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Vorwort
Erstaunlich für mich! Ich schreibe mal etwas im Serienuniversum.
Allerdings habe ich etwas abgeändert. Bitte nicht ärgern. Obwohl!
*Hihihi* Warum eigentlich nicht! Ich piesacke euch gerne! Aber trotzdem
euch viel Freude beim Lesen.
„Michiru-chan! Hey! MICHIRU!!!“ Ich lehnte am Fenster meines Zimmers
und sah in den tiefschwarzen Himmel. Ich hörte erst jetzt den Ruf
meiner Mutter und sah überrascht hoch. „Mama? Was machst du hier?
Es ist doch erst...“ Ich sah hastig zu meinem Wecker „5 Uhr morgens!“ Meine
Mutter sah mich mit ihren durchdringenden blauen Augen an. Es war als sähe
ich in einen Spiegel. Nur ihre Haut war dunkler als meine, aber gut, jeder
hatte dunklere Haut als ich. „Michi-chan!“ Sagte sie drohend. „Du hast
doch nicht unseren Ausflug vergessen, oder?“ Sie kam mit einem ich-sags-dir-immer-wieder
Kopfschütteln auf mich zu und setzte sich zu mir auf das Bett. „Achte
mehr auf das was Mitmenschen sagen. Du bist immer so weltfremd, so... verträumt.“
Ich warf mit einer eitlen Geste meine türkisen Haare nach hinten und
sah meine Mutter unschuldig an. „Ich mach es ab sofort mehr, Mama!“ Sie
lächelte zufrieden und stand auf. „Sehr gut mein Schatz! Zieh dir
bitte das blaue Rüschenkleid an, was ich dir gekauft habe und komm
runter.“ Mit den geübten Schritten eines Models stöckelte sie
auf den weißen Poems hinaus.
Ach, wie leichtgläubig sie doch ist. Wieso sollte ich auf jemanden
achten? Ich habe Freunde, bin reich, glücklich, gut in der Schule...
Was will ich mehr?
Mit einem bösen Lächeln auf den Lippen stand ich auf und
verschwand ins Badezimmer. Ach ja, meine Eltern waren schon immer so gewesen,
dachten ich wäre das liebste Mädchen der Welt und übersahen
dabei mich. Aber mir machte das nichts aus. Sie waren ja eh nie zu Hause.
Mein Vater, ein reicher Abgeordnete, absolut unnahbar und hochmütig.
Darin ähnelte ich ihm sehr. Seine Haare waren schwarz wie die Federn
eines Rabens und seine Augen stolz wie die eines Löwens. Immer aufmerksam,
immer mutig, immer undurchsichtig, aber nie für mich da. Nie ein wirklicher
Vater, doch in den Augenblicken, wenn er lange zu Hause war oder mit uns
feierte, liebte er mich über alles und diese vereinzelten Augenblicke
waren mein wertvollster Schatz. Meine Mutter, ein wunderschönes Model
mit einem Körper bei dem den Männern heiß wurde. Ihr Art
sich zu bewegen war galant und auf eine gewisse Weise brilliant. Leichter
Schritt, entschlossene Haltung. Allerdings ruinierten ihre zu hohe Stirn
das Aussehen etwas. Ihre Haare fielen wie die Zweige einer Trauerweide
auf ihren Rücken. Sie waren strähnig und blau wie der Himmel
nur in den Abendstunden. Eben so wie gerade in diesem Moment draußen.
Ihr Verhalten war leicht zusammenzufassen. Sie hatte keines. Sie war dumm
wie eine Puppe. Für alles zu haben, befolgte immer was mein Vater
sagte. Ein abschreckendes Beispiel dafür, wie ich nicht werden wollte.
Ich, von Natur aus neugierig und strebsam, wollte immer mehr wissen, mehr
sammeln, mehr haben, als jeder andere. Wissen ist Macht, sagte mein Vater
einmal und er ist sehr mächtig, doch, obwohl ich erst 13 bin, ist
er gar nichts. Ich weiß, ich weiß, ich bin eingebildet, aber
das mit Freude.
Nach dem Zähneputzen glitt ich aus dem zart rosa Seidenkleid und
legte es zusammen mit meiner abgetragenen Unterwäsche auf das Bett.
Die Putzfrauen konnten es dann später gleich waschen. Mit meinen Fingern
streifte ich über die Spiegelwände meines Schrankes in dem ich
meinen Körper sah.
Immer noch zu dick...
Kritisch drehte ich mich vor dem Spiegel. Mein Bauch erschien mir viel
zu dick. Nun hatte ich 10 Kilo abgenommen und war vor kurzem sogar Machtsüchtig
gewesen, doch wieso mußte dieses kleine miese Speckrölchen immer
noch unter meinem Bauchnabel hängen? Zornig zupfte ich daran herum.
Bis ich es seufzend losließ und den Schrank mit einem kräftigen
Ruck öffnete. Erst mal die Unterwäsche, dann das blaue teuere
Spitzenkleid in dem ich wie eine Puppe wirkte und dazu die Woll Strumpfhose.
Es war halt immer noch sehr kalt im März. Gestern war mein Geburtstag
gewesen und die Geschenke waren so viele gewesen, dass ich sie erst Stunden
später alle weggeräumt hatte.
Ach es ist toll reich zu sein!
Ich drehte mich vor dem Spiegel und kam mir wie ein Magical Girl aus
den Trickfilmserien vor, da der weite Rock, der mir bis zu den Knien reichte,
so aufgeplustert war wie ein gerösteter Marschmellow und die Puffärmel
so rund wie zwei Kugeln waren. Ich seufzte, da es mir nicht so ganz gefiel,
was weit untertrieben war, aber gut, taten wir meiner Mutter mal diesen
Gefallen. Fröhlich schnappte ich mir meine weiße Plüschtasche
und rannte munter die Treppe hinunter.
„Da bist du ja endlich mein Schatz!“ „Meine Güte! Wie lange brauchst
du nur immer?“ Meckerten meine Eltern. „Ach kommt schon, auf die paar Minuten
kommt es nun auch nicht mehr an.“ Behaglich stiegen wir in die braune Korvette
und fuhren los. Meine Mutter schaltete das Radio an und sang lautstark
mit. Obwohl ihre Stimme ständig brach, war mir das lieber als mich
mit ihr zu unterhalten. Vater sah auf die Straße und beachtete keine
von uns beiden.
Stille! Wie ich sie liebe!
Glücklich ließ ich mich zurücksinken und nahm mir ein
Roschee aus der Schüssel in der Armlehne. Nach 15 Minuten wurde mir
langweilig und ich sah nach draußen. Lange Zeit beobachtete ich draußen
wie die Sonne aufging und die Wolken vorbei zogen. Plötzlich traf
mir ein Sonnenstrahl ins Auge und alles um mich rum wurde schwarz.
Als ich mir die Augen rieb und nach oben sah, war der Himmel blutrot
gefärbt und ich konnte keine Sonne sehen. Ich saß auch nicht
mehr im Auto, sondern stand auf einer Straße. Ich drehte mich blitzschnell
um und sah einen riesigen schwarzen Wirbelsturm auf mich zukommen. Menschen
standen da, doch halt, sie bewegten sich nicht. Es waren Staturen die vom
unbarmherzigen Sturm zertrümmert wurden. Ich sah meine Eltern zwischen
ihnen. Gerade als sie drohten zu zerbrechen, sah ich weg. Schloß
die Augen. Rannte. Rannte. Rannte als seinen alle Dämone der Welt
hinter mir her. Bis ich das Geräusch von Wellen hörte. Ich stolperte
und öffnete meine Augen. Ich schien an einem Strand zu sein und alles
war normal. Die Sonne schien warm, die Wolken zogen ihre Bahnen und vor
mir breite sich majestätisch das Meer aus. Freudestrahlend sah ich
zur Sonne hoch und lächelte. Dann. Plötzlich. Die Wolken verbanden
sich zu einer und ließen nicht einen Lichtstrahl durch. „NEIN!“ Schrie
ich, als ich am Horizont den Wirbelsturm wieder entdeckte. Ich sah mich
erschrocken um, herum standen zerfallende Hochhäuser. „Der Sturm kommt
wieder!“ Hörte ich eine rauhe tiefe Stimme. Sie erklang mit dem Wind
der mir um die Ohren wehte. „Er wird immer wieder kommen, solange ihn niemand
auffällt.“ Ich sah mich verzweifelt um. „Wer ist da?“ Der Wind blies
wieder um meine Ohren und ich hörte eher das Rauschen als eine Stimme.
„Wer da ist? Der Wind vielleicht! Vielleicht auch deine Partnerin!“ Die
Wellen wurden immer höher vor mir und ich ging ängstlich ein
paar Schritte zurück. „Was will dieser Sturm?“ „Das ist kein Sturm.
Das ist die Stille! Sie wird alles vernichten. Alles auslöschen was
je auf Erden gewesen ist.“ Die Wellen schwappten höher und höher,
als versuchten sie nach meinen Füßen zu greifen. „Du sprichst
in Rätseln! Egal... Egal wer du bist! Hilf mir bitte!“ Ich wartete
auf die Antwort, als sich plötzlich vor mir eine riesige Flutwelle
aufbaute, die wie eine Wand vor mir stand. „HILF MIR!!!!!“ Ich drehte mich
um und rannte wie wild los. „Hilf mir! BIIIITTTTTTTTEEEEEEE!!!!“ Wieder
war dieser Wind um mich, doch er war tröstend und stieß mir
in den Rücken. Ich schloß die Augen und spürte einen Arm
um meine Hüfte, der mich vorwärts zog und schneller rennen ließ.
Für einen Moment spürte ich etwas warmes in meinem Herzen. Es
war ein unbeschreibliches Gefühl. Obwohl ich in höchster Gefahr
war, fühlte ich mich sicher, doch dann verschwand alles. Der Arm,
das Gefühl und die Geräusche des Sturmes, oder war das Gefühl
eines Armes nur der Wind gewesen? Ich sah um mich. Jetzt war alles schwarz.
Kein Licht. Kein Blut. Kein Geräusch. Oder... doch... etwas platschte.
Wie ein Regentropfen in einer Pfütze. Ich sah nach unten. Da war wirklich
eine Pfütze. Ich sah darin mein Spiegelbild, doch in seltsamen Sachen.
