Volkstag in Auria 2 -- Die Hochzeit

Feurio in Auria oder Follower sind doch die besseren Waldlaeufer :-)

Geschwisterlicherseits bin ich mit diversen Nichten und Neffen "gesegnet". Eine dieser Nichten feierte am 24.3.96 Konfirmation - in einem Dorf nahe Tuebingen. Natuerlich musste ich zu diesem Ereignis meine alte Heimat aufsuchen. Im Fido-Netz hatte ich Wolfgang Wettach kennengelernt. Diesen koennte man als "Ober-Guru" der "Welt der Waben" bezeichnen. Die Fantasy-Welt Myra existiert einige Jahre weniger als Magira, hat aber ebenso eifrige Bewohner, die sich mit Rollen- und Strategiespiel in den verschiedensten Auspraegungen beschaeftigen. Unter anderem auch mit Live-Rollenspiel, das hier "ernsthafter" betrieben wird als in FOLLOW.

Nun begab es sich, dass am 23.3. in der Naehe von Tuebingen der 2. "Volkstag in Auria" begangen wurde, und mich Wolfgang dazu einlud. Schliesslich konnte ich mir so die Familienfeier etwas "versuessen"... Nachdem ich am Freitag-Abend bei meiner Mutter eingetroffen war, hoffte ich auf besseres Wetter. Am Samstag-Vormittag schuettete es jedoch in Wankheim aus Kuebeln. Mh, und der Con sollte doch im Freien stattfinden... In Bebenhausen schien es nach Wolfgangs Aussage nicht zu regnen - aber so ganz glaubte ich das nicht. Immerhin hatte er jedoch als Notquartier den Saal des Schlatter-Hauses in Tuebingen (Haus der ev. Studentengemeinde) angemietet. Zuerst musste ich noch etwas in Tuebingen erledigen, sodass ich die restliche Gewandung erst vor der Weiterfahrt auf dem Parkplatz anlegte. Obwohl lediglich "Gast", hatte Wolfgang mir nach einer witzigen Diskussion am Telefon (wer koennte sich mich schon als "Mutter" des Braeutigams vorstellen - prust!) die Rolle einer Waldlaeuferin verpasst.

Entsprechend gewandet suchte ich nach dem Eingang des Bebenhaeuser Klosters, das erstens Wolfgangs Heimstatt ist (keine Angst, er ist kein Moench - das mittelalterliche Kloster ist heute Touristenanziehungspunkt, und es sind nette Wohnungen darin vermietet) und zweitens Treffpunkt und LRP-Beginn war. Nach etwas Herumirren liess ich das Auto stehen, und fand hinter einer geheimnisvollen Tuere in der Mauer direkt das Wohnhaus. Natuerlich wurde ich neugierig beaeugt - kannte ich doch selbst Wolfgang nur aus dem Netz und durch ein Telefonat. Trotzdem war ich nicht ganz unbekannt: Patrick Scholz aus dem SF-Net war als Haendler/Kaufmann gekommen. Spaeter konnte ich auch noch Werner Arendt und dessen Freundin, deren Name ich leider immer wieder vergesse, begruessen. Followern faellt dazu spontan "Pegasus" ein. Grund dieses Treffens war uebrigens die (Rollenspiel-!)Hochzeit eines Ordenskriegers mit einer Abenteurerin. Zu diesem Fest waren nun verschiedene Personen aus Auria und anderen Laendern gekommen. Verwandte und Freunde, aber auch Gestalten, die dem Braeutigam oder Magister Foran (Wolfgang) nicht so wohl gesonnen waren. Das Wetter hatte sich inzwischen gebessert, und so standen wir vor dem Haus und unterhielten uns ueber dies und das.

Wir warteten auf den Braeutigam, der zwar als "Real-", aber nicht als "Myra-Person" anwesend war. Das lag daran, dass sein Gewand noch in irgendeinem Auto den Weg zum Con finden musste... Gegen 14.00 Uhr sollte die Hochzeit beginnen, aber es wurde immer spaeter. Inzwischen schien die Sonne! Wir besichtigten das Kloster, begannen die mitgebrachten Fressalien und Getraenke zu verkoestigen und warteten. Zwischendurch musste ich mein Auto noch einmal nach Tuebingen scheuchen. Das Deko-Team schmueckte naemlich den Saal; wir hatten jedoch beschlossen die Feier wie geplant im Wald stattfinden zu lassen. Also mussten wir den ganzen Kram wieder abbauen und in den Wald fahren. Nauerlich sah es zu dieser Zeit schon wieder so aus, als ob es regnen wuerde...

