Der Abschlußdamm und das Ijsselmeer
Seit jeher haben die Menschen mit Überschwemmungen zu kämpfen, vor allen Dingen in den heutigen Niederlanden, weil das Land größtenteils 6 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Schon in der Eiszeit wurde im Gebiet der Zuidersee, dem heutigen Ijsselmeer, durch natürliche Begebenheiten Land gewonnen und wieder überschwemmt, als der Meeresspiegel durch die Eisschmelze anstieg. Durch diese sogenannte Transgression entstand die Zuidersee, die mit der Nordsee verbunden war. 

Im 13.Jh. begann man sich nicht nur durch Deiche zu verteidigen, sondern sich auch durch Landgewinnung zu behelfen. Im 19.Jh. wurden erste Pläne zur teilweisen Trockenlegung der Zuidersee entworfen. Nachdem viele Vorschläge immer wieder verworfen wurden, wobei man unter anderem auch an die Trockenlegung der gesamten Zuidersee dachte, entwickelte C.Lely die erste Grundlage zur Durchführung des Zuiderseeprojekts. Er wollte nur die fruchtbaren Teile des Meeresbodens trockenlegen. Das dann verbleibende Ijsselmeer sollte so groß sein, wie es seine Speicherkapazität zuließ. Auch stellte Lely sich die Frage, ob ein Abschlußdeich angebracht sei, denn er brachte viele Vorteile: 

  • billiger
  • Verminderung derÜberschwemmungsgefahr
  • mehr Sicherheit bei  Wasserableitung
  • Entstehung eines Süßwasserbeckens, da Flüsse einmünden
  • kürzere Verbindung zwischen Nordholland und Friesland
Lely kam zu dem Schluß,daß ein Abschlußdeich notwendig sei. 
 
Das Denkmal für Lely am Abschlußdamm

Es dauerte allerdings 41 Jahre (1886-1927) bis man mit der Verwirklichung der Pläne beginnen konnte. Das kam dadurch, daß ständig die Regierungen wechselten und man die dann entstehende Fläche nicht wirklich benötigte. Zur letztendlichen Realisierung trug der 1. Weltkrieg bei, denn wegen Getreidemangels während und nach dem Krieg benötigte man neues Ackerland. Außerdem kam noch eine Überschwemmungskatastrophe im Jahre 1916 hinzu, die den Fortgang des Projektes beschleunigte. Man begann mit der Trockenlegung eines Versuchspolders, bei dem man sich über die bevorstehenden Probleme ins Klare kommen wollte. 

Zuerst wird ein Ringdeich, der das trockenzulegende Gebiet umschließt, gebaut. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch, wenn der Polder unter Wasser steht. Es wird ein System von Hauptkanälen gelegt, um den Polder trockenzupumpen. Wenn das geschehen ist, wird Schilf, meist mit dem Flugzeug, gesät. Das Schilf trägt dazu bei, daß der Boden trockener und fester wird, da es das überschüssige Bodenwasser aufnimmt. Nach einigen Jahren wird das Schilf geerntet oder verbrannt. Zuletzt wird ein Netz aus Drähnrohren verlegt. Drähnrohre bestehen aus Ton, bzw. manchmal aus Stein oder perforiertem Kunststoff und tragen dazu bei, daß der Boden vom übrigen Bodenwasser befreit wird. Allein mit dem im Nordostpolder verlegten Drähnnetz kann man die ganze Erde umspannen. Am Ende kann das neugewonnene Land bebaut ud besiedelt werden. 


Denkmal für die Erbauer des Abschlußdamms

Kultivierung und Besiedlung eines Polders

Es gibt insgesamt 4 Ijsselmeerpolder: 

  • Wieringermeerpolder ( 1930 )
  • Nordostpolder ( 1942 )
  • Ostflevoland ( 1957 )
  • Südflevoland ( 1968 )
Von den 4 Poldern ist der Wieringermeerpolder der älteste. Er wurde durch sechsmonatiges Pumpen trockengelegt. Es war das erste Mal, daß eine so große dem Meer abgewonnene Fläche kultiviert und besiedelt wurde. Man kannte zwar ähnliche Projekte und hatte sich auch schon über die Form des Polders, die Lage, Verkehrswege etc. Gedanken gemacht, aber man mußte natürlich trotzdem mit Problemen rechnen. Zum Bsp. hat man später festgestellt, daß die Dörfer zu dicht beieinander liegen, so daß sich die Versorgungsgebiete überschneiden. Jedes einzelne Dorf ist allerdings zu klein, um selbst die vollständige Versorgungsfunktion zu übernehmen. Es gab kein richtiges Zentrum und die Verbindungen für Randbewohner eines Dorfes zu einem anderen, waren oft sehr weit. Probleme dieser Form konnte man sich dann bei den anderen Projekten zu Nutze machen. 

Die Besiedlung des Polders folgte einem strengen Muster. Die Häuser wurden an beide Seiten eines Weges gebaut, in jeweils 1600 m Entfernung wurde ein Kanal verlegt, um die Kosten zur Entwässerung möglichst gering zu halten. So konnten Maschinen auch optimal eingesetzt werden. Um frei liegende Flächen wurden meist Bäume oder Sträucher gepflanzt, um den Wind zu brechen. Der Boden auf diesem Polder wurde hauptsächlich für den Ackerbau genutzt. Auf sandige Böden pflanzte man Wälder.

Mittlerweile ist das Ijsselmeer durch Einmündung von Flüssen ausgesüßt. Da das Grundwasser wegen seines Salzgehaltes (das salzige Nordseewasser sickert durch die Deiche) schlecht zur Bewässerung geeignet ist, wird das Ijsselmeerwasser sowohl als Trinkwasser, als auch zur Bewässerung genutzt. Man ist aber sehr von der Qualität des Wassers (Umweltbelastung) abhängig. 

Die Fischerei im Ijsselmeer ist durch die Polder und die Eindeichung stark beeinflußt worden und ging letztendlich ganz ein. Durch Staatshilfen sind junge Fischer umgeschult und die älteren pensioniert worden. 

Nach dem 1. Weltkrieg wurden die fruchtbaren, neuen Flächen des Wieringermeerpolders und des Nordostpolders größtenteils für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Die Situation hat sich aber geändert, heutzutage wird Getreide importiert und es werden nur noch Zuckerrüben, Kartoffeln und Winterweizen angebaut. Auch die industrielle Entwicklung hatte Folgen, die landwirtschaftl. Betriebe spezialisierten sich, um die Produktionskosten zu senken, und unterschieden sich so mehr und mehr voneinander. Die neueren Flevolandpolder werden als Ausweichmöglichkeit der Ballungsräume an der Westküste genutzt. Da sich der Bedarf an Erholungsgebieten und Urlaubsorten deutlich vermehrte, werden die Polder heute gerne zu diesen Zwecken genutzt. 

Die frühere Isolierung der Polder hebt sich langsam auf. Die Notwendigkeit weiterer Polder ist in Frage gestellt. 

Dieses Dokument stammt von Theresa Bräuning & Christiane Stapelfeldt, Klasse 10C 1997 - Städtisches Gymnasium Goch 

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