| Nur wenige werden wissen, daß es
den Kubismus nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch im Kunsthandwerk
und in der Architektur gegeben hat. Das ist verständlich, denn diese
Ausprägung beschränkte sich fast ausschließlich auf Österreich-Ungarn,
und hier vor allem auf Prag.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg
sorgte eine Reihe von Austellungen in Prag dafür, daß der Kubismus
als Kunstform bekannt wurde, und es gab genügend experimentierfreudige
und vermögende Bauherren und Architekten, die den Stil in Bauten umsetzten
ließen, obwohl sich die kubistische Architektur bei den Pragern allgemein
keiner großen Beliebtheit erfreute. Diese Skepsis ist verständlich,
denn auf den ersten Blick erscheinen die kubistischen Bauten etwas klobig
und unförmig, und es bedarf einer gewissen Zeit, sich in ihre Formenwelt
hineinzufinden.
Die Periode des Kubismus dauert in Prag
von etwa 1910 bis 1925. Bedeutende kubistische Architekten waren Josef
Chochol, Josef Gocar oder Pavel Janak. Sie kamen ausgerechnet vom 1900
gegründeten Denkmalschutz-Verein "Club zur Erhaltung des alten Prag".
Dieser Verein verschaffte ihnen die Plattform, den neuen Baustil zu propagieren. |