grinsen und antwortete grimmig: "Wolf hat sie bestraft. Sie starben einen schnellen, aber sehr schmerzhaften Tod."
Dirk nahm eine Tasse aus dem Wasser und trocknete sie vorsichtig ab. Dann legte er sie auf den Tisch. Er hielt sich an der Tischkante fest und niedergeschlagen schüttelte den Kopf: "Mein armer Engel. Warum!" Markus legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: "Sorry, ich glaubte, das solltest du wissen. Sie ist ein wunderbares Mädchen, auch wenn sie oft etwas vorlaut ist. Bitte behandle sie gut." Dirk hatte Tränen in den Augen als er antwortete: "Ich weiß. Ich liebe sie. Ich würde alles dafür geben, damit sie glücklich ist."
Sie räumten zusammen die Tassen in den Schrank und begaben sich wieder ins Wohnzimmer. Nathalie lag immer noch auf dem Sofa und schien ihre Umgebung nicht wahrzunehmen. Die beiden setzten sich vor das Sofa und schalteten das Trideo ein. Es kamen einige langweilige Serien. Aber mit ein par Suffers und einer Coke vor der Nase konnte man sie ertragen. Da sie nichts besseres zu tun hatten blieben sie vor dem Trideo sitzen bis Nathalie die Matrix wieder verlies.

Kurz nachdem Nathalie den Link zum Gitter aktiviert hatte verlor sie ihre weltliche Wahrnehmung. Sie stand plötzlich auf einer riesigen schimmernden Kristallebene, die von zahllosen kleinen weißen Pyramiden überseht war. Jede dieser Pyramiden stellte einen Matrixzugang da.
Über der Ebene schwebten die Konstrukte der größeren Hosts.
Wunderschön gezeichnete Iconen, wie zum Beispiel das Schloß der Heidelberger Uni und der Stern von Fuchi International. Sie fühlte sich großartig, der große Geist des Gitters schien ihr neue Kraft zu geben. Zu schade, das Dirk das nicht erleben konnte. Sie schwebte graziös auf das Schloß zu und ihr war, als spüre sie einen leichten Luftzug. Am Fuße des, dem Heidelberger Schlosses nachempfundenen Baus sah sie den kleinen Wehrgang, den die Community in Heidelberg für ihre Treffen benutzte. Sie lächelte, denn sie hatte daran mitgearbeitet die viertausend Megapuls von dem Unihost abzuzweigen. Sie schwebte durch den kleinen Eingang und befand sich bald in den schönen Versammlungsraum.
Sie strich liebevoll über den Marmortisch in der Mitte des Raumes und spürte das kühle Gestein unter den Fingern. Sie hatten ein Marmormuster aus dem Fuchistar für den Tisch benutzt. Ein leises Plätschern machte sie auf einen kleinen Brunnen am Rande des Raumes aufmerksam, Aus dem Stein der Wand sprudelte kristallklares Wasser, das von einer Obsidianschale aufgefangen wurde. Kleine leuchtende Edelsteine auf dem Grund der Schale ließen das Wasser in allen Farben des Regenbogen schillern. Sie lief entzückt zu dem neuen Icon hinüber. Vorsichtig tauchte sie die Hände in das Wasser ein und ein schauer lief ihr über den Rücken als sie die erfrischende Kälte spürte. Sie schöpfte eine Handvoll des Wassers aus dem Brunnen und trank es. Überraschenderweise fühlte es sich wirklich an, als ob sie trinken würde. Dieser Brunnen war eine Meisterleistung. "Hallo Little! Gefällt er dir?", hörte sie eine Jungenstimme hinter sich sagen. Sie drehte sich um und sah Quicksilver, ein junges Mitglied der Community. Sie schaute ihn lächelnd an und sagte: "Er ist wunderschön. Wie geht es dir?" Der Junge, der ebenfalls aussah, als wäre er direkt von der Straße in die Matrix maschiert, lief auf sie zu und setzte sich auf den Tisch. "Was gefällt dir so an dem Typ an dessen Arm du seid gestern hängst?", fragte er unmutig. Nathalie dachte kurz nach und merkte, daß sie das selbst nicht genau wußte, aber bei dem Gedanken an ihn wurde ihr warm. Sie schaute den Freund spitzbübig an und sagte: "Warum interessiert dich das? Bist du eifersüchtig."
Quicksilver schaute mit offen zur Schau getragener Empörung von ihr weg, als er sagte: "Wie kommst du darauf? Find´s nur ein bißchen seltsam, da du von Jungen sonst nichts wissen willst." Sie strich ihm grinsend mit dem Zeigefinger über´s Gesicht und sagte herausfordernd:
"Tja jeder kann sich ändern. Vielleicht ist mir bis jetzt nur noch nicht der Richtige begegnet?" Quicksilver ging darüber hinweg.
"Na gut, ich habe ein paar Nachforschungen über ihn eingezogen und er scheint in Ordnung zu sein. Paß aber auf, keiner dieser Autoduellisten ist ganz normal!", sagte er, wobei er wie ein Tiger um sie herumlief.
Nathalie schaute ihn böse an und sagte: "Was fällt die ein!"
Quicksilver lachte laut: "Och, ich wunderte mich nur. Er ist schließlich keiner von uns, aber du neigtest ja immer schon zum Ungewöhnlichen!"
Sie ging zum Brunnen und kühlte sich das Gesicht mit dem wunderbaren Wasser und sagte ärgerlich: "Ach hör´ schon auf. Ich liebe ihn einfach, verstanden! Hast du irgend etwas über meinen letzten Job herausgefunden?" Quicksilver schaute sie strafend an und sagte:
"Natürlich, oder hast du etwas anderes erwartet? Euer Auftraggeber war tatsächlich Seader und ich habe in den Daten eine Signatur von Genom gefunden. Tja, ihr habt also geklaute Daten nochmals geklaut, lustig nicht?" Sie schaute ihn anerkennend an und sagte: "Oh, das ist Einiges! Danke." Er lächelte sie an und sagte verführerisch:
"Für dich tu´ ich doch alles, Schatz." "Das glaub´ ich dir auf´s Wort", antwortete sie lachend. Sie verabschiedeten sich von einander und Nathalie schwebte wieder ins Gitter hinaus.

Dirk spürte wie sich Nathalies Arme um ihren Oberkörper legten und schnurrte genüßlich. Er legte vorsichtig den Kopf nach hinten auf ihre Brust und küßte sie. Sie sahen sich einige Sekunden glücklich in die Augen, dann fragte er sie neugierig: "Ich weiß nicht viel über die Matrix aber wo ist eigentlich dein Deck?"
Sie lachte und küßte ihn zärtlich auf den Mund. "Ach Schatz, du weißt wirklich nicht viel. Ich brauche kein Deck. Ein Deck ist was für Unwissende. Ich lebe in der Matrix. Der große Geist hat mir eine lebende Persona geschenkt!" Dirk schaute sie ungläubig an und sagt: "Dann ist mein Engel eine dieser legendären Otaku?"
Sie lachte herzhaft und kraulte ihm den Kopf: "Wenn du mich so nennen willst." Nun setzte sich Dirk neben Nathalie auf das Sofa und legte den Arm um sie. So verbrachten sie die nächsten Stunden. Fünf vor sieben stand Markus auf und nahm seine Jacke: "Kommt schon ihr Turteltauben, wir haben einen Termin." Die beiden standen lachend auf und gingen Hand in Hand zur Garderobe. Dirk reichte Nathalie ihre Jacke, welche diese lachend entgegennahm. Sie schaute Markus grinsend an und sagte:
"Siehst du, er ist halt ein Gentleman." Fünf Minuten später standen sie in der Garage. Dirk öffnete den Lieferwagen und sie fuhren nach draußen. Diesmal saß Nathalie neben ihm. Dirk hielt neben seinem Honda an und stieg aus. Er öffnete die Tür den Sportwagen und Aktivierte den Autopiloten. Dieser sagte ihm mit seiner üblichen betörenden Stimme: "Was wünschst du?" Dirk brummte verärgert und leierte seinen Befehl herunter: "Folge dem Inridio bis zum Cinema-Palast in Nußloch und suche dir dort einen Parkplatz."
Der Autopilot antwortete mit seinem: "Auftrag verstanden!" Dirk schloß die Tür und ging wieder zum Inridio. "Schöner Wagen.", meinte Nathalie anerkennend. Dirk startete den Wagen und fuhr die B3 in Richtung Nußloch. Nach dreizehn Minuten erreichten sie den Cinema-Palast. Ein riesiges Chrom-Glas-Gebäude mit ausgedehnten Parkplätzen. Direkt daneben lag der große Komplex der Montana Textil Intenational. Sie parkten den Inridio am Rand des Parkplatzes. Der Honda suchte sich einen Parkplatz in der Nähe. Markus stieg aus und lief zu den anderen nach vorne. Er klopfte an die Fahrertür und rief:
"Auf Leute etwas mehr Bewegung bitte." Dirk öffnete die Tür und antwortete mürrisch: "Nur keine Hektik, Chummer!"
Währenddessen war Nathalie bereits ausgestiegen. Dirk kramte den Optochip aus dem Handschuhfach und stieg ebenfalls aus.

Sie liefen alle drei zum Eingang des Kinos. Dirk entdeckte Sheila etwas abseits von der Menge. Er nickte den anderen zu und lief in Richtung der Schieberin. Die anderen folgten ihm. Sheila hatte, wie üblich, ein paar Bodyguards dabei. Sie schaute den Runnern entgegen. Markus trat auf sie zu und sagte: "´n abend Sheila. Wie geht's!" Sheila sah ihn ungerührt an: "Gut, danke der Nachfrage. Habt ihr die Daten?" Dirk zeigte wie beiläufig auf seine Jackentasche und antwortete: "Selbstverständlich." Sie nickte ihm zu und sagte: "Gut, dann laßt uns zu dem Lieferwagen gehen!" Markus nickte und drehte sich um. Die anderen folgten ihm zum Inridio. Dort zog Dirk den Chip aus der Jacke und gab ihn der Schieberin. Diese legte ihn in einen Chipleser und prüfte die Daten. Dann nickte sie zufrieden und verlangte den Schlüssel des Wagens. Dirk händigte ihn ihr aus. Sie prüfte den Wagen und schaute sie dann höchst zufrieden an. "Der Wagen ist in Ordnung und den Verlust der Drohne kann ich verschmerzen. Hier sind eure Checksticks. Dirk wollte seinen sofort einstecken, aber Nathalie hielt seine Hand fest und legte den Ebbie in einen Datenleser.
Während das Gerät arbeitete schaute sie Sheila an und sagte:
"Nichts gegen dich. Reine Routine." Die Schieberin lächelte:
"Verstehe schon. Habt gute Arbeit geleistet, wenn ich wieder einen Job habe, weiß ich an wen ich mich wenden muß. Wie seid ihr mit Raider zurecht gekommen, ich hörte, er hat einiges abbekommen."
Dirk schaute auf den Boden, diese Ohrfeige hat gesessen. Doch Nathalie lächelte und sagte begeistert: "Er hat sich benommen wie ein alter Profi, im Gegensatz zu deinen Muskeln!" Während sie das gesagt hatte, bestätigte das Lesegerät die Echtheit der Ebbies.
Sheila nickte ihnen zu und stieg dann in den Wagen. "War mir ein Vergnügen mit euch zu arbeiten." Auch ihre Beschützer stiegen in den Inridio ein. Sheila startete den Wagen und fuhr davon. Dirk schaute die anderen beiden schuldbewußt an und sagte: "Ähm, wie kommen wir wieder nach Hause?" Markus schaute ihn verständnislos an und sagte: "Du hast doch deinen Honda dabei, oder hast du Angst, daß wir ihn dir schmutzig machen?" Dirk schüttelte den Kopf und antwortete:
"HA, ha. Das nicht, aber die Kiste ist ein Zweisitzer. Kein Kofferraum und kein Platz hinter den Sitzen." Markus wandte sich ab: "Verstehe schon, ich fahr mit dem Bus." Dirk schüttelte aber den Kopf:
"Nein, ich würde sagen wir fahren alle mit dem Bus. War mein Fehler, ich zahle die Karten." Nathalie schaute die beiden an und schimpfte: "Mann habt ihr Probleme, laßt uns erstmal schauen, was heute läuft." Markus schaute Dirk fragend an. Doch Dirk lachte und machte eine auffordernde Kopfbewegung. Nathalie nahm Dirks Hand und alle drei gingen zum Kino hinüber. Doch das Programm konnte sie nicht so recht überzeugen. Statt dessen beschlossen sie in eine der, an den Komplex angeschlossenen Eisdielen zu gehen. Jeder bestellte sich einen riesen Eisbecher. Als Nathalie den Löffel in die Hand nahm stöhnte sie leise und ließ ihn gleich wieder Fallen. Dirk griff sanft nach ihrer Hand und sah, daß die Haut, dort wo sie von dem Löffel berührt worden war, zu Bluten begonnen hatte. Sie schaute ihn leidend an und sagte: "Silber. Keine Angst, geht wieder vorbei." Sie zog ein Tuch aus der Tasche und band es sich um die Hand. Sie rief nach der Bedienung und ließ sich einen neuen Löffel bringen. Die Frau war bestürzt und entschuldigte sich immer wieder, aber Nathalie winkte nur ab. Sie aß nun genüßlich ihr Eis. Schließlich fuhren sie dann doch alle drei in dem Honda zu Markus. War eine abenteuerliche Fahrt. Nathalie saß auf Dirks Schoß, der den Wagen über seinen Fahrzeugadapter steuerte. Dirk betete in keine Polizeikontrolle zu kommen. Aber Nathalie schien die Fahrt großen Spaß zu machen.
Vor Markus´ Wohnung wurden sie von Hawk, einem jungen Schamanen, der mit Markus gut befreundet war erwartet. Er schaute die drei ernst an und sagte: "Hy Houl. Ich brauche dringend deine Hilfe." Er schaute sich Dirk an und fragte mißtrauisch: "Kann ich reden?"
Markus schloß die Tür auf und sagte beruhigend: "Kein Problem, is´n Chummer, aber laß uns rein gehen!" Sie gingen in die Wohnung und Markus gab Nathalie ein Zeichen, worauf diese Dirk bei der Hand nahm und ihn in die Küche zog: "Komm, wir lassen die beiden erstmal allein, können bestimmt ´ne Tass Kaff gebrauchen."
Als sie wieder ins Wohnzimmer gingen sah Markus ziemlich ernst aus. Sie setzten sich zu den beiden Zauberern an den Tisch. Markus sagte ernst:
"Dieses Problem könnten wir nur durch ein Ritual lösen, aber dafür brauchen wir einen sicheren Platz und nach deinen Berichten finden wir den bestimmt nicht bei dir zuhause." Nathalie stellte den Kaffee auf den Tisch und fragte: "Ist diese Wohnung etwa kein sicherer Platz." Hawk schaute sie traurig an: "Schon , aber wir wollen dich nicht in Gefahr bringen und können auch nicht verlangen, daß du die Nacht auf der Straße verbringst." Dirk schaute die drei lächelnd an und sagte: "Vielleicht könnte ich helfen."
Markus schaute ihn traurig an und sagte: "Wie denn, bist du etwa Magier?"
Dirk schüttelte wehement den Kopf und antwortete: "Nein aber ich habe schließlich auch eine Wohnung und wenn Nathalie nichts dagegen hat, kann sie heute bei mir übernachten." Markus nickte: "Gute Idee, was meinst du Nathalie?" Sie nahm Dirk in den Arm und küßte ihn: "Natürlich bin ich einverstanden." Sie schaute Markus besorgt an: "Paß auf großer Bruder." Er lächelte und sagte: "Kein Problem, wird schon schiefgehen!" Er machte sich auch Sorgen, aber er war froh Nathalie in guten Händen zu wissen.
Dirk nahm Nathalie bei der Hand. "Houl, wir sehen dich morgen. In einem Stück! Halt die Ohren steif Chummer!", verabschiedete sich Dirk und verließ mit Nathalie die Wohnung. Markus schüttelte den Kopf, was für ein ungleiches Paar.

