DIE
MOST MACHO IN HOLLÄNDISCHE MEDIEN:
ESQUIRE: Met de navel naar de
hemel
NRC: Topsport met olijfolie en kebab
VOLKSKRANT: Glibberen op
theaterpodium
RAINBOW: Hormonen opeens in
alarmfase 1
AKTUEEL: De Olie-giganten zijn
onder ons!
PAROOL: Spijkerbroeken volstrekt
kansloos
HIGHLIFE: Glibberende en
gespierde gladiatoren
ALLOCHTONE KRANT:
EK-olieworstelen breekt alle records
AMSTERDAMS STADSBLAD:
Leernicht en olieworstelaar
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Persberichten 2001 Amsterdam
Kirkpinar

Turkish Oilwrestling:Home

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Alper Yazoglu, den
Verbandsvorsitzenden der traditionellen
Kirkpinar-Kämpfe |
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Sie werden wie Helden
verehrt. Gilt doch der traditionelle türkische
Ölringkampf Kirkpinar als eine der härtesten
Sportarten. Und doch scheinen sich die starken Männer
von Edirne zu fürchten.
Alper Yazoglu, den
Verbandsvorsitzenden der traditionellen
Kirkpinar-Kämpfe, treibt derzeit eine wichtige Aufgabe.
Man werde versuchen, den angekündigten Besuch einer
homosexuellen Gruppe bei den diesjährigen
Meisterschaften mit allen Mitteln zu verhindern. Um
welche Mittel es sich dabei handelt, wird schnell klar.
Die Nachrichtenagentur REUTERS zitiert den Funktionär
mit den Worten: "Wir werden diese Angelegenheit an
das Innen- und das Außenministerium weiterleiten, um
dieses geschmacklose Geschäft zu verhindern."
Das "geschmacklose
Geschäft" ist nichts anderes als ein harmloser
Pauschal-Trip, den die Schwulengruppe "VUF!
- Türkische Bären" im Internet ankündigt: ein
viertägiger Aufenthalt bei den 639.
Kirkpinar-Meisterschaften in Edirne, "Wein, Käse
und eine Hamam-Party" inklusive. Wo sich starke
Männer mit Olivenöl einreiben und unter freiem Himmel
in Lederhosen ringen, scheint man Angst vor einer
Handvoll schwuler Zuschauer zu haben. "Wir sind
nicht erwünscht, aber wir werden da sein!"
verkünden die Mitglieder von VUF! dann auch trotzig auf
ihrer Webpage.
Keine Angst vor Schwulen hat
man offenbar in den Niederlanden. Hier finden im Juni die
westeuropäischen Kirkpinar-Meisterschaften statt.
"Wie will denn Herr Alper schwule Besucher
aussortieren?" fragt Murat Kirbacoglu, Teilnehmer
der Amsterdamer Kirkpinar-Meisterschaften. "Hat er
tatsächlich gesagt, daß er all diese Ministerien
einschalten will, um Schwule aus Edirne zu verbannen?
Oder hat ihn vielleicht ein Reporter zu einer solchen
Aussage provoziert?" Um Schadensbegrenzung ist dann
auch Veyis Güngör, Vorsitzender von Türkevi und
Organisator der niederländischen Veranstaltung, bemüht:
"So ein Quatsch. Lassen Sie mich klarstellen, daß
jeder bei den Amsterdam-Kirkpinar willkommen ist."
Daß man dabei jede Menge halbnackter Körper sieht, ist
für Güngör kein Problem: "Das widerspricht nicht
den muslimischen Regeln."
Amsterdam und Edirne
scheinen also nicht nur geografisch weit voneinander
entfernt zu sein. Es ist eben noch ein langer Weg nach
Europa. Auch für türkische Verbandsfunktionäre.
Aus: PINS
- THE MAG
DIE ÖL-RINGER VON KIRKPINAR
Öl, Schweiss und Muskeln
In Edirne stellen sich Jahr für Jahr Hunderte von
Männern zum Zweikampf - bekleidet nur mit Lederhosen und
von Kopf bis Fuß eingerieben mit Olivenöl. Aus allen
Ecken und Enden des Landes reisen die besten Ringer an
die türkisch-bulgarische Grenze. Das rutschige Rangeln,
seit Jahrhunderten Nationalsport der Türken, ist
Volksfest und rituelles Schauspiel zugleich und endet mit
der Kür der Meister in Kirkpinar. Der große Ringertreff
am Rande Europas zieht immer mehr Besucher aus der ganzen
Welt in seinen Bann.
