Der Südtirol-Konflikt - Die Geschichte

Der Südtirol-Konflikt schwelte jahrzehntelang: Mit eiserner Hand versuchten die Faschisten nach dem ersten Weltkrieg, Südtirol zu italienisieren. Radikale Südtiroler reagierten bis in die 60er Jahre mit Bomben auf die Unterdrückung. Heute ist Trentino-Südtirol eine der reichsten Regionen Italiens, durch einen gewissen Autonomiestatus der Region sind der Sprachen- und Schulstreit beigelebt. Aber die Trennung schmerzt noch immer. 

Die Theorie vom Brenner als der natürlichen Grenze zwischen Italien und Tirol erhielt seit Ende des 19. Jahrhunderts immer stärkeren Rückhalt. Italienische Bezeichnung für dieses Gebiet ist bis heute "Alto Adige" - "Hoch-Etsch". Formal zwar Partner Deutschlands und Österreichs, blieb Rom zu Beginn des Weltkriegs im Sommer 1914 neutral, begann aber Verhandlungen mit allen Kriegsparteien. 

Die Entente-Mächte boten mehr als die Kaiserreiche: 1915 sicherten Großbritannien und Frankreich Italien das Trentino bis zum Brenner zu, woraufhin Italien Österreich den Krieg erklärte. Nahe am Zusammenbruch, unterzeichnete Wien am 3. November 1918 den Waffenstillstand. Die Region wurde Italien angegliedert.

Der österreiche Staatskanzler unterzeichnet in St. Germain den Vertrag, der den Anschluß Südtirols an Italien besiegelt.

Mit der Machtübernahme der Faschisten begann die Zeit der offenen Unterdrückung des Deutschen in der Region. 1923 schuf Rom die Provinz "Venezia Tridentina" mit Südtirol und dem Trentino. Tausende Orts- und Flurnamen wurden ins Italienische übertragen, was bis heute teilweise abenteuerliche Blüten hervorgebracht hat.
Faschistentrupp in Bozen. Im Januar 1923 war Südtirol mit dem Trentino zu einer Provinz "Venezia Tridentina" zusammengefaßt worden, an deren Spitze ein Präfekt in Trient stand.
Notschule in einer Bauernstube im Sarntal. 1923 hatten die Faschisten im Bozener ihr Programm zur Italianisierung Südtirols verkündet. Darin wurde vor allem Italienisch als einzige Amtsprache eingeführt und der Unterricht in Deutsch an allen Schulen verboten.
Einige Kollegen bezahlten mit dem Leben dafür, daß sie dieses Verbot umgingen. Angela Nikoletti betrieb in Kurtatsch eine deutsche Geheimschule und wurde deswegen von Carabinieri und Behörden verhört und eingesperrt, daß ihre Gesundheit zuammenbrach und sie 1930 starb.
Der Rechtsanwalt Dr. Josef Noldin organisierte in Bozen deutschen Unterricht und wurde auf die Strafinsel Lipari verbannt. Nach seiner Entlassung starb er 1929 an einer Krankheit, die er sich in der Verbannung zugezogen hatte.
Die erste Fabrik der Industriezone Bozen. In diesen Fabriken durften nur Italiener eingestellt werden und arbeiten.

1939 standen "Deutsche" und Ladiner dank der sogenannten "Option", auf die sich der italienische Faschist Benito Mussolini und der deutsche Nationalsozialist Adolf Hitler geeinigt hatten, vor der Wahl, entweder nach Deutschland auszuwandern oder in Italien auf ihr Volkstum zu verzichten. Der zweite Weltkrieg und der Sturz Mussolinis verhinderten jedoch die Umsiedlung aller Optanten, die "sanfte ethnische Säuberung" - wie einige Kommentatoren sie genannt haben - konnte nicht umgesetzt werden. Sie ist aber bis heute ein Beweis für die Perfidität und den Zynismus des NS-Regimes geblieben. 
Im Frühjahr 1940 verließ täglich ein Zug mit Umsiedlern den Bozener Bahnhof. Die Menschen wurden in den vom Deutschen Reich annektierten Gebieten auf Höfen angesiedelt, aus denen die Eigentümer zuvor vertrieben worden waren, u.a. in Tschechien, damals "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren"
Kanonikus Michael Gamper, einer der führenden Männer im Kampf gegen die Italianisierung und während der Optionszeit Kopf der "Dableiber".

Nach dem Krieg blieb die Grenzfrage zwischen Österreich und Italien jahrzehntelang ein Streitpunkt, den selbst die Vereinten Nationen nicht beilegen konnten, aber auch die Frage einer größeren Autonomie für die Region sowie die Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung. 
Demonstration in Klausen  gegen den Entschluß der Pariser Außenministerkonferenz über den Verbleib Südtirols bei Italien 1946.
Sepp Kerschbaumer aus Frangart, der der Kopf des Widerstandes von 1961 war. Im Mailänder Prozeß wurde er zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt und starb 1964 in Gefangenschaft in Verona.
Gesprengte Hochspannungsleitungs-Masten sollten im Sommer 1961 dieWeltöffentlichkeit auf das Südtirolproblem aufmerksam machen, nachdem jahrelang auf dem Verhandlungsweg keine Fortschritte erzielt worden waren und auch die UNO-Resolution wirkungslos zu bleiben drohte.
Pressefoto vom Mailänder Prozeß gegen die Südtiroler Widerständler 1963. Es wurde gegen mehr als 90 Angeklagte verhandelt, denen Hochverrat und Mord vorgeworfen wurde. 1964 wurden die Urteile verkündet, die von Freispruch bis zu 25 Jahren Haft reichten.

Mehreren Terroranschlägen folgte ein Richtungswechsel in der Südtirolpolitik Roms. 1969 sorgte das so genannte ìPaketî mit Vorschlägen zur neuen Autonomiestruktur dafür, daß der Konflikt um Kultur, Sprache und Verwaltung viel von seiner Brisanz verlieren konnte. 
Die damaligen Außenminister ihrer Länder, Aldo Moro und Kurt Waldheim, bei der Unterzeichnung des "Südtirol-Paketes" 1969, in dem Regelungen für den Autonomiestatus Südtirols, für den verfassungsgemäßen Schutz sprachlicher Minderheiten usw. geregelt wurden, in dem aber viele Südtiroler nur eine Notlösung sehen.
Demonstration am Brenner in den 80er Jahren.
Nach Sven Hahn ZDF.MSNBC Startseite

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