Kurze Zeit später standen Dirk und Nathalie vor dem Honda. Dirk schloß auf und lachte herzlich: "Diesmal ist der Beifahrersitz aber frei!" Nathalie legte den Kopf etwas schief und lächelte ihn unschuldig an: "Schade." Als sie eingestiegen waren schaute Nathalie neugierig nach hinten und fragte: "Was hast du eigentlich hinter dieser Stahlwand versteckt?" Dirk zog das Glasfaserkabel aus der Verschalung heraus und schaltete die Elektronik ein. Während er das Kabel in seine Datenbuchse steckte drehte er den Kopf zu Nathalie und sagte: "Alles mögliche, hauptsächlich Elektronik."
Er verzichtete bewußt darauf, ihr von der Bewaffnung des Fahrzeugs zu erzählen; denn er hatte Angst, daß sie diese Art von Gewalt erschrecken könnte. Doch sie lächelte ihn an und fragte weiter:
"Auf dem Dach habe ich eine feine Kannte entdeckt, was kommt denn da raus?" Dirk ärgerte sich, er vergaß immer wieder, daß das zarte Mädchen eine erfahrene Runnerin war. "Du hast mich ertappt! Dieses Auto ist ziemlich schwer bewaffnet. Schockt dich das Engel?"
Sie lächelte immer noch auf ihre unschuldige aber wissende Art: "Nein, ganz und gar nicht. Ich habe gehört, daß du versuchst bei deinen Rennen möglichst niemanden zu töten. Das imponiert mir. Mich stoßen Männer ab, die erfreut die Toten auf ihrem Weg zählen."
Dirk startete den Motor und fuhr aus der Garage heraus. Er nickte Nathalie zu und sagte resignierend: "Du hast recht, es kommt nicht darauf an, welche Waffen man benutzt, sondern wie man sie benutzt. Auch ich hasse unnötiges Töten." Sie legte ihm zärtlich die Hand auf den Arm: "Wenn ich das nicht wüßte, säße ich jetzt nicht hier neben dir." Dirk schluckte. Dieses Mädchen stellte ihn immer wieder vor Rätsel. Einmal war sie das kleine trotzige Kind, dann die hoch intelligente Computerspezialistin und dann wieder dieses wunderbare verletzliche, einfühlsame Wesen und gerade das liebte er an ihr. Sie fuhren die Schnellstraße zwischen Leimen und Schwetzingen entlang, als neben dem Honda zwei Motorräder auftauchten. Der eine Fahrer klopfte während der Fahrt mit einer MP an die Scheibe des Hondas.
Nathalie hielt sich ängstlich an Dirks Arm fest. Dirk jedoch war an solche Situationen gewöhnt. Er ließ die Scheibe einen kleines Stück herunter. Gerade so weit, daß er den Kerl verstehen konnte.
Dieser sah ihn bösartig an und schrie: "Geile Karre Mann. Aber das ist unsere Straße! Halt an und zahle Wegzoll. Gar nicht teuer, wir wollen nur die Kleine!" Nathalie klammerte sich noch fester an Dirks Arm und zitterte. Dirk kochte vor Wut. Ein kurzer Neuralimpuls und der Turm war ausgefahren. -MG feuerbereit , Granatwerfer feuerbereit- Dirk ließ den Turm drehen und der Körper des Punks erschien im Zielfenster.
-Ziel erfaßt Trefferwahrscheinlichkeit 99%- Er schaute seinen Engel neben sich an und schüttelte den Kopf. Das Zielkreuz wanderte ruckartig ein Stückchen höher und die SF-20 begann zu bellen. Der Kerl hatte den Turm bis jetzt noch nicht bemerkt. Jetzt aber bremste er sein Motorrad ab und geriet ins Schleudern. Auch der Andere versuchte schnell von dem Honda wegzukommen. Dirk fuhr den Turm wieder ein und sagte grimmig:
"Die Drekheads haben ihre Lektion gelernt!" Dann merkte er jedoch, das Nathalie leichenblaß war und wie Espenlaub zitterte. Er schaltete den Autopiloten ein und nahm sie tröstend in den Arm: "Engel...
Hab keine Angst, es ist vorbei. Sie sind weg." Er drückte sie fest an sich und strich ihr beruhigen durch die Haare. Sie klammerte sich fest an ihn und weinte. Dirk stiegen Tränen in die Augen und sagte leise: "Engel, mein armer Engel, was haben sie dir angetan?"
Er befahl dem Autopiloten den Wagen in die Garage zu fahren und stöpselte sich aus. Nathalie sagte kein Wort, sondern lag nur leise schluchzend in seinen Armen. Dirk war am Ende. Sie tat ihm leid. Er könnte schreien.
Warum hatte er den Bastard nicht von der Straße geblasen? Ohne, das er es merkte erreichten sie die Garagen. Der Wagen parkte mit elektronischer Perfektion und der Motor verstummte. Dies alles wurde Dirk jedoch erst bewußt, als er die Stimme des Autopiloten hörte: "Auftrag ausgeführt, neue Befehle?" Er schüttelte den Kopf. Dann wurde ihm aber bewußt, daß der Computer das nicht wahrnehmen konnte und er gab den Befehl ein. Dann stieg er aus und führte Nathalie, welche immer noch schluchzte, zu seiner Wohnung. Zum erstenmal wurde ihm das Chaos in seiner Behausung bewußt. Seine Wohnung besaß eine kleine Küche, ein Bad und ein Zimmer, das ihm als Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer diente. Auf dem Tisch lagen Pläne seines Autos und seine zerlegte Combat wild zerstreut herum. Auf dem Boden sah er den Verschluß seiner zweiten SF-20, die an der Wand lehnte. Er führte das Mädchen zu einem Stuhl, und sie setzte sich bereitwillig. Dann sammelte er Teile seiner MP zusammen und legte sie auf den Schreibtisch. Die Pläne rollte er notdürftig zusammen und stellte sie in einen Schrank. Nathalie starrte apathisch vor sich auf den Tisch. Dirk biß sich auf die Lippe, bis er den metallischen Geschmack seines Blutes im Mund wahrnahm. Es brach ihm fast das Herz sie so zu sehen. Er ging in die Küche und kochte einen starken Tee. Dann setzte er sich zu ihr an den Tisch. Und bat ihr eine Tasse an: "Trink das, Engel es wird dir guttun." Sie schauten ihn an und weinte: "Sie, sie haben... Sie wollten... Oh Dirk!"
Er nahm sie wieder in den Arm und sagte sanft: "Ruhig, dir kann nichts mehr passieren. Das lasse ich nicht zu." Ohne, daß er es wollte konnte man in seinem letzten Satz deutlich einen grimmigen, zu allen entschlossenen Unterton hören. Langsam beruhigte sich Nathalie wieder. Sie drückte sich fest an ihn: "Oh Dirk es war so schrecklich!" Dirk war unfähig etwas zu erwidern, er streichelte nur zärtlich ihr Gesicht. Er glaubte sein Herz wolle ihm zerspringen. Sie hatten sich lange nur in den Armen und spürten die Nähe des anderen. Angst und Depression wichen allmählich einem Gefühl tiefer Verbundenheit. Plötzlich sah Dirk sie fragend an: "Wie alt bist du eigentlich, mein kleiner Engel?" "Siebzehn, aber die meisten schätzen mich viel jünger.", sagte sie leise. Er küßte sie sanft auf die Stirn. "Ich hätte dich auf etwa fünfzehn geschätzt.", gab Dirk leise zu. Sie schmiegte sich eng an ihn und sagte: "Liegt an meiner Krankheit. Hab da´n paar Stoffwechselprobleme, deshalb sehe ich vielleicht etwas schwächlich aus." Dirk schaute auf die Uhr und mußte festellen, daß der neue Tag bereits dreieinhalb Stunden alt war.
"Langsam sollten wir schlafen gehen.", sagte er und stand auf.
Nathalie nickte müde. Er sah in Richtung Bett, dann schüttelte er den Kopf und ging zu einem Schrank. Er holte ein paar Decken und ein Kissen hervor und sagte: "Dir gehört heute Nacht das Bett, Engelchen.
Ich mach mir auf dem Boden gemütlich." Nathalie griff nach seinem Arm und sagte kopfschüttelnd: "Nein, ich brauche heute Nacht deine Nähe!" Er umarmte sie zärtlich und küßte sie. Dann kramte er aus einer Schublade einen Schlafanzug heraus und reichte ihn ihr: "Kannst dich im Bad umziehen, ich räume derweil hier ein bißchen auf." Sie nickte und ging ins Bad, während er versuchte das Chaos in seiner Wohnung einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen. Dirk hörte, wie die Dusche eingeschaltet wurde, na gut sie hatte die Dusche bestimmt genauso nötig, wie er. Nach zehn Minuten kam sie wieder aus dem Bad. Der enge Schlafanzug betonte ihre zierliche Figur. Dirk hielt den Atem an. Sie war wunderschön. "Leg dich schon mal hin. Ich werde mich auch noch duschen. Schätze ich hab´s nötig.", sagte er und lief an ihr vorbei ins Bad. Nathalie machte es sich derweil im Bett bequem. Nach einer ausgiebigen Dusche legte sich Dirk neben die Elfe und drückte sie fest an sich. Er tastete mit der Hand nach dem Lichtschalter, den er nach längerem suchen dann auch fand. Das Licht erlosch. "Schlaf´ gut Engel.", sagte Dirk und legte sich auf den Rücken. Nathalie schmiegte sich sanft an seine Schulter und schnurrte behaglich. Sie gab ihn noch einen Kuß auf die Wange und sagte: "Gute Nacht Dirk." Ihm wurde erst jetzt bewußt, was ihm die ganze Zeit gefehlt hatte. Bald darauf schliefen beide zufrieden ein.

Am nächsten Tag besuchten sie Markus. Er hatte das Ritual gut überstanden und freute sich die beiden zu sehen. Nathalie wohnte jedoch von da an bei Dirk und sie verbrachten einige wunderschöne Tage miteinander.

Beinarbeit

Drei Tage später klingelte bei Markus das Telephon. Markus war gerade dabei, an seiner neuen Medizinhütte zu arbeiten. Jetzt, wo Nathalie bei Dirk wohnte und er mehr Platz hatte, richtete er in seinem Wohnzimmer eine Medizinhütte ein. Markus ignorierte das Klingeln einige Sekunden, dann stand er knurrend auf und ging zum Telefon. Er nahm ab und auf dem Monitor erschien Sheila. Sie schaute ihn ärgerlich an und sagte: "Sag mal Houl, mußtest du das Telefon erst kaufen?"
Houl erwiderte lachend: "Erst mal hallo. Hatte gerade etwas zu tun!"
Sheila schaute ihn mißmutig an: "Glauben wir dir´s mal!
Spaß bei Seite. Ich hätte da ein Problem, und da ihr den letzten Auftrag zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt habt, glaube ich, daß du mir helfen kannst." Markus runzelte die Stirn: "Kommt ganz darauf an. Um was geht es denn?" Sheila setzte ihre Geschäftsmiene auf: "Nicht einmal etwas illegales. Die Frau eines Klienten wird vermißt und der besagte Klient traut der Polizei nicht. Er hätte gerne ein paar Profis, die sich auch mit den Schattenseiten des Lebens auskennen.
Ich glaube du verstehst, was ich meine." Markus spielte mit dem Telefonkabel.
"Hm. Klingt ganz interessant. Wann und wo?" Sheila lachte: "Das liebe ich an dir, du kommst immer schnell zur Sache. Melde dich heute um 16.00 Uhr bei Fuchi Mannheim. Verlange nach Andreas Müller. Ich habe bereits einen Termin vereinbart. Bring Little und Raider mit." Sie unterbrach die Verbindung ohne eine Antwort abzuwarten. Markus notierte sich die Informationen und wählte Dirks Nummer. Einige Sekunden später erschien Dirks Gesicht auf dem Monitor. Ein feines Kabel steckte in seiner Stirnbuchse und hinter ihm konnte Markus den Fahrersitz des Hondas erkennen.
Der Rigger war also gerade unterwegs. "Hallo Markus, was gib´s?", sagte Dirk etwas abwesend. Markus lächelte: "Hey Dirk. Wo geisterst du denn gerade rum. Ganz allein, ohne Nath?" Dirk zog sich das Kabel aus der Buchse und antwortete: "Warum hast du mir nicht gesagt, wieviel die Kleine verdrücken kann? Bin gerade dabei meine Vorräte etwas aufzustocken." Markus erwiderte schallend lachend: "Wenn ich dir das gesagt hätte, würde sie wahrscheinlich immer noch mir die Haare vom Kopf fressen. Themawechsel! Sheila hat angerufen. Sie hätte da'n kleinen Auftrag. Kommt am besten nachher mal bei mir vorbei."
Dirk lächelte: "Ich werd´ mal sehen was sich machen läßt.
Bis später Chummer!" Markus nickte: "Bis später."
Dirk schaute nachdenklich. Der letzte Run war nicht gerade angenehm. Na, ja. Mal sehen, was Nathalie dazu sagt.

Als er in seine Wohnung kam, fand er Nathalie auf dem Sofa vor. Sie hatte immer noch den Schlafanzug an und schien gerade einen Matrixspaziergang zu machen. Er strich ihr zärtlich über die Wange und sie dankte ihm es mit einem genießerischen Schnurren. Er lächelte und ging in die Küche. Dort sah er sich seinen Einkauf an und überlegte, was man heute essen könne. Er entschied sich für Steaks aus Sojafleischimitat, Nudel und Pilzsoße, alles mit einer beunruhigenden Menge von Chemikalien versetzt, aber er hatte es sich angewöhnt, die Zutaten gar nicht mehr anzusehen. Er seufzte und machte sich daran die Mahlzeit zuzubereiten. Während er den Tisch deckte, begann sich Nathalie zu regen. Sie zog das Kabel aus der Stirnbuchse und ging leise zu Dirk.
Sie schmiegte sich an seinen Rücken und legte ihre Arme um seine Hüfte.
Dirk drehte sich langsam um und küßte sie auf die Stirn: "Hallo Engel. Wieder unter den Weltlichen?" "Ja. Du weißt doch, daß ich Essen trotz dem RAS Override wittere", sagte sie und späte neugierig über seine Schulter. Dirk lachte: "Tja, da steht noch nichts. Wirst mir erst noch' raustragen helfen müssen."
Gesagt, getan. Bald saßen sie beide am Tisch und aßen sich satt. Dirk wunderte sich immer wieder, daß dieses künstliche Zeugs erträglich schmeckte. Nach dem Essen räumten sie gemeinsam den Tisch ab und Dirk nutzte die Gelegenheit um Nathalie von Markus' Anruf zu erzählen. Nachdem sie in der Küche wieder halbwegs aufgeräumt hatten, machten sie sich auf den Weg zu Markus. Dieser erwartete sie bereits ungeduldig. "Wo wart ihr so lange. Es ist schon halb drei und wir haben um vier einen Termin in Mannheim." Dirk schaute ihn lächelnd an und sagte: "Mal langsam. Davon hast du mir vorhin nichts gesagt.
Um was geht es eigentlich?" Markus ließ die beiden erst mal hereinkommen. Bevor er ihnen von dem Run erzählte. Dirk sagte nachdenklich:
"Klingt nicht sonderlich gefährlich. Da werden wir ja sogar mal weitgehend legal arbeiten" Er sah Nathalie bei dem letzten Satz mahnend an, worauf diese schuldbewußt auf den Boden schaute. Dirk und Markus begannen schallend zu lachen, und Nathalie sah sie böse an. Dirk küßte sie auf den Mund: "Sei nicht böse Engel. Mich dürfte man mit dem Honda auch nicht anhalten." Sie zeigte ihm noch mal knurrend die Zähne, dann lächelte sie und erwiderte seinen Kuß.
Markus schaute ungeduldig auf die Uhr: "Könnt ihr das nicht auf später verschieben? Es ist schon viertel Vier!" Dirk ergriff Nathalies Hand und sagte entschlossen: "Na dann los! Wir treffen uns vor dem Haus," So verließen sie die Wohnung. Dirk und Nathalie gingen zu Dirks Sportwagen, während Markus sein Motorrad aus der Garage holte.