Wie die Schuluniform, von der Schule meiner Freundin in Tokio!
Schoß mir durch den Kopf, doch schon bemerkte ich etwas neues,
unglaubliches. Die Pfütze war aus Blut. Rotes frisches Blut. Erschrocken
wich ich zurück und wurde von einem Lichtstrahl von oben getroffen.
Hoffentlich wache ich wieder auf!
Dachte ich verzweifelt, denn mein Kopf war so belastet, das er zu zerspringen
drohte. Vor dem Licht einer roten Sonne, auf einem Berg stand eine Frau,
in ihrer Hand eine Sense. Sie lachte dämonisch und am Fuß des
Berges. Sah ich jemanden liegen. Jemand in dem selbem eigenartigen Kostüm
wie ich. Doch die Haare waren blond und kurz und der Körper kräftig
und groß. Die Kriegerin bewegte sich nicht. Lag einfach still da.
Eine Blutsträhne lief zwischen ihren Augen hinab. Sie blutete am Bein,
am Kopf, an der Brust und am Arm. Für einen Moment sah ich ihre Augen.
Sie öffnete sie und ein paar wilde grüne ungebändigte Augen
sahen mich an. Sie bewegte die Lippen und wisperte nach einigen Anstrengungen
mit einem Lächeln auf den Lippen. „Michiru!“ Als ich zu ihr rennen
wollte. Wurden ihre Augen dunkel vor Zorn. „BLEIBE WEG! Vernichte... Vernichte
sie.... Verhindere die Stille.... für.... mich...“ Ihre Stimme war
immer leiser geworden und mein Herz stockte als ihr Kopf leblos zur Erde
sank. Es war die Stimme des Windes von vorhin. Es war alles so real. So
verflucht real. Hilflos sah ich hoch und sah fast schon dankbar auf die
Sense die auf mich zu Raste.
„Schätzchen! Michiru! Wach auf!“ Entsetzt sprang ich auf und stieß
mir den Kopf an der Decke des Autos. Meine Mutter sah mich mit ihren Augen
fröhlich lächelnd an und streckte mir ihre zarte Hand entgegen.
„Ja, ich komme!“ Langsam krabbelte ich aus dem Auto, aber mein Herz klopfte
immer noch wie verrückt.
Ich muß sie suchen. Diese Verkörperung des Windes.
Wie durch ein Wunder fiel mir ein Name ein: Uranus!
Mit ihr zusammen muß ich die Stille verhindern. Aber... was ist
das? Oh man, was denke ich hier für einen Unsinn. Ich habe gestern
nur zu Lange Fernsehen geguckt. Das wird es sein.
Allmählich beruhigte sich mein Gemütszustand. Allmählich
atmete ich normaler. Allmählich nahm die Angst ab. Ich atmete tief
ein und sah zum Himmel hinauf. Es war inzwischen ein herrlicher Tag. Der
Himmel war so schön blau, wie nur er sein konnte. Vor der Sonne war
keine einzigste Wolke, was mich sehr beruhigte, und ein paar Möwen
kreisten über mir. Es war nicht diese schreckliche Stille aus meinem
Traum. „Ich glaube, ich werde nie wieder mich über eine Stille freuen.
Das war ja...“ Meine Mutter tippte mir plötzlich auf die Schulte.
„Hast du was gesagt, Schätzchen?“ Ich schüttelte zufrieden den
Kopf. „Nein ich habe nur geträumt.“
Ja, nur geträumt...
„Na dann komm...“ Sie deutete auf das Picknick was die beiden eben
aufgebaut hatten. Die blau weiße Strickdecke lag ordentlich auf dem
frischen Gras. Etwas weiter hinter der Decke stand das Auto in einem Parkplatz
einer Gaststätte. Aber was auf der Decke war interessierte mich viel
mehr. Dort standen so leckere Sachen, dass ich meine Diät gleich wieder
vergaß. Schnell setze ich mich zu ihnen und grinste sie breit an.
„Du siehst so fröhlich aus, Michi! Was ist?“ Fragte mein Vater und
drückte mir ein Teller mit grünem Salat in die Hand. „Ich freue
mich nur, dass wir nun doch picknicken gehen.“ Meine Mutter klatschte kindlich
in die Hände. „Da wir gestern ja beide beschäftigt waren, dachten
wir, wir verschieben es auf heute.“ Beschwingt schnappte ich mir eine Gabel
und begann herzhaft zu essen. Als allerdings ein Windhauch mir um die Ohren
blies, ließ ich vor Schreck die Gabel fallen. Gott sei dank hatte
meine Eltern es nicht bemerkt.
Das restliche Essen verlief wunderbar. Ich hatte mich noch nie so gut
mit meinen Eltern verstanden wie heute. „Komm! Geh schon mal mit dem Zeug
ins Auto. Wir kommen gleich!“ „Klar Papa!“ Ich küßte ihm auf
die Wange, was ich sehr lange nicht getan hatte und rannte zum Auto. „Blödes
Ding!“ Schimpfte ich, weil der Kofferraum nicht aufgehen wollte. „Tja,
stelle ich den Korb eben neben mich.“ Ich krabbelte ins Auto und versuchte
den Korb festzumachen. Allerdings klappte rein gar nichts was ich versuchte.
Schließlich schloß ich die Tür und kniete mich hinter
den Fahrsitz um den Kasten unter den anderen sitz zu schieben. Ich versuchte
es eine ganze Weile. Bis ich plötzlich meine Mutter schreien hörte.
Es war ein schriller Todesschrei und auch gleich wieder verstummt. Ich
wollte aufstehen, doch das Kleid hatte sich im Hebel des Sitzes verfangen
und als ich daran rum zog, fiel der Sitz auf mich. „Laß meine Frau
in Ruhe! Hier bin ich! Komm schon!“ Neugierig luckte ich aus dem Fenster,
was wirklich anstrengend war, denn der Sitz war verdammt schwer. Ein riesiges
grünes Monster mit nur einem Arm stand vor meinem Vater. Der andere
Arm war ein Messer an dem... meine Mutter hing. Blut überlaufen fiel
sie auf den Rasen. Um sie herum bildete sich eine Blutlache. Mein Vater
stürzte sich plötzlich auf das Monster und mit einer Bewegung
des Armes des Monsters lag sein Kopf auf dem Rasen. Mein Herz stockte.
Meine Kehle war wie zugeschnürt. Mein Schrei verlor sich ehe er aus
dem Mund kam. Der Dämon sah sich um, als suche er etwas. Dann rannte
er zum Auto und sah hinein. Es grinste breit, als es mich an den Haaren
hoch zog und auf den Rasen schmiß. Ich weinte als er sich über
mich beugte und sein Messerarm hob. Plötzlich leuchtete vor mir ein
Stab auf, den ich schnell ergriff. Ich hielt ihn mit beiden Händen
und als der Dämons Arm auf den Stab prallte wurde er zurück geschleudert.
Schnell stand ich auf und ich hatte nur einen Wunsch. Rache! Ich wollte
meine Eltern rächen und dachte nicht daran wegzulaufen. Ich hatte
Angst. Natürlich, wer hätte das nicht, doch in meinem Herzen
gab es jetzt keinen Platz dafür. Ich hielt den Stab fest in der rechten
Hand und plötzlich übernahm etwas, was ich nicht kannte über
mich die Kontrolle. „Macht des Neptun! WACH AUF!!“ Durch das Wasser um
mich herum fühlte ich mich wie neu geboren und doch gleichzeitig wie
sterbend. Als ich die Augen öffnete trug ich die Uniform aus meinem
Traum. Ohne lange Reden zu schwingen, hob ich meine Hand und rief eine
Macht an, die ich noch nie zuvor gefühlt hatte, doch die nun durch
meinen ganzen Körper floß. „Neptun!“ Ein Ball bildete sich in
meiner Hand. Ich wußte es obwohl ich nicht hinsah. „FLIEG!“ Der Dämon
zuckte zusammen und als ihn meine Waffe traf. Verschwand er. Ich drehte
mich um und trottete zu meinen toten Eltern. Wie versteinert stand ich
da, doch dann verließ mich die Kraft durch die ich zuvor den Dämon
getötet hatte und sackte vor ihnen, wieder unverwandelt, auf die Knie.
Tränen stiegen in meine Augen, quollen über mein Gesicht. Sie
waren tot. Mein normales Leben war tot. Ich verstand gar nichts mehr. Das
vorhin eh nicht, aber mein Gefühl jetzt nicht. Alles war plötzlich
anders. Es war, als hätte ich davor eine rosa Brille gesehen durch
die alles so war wie ich es haben wollte und sie jetzt weg wäre. Selbst
die Sonne schien härter zu strahlen und mich zu verbrennen. Die Möwen
zirpten nicht mehr sondern kreischten und kämpften. Das Geräusch
des Meeres war kein leichtes Plätschern, sondern ein hartes Vertreiben
der einen Welle durch die Gischt. Mein Leben war für immer verändert
und alle Probleme die ich bisher hatte, wegen denen ich früher geweint
hatte, schienen so weit weg zu liegen wie der Geist meiner Eltern von mir.
Michiru war gestorben. Ein neues Ich war geboren, doch ich wollte es gar
nicht kennenlernen. Ich wollte nur... in mein altes Leben zurück,
jetzt 30 Minuten in die Vergangenheit reißen, mich dazu auffordern
wegzufahren und dann normal weiter zu leben. Mein Herz schien für
nie wieder etwas anderes empfinden zu können, als Trauer und Wut.
Mein Traum Geigenspielerin oder Künstlerin zu werden wurde vertrieben
durch nur den einen Wunsch:
Jeden Dämon auszulöschen der es wagte auf Erden zu weilen.
Plötzlich standen viele Leute aus dem Gasthof neben mir und redeten
auf mich ein, doch ich hörte sie nicht. Ich sah sie auch nicht richtig
und schließlich wurde ich ohnmächtig.
