Der am 30.4.1883 in Prag geborene Hasek
erwies sich zeit seines Lebens als unruhiger, unangepasster Geist. Die
meiste Zeit lebte er als freier Schriftsteller, hatte selten eine feste
Anstellung und wenn, dann verlor er sie bald oder verließ den Arbeitsplatz.
So hatte er z.B. eine Zeitlang einen schlechtbezahlten Posten bei der Zeitschrift
'Die Welt der Tiere' ('Svet Zvirat'). Da es ihm jedoch bald langweilig
wurde, ließ er seine Phantasie spielen und 'erfand' einfach neue
Tierarten - die Entlassung war die Folge.
Schon in jungen Jahren hatte sich Hasek in
Kreisen der Boheme und der Anarchisten bewegt, schon damals war die Kneipe
einer seiner bevorzugten Arbeitsplätze. Er war Stammgast in vielen
Lokalen, erwies sich als meisterhafter Erzähler von Geschichten und
machte sich mit seinen ungewöhnlichen Einfällen schnell einen
Namen in Prag. Des öfteren wurde er von der Polizei betrunken aufgegriffen,
wegen Ruhestörungen und Prügeleien festgenommen. Sogar in eine
Irrenanstalt wurde er für einige Wochen gesteckt. Er zog in Europa
umher, übernachtete teilweise im Freien und lernte als eine Art Landstreicher
das Leben 'von unten her' kennen. Am Biertisch gründete er mit Freunden
im Frühjahr 1911 anläßlich von Wahlen die 'Partei des maßvollen
Fortschritts in der Grenzen der Gesetze'. Einstimmig war er zum Redner
und Kandidaten ernannt worden, er improvisierte seine 'Wahlreden' und stellte
mit viel Witz und Humor den politischen Betrieb und das Parteiensystem
bloß. Bereits 1912 verfasste er eine Chronik der Partei, die aber
aufgrund ihrer allzu deutlichen Aussagen und Anspielungen erst 1963 erscheinen
konnte.
| Im 1. Weltkrieg lief er zu den russischen
Truppen über und trat in die tschechoslowakischen Legionen ein. Nach
der Oktoberrevolution war er politischer Kommissar der Bolschewiki. Nach
seiner Rückkehr nach Prag 1920 nahm er sein Boheme-Leben wieder auf
- was ihn allerdings nicht vom Arbeiten abhielt. Über 2000 Kurzgeschichten
und Artikel blieben von ihm erhalten. |
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Eingang in die Weltliteratur fand Jaroslav
Hasek mit seiner Gestalt des braven Soldat Schwejk. |
| Bereits 1912 ('Der brave Soldat Schwejk
und andere seltsame Histörchen') und 1917 ('Der brave Soldat Schwejk
in Gefangenschaft') erschienen die ersten beiden Schwejk-Bände, doch
den Höhepunkt seines Schaffens stellte der Roman 'Die Abenteuer des
braven Soldaten Schwejk während des Weltkrieges' (1921-23; dt. 1926/27)
dar. Er konnte den Roman nicht vollenden und seinen langsam beginnenden
Ruhm und materiellen Aufstieg nicht genießen. Noch vor Erreichen
des 40. Lebensjahres starb er in Lipnice, wo er sich erst 1921 ein kleines
Haus gekauft hatte. |
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Die zentrale Gestalt seines Hauptwerkes
ist der Prager Hundehändler Josef Schwejk. Ein Mensch, der einerseits
tölpelhaft und naiv den Lebensalltag meistert, andererseits aber mit
seinem Witz, seiner Direktheit und Bauernschläue auch unbeschadet
den Krieg übersteht. Der naive Schwejk steht in dauerndem Kampf gegen
Bürokratie, staatliche Willkür und Militarismus und entlarvt
sie in seiner Geradlinigkeit als lächerliche Pose. Bei aller Unterschiedlichkeit
läßt sich hier eine Parallele zu Franz Kafka entdecken. Beide
sehen den Einzelnen als Opfer eines kaum durchschaubaren gesellschaftlichen
Geflechts und obrigkeitsstaatlicher, durch Willkür gekennzeichneten
Gängelei. Doch während Kafka dies als allgemeines Lebensphänomen
darstellt, steht bei Hasek die Zeitgeschichte und Prager Realität
stärker im Vordergrund. |
Die Figur des Schwejk erfuhr internationale
Anerkennung nicht zuletzt durch seine Verarbeitung in anderen Kunstgattungen.
Dramatische Bearbeitungen gab es u.a. durch Max Brod (1928) und Erwin Piscator
(1929) in Berlin, durch F. Burian in Prag 1935. Die Schwejksche Gestalt
gab Anlaß für mehrere Verfilmungen in der Tschechoslowakei,
aber auch in Deutschland 1960 (Regie: Axel von Ambesser). Auch Vertonungen
in Oper und Musical wurden unternommen. Bertolt Brecht schrieb in den Jahren
1942/43 sein Stück 'Schwejk im zweiten Weltkrieg'. Hasek arbeitete
zeitweilig auch mit E.E.Kisch zusammen, aus der gemeinsamen Arbeit entstand
Kischs 'Die Reise um Europa in 365 Tagen' (1929).
Auf Deutsch sind "Die Abenteuer des braven
Soldaten Schwejk" sind im Rowohlt Verlag erschienen. |