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Ein Innschiff |
| An der Innschiffahrt
war Innsbruck direkt eigentlich nicht beteiligt. Es gibt zwar ein Gebiet
am Innrain, das als "Hafen" bezeichnet wird, aber es scheint nie einen
wirklichen Hafenbetrieb, sondern nur das Anlanden von Holzflößen
gegeben zu haben.
Dieses Holz wurde vor allem weiter flußabwärts, in Hall in der Saline gebraucht. Im Mittelalter wurde zum Salzsieden ausschließlich Holz verwendet. Bald waren die Vorräte in der Nähe von Hall erschöpft, und es mußte auf dem Inn Brennholz aus den Seitentälern des oberen Inn herbeigeführt werden. Die Saline und ihre Arbeiter verbrauchten daneben auch große Mengen sonstiger Nahrungs- und Betriebsmittel. Andererseits mußte das Haller Salz abtransportiert werden, zunächst nur bis Rattenberg und Innsbruck, später bis weit nach Bayern und in die Schweiz hinein. Hall war also ein wichtiges Verkehrszentrum für Tirol. |
| Der große Rechen
an der Haller Innbrücke, der das Holz aus dem Oberinntal auffing,
war ein unüberbrückbares Hindernis für Schiffe - also war
die Reise für Fahrten aus der Donau und dem Unterlauf des Inn hier
zuende. Eine Schiffahrt bis Innsbruck wäre also sowieso nicht möglich
gewesen. Die Lend in Hall wurde angelaufen, und die Fracht mußte
dort gestapelt und zum Verkauf angeboten werden. Auf dem Landwege wurde
sie dann innaufwärts weitertransportiert.
Die Lendordnung sorgte im 15. Jahrhundert dafür, daß z.B. Getreide nach Kufstein und Rattenberg nur für den dortigen Bedarf angelandet werden durfte, in Hall jedoch nach Tiroler Marktpreisen oder nach Preisen, die der Haller Stadtrat festsetzte, auschließlich Tiroler Kaufleuten anzubieten war. Es liegt auf der Hand, daß besonders Haller Kaufleute davon profitierten, und genauso, daß die Lieferanten, vor allem aus Bayern, heftig dagegen protestierten. Allerdings vergeblich - die Lendordnung blieb bis 1807 in Kraft. |
Die Bedeutung der Innschiffahrt ist auch daran zu erkennen, daß die Pfarrkirche von Hall den Hl. Nikolaus als Patron hat - den Schutzheiligen der Seefahrer. |
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| Der Inn ist kein leichtes Fahrwasser, vor allem wegen der starken Strömung und zahlreicher Untiefen. Talwärts ging die Fahrt trotzdem meistens rasch - von Hall bis Kufstein dauerte sie nur 5 Stunden, für den Vortrieb genügte die Flußströmung. Bergwärts war es schon schwieriger. Hier wurden die Schiffe zu Zügen zusammengestellt und von etwa 20 Pferden getreidelt. Dann dauerte es von Kufstein nach Hall 5 Tage. |

| Das Hauptschiff eines solchen Zuges war die sog. Hohenau. Auf ihr befanden sich die Spannvorrichtungen und eine Hütte für die Besatzung. Sie trug ungefähr 2 t Fracht. An die Hohenau wurden kleinere Schiffe für den Salztransport angehängt, die Traunzillen. Die Hohenau und die Zillen hatten Kiele. Daneben gab es vor allem für die Talfahrt einfache Flöße und sog. Plätten, Kähne ohne Kiel. Eigentümer und Betreiber dieser Schiffe waren die Schiffer der Haller Schiffergilde, der auch die Treidelpferde gehörten. |
| In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann der unausweichliche Niedergang der Innschiffahrt. 1858 wurde die Eisenbahnstrecke Kufstein-Innsbruck fertiggestellt und 1867 über den Brenner nach Bozen weitergeführt. Von nun an übernahm den Transport von Massengütern die Eisenbahn. 1873 hat das letzte große Frachtschiff Hall verlassen, 1892 ging die letzte Plätte von der Lend ab. |

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