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3. Bedeutung von Hecken

3.1. Biologische Vielfalt

Die Ausbildung als Doppelsaum und die dadurch bedingten Grenzlinienwirkungen (vgl. Kapitel 2.2.) führen in den Hecken - im Vergleich zu den angrenzenden Flächen - zu einer vielfältigeren Pflanzen- und Tierwelt. Obwohl wegen der Nähe der landwirtschaftlichen Nutzflächen seltene, d.h. zumeist an nährstoffarme Verhältnisse angepasste Pflanzen fehlen, stellt die Einbringung von pflanzlicher und vor allem tierischer Vielfalt in die Agrarlandschaft die wichtigste Funktion von Hecken dar. Je naturnaher die Hecke ausgebildet ist (vgl. Kapitel 2.4.), umso wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt.
 

3.1.1. Lebensraum Hecke

Zuerst stellen Hecken den Lebensraum zahlreicher Tierarten dar. Dabei können Hecken als Dauer-, Teil- oder als Zwischenlebensraum dienen. Die Zahl der heckenbewohnenden Arten, zum grössten Teil Insekten, wird auf weit über 1.500 geschätzt. Sie entstammen verschiedenen ökologischen Gruppen:

• Arten der Wiesen und Krautsäume,
• Waldrandarten
• Arten des Waldes.

Waldränder und Hecken sind sehr ähnliche Lebensräume. Deshalb gibt es auch keine Tier- und Pflanzenarten, die nur in Hecken vorkommen. Eigentlich sind Hecken in ihrer ganzen Breite Saumlebensräume. Deshalb fehlen auch Arten, die auf das Innere von Wäldern spezialisiert sind, weitestgehend. Je breiter und je älter Hecken jedoch sind, umso eher treten zu den typischen Arten der Waldränder und Hecken auch Arten des Waldes hinzu.

Während in den angrenzenden Nutzflächen das Nahrungsangebot durch Mahd, Ernte, Pflanzenschutz usw. starken Veränderungen unterworfen ist, sorgen Hecken mit ihrer grossen Blattmenge und mit ihrem hohen Blüten- und Früchteangebot das ganze Jahr über für reichlich Nahrung.

Daneben bieten sie zahlreichen Tieren Nist- und Schlafplätze, Sing- und Ansitzwarten, Überwinterungsquartiere, Deckung vor Witterungseinflüssen und ermöglichen den Rückzug bei etwaigen Störungen.

Hecken sind sehr produktive Lebensräume. Bezogen auf 100 m Hecke wurden folgende Werte ermittelt*:

• 6.000 Austriebe mit einer Gesamtlänge von 80 km,
• 2 Tonnen Holzmasse,
• 2.300 qm Blattfläche mit einem Gewicht von 160 kg,
• 100.000 Blüten sowie
• 35 kg Früchte.

Diese Biomasse wird von vielen Pflanzenfressern sehr effektiv genutzt und speist so vielfältige Nahrungsketten, die in das Heckenumland übergreifen.

* junge, 5 Jahre zuvor auf Stock gesetzte Mischhecke mit viel Hasel, in Norddeutschland (Schröder 1988 in Knauer 1993, siehe Literaturverzeichnis).

Junge Hecken sind ein wichtiger Bestandteil im Lebensraum des Rebhuhnes. Sie bieten Deckung bei Störungen, Schutz vor Witterungseinflüssen und Nistmöglichkeiten.
 

3.1.2. Biotopverbund

Die Zusammensetzung der Heckenfauna wird nicht nur durch die Heckenbreite bestimmt, sondern auch durch ihre Einbindung in einen Verbund von anderen Hecken, Feldgehölzen, Uferstreifen usw.. Wie schnell Tierarten in eine neu angelegte Hecke einwandern, hängt ebenfalls von der Entfernung zu anderen Hecken ab.

Hecken dienen zahlreichen Tieren als Korridore beim täglichen oder jahreszeitlichen Durchwandern der Landschaft. Viele Arten benötigen im Jahreslauf ein Mosaik verschiedener Lebensräume. Hecken können solchen Arten als deckungsreiche Leitlinien dienen, die bei Wanderungen den offenen Flächen vorgezogen werden.

Als Korridore spielen Hecken ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Organismen. Hierdurch wird der für das Überleben einer Art wichtige Austausch von Individuen (und ihren Genen) ermöglicht. Dies ist besonders wichtig bei kleinen, langfristig allein nicht überlebensfähigen Populationen.
 
 

Hecken als Lebensraum: z.B. für Fledermäuse

Hecken als Lebensraum für Fledermäuse

Fledermäuse nutzen Hecken täglich als Jagdreviere und saisonal bei den Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartieren. In Heckennähe ist das Angebot an Insekten besonders gross. Hecken reflektieren ausserdem die von den Fledermäusen ausgesendeten Ultraschallaute und ermöglichen den Tieren so die Orientierung.

3.2. Wechselwirkungen mit den Agrarflächen

Hecken sind sehr produktive Lebensräume. Ihre grosse Blattfläche ermöglicht eine hohe Ausnutzung der Sonnenenergie und bietet vielen pflanzenfressenden Insekten Nahrung. Diese sind wiederum Nahrungsgrundlage für zahlreiche Raub-insekten, die so Massenvermehrungen der pflanzenfressenden Arten verhindern.