„Was ist passiert?“ Fragte eine tiefe Männerstimme neben mir. „Ich weiß es nicht! Als ich nach draußen rannte lagen die beiden tot da und das Mädchen saß ohne jegliche Bewegung neben ihnen.“ Antwortet eine Frauenstimme. „Wie geht es der armen kleinen?“ Fragte eine dritte unbekannte Stimme. „Wie soll es ihr schon gehen. Sie steht schwer unter Schock. Es muß die Hölle gewesen sein. Oh, ich glaube sie ist aufgewacht!“ Der Mann mit der tiefen Stimme beugte sich über mich und strich mir eine Locke aus dem Gesicht. „Hörst du mich kleine?“ Fragte er sanft. Ich öffnete den Mund, doch kein Ton kam raus. Mir tat jeder Knochen im Leid weh. Jeder Muskel schrie aus Schmerz, doch am Schlimmsten war der Schmerz in meinem Herz. Der Mann mit schwarzen Haaren, legte mir den Finger auf die Lippen. „Versuche nicht zu sprechen. Ich untersuche dich heute Abend noch mal!“ Damit stand er auf und ging aus dem Zimmer. Ich wollte einen Arm heben doch schon der Gedanke daran tat weh, also ließ ich es, schloß die Augen und schlief sofort ein.
„So, da bin ich wieder!“ Ich hatte mich auf gesetzt und sah draußen
in den Sturm. Der Himmel war dunkelblau. Die Sonne war schon untergegangen.
Der Regel prasselte gegen das eisige Glas. Meine linke Hand lag auf dem
Fester und meine Augen starrten ohne festen Blick in die tosende See. Der
Mann, er schien Arzt zu sein, setzte sich zu mir auf das Bett und nahm
meine Hand aus dem Schoß. „Deine Hand ist ja ganz kalt Mädchen.“
Stellte er erschrocken fest und hielt sie fester in seiner. Ich sah ihn
mit traurigem Blick an. Er schien es nicht auszuhalten mir in die Augen
zu sehen und senkte nur traurig den Kopf. „Du... du mußt schreckliches
Gesehen haben. Aber du mußt verstehen, dass Leben geht weiter und...“
Ich zog meine Hand weg und sah ihn etwas säuerlich an. „Ich weiß!
Ich komme darüber hinweg!“ Ich drehte meinen Kopf wieder dem Fenster
zu. „Hör zu, es muß schwer sein, vielleicht erinnerst du dich
auch gar nicht, aber wenn. Was ist passiert?“ Ich wunderte mich über
mich selbst, aber ich empfand keine Trauer. Keinen Schmerz. Kein einziges
Gefühl. Nichts. Als wäre mein Herz leer. Ich wendete meinen Kopf
ihm wieder zu, doch als ich das, was ich vorhatte zu sagen, sagen wollte,
stach etwas tief in mein Herz. „Ich... kann mich nicht erinnern!“ Er nickte
verständnisvoll. „OK, das ist OK! Kein Problem. Was ist das letzte
woran du dich erinnern kannst?“ Ich senkte den Kopf. Ich war schon immer
eine ausgezeichnete Schauspielerin gewesen, so konnte ich nun einfach lügen
und ihm würde es nicht auffallen. „Ich... ich habe versucht den Picknickkorb
zu verstauen, doch dann... dann hat sich mein Kleid verfangen und ich hing
fest. Dann schrien meine Eltern. Danach riß irgend etwas das Dach,
samt Stuhl weg und... dann weiß ich nichts mehr.“ Er nickte verständnisvoll.
„Wie haben deiner Tante Bescheid gegeben und sie wird dich morgen früh
hier abholen. Du solltest noch etwas schlafen.“ Damit stand er auf und
verließ das Zimmer. Ich atmete tief durch.
Nun beginnt ein neues Leben Michiru! Bist du bereit dafür?
Flüsterte eine Stimme in mir. „Ja bin ich!“ Sagte ich laut und
sah entschlossen zur Tür, doch dann überkam mich wieder schreckliche
Müdigkeit und ich sank zurück ins Bett. „Doch dazu muß
ich fit sein!“ Ich drehte mein Kopf und schaltete den Fernseher an und
zappte durch die Programme. Bis ich zu den lokalen Nachrichten kam. Da
blieb ich, denn ich sah immer gern Nachrichten. Immer wissen was in dieser
schrecklichen Welt los war, dass mußte ich schon seit ich denken
konnte. „Wundern sie sich nicht, wenn sie in der Nähe eines Dorfes
neben Osaka Polizisten sehen. Tenoh Haruka, 14, die Tochter des berühmten
Börsenmaklers Tenoh Kamazune ist gestern wieder einmal abgehauen.
Es ist nun schon das 3 mal. Sie werden sich sicher wundern wieso das in
den Nachrichten kommt. Nun ja, durch das häufige Verschwinden der
Tochter vermuten viele Leute inzwischen einen Skandal, da der große
Mann von Welt vielleicht seine Tochter geschlagen haben könnte. Das
wäre eine große Tragödie, denn seiner Karriere würde
es sicherlich schaden. Außerdem-“ Ich schaltete den Fernseher
aus, da ich nicht zuhören konnte. Mein Kopf dröhnte. Ich drehte
mich im Bett um und schlief wieder ein.
Gemächlich wie immer zog ich mir meine Sachen an und ging mit schleichendem
Schritt in die Empfangshalle des Gasthofes. Es war noch niemand da. Ich
sah mich um und ging nach draußen. Das Auto meiner Eltern, und nun
meines, stand immer noch mit abgerissenem Dach da. Ich sah mich um
und entdeckte ein Auto, das gestern noch nicht da gestanden hatte. Ich
ging wieder rein, denn ich kannte dieses Auto. Es konnte nur von einer
Person sein. Nur eine aus meiner Familie fuhr einen orangen Kleinwagen,
der zu zerbrechen drohte. Es war das Auto meiner Tante. Gion Heniko. Sie
war die Schwester meines Vaters und eine ebenso, wie er große, früher
blonde Europäerin. Man konnte sie mit einem Wort beschreiben. Strich.
Sie war mager, groß und hatte ein langes Gesicht. Sie war kalt, traditionell
und für mich verabscheuungswürdig, da sie mir immer vorschrieb
was ich zu tun und zu lassen hatte. Sie war mal eine sehr erfolgreiche
Politikerin, wie mein Vater, gewesen, doch nun, schrieb sie Bücher
und hatte sich ziemlich in ihre eigene Welt zurück gezogen. Ich mochte
sie nicht besonders. Schwer war es für mich, dass nun sie meine Erziehungsberechtigte
war. Doch ich hatte nun eine neue Fähigkeit. Ich konnte alles ertragen,
ich konnte meine Gefühle regelrecht abschalten. Das gebrauchte ich
auch wieder und schaltete einfach ab. Mit kalter Miene ging ich nun hinein
und ging in das Eßzimmer. Dort saß sie. Mit bleichem, weltentfremdeten
Gesicht wie immer. Sie schien wirklich nicht mehr ganz da zu sein. Aber
gut, ich hatte sie auch Monate nicht mehr gesehen. „Hallo, Tante!“ Begrüßte
ich sie förmlich. Meine Stimme war ausdruckslos. Überrascht sah
sie auf. Ihr Blick ging mein Gesicht ab und sie stand auf. Obwohl ich schon
sehr groß für mein Alter war, war sie größer. Sie
stand gebückt, aber doch königlich vor mir und zum ersten mal
seit ich sie kannte hatte sie einen anderen Gesichtsausdruck. Normaler
Weise sah sie auf alles und jeden kühl herab, doch nun sah sie mich
mitfühlend, fast schon mitleidig an. Sie umarmte mich sogar. „Mein
Armes Kind. Es muß furchtbar gewesen sein. Aber wir werden darüber
noch nicht reden.“ Sie wiegte mich wie ein kleines Kind in ihren Armen.
Mir war alles egal. Mein Körper wippte etwas mit, doch mein Inneres
blieb unberührt. „Ich werde dich nicht ausfragen. Ich werde dich,
wenn du es willst bei einem Psychiater anmelden und alles tun was in meiner
Macht steht, damit du alles vergißt.“ Sie löste sich von mir
und sah mich lächelnd an.
Um alles rückgängig zu machen ist es zu spät. Mein Leben
ist anders. Ich bin anders. Und nichts wird wieder sein wie es war.
„Du siehst aus, wie ich als bei dem Unfall mit meinem Auto, mein Mann
ums Leben kam. Ich wollte es nicht glauben und war gefangen von dem allen
und dachte mein Leben wäre aus, aber da ist es nicht. Komm, wir fahren
nach Hause.“ Heniko nahm meine Hand und wir liefen durch die Halle zu ihrem
Auto.
Deswegen hat sie sogenanntes Mitgefühl. Sie siehst sich in mich,
aber geht nicht auf mich ein. Typisch menschlich. Ich hasse Menschen.
„Heniko, ich möchte nicht das du bei mir bleibst. Ich möchte
alleine in meinem Haus leben. Bitte!“ Sie sah mich etwas kritisch an als
ich zu ihr ins Auto stieg. „Na ja, wenn du meinst. Dann komme ich einmal
im Monat zu Besuch und kümmere mich um Rechnungen, Schecks, die Dienerschaft
und deine Elternabende.“ sie startete den Wagen und fuhr los. „Das mußt
du nicht! Ich kann das machen. Ich mache das alles. Aber kommen kannst
du trotzdem.“ Ich drehte meinen Kopf zum Fenster und sah in die Landschaft,
die ich gestern für so schön gehalten hatte und mir nun wie die
Hölle vorkam. Meine Tante wollte noch etwas sagen, doch sie schwieg
und fuhr mich nach Hause.
„Miss, ihr Frühstück ist fertig! Sie sollten sich beeilen,
sonst kommen sie wieder zu spät zur Schule.“ Die Bedienste klopfte
an der Tür zum Sportzimmer. Seit vor einem Monat mein Leben neu gestaltet
geworden war, trainierte ich Tag und Nacht um besser zu werden. Die Schule
vergaß ich so gut wie ganz und meine Noten wurden immer schlechter,
doch mich interessierte es nicht mehr. Mich interessierten weder Noten,
noch Freunde, noch welcher Rockstar, welches Leid geschrieben hatte. Über
all das war ich hinweg. Es gab nur noch eins wofür ich lebte und nur
noch leben wollte. Rache. Bittersüße Rache! „Miss?“ Sie klopfte
und kam herein. Wie wild boxte ich auf den Leinensack ein. „Miss? Wollen
sie nicht essen?“ „Was?“ Schrie ich sie sauer an. Sie war so groß
wie ich. Mollig und hatte schon Falten. „Entschuldigen sie , die Störung,
aber ihr essen...“ Sauer stampfte ich auf sie zu und sie trat ängstlich
zurück. „Mein Essen kann mir gestohlen bleiben. Sie und der Rest sind
gefeuert. Ich brauche euch nicht mehr!“ „Aber...“ Der Frau traten die Tränen
in die Augen. „Wie sie meinen Frau Kaiou!“ Sie drehte ab und wollte gehen.