Um 15.40 Uhr standen sie dann vor dem Chrompalast von Fuchi Mannheim.
Dirk parkte den Honda lächelnd auf dem Gästeparkplatz. Ob man den auch bei diversen nächtlichen Besuchen benutzen darf? Sie gingen zügig in das Gebäude. Es machte sich nicht gut, wenn man zum Treffen mit Schmitt zu spät kommt. Die Empfangsdame schaute sie sehr mißtrauisch an und schickte sie nur widerwillig zu Müllers Büro.
Die Runner warteten geduldig vor dem Büro, bis sie hereingebeten wurden.
Der Raum war übertrieben protzig eingerichtet. Herr Müller schaute ihnen erwartungsvoll entgegen. Der Zwerg saß in einem riesigen Ledersessel und war hinter seinem Mahagonieschreibtisch kaum zu sehen. Er schien etwas enttäuscht als er die Runner sah. Er hatte sich wahrscheinlich muskelstrotzende Halbcyborgs vorgestellt. Besonders Nathalie schaute er verständnislos an. Trotzdem bat er den Runnern freundlich drei Stühle an und sagte:
"Ich bin sehr erfreut, daß sie sich entschlossen haben mich aufzusuchen." Markus nickte ihm freundlich zu und antwortete: "Die Freude liegt bei uns. Wir danken für ihr Interesse an unseren Diensten."
Der Zwerg schaute ihn verzweifelt an: "Sie sind meine letzte Hoffnung, die Polizei ist nicht in der Lage mir zu helfen. Meine Frau ist seit drei Tagen verschwunden, dabei wollte sie nur einige Bekannte im Hotel Ritter in Heidelberg treffen. Wenn es ihnen gelingt meine Frau zu finden bin ich bereit jedem von ihnen zehntausend EC zu zahlen, wenn sie noch weitere Hilfe benötigen rufen sie mich an. Ich tue alles für sie, nur bringen sie mir meine Frau wieder." Der Zwerg ließ alle Förmlichkeit fallen und ihm stiegen Tränen in die Augen. Markus schaute ihn ungerührt an und sagte: "Nun mal langsam, wir haben ihre Frau ja nicht entführt.
Wir nehmen den Auftrag an." Er machte eine kurz Pause und schaute Nathalie und Dirk an, die ihm zustimmend zunickten. Dann sprach er weiter:
"Ich vermute, daß ihre Frau ebenfalls der Spezies Pumilionis angehört." Der Zwerg schaute ihn wütend an und fragte: "Haben sie Probleme damit?" Markus lächelte kühl: "Überhaupt keine! Es ist jedoch möglich, daß ihr während den Übergriffen der Nationalen Aktion etwas zugestoßen ist. Die Tatsache, daß sie eine Zwergin ist, läßt diese Theorie wahrscheinlich werden.
Wir benötigen außerdem noch ein Photo ihrer Frau und den genauen Zeitpunkt ihres Verschwindens." Der Zwerg überreichte ihnen ein Photo: "Sie fuhr am Montag um acht nach Heidelberg, um Ihre Freundin Maria Anderson zu treffen und kam nicht mehr zurück." Markus nickte den anderen zu und schloß die Verhandlung ab: "Wir werden tun was wir können. Wenn ihre Frau noch lebt, werden wir sie auch finden. Wir melden uns, wenn wir etwas herausgefunden haben." Sie standen auf und verließen das Büro. Sie machten sich auf den Weg zu Markus´ Wohnung um den Fall zu besprechen.

Eine halbe Stunde später saßen sie in Markus´ Wohnung.
Dirk schaute seine beiden Chummer an und sagte: "Die Sache gefällt mir nicht. Ich habe bei der Sache mit der Nationalen Aktion kein gutes Gefühl." Markus meinte mißmutig: "Du hast gut reden, du bist ein Norm. Dir tun sie nichts." Nathalie schüttelte den Kopf: " Wenn sie rausfinden, daß er mit mir zusammen ist, ist er in ihren Augen noch weniger wert als wir!" Dirk erwiderte: "Hilft alles nicht. Wir haben den Auftrag angenommen, und jetzt müssen wir damit zurecht kommen. Kannst du ein paar Informationen über die NA organisieren, Engel?" Nathalie nickte. "Dirk, was hälst du davon, wenn wir uns solange in Heidelberg etwas umhören?", meinte Markus. Dirk war einverstanden: "Gute Idee. Aber wir müssen erst zu mir. Hab´ keine Lust mit dem Honda in die Innenstadt zu fahren; viel zu viel Kontrollen." Nathalie stand auf und kramte ein Datenkabel aus der Tasche: "Dann kann ja losgehen!" Man konnte ihr schon deutlich die Vorfreude auf die Matrixarbeit ansehen. Dirk lachte: "Du kannst es wohl nicht erwarten." Sie lächelte und legte sich, wie immer bei Matrixruns, auf die Couch. Dirk schüttelte den Kopf und Markus sagte, lachend: "Sei doch zufrieden, du stehst bei ihr ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste. Direkt nach der Matrix." Dann verließen die beiden Runner die Wohnung.

Nathalie stöpselte sich ein, und die Welt um sie herum verschwamm.
Bald nahm sie nur noch die bunte Welt des Gitters wahr. Sie machte sich in Richtung Neonlight, einem Matrixtreff, indem sie einige Chummers hatte, auf den Weg. Das Neonlight war einem der Ufobilder aus dem späten zwanzigsten Jahrhundert nachempfunden und strahlte in allen Farben. Sie ging durch eine kleine Luke ins Innere des Diskus. Dort erwartete sie ein völlig anderes Bild. Sie stand inmitten einer Disko und wurde von einem wahnsinns Syntisound begrüßt. Sie schickte ihr Sprite Struppi los, damit es nach Chummers suchen konnte. Bei diesem Betrieb hatte der Streuner mehr Aussicht auf Erfolg als sie selbst. Einige Minuten später, in der realen Welt waren es nur Sekundenbruchteile, kam der kleine Hund zurück und machte sie auf ein besonders schön gearbeitetes Icon in Form eines Feuervogels aufmerksam. Sie erkannte Phönix. Sie kannte ihn aus der Community. Ihm war leider die Tiefenresonanz, so bezeichnen die Otaku die Entwicklung der lebenden Persona, verwehrt geblieben, er war jedoch trotzdem ein novaheißer Decker geworden. Nathalie ging auf ihn zu und begrüßte ihn: "Hoi Phönix, wie geht´s denn so?" "Oh hallo Little. Sieht man dich auch mal wieder? Hab' gehört, du hast´n Freund mein Glückwunsch. Was führt dich hierher?", sagte der Decker freundlich. Nathalie erwiderte ärgerlich:
"Warum weiß jeder über mich und Raider Bescheid?"
Phönix lachte: "Tja. Neuigkeiten verbreiten sich im Gitter sehr schnell. Sie rasen immerhin mit Lichtgeschwindigkeit durch die Drähte.
Kannst davon ausgehen, daß jeder deiner Chummer und noch einige mehr Bescheid wissen." Nathalie schüttelte den Kopf und sagte: "Freut mich ja ungemein, aber deshalb bin ich nicht hier. Ich benötige einige Infos über die NA. Kannst du mir da helfen." Die Flammen die den Vogel umloderten wurden etwas intensiver: "Sind verdammte Drekheads.
Was willst du von den Typen?" Nathalie antwortete ruhig: "Nichts bestimmtes. Hab´n Auftrag und sie sind wahrscheinlich die Gegenseite."
Phönix klang sehr besorgt, als er meinte: "Mit den Kerlen ist nicht gut Kirschen essen. Paß bloß auf dich auf. Leider kann ich dir nichts über sie erzählen, außerdem, was du sowieso schon weißt. Hat die Sache mit den Übergriffen letzte Woche zu tun?" Nathalie räusperte sich: "Das geht dich ja eigentlich nicht an, aber du könntest recht haben." Phönix sagte nachdenklich:
"Die Übergriffe waren etwas seltsam, meinst du nicht? Sie paßten nicht in das Schema der NA. Normalerweise masakrieren sie ihre Opfer auf offener Straße, aber letzte Woche kam es zu Verschleppungen. Warum schaust du nicht mal im Polizeicomputer nach?" Nathalie lachte: "Eigentlich wollte ich illegale Aktionen vermeiden, aber was soll´s? Danke für den Tip. Man sieht sich mal wieder." Sie verließ den Treff und machte sich in Richtung Polizeisystem auf den Weg. Als sie dort ankam, wußte sie warum Herr Müller der Polizei nichts zutraute. Das System war grenzenlos veraltet. Wo sah man heute noch UMS-Standart- Methaphorik?
Sie berührte den weißen Klotz, der die SAN darstellte und wurde ohne Gegenwehr eingelassen. Sie quälte sich durch einige SPU´s bis sie sich schließlich in der CPU befand. Dort ließ sie ihre Schmöker Komplex Form, daß sich vor ihr als ein in Leder eingeschlagenes Buch materialisierte, nach NA und den Krawallen letzte Woche, suchen. Sie erhielt fast sofort einige Speicheradressen. Machte gar keinen Spaß.
Viel zu einfach. Nathalie ging unangefochten in den genannten Datenspeicher und griff nach dem grün schimmernden Datenblock. Nachdem sie die Daten heruntergeladen hatte, verließ sie den Host wieder. Sie wollte die Daten unter dem freiem Matrixhimmel anschauen, den die Methaphorik des Polizeihosts frustrierte sie. Phönixs Aussagen bekräftigten sich.
Es war wirklich von zahlreichen Verschleppungen die Rede. Außerdem fand sie die Systemadresse eines vermeintlichen NA-Hosts. Sie beschloß sich das Ding gleich mal anzusehen. Das System war mit Matrixgraphiti übersäht.
Meist primitive nationalistische Symbole, wie Hakenkreuze und Ähnliches.
Nathalie widerte das Alles an, aber sie war ja nicht zum Vergnügen hier. Sie ging in den Host hinein. Er war im Inneren wie ein Versammlungsaal aus dem Dritten Reich gestaltet. Sie suchte nach Datenspeichern und fand sie auch in Form von Fahnen und Bildern an den Wänden. Struppie war bereits wieder unterwegs und suchte nach Daten die sich von der normalen Propaganda unterschieden. Nathalie wurde auf eine kleine Datei aufmerksam, die finanzielle Informationen enthielt. Als sie sie herabladen wollte erschien ein neues, sehr grobes Icon hinter ihr. Mit einiger Phantasie konnte man Adolf Hitler darin erkennen. Bevor sie reagieren konnte löste sich von der Hand des Diktators ein greller Blitz und Nathalie zuckte unter einem stechenden Schmerz zusammen. Sie ärgerte sich weniger über den Schmerz als über die primitiven Icons. Der Blitz war eine einfache weiße Linie ohne jegliche Farbschattierungen oder Lichteffekte, das war eine Beleidigung für den großen Geist des Gitters. Solche primitiven Systeme machten ihn krank. Nathalie schloß die Augen und hob die Hände wie zum Gebet. Plötzlich war die Luft von einem hellen Singen erfüllt und zwischen ihren Hände zuckten schillernde bläuliche Blitze hin und her. Der gesamte Raum wurde von einem apokalyptischen Licht- und Schattenspiel erfüllt. Dann schoß ein mächtiger Flammenstrahl durch den Raum und zerfetzte Hitler in Milliarden von Pixel.
Nathalie war zufrieden und als sie die Datei im Speicher hatte stöpselte sie sich aus.

Nathalie lag bewegungslos auf der Couch. Sie war nun wieder in den Weiten der Matrix unterwegs. Dirk trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.
Ihm war es nicht recht sie hier allein zu lassen. "Meinst du wirklich wir sollen sie hier allein lassen. Wenn ihr da drinnen etwas zustößt.", sagte er nervös zu Markus, während er mit seiner Uhr spielte.
Markus legte ihn die Hand auf die Schulter und sagte: "Keine Angst, sie will ja nicht in ein rotes System decken. Unkraut vergeht nicht." Die beiden machten sich auf den Weg zu Dirk. Markus fuhr dem Rigger mit seiner BMW Hawk hinterher. In Schwetzingen angekommen holte Dirk seine Rapier XS aus der Garage und sie fuhren gemütlich in die Innenstadt.
Dort stellten sie die Motoräder in einer Tiefgarage in der Nähe der Hauptstraße ab. Die Garage war sehr sauber, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen dieser Art. Sie liefen durch die vollgeparkte Halle und gingen über die Treppe ins Freie. Bald befanden sie sich in Mitten einer drängelnden Menschenmenge auf der Hauptstraße. Markus schaute etwas mürrisch drein. Er fühlte sich angesichts dieser Menschenmengen etwas unwohl. Er steuerte zielstrebig auf eine der Nebenstraßen zu.
Dirk bemühte sich mit ihm Schritt zu halten und drückte sich durch die Massen. Beide atmeten erleichtert auf, als sie der Menge entkommen waren. Die Seitenstraße war relativ leer. Auch hier war alles sehr sauber, nicht zu vergleichen mit anderen Stadtteilen. Nach einigen Minuten standen sie vor dem alten Gebäude. Ein hervorragend erhaltener Fachwerkbau, mit eines der ältesten Bauwerke Heidelbergs. Es hatte zwei Weltkriege und die Erbfolgekriege des Absolutismus überstanden. Markus schaute Dirk mahnend an: "Bitte laß mich reden, ich habe etwas mehr Erfahrung." Dirk nickte und sie gingen in das Gebäude. Der Schankraum war mit antiken Möbeln eingerichtet und Dirk wollte gar nicht wissen, was das alles wert war. Sie gingen an die Theke, wobei sie von einigen Gästen mit geringschätzigen Blicken bedacht wurden. Sie waren zwar gut gekleidet, hoben sich aber doch gegen die Leute, die dieses Restaurant besuchen, ab. Hier verkehrte nur die absolute High Society. Der Kellner begrüßte sie freundlich aber distanziert: "Guten Tag, die Herren. Was wünschen sie?" Markus setzte seine Geschäftsmine auf und sagte ebenfalls freundlich: "Entschuldigen sie, wir sind mit der Suche nach dieser Frau beauftragt." Er legte das Photo der Zwergin auf die Theke, "Sie wollte letzten Freitag ihr Restaurant aufsuchen und kam nicht mehr nach Hause. Es wäre uns eine große Hilfe, wenn sie uns einige Hinweise geben könnten." Der Kellner runzelte die Stirn und meinte: "Ich kenne die Frau. Sie speist oft hier, aber letzten Freitag war sie nicht hier. Vielleicht kann ihnen Andrea Baumann weiterhelfen. Sie ist mit Lisa Müller befreundet und sitzt dort hinten am Tisch." Er deutete auf eine etwa dreißigjährige gutaussehende Frau. Markus bedankte sich, und sie gingen zu der Frau an den Tisch. Sie unterhielt sich gerade mit einem älteren luxuriös gekleideten Mann. Dirk hielt sich etwas hinter Markus. Der Elf wartete, bis die beiden eine kurze Pause in ihrem Gespräch einlegten und sagte dann freundlich:
"Entschuldigen sie, würden sie uns ein paar Fragen beantworten?
Es dreht sich um Lisa Müller." Der Mann schaute ihn herablassend an: "Sind sie von der Polizei? Können sie sich ausweisen? Ansonsten lassen sie bitte die Dame in Ruhe!" Doch die Frau machte eine beruhigende Geste: "Laß doch die Herren erst einmal ihr Anliegen vorbringen."
Dann wandte sie sich an Markus: "Setzen sie sich doch bitte."
Markus bedankte sich förmlich und die beiden Runner setzen sich an den Tisch. "Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Thomas Heinze, Privatdetektiv und daß ist mein Partner Willam Ulrich." Dirk schmunzelte über die falschen Namen und ließ ihn weiterreden, "Frau Müller ist vor drei Tagen spurlos verschwunden und ihr Mann macht sich große Sorgen. Er hat meine Detektei beauftragt nach ihr zu suchen. Uns wurde gesagt, daß sie sie recht gut kennen und wir hoffen, daß sie uns einige Hinweise geben können."
Die Frau schaute ihn traurig an: "Ich kenne sie tatsächlich gut.
Wir wollten uns letzten Freitag hier zum Essen treffen, aber sie ist nicht erschienen. Ich mache mir ebenfalls große Sorgen. Kurz bevor sie kommen wollte brachen in der Hauptstraße diese Krawalle los. Sie muß genau zu dieser Zeit auf der Straße gewesen sein und diese rechten Verbrecher entführten viele Metamenschen. Ich war bereits hier im Lokal und einige Sicherheitsleute verhinderten, daß die Terroristen das Haus stürmten. Leider weiß ich nicht mehr. Ich hoffe, daß ihnen diese Informationen nützen." Markus kratzte sich nachdenklich am Kinn und meinte: "Hm... Das verfestigt unsere Vermutung, daß Frau Müller von NA-Aktivisten verschleppt wurde. Danke, sie haben uns sehr geholfen. Auf Wiedersehen." Markus stand auf und verließ von Dirk gefolgt das Restaurant. Hier würden sie nicht mehr erfahren.
Sie machten sich auf den Rückweg zu ihren Maschinen. Als sie wieder in den ruhigeren Seitenstraßen waren fragte Markus nachdenklich:
"Was hälst du von der Sache?" Dirk kaute nervös auf seiner Unterlippe: "Gefällt mir nicht. Ich glaube wir müssen davon ausgehen, daß sie von den NA - Aktivisten verschleppt wurde.
Die Chance sie noch lebend zu finden ist damit ziemlich gering." Markus seufzte und zuckte mit den Schultern: "Laß uns erstmal sehen , was Nat herausgefunden hat." Sie gingen ins Parkhaus und zahlten die Parkgebür. Die Stimmung der Runner war nicht gerade sehr gut, denn sie mußten ihren Auftraggeber vielleicht mitteilen, daß seine Frau tot ist. Als sie Markus Wohnung erreichten fanden sie Nathalie friedlich schlafend auf der Couch vor. Dirk lächelte, wie unschuldig und schön sie war. Auf dem Couchtisch stand ihr Notebook. Es hatte auf Stanbymodus umgeschaltete. Nathalie mußte beim Arbeiten eingeschlafen sein. Markus ging in die Küche um erstmal einen seiner berühmten Kaffees zu brauen. Dirk setzte sich zu Nathalie aufs Sofa und streichelte sie vorsichtig: "Wach' auf Engel, wir haben einiges zu besprechen!"
Nathalie öffnete stöhnend die Augen: "Ach du bist´s.
Könnt ihr mich nicht schlafen lassen?" Dirk lächelte und nahm ihre Hand: "Na nu, daß ist aber nicht gerade eine freudige Begrüßung. Wir haben leider nicht sehr viel Glück gehabt.
Hast du mehr Glück gehabt?" Nathalie streckte sich ausgiebig, dann legte sie Dirk die Arme um die Schultern und küßte ihn lächelnd auf den Mund. "Vielleicht habe ich da was.", sagte sie frech. Dirk stand auf und ging zum Tisch. Nathalie schnappte sich ihr Notebook und folgte ihm. Nachdem Markus dann noch mit dem Kaffee aus der Küche kam saßen sie gemeinsam am Eßtisch. Markus erzählte ihr kurz, was sie erfahren hatten. Dann sahen sie die Daten durch. Das Interessanteste war das Datenpaket das Nathalie aus dem Netz der Nationalen Aktion geholt hatte. Alle drei starrten verwundert auf den Satz vor ihnen auf dem Bildschirm: "Lieferung erfolgt. Haben 40.000 EC von Thomas Marson erhalten." Dirk sah seine Kameraden nachdenklich an und sagte:
"Irgendwas ist da oberfaul. Warum töteten die NA'ler ihre Opfer nicht und was ist mit dieser Zahlung von 40.000 EC?" "Keine Ahnung. Aber ich glaube wir sollten uns mal um diesen Thomas Marson kümmern.", meinte Nathalie nachdenklich, während sie mit dem Touchpad ihres Notebooks spielte. Sie aktivierte noch mal das Suchprogramm. Diesmal suchte sie nach der Zeichenkette Meta*. Einige Sekunden später sahen die Chummers einen weiteren Satz: "Bei der gestrigen Aktion 12 Metameschen gefangen."
Markus schaute seine Freunde betroffen an und sagte: "Ich bin mir nicht sicher aber allmählich ergibt das alles einen Sinn. Die NA fängt Metamenschen und verkauft sie an diesen Thomas Marson. Es wäre nicht unwahrscheinlich, das die Frau unseres Klienten unter diesen 12 Menschen ist. Sicher, das ist alles noch sehr wage und wir haben keine Beweise.
Aber eine andere Spur haben wir momentan nicht. Wir sollten der NA mal einen Besuch abstatten. Nathalie, du könntest dich mal nach diesem Thomas Marson umhören." Nathalie sagte verzweifelt: "Wer sollte sich Metamenschen fangen lassen und vor allem warum?" Dirk legte tröstend den Arm um sie und sagte: "Oh Engel. Mir fallen da gleich einige Gründe ein. Aber die sind so grausam, daß ich gar nicht genauer darüber nachdenken will. Markus, selbst wenn Frau Müller nicht von den NA´lern erwischt worden ist, sollten wir der Sache trotzdem nachgehen." Markus nickte betreten und sagte: "Der Meinung bin ich auch. Wenn wir gegen die NA vorgehen wollen benötigen wir jedoch Muskeln. Wir sollten ein Treffen mit Sheila und Herrn Müller vereinbaren. Außerdem müssen wir noch den Unterschlupf der NA herausfinden." Nathalie lehnte sich an Dirks Schulter und genoß es von ihm gestreichelt zu werden. "Ich hab da eine Conection bei der Polizei. Vielleicht kann der was über den Unterschlupf der NA herausfinden. Kannst du Sheila anrufen?" Markus nickte und erwiderte:
"Kein Problem, aber deinen Chummer wird die Infos kaum vor morgen früh bekommen. Außer er fährt noch mal ins Revier zurück.
Denn schätzungsweise arbeitet außer der Nachtbereitschaft bei der Polizei um sieben Uhr niemand mehr. Ich werde noch Sheila anrufen und Nat kann sich nach dem Kerl erkundigen. Und dann reicht das glaube ich für heute." Dirk nickte, und er fragte Nathalie: "Was meist du Engel?" Nathalie schnurrte leise und schaute ihm dann schräg von unten an: "Gute Idee. Meinst du ich kann auch bei dir zu Hause in die Matrix gehen?" Dirk strich ihr über die Stirn: "Kein Problem Engel. Was meinst du Markus?" Markus zuckte mit den Schultern und meinte: "Nichts dagegen. Ich ruf' euch dann an, wenn ich mit Sheila gesprochen habe." Dirk und Nathalie gingen in die Garage hinunter und Makus setzte sich ans Telephon. Nach einigen Sekunden meldete sich Sheila: "Hoi Houl, was gibst?" Markus schilderte ihr die Situation und Sheila dachte kurz nach. Dann meinte sie nachdenklich: "Ich werde Herrn Müller anrufen. Ich ruf' dich dann zurück." Mit diesen Worten legte sie dann auf. Houl wartete nervös. Erst lief er im Wohnzimmer auf und ab, dann legte er sich auf die Couch und bohrte an Polster herum.
Nach einer Stunde rief Sheila zurück. Sie sah ziemlich gestreßt aus, als sie sagte: "Unser Klient ist beinahe in Tränen ausgebrochen als ich ihm eure Geschichte erzählt habe. Er ist bereit für die Kosten des Angriffteams aufzukommen. Ich werde ein Team für euch zusammenstellen.
Ruft mich an wenn ihr das Ziel kennt." Markus sah sie ernst an: "Achte aber darauf, daß die Sams nichts gegen Metamenschen haben. Fireball war zum Beispiel auf Elfen nicht gut zu sprechen." Sheila nickte:
"Ich werde darauf achten. Bis dann." Sie legte auf und Markus lehnte sich zurück. Er beschloß erstmal was zu essen, bevor er Nathalie und Dirk die Neuigkeiten erzählte.