Die Dame im Istanbuler Reisebüro konnte uns nicht
helfen. Nein, es würde nun wirklich kein Bus mehr nach
Edirne fahren. Stattdessen reichte sie uns einen
Hotelprospekt: "Vier Sterne mit Swimming Pool,
direkt am Schwarzen Meer." Nun wollten wir aber
nicht an's Schwarze Meer sondern die eingeölten
Ringkämpfer von Edirne sehen. Zum Glück schaltete sich
noch rechtzeitig ihr Kollege ein. Er hätte einen
Schwager, der würde morgen früh mit seinem Laster nach
Edirne fahren. Wenn wir wollten, könnten wir bestimmt
mitfahren. Über den Preis werde man sich schon einigen.
Und so schaukelten wir also am darauffolgenden Tag die
250 Kilometer staubige Landstraße in einem mit Steinen
beladenen Vorkriegsmodell in Richtung
türkisch-bulgarische Grenze. Ayhan, unser Fahrer, kramte
eine vom Türkischen Ministerium für Kultur und
Tourismus herausgegebene Broschüre hervor. "Das
Ölringen ist der Nationalsport der Türken. Die
Meisterschaften in dieser Disziplin werden alljährlich
im Juli, außerhalb von Edirne, in Kirkpinar ausgetragen.
Der Wettkampf wird dadurch erschwert, daß sich die
Ringer mit Olivenöl einreiben." Na toll, so viel
wußten wir auch schon vorher. Ayhan bemerkte, daß das
alles Unsinn wäre. Der wahre Nationalsport der Türkei
wäre nämlich Fußball. Und was das Ringen im
allgemeinen angehe und die Wettkämpfe von
Edirne-Kirkpinar im besonderen, so mache er sich da seine
eigenen Gedanken. Ganz gewiß hätte jeder Türke das
Ringen im Blut, so fuhr er fort, aber in Edirne gäbe es
zu viel nationalistisches Gequassel drumherum.
Natürlich machten sie in Edirne oft genug auch
erstklassigen Sport, daneben aber auch jede Menge Show
und Schiebung, und vor einigen Jahren hätten sie's so
schlimm getrieben, daß die Wettkämpfe abgebrochen
werden mußten! Auf dem Land, in der Provinz, ja da sei
die Sache noch echt, und da könne es zum Beispiel
passieren, daß sich zwei Dörfer um eine neue Schule
bewerben, und Geld ist nur für eine Schule da. Was tun
sie, die Dörfler? Sie veranstalten einen Ölringkampf,
und das Dorf, das den Sieger gestellt hat, kriegt die
Schule! Übrigens gebe es in vielen Gegenden der Türkei
keine Hochzeit ohne Ölringer. Trotzdem: "Das
Mittelalter ist vorbei", sagt Ayhan, "Europa
spielt Fußball, das ist die sportliche Zukunft der
Türkei!"
Einige Kilometer vor unserem Reiseziel kündigte sich
die Stadt Edirne aus der Ferne mit einem atemberaubenden
optischen Fanfarenstoß an: mit dem 400 Jahre alten
Wunderbau der Moschee Sultan Selims II, eines wohl recht
unerfreulichen Herrschers und Trunkenbolds. Um es
vorwegzunehmen: Edirne hielt, was es aus der Ferne
versprochen hatte, und drei Tage lang, nahm uns die Stadt
und nahm uns das Wettkampfgeschehen gefangen.
Die Stadt wimmelte: Wimmelte von Menschen aus allen
Winkeln der asiatischen und der europäischen Türkei.
Gelegentlich zeigten sich sogar nationale Größen, und
auf den Ehrenplätzen im Stadion saß die Lokal-Prominenz
und gab eine Dauervorstellung im Sich-Huldigen-Lassen.
Überhaupt, die Ringer mochten der Anlaß des
ungeheuren Trubels sein, sein Zentrum waren sie nicht,
und als sich am letzten Tag des Turniers ein wahrhaft
homerischer Kampf zwischen zwei der ganz großen entspann
und über vier (!) Stunden hinzog, da waren Ringer und
Ringerfreaks - von der unvermeintlichen Prominenz einmal
abgesehen - im Stadion so ziemlich unter sich, und die
Tausende in den Jahrmarksstraßen, auf den
Picknickplätzen und im Vergnügungspark taten, als ginge
sie das ganze heroische Theater nichts an.
Sie waren sympathisch, die Ölringer, und sie hatten
mindestens so viel Würde wie die die Leute auf den
Ehrensitzen, und sie liebten das Ritual. Man spürte das
beim pesrev, bei der Kampfeinleitung, die darin besteht,
daß die Wettkampfteilnehmer dreimal das Stadion mit
wuchtigen Sprungschritten durchmessen, wobei ein
ausgesprochen schuhplattlerisches Element ins Spiel
kommt, wenn sich die Männer lederbehost wie sie sind,
auf die Beine schlagen und dann in die Hände klatschen.
