GildenCon Burg Rieneck
vom 8.-10.August 1997
Veranstalter: H. Luzinde Hahne, Jens Bauer, Peter Kamp, Hardy Stegen, Azad
Chaushli
Kosten: DM 130,- incl. Vollverpflegung
Die Burg Rieneck im Spessart ist eine traumhafte Live- Kulisse. Es gibt nur
wenige Probleme:
- kaum Umland das bespielbar waere.
- kein offenes Feuer in der Burg moeglich.
- extrem hohe Tuerme, die ziemlich in die Fuesse gehen ;-)
Ansonsten ist die Burg ausgesprochen schoen, super bespielbar und erhaelt
von mir das Praedikat:
"ausgesprochen Live- tauglich".
Der Con hatte schon in der Einladung den Anspruch mehr ein AmbienteCon mit
vielen Darstellern und einem kleinen Mittelaltermarkt als ein AbenteuerCon
zu sein. Ausserdem hatte der Con eine aussergewoehnliche Storyline: Die
Gruendung einer Freien Stadt, die Gruendung von fuenf Gilden und die Wahl
des Stadtvogtes.
Die Unterbringung in der Burg war hervorragend. Es gibt viele
zwei-Bett-Zimmer mit Waschgelegenheit und Dusche im Flur. Es gibt einen
grossen Speisesaal, mehrere Versammlungsraeume, eine Kapelle, eine Gruft
(Gasthaus), eine Mini- Arena (Grillplatz), einen Turm mit
Versammlungsmoeglichkeit von ca. 30 (!) Charakteren pro Etage und sogar
Zeltmoeglichkeiten.
Die Organisation (Einladung, Anmeldung, Check-In, Spielleitung,
Zeitplanung) entsprach dem ueblichen Standard, was sich also noch deutlich
steigern laesst. Speziell beim Check-In und der Charakter- Konvertierung in
das eigene(?) Regelwerk waere viel mehr moeglich gewesen. Das
Waehrungsproblem wurde mit franzoesischen Centime geloest.
Die Verpflegung war einfach, aber ausreichend. Tee war zu fast jeder Zeit
vorhanden, Bier und Saft konnte fast immer gekauft werden. Das Festmahl war
sehr gut und ausreichend.
Der Markt wurde sowohl von Charakteren, als auch von professionellen
Haendlern bestellt. Es gab magische Ingredienzen, die auch fuer den Plot
notwendig waren, einen Filzer, einen Lederer, Met, Schmuck, einen
Papierschoepfer, einen tikonianischen Alleshaendler, und einen Holz-
Amulett- Macher und Silberschmied.
Die Veranstaltungen und Darbietungen waren zum Teil von ganz
ausgesprochener Qualitaet. Viele Barden, vom "einfachen" und unterhaltsamen
Barden mit der Gitarre und seiner Stimme, bis zum Multitalent mit
Dudelsack. Von der einfachen Holzfloete bis zur teuren Querfloete, von der
Triangel bis zum Harfenduett, war alles vertreten.
Die Gaukler lieferten sich einen faszinierenden Prahl- Wettbewerb, den der
Baron Roland von Muenchhausen sicher verloren haette. Eine Schauspieltruppe
spielte nicht nur ein, nein mehr als fuenf Maerchen in einem Stueck. Die
Kroenung waren am abendlichen Lagerfeuer die frei improvisierten und
hoechstens kurz einstudierten Vortraege: Gedichte, Gesaenge, Akrobatik,
Geschichten und vor allem eine Menge Spass fuer alle Anwesenden. (eine
kleine Kritik am Rande: bei diesem Fest wurden oft Ausfluechte in die
Realitaet gemacht (z. B.: Telefon), was es den Spielern unmoeglich machte
in der Rolle zu bleiben.)
