Der Bucintoro
 
 
Francesco Guardi (1712-1793)
Der Bucintoro, das Staatsschiff des Dogen.
 
Der Bucintoro war die Prunkgaleere des Dogen und der Republik Venedig. 

Es gibt verschiedene Erklärungen für den seltsamen Namen - nach einer Version leitet er sich vom lateinischen Navilium Duecentorum Hominum ("Schiff für 200 Männer") her. Andere sagen, daß der Name folgendermaßen entstanden sei: Vergil erwähnt ein Schiff, das Aeneas bei den Totenfeiern für seinen Vater verwendete. Diese Schiff hieß Centaurus. Die venezianische Galeere sei nun genau doppelt so groß gewesen, was den Namen Bucentaurus ergab. Eine dritte Erklärung besagt schließlich, der Name sei entstanden aus burchio (ein flachbödiges Boot, das auf der Lagune benutzt wurde) und oro (Gold) und habe sich auf die prachtvollen Verzierungen des Schiffes bezogen. 

Der erste Bucintoro stammt aus dem Jahre 1311. Er wurde 1526 durch einen Neubeu ersetzt, der mit Schnitzereien verziert war. Der dritte Bucintoro kostete 70.000 Dukaten und hatte seinen ersten Auftritt am Himmelfahrtstag 1606. Der letzte Bucintoro wurde 1729 unter der Herrschaft des Dogen Alvise Mocenigo fertiggestellt. 

Die letzten drei Bucintoros waren gleich: Sie waren 35 m lang, 7,5 m breit und 8 m hoch. Kommandiert wurden sie von drei Admirälen, die Mannschaft bestand aus 40 Matrosen. Gerudert wurde der Bucintoro von 168 Ruderern "den schönsten und kräftigsten jungen Männern aus dem Arsenal", die zu viert jeweils eines der 42 Ruder bedienten.

Der Bucintoro teilt sich in zwei Decks. Auf dem Unterdeck saßen die Ruderer, die Passagiere auf dem Oberdeck. Das Oberdeck war mit rotem Samt ausgekleidet, es besaß 48 Glasfenster mit seidenen Vorhängen. Der Platz des Dogen war im Heck. 

Auf dem Bucintoro fuhr alljährlich am Himmelfahrtstag der Doge von Venedig unter großen Feierlichkeiten auf das Meer. Dort wurde unter vielen Zeremonien und Beifall der begleitenden Boots- und Gondelbesatzungen vom Dogen ein Fingerring mit den symbolischen Worten "Meer, wir vermählen uns mit dir zum Zeichen der unbegrenzten Herrschaft" in das Meer geworfen. Dieser Brauch geht bis in das 10.Jh. auf die Brandschatzung von Istrien, Dalmatien und verschiedenen Inseln durch die Narranter zurück. 

Nach einem Feldzug der Venezianer unter dem Dogen Orsoela wurde der Siegestag Sensa ähnlich gefeiert. Auch hier spielte die grandiose Ausfahrt des Dogen auf dem Bucintoro die Hauptrolle. Die letzte Fahrt dieses letzten Bucintoro war an der Festa della Sensa 1796.

Canaletto (1697-1768)
Der Bucintoro am Himmelfahrtstag
 
Nach dem Fall der Republik Venedig 1798 brachen französische Soldaten die geschnitzen Holzverzierungen und den Goldschmuck ab, brachten sie auf die Insel San Giorgio Maggiore und verbrannten sie, um an das Gold zu gelangen. Das Feuer brannte drei Tage lang. Als man den Rauch in der Stadt sah, sagten die Venetianer "Sie verbrennen den Bucintoro", und das ließ ihre anfängliche Begeisterung für die Französische Revolution schnell schwinden. Die leere Hülle des Bucintoro wurde mit vier Geschützen versehen und als schwimmende Batterie zur Verteidigung des Lido eingesetzt. 1824 wurde das Schiff im Arsenal abgewrackt.
 

nach Marina Crivellari Bizio
 Reste des letzten Bucintoro werden im Muesum Correr gezeit, im Marinemuseum befindet ein Modell.
 
 
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