| Die ersten Projektierungsarbeiten
für die elektrischen Lokomotiven der Mittenwaldbahn begannen in den
Jahren 1909/1910. Neben der AEG-Union und Siemens beteiligte sich auch
die Firma Ganz & Co. in Budapest, die damals in der Bahnelektrifizierung
in der kaiserlich-königlichen Monarchie führend war. Immerhin
betrat man technisches Neuland, da die ersten elektrischen Vollbahnlokomotiven
mit Wechselstrom in Österreich gebaut werden sollten. Bis dahin war
die Elektrifizierung einer Hauptbahn oder einer ähnlichen Bahn stets
am Einspruch der Militärbehörden gescheitert. Im Fall der Mittenwaldbahn
aber stimmten die Militärs zu, da in Form der Strecke von München
über Kufstein zum Brenner bereits eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung
vorhanden war, deren Betriebssicherheit durch Dampflokomotiven garantiert
war.
Zunächst ging
die Staatsbahnverwaltung für die Mittenwaldbahn von einer Fahrdrahtspannung
von 10.000 V aus, die während der Planungsarbeiten auf 15.000 Verhöht
wurde. Auch die Leistungsvorgaben für die zu liefernden Lokomotiven
wurden innerhalb weniger Monate auf 800 PS in die Höhe geschraubt.
Schließlich wählte man aus den eingereichten und mehrmals umgearbeiteten
Zeichnungen den Entwurf der Firma AEG aus, die gemeinsam mit der Floridsdorfer
Lokomotivfabrik eine 1'C-gekuppelte Maschine konstruiert hatte, die über
Schrägstangenantrieb und Blindwelle verfügte.
Im Jahr 1910 wurden
zunächst sechs Lokomotiven für den Reisezugdienst bestellt. Nachdem
man eine ursprünglich geplante Güterzug-Variante mit vier Kuppelachsen
verworfen hatte, wurde die Bestellung auf neun Lokomotiven erhöht.
Sechs Maschinen waren für den Einsatz zwischen Innsbruck und Scharnitz
vorgesehen, drei für den Streckenabschnitt im Außerfern. Die
erste Maschine, die als 1060.001 bezeichnet wurde, verließ bereits
zehn Monate vor der Streckeneröffnung die Werkshallen und wurde zur
Erprobung nach Preußen geschickt. Auf der Flachland-Strecke zwischen
Dessau und Bitterfeld zog die Lok hauptsächlich Güterzüge
mit einer Last von bis zu 1.050 Tonnen. Dabei erwies sie sich als erstaunlich
betriebstüchtig und zuverlässig. Auch die Probefahrten mit den
anderen Loks der Reihe 1060, die Ende August 1911 auf dem bereits fertiggestellten
Teilstück zwischen Innsbruck und der Betriebsausweiche Martinswand
begannen, verliefen ohne größere Probleme, so daß der
elektrische Betrieb auf der Mittenwaldbahn und im Außerfern aufgenommen
werden konnte.
Die 1060 versahen
- oft in Doppeltraktion - nahezu den gesamten Dienst auf der Mittenwaldbahn.
Die Anhängelast betrug 124 Tonnen bei 36,4 Promille Steigung und 30
km/h Geschwindigkeit. Mit nur 40 km/h HÖchstgeschwindigkeit und 620
kW Leistung erwiesen sich die Loks jedoch schon in den dreißiger
Jahren als zu schwach und mußten anderen Bauarten weichen. Als erste
Elektrolok der Österreichischen Staatsbahn und zugleich als erste
von der österreichischen Industrie gebaute elektrische Vollbahnlok
erhielt 1060.001 einen Ehrenplatz im Technischen Museum in Wien. |