Womit die prächtige Show aber noch nicht vorbei ist,
denn dem ersten Part folgt das Küssen des Grasbodens,
das als Zuschauerbegrüßung gedeutet wird und
schließlich gibt's noch das helallasma, das
Händereichen unter den Kämpfern, das mit einer
Demutsgeste verbunden wird, die man auch im türkischen
Alltag oft beobachten kann: Man führt die Hand des
anderen zuerst an den Mund und dann an die Stirn.
Die Ausscheidungskämpfe in Edirne finden in acht
Klassen statt, die nicht etwa Gewichts-, sondern vielmehr
Qualifikationsgruppierungen darstellen. Trotzdem, so
wurden wir belehrt, kann in diesem Sport keiner je
Champion werden, der nicht wenigstens 90 oder 100 Kilo
auf die Waage bringt. Daran wird auch die Tatsache nichts
ändern, daß die Ölringer in den letzten Jahren immer
gewandter und geschmeidiger geworden sind und die bloße
Kraft nicht mehr alles ist.
Siegen kann der Ölringer auf dreierlei Art: indem er
seinen Gegner vom Boden hebt und drei Schritte vor sich
her trägt; indem er ihn auf dem Grasboden einmal ganz
herumrollt oder ihn aus der Stand eine Rolle vorwärts
machen läßt; und drittens, aber das gilt nur für
Kämpfer der obersten Klasse, indem der Gegner so
geworfen wird, daß - so der bildhafte Ausdruck - sein
Bauch den Himmel sieht (was nicht bedeutet, daß der
unterlegene mit beiden Schultern den Boden berührt).
Und schließlich gibt es noch eine Art zu siegen: Man
zerreiße dem Gegner die Hose! Was gar nicht so leicht
ist, denn die Hosen sind aus Leder. Falls man es nicht
darauf anlegt, die gegnerische Hose zu zerfetzen, dieses
Kleidungsstück aber trotzdem und sozusagen zufällig
zerstört, kann man, wenn man ein netter Kerl ist, seinem
Gegner gestatten, sich eine neue Bedeckung für seine
Blöße zu beschaffen, und der Kampf geht dann weiter.
Klar, daß solches Hosenmißgeschick gar nicht so
selten vorkommt, denn es gehört zu den erlaubten
Griffen, mit der einen Hand in den gegnerischen Hosenbund
einzudringen und mit der anderen den Gegenüber in ein
Hosenbein zu fassen. Schafft man's auf diese Weise, den
Gegner in die Höhe zu heben, dann darf dieser
ausnahmsweise, was er sonst unter keinen Umständen darf:
Er darf würgen. Läßt der Opponent daraufhin das
Hosenbein los, muß die Würgerei aufhören. Tabu sind
grundsätzlich Augen, Ohren und die Geschlechtsteile,
auch Ohrfeigen sind nicht drin, ebensowenig wie Stöße
mit dem Kopf.
Was nun aber die Feinheiten der Kampftechnik angeht,
so sind sie für einen krassen Neuling nicht ohne
weiteres zu fassen; wir jedenfalls haben zwei Tage
gebraucht, ehe wir einen formidablen Griff namens
"Schweinefalle" (domuz kapani) von einem
"Hundeschwanz (köpek kuyrugu) zu unterscheiden
vermochten. Und worin das Wesen des
"Pappelpflanzens" (kavak dikme) besteht, haben
wir auch heute noch nicht ganz begriffen.
Absolut einzigartig ist, daß die Ölringer
offensichtlich nur funktionieren, wenn sie Musik hören.
Es gibt keinen Kampf ohne das Dröhnen der großen
Trommeln, der "davul" und ohne das wahnwitzige
Jammern der Oboen, die hier "zurna" heißen.
Diese Musik hatten wir noch tagelang im Ohr, als wir
schon wieder zu Hause waren und die Bilder von keuchenden
braunen Leibern, die von Öl und Schweiß triefen,
mischen sich mit der Erinnerung an jene penetranten
Klänge.
Unter den Freaks im Stadion war auch ein
feingekleideter Herr, Textilfabrikant, dessen Schnurrbart
mindestens ebenso gewaltig war wie sein Rechtsdrall. Und
von dem erfuhren wir, wie es zu
Edirne-Kirkpinar-Wettkämpfen gekommen war. Da hatten
nämlich vor gut 637 Jahren 40 "pehlivanlar"
gegen ebenso viele Bulgaren gekämpft. Und so sehr sie
sich auch wehrten, die 40 türkischen Champions, so
mußten sie doch ins Gras beißen. Aus der Wiese aber,
die sie mit Blut gerötet hatten, entsprangen 40 kleine
Quellen, für jeden der Tapferen eine. Und darum heißt
die Stätte "Kirkpinar", denn das bedeutet
"Vierzig Quellen". Zum Andenken an jene
verblichenen Helden aber, so belehrte uns der
Geschniegelte, würden hier bis auf diesen Tag
Ringkämpfe ausgetragen.