Als ich sie an der Schulter fest hielt und sie anlächelte. „Es tut
mir leid. So meinte ich es nicht. Ich... ich komme gleich essen. Aber stellen
sie bitte eine Liste zusammen. Welche Leute ich feuern kann. Ich will so
selbständig wie möglich werden.“ Die Frau lachte mich an. „Natürlich
Miss!“ Sie rannte schnell raus. Ich sah mich in meiner Halle um. An der
rechten Wand standen die Sprosenwände und dazwischen die Tür.
Hinter mir, das große Panorama Fenster das zum Meer raus ging. Mit
den vielen Hanteln und Geräten. An der linken Wand die Matten und
der Sack und ein Boxsack. Ich lächeln zuckten über meine Lippen.
„Oh wei, wie ich aussehe. Früher hätte ich so etwas nie getragen.“
Ich sah an mir herunter. Ich trug eine Boxershorts und darüber
ein Tanktop um meine Finger hatte ich Verbände gewickelt, damit ich
mir nicht weh tat. Plötzlich fühlte ich etwas. Als würde
mir schlecht werden und doch war nicht ich es der schlecht wurde, sondern
die Erde selbst. Es war, als würde das Meer tosen. Ich sah raus, doch
es war still und doch fühlte ich es. Schon immer hatte ich eine Verbindung
zum Meer gehabt. Ich spürte es, wenn es gegen die Felsen schlug. Ich
spürte seine Wärme wenn ich im Sand lag und mich umspülen
ließ, wie ich es immer zur Entspannung machte. Was war dieses Gefühl.
Ich rannte die Treppe runter und aus dem Haus. Ich rannte an den Strand
und wußte nicht warum. Ich rannte so schnell ich konnte zur Hafenstadt
und sah aus einiger Entfernung einige Menschen rumliegen. Ein Dämon
stand inmitten von ihnen und saugte mit Tentakeln etwas aus ihnen heraus.
Ich verwandelte mich und stürzte mich in die Schlacht.
„Ringgg!“ Das Telephon klingelte, doch mein Kopf tat weh. Die Bedienstete gab mir den Hörer. „Hallo...“ Sagte ich geschafft. Es war ein harter Kampf gewesen. „Michi... du hörst dich müde an, was ist los? Du warst auch nicht in der Schule. Bist du krank?“ Ich wurde wirklich ärgerlich. Immer wollten meine Freunde alles wissen. Wer erlaubte ihnen das? Sie nervten mich. „Nein! Ich hatte was anderes zu tun!“ Schrie ich in den Hörer. „Michiru, was ist nur los mit dir. Seit deine Eltern tot sind verhältst du dich so seltsam. Fast so als würden wir keine Freunde mehr sein. Du bist immer so kalt und schreist mich andauernd an.“ „Mit mir ist gar nichts los, du blöde Ziege. Laß mich einfach in Frieden!“ „Michi... ich-“ Sauer legte ich den Hörer auf. „Immer diese elenden Menschen! Ich hasse Menschen! Die Dämone sollten euch alle töten!“ Fluchte ich sauer. Ich nahm mir wieder das Desinfizierungsmittel und tupfte meine Wunden aus. Mein Knie war aufgerissen. Meine kleine Finger taub. Mein blaues Auge schmerzte und mein Oberkörper war grün und blau. Ganz zu schweigen von meinem Rücken. Ich fühlte mich wie gerädert. Oh wie gern, würde ich sterben. Aber wer sollte außer mir die Welt retten? Die Menschen? Die Menschen konnten noch nicht mal nicht sich selbst beschützen obwohl es anscheinend nichts gab was ihnen mehr bedeutete als sie selbst. Ich hasste diese Art zu denken. Ich hatte mich völlig aufgegeben. Für mich gab es nur noch den Kampf. „Miss! Oh mein Gott Miss! Ist alles in Ordnung? Soll ich einen Arzt rufen?“ Die mollige Frau, ihr Name war Mila, rannte zu mir und half mir beim verbinden. „Nein nein, ich habe mich nur geprügelt.“ „Miss das sollten sie nicht mehr tun.“ Ich lächelte die gutmütige Frau an. „Ich weiß, danke Mila! Ich werde vorsichtiger sein.“ Die Frau schaltete den Fernseher an und ging etwas beunruhigt aus dem Raum. Ich sah auf meinen armen Körper. Ich stand auf und zog mir meinen Badeanzug an. Ich brauchte einfach etwas Kälte. Mit schleichenden Bewegungen ging ich nach draußen und legte mich in den kalten Sand. Das Wasser spülte um mich und ich fühlte mich frei. Als könnte ich mit dem Meer verschmelzen und müßte nie wieder weg gehen. Das Meer, seine liebevollen Umarmungen, seine tiefe Ruhe. Alles das liebte ich. Es war das einzigste für mich was mir noch etwas bedeutete.
„Miss Kaiou. Ich will sie nach der Stunde sprechen!“ Meinte der Direktor in der letzten Stunde. Nun war nach der Stunde und er kam nicht. Ich setzte mich auf den Lehrertisch und starrte aus dem Fenster. Kurz darauf kam er hinein. „Michiru. Hast du etwas Zeit? Ich möchte mit dir über dein Verhalten im Unterricht und auch überhaupt unterhalten.“ Ich sprang vom Tisch. „Natürlich!“ „Gut. Setze dich bitte.“ Ich zog mir einen Stuhl heran und setzte mich. „Pass auf. Du bist eine unglaublich begabte Schülerin. Das weiß ich, als ich dich diese Jahr bekommen habe, habe ich es schon gemerkt. Du warst aufmerksam, schlau und hast einfach grandios mitgearbeitet. Es hat richtig Spaß gemacht, dir etwas beizubringen, da ich wußte, dass du lernen wolltest. Doch seit... diesem Ereignis, bist du nicht mehr dieselbe. Es scheint dir alles egal zu sein. Du lernst nicht, du machst nicht einmal deine Hausaufgaben und du bist verträumt im Unterricht und bekommst gar nichts mehr auf die Reihe. Ich habe auch in den Pausen auf dich geachtet. Seit drei Monaten bist du alleine. Früher warst du immer von einer Traube Menschen umrahmt und nun? Sie spotten hinter deinem Rücken über dich. Niemand kann dich mehr ausstehen und es fällt selbst mir schwer Mitleid für dich zu haben.“ Er senkte den Kopf. „Ich weiß das und... wenn das alles vorbei ist, mit dem ich zu kämpfen habe, werde ich auch wieder mehr Zeit für alles andere haben. Aber ich brauche noch Zeit!“ Er unterbrach sie mit einer bedeutenden Geste. „Zeit? Wieviel Zeit? Eine Woche? Ein Jahr? Zehn Jahre? Du hast nur Fünfen auf diesem Zeugnis. Davor waren es immer nur Einsen und Zweien. Du wirst sitzenbleiben, wenn du dich jetzt nicht SOFORT zusammenreißt. Du mußt dich am Riemen reißen und dich retten. Wenn du es nicht schaffst, werde ich bei dem Direktor anfragen ob man dich umschult, denn so hast du am Gymnasium keine Chance.“ Er stand auf und ging. Ließ mich mit meinem schlechten Gewissen alleine. Ließ mich alleine wie alle Menschen. Aber hatte er recht? War ich inzwischen so schlecht? War ich so kalt? War ich so Hass erfüllt? Mein Traum von einem schönen Leben wurde von diesem schrecklichen Traum der Stille, den ich jede Nacht hatte, total verdrängt. Er existierte nicht mehr. Ebenso wie die alte Michiru. Aber... Nein. Sie existierte wieder. Sie war ein verunsichertes kleines Mädchen was sich hinter der Kriegerin versteckt hatte, doch nun wieder ran wollte. Sie war ich. Ich war sie. Wir sollten eins sein, doch es waren zwei verschiedene Charakter. Ich lehnte mich zurück und die alte Michiru brach aus mir heraus. Sie weinte. Ich weinte bitterlich. Ich weinte, wie ich es schon lange gewollt hatte. Ich weinte mir die Seele aus dem Leib. Weinte um meine Eltern. Weinte um mein verlorenes Leben. Weinte um meine verlorenen Freunde. Weinte um alles was ich nun nicht mehr hatte. Nach langer Zeit wurde ich wieder zu Michiru. Zu dem Mädchen was eigentlich die Besitzerin dieses Körpers war. Wir wurden wieder eins. Sie und ich. Heraus kam, eine starke Frau. Kindisch und doch erwachsen. Nun würde ich, oder wir?, es schaffen. Wir würden, die Dämone bekämpfen. Die Schule schaffen und wieder ein relativ normales Leben führen. Was sich aber dennoch um den Auftrag, nämlich die Dämone besiegen, drehen würde.
Betrübt ging ich nach Hause. Die Sonne ging langsam unter und schien
warm und rot auf die Umgebung. Die kleinen Villen der Gegend lagen friedlich
da und nur ein paar Kinder die über die Straßen rannten trübten
das Bild der Stille. Noch vor einem Monat hätte ich sie nicht wahrgenommen,
sondern mich wieder völlig zurückgezogen, doch jetzt? Jetzt war
mir bewußt, dass mein Verhalten falsch gewesen war. Innerhalb von
ein paar Monaten hatte ich mein Leben zerstört. Nicht die Veränderung
in meinem Leben hatte es zerstört, sondern ich. Ich hatte allein sein
wollen, ich hatte meine Freunde vergrault, ich hatte alles ignoriert. Ich
war Schuld, aber ich wollte mich jetzt nicht in Selbstmitleid versenken,
sondern mir ein neues Leben aufbauen. Aber hier, in dieser kleinen Hafenstadt
ging das nicht. Es ging nicht neu anzufangen, wenn alle dachten es sei
noch das Alte. Wegziehen konnte ich noch nicht. Dazu war ich zu jung, aber
was hatte meine Tante doch mal gesagt, ich solle zu ihr nach Tokio ziehen.