Die Fahrt zu Dirks Wohnung war etwas abenteuerlich. Nathalie und Dirk saßen zu zweit auf der XS. Nathalie machte das einen rißen Spaß, aber Dirk betete, daß er nicht mit ihr von der Polente erwischt würde. Die Rapier ist eindeutig ein Einsitzer. Sie hatten Glück und saßen bald in Dirks Wohnung. Während Nathalie in die Matrix ging, kochte Dirk das Abendessen und deckte den Tisch. Es gab Bohneneintopf. Pünktlich zum Essen, wie könnte es auch anders sein, hatte die Elfe ihre Arbeit erledigt. Sie stöpselte sich aus und lächelte Dirk keß an. Dann sah sie sich das Essen an und leckte sich die Lippen. Dirk trommelte mit den Fingern ungeduldig auf dem Tisch herum: "Und hast du etwas herausgefunden?" "Ja, Volltreffer.
In der näheren Umgebung gibt es drei Thomas Marson.... Reichst du mir mal das Cola?", sagte sie und schöpfte sich dabei kräftig aus. Dirk knurrte und gab ihr die Flasche, dann erzählte sie weiter:
"Nummer eins und zwei fallen weg. Der eine ist ein Methamenschenrechtler, der andere ein verarmter achtzigjähriger Greis. Doch der dritte ist Exec bei der AG-C. Klingelt es?" Sie schenkte sich lächeln das Cola ein. Dirk nickte: "Das muß unser Mann sein. Wir sollten ihm Morgen einen Besuch abstatten." Kurz nach dem Essen klingelte das Telefon. Dirk nahm ab. Es war Markus. Der Schamane erzählte im kurz von seinem Gespräch mit Sheila. Dann sagte Dirk: "Ich werde dich anrufen wenn ich mit meinem Chummer gesprochen habe. Nathalie hat übrigens unseren Mann gefunden. Er ist Exec bei der AG-C!" "Die Sache wird ja immer widerlicher. Wenn wir morgen mit der NA fertig sind sollten wir auch noch bei diesem Drekhead vorbeischauen.", sagte Markus mit bestürztem Tonfall. Dirk stützte sich mit dem Ellenbogen auf dem Tisch ab und schloß das Gespräch ab: "Ganz meine Meinung. So, wir sollten jetzt ins Bett. Wird morgen ein langer Tag. Bis dann Chummer." Er legte auf und sah Nathalie lächelnd an: "Schätze du hast alles mitbekommen. Dann machen wir uns mal zum Schlafen fertig."
Sie waren beide ziemlich müde und kurze Zeit später lagen sie eng aneinandergekuschelt im Bett und schliefen ruhig. Ohne zu wissen, was sie am nächsten Tag alles erwarten sollte.

Schlagabtausch

Es war erst acht Uhr, als das Telefon klingelte. Dirk stöhnte, er hatte noch geschlafen. Er schüttelte den Kopf und nahm ab. Tim meldete sich und schaute den verschlafenen Dirk lachend an: "Moi'n Dirk. Noch geschlafen?" Dirk sah böse in die Kamera und antwortete:
"Ja! Warum zum Geier rufst du so früh an?" Der Freund schaute ihn unschuldig an und meinte: "Och, ich dachte es würde dich interessieren, daß ich'n tausender Gurt APDS bei mir rumfahren habe."
Dirk kratzte sich im Genick: "Oh wirklich. Da könntest du recht haben! Was verlangst du?" Tim lachte: "Ich will das Zeug loswerden!
10.000 EC und er gehört dir." Dirk überlegte, das war wirklich ein guter Preis. Er zuckte mit den Schultern und meinte: "Wäre schon interessiert. Wann kann ich das Zeug abholen?" "Komm so um zehn bei mir vorbei. Bis dann Chummer.", sagte Tim. Dirk nickte:
"Bis später Chummer" Nathalie schmiegte sich schnurrend an seinen Rücken und fragte: "Wer war das?" Dirk drehte seinen Kopf und gab ihr einen Kuß: "Morgen Engel. Das war Tim.
Er hat mir Munition angeboten. Ich werde nachher kurz zu ihm 'rüber fahren und das Zeug abholen. Willst du mitkommen?" "Nein, ich glaube ich bleibe hier.", antwortete Nathalie. Dirk stand auf und streckte sich. Er sagte lächelnd: "Wie auch immer, ich werde jetzt erstmal Frühstück machen." Er ging in die Küche und kochte Kaffee. Kurze Zeit später kam Nathalie nach und half ihm.
Sie plünderte Dirks Kühlschrank und backte eine gigantische Menge Rühreier mit synthetischem Speck. Nachdem sie ausgiebig gefrühstückt hatten, zog sich Dirk an und fuhr zu Tim.

Währenddessen stöpselte sich Nathalie in die Matrix ein und arbeitete an einer Komplexen Form. So merkte sie nicht, wie die Tür aufgebrochen wurde und fünf Glatzen in die Wohnung kamen. Plötzlich zerbrach die virtuelle Realität als ihr einer das Kabel aus der Stirnbuchse zog. Ein stechender Schmerz raste durch ihren Korpf. Eine Folge des unkontrollierten Auswurfs. Als sie die Kerle in der Wohnung sah blieb ihr beinahe das Herz stehen. Ein fetter Kerl mit einer Narbe im Gesicht packte sie am Nachthemd und zog sie hoch. Er schaute sie haßerfüllt an und sagte böse:
"Du schnüffelst in unseren Angelegenheiten rum und das mögen wir gar nicht. Du wirst jetzt mit uns kommen" Er schlug ihr mit der Handfläche ins Gesicht. Sie stöhnte leise und schmeckte Blut in ihrem Mund. Nathalie wehrte sich verzweifelt. Der Kerl war ihr jedoch weit überlegen, und er zerrte sie mit sich. Plötzlich zerriß ihr Nachthemd mit einem lauten Ratschen, so daß die Elfe nur noch in Unterwäsche dastand. Nathalie schaute weinend auf den Boden. Der Glatzkopf packte sie brutal an der Schulter und brüllte sie an: "Hör' auf zu heulen Hure! Und komm mit." Sie zerrten sie in einen Wagen und brachten sie in ein altes Haus am Stadtrand. Dort prügelten sie sie in den Keller, und schlossen sie in einem leeren Raum ein. Nathalie war halb bewußtlos und blutete aus zahlreichen Wunden. Es stank furchtbar nach Kot und Urin. Sie mußte sich übergeben. Außerdem war es verflucht kalt und die Elfe zitterte. Sie war am Ende und kauerte sich in eine Ecke, wo sie weinend sitzenblieb.

