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Die Ausbildung als Doppelsaum und die dadurch bedingten
Grenzlinienwirkungen (vgl. Kapitel 2.2.) führen in den Hecken -
im Vergleich zu den angrenzenden Flächen - zu einer
vielfältigeren Pflanzen- und Tierwelt. Obwohl wegen der Nähe
der landwirtschaftlichen Nutzflächen seltene, d.h. zumeist an
nährstoffarme Verhältnisse angepasste Pflanzen fehlen, stellt
die Einbringung von pflanzlicher und vor allem tierischer
Vielfalt in die Agrarlandschaft die wichtigste Funktion von
Hecken dar. Je naturnaher die Hecke ausgebildet ist (vgl. Kapitel
2.4.), umso wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt.
Zuerst stellen Hecken den Lebensraum zahlreicher Tierarten dar. Dabei können Hecken als Dauer-, Teil- oder als Zwischenlebensraum dienen. Die Zahl der heckenbewohnenden Arten, zum grössten Teil Insekten, wird auf weit über 1.500 geschätzt. Sie entstammen verschiedenen ökologischen Gruppen:
Arten der Wiesen und Krautsäume,
Waldrandarten
Arten des Waldes.
Waldränder und Hecken sind sehr ähnliche Lebensräume. Deshalb gibt es auch keine Tier- und Pflanzenarten, die nur in Hecken vorkommen. Eigentlich sind Hecken in ihrer ganzen Breite Saumlebensräume. Deshalb fehlen auch Arten, die auf das Innere von Wäldern spezialisiert sind, weitestgehend. Je breiter und je älter Hecken jedoch sind, umso eher treten zu den typischen Arten der Waldränder und Hecken auch Arten des Waldes hinzu.
Während in den angrenzenden Nutzflächen das Nahrungsangebot durch Mahd, Ernte, Pflanzenschutz usw. starken Veränderungen unterworfen ist, sorgen Hecken mit ihrer grossen Blattmenge und mit ihrem hohen Blüten- und Früchteangebot das ganze Jahr über für reichlich Nahrung.
Daneben bieten sie zahlreichen Tieren Nist- und Schlafplätze, Sing- und Ansitzwarten, Überwinterungsquartiere, Deckung vor Witterungseinflüssen und ermöglichen den Rückzug bei etwaigen Störungen.
Hecken sind sehr produktive Lebensräume. Bezogen auf 100 m Hecke wurden folgende Werte ermittelt*:
6.000 Austriebe mit einer Gesamtlänge von 80 km,
2 Tonnen Holzmasse,
2.300 qm Blattfläche mit einem Gewicht von 160 kg,
100.000 Blüten sowie
35 kg Früchte.
Diese Biomasse wird von vielen Pflanzenfressern sehr effektiv genutzt und speist so vielfältige Nahrungsketten, die in das Heckenumland übergreifen.
* junge, 5 Jahre zuvor auf Stock gesetzte Mischhecke mit viel Hasel, in Norddeutschland (Schröder 1988 in Knauer 1993, siehe Literaturverzeichnis).
Junge Hecken sind ein wichtiger Bestandteil im Lebensraum des
Rebhuhnes. Sie bieten Deckung bei Störungen, Schutz vor
Witterungseinflüssen und Nistmöglichkeiten.
Die Zusammensetzung der Heckenfauna wird nicht nur durch die Heckenbreite bestimmt, sondern auch durch ihre Einbindung in einen Verbund von anderen Hecken, Feldgehölzen, Uferstreifen usw.. Wie schnell Tierarten in eine neu angelegte Hecke einwandern, hängt ebenfalls von der Entfernung zu anderen Hecken ab.
Hecken dienen zahlreichen Tieren als Korridore beim täglichen oder jahreszeitlichen Durchwandern der Landschaft. Viele Arten benötigen im Jahreslauf ein Mosaik verschiedener Lebensräume. Hecken können solchen Arten als deckungsreiche Leitlinien dienen, die bei Wanderungen den offenen Flächen vorgezogen werden.
Als Korridore spielen Hecken ebenfalls eine wichtige Rolle bei
der Ausbreitung von Organismen. Hierdurch wird der für das
Überleben einer Art wichtige Austausch von Individuen (und ihren
Genen) ermöglicht. Dies ist besonders wichtig bei kleinen,
langfristig allein nicht überlebensfähigen Populationen.
Hecken als Lebensraum: z.B. für Fledermäuse

Fledermäuse nutzen Hecken täglich als Jagdreviere und saisonal bei den Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartieren. In Heckennähe ist das Angebot an Insekten besonders gross. Hecken reflektieren ausserdem die von den Fledermäusen ausgesendeten Ultraschallaute und ermöglichen den Tieren so die Orientierung.
Hecken sind sehr produktive Lebensräume. Ihre grosse Blattfläche ermöglicht eine hohe Ausnutzung der Sonnenenergie und bietet vielen pflanzenfressenden Insekten Nahrung. Diese sind wiederum Nahrungsgrundlage für zahlreiche Raub-insekten, die so Massenvermehrungen der pflanzenfressenden Arten verhindern.