Ich könne auch eine eigene Wohnung haben, nur dass ich nicht so allein
wäre. Noch nie hatte ich über dieses Angebot ernsthaft nachgedacht,
doch jetzt war alles anders.
Kann ich das überhaupt tun? Kann ich überhaupt weg hier?
Hier sind die Dämone. Mein Schicksal. Mein Auftrag.
In meinem Kopf hörte ich eine fremde Stimme. „Ja, du kannst weg.
Dein Schicksal liegt in Tokio!“ Was war das jetzt wieder? Der Wind war
es nicht. Nicht wie in meinem Alptraum. Das Summen des Meeres auch nicht,
aber was war es dann. BATSCH! „Au!“ Schrie ich und sah auf. War ich doch
glatt gegen eine Laterne gelaufen. Zwar hatte meine neue Aufgabe meine
Reflexe und Aufmerksamkeit verstärkt, doch wenn ich erschöpft
war oder zu weit abwich hatte ich wieder nur die Kräfte eines Menschen
und auch dessen Reaktion. Ich sah sauer die Laterne an und rieb mir meinen
Kopf. Was stand da?
MUGEN GUUKEN SCHULE FÜR BESONDERS SCHLAUE SCHÜLER! ICH, DIREKTOR
SUICHI TOMOE, WÜRDE MICH FREUEN SÄMTLICHE SCHLAUE KÖPFE
DES LANDES IN MEINER SCHULE BEGRÜßEN ZU DÜRFEN. NACH EINEM
TEST SIND SIE ZUGELASSEN. UNSERE SCHULE UMFASST VOM KINDERGARTEN BIS ZUM
STUDIUM ALLES.
Den Text überflog ich nur kurz, doch das Bild dahinter gefiel
mir irgendwie nicht. Es war ein großes Gebäude am Meer. Drum
herum standen die anderen Häuser. Am Tor mit einer riesigen Treppe
standen die Lehrkräfte und der Direktor unter einem schwarzen Stern.
Ich sah mir das Bild genau an, doch ich entdeckte nichts was mein Unwohlbefinden
auslöste. Ich ging einen Schritt zur Seite und lief weiter. Die Sonne
senkte sich immer mehr. Bevor ich nach Hause ging war ich noch bummeln
gewesen, was ich seit Monaten nicht getan hatte und lief nun fast schon
fröhlich über die Straßen nach Hause. Lässig schwenkte
ich die Tasche neben mir her.
„Guten Morgen!“ Fröhlich kam ich aus meinem Zimmer. Ich trug mein
neu erworbenes Spitzennachthemd. Es hatte keine Ärmel und war dort
um die Arme mit weißen Spitzenzaum gespickt, der weit um mich stand.
Es war eigentlich bis tief unter die Busen ausgeschnitten, denn es war
mir zu groß, doch durch ein dunkelblaues Samtband wurde es zusammengehalten.
Es ging mir bis zu den Knien und hing wie ein Sack über mich, denn
meine Hüfte war noch nicht so gerundet um darin gut auszusehen. Der
Stoff war von innen und außen angenehm seidig, obwohl es keine Seide
war und schimmerte bläulich in den Sonnenstrahlen. Eigentlich war
es weiß, aber mal etwas weißes zu tragen würde wohl nicht
meinen Ruf ruinieren. Mit hüpfendem Schritt stieg ich die Treppe hinunter
und umarmte meine Tante voller, ehrlicher, Freude. Sie war total von Sinnen,
denn, wieso tat ich das, wo ich doch sonst immer jeder Berührung aus
dem Weg ging? „Du bist so fröhlich heute! Das freut mich!“ Sagte sie
mit kalter Miene und ging ins Eßzimmer. Wir frühstückten
immer zusammen wenn sie angekommen war. „Ja, weil ich einen Entschluß
gefasst habe.“ Sie sah hoch, nicht überrascht, sondern kühl wie
immer. „Ach ja?“ „Ja, nach dem ich dieses verflixte letzte Halbjahr der
achten Klasse hinter mir habe, werde ich mit dir nach Tokio ziehen. Ich
will aber eine eigene Wohnung!“ Meine Tante senkte den Kopf. „Das geht
in Ordnung das weißt du ja Michiru, aber... deine Noten.... ich werde
dich nur mitnehmen, wenn deine Noten so sind, dass du nicht sitzen bleibst.“
Ich lachte sie vergnügt an. „Das werden sie!“ Heiter griff ich nach
dem Essen und begann herzhaft. Durch mein vieles Training war ich inzwischen
so dünne geworden, wie ich es immer sein wollte und nirgendwo hing
mehr Fett runter, alles war fest. Ich war zufrieden und wußte, dass
ich nun sogar ab und zu mal was essen konnte.
Nach diesem wundervollen Frühstück rannte ich sofort in mein
Zimmer, setzte mich auf mein Bett und nahm meine Schulbücher zur Hand.
„Ich war gut, ich bin gut, ich werde besser!“ Sagte ich mir immer wieder
und begann wie wild zu lernen, was ich verpasst hatte.
Heute ist mein großer Tag. Der Tag der Entscheidung, wenn ich
nicht sitzen bleibe bin ich gerettet. Aber ich brauche dieses Zeugnis.
Ich muß eine gute Schule finden auf die ich gehen kann. Dazu brauche
ich dieses Zeugnis. Oh hoffentlich ist es nicht allzu schlecht.
Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich nach vorne zum Lehrertisch
ging und mir mein Zeugnis schnappte. Alle um mich herum tuschelten. Ich
schirmte mich hab um nichts davon zu hören, denn es waren alles ja
doch nur dumme Menschen die immer noch in ihrer wundervollen Scheinwelt
lebten. Ich seufzte und setzte mich an meinen Einzeltisch.
Tief durchatmen!
Befahl ich mir und drehe das Zeugnis um. Mein Gesicht strahlte als
ich schon allein den Notenkopf laß:
„Michiru ist eine aufgeweckte und (eigentlich) interessierte Schülerin.
Leider hatte sie wegen schwerer außerschulischen Probleme eine tiefe
Lücke in ihrem Verhalten in der Schule, doch in den letzten zwei Monaten
hat sie so mitgearbeitet, dass sie alle ihre schlechten Noten wegbekommen
hat. Ihr verhalten ist (nun wieder) einwandfrei.“
Ich konnte es nicht fassen. Mir stiegen die Tränen in die Augen.
„Leben, ich habe dich wieder...“ Flüsterte ich überglücklich.
Auf meinem Zeugnis stand zwar nur eine 2 in Japanisch und das meiste
waren Vieren, aber ich war zufrieden. Ich lehnte mich zurück und genoß
diesen schönen Augenblick, doch da zog sich wieder mein Bauch zusammen,
wie ich es inzwischen schon kannte. „Das Meer beginnt wieder zu tosen!“
Flüsterte ich, packte meine Sachen und rannte aus dem Klassenraum.
So schnell ich nur konnte rannte ich dem Gefühl nach. Es sagte mir
immer wo es Probleme gab und ließ mich nie im Stich. Die heiße
Sonne schien auf mich nieder und brannte auf meine Haare. Die heiße
Luft tat mir beim Kämpfen wirklich nicht gut und es wehte kein Lüftchen.
Der Schweiß stand mir auf der Stirn als ich in meiner Uniform über
die Dächer hüpfte. Nach einiger Zeit kam ich zum Hafen. Dort
stand wieder eins dieser abscheulichen Monster, doch es sah anders aus,
als sonst. Es hatte keinen Greifarme mit denen ist die Energie entzog,
sondern zog einem armen Fischer einen Gegenstand aus der Brust. Ich wollte
so schnell ich konnte hinrennen, doch wieder einmal hörte ich diese
Stimme: „Laß ihn. Er sucht nach dem Talisman, der in einem reinen
Herzen verborgen ist. Du mußt ihn auch finden. Du und deine Partnerin,
ihr müßt die drei Talismane zusammenbringen und den Heiligen
Gral dem Messias geben. Damit das Böse für immer besiegt wird.“
Ich sah verzweifelt zu dem Mann rüber. Ich kannte ihn. Als ich klein
war hatte ich immer bei ihm oft im Boot gesessen und mit seinem Aquarium
gespielt. Er war einer der wenigen Menschen die ich mochte. „Ich kann ihn
doch nicht diesem Dämon überlassen!“ Stammelte ich und die Tränen
flossen aus meinen Augen und rannen über mein Gesicht. „Du darfst
erst etwas dagegen tun, wenn der Dämon das Herz entfernt hat. Auf
eine gewissen Weise brauchst du die Dämone sogar, denn ihr könnt
die Herzen nicht aus den Menschen holen.“ Ich lehnte mich an die kühle
Wand der Gasse in der ich stand und das alles beobachtete. „Wird er...
wird er sterben?“ „Das kommt darauf an wie rein sein Herz ist. Wenn sehr
rein ist stirbt er, wenn es zu lange draußen bleibt. Wenn er kein
richtiges reines Herz hat, dann verändert sich sein Charakter ins
Gegenteil und alle seine Wünsche werden umgedreht, doch er lebt weiter.“
Ich kämpfte damit mich zu bewegen, doch ich konnte nicht. Ich konnte
nur hilflos zusehen, wie diesem Mann, den ich so sehr mochte, sein Herz
geraubt wurde. Ich drehte meinen Kopf weg und vor mir erschienen all die
schönen Momente mit ihm. Wie er mich auf seinem Arm am Strand entlang
getragen hatte. Wie ich auf seinem Schoß gesessen hatte und an seinem,
schon immer, weißen Bart gezogen hatte. Wie er mir alle Tiere des
Meeres aufgezählt hatte und die schönen Geschichten die er wußte,
erlebt hatte oder einfach nur für mich erfunden hatte. Er hatte mich
immer „Meerjungfrau“ gerufen, da er meinte, das ich wie das Meer wäre,
wunderschön und geheimnisvoll. Je mehr ich über ihn nach dachte
um so mehr tat sein Schrei mir im Herzen weh, doch da verstummte sein Schrei
und ich hörte das dämonische Lachen von seinem Mörder. Wutentbrannt
stürzte ich los, warf einen Ball und fing geschickt den Herzkristall,
oder was das sein mochte, auf. „Woran erkenne ich, dass es der Talisman
ist?“ Fragte ich und hielt den Kristall zwischen meinen Händen, war
so vorsichtig wie es ging. „In deinen oder den Händen eines anderen
beauftragtem Suchers nach ihm verwandelt er sich in einen der drei heiligen
Gegenstände: Spiegel, Wappen, Schwert“ Ich wäre beinahe in die
Luft gesprungen vor Freude. „Das bedeutet es ist keiner.“ Schnell packte
ich ihn zurück in den Körper, des alten Mannes. Zügig verwandelte
ich mich zurück und legte den Kopf des alten Mannes in meinen Schoß.