Als Dirk wieder nach Hause kam erlitt er einen ziemlichen Schock. Die Möbel in seiner Wohnung wahren mit Hakenkreuzen beschmiert und auf dem Boden sah er Nathalies zerrissenes Nachthemd. An der Innenseite der Tür laß er einen Schriftzug: "Hy Elfenficker! Deine kleine Hure haben wir schon, und dich bekommen wir auch noch!" Dirk ließ sich auf die Knie sinken und schrie verzweifelt: "Nathalie, nein!"
Dann stieg blanker Haß in ihm auf. Er rannte zum Schrank und holte seine Urban Combat und drei Reservestreifen hervor. Während er die Waffe überprüfte rief er Ingo Weigel, seinen Freund bei der Polizei an. Als der Junge Beamte abnahm, hob Dirk gerade ein Teil seiner Waffe auf, so daß der Freund ihn nicht sehen konnte. Ingo las jedoch die Infozeile auf seinem Telefon ab und wußte somit, mit wem er es zu tun hatte und sagte erwartungsvoll: "Hallo Dirk. In welche Kontrolle bist du nun wieder geraten?" Als jedoch Dirk wieder in den Aufnahmebereich der Kamera kam stockte dem Polizisten der Atem. Er blickte in ein haßerfülltes zu allem entschlossenen Gesicht. Auch die Tränen in den Augen des Freundes entgingen ihm nicht und er fragte bestürzt: "Um Gottes willen, Dirk! Was ist passiert?" "Die Schweine von der NA haben mein Mädchen! Kannst du herausfinden wo die Hurensöhne ihren Unterschlupf haben?", sagte Dirk verzweifelt und hielt den Hörer dabei so fest, daß sein Knöchel weiß hervortraten. Er konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. Ingo sah in bestürzt an und sagte leise: "Wir haben da eine Vermutung, können aber nichts beweisen. Uns sind somit die Hände gebunden. Keine Beweise, kein Durchsuchungsbefehl!" "Bitte, du mußt mir sagen, was du weißt", flehte Dirk und ihm schossen die Tränen in die Augen. Ingo gab ihm die Adresse und fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was du vorhast. Aber paß' auf dich auf und laß' dich nicht erwischen. Viel Glück Chummer." Dirk verabschiedete sich und legte auf. Er wußte, daß es Ingo ehrlich mit ihm meinte.
Dirk hatte ihm vor einiger Zeit bei einer Schießerei das Leben gerettet und die beiden waren gute Freunde geworden. Seitdem helfen sie sich öfters gegenseitig. Dirk spielt Ingo Informationen zu und der Polizist läßt dafür so manchen Strafzettel verschwinden. Dirk war mit der Überprüfung der Waffe fertig und schob einen Streifen Explosivmun ins Magazin. Jetzt mußte er nur noch Markus anrufen. Dummer Weise erreichte er den Schamanen nicht. Entgegen aller Vernunft beschloß er allein loszuziehen. Er rannte zu seinem Wagen und ließ den Turm ausfahren. Er holte die tausender APDS-Gurtbox aus dem Auto und schob sie in die Magazinhalterung.
Heute würde er schießen um zu töten. Bei der Adresse, die ihm Ingo gegeben hatte handelte es sich um einen alten Bauernhof am Rande der Rheinhessen Barrens. Dirk stöpselte sich ein und raste wie ein Wahnsinniger los. Wie durch ein Wunder erreichte er sein Ziel ohne einen Unfall zu bauen. Er stellte den Sportwagen hinter der Mauer ab, die das heruntergekommene Gebäude umrahmte. Dann schloß er seine gepanzerte Bomberjacke, schnappte sein Kampfmesser und kletterte über die Mauer.
Niemand zu sehen. Leise schlich er sich zur Tür und brach sie mitHilfe des Messers auf. Vor ihm lag ein leerer Gang mit zwei Türen, der an einer Treppe endete. Er ging leise in Richtung Treppe. Plötzlich hörte er hinter sich eine bösartige Stimme: "Wen haben wir denn hier? Einfach in das Haus ehrbarer Leute einbrechen! Langsam umdrehen und keine Tricks!" Dirk drehte sich vorsichtig um und achtete darauf, daß er sein MP immer so hielt, daß sie von dem Kerl nicht gesehen werden konnte. Dann sah er seine Gegner. Es waren zwei Aktivisten und sie hatten Pistolen auf ihn gerichtet. Dirk verließ sich auf seinen Synapsenbeschleuniger und feuerte zwei grob gezielte Salven ab. Die erste Salve traf den einen am Kopf und die Explomun zerriß ihm den Schädel. Die zweite Salve zerfetzte dem anderen den Arm. Der Kerl ging ächzend zu Boden.
Dirk lief auf ihn zu und setzte ihm mit haßverzerrtem Gesicht das Kampfmesser an die Kehle: "Wieviel von euch Arschlöchern sind noch hier und wo ist mein Mädchen?" Der Kerl starte ihn mit blanker Todesangst in den Augen an und stotterte: "Wir sind allein, die anderen sind unterwegs. Die Fee ist im Keller eingeschlossen." Dirk kannte keine Gnade und durchtrennte dem Kerl mit einem Ruck die Kehle. Dann stürmte er in den Keller und hörte hinter einer Tür ein leises Schluchzen.
Er versetzte der Tür einen wütenden Tritt, so daß sie krachend aufbrach. Dann sah er Nathalie, sie lag nur mit Unterwäsche bekleidet auf dem Boden und sah furchtbar aus. Gesicht und Körper waren blutig geschlagen und sie war völlig verdreckt. Als sie ihn sah begann sie zu weinen. Er nahm sie in die Arme und sagte sanft: " Keine Angst Engel ich bring' dich hier raus." Er zog seine Panzerjacke aus und legte sie ihr um. Auf einmal hörte er draußen Motorgeräusche und fluchte. Er sah seine Geliebte ernst an und fragte: "Wir müssen hier weg! Kannst du gehen?" Nathalie nickte. Sie stürmten die Treppe hinauf und rannten zur Tür. Dirk hörte hinter sich ein Geräusch und wirbelte herum. Hinter ihm kam eine Glatze aus einem Nachbarraum und wollte gerade auf ihn feuern. Dirk war schneller und der Kerl brach mit zerfetztem Brustkorb zusammen. Der Rigger schnappte sich das Handgelenk der Elfe und zog sie zur Mauer. Er half ihr hoch und kletterte dann selbst geschickt hinterher. Doch noch waren sie nicht in Sicherheit.
Sie rannten wie vom Teufel gehetzt zu dem Wagen. Als sie einstiegen kamen ein paar Drekheads um die Ecke. Dirk ließ den Motor an und raste los. Doch sie kamen nicht weit. Eine MP - Salve zerfetzte einen Reifen des Autos. Dirk fluchte und ließ den Turm ausfahren. Die Pechsträne wollte jedoch nicht abreißen. Der zweite Schuß blieb im Lauf stecken und sie mußten den Wagen aufgeben. Dirk gab dem Autopiloten den Befehl das Auto zu sprengen, sobald die Kerle das Auto erreicht hatte und floh mit Nathalie tief geduckt, wobei sie den Wagen als Deckung verwendeten.
Dirk entdeckte eine hüfthohe Mauer und riß Nathalie dahinter in Deckung. Der Honda verging in einer furchterregenden Explosion. 3 Kilo Plast waren schon ein Argument. Als Dirk vorsichtig über den Mauerrand spähte sah er sieben zerfetzte Körper bei dem Wrack. Er lachte hämisch geschieht den Pissern recht. Er nahm Nathalie bei der Hand und sie schlichen sich leise davon. Dirk beobachtete Nathalie. Ihre nakten Füße schienen verletzt und sie hinkte stark. Er hielt an und schaute ihr besorgt in die Augen: "Was haben sie dir angetan."
Nathalie stand noch unter Schock und sie antwortete leise: "Sie haben mich verprügelt und in dieses Loch geworfen. Dirk ich dachte es wäre aus." Sie zitterte und er drückte sie fest an sich: "Oh Kleines! Es wird alles gut." Er schaute ihre Füße an. So konnten sie nicht weitergehen, sonst würde sie sich noch ernsthaft verletzen. Er zog seinen Pullover aus, zerriß ihn und band ihr die Fetzen um die Füße. So waren sie zumindest etwas geschützt.
Nathalie sprach kaum etwas. Bald erreichten sie eine gut befahrene Straße.
Dirk steckte seine Waffe weg und hielt eine Auto an. Ein junger Mann schaute ihn mißtrauisch an. Er hatte Cyberaugen und sein rechter Arm schien ein Cyberesatz zu sein. Er sagte: "Was ist denn mit euch passiert?
Ihr seht ja schrecklich aus." Dirk schaute ihn ernst an und antwortete:
"Frag' lieber nicht. Kannst du uns nach Heidelberg fahren? Sind zwohundert Eier für dich drinn!" Der Mann nickte: "Klar, bei der Bezahlung kein Problem." Sie stiegen ein und nach einer Stunde standen sie vor Markus' Wohnung. Dirk klingelte. Markus öffnete und sah ihn wütend an. Als er jedoch den Zustand der Chummers sah fragte er entsetzt: "Um Gottes Willen! Was ist denn mit euch passiert?" Sie gingen in die Wohnung und Dirk erzählte dem Schamanen was vorgefallen war. Markus schrie seinen Freund wütend an: "Bist du jetzt völlig verrückt geworden? Du hättest mich anrufen sollen, statt allein loszuziehen.
Wenn sie euch gegeekt hätten, wäre damit niemand geholfen!"
Dirk wurde ebenfalls wütend und schrie zurück: "Ich hab dich angerufen, aber du Drekhead bist ja nicht da, wenn man dich braucht!"
Nathalie drückte sich an Dirk und schluchzte. Die Wut der beiden war gleich wieder verflogen. Dirk legte Markus die Hand auf die Schulter: "Tut mir leid Chummer. Ich war einfach verzweifelt und konnte einfach nicht klar denken. Als ich dich nicht erreichte mußte ich einfach los.
Du weißt was mein Engel mir bedeutet." Er legte den Arm um die Elfe. Markus nickte verlegen: "Sorry, daß ich die Beherrschung verloren habe. Ich hab mir einfach Sorgen um euch gemacht. Ich weiß, du würdest dein Leben für sie geben!" Er schaute Nathalie an und sagte: "Dusch dich erstmal, dann kümmere ich mich um deine Wunden." Nathalie ging gehorsam ins Bad. Markus ging in die Küche und kam mit einer Flasche Whisky und zwei Gläsern zurück. Sie setzten sich an den Tisch und genehmigten sich erstmal einen ordentlichen Schluck. Markus sah Dirk grinsend an und fragte: "Hast du den Kerlen wenigstens ordentlich eingeheizt?" Dirk lachte leise: "Kannst du laut sagen! Mindesten zehn von ihnen hat´s erwischt!" Markus lächelte: "Ist ja schon mal was! Nur schade um dein Auto."
Dirk schüttelte den Kopf und meinte leise: "Das war ein kleiner Preis, denn dafür ist Nathalie wieder bei mir!" Markus legte ihm die Hand auf den Arm und sagte betroffen: "Du mußt sie wirklich sehr lieben!" Dirk nickte. Die Badtür öffnete sich und Nathalie kam in ein Handtuch gewickelt herraus. Sie sah die Freunde verängstigt an und sagte leise: "Ich habe nichts zum anziehen mehr hier, es liegt alles bei Dirk!" Markus reichte ihr ein T- Shirt, das ihr viel zu groß war. Bei ihr wirkte es wie eine Art Nachthemd. "Leg' dich auf die Couch! Ich werde mich um deine Wunden kümmern!", sagte Markus und kramte einen Wolfszahn aus der Tasche. Nathalie legte sich gehorsam hin und Markus kniete sich vor sie auf den Boden. Dirk schaute der Szene gebannt zu. Markus' legte dem Mädchen die Hände auf die Brust und fing an ein gespenstisches Lied zu singen. Beide waren plötzlich in ein weiches Licht gehüllt. Markus Gesicht glich dem Kopf eines Wolfes und die Wunden des Mädchen verschwanden. Nach einigen Minuten stand der Schamane erschöpft auf. Nathalie war in einen ruhigen Schlaf gesunken. Dirk ging zu dem Freund und wollte ihn stützen, doch Markus schüttelte den Kopf: "Geht schon Dirk, danke." "Kannst du mir dein Motorrad leihen? Dann fahr ich heim und hole ihre Kleider.", fragte Dirk. Markus schüttelte den Kopf und erwiderte: "Nein, daß mache besser ich! Wenn sie aufwacht braucht sie dich mehr als mich!" Dirk gab ihm die Schlüsselkarte seiner Wohnung und sagte:
"Danke, mein Freund. Das werde ich dir nie vergessen!" Markus lächelte: "Ist nicht der Rede wert. Du kannst Sheila anrufen und ihr sagen, daß du den Run gegen die NA allein erledigt hast.
Sie soll ihre Runner trotzdem bereithalten. Vielleicht brauchen wir sie noch." Beide mußten leise lachen. Dann verließ Markus die Wohnung. Dirk setze sich in einen Sessel, der neben der Couch stand, auf der Nathalie lag, und nahm den Telefonhörer zur Hand. Sheila meldete sich. Sie sah ungeduldig aus und fragte: "Warum habt ihr euch nicht gemeldet? Es ist schon nach vier!" Dirk lehnte sich gemütlich in den Sessel zurück und sagte: "Der Run gegen die NA fällt leider flach. Die Kerle hatten Little entführt und ich mußt ihr Hauptquartier in die Luft jagen!" Sheila sah ihn ungläubig an und sagte: "Du hast was?" Dirk erzählte ihr die Geschichte von Anfang an und als er fertig war meinte Sheila: "Na gut, dann braucht ihr ja die Runner nicht mehr!" Dirk schüttelte energisch den Kopf und sagte: "Das steht noch nicht fest! Müllers Frau war nicht in dem Gebäude. Wir werden heute abend mal diesen Thomas Marson aufsuchen. Vielleicht wissen wir dann mehr!" Sheila verabschiedete sich und Dirk beschloß für die nächsten paar Tage ein Hotelzimmer zu mieten. Er wollte vorerst nicht mit Nathalie in die verwüstete Wohnung zurück. Dank seiner wasserfesten SIN stellte das auch kein Problem da. Er mietete sich im Hotel Rhia in Kirchheim ein. Einige Minuten später kam Markus zurück. Er hatte auch Dirk neue Kleider mitgebracht.
Und Dirk zog sich, nach einer ausgiebigen Dusche, dankbar um. Als er aus dem Bad kam war auch Nathalie wieder wach. Sie lief dem Rigger entgegen und fiel ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich: "Jetzt hast du mich schon zum zweitenmal gerettet!" Dirk drückte sie fest an sich. Ihr Haar duftete wunderbar. Er erwiderte ihren Kuß und meinte lächelnd: "Muß aufpassen, daß das nicht zur Gewohnheit wird." Nathalie schaute auf den Boden und meinte: "Tut mir leid um deinen Wagen." Dirk drückte sie an sich und meinte:
"Hauptsache dir geht es gut." Markus schaute die beiden an und sagte: "Wir sollten allmählich unseren Freund Thomas besuchen.
Nathalie gehst du mit, oder willst du hierbleiben?" Nathalie schaute ihn an und sagte ängstlich: "Auf keinen Fall, bleibe ich hier.
Ich will in nächster Zeit nicht mehr allein sein!" Markus nickte:
"Kann ich verstehen. Also gehen wir." Sie gingen in die Garage und stiegen in Markus' Volkswagen Impuls. Der Kerl wohnte am Rande von Worms. Es war bereits sieben, als sie das luxuriöse Haus erreichten.
Sie stellten den Impuls in einiger Entfernung ab und Markus wirkte einen Zauber um sie unsichtbar zu machen. Sie schlichen sich leise zum Haus.
Nathalie schaute sich die Fenster an und meinte: "Achtung, er hat eine Alarmanlage." Sie sah sich kurz um und entdeckte dann ein Außensensor.
"Wartet einen Moment, vielleicht kann ich das Ding außer Betrieb nehmen!", sagte sie leise und machte sich an dem Sensor zu schaffen.
Einige Minuten später war der Alarm außer Betrieb. Sie drangen durch ein Fenster in das Gebäude ein. Sie waren nun in einem Wohnzimmer.
Ein Wachmann kam in den Raum. Er hatte anscheinend etwas gehört. Dirk schlug ihn mit der MP nieder. Sie schlichen durch das Haus und fanden ihre Zielperson im Arbeitszimmer. Bevor der Kerl irgend etwas bemerkte, sackte er von einem Betäubungszauber getroffen zu Boden. Sie schleppten ihn zum Auto und fuhren wieder in Richtung Heimat. Dort schleppten sie den Typ aus dem Wagen in Markus Wohnung. Sie hatten ihm die Augen verbunden, damit er nicht sah, wo er sich befand. Als er wieder erwachte war es bereits acht. Die Runner setzten sich um ihn herum. Markus zog den Kopf des Execs an den Haaren hoch, worauf der Mann laut stöhnte. Dirk sagte kalt und wütend: "Hör' zu Arschloch! Du hast uns schon viel Ärger bereitet. Sag' uns besser, was wir wissen wollen oder wir ziehen andere Seiten auf!" Der Mann spuckte aus und sagte überheblich: "Was wollt ihr von mir? Ihr seid nichts. Man wird mich bald finden und dann geht es euch an den Kragen." Markus versetzte ihm einen Hieb in den Magen und sagte kalt: "Mag schon sein, daß man dich findet.
Aber, wenn du nicht machst, was wir von dir verlangen, findetet man dich höchstens tot! Also erzähl' uns mal warum du an die NA 40000 EC gezahlt hast und was mit den Metamenschen geschehen ist!" Der Kerl erwidert: "Ich weiß von nichts." Nathalie verlor die Beherrschung und schlug ihm ins Gesicht, wobei sie ihm mit ihrem Ring die Wange aufriß:
"Du lügst!" Der Manager merkte allmählich, daß es den Runnern ernst war und einige Schläge später begann er zu reden wie ein Buch. Er erzählte, daß man die Metamenschen für Experimente mit einem neuen Biowareteil verwendete. Sie erfuhren bestürzt, daß bereits die meisten der Personen entweder tot oder geisteskrank sind. Es gab da einige Probleme mit der Anpassung wie es der Dreckskerl ausdrückte. Nachdem er geendet hatte verpaßte ihm Markus einen weiteren Betäubungszauber. Nathalie schaute bestürzt in die Runde: "Wie kann ein Mensch nur zu solchen Grausamkeiten fähig sein?" Dirk nahm sie traurig in den Arm und sagte kopfschüttelnd:
"Ich weiß es nicht Engel... Ich weiß es nicht." Markus war wütend und meinte: "Ich glaube wir übergeben den Kerl Sheila. Ihre Leute sollen ihn noch etwas ausquetschen! Tja Chummers! Ich glaub wir werden der AG-C mal einen Besuch abstatten. Ich rufe mal Sheila an!" Nachdem er der Schieberin die Sache geschildert hatte, bat er sie jemanden vorbei zuschicken um den Kerl abzuholen und ein Treffen mit Müller zu vereinbaren. Da die gebotenen zehntausend EC dann doch etwas wenig für den Angriff auf einen Kon waren. Sheila willigte ein und eine halbe Stunde später standen zwei Söldner vor der Tür um den Exec abzuholen. Markus öffnete ihnen und sagte: "Da vorne liegt der Saukerl. Ich hoffe sie können ihm einige Infos über die AG-C und die Sache mit den Menschenexperimenten entlocken." Die beiden hoben den Kerl an und der eine meinte grinsend : "Keine Sorge er wird ganze Arien singen! Wir haben da unsere Methoden! Morgen früh habt ihr die Informationen." Sie verabschiedeten sich. Dirk nahm Nathalie bei der Hand und sagte Markus: "Ich glaube für uns wird es auch Zeit! War ein ereignisreicher Tag. Ähm... würde es dir etwas ausmachen uns ins Hotel zu fahren?" Markus begann schallend zu lachen und antwortete: "Kein Problem." Nathalie sah den Schamanen durchdringend an und sagte wütend: "Was fällt dir ein zu lachen? Er hat seinen Wagen geopfert um mich zu befreien!" Dirk sah sie lächelnd an und sagte: "Ärgere dich nicht ich würde an seiner Stelle auch lachen." Sie fuhren zu Dirk um noch einige Sachen abzuholen.
Zehn Minuten später verabschiedeten sie sich vor dem Hotel von Markus.
Nathalie und Dirk gingen Hand in Hand ins Hotel. Die junge Frau an der Rezeption überreichte ihnen freundlich den Schlüssel zum Zimmer.
Es war nicht gerade luxuriös, aber den beiden gefiel es. Dirk streckte sich und schaute auf die Uhr. "Es ist schon zehn. Uha. Endlich ins Bett!" Nathalie legte die Arme um seine Hüfte. "Du willst doch nicht ohne zu duschen ins Bett!", meinte sie neckisch. Dirk lachte und küßte sie zärtlich auf den Mund. "Natürlich nicht!", meinte er schmunzelnd, "Aber es ist schon spät und morgen wird wieder ein harter Tag. Wir sollten gemeinsam duschen um Zeit zu sparen. Was meinst du?" Sie schlug ihm scherzhaft mit dem Finger auf die Nase und antwortete lachend: "Gute Idee!" Sie küßten sich innig und gingen ins Bad. Als Nathalie sich auszog, mußte Dirk die Luft anhalten. Ihr Körper wirkte zwar etwas zerbrechlich, war jedoch trotzdem wunderschön. Sie stiegen gemeinsam in die Naßzelle.
Nathalies Herz begann zu rasen, als Dirk sie umarmte, aber sie hatte keine Angst, im Gegenteil, sie genoß jede seiner Berührungen. Sie ließen sich lange von den zahllosen Düsen der Dusche berieseln und seiften sich dann lachens gegenseitig ein. Die Sorgen des Tages schienen vergessen. Nach einer halben Stunde stiegen sie aus der Dusche. Der anstrengende Tag zeigte seine Spuren und sie ließen sich, nachdem sie sich abgetrocknet hatten, erschöpft ins Bett fallen. Nathalie schmiegte sich eng an Dirk und spürte glücklich seinen warmen Köper. Sie hätte nie gedacht, daß sie nochmal so viel für einen Mann empfinden konnte. Sie küßten sich nochmals lange und zärtlich und schliefen dann, eng aneinander geschmiegt ein.