Von einer anderen Variante der Geschichte wußte
Fikret zu berichten. Gebürtig aus Istanbul stammend, war
es bereits die fünfte Kirkpinar-Veranstaltung für den
Neunzehnjährigen. So einer muß einfach Bescheid wissen.
Nach seiner Version zog um 1360 eine Gruppe von 40
türkische Soldaten unter dem General Süleyman Pasa
durch Thrakien. Bei jeder abendlichen Rast vertrieben
sich die Krieger ihre Zeit mit Ringkämpfen. Eines Tages
erreichten sie Edirne und begannen ihre Ringkämpfe wie
jeden Abend. Bei Sonnenuntergang waren noch nur zwei
Ringer übrig; doch keiner schaffte es, den anderen zu
besiegen und so rangen sie die ganze Nacht hindurch, bis
sie schließlich am nächsten Morgen vor Erschöpfung tot
umfielen. Ihre Kameraden begruben sie an eben diesem Ort
und kurz darauf sprudelten 40 kristallklare Quellen aus
dem Boden.
Erst an unserem letzten Abend in Edirne stießen wir
auf Baris Endemir, einen Mann mit Durchblick, weil
Gymnasialprofessor im Ruhestand. "Dieses sogenannte
Kirkpinar-Turnier", sagte unser neuer Freund,
während er den vierten Raki, jenen wundersamen
Anisschnaps leerte, "existiert seit 64 Jahren, und
die traurige Geschichte von den 40 Helden, von der es
übrigens ein Dutzend verschiedener Fassungen gibt, ist
keinen Tag älter. Aber weil in der Türkei alle
Geschichten unheimlich schnell Patina ansetzen, glauben
alle Leute, die Sache sei uralt." Tatsächlich
hatten die Ölringer im ausgehenden 19. Jahrhundert
ziemlich abgewirtschaftet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam
dann die große nationale Erneuerung der Türkei mit
jeder Menge Chauvinismus und Kraftmeiertum. Und
vielleicht paßte das Ölringen den Kraftmeiern und
Chauvinisten irgendwie in den Kram - jedenfalls gibt es
anno 1925 plötzlich ein neues Forum für die Ölringer,
eben die Edirne-Kirkpinar-Wettkämpfe.
Ein bißchen rätselhaft bleibt, warum die
Gründerväter dieser Institution ihrem Kind den Namen
"Kirkpinar-Festival" gaben. Haben sie, wie
manche meinen, die Tradition einer für ihre Ringkämpfe
berühmten Ortschaft namens Kirkpinar auf die Stadt
Edirne übertragen wollen? Und wenn ja, wo ist dieses
Kirkpinar? Auf heute griechischem Territorium? Oder in
Bulgarien? Auf der Landkarte jedenfalls hat es noch
keiner gefunden. Herr Endemir, der Mann für den
Durchblick, ist fest davon überzeugt, Kirkpinar sei
nichts anderes als eine Erfindung der Festival-Gründer.
Inzwischen hat natürlich auch die Legende kräftig
weitergearbeitet, und heute kann man sogar in offiziellen
Publikationen lesen, Kirkpinar sei eh und je eine Wiese
gleich außerhalb von Edirne gewesen.
Doch wen kümmert das? Ein Sport ist ein Sport und
lebt, gerade in der Türkei, von Traditionen. Wie stark
die sind, wurde erst im Vorfeld der 2000er
Kirkpinar-Wettkämpfe deutlich, als Alper Yazoglu, der
amtierende Verbandsvorsitzende der Kirkpinar-Kämpfe,
einer schwulen Besuchergruppe, die eine Reise nach Edirne
organisierte, die Einreise in die Türkei verbieten
lassen wollte (siehe: "Wer hat Angst vorm
schwulen Mann?").
Nun ja, wir jedenfalls sind dabei gewesen und haben
drei spannende und beeindruckende Tage und Nächte mit
wahrhaft herzlicher Gastfreundschaft erlebt und konnten,
dank Fikret, am eigenen Leib erfahren, wie anstrengend
aber gleichzeitig auch aufregend so ein Öl-Ringkampf
unter freiem Himmel sein kann.
Murat Cengiz und Julian Sacher in The Pin
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