„Bist du es, kleine Meerjungfrau?“ Fragte er mit seiner rauhen Stimme.
Ich konnte nicht anders. Ich drückte seinen Kopf gegen mich und wiegte
ihn wie ein Baby in den Armen. „Ich dachte du seist tot!“ Wisperte ich
unter Tränen und gab ihm einen freundschaftlichen Kuß auf die
Stirn. „Was ist denn überhaupt passiert?“ Fragte er und rappelte sich
auf. Ich stand auch schnell auf. „Du... du bist gestolpert und lagst da,
als ich hergerannt bin. Du hast kaum geatmet.“ Er schüttelte den Kopf.
„Komisch, ich habe geträumt ein furchterregendes Monster würde
mir die Brust zerreißen.“ Ich schüttelte schnell den Kopf. „Was
träumst du auch für einen Unsinn!“ Er sah mich grinsend an und
strich mir durchs Haar. „Du bist lange nicht hier gewesen. Wieso nun? Gerade
jetzt?“ Mein Herz stockte. Was sollte ich sagen? Die Wahrheit? Eine Lüge?
Irgend etwas mußte mir doch einfallen. „Ich... ich wollte mich verabschieden,
weil... weil ich wegziehen werde. Ich gehe nach Tokio, aber ich komme irgendwann
wieder.“ Er lächelte traurig. „Klar, die jungen Leute gehen alle aus
kleinen Dörfern in die großen Städte. Ich hoffe ich treffe
dich wieder.“ Er umarmte mich väterlich und wühlte in seiner
Tasche. „Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück in der großen
Stadt und laß dich ja nicht runtermachen. Du bist ein wundervolles
Fabelwesen, viel zu eigen für diese Welt, also, laß dich nicht
kaputt machen. Ich habe da was für dich, was ich dir schon lange geben
wollte. Aber ich finde es gerade nicht. Warte hier einen Moment!“ Er stürmte
zu seinem inzwischen alten Kahn und suchte kräftig. Nach einigen Minuten
kam er heraus. In den Händen hielt er etwas, was ich nicht sehen konnte.
„Du weißt, ich habe keine Kinder, da meine Frau viel zu früh
gestorben ist. In meiner Familie ist es Tradition es immer seinem Kind
zu geben. Du bist für mich fast wie eine Tochter, darum möchte
ich das du es nimmst.“ Er nahm meine Hand und legte mir eine Kette hinein.
Als Anhänger hatte sie zwei verschlungene Delphine und in der Mitte
funkelte ein wunderschöner blauer Stein. Ich war so glücklich,
dass ich kein Ton rausbrachte. Schnell legte er mir die Kette um. Sie stand
mir perfekt zu meinem restlichen Outfit. Ich trug eine weiße Seidenbluse
und einen kurzen weißen Rock. „Danke! Ich verspreche dir ich passe
darauf auf und ich werde dich nie vergessen, alter Mann!“ Er lachte über
diese alte Anrede und ich drehte mich um und rannte davon. Wieder brannten
in meinen Augen die Tränen.
Ich hätte ihn sterben lassen. Ich bin herzlos und kalt. Wie konnte
ich das nur tun! Ich lebe doch nicht um zu töten, sondern um Leben
zu retten. Es kann doch nicht nur so gehen.
Ich rannte und rannte. Hörte nichts. Wollte nichts hören.
Sah nichts. Wollte nichts sehen. Erschöpft rannte kam ich zu Hause
an und ließ mich gleich in mein Bett fallen. Ich wollte nichts mehr
als einfach nur sterben. Einfach alles hinter mir lassen. Den Kampf. Den
Krieg. Mein Leben. Wofür kämpfte ich eigentlich? Ich hatte nichts
wichtiges mehr in meinem Leben. Ich wollte doch nur einen Lichtpunkt. Etwas
woran ich mich festklammern konnte. Etwas was ich trotz meines Auftrages
immer hatte. Ein Mensch? Jemand dem ich alles erzählen konnte? Da
hörte ich wieder die Stimme. „Irgendwann mußt du die drei Opfer
bringen! Am sinnvollsten wäre, wenn du dir keine Freunde anlegst.
Sie kommen durch dich in Gefahr, denn egal wo du bist, du ziehst das Böse
magisch an. Außerdem fällt es dir dann schwerer sie als Opfer
zu nehmen. Du mußt immer daran denken. Du bist jetzt eine Kriegerin
und kein kleines Mädchen mehr.“ Ich drückte mir das Kissen gegen
die Ohren. „Nein! Sei still! Ich will das nicht hören.“ In dem Moment
kam meine Tante herein. „Na meine Kleine? Was tust du hier? Sieht nicht
so aus als wärst du beschäftigt, dass ist gut. Ich wollte nämlich
mit dir reden.“ Langsam löste ich meinen festen Griff von dem Kissen
und sah ihr traurig in die Augen. Sie schien meine Laune nicht im geringsten
zu interessieren und sie begann gleich. „Ich bin stolz auf dich. Dein Zeugnis
ist gut für deine Leistung. Ich sagte dir ja, dass ich dich mitnehme.
Aber ich schlage vor die 6 Wochen jetzt bleibst du noch hier und amüsierst
dich. So! Ich hab’s eilig. Ich muß noch zu einem Termin. Also mach’s
gut! Bis dann. Ich komme einfach wieder.“ Ohne abzuwarten ob ich noch etwas
sagen wollte. Sie schmiß die Tür hinter sich zu und ließ
mich alleine. Alleine mit meinen Tränen. Alleine mit meinen Alpträumen.
Alleine mit meiner Angst. Allein mit allem war auf mir lastete.
Wie wild boxte ich auf den Sack ein, trat, wütete, versuchte einfach
alle Tricks die ich bisher gelernt hatte. Ich war so sauer. Sauer auf die
Menschen die mich verlassen hatten. Sauer auf mein Leben. Sauer auf mich,
die das alles nicht vertrug. Die Ferien, waren schon fast vorbei und mein
Lernen hatte ich schon wieder im Griff. Ich hatte nicht nur den gesamten
Stoff nachgelernt, sondern auch noch vorgelernt um besser zu sein. Allerdings
war ich nur noch einsamer geworden. Ich hatte es nicht ausgehalten und
war zu meiner besten Freundin gefahren, doch sie hatte nur gesagt, dass
ich Mut hätte nach allem vor ihrer Tür zu stehen. Sie hatte mir
sie einfach vor der Nase zugeschlagen und ich war verlassener den je. Ich
war bei allen meinen alten Freunden, doch immer hörte ich wieder dasselbe.
Ich hätte zuviel angestellt, hätte mich zu sehr verändert
und sie würden es nicht noch mal aushalten, wenn ich wieder mal abdrehte.
Eine wagte es sogar zu sagen: „Du gehst doch eh. Also kannst du auf uns
noch die paar Wochen verzichten. Danach kannst du dir ja neue Freunde suchen.“
Ich hätte sie am liebsten in kleine Stücke gehackt. Oh ich war
so sauer. Aber es waren eben doch nur Menschen. Menschen die nur an sich
selbst dachten und nicht daran was mir passiert sein könnte. Ich hätte
ihnen erzählen können, dass ich vergewaltigt worden wäre
und sie hätten nicht mal mit der Wimper gezuckt. Wie konnte ich mir
früher nur so schrecklich in ihnen geirrt haben? Genauso wie in der
gesamten Welt. Sie war nicht schön. Oder doch, schön. Schön
grausam. Ohne Freunde jedenfalls. War es wirklich besser so? War es e wirklich
besser alleine zu sein, als jemanden in Gefahr zu bringen.
Natürlich! Wenn ich jemanden nur aus Freude in Gefahr brächte,
wäre ich nicht besser als sie. Ich wäre nicht besser als jeder
andere Mensch und das war so ziemlich das letzte was ich sein will.
Seufzend lehnte ich meinen Kopf gegen den Sack. „Ich will einen Freund,
dem nichts passiert. Aber bei dem ich entspannen kann.“ Wie auf ein Zeichen
kam meine Tante plötzlich herein. Sie hatte einen Kasten in der Hand
den ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. „Was tust du hier schon
wieder? Du bist doch sonst so Mädchenhaft. Wieso machst du jetzt so
einen Unsinn?“ Ich war schon so daran gewöhnt kritisiert zu werden,
dass ich nur mit den Schultern zuckte. „Ich weiß Heniko! Aber es
ist nur so ein Hobby! Nur so ein Zeitvertreib von mir.“ Ich zwang mich
dazu sie fröhlich anzulächeln, doch innerlich kochte ich immer
noch vor Wut. „Bist du nur deshalb hier? Oder was ist?“ Fragte ich freundlich.
Sie hob den Kasten hoch. „Ach, es ist nur eine Frage. Soll ich das auch
einpacken? Oder willst du es hier lassen?“ Meine Augen strahlten auf und
ich sah auf den Kasten wie auf einen Retter. „Natürlich nehme ich
sie mit. Natürlich! Ich brauche meine Geige.“ Meine Geige. Ich liebte
sie. Ich spielte schon seit ich denken konnte Geige. Früher war es
nur mein Zeitvertreib gewesen, bis ich mich immer mehr auf die Schule konzentriert
hatte und nun hatte ich sie wegen meinem Kampf ganz vergessen. Aber natürlich.