Feuerprobe

Dirk wachte gegen acht auf und rieb sich müde die Augen. Nathalie schlief noch ruhig neben ihm und er wollte sie nicht wecken. Er schloß die Augen und erinnerte sich an die letzte Nacht. Nathalie erwachte ebenfalls und küßte ihn. Er umarmte sie zärtlich. Es war ein wunderbares Gefühl, ihr warme Haut zu spüren. "Morgen Engel. Gut geschlafen", sagte er und kraulte ihr das Genick. Sie schnurrte genüßlich.
"Ja wunderbar, Dirk. Laß uns aufstehen. Wir haben heute noch viel vor." Dirk stöhnte mißmutig: "Muß das sein.
Nur noch fünf Minuten." Nathlie lachte: "Auf raus aus dem Bett." Sie wußte, daß er verdammt kitzlig war und nützte dieses Wissen gnadenlos aus. Er sprang lachend aus dem Bett: "Hey, laß' das du kleines Biest!" Sie standen voreinander und schauten sich lachend an. Dann gingen sie ins Bad und zogen sich an, wobei Dirk über Nathlies gepunktete Unterwäsche lästerte. Das Frühstück des Hotels war phänomenal. Nachdem sie sich satt gegessen hatten gingen sie in das Zimmer und suchten ihre Ausrüstung zusammen. Markus würde sie in einer halben Stunde abholen. Plötzlich wurde Nathalie sehr ernst. "Dirk! Die Sache heute abend wird verdammt gefährlich.
Es könnte sein, daß dabei einer von uns verwundet oder gar getötet wird. Falls so etwas passiert, möchte ich dir jetzt noch einiges sagen."
Dirk schaute sie bestürzt an. "So etwas darfst du nicht mal denken Engel!" Sie setzten sich auf das Bett. "Doch, ich muß sogar darüber nachdenken. Das ist Runneralltag. Viele von uns sterben bei weit einfacheren Runs!", meinte sie traurig. Dirk schaute bedrückt auf den Boden: "Du hast recht, Engel." Sie legte ihm die Hände auf den Oberschenkel und sagte: "Ich haßte es bis jetzt, wenn mich Männer anfaßten. Ich hatte immer Angst davor. Außer Markus gab es keinen Jungen, dem ich vertraute. Und jetzt bist du da. Letzte Nacht war wunderschön. Es war so seltsam. Ich genoß jede deiner Berührungen. Ich vertraue dir blind und werde dich immer lieben! Das wollte ich dir noch sagen." Dirk nahm sie in den Arm. Er konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. "Oh, Engel. Dir darf heute nichts passieren! Ich könnte ohne dich nicht mehr leben.", sagte er verzweifelt. Sie schüttelte den Kopf: "Doch, das könntest du. Du würdest vielleicht lange brauchen um darüber hinwegzukommen, aber würdest es schaffen." Er drückte sie an sich. Sie sah ihn an und sagte langsam: "Wenn wir den heutigen Tag überstehen, mußt du mir versprechen, daß wir diese Nacht wiederholen!"
Dirk holte tief Luft: "Das verspreche ich dir, Engel!" Sie küßten sich. Dann gingen sie vor das Hotel. Markus wartete bereits ungeduldig und rief ihnen entgegen: "Moin! Auf, los geht's, wir sind spät dran!" Sie liefen zügig zu dem Impuls und stiegen ein. Markus startete den Motor und fuhr Richtung Mannheim. Dirk schaute mißmutig vor sich hin. Nathalie bemerkte den Kummer ihres Freundes und fragte leise:
"Was hast du Schatz?" Er schüttelte traurig den Kopf und antwortete: "Ach nichts. Stell' dir einfach vor, du könntest nicht in die Matrix und müßtest zuschauen, wie jemand deine Arbeit erledigt!" Sie nahm seine Hand und drückte sie fest.

Vierzig Minuten später saßen sie mit Sheila und Herrn Müller in dessen Büro. Markus ergriff das Wort: "Herr Müller ich kann ihnen nicht versprechen, daß eine Aktion gegen die AG-C ihnen ihre Frau zurückbringen würde. Ich kann ihnen aber sehr wohl versprechen, daß das Unterlassen einer solchen Aktion, ihrer Frau auf jeden Fall das Leben kosten würde. Die AG-C würde nie zugeben Menschenexperimente durchzuführen und sofort alle Beweise beseitigen, was die Tötung der Versuchspersonen einschließt." Der Manager sah verzweifelt aus, als er sagte: "Ich weiß. Aber ich kann ihr Honorar jedoch leider nicht erhöhen. Außer, wenn sie alle Informationen und Forschungsdaten über das Projekt stehlen könnten.
Dann könnte ich das ganze als Konzernaktion tarnen und jedem von ihnen 100.000 EC bieten. Ich riskiere dabei zwar meinen Job, aber das ist es mir wert. Wären sie damit einverstanden?" Markus schaute seine Kameraden an: "Was meint ihr. Raider? Little?" Die beiden nickten.
Markus wandte sich an Sheila: "OK. Sheila. Haben sie ein Angriffsteam zusammengestellt?" Er verwendete absichtlich das "Sie", obwohl er mit Sheila befreundet war, aber das war eine Geschäftsverhandlung. Sheila antwortete: "Ja. Ich habe ein Team aus 5 Kämpfern ausgewählt.
Die Kosten für das Team betragen vierhunderttausend EC. Sind sie damit einverstanden Herr Müller?" Der Mann nickte. Markus lächelte:
"Hervorragend, dann können wir ja jetzt die Verhandlung zum Abschluß bringen. Ich schätze Fräulein Sheila hat bereits einen Vertrag aufgesetzt." Sheila fischte einen Chip aus der Tasche und überreichte ihn Herrn Müller. Dieser legte ihn in einen Datenleser und vervollständigte den Vertrag um die besprochenen Punkte. Dann ließ er das Dokument ausdrucken. Als alle unterschrieben hatten war die Verhandlung beendet.
Müller wünschte den Runnern viel Glück, und sie verließen mit Sheila das Büro. Nun ging es zur eigentlichen Einsatzbesprechung.
Sie fuhren nach Viernheim und fanden sich alle im bekannten Hinterzimmer des Steelhous ein. Sheila breitete einiges Material auf dem Tisch aus und die Chummers waren erstaunt, was sie alles zusammengetragen hatte. Kurze Zeit später traf auch Sheilas Team ein. Sie setzte sich auf den Tisch und begann mit dem üblichen Ritual: "Ich werde euch erstmal gegenseitig vorstellen, damit jeder weiß, woran er ist. Also Kammeraden: Diese Drei da sind das Team von dem ich euch erzählt habe", sie deutete auf Nathalie, Dirk und Markus, "sie leiten diesen Run. Das da ist Lynx," ,es handelte sich um einen dürren Mann dessen halbes Gesicht durch C-Ware ersetzt worden war, "er ist euer Sprengstoffspezialist.
Neben ihm sitzt Stealth. Er ist ein hervorragender Schütze und verfügt außerdem über ein sogenanntes Move-By-Wire-System. Dann Hunter, ein erfahrener Kämpfer, der in den Konzernwüstenkriegen gekämpft hat. Außerdem noch Brightlight und Silverball. Ebenfalls zwei sehr erfahrene Kämpfer." Dirk schaute sich die Runde an. Stealth war noch dürrer als Lynx. Seine Augen waren tiefschwarze Löcher und er bewegte sich mit unmenschlicher Geschmeidigkeit. Wenn er sich nicht bewegte, konnte man jedoch ein leichtes Zittern seiner Glieder wahrnehmen.
Hunter Konnte man außer einer Stirnbuchse keine C-Ware ansehen. Er schien durchtrainiert und die Narben in seinem Gesicht ließen auf einige unliebsame Erfahrungen schließen. Brightlight war eine Zwergin, sowohl ihre Arme, als auch ihre Beine waren Cyberglieder. Silverball war der seltsamste von allen. Er war ein hochgewachsener Elf und schien aus reinem Silber zu bestehen. Er schien einen hervorragenden Cyberdoc zu haben.
Alle schienen stark verdrahtete Reflexe zu besitzen. Sheila sprach weiter:
"Ich stelle euch wieder den Iridio zur Verfügung. Außerdem erhält jeder einen Comlink mit Head - up - Display plus Kartensoft."
Dirk wußte, daß sie das nicht aus reiner Gefälligkeit tat. Sie hatte die Ausrüstung mit in den Preis eingerechnet, und was sie verlieren mußten sie zahlen. Wenigstens würde er wieder ein Auto haben. Dann beugten sie sich über die Karte und besprachen den Einsatzplan. Der gefangene AG-C Exec hatte viele nützliche Informationen preisgegeben. Leider war er gestorben, bevor er das Bild abrunden konnte.
Sie würden mit dem Wagen durch den Zaun in das Werksgelände eindringen, wobei sie genau die Streifenzeiten der Überwachungsdrohnen beachten mußten. Im Werksgelände ging es dann zu einer größeren chemischen Herstellungsanlage. Dort würden sie den Iridio verstecken und sich dann trennen. Ein Team unter Markus Leitung würde die Gefangenen befreien. Er sollte dabei von Stealth, Lynx und Silverball unterstützt werden. Das zweite Team unter Nathalies Leitung, die Sams waren davon zwar nicht begeistert, aber sie war die Spezialistin, was Daten betraf, sollte die Sicherheit ausschalten und die Daten organisieren. Sie würde von Dirk, Hunter und Brightligt begleitet. Dann würden sie sich wieder am Auto treffen und verschwinden. Die ganze Sache durfte maximal zwanzig Minuten dauern. Sie schlossen die Besprechung ab und verabredeten sich um acht vor der Disko. Sie hatten bis dahin noch etwas Zeit und Nathalie, Dirk und Markus beschlossen sich noch ein wenig in der Stadt die Zeit zu vertreiben. Sie gingen gut essen und schauten sich danach noch einen Kinofilm an. Als sie sich dann anschickten zu dem Treffpunkt zu fahren, sahen sie sich gegenseitig nachdenklich an und wünschten sich viel Glück.
Das war das letze mal vor dem Run, wo sie sich mit ihren richtigen Namen anredeten. Ab jetzt gab es nur noch die Straßennamen. Markus parkte sein Auto auf dem Parkplatz des Steelhouse. Dann gingen sie zum Iridio, wo sie die anderen trafen. Dirk nickte den Kammeraden zu und setzte sich auf den Fahrersitz. Nathalie saß neben ihm und der Rest des Teams nahm auf der Ladefläche Platz. Es regnete ein wenig und wurde bereits dunkel. Den Runnern war das nur recht, denn das schlechte Wetter würde ihnen Deckung geben. Um halb neun standen sie vor dem Komplex der AG-C.
Die Anlage war eine Stadt in der Stadt. So wie das Auge reichte Destillationstürme Fabrikkomplexe und Bürogebäude. Die Tür der Ladefläche öffnete sich und Stealth und Silverball huschten, wie zwei lautlose Schatten zum Zaun, wo sie sich hinter einem Autowrack verbargen. Dann sahen sie die Drohne. Es handelte sich um eine Strato-9 Rotordrohne. Verdammt scharfe Dinger uns sau teuer. Nachdem das Ding vorbei war, warteten sie noch eine Minute. Dann zertrennten Silverball und Stealth blitzschnell den Zaun. Dirk ließ den Iridio auf das Loch zu rasen und hielt nur kurz an, um die beiden Sams einsteigen zu lassen. Sie fuhren mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zwischen Leitungen Silos und sonstigen Anlagen hindurch.
Nathalie krallte sich an der Tür fest, ließ sich aber nicht anmerken. Dirk hätte sowieso nichts bemerkt. Trotz seiner Riggeradaption fiel ihm die Sache ziemlich schwer. Die Wege waren für diese Geschwindigkeit viel zu eng und mehr als einmal streifte der Wagen kreischend eine Stahlstrebe.
Sheila würde gar nicht begeistert sein! Nach vier Minuten erreichten sie ihr Ziel und Dirk brachte den Lieferwagen mit einem riskanten Manöver zum stehen. Sie standen mitten einem Gewirr von Rohren und Metallgestellen.
Es wäre reiner Zufall, wenn der Wagen hier entdeckt werden würde.
Alle setzten ihre Comsets auf und machten sich bereit. Dirk sah Nathlie entschlossen an. "Also los Little." Sie sprangen aus dem Auto und gingen hinter einem Rohr in Deckung. Der Rest des Teams stieg nun ebenfalls aus. Nathalie nickte Markus zu. "Also gut Houl. Bis später."
Die Teams trennten sich. Während Houls Team in Richtung eines großen zweistöckigen Betongebäude davon rannten, lief Littles Team in Richtung des Kontrollgebäudes der Fabrikationsanlage. Die Tür des Komplexes war verschlossen und zwar rein mechanisch. Nathalie fluchte leise. Doch Breightlight schob sie zur Seite und brach das Schloß mit der rohen Kraft ihres Cyberarms auf. Die Tür öffnete sich mit metallischem Kreischen und die Zwergin bat sie grinsend einzutreten.
Hunter kauerte sich hinter ein Rohr und sicherte den Eingang. Dirk beschloß es ihm nach zu tun Er sah sich kurz um und war heil froh um seine Lichtverstärker.
Er kniete sich hinter die Verschalung eines Stützpfeilers und beobachtete mit gezogener MP die Umgebung. Nathalie und die Zwergin hingegen gingen in das Gebäude. Sie standen in einem kurzen Gang. Nathalie sah trotz der Dunkelheit recht gut. Sie brauchte sich dabei auch nicht auf Cybertech verlassen. Sie sah sich die Türen an. Die eine schien zum Kontrollraum zu führen und war hervorragend abgesichert. Nathalie hoffte sich über die Sensoren der Tür Zugang zum Matrixsystem zu verschaffen und machte sich an der Tür zu schaffen. Nach einigen Minuten hatte sie die Elektronik freigelegt und deaktiviert. Sie sah sich das System mißtrauisch an und aktivierte den Comlik: "Hier Leader Team 1. Ich kann den Alarm nicht ausschalten, es handelt sich um ein geriggtes Sicherheitssystem, ohne Matrixzugang!" "Hier Team Zwo. Ihr müßt eines der Riggerpulte finden, wir haben nur noch wenig Zeit. Raider soll versuchen das System zu knacken.", meldete sich Markus über Funk. "
Hab's gehört, schon unterwegs.", warf Dirk über Funk ein und nickte Hunter zu: "Halte hier die Stellung Chummer." Der Sam lächelte grimmig: "Wer hier rein will muß an mir vorbei und daß würde ihm nicht bekommen!" Dirk stand auf und huschte geduckt in das Gebäude. Nathalie und Brightligt waren bereits im Kontrollzentrum.
Die Zwergin kniete hinter einem Tisch und Nathalie schraubte an einem Terminal herum. In mitten des Raumes stand eine Liege, die mit einigem technischen Gerät versehen war. Dirk erkannte eindeutig Riggerkontrollen. Ihm wurde etwas mulmig, mit so einem System hatte er noch nie zu tun. Nathlie deutete auf die Liege und meinte: "Leg dich hin und versuche das System hinzuhalten. Du mußt dich auf die Karte konzentrieren, so kommst du zu den verschiedenen Sensoren und kannst sie blockieren. Ich werde von hier aus in die Matrix einsteigen und die Daten holen. Sei vorsichtig Raider, da drinn gibt es auch eine Art ICE und du wirst keinen Schutz dagegen haben."
Sie versuchte ein ernstes Gesicht zu machen, aber Dirk merkte, daß sie Angst um ihn hatte. Er legte sich auf die Liege und schaute zu Nathalie.
"Wird schon schiefgehen." Er steckte sich das Datenkabel des Systems in die Buchse. Die Welt um ihn herum verschwamm. Und er sah durch eine irgendwo Kamera auf dem Gelände. Er konzentrierte sich auf den Eingang des Kontrollkomplexes und sah bald Hunter hinter dem Rohr liegen.
Irgendwas fühlte sich kühl an. Normalerweise wäre dieser kühle Bereich sein Arm gewesen, aber hier wußte er nicht. Es fühlte sich irgendwie an wie der Kanonenturm in seinem ehemaligen Autos und er versuchte das Ding zu steuern. Plötzlich erschien ein Zielkreuz auf Hunters Hinterkopf und der Rigger hörte die Stimme des Systems: "MG feuerbereit." Dirk bewegte das Zielkreuz schnell von dem Chummer weg. Die Sache begann ihm Spaß zu machen. War im Prinzip das selbe wie ein Auto zu steuern. Es war nur alles viel komplexer.
Doch er gewöhnte sich schnell daran. Er schaltete zu dem Gebäude, wo sich das Team 2 befand und entdeckte sie auch bald. Zum Glück wußten die richtigen Systemrigger nicht wonach sie suchen mußten, sonst wäre das Eindringen in eine so geschützte Anlage unmöglich.
Die Sysrigger sprangen immer nur von Sensor zu Sensor und wenn sie nichts bemerkten ging es zum nächsten. Dirk ließ die Kameras so drehen, daß die Chummers nicht mehr im Sichtfeld waren und schaltete die Sensoren aus. Er gewöhnte sich schnell an die Arbeit mit dem System.
Einmal bemerkte er wie sich ein System nur widerstrebend bewegen ließ.
Er dachte sich nichts dabei, er konnte ja nicht ahnen, daß ihn soeben ein Systemrigger entdeckt hatte.