Zu den in Hecken lebenden pflanzenfressenden Arten gehören auch Schadinsekten. Diese werden aber durch räuberisch lebende Nützlinge begrenzt. Es handelt sich neben Raubinsekten um fleischfressende Säugetiere und Vögel. Zwischen den Pflanzen- und Fleischfressern stellt sich in den Hecken ein Gleichgewicht ein.

Die Aktivität der Heckenbewohner wirkt sich auf die Heckenumgebung aus. Dort können die Nützlinge auf die in den landwirtschaftlich genutzten Flächen lebenden Schädlinge einwirken. Da die Nützlinge durch das Fehlen von Hecken stärker beeinflusst werden als die Schadinsekten, ist diese biologische Schädlings-bekämpfung ohne Hecken nicht möglich.

Wie weit die Einwirkungen der verschiedenen Tierarten in die Agrarflächen reichen, hängt von ihrem Aktionsradius ab. Die Aktionsradien spielen nicht nur eine wichtige Rolle beim biologischen Pflanzenschutz, sondern auch bei der Ausbreitung der Tiere. So ergibt sich der in Kapitel 2.4. geforderte Maximalabstand von 200 Metern zwischen Hecken in der Landschaft aus den Aktionsradien der Heckenbewohner.
 

Das Fehlen von Hecken hat beispielsweise wenig Einfluss auf die aus Steppengebieten stammende Feldmaus. Viele Fressfeinde der Feldmaus, z.B. Wiesel, Bussard, Turmfalke (Bild oben) sind aber auf Hecken angewiesen.
 

Existieren in einem Gebiet keine ökologischen Zellen (etwa Hecken) mit Blattlausfeinden (hier eine Schlupfwespe), können mit dem Wind angeflogene Blattläuse zur Massenvermehrung gelangen.
 

3.3. Windschutz und Mikroklima

Hecken eignen sich sehr gut als Windschutz. Sie bremsen den Wind auf bis zu 40 % des Freilandwertes ab und verhindern so eine Beeinträchtigung der Nutzpflanzen. Da sie zum Teil winddurchlässig sind, kommt es auf der windabgewandten Seite nicht zu schädlichen Verwirbelungen, wie sie etwa bei einer Mauer entstehen.

Die Herabsetzung der Windgeschwindigkeit führt - hauptsächlich auf der windabgewandten Seite - zu einer Veränderung des Mikroklimas:

• verringerte Verdunstung,
• erhöhte Taubildung,
• erhöhte Bodentemperatur sowie
• erhöhte Bodenfeuchtigkeit.

Mit zunehmendem Abstand von der Hecke nähern sich die mikroklimatischen Werte wieder den Freilandwerten an. Je höher die Hecke ist, umso weiter reicht ihr Einfluss. Dieser kann bis in eine Entfernung nachweisbar sein, die der 30fachen Heckenhöhe entspricht.
 

3.4. Landwirtschaftlicher Ertrag

Die Ergebnisse vieler Freilandversuche zeigen, dass Hecken in der Regel, über die gesamte Anbaufläche betrachtet, eine ertragssteigernde Wirkung haben. Durch die mikroklimatischen Veränderungen können die Erträge mit zunehmender Entfernung von der Hecke zunächst auf Maximalwerte ansteigen, um anschliessend wieder auf Freilandwerte abzufallen. Allerdings spielen die Standortverhältnisse und die Witterung eine wichtige Rolle. So ist z.B. in trockenen Lagen oder Jahren ein feuchteres Kleinklima günstig, in feuchten Lagen oder bei feuchter Witterung kann es aber auch von Nachteil sein.
 

3.5. Weitere Schutzfunktionen

Eine weitere Folge der windbremsenden Wirkung der Hecken ist der Schutz vor Winderosion. Im Heckenbereich kann sich auch verwehter Feinboden absetzen. Quer zum Hang angeordnete Hecken mindern ebenfalls die Erosion durch Wasser. Schliesslich dienen Hecken der Böschungssicherung und als wertvoller Immissionsschutz. An Strassen filtern sie beispielsweise sehr wirksam Luftschadstoffe aus.

An Industrieanlagen und Grossbauten, aber auch bei Wohnhäusern dienen Hecken als Sichtblenden.
 

3.6. Hecken als Gestaltungselement

Hecken sind ein prägendes Gestaltungselement in der Landschaft. Sie bringen Vielfalt in die Landschaft, gleichzeitig wirken sie aber auch ordnend. Da heute wohl vielen Menschen die Bedeutung naturnaher Landschaftselemente bewusst ist, empfinden sie heckenreiche Landschaften als natürlicher und bewerten sie dementsprechend höher als ausgeräumte Feldflure.

Da Hecken auf alte Nutzungsformen zurückgehen, erhöhen sie den kulturhistorischen Wert und die Eigenart einer Landschaft. Hierdurch steigern sie nicht nur deren Erholungs- und Fremdenverkehrswert, sondern erleichtern auch die Identifikation der einheimischen Bevölkerung mit "ihrer" Landschaft.
 

Als Sichtblende dienen Gehölze zur Auflockerung monotoner Fassaden und zur Einpassung von Gebäuden in die Umgebung. Günstig ist ein stufiger Aufbau mit standortgerechten Pflanzen. Er wird z.B. erreicht, indem locker angeordneten Bäumen oder Baumgruppen eine dichtere Hecke vorgelagert wird. Wenn immer möglich sollen bereits bestehende Gehölze erhalten und in die Gestaltung mit einbezogen werden.  


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Letzte Aktualisierung 21.04.02
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