Die Storyline sah, wie bereits erwaehnt, vor, dass sich fuenf Gilden
gruenden um je einen Vorsitzenden zu waehlen, der dann den Stadtrat
besetzt. Dazu mussten in Eile Sitzungen einberufen werden und ueber die
Ziele der Gilden debattiert werden. Trotz des engen Zeitrahmens schafften
es alle Gilden und es wurde sogar eine weitere Gilde (die der Frauen - wir
sind ja im Fantasy) gegruendet. Der Vogt wurde gewaehlt (ein Vorschlag aus
der Narrengilde: der Wirt wurde angenommen - alleine die Tatsache, dass der
Vorschlag von der Narrengilde kam, haette viele stutzig machen sollen).
Der Plot war dagegen erwartungsgemaess klein. Eine arme und haessliche Magd
war vor mehr als zwei Jahren vom ansaessigen Grafen von Rieneck an einen
Zauberkundigen verkauft worden, welcher dann damit ein Ritual zur Erweckung
der Pest bei den rebellierenden Bauern erzeugte. Der Graf hatte damals
trotzdem gegen die Bauern sein Hab und Gut und sein Leben verloren. Die
Seele des Opfers konnte keine Ruhe finden und verblieb in der Burg.
Um eine freie Stadt zu gruenden musste der Geist befreit werden. Also
versuchte man den Geist zu befragen, wie er denn zu vertreiben waere. Dies
hatte der boese Zauberkundige wohl vorausgesehen und unterbunden. Das
einzige Schriftstueck, das den damaligen Bauernaufstand ueberlebt hatte war
ausgerechnet eine Beschreibung eines Rituals zur UEbernahme eines Geistes
in einen fremden Koerper. Also nutzte man dieses Wissen und ein Medium nahm
den Geist in sich auf. Der Geist gab dabei vor ein Mitglied der
koeniglichen Familie gewesen zu sein und nur durch ihr Wissen befreit
werden zu koennen. Damit es dieses Wissen an die Stadt weitergeben wuerde,
wolle es einmal nach dem Leben ein Fest um seines Willen erleben und einen
Tanz mit einem Juengling, der sie begehre. Beim Ritual muss dann etwas
falsch gelaufen sein und der Geist verblieb im Koerper des Mediums ohne
dass jemand davon Kenntnis hatte. (Meiner Ansicht nach war der Hintergrund
nicht sauber durchdacht) Am Abend fand dann das Fest zur Feier des neuen
Vogtes statt und dabei trat der Geist in dem Medium zum Vorschein. Es war
kein Juengling aufzutreiben, der Tanzen wollte und konnte und da die Kraft
des Geistes beschraenkt war, gab es den Koerper auf. Wobei es dann die
ganze Wahrheit erzaehlte und sich fuer das Fest bedankte.
Waehrend des ganzen Plots hatten nur ca. 20 Menschen an den Geschehnissen
teil und nur 12 an der Aufloesung, obwohl vom Platz und der Zeit einiges
mehr moeglich gewesen waere, ausserdem gab es so typische gedankenlose
Ereignisse wie: kurz vor dem Ritual sagte eine der teilnehmenden
Magierinnen: " So nun verlassen alle nicht am Ritual beteiligten diese
Turmebene und gehen eine Etage tiefer" Dadurch haetten diese das Ritual
nicht gesehen. Ein wenig mehr an Planung (Zeitplanung,
Informationsverteilung, Geduld und die beruehmte roten Leuchtreklame "Da
geht's zum Plot") waere von Noeten gewesen.
Trotz einzelner weniger Kritikpunkte war dies einer der schoensten Cons die
ich je erlebt habe und meine Frau meinte am Sonntag abend als ich heim kam:
"Du bist aber entspannt und erholt wie noch nie nach einem Con".
Ich werde naechstes Jahr sehen, ob die Freie Stadt blueht und gedeiht und
dort meinen Kurzurlaub auf der Burg Rieneck verbringen.
Tino Deyhle
Chioto der Schriftkundige,
Mitglied bei der Gilde der Weisen in Rieneck

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