Nathalie beobachtet Dirk noch einen Augenblick und sah besorgt, wie seine Hände hektisch über die Kontrollen huschten. Dann sprach sie in den Comlink: "Bright, Hunter! Raider ist drinnen und ich ziehe jetzt auch los. Schützt den Kontollraum um jeden Preis!" Die beiden ließen nur ein entschlossenes "Verstanden" vernehmen.
Bevor Nathalie sich einstöpselte verständigte sie Markus, daß sie alles unter Kontrolle hatten.

Markus hatte nur auf diese Signal gewartet. Und signalisierte Lynx, daß er beginnen konnte. Der Söldner grinste und brachte ein kleines Kästchen an der verschlossenen Tür an. Es war nur ein kurzes Zischen und ein diffuser Lichtschein zu bemerken, als das Schloß war durch den Phosphorbrenner geschmolzen wurde. Stealth und Silverball sicherten kniend die Tür ab, und Markus und Lynx schlichen in den Gang hinein. Markus berührte einige Schalter seines Comsets und die Karte des Komplexes erschien in seinem Sichtfeld. Sie mußten am Ende des Ganges in einen Aufzug einsteigen und in den Keller fahren. Sie rannten leise durch den Gang und verließen sich in der Dunkelheit auf ihre Lichtverstärkeraugen, egal ob cybernetisch oder natürlich. Als sie den Aufzug erreicht hatten bedeutete Markus Lynx den Gang zu sichern und befahl den anderen nachzurücken. Kurze Zeit später knieten sie alle vor dem Aufzug. Sekunden später öffnete sich die Aufzugtür.
Die Kabine war leer. Sie gingen hinein, und Markus schaute sich die Kontrolltafel an. Er drückte den Knopf für das untere Stockwerk. Das Terminal bittete ihn jedoch um die Schlüsselkarte. Markus fluchte und aktivierte den Comlink: "Team 1 hier. Teamleader Zwo, Wir brauchen eure Hilfe!"
Brightlight meldete sich und fragte: "Was gibt's, Team 1?" "Wir stehen hier im Aufzug und die Fahrt in den Keller ist durch ein Kartenschloß geschützt. Little muß uns runter bringen. Außerdem soll Raider die Sensoren unten checken, damit wir wissen, was uns erwartet!"
Die Zwergin bestätigte und das Warten begann.

Eine Realität verschwamm und eine andere entstand. Nathalie war nun in der Matrix. Das System stellte sich als ein riesiger Berg da, auf dessen Spitze ein kristallenes Schloß stand. Überall arbeiteten kristallene Bauern, auch ein Kristallwald war zu sehen. Die Kristalle schimmerten in allen Farben. Nathalie war begeistert, was für eine wunderbare Methaphorik. Sie nahm sich einen Moment Zeit und paßte ihr Icon an.
Sie war jetzt eine kleine Kristallprinzessin. Sie ging langsam den Berg hinauf. Sie vermutete, daß sie die Daten oben im Schloß finden würde. Einige Matrixsekunden später stand sie vor der Mauer.
Jetzt mußte sie nur noch einen Eingang finden. Sie lief an der Mauer entlang und fand ein Tor. Dann klopfte sie an das Tor. Das Tor öffnete sich und vor ihr stand ein Wachmann. Sie schaute ihn entschlossen an und sagte: "Ich muß hinein, ich habe einen dringenden Auftrag zu erfüllen!" Ihre Täuschungsform ließ sie wie ein Burgfräulein aussehen und der Wachmann glaubte ihr. Sie ging eine Treppe hoch und fragte einen Pagen: "Ich muß zur Schatzkammer, können sie mir den Weg zeigen?" Der Mann deutete auf eine große verschlossene Tür. Natahlie schaute sich verstohlen um und ging dann wie ein Geist durch die Tür hindurch. Nun stand sie in einer Schatzkammer mit tausenden von Kostbarkeiten. Alles klappte hervorragend, diesmal würde es keine Probleme geben. Plötzlich spürte sie ein Ziehen in der Schulter.
Irgend jemand berührte sie außerhalb der Matrix. Sie nahm die Intensität des Simsinnsignals zurück und sah Brightlight. "Du sollst den Aufzug manipulieren, damit unsere Chummers in den Keller kommen."
Nathalie nickte und fuhr das Simsinsignal wieder hoch. Sie verließ die Schatzkammer wieder und manipulierte den Aufzug. Dann gings wieder zurück zum Schatz. Sie suchte kurz und fand die Datei. Es ging alles fast zu leicht, und bald hatte sie die Daten herabgeladen. Sie stöpselte sich gerade rechtzeitig aus um zu sehen, wie sich Dirk auf der Riggerliege verkrampfte.

Dirk holte Markus die gewünschten Informationen. Vor der Aufzugtür standen zwei Wachen und in dem langen Gang, in dem sich die Zellen befanden hielten sich noch weitere zwei auf. Er verließ das System kurz und gab die Informationen weiter, dann klinkte er sich wieder ein. Er sah sich in dem Komplex weiter um. Plötzlich ließ sich eine Kamera nicht mehr bewegen. Dann spürte er ein leichtes ziehen, daß sich zum brennen verstärkte. Er wollte sich ausklinken, bemerkte jedoch entsetzt, daß er sich nicht mehr bewegen konnte. Die neuromuskuläre Systeme seiner Riggeradaption wurden nun von dem System verwendet um ihn gefangenzuhalten.

Nathlie sprang auf und lief zu Dirk. Er schrie und zuckte wie besessen und dann blieb er regungslos liegen. Sie riß ihm verzweifelt das Datenkabel aus der Stirn und schrie: "Nein Di... bitte nicht!"
Sie hatte Tränen in den Augen und umarmte ihren Geliebten. Die Zwergin lief zu ihr hinüber und checkte den Rigger durch und meinte: "Keine Sorge, er lebt noch. Hat ihn aber ziemlich gebeutelt!" "Leute!
Wir bekommen Ärger. Hier Hunter. Ein Trupp Gardisten nähert sich unserer Position. Ich könnte etwas Hilfe gebrauchen!" Brightlicht sah Nathalie entschlossen an. "Ich gehe raus und helfe ihm. Bleiben sie bei ihm!" Nathalie nickte und die Zwergin stürmte aus dem Raum. Als sie draußen war küßte Nathalie Dirk auf den Mund. "Dirk. Ich liebe dich. Ich werde dich nicht im Stich lassen!"
Ihr Blick wurde hart und kalt. Nichts mehr erinnerte an die zarte, verletzliche Elfe. Dann nahm sie Dirks MP an sich. Sie würde Feuerkraft brauchen und die MP war weitaus besser als die leichte Pistole. Sie kniete sich vor die Liege und zielte auf den Eingang. Wer Dirk etwas antun wollte müßte erst sie Töten!

Der Aufzug fuhr in den Keller. Lynx drückte den Kammeraden Gasmasken in die Hand und zog eine Granate aus seiner Jacke. Sie legten die Gasmasken sorgfältig an. Als sich die Tür einen Spalt öffnet warf Lynx die Granate. Die beiden Wachen brachen würgend zusammen. Stealth und Silverball sprangen aus dem Aufzug und sicherten nach links und rechts ab. Lynx und Markus stürmten nach vorne. Plötzlich riß Lynx den Schamanen zur Seite. Ein Schuß viel. Lynx stöhnte.
Der Schuß der eigentlich Markus gegolten hatte, erwischte die Schulter des Söldners. Markus ließ sich fallen. Er sah aus den Augenwinkeln etwas mit atemberaubender Geschwindigkeit an ihm vorbei rasen. Er hörte das Zischen einer schallgedämpften Automatikwaffe und die restlichen beide Wachen brachen zusammen. Dann sah er was dieser Schatten gewesen war. Stealth kam wieder zum stehen. Markus schaute ihn entsetzt an. Mit was, um himmels Willen ist der Kerl verdrahtet? Silverball machte sich daran die Zellen aufzubrechen. Er fand zehn völlig heruntergekommene Metamenschen. Einen Troll, vier Zwerge, ein Elfen und vier Orks. Drei der Zwerge waren mehr tot als lebendig und lagen apathisch auf dem Boden. So auch die Frau Müllers. Die Gefangenen hatten panische Angst vor den Runnern, doch als Markus ihnen sagte, daß sie sie befreien wollten, gewannen er ihr Vertrauen. Die armen Schweine waren verzweifelt und griffen nach jedem Strohhalm. Markus sah nach Lynx. "Geht es?" Der Söldner sah ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht an. "Geht schon. Ist mein Job."
Markus legte ihm die Hand auf die Schulter. "Danke, daß du mir das Leben gerettet hast." Die anderen brachten die Gefangenen zum Aufzug. Markus funkte wieder: "Team 1! Wir haben die Gefangenen! Bewegt den Aufzug!" Nathalie meldete sich: "Wir können euch momentan nicht helfen! Wir sind in Schwierigkeiten!..." Dann brach der Kontackt ab. Markus überlegte kurz, dann sagte er zu Lynx: "Da vorne, etwa in der Mitte des Ganges, läuft die Kanalisation laut Karte ziemlich dicht unter dem Boden vorbei. Kannst du uns da durchbringen?" Lynx lachte: "Kein Problem. Ein halbes Kilo Plast und bumm!" Er machte sich sofort an die Arbeit. Sie gingen in einer Zelle in Deckung und der Boden zerbast mit einem infertilen Knall. Markus hielt Lynx an den Schultern fest. "Bring die Leute durch die Kanalisation hier raus! Ich werde versuchen den anderen zu helfen. Stealth, bist du dabei?" Der Sam lächelte grimmig: "Klar! Kann etwas Aktion gebrauchen!"
Die Beiden gingen zum Aufzug. Markus sah sich noch mal um und sah, wie Siverball und Lynx mit den Metamenschen in die Kanalisation kletterten.
Stealth riß ein Abdeckblatte aus der Decke des Aufzugs und der Schacht wurde sichtbar. Die beiden Runner kletterten durch den Schacht nach oben.
Wobei sich Markus ziemlich schwertat. Stealth dagegen kletterte wie eine Katze. Oben riß der Söldner mit bloßen Händen die Aufzugtür auf. Die beiden sprangen aus dem Schacht und rannten in Richtung des Kontrollgebäudes. Markus befürchtete das Schlimmste, denn er hörte Schüsse und Granatexplosionen.

Hunter feuerte gnadenlos auf die herranstürmenden Soldaten. Drei brachen in dem Kugelhagel zusammen. Die anderen gingen zwischen den Rohren in Deckung. Er bemerkte, wie Brightlight zehn Meter neben ihm in Deckung ging. Sie wehrten sich verzweifelt, aber die Gegner rückten immer weiter vor. Es gelang ihnen noch drei auszuschalten, dann wurde Hunter von einer Granate zerfetzt. Brightlight zog sich langsam in den Gang zurück.

Nathalie hörte die Explosion und zog Dirk von der Liege herunter und brachte ihn hinter einem Pult in Deckung. Sie selbst kniete sich neben ihn. Brightlight wankte durch den Eingang. Ihr Gesicht war blutüberströmt.
Sie sah Nathalie traurig an und sagte schwach: "Wir gehen alle drauf, Kleine." Dann brach sie zusammen. Nathalie hatte keine Angst, sie zielte auf die Tür und wartete. Sie mußte Dirk beschützen.
Die Comverbindung wurde zwar gestört, aber Markus wußte, daß sie in Schwierigkeiten waren und würde ihnen helfen. Solange mußte sie durchhalten. Der erste Wachmann erschien in der Tür. Nathalie feuerte eine Salve ab und der Mann brach zusammen. Dann kam zweite und der dritte. Nathalie kämpfte wie eine Löwin. Dann flog eine Granate in den Raum. Nathalie ließ sich hinter das Terminal fallen, wobei sie Dirk mit ihrem Körper schützt. Das Terminal schützte sie vor der Explosion, aber trotzdem wurde Nathalie von einigen der wild herumfliegenden Splitter getroffen. Sie spürte den Schmerz jedoch nicht. Sie kannte nur noch einen Gedanken: "Ich werde Dirk verteidigen!"
Sie stand wieder auf und feuerte auf einen weiteren Wachmann, verletzte ihn jedoch nur. Er schoß zurück und erwischte Nathlie am Arm.
Sie schrie auf und ließ die MP fallen. Der Wachmann grinste und richte die Waffe auf ihren Kopf. Sie lies sich verzweifelt fallen. Flach auf dem Boden liegend zog sie ihre Mauser Ladyline. Dann hörte sie ein Stöhnen und plötzlich war es still.

