Sainte-Chapelle
 

 
Etwas verborgen liegt im Hof des heutigen Justizpalastes eines der schönsten Bauwerke der Gotik - die Sainte-Chapelle. Das war nicht immer so - einst stand die Kapelle an zentraler Stelle des inzwischen verschwundenen Königspalastes, des Palais de la Cité. 
 
 
Paul von Limburg hat in seinen Miniaturen für die Tres Riches Heures du Duc de Berry das Palais und die Kapelle als Hintergrund für die Darstellung des Monat Juni gewählt - sie galt also im Mittelalter als eines der wichtigsten Bauwerke von Paris.
 
Der Monat Juni in den Stundenbüchern des Herzogs von Berry (1413-1416)

Im Hintergrund rechts die Sainte-Chapelle

 
 
Ludwig der Heilige ließ in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts diese Kapelle errichten, wahrscheinlich von dem Architekten Pierre des Montreuil. Sie sollte die Dornenkrone Christi aufnehmen, die Ludwig 1239 über Venedig vom Kaiser von Byzanz erworben hatte. Reliquien wurden meistens in reich verzierten Kästchen aufbewahrt, in Schreinen.
 
Reliquienschrein aus dem Schatz der Sainte Chapelle
 
Dieser Aufgabe entsprechend entstand nun in Paris nicht eine Kirche im herkömmlichen Sinne, sondern - wenn man so will - ein gigantischer Reliquienschrein. Eigentlich sind es zwei Kirchen - unten die niedrige, bescheidene Kapelle für den Gottesdienst der Schloßgemeinde, und oben die Kapelle des Königs, in der die Reliquien aufbewahrt werden.
 
Ein Reliquienschrein aus Stein
 
Besonders beeindruckend ist die gewaltige Höhe der Kapelle.

 
 
 
 
 
 
 
 
Sie wird ermöglicht durch eine Metallkonstruktion, die geschickt im oberen Teil verborgen ist und die die Pfeiler zusammenhält und vor Winddruck schützt.
 
 
Ludwig mit der von ihm gestifteten Kapelle

 
Die Unterkirche, die für die Bediensteten und sonstigen Bewohner des Hofes gedacht war, ist nur ca. 7 m hoch. Sie besteht aus einem überbreiten Mittelschiff und zwei sehr schmalen Seitenschiffen. Ein Hochwasser im 17. Jahrhundert hat starke Zerstörungen hinterlassen, so daß wir über ursprüngliche Ausmalung und die Fenster nichts wissen. Die heutige Dekoration stammt aus dem 19. Jahrhundert.
 
Heute gelangt man über eine enge Wendeltreppe von der Unterkirche in die Oberkirche. Ludwig der Heilige wird einen direkten Gang benutzt haben, der vom Palast zur Kapelle führte und durch das Westportal eingetreten sein. Hier steht der segnende Christus. Im Tympanon sitzt Christus als Weltenrichter, über ihm hält ein Engel die Dornenkrone als Hinweis auf die in der Kapelle bewahrte Reliquie. Das Relief auf dem Sturz zeigt die Auferstehung der Toten, während in der Mitte der Hl. Michael die Seelen der Menschen wiegt.
 
Dann betritt man das Innere der Kapelle, die dem Gottesdienst des Königs und seiner Familie vorbehalten war. Zunächst scheint es dunkel, aber dann erstrahlt die Kapelle langsam in einem warmen, farbigen Licht. 
 
Alle Wände sind aufgelöst und bestehen nur aus gemalten Glasfenstern. Alles leuchtet. Mit über 20 m ist die obere Kapelle fast dreimal so hoch wie die untere, und die schlanken Pfeiler und steilen Gewölbegrate lassen sie noch höher erscheinen. Das ist tatsächlich so, wie sich er mittelalterliche Mensch den Himmel vorgestellt haben wird. 
 
Die Fenster sind über 15 m hoch, ungefähr zwei Drittel von ihnen sind Originale aus der Zeit Ludwigs, während ein Drittel im 19. Jahrhunder kongenial ersetzt wurden. 
 
Das Programm der Fenster besteht aus zwei Teilen - in dem Teil der Kapelle, der den Laien vorbehalten war, wird die Geschichte der Hebräer bis zur Apokalypse erzählt, einschließlich der Translation der Reliquien durch Ludwig. Damit wird die französische Monarchie als Fortsetzung des biblischen Königtums dargestellt.

Der zweite Teil, dort, wo sich Klerus und König aufhielten, erzählt vom Leben Christi und von den Propheten. Alle Fenster enthalten Hinweise auf das Königtum und die Verehrung der Dornenkrone und des Wahren Kreuzes.

 
 
Die Rose in der Westwand der Kapelle ist im 15. Jahrhundert erneuert worden, von dem ursprünglichen Glas ist nur eine einzige Tafel erhalten, die heute in einem anderen Fenster sitzt. 

Das Thema der Fensterrose ist die Apokalypse - so, wie auch schon bei der ersten Rose des 13. Jahrhunderts.

 
 
Blick von der Spitze der Sainte-Chapelle auf die Kathedrale Notre Dame.
 
Nach so viel geballter Kultur schmeckt dem alten Mann auch sein Kaffee gut ...
 
 
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