Sie war etwas was ich immer haben konnte, etwas was mich immer verstand
und dem nichts durch mich passieren konnte. „Michiru! Hallo! Hör auf
vor dich hin zu träumen. Schnappe dir deine Koffer und packe alles
ein was du mitnehmen willst. Alle Möbel die auch mit sollen, markierst
du bitte. Klebe einen Sticker vorne drauf oder so etwas. Ich will morgen
abend wieder weg.“ Verständnisvoll nickte ich, immer noch den Kasten
in meinem Arm. Ich war mir nicht sicher ob ich ihn je wieder aus dem Arm
legen würde.
„Mehr zum Mitnehmen hast du wohl nicht gefunden?“ Meinte Heniko und zeigte auf den Kofferberg, den die Dienerschaft eben runtergebracht hatten. „Ich will doch dort leben. Ich brauche meine Sachen.“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich hoffe es sind wenigstens nicht all zu viele Möbel.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nur mein Bett, mein Bücherregal, meine zwei Schränke, der Schuhschrank, die Kommode, die Anrichte, meine Couch und die Sessel. Ach ja und die vielen Bilder.“ Die Möbelpacken sanken zusammen und gingen nach oben um die Möbel zu holen. „Und was ist darin?“ Fragte Heniko und deutete auf die 5 großen Kartons wo ganz groß MICHRIU drauf stand. „Meine Lernbücher, das Schminkzeug, meine Puppen, CDs, Kassetten, Videorecorder, Fernseher, Computer... aber die eigentlichen Kisten waren mir zu schwer. Das hier sind nur die Bücher. Der Rest steht noch oben.“ Heniko lag auf dem Boden. „Wozu brauchst du das ganze Zeug?“ „Zum Zeitvertreib. Ups! Ich habe ja noch was vergessen.“ Ich drehte mich zur Treppe um und rief ganz laut „UND PACKT MEINE SPORTSACHEN EIN!“ Heniko seufzte und sah ungläubig auf den, schon jetzt vollen Möbelwagen. „Und die das war nur das wichtigste?“ Seufzte sie. Ich sah sie überrascht an. „Natürlich, das ganze Küchen und Badezeug, die Lampen, die elektronischen Geräte und noch ein paar andere Kleinigkeiten fehlen noch.“ Zufrieden ging ich zu meinen Kisten und achtete darauf, dass sie ordnungsgemäß verstaut wurden. „Kleinigkeiten?“
„So das ist deine neue Wohnung!“ Nach einer langen Fahrt waren wir in Tokio angekommen und meine Tante zeigte mir die Wohnung. „Gefällt mir nicht!“ Sagte ich und ging wieder raus, obwohl ich nur einmal kurz reingeschaut hatte. Heniko war fast am Ausrasten. „Wie du meinst, Michiru!“ Zischte sie. Die nächsten drei gefielen mir auch nicht. Doch dann bei der Vierten, zog Heniko mich einfach hinein. „DIR GEFÄLLT SIE JETZT SONST GIBT ES GLEICH ÄRGER!“ Ich sah mich um. „Ja, sie gefällt mir.“ Alle Möbelpacker seufzten und meine Tante fiel mir glücklich um den Hals. Die Wohnung war schön groß. Die Fenster groß und mit Blick zum Meer. Das Bad war geräumig und die Badewanne groß genug, damit ich mich ausstrecken konnte. Der Wohnzimmer war riesig. Zwei etwas kleinere Zimmer gingen von ihm in beide Seiten ab und also vier kleinere Zimmer und die Küche war groß genug um auch darin Essen zu können. Auch der Teppich, ein blau grüner, gefiel mir. Es war eine einfach perfekte Wohnung. Sofort fing ich an alle rumzukomandieren wo was hingehörte. Ich saß die ganze Zeit bequem in meinem Sessel am Fenster und sah zu wie die anderen schufteten. Ab und zu machte ich Kaffee und brachte es allen. Stück für Stück, nahm die Wohnung gestallt an. Das große Zimmer. Wurde natürlich das Wohnzimmer. Das Zimmer mit Verbindungstür zum Bad ließ ich zu meinem Zimmer umgestalten. Es lag links von mir und ging schief um die Ecke. Daneben lag das Bad und daneben ein Zimmer mit dem Blick aufs Meer und einem riesigen Fenster. Es war auch winzig, aber es reichte. Ich stellte das Klavier in die Ecke. In die andere ein Eckregal mit Glastür, wo drin ich auch gleich die Noten für meine Geige verstaute. Davor stellte ich den Notenständer. Da alle Wände weiß waren, mußte ich gar nicht erst tapezieren. In die andere Ecke des Zimmers brachte ich ein kleines Miniregal in der Wand an um dort die Farben zum Malen auf zu stellen. In dem äußeren Zimmer am Fenster ließ ich einen Schreibtisch hinstellen und mein Bücherregal. Dort war mein Lernraum. Daneben war die Küche. Daneben, wieder um die Ecke und nur mit einem kleinen Fenster war mein Trainingszimmer. Ich stellte dort allen Trainingskram rein und fühlte mich schon richtig heimisch.
„Das ist eine sehr schöne Wohnung, Tante!“ Ich knöpfte mir
gerade die weiße Bluse mit türkisem Kragen zu, als sie hereinkam.
„So sie gefällt dir also, ja! Das ist schön. Ich hoffe deine
neue Schule gefällt dir auch.“ Ich schnappte mir den ebenfalls türkisen
Faltenrock. „Muß sie gar nicht. Ich bleibe dort eh nur solange bis
ich gut genug bin um auf die Muugen Schule zu gehen.“ Mit einer leichten
Geste zog ich den hinteren Reißverschluß zu und drehte mich
vor dem Spiegel. Mit geschickten Bewegung band ich das Seemannsähnliche
Tuch um meinen Hals zusammen und lächelte mich im Spiegel an. „Du
hast ja hohe Ziele. Bist du sicher, dass du das schaffst?“ Ich drehte mich
ruckartig zu ihr um. „Ich schaffe alles!“ Fröhlich sprang ich in meine
Schuhe, warf meine Tante raus, schnappte meine Schulmappe und den Schlüssel.
Mein neues Leben wartet!
Fröhlich lief ich zur Schule. Sie lag in Juuban und ich mußte
an einem Sportplatz einer anderen Schule vorbei. Natürlich war um
die Zeit noch niemand da, doch was sich neben diesem Sportplatz befand,
war viel schöner. Ein Park. Ein wunderschöner Park. Eine Oase
in dieser sonst so kahlen Welt. Aber sobald ich mich umdrehte sah
ich auf einen Hügel wo eine Autobahn zu sein schien. Sie führte
auch oberhalb der Schule entlang. Weiter, immer weiter hüpfte ich.
Genug Zeit hatte ich. Ich lief über eine Brücke und durch den
Marktplatz durch. Ich kam nach einiger Zeit auch an einer Werkstatt vorbei
wo ein Mann mit langen braunen Haaren an einem Auto arbeitete. Hinter der
Mauer davor war ein trockengelegter Kanal und es schien mir im vorbeigehen
so, als würde man dort unten Spuren eines Rennwagens sehen. Aber ich
hatte jetzt keine Lust darauf so etwas nach zu gehen, dass konnte ich wann
anders auch noch, also lief ich weiter. Etwas weiter dahinter war, die
Schule auf die ich nun ging. „Masuke“ so war ihr Name. Auf der Uhr davor
stand das es erst 15 vor Acht Uhr war. Na ja, war ich doch genau richtig
gekommen. Klasse also nichts wie rein. Wie war das doch gestern gewesen,
als meine Tante mich am Abend hergebracht hatte? Die Treppe hoch, nach
rechts, durch die Glastür in den langen gelben Gang, die vorletzte
Tür rechts... ha! 9.2! Meine zukünftige Klasse, bis ich hier
weg konnte. Als ich die Tür öffnete sahen mich ca 30 Schüler
sehr groß an. Die Mädchen trugen alle das selbe wie ich und
die Jungen trugen weiße Hemden mit türkisem Schlips und schwarze
Hosen. Als ich hinein getreten war, war es laut gewesen, doch jetzt, jetzt
war hier Stille. Ich hasste so eine Stille ja so, aber was sollte ich tun?
Langsam ging ich zu einem freien Platz an der Wand. Er lag in der mittleren
Reihe. Daneben saß ein Mädchen mit sehr dunkler Hautfarbe und
braun-roten Haaren. Sie sah sehr schön aus. So exotisch. So sportlich.
Sie sah mich als einzigste freundlich und einladend an. Alle anderen schienen
mich wegzustoßen, denn sie sahen mich an, als sei ich ein Alien.
Lautlos setzte ich meine Tasche ab und setzte mich. „Du hast eine tolle
Haarfarbe!“ Sagte das Mädchen neben mir und streckte mir die Hand
entgegen. „Elza Grey! Willkommen in der Klasse! Ich habe dich noch nie
auf dem Schulhof gesehen. Bist du von einer anderen Schule hergekommen?“
Ich sah ihr in das lachende Gesicht und vergaß alle Vorsätze
mich mit jemanden einzulassen. „Kaiou Michiru! Ja, ich bin neu hier. Ich
komme aus einer Hafenstadt die etwas weiter von hier entfernt liegt.“ Fröhlich
griff ich ihre Hand und lächelte sie auch an. Es schien ja alles bestens
zu klappen.
Phantastisch!
„Ich komme aus Südamerika! Ich bin auch neu hier. Seit einem halben
Jahr sitze ich schon hier und langweile mich zu Tode! Das sind alles ziemliche
Spießer!“ Sagte sie und zeigte auf unsere Klassenkameraden mit einer
verächtlichen Bemerkung. „Wieso starrt ihr immer jeden so an, wenn
er neu in die Klasse kommt!“ Schrie sie sie sauer an und alle wendeten
sich ängstlich ab. Ich lachte und warf meine Haare nach hinten. „Du
hast sie ja sehr gut unter Kontrolle!“ „Na ja,“ Sie kratzte sich verlegen
am Kopf. „Ehrlich gesagt eher nicht. Ich kann diese Dummköpfe nur
nicht so gut ausstehen und sie scheinen Angst vor mir zu haben, weil ich
so gut in Sport bin. Außerdem scheint hier der Ruf zu gelten: Alle
Amerikaner seien gemeine Schläger.“ Ich sah sie mitleidig an. Das
Mädchen schien sympathisch zu sein. Es rede einfach ungezwungen drauf
los, oben nachzudenken ob ich vielleicht genauso war wie die anderen. Sie
trug ihr Herz vor sich herum. Aber es würde mir gefallen endlich wieder
eine normale Freundin zu haben. „Sie sind nicht besonders schlau wenn sie
das denken. Jeder Mensch ist anders!“ Kommentierte ich mit ernster Miene.