Markus sah wie der Wachmann vor ihm auf irgend etwas zielte. Es schien der letzte Gegner in der Nähe zu sein. Er konzentrierte sich kurz und streckte ihn mit einem Zauber nieder. Dann war es Still. In dem Raum vor ihnen war niemand zu sehen. Markus wollte hineingehen, aber Stealth hielt ihn zurück und flüsterte: "Vorsicht, da ist noch jemand drinn. Ich höre ihn Atmen!" Markus verließ sich auf die Sinne des Söldners. Sie hatten einen harten Kampf hinter sich und Stealths Fähigkeiten hatten ihnen mehr als einmal das Leben gerettet.
Markus schlich vorsichtig in den Raum. Plötzlich stand Nathalie vor ihm und zielte zitternd mit ihrer leichten Pistole auf seine Brust. Sie sah schlimm aus. Von ihrem rechten Arm tropfte Blut herab, ihr Gesicht wurde von zahlreichen blutigen Striemen überzogen. Markus senkte seine Waffe und rief ihr mit möglichst ruhiger Stimme zu: "Nathalie, ich bin's, Markus." Er verwendete ihren richtigen Namen, da er sich nicht sicher war, ob sie in ihrem Zustand auf ihren Straßennamen hören würde. Sie senkte die Waffe und ging in die Knie. Markus gab Stealth ein Zeichen, und dieser rannte in den Gang hinaus. Dann lief der Schamane zu seiner Freundin. Sie kniete hinter einem Terminal und klammerte sich an Dirk fest, der regungslos dalag. Markus blieb fast das Herz stehen, er befürchtete schon das Schlimmste. Doch Nathalie sagte schwach:
"Er lebt, wir müssen ihn hier raus bringen!" Er half ihr den Chummer hochzuheben. Sie schleppten ihn gemeinsam aus dem Raum. Markus bewunderte Nathalies Kraft. Sie war sehr tapfer. Stealth stürmte ihnen entgegen und rief: "Wir müssen hier raus bevor die Pinkel Verstärkung bekommen!" Markus nickte und sie rannten zum Wagen. Stealth deckte den Rückzug und schoß immer wieder auf Verfolger. Jede seiner Kugeln traf gnadenlos ihr Ziel. Nathalie und Markus legten Dirk auf die Ladefläche und Stealth setzte sich hinters Steuer. Er raste wie ein wahnsinniger und wie durch ein Wunder schafften sie es. Als sie das Gelände verlassen hatten, besaß der Iridio nur noch Schrottwert. Aber sie waren in Sicherheit. Sie waren wieder auf ADL Gebiet und die AG-C würde es nicht wagen hier ein Feuergefecht abzuziehen, denn daß würde dem Konzern einige politische Probleme bringen! Nathalie klammerte sich an den bewußtlosen Dirk und sagte kein Wort. Wenigstens hatte sie sich von Markus notdürftig verbinden lassen. Markus aktivierte seinen Comlink: "Lynx, Silverball! Könnt ihr mich hören?"
Silverball meldete sich: "Jo, klar und deutlich. Gab keine Probleme.
Wir sind draußen und die Befreiten sind alle wohlauf. Wie stehts bei euch?" "Es geht. Wir sind auch draußen, aber Brightlihgt und Hunter hats erwischt. Raider ist bewußtlos und wir werden ihn erstmal zum Doc bringen. Wir treffen uns morgen früh beim Steelhous.
Bringt die Geretteten zu Sheila, sie wird sich um den Rest kümmern.", wies ihn Markus an. "Wird gemacht! Bis morgen Chummer!", Silverball schaltete sein Gerät ab. Zwanzig Minuten später standen sie vor Doc Flonas Wohnung und klingelten. Nach drei Minuten öffnete er und schien nicht begeistert mitten in der Nacht geweckt zu werden. Als er jedoch Markus' ernstes Gesicht und seine blutverschmierten Kleider sah ahnte er, daß es ernst war. Er begrüßte den Chummer und eilte zum Wagen. Sie trugen Dirk ins Haus. Nach kurzer Untersuchung verabreichte er ihm ein Spritze und meinte: "Das wird ihn stabilisieren. Er wird wieder auf die Beine kommen. Gut, daß ihr ihn so schnell gebracht habt. Sonst würde er böse Folgeschäden davontragen. So wird er jedoch morgen wieder auf den Beinen sein. Little, laß' mich dich mal untersuchen." Nathalie ließ ihn wortlos gewähren. Nachdem er sie versorgt hatte meinte er: "OK. Laßt Raider heute nacht hier." Nathalie schaute ihn an und fragte: "Darf ich bei ihm bleiben?" Der Arzt lächelte: "Kein Problem, aber er braucht Ruhe. Wenn du ihn nicht störst, kannst du bleiben." Sie lächelte:
"Ich bin viel zu fertig um ihn stören." Markus und Stealth verabschiedeten sich und gingen. Auch der Doc verließ den Raum. Nathlie legte sich auf die Liege neben Dirks Bett und schlief froh ein. Sie hatte es geschafft, sie lebten beide noch.

Auftrag erfüllt

Nathalie erwachte am nächsten Tag mit ziemlichen Schmerzen. Sie versuchte sich aufzurichten, sank aber stöhnend auf die Liege zurück. Ihr Rücken brannte wie Feuer und der rechte Arm pochte bei jedem Herzschlag.
So versuchte sie sich möglichst wenig zu bewegen, da dann die Schmerzen halbwegs erträglich waren. Sie legte ihren Kopf auf die Seite und sah Dirk. Der Rigger schlief noch ruhig. Allmählich erinnerte sich die Elfe wieder an die Geschehnisse des letzten Tages. Sie hatten beide sehr viel Glück gehabt. Dirk begann sich zu regen. Er richtete sich etwas auf, dann stöhnte er laut und hielt sich die Schläfen.
Doc Mike kam in den Raum. Er ging zu Dirk und fragte: "Morgen. Na, wie geht es dir?" Dirk hielt sich die Hand vor die Augen und antwortete matt: "Morgen Doc. Mein Schädel brummt, als ob ein ganzes Geschwader Thunderbird darin Übungsflüge veranstalten würde. Wie komme ich hier her?" Mike schaute ihn lächelnd an und gab ihm eine Tablette: "Hier nimm das und du wirst dein Schädelweh los. Markus und Nathalie haben dich hergebracht. Du wurdest von einem ICE gröstet.
Soweit ich verstanden habe, bist du der Kleinen da einiges schuldig. Ohne sie würdest du jetzt in den AG-C Laboren liegen." Dirk drehte den Kopf zu Nathalie, sagte aber nichts. Mike ging zu der Elfe und sah sie abschätzend an. "Und wie geht es dir heute Morgen? Hast ja gestern einiges eingefangen." Sie lächelte: "Morgen Doc, mir tut alles weh!" Doc Flona meinte lachend: "Ist auch kein Wunder. Dreh' dich mal auf den Bauch, damit ich mir die Wunden auf deinem Rücken ansehen kann." Sie gehorchte und der Arzt öffnete ihren Verband, wobei sie leise stöhnte. Der Doc schüttelte den Kopf: "Hm, hat sich ein bißchen entzündet." Er holte sich seinen Verbandskasten und desinfizierte die Wunden. Nathalie tränten die Augen. Es brannte höllisch. Dirk stand auf und wankte ihnen zu hinüber. Er setzte sich neben Nathalies Liege und nahm ihre Hand.
"Nathalie, Engel! Siehst du, wir leben beide noch. Was ist da draußen passiert?" Nathalie lächelte mühsam und sagte: "Wir haben die Sache erfolgreich hinter uns gebracht, aber dich hat's ziemlich erwischt. Hast dich mit ICE angelegt." Dirk sah seine Geliebte ernst an. "Nathalie, bitte sag mir, daß du nicht verletzt wurdest um mich zu schützen." Sie sah wortlos an. Dirk drückte ihre Hand. Doc lachte: "Dann werde ich euch beiden mal allein lassen."
Er verließ grinsend den Raum. Dirk und Nathalie sahen sich an und mußten lachen. Nathalie setzte sich auf und lächelte Dirk an:
"Du hast übrigens dein Versprechen nicht gehalten. Das war nicht gerade die Nacht, die du mir versprochen hattes." Dirk küßte sie und sagte lächelnd: "Tja, wir waren heute Nacht irgendwie beide nicht ganz fit, aber das können wir ja noch nachholen!"
Sie standen auf und zogen sich an. Wenig später kam Markus vorbei und holte sie ab. Sie gingen ihm Arm in entgegen. Er lachte: "Euch scheint es ja schon wieder recht gut zu gehen!" Als sich Nathalie in den Wagen setzte, mußte sie sich auf die Lippen beißen um nicht vor Schmerz zu schreien. Die Wunden auf ihrem Rücken machte ihr ganz schön zu schaffen. Sie fuhren nach Viernheim. Sheila erwartete sie bereits, auch der Rest des Teams war da. "Hallo Chummers, ihr habt gute Arbeit geleistet, ich habe mit Herrn Müller schon alles geklärt." Sie reichten Nathalie drei Checksticks. Nathalie kontrollierte sie und gab je einen an Dirk und Markus weiter. Eigentlich wußte sie, daß diese Kontrolle bei Sheila nicht nötig war, sie war ein Chummer, und Chummer betrügt man nicht. Aber die ganze Sache war aber schon eine Art Ritual und es würde etwas fehlen, wenn sie die Daten nicht prüfen würde. Nachdem sie die Checksticks ausgeteilt hatte, schloß Sheila das Treffen ab: "Gut, dann wäre ja alles geklärt. Bis zum nächsten mal Chummers!" Das Team verließ den Raum und jeder ging seines Weges. Vielleicht würde man eines Tages wieder zusammenarbeite. Kurz darauf saßen Nathalie, Dirk und Markus wieder im Impuls des Schamanen. Dirk machte ein mißmutiges Gesicht und fragte: "Markus kannst du uns beim Hotel vorbeifahren und dann nach Hause bringen?" Markus lächelte: "Selbstverständlich."
Sie gingen ins Hotel, packten ihre Sachen zusammen und zahlten die Rechnung.
600 EC für zwei Tage, na ja. Markus setzte seine beiden Chummers bei Dirks Wohnung ab. Dirk nahm Nathalie bei der Hand und wollte nach oben gehen, doch Nathalie meinte: "Geh schon vor, ich komm gleich nach."
Was sollte denn das schon wieder? Nun gut, Dirk ging gehorsam zu seiner Wohnung. Er öffnete die Tür und schaute sich, nicht gerade begeistert, die Verwüstungen in seinem Heim an. Er stellte den Koffer ab und seufzte.
Na dann mal an die Arbeit. Er stellte die umgestürzten Möbel wieder auf und räumte erst mal seinen Koffer aus. Wenig später kam Nathalie in die Wohnung. Dirk schaute sie fragend an: "Was hattet ihr den so wichtiges zu besprechen?" Nathalie antwortete unwissend:
"Ach nichts, er wollte mir nur noch etwas im Bezug auf den letzten Run sagen. Komm, laß' uns sauber machen!" Dirk holte tief Luft, was heckten die beiden jetzt schon wieder aus? Er sagte aber nichts. Sie sahen sich die Wohnung an. Es schien fast unmöglich die ganzen Möbel wieder sauber zu bekommen, aber vier Stunden und einige Flaschen Lösungsmittel später sah alles wieder aus, wie neu. Zugegeben der Lösungsmittelgeruch würde sich noch einige Tage halten, aber daß lies sich ertragen.
Die beiden betrachteten ihre Arbeit und ließen sich erschöpft aber zufrieden auf die Couch sinken. Sie schauten sich an und küßten sich zaghaft. Dirk schaltete den Trideo ein und sie sahen noch eine Weile fern, bis sie erschöpft einschliefen.

In den nächsten drei Tagen verhielten sich Nathalie etwas seltsam.
Sie war oft plötzlich verschwunden und kam dann erst Stunden später wieder zurück. Wenn Dirk sie danach fragte, meinte sie nur sie hätte etwas unwichtiges erledigen müssen, sagte aber nie was. Dirk machte sich Sorgen, es schien ihm, als würde sie sich ein bißchen von ihm fernhalten. Er liebte sie und wollte sie nicht verlieren, er wollte aber auch nicht, daß sie sich von ihm eingeengt fühlt, deswegen sprach er sie nicht darauf an. Aber irgend etwas war da im Busch, und er wußte nicht was. Überhaupt schien sich die ganze Welt gegen ihn verschworen zu haben. Er hatte sowohl Sheila, als auch Tim kontaktiert um ein neues Auto zu bekommen. Aber beide sagten nur, daß sie ihm da vorerst nicht helfen konnten, der Markt sei zur Zeit ziemlich leer.
Als er dann nochmal bei Tim war stand da ein fast neuwertiger Shark Government, Tim meinte jedoch, daß dieser schon lange vorbestellt war. Irgend etwas verheimlichte ihm der Freund. Am Abend des dritten Tages saß er deprimiert zu Hause und bastelte am Verschluß seiner SF-20 herum.
Das Ding war zwar völlig in Ordnung, aber ihm war langweilig. Es war bereit neun, und er hatte keine Ahnung wo Nathalie war. Allmählich ging ihm das alles auf die Nerven. Morgen war sein Geburtstag, und es schien ein Scheißtag zu werden. Na ja, was sollte er auch erwarten, bis auf Tim wußte keiner seiner Chummer davon. Frustriert warf er den Verschluß in die Ecke und legte sich hin. Als er um elf dann endlich einschlief, war Nathalie immer noch nicht da.

Am nächsten Morgen wurde Dirk von Nathalie geweckt. Die Elfe kniete über ihm und sagte keß: "Aufwachen. Du verschläfst ja noch deinen Geburtstag!" Er schaute sie verständnislos an.
Sie ließ sich auf ihn sinken und küßte ihn stürmisch:
"Herzlichen Glückwunsch, Schatz!" Er schaute sie fragend an: "Woher weißt du...?" "Ähm. Die Matrix,... na ja ich habe etwas nachgeschnüffelt.", antwortete sie schuldbewußt.
Er packte sie und rollte mit ihr zur Seite. "Hätte ich mir doch denken können. Du kleiner Gauner!", meinte er lachend und erwiderte ihren Kuß. Dann stand er auf. "Jetzt laß uns aber erstmal frühstücken. Ich hab einen riesen Hunger." Nach einem ausgiebigen Frühstück dränge ihn Nathalie mit ihr zu Tim zu fahren und so stiegen sie zusammen auf seine Rapier und standen wenig später in Tims Werkstatt. Zu Dirks Überraschung saß Markus bei dem Mechaniker im Büro. Nathalie schob ihren Freund regelrecht in das Büro und die beiden Chummer gratulierten ihm. Dann nickte Tim ihm zu und führte ihn in die Garage. Dort zeigte er auf den Government und meinte: "Wie gefällt dir dein neuer Wagen?" Dirk öffnete überrascht den Mund und hielt sich an einer Werkbank fest. Er war nicht fähig irgend etwas zu sagen. Markus war ihnen nachgelaufen und meinte jetzt: "Man konnte es ja nicht mehr mit ansehen, wie du ohne ein Auto leidest! Das ist dein Geburtstagsgeschenk von Nathalie, Tim, Sheila und mir. Sheila, konnte ihn billig organisieren und Tim hat kostenlos einige Mods vorgenommen." Tim lachte: "Nicht viel und wir werden noch ziemlich an der Kiste basteln müssen. Aber zumindest ein Fahrzeug - und Fernlenkadapter mußten rein. Ist aber eine klasse Karre! Möchte wissen wo Sheila das Ding aufgetrieben hat. Verbesserte Signatur, wahnsinns Fahrwerk und den geilsten Motor, an dem ich je herumgebastelt habe. Das Ding hat sogar ein Lebenserhaltungssystem." Dirk schaute seine Freunde überglücklich an: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Vielen dank Freunde!" Markus lachte: "Danke Nathalie, sie hat uns so lange genervt, bis wir mitmachten." Dirk mußte ebenfalls lachen. Er nahm die Elfe in den Arm und küßte sie stürmisch.
"Jetzt wird mir so einiges klar!" Tim unterbrach die beiden:
"Sag mal, was ist mit dir los? Früher wärst du jetzt schon auf der Autobahn gewesen. Schau dir das Schmuckstück doch mal an."
Dirk lachte: "Na gut ich komm ja schon." Nachdem er sich den Wagen angeschaut hatte meinte er: "Echt Klasse! Wenn du mal Zeit hast würde ich gerne wieder einen Waffenturm und Ölwerfer einbauen!"
Die Augen des Mechanikers leuchteten bei dem Gedanken an diesem Auto weiter herumzubasteln und er meinte: "Hey die Teile hätte ich da, wir können gleich anfangen!" Dirk schüttelte lachend den Kopf:
"Nicht so eilig. Morgen vielleicht. Der heutige Tag gehört meinem Engel!" Nathalie schaute ihn mit leuchtenden Augen an. Markus wurde ernst: "Leider konnten wir die Papiere für diesen Wagen nicht auftreiben. Aber Sheila kann da bestimmt was drehen. Sie wird dir eine fairen Preis machen." Dirk nickte: "Glaub' ich auch. Werd' sie nachher mal anrufen! Jetzt wollen wir das Prachtstück aber erstmal einweihen!" Markus sagte lächelnd zu Tim: "Ich glaube wir beide bleiben hier und lassen unser zwei Verliebten allein." Dann schaute er Dirk an und meinte eindringlich: "Fahr' aber nicht gerade in der Stadt damit herum, solange du noch keine Papiere hast!" Dirk nickte und setzte sich mit Nathalie in den Wagen. Als er sich einstöpselte begrüßte ihn der Bordcomputer. Ein Simenssystem. Er hatte eine hübschere und nicht so aufdringliche Stimme wie der seines alten Wagens:
"Alle Systeme Bereit. Treibstoff 88%. Lebenserhaltung 100%."
Dirk startete den Motor und lenkte den Wagen aus der Garage hinaus. Dabei wurde er von der Kraft des Motors überrascht und hätte beinahe einen Tisch mitgenommen. Es war ein wunderschöner Frühlingstag.
Zur Abwechslung schiente mal die Sonne und es war angenehm warm. Sie fuhren aus dem Plex heraus und erreichten bald das hügelige Hinterland. Die beiden verbrachten einen wunderschönen Tag und abends löste Dirk sein Versprechen ein, daß er Nathalie vor dem Run gegeben hatte.

Frank Lauer


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