Zu den in Hecken lebenden pflanzenfressenden Arten gehören auch Schadinsekten. Diese werden aber durch räuberisch lebende Nützlinge begrenzt. Es handelt sich neben Raubinsekten um fleischfressende Säugetiere und Vögel. Zwischen den Pflanzen- und Fleischfressern stellt sich in den Hecken ein Gleichgewicht ein.
Die Aktivität der Heckenbewohner wirkt sich auf die Heckenumgebung aus. Dort können die Nützlinge auf die in den landwirtschaftlich genutzten Flächen lebenden Schädlinge einwirken. Da die Nützlinge durch das Fehlen von Hecken stärker beeinflusst werden als die Schadinsekten, ist diese biologische Schädlings-bekämpfung ohne Hecken nicht möglich.
Wie weit die Einwirkungen der verschiedenen Tierarten in die
Agrarflächen reichen, hängt von ihrem Aktionsradius ab. Die
Aktionsradien spielen nicht nur eine wichtige Rolle beim
biologischen Pflanzenschutz, sondern auch bei der Ausbreitung der
Tiere. So ergibt sich der in Kapitel 2.4. geforderte
Maximalabstand von 200 Metern zwischen Hecken in der Landschaft
aus den Aktionsradien der Heckenbewohner.
Das Fehlen von Hecken hat beispielsweise wenig Einfluss auf
die aus Steppengebieten stammende Feldmaus. Viele Fressfeinde der
Feldmaus, z.B. Wiesel, Bussard, Turmfalke (Bild oben) sind aber
auf Hecken angewiesen.
Existieren in einem Gebiet keine ökologischen Zellen (etwa
Hecken) mit Blattlausfeinden (hier eine Schlupfwespe), können
mit dem Wind angeflogene Blattläuse zur Massenvermehrung
gelangen.
Hecken eignen sich sehr gut als Windschutz. Sie bremsen den Wind auf bis zu 40 % des Freilandwertes ab und verhindern so eine Beeinträchtigung der Nutzpflanzen. Da sie zum Teil winddurchlässig sind, kommt es auf der windabgewandten Seite nicht zu schädlichen Verwirbelungen, wie sie etwa bei einer Mauer entstehen.
Die Herabsetzung der Windgeschwindigkeit führt - hauptsächlich auf der windabgewandten Seite - zu einer Veränderung des Mikroklimas:
verringerte Verdunstung,
erhöhte Taubildung,
erhöhte Bodentemperatur sowie
erhöhte Bodenfeuchtigkeit.
Mit zunehmendem Abstand von der Hecke nähern sich die
mikroklimatischen Werte wieder den Freilandwerten an. Je höher
die Hecke ist, umso weiter reicht ihr Einfluss. Dieser kann bis
in eine Entfernung nachweisbar sein, die der 30fachen Heckenhöhe
entspricht.
Die Ergebnisse vieler Freilandversuche zeigen, dass Hecken in
der Regel, über die gesamte Anbaufläche betrachtet, eine ertragssteigernde
Wirkung haben. Durch die mikroklimatischen Veränderungen
können die Erträge mit zunehmender Entfernung von der Hecke
zunächst auf Maximalwerte ansteigen, um anschliessend wieder auf
Freilandwerte abzufallen. Allerdings spielen die
Standortverhältnisse und die Witterung eine wichtige Rolle. So
ist z.B. in trockenen Lagen oder Jahren ein feuchteres Kleinklima
günstig, in feuchten Lagen oder bei feuchter Witterung kann es
aber auch von Nachteil sein.
Eine weitere Folge der windbremsenden Wirkung der Hecken ist der Schutz vor Winderosion. Im Heckenbereich kann sich auch verwehter Feinboden absetzen. Quer zum Hang angeordnete Hecken mindern ebenfalls die Erosion durch Wasser. Schliesslich dienen Hecken der Böschungssicherung und als wertvoller Immissionsschutz. An Strassen filtern sie beispielsweise sehr wirksam Luftschadstoffe aus.
An Industrieanlagen und Grossbauten, aber auch bei
Wohnhäusern dienen Hecken als Sichtblenden.
Hecken sind ein prägendes Gestaltungselement in der Landschaft. Sie bringen Vielfalt in die Landschaft, gleichzeitig wirken sie aber auch ordnend. Da heute wohl vielen Menschen die Bedeutung naturnaher Landschaftselemente bewusst ist, empfinden sie heckenreiche Landschaften als natürlicher und bewerten sie dementsprechend höher als ausgeräumte Feldflure.
Da Hecken auf alte Nutzungsformen zurückgehen, erhöhen sie
den kulturhistorischen Wert und die Eigenart einer
Landschaft. Hierdurch steigern sie nicht nur deren Erholungs- und
Fremdenverkehrswert, sondern erleichtern auch die Identifikation
der einheimischen Bevölkerung mit "ihrer" Landschaft.
Als Sichtblende dienen Gehölze zur Auflockerung monotoner Fassaden und zur Einpassung von Gebäuden in die Umgebung. Günstig ist ein stufiger Aufbau mit standortgerechten Pflanzen. Er wird z.B. erreicht, indem locker angeordneten Bäumen oder Baumgruppen eine dichtere Hecke vorgelagert wird. Wenn immer möglich sollen bereits bestehende Gehölze erhalten und in die Gestaltung mit einbezogen werden.
Letzte Aktualisierung
21.04.02
© E-Mail: uehug@bigfoot.com