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Victor
Hugo (1802-1885)
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Am 26. Februar 1802
wird Victos Hugo im französischen Besancon geboren. Schon früh
entdeckt der Sohn eines hohen Offiziers seine Liebe zu Kunst und Literatur.
Die in jungen Jahren unternommenen Reisen in die südliche und besonders
in die maurische Welt prägen Hugo nachdrücklich. Sein gesamtes
künstlerisches Schaffen findet hier seinen Ursprung. Als Lyriker,
Dramatiker, Romancier aber auch als Graphiker gehört Victor Hugo zu
den bedeutendsten und populärsten Gestalten der französischen
Kultur des 19. Jahrhunderts. Mit seinem gewaltigen und vielseitigen Schaffen,
das der progressiven Romantik zum Durchbruch verhilft, und durch seine
streitbare Position, bestimmt er das geistige Leben seiner Zeit maßgeblich
mit.
Bereits 1818 gewinnt
er den 1. Preis beim Lyrikerwettbewerb "Jeux Floreaux" Mit dem Versdrama
in fünf Akten "Hernani ou L`Honneur Castillan", seinem ersten und
vielleicht wirkungsreichsten Bühnenwerk, gelingt ihm 1830 der literarische
Durchbruch. Mit dem 1832 entstandenen historischen Roman "Notre Dame de
Paris, 1482" setzt er weitere Maßstäbe. Wer kennt die traurig-schöne
Geschichte um die Zigeunerin Esmeralda und den Glöckner von Notre
Dame nicht ? Nun als Shakespeare des Romans bezeichnet, ist Hugo Wegbereiter
der der künstlerischen Neuorientierung Frankreichs : weg von der Klassik
hin zu den Idealen der Hochromantik und des Mittelalters.
Hugos
Begeisterung für Notre-Dame ist es zu verdanken, daß das gotische
Meisterwerk (1163-1345) im 19. Jh. vor dem Fall gerettet wurde. Er beklagte
bitter, daß die 'gewaltige Steinsymphonie' durch die wechselnden
Moden der Architektur und die Zerstörungswut der Revolutionen so verschandelt
worden war. Nach dem Erscheinen seines Romans um den buckligen Glöckner
und die schöne Esmeralda (1831) besann man sich des kostbaren Erbes
und begann mit der Restauration. Unter der Leitung von Viollet-le-Duc
wurde die Kathedrale vollständig restauriert. Die Arbeiten erstreckten
sich über 23 Jahre.
Die politischen Verhältnisse
in Frankreich veranlassen Victor Hugo seine anfänglich konservative
Haltung zugunsten eines humanistisch-liberalen Denkens aufzugeben. Nach
dem Tod seiner Tochter Leopoldine kritisiert der Dichter offen die Haltung
der Regierung Frankreichs. "Eine Gesellschaft, die das Elend, eine Religion,
die die Hölle, eine Humanität, die den Krieg zuläßt,
erscheinen mir als minderwertige Gesellschaft, Religion und Humanität."
- Auch wird er jetzt politisch aktiv tätig und hält flammende
Reden gegen die Todesstrafe und für die Pressefreiheit. Als entschiedener
Gegner des Julikönigtums muß Victor Hugo nach dem Staatsstreich
Louis Napoleons, dem Neffen von Napoleon I., der 1852 zu Napoleon III.
gekrönt wird, 1851 Frankreich verlassen. Eine kaiserliche Amnestie
lehnt er mit der Begründung ab, daß er von einem Kaiser, der
die Losung der französischen Revolution von 1789 Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit von allen öffentlichen Gebäuden hat entfernen
lassen, nicht begnadigt werden will. Die Zeit in der Verbannung auf den
Kanalinseln Jersey und Guernsey wird zur fruchtbarsten seiner Laufbahn.
Hier vollendet er 1862 "Les Miserables", das Meisterwerk, das seiner leidenschaftlichen
Kritik am sozialen Notstand im Frankreich seiner Zeit Ausdruck verleiht,
und in dessen Vorwort er bereits 1845 schrieb : "Eine Gesellschaft, die
sich nicht kritisieren lassen wollte, wäre wie ein Kranker, der es
ablehnte sich heilen zu lassen."
Am 4. September 1870
wird Frankreich zur Republik erklärt und Victor Hugo kehrt in seine
Heimat zurück. Erst jetzt erfährt sein Schaffen auch offizielle
Anerkennung. 1871 wird er Parlamentsabgeordneter, 1876 Senator. Seine Beisetzung
1885 gestaltet sich zu einem grandiosen Bekenntnis zu dem Humanisten Hugo,
dem Apostel des Friedens, der Freiheit und des Fortschritts. Der Aufbahrung
unter dem Arc de Triomphe folgt, unter dem Geleit von mehr als 2 Millionen
Menschen, die Beisetzung im Pantheon, dem Ehrentempel der bedeutenden Franzosen.
Hier ruht er neben Persönlichkeiten wie Voltaire, Jean-Jaques Rousseau
oder Emile Zola.
"Solange
Gesetze existieren, die Höllen schaffen inmitten der Zivilisation,
so lange wie Männer entwürdigt und Frauen ruiniert werden, so
lange wie Kinder Angst haben, so lange wie es Ignoranz, Armut und Elend
auf dieser Erde gibt, werden Bücher wie dieses nicht ohne Wert sein."
Victor
Hugo Hautville-House, 1. Januar 1862
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