Schliesslich machten sich die "Klosterbrueder" (und -schwestern) auf in den Wald - der Braeutigam wuerde schon noch eintrudeln. Da ich mich mit Rana sofort gut verstanden hatte, machten wir dem Magister den Vorschlag, dass doch sie und ich heiraten koennten - merkuerdigerweise wollte er davon jedoch nichts wissen...Das Deko-Team hatte inzwischen den Platz um die Feuerstelle geschmueckt. Nachdem wir den anstrengenden Fussmarsch hinter uns gebracht hatten (es war staendig bergauf gegangen), konnten wir es uns gemuetlich machen. Ein Maedchen versuchte, mit feuchtem Reisig und viel Muehe so etwas wie ein Feuer zu entfachen. Irgendwann konnte ich das Elend nicht mehr sehen, und uebernahm deren Stelle. Auch ich hatte Muehe, das feuchte Wald- und das "zu gute" mitgebrachte Moebelholz (!) zum Brennen zu bringen, aber es gelang mir. "Ist ja klar, eine Waldlaeuferin muss das doch koennen.", war der Kommentar eines anwesenden Soeldners. Tja, und so hatte ich mich als "myranischer Feuerteufel" etabliert. Tatsaechlich war ich auch den ganzen Abend fuer das Feuer zustaendig: Zuerst ein reines "Gemuetlichkeitsfeuer", dann ein Grill-Feuer und schliesslich ein "Waerm-Feuer". Jedenfalls vertilgten wir den ersten Kuchen und tranken frischen italienischen Wein und Met. Ich ja nun leider etwas weniger als andere, da mich ja des naechtens noch mein Auto "nach hause" tragen musste. Nun, irgendwann traf der gewandete Braeutigam ein - Rana und ich guckten uns bedauernd an...Aber an Hochzeit war nicht zu denken, denn der Priester fehlte noch! Elrathon, der Priester der Dreieinigkeit, sollte ja Wulfrigh und Rana trauen - hatte aber aus Koeln ein Stueck zu fahren und war immer noch nicht eingetroffen. Schliesslich entschloss sich Magister Foran, eine "Not-Trauung" vorzunehmen. Da niemand "Nein" sagte oder Einwaende hatte, waren die beiden schnell verheiratet. Und so konnte es endlich ans Essen gehen. Auf einem Gaskocher brodelte ein leckerer Eintopf vor sich hin, fast fuer jeden lag ein ganzes Fladenbrot bereit, und zum Grillen gab es die unterschiedlichsten Dinge. Fuer die Teilnehmer gab es naemlich eine kleine "Regel": Jede/r bringe etwas mehr mit, als er/sie selbst essen will. Und so gab es eine schoene Auswahl leckerer Dinge. Langsam wurde es dunkel, und irgendwann verschwanden diverse Leute im finst'ren Tann, um sich ihre Polsterwaffen auf Koepfe oder aehnliches zu hauen. Das einzige, was ich davon mitbekam, war ab und zu ein Schrei und Wolfsgeheul (an dem ich auch nicht ganz unschuldig war... huestel).

Und - welch Wunder - dann kam er doch: der Priester! Wahrlich eine imposante Erscheinung: hochgewachsen, langes dichtes graues Haar (nein, Holzi war's nicht!) und in ein tolles Gewand gehuellt. Und Bruder Bruce hatte er auch noch mitgebracht. Also wurde jetzt "ordentlich" geheiratet. Und nun wirkte die Zeremonie viel schoener und stimmungsvoller, denn nun beleuchteten lediglich Fackeln die Szene.Dann stellte man sich wieder um's Feuer und genoss den schoenen Abend. Irgendwann "schwaechelte" ich etwas, und so sammelte ich meine "Not-Kiste" zusammen (eine Klappkiste voller Gewandungsteile fuer "Gewandungslose"). Zum Glueck hatte ich angeboten, Werners Freundin nach Kirchentellinsfurt mitzunehmen, da dies fuer mich kaum Umweg bedeutete. Es war naemlich zappenduster und diesig, als wir uns den Weg durch den Wald suchen mussten. Die Kiste UND eine Fackel haette ich gar nicht allein tragen koennen. Schon ein komisches Gefuehl, einen steinigen Pfad bergab zu zu gehen, kaum was zu sehen, und ausserdem vollkommen auf den Orientierungssinn angewiesen zu sein. Zum Glueck habe ich einen sehr guten solchen, sodass wir den Weg zurueck zuegig fanden - obwohl; bei einer Kreuzung war ich mir gar nicht so sicher. Man stelle sich vor, sich des naechstens im Wald zu verirren...

Nun, gegen 23.00 Uhr kam ich verdreckt und nach Rauch stinkend bei meiner Mutter an - die mich sofort unter die Dusche schickte. Tja, so sind sie halt, die Muetters... Das Wetter hat uebrigens gehalten! Ja, und das war nun mein erster Myra-Con. Ich habe viele nette Leute kennengelernt und hatte viel Spass. Interessant fand ich, dass sich die Myraner wohl mehr mit ihrem Fantasy-Charakter beschaeftigen, als ich es von Follow kenne. Vor allem versuchen sie, den Charakter beim Con auch wirklich zu "leben". So fuehrte eine Schriftgelehrte mit mir als Waldlaeuferin ein Gespraech ueber das Leben draussen und die Wahrnehmungen, die den Stadtmenschen verlorengehen, indem sie sich nicht mehr in der Natur bewegen und mit und in ihr leben. Auch gewandungsmaessig stehen die Myraner den Followern kaum (noch) nach. WWW-Brettspieler haben oft kein Gewand, koennen sich aber bei Cons mit geliehenen Sachen behelfen. Was mir nicht so gefaellt, sind die Polsterwaffen. Da sich die Leute aber im Live-Rollenspiel auch mal "kloppen" wollen, muss das eben ungefaehrlich moeglich sein. Rana und Wulfrigh haben uebrigens nach ihrer Hochzeit beschlossen, ihr Geld zusammenzulegen und eine eigene Soeldnertruppe aufzubauen. Ob ich sie wohl beide noch einmal "lebend" wiedersehe?

Diese Geschichte wured mir erzählt von: Andrea Schaefer / Alena

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