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Das, was wir heute
"öffentlichen Personennahverkehr" nennen, verbesserte sich zum Ende
des 19. Jahrhunderts ebenfalls. Lokale Autoritäten, Geschäftsleute
und Fabrikanten setzten alles daran, die Verkehrssituation ihrer Heimatorte
zu entwickeln, so auch in Hall in Tirol. Das Problem war hier die Unterbrechnung
der Innschiffahrt oberhalb von Hall. Weil der Bau der Hauptbahn München-Innsbruck
durch das Inntal wegen bayrischer Bedenken nicht vorankam, wurde bereits
1836 der Bau einer Lokalbahn zwischen Hall und Innsbruck vorgeschlagen,
die in Hall Anschluß an die Schiffahrt finden sollte - allerdings
ohne Erfolg. Auch von Innsbrucker Seite wurde das Projekt unterstützt,
August Riedinger, der Gründer der Innsbrucker Gasanstalt, Anton Prantl,
Wirt im Gasthof Dollinger in Mühlau und andere forderten 1887 erneut
die Einrichtung einer solchen Linie. 1890 begann dann tatsächlich
der Bau der Lokalbahn, erste Bauzüge fahren. Das Publikum scheint
sich jedoch erst an die Bahn gewöhnen zu müssen. So wird berichtet:
"Fuhrwerke bleiben vielfach bespannt oder unbespannt auf den Gleisen stehen, die herannahenden Züge finden die Gleise häufig durch Kisten, Sand Schutt oder Marktstände verstelt. Die Gleise werden von Fuhrwerken oder Fußgängern benutzt. Es verkehrt kaum ein Zug, dem nicht große Steine (allein im Gemeindegebiet Rum waren es einmal 10 Steinpyramiden) auf die Schiennen gelegt wwerden. Die Schuljugend läuft knapp neben dem Zug her, in einigen Fällen konnten Unfälle gerade noch vermieden werden."Im Juni 1891 wird die Bahn mit Dampf in Betrieb genommen - nicht ohne die Österreich nicht seltenen Querelen um nicht oder nicht rechtzeitig erteilte Genehmigungen. Sie verläuft von der Haller Unterstadt längs der Haller Straße, vorbei am Gasthof Dollinger, über die Kettenbrücke, durch den damals enstehenden Saggen, den Graben, die Maria-Theresien-Straße bis nach Wilten. |
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| Ein Zug der Haller Bahn erreicht die Innsbrucker Stadtgrenze an der Triumphpforte. Die Maximilianstraße ist noch spärlich bebaut, die Salurner Straße existiert noch gar nicht. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1900. |
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| Anläßlich der Tiroler Landesausstellung 1893 gab es sogar eine Sonderlinie zum Ausstellungsgelände, die bis zur Falkstraße von Pferden gezogen wurde - das einzige Beispiel eines Pferdebahnbetriebs in Innsbruck. |
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Soetwas wie diese Landesausstellung hatte das Innsbruck noch nicht gesehen. Die gesamte Breite der Landesproduktion wurde vorgestellt - Industrie, Gewerbe, Berg- und Hüttenwesen, Landesverteidigung, Tourismus und Sport. Die große Halle steht immer noch und dient heute für die Innsbrucker Messe. Daneben gab es verschiedene Pavillions und sogar ein Unterinntaler Bauernhaus. |
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| An vielen Stellen ist die Trasse der alten Bahn neben der Straße heute noch zu erkennen, und in Hall liegen auf einem Parkplatz sogar noch ein paar Geleise (dies ist inzwischen ein historisches Photo - seit dem Sommer 2001 sind die Gleise nach der Umgestaltung des Parkplatzes verschwunden). |
| Auch die Remise der Haller Straßenbahn in der Unterstadt gibt es noch - wenn auch ohne Fahrleitungen und Gleise. Unten ein Bild aus den Zeiten, als die Bahn noch in Betrieb war. |


| 1909 wird die Haller
Linie elektrifiziert. Obwohl das eigentlich ein Fortschritt
ist, bringt es doch die Gesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten: Die
Elektrifizierung sollte durch Ausgabe von Aktien finanziert werden. Die
Genehmigung dafür bleibt aber aus, sodaß teure Kredite aufgenommen
werden müssen. Schließlich stellt sich heraus, daß man
schlicht vergessen hatte, den Betrieb einer elektrischen Bahn anzumelden
und das deswegen die Zulassung als Aktiengesellschaft nicht erfolgt war!
Hier steht in den 1960er Jahren ein elektrischer Zug der Haller Bahn vor dem Hauptbahnhof in Innsbruck, wo die Linie zu dieser Zeit endet. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde bemängelt, daß die Haller Wagen altmodisch seien und bald ersetzt werden müßten - wie man sieht, blieben sie aber nichtsdestoweniger bis zur Einstellung der Bahn in Betrieb. |
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| Die Haller Lokalbahn weist einige Besonderheiten auf - z.B. die höhengleiche Kreuzung mit der Staatsbahn am Loretokirchl unterhalb von Thaur. |
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| Der Übergang
war mit Schranken abgesichert, außerdem gab es spezielle Lichtsignalanlagen,
die eine Unterscheidung von Staatsbahn- und Lokalbahnsignalen ermöglichten.
Das Gerüst dient der Überführung der oberirdischen Telegraphenleitung
über den Fahrdraht der Lokalbahn.
Wirkliche Probleme traten auf, als die Staatsbahn in den 20er Jahren elektrifiziert wird, weil sich jetzt nicht nur Gleise unterschiedlicher Spurweite, sonder auch Fahrleitungen mit unterschiedlichen Spannungen kreuzten. Durch ein kompliziertes Schaltsystem konnte jeweils ein Fahrdraht stromlos geschaltet werden und so die Überquerung ermöglicht werden. |
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| Heute wäre das alles nicht mehr nötig - über die Gleise und Fahrleitungen der ÖBB führt bei Loreto eine Brücke - aber inzwischen gibt es die Lokalbahn nicht mehr ... |
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| Auch Unfälle geschahen auf der Lokalbahn, die anderswo nicht so häufig zu beobachten sind - oben ist der im Dezember 1954 bei der Haltestelle Thaur von einem Föhnsturm umgeworfene Zug zu sehen. |
| 1974 kam das Aus für die Lokalbahn Hall-Innsbruck. Es war sowieso das große Lokalbahnsterben überall, und - anders als das Stubaital - war Hall leicht mit dem Auto zu erreichen, wichtige Gütertransportaufgaben wie für die Zillertalbahn gab es auch nicht, also legte man die Bahn still. Der nostalgische und touristische Wert einer solchen Bahn spielte damals noch keine Rolle. |
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Ganz verschwunden ist sie aber doch noch nicht - anlaßlich der Elektrifizierung 1909 erhält die Lokalbahn im System der Innsbrucker Straßenbahnen die Liniennummer 4, die sie bis zum Ende des Betriebs beibehält. Die Omnibus-Linie, die die Bahn danach ersetzt, trägt auch diese Nummer - als einzige in Innsbruck, alle anderen Buslinien sind mit Buchstaben gekennzeichnet. |
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