Sie wollte etwas dazu sagen, doch da kam ein großer Mann in schwarzem
Anzug herein. Seine Miene war wie erstarrt und sein dicker Schnurrbart
ging über die Lippen. Sein schleppender Gang wurde durch die zu lange
Hose noch deutlich hörbarer als ohne hin schon. Er trug eine dicke
Hornbrille und sah sich wie in Zeitlupe um. „Ein neues Gesicht?“ Fragte
er und bedeutete mir an die Tafel zu kommen. Seine Stimme war fast noch
komischer als sein Aussehen, denn sie war hell, aber unglaublich leise.
Ich schritt mit schnellen Schritten nach vorne und stand vor ihm. Er war
nur ein Stück größer als ich und musterte mich, als sehe
er mich nicht genau. „Schreibe deinen Namen an die Tafel!“ Sanft drückte
er mir die Kreide in die Hand. Ich schrieb meinen Namen groß und
breit an die Tafel. „Kaiou Michiru also! Aha, von welcher Schule kommst
du?“ Er nahm mir das Stück Kreide weg und ließ sich auf seinen
Stuhl fallen. „Von der „Emune“!“ Kritisch sah er mich an. „ähm, von
der habe ich noch nie gehört. Wo liegt die denn?“ Ich sah ihn unschuldig
an. „In Dozu einem kleinen Dorf am Strand. Ich bin erst gestern hier eingezogen.“
Nun war er zufrieden. Er nickte mir fröhlich zu und bedeute mir mit
einer Geste mich wieder zu setzten. Ich lächelte die Klasse nett an
als ich zu meinem Platz zurückkehrte. Dort wartete schon ein Briefchen
auf mich. Von Elza:
Ist er nicht eine Flasche? Aber wenn man bei ihm redet steht man gleich
mit Wassereimer auf dem Kopf draußen. Ich weiß es aus Erfahrung.
Ich suchte sofort meinen Stift aus der Federtasche heraus und schrieb
meine Anwort auf den Papierfetzen:
Sei nicht so fies zu ihm, er ist zwar langsam und unglaublich komisch
*G*, wo ich deiner Meinung zustimme, aber ich kenne ihn ja noch nicht.
So so, du scheinst dich ja beliebt zu machen. Bei Lehrern und Schülern.
Ich passe eher auf, denn ich habe große Ziele. Ich muß gut
in der Schule werden.
Unauffällig reichte ich ihr den Zettel rüber und fing ebenfalls
an, den Text von der Tafel abzuschreiben. Es ging anscheinend um die Wirtschaft
Japans. Der Lehrer zeigte öfter etwas an der Karte neben ihm und fragte
einige Dinge. Ich wunderte mich wie einfach das doch war. An meiner alten
Schule war es so schwer am Schluß gewesen, doch das alles hatte ich
in den Ferien gelernt. Es schien mir nun so einfach zu sein. Immer wenn
er etwas fragte meldete ich mich und hatte es richtig.
Sei du dir nicht so sicher, dass du ihn kennenlernen willst. Er ist
schrecklich. Hinter seinen harten Schicht steckt auch ein harter Kern.
Glaub’s mir Michi! Ups, darf ich dich so nennen? Ich meine wir verstehen
uns ja schon mal ganz gut. Du bist ja echt gut in der Schule! Wofür
willst du denn so gut werden? (Obwohl du es meiner Meinung nach schon bist)
Hastig laß ich den Brief. Ich hatte mich so lange nicht mehr
mit einem Mädchen unterhalten ohne gleich laut zu werden. Es war so
schön, einfach über ganz normale Themen zu reden und nicht immer
nur an eines denken zu können. Meine Rache war schon längst nicht
mehr mein Ziel. Mein Ziel war nur meinen Job zu tun und neben her versuchen
so entspannt wie möglich zu sein. Allerdings für alles was den
Job betraf war ich aufgeschlossener und hing mich mehr rein. Wie in der
Schule zum Beispiel oder beim Training. Ich sah auf die Rückseite
des Blattes und überlegte, was ich antworten sollte.
Wenn du meinst... Klar darfst du mich so nennen. Ich habe zur Zeit
keine Freunde die mich so nenne, weil ich mich mit ihnen gestritten habe.
Tja, so ist das Leben. Obwohl, jetzt habe ich ja wieder eine Freundin.
Meinst du echt, dass ich gut bin? Danke! Ich will an die Muugen Schule!
Schnell reichte ich den Zettel rüber und meldetet mich wieder.
Ungeduldig sah ich mich zu Elza um. Sie starrte etwas verdutzt auf den
Brief und sah mich komisch an bevor sie antwortete.
Wieso willst du auf diese Schule! Ich meine, sie ist wirklich gut,
aber... ich habe gehört, das die Leute die auf diese Schule gehen
sich durch die hohen Anforderungen ziemlich in der Arbeit vergraben und
so gut wie keine Zeit mehr für etwas anderes haben. Wollen dich deine
Eltern dahin schicken?
„Elza? Könntest du mir das bitte erläutern?“ Der Lehrer stand
an der Tafel und deutete auf einen Fleck auf der Karte. Elza sah hilflos
zu mir herüber und dann wieder zum Lehrer. „Verstehe. Miss Grey, sie
sollten ab sofort besser zuhören.“ Sie nickte schnell. „Hai!“ Schnell
nahm der Lehrer jemand anderen dran und ich bekam das Zettelchen.
Ich will dahin. Meine Eltern sind tot und ich wohne alleine. Ich bin
ziemlich reich darum geht das und meine Tante kommt jeden Monat mal vorbei
um nach dem rechten zu sehen. Ich will auf diese Schule, weil... sie sehr
gut sein soll. Aber ich glaube wir sollten uns wann anders unterhalten.
Herr Mizu schaut schon ganz sauer zu uns rüber.
Ich gab ihr den Zettel und kurz darauf verschwand er in ihrer Schulmappe.
„Na komm! Ich zeige dir den Hof!“ Elza schnappte sich meine Hand und zog mich runter zum Hof. Er war riesig und an einigen Stellen mit Rasen überzogen. An einer Seite spielten einige Jungs Fußball. An der anderen ein paar Mädchen Volley Ball. Dazwischen standen Trauben von Schülern die alle lauthals redeten und lachten. Es war alles so laut, so hell, so menschlich. Ich fühlte mich etwas verängstigt. Elza schien es nicht zu bemerken. „... und da ist der Sportplatz und die Halle! Die Umkleidekabinen der Mädchen rechts, die der Jungs links von der Tür. Dort ist...“ Ich sah mich um und ließ mich ziehen. Nach einiger Zeit kamen wir an einer Wand voller Zettel vorbei. Das bunteste und auch bei weitem größte Plakat von allen fesselte mich und ich blieb stehen, wollte sehen was es war. „SPORT WETTKAMPF! VON JEDER SCHULE AUS TOKIO SIND 10 SCHÜLER/INNEN ZUGELASSEN. ANMELDUNG BEI DEM SPORTFACHLEITER. AUSSCHEIDUNG IN DER SPORT AG!“ „Cool, oder? Ich werde dort teilnehmen. Ist schon beschlossen!“ Ich sah sie groß an und lachte. „Ich wußte gleich das du sportlich bist, aber so...“ Elza hängte sich bei mir ein. „Komm schon Michi! Mache doch auch mit! Ich trainiere dich auch!“ Ich schüttelte schnell den Kopf. „Nein, so etwas ist nichts für mich. Aber ich werde dich anfeuern. Bist du gut?“ Sie sah mich mit einem was-ist-das-denn-für-eine-Frage-Blick an. „Natürlich. Ich bin die schnellste der Schule im 100 m Sprint und Hürdenlauf. Außerdem bin ich die zweit beste im Weit- und Stabhochsprung. Also bitte! Ich werde den Sieg für uns davon tragen und du wirst meinen Pokal halten.“ Ich ließ mich weiter ziehen. „Du bist aber sehr überzeugt von dir!“ Bemerkte ich mit fragenden Augen. Sie klopfte mir auf den Kopf und schleuderte mich um sie herum. „Natürlich. Im Rennen bin ich zu Hause und hier noch nie geschlagen worden. Aber genug vom Eigenlob. Laß uns weiter gucken.“ Schnell rannte sie los und ließ mich einfach stehen. Ich lachte und rannte hinter her. „Hey! Warte!“
„Michi?“ Elza rappelte sich auf. „Mhh! Was ist?“ Fragte ich verschlafen
und sah durch die verquollenen Augen. „Ich hatte eben einen Traum. Ich
habe das Rennen verloren. Gegen den Wind!“ Ich schlug die Decke auf und
setzte mich neben sie. In ihrem kurzen weißen Nike T-Shirt und den
nun großen ängstlichen Augen, sah sie mehr wie eine Puppe als
ein Mensch aus. „Ach komm schon! Du wirst doch nicht jetzt den Mut verlieren.
Heute ist das Rennen. Du freust dich schon die ganze Zeit darauf. Da wirst
du doch nicht auf einmal kneifen wollen?“ Fragte ich mißtrauisch
und stand aus meinem Bett auf. „Ich gehe und mache uns Frühstück.
Geh du als erstes duschen. Wach erstmal auf.“ Sie nickte und krabbelte
ebenfalls aus dem Bett. Wir waren nun schon seit ich vor 1 1/2 Monaten
an die Schule gekommen war Freunde. Die ganze Zeit über hatten wir
Spaß gehabt und ich hatte nur gelegentlich wegen eines Dämons
nicht kommen können. Inzwischen kam ich auch damit klar, dass ich
irgendwann die armen drei Menschen töten mußte um meinen Auftrag
zu erfüllen. Elza war eine große Stütze für mich auch
wenn sie mich immer öfter mißverstand, da ich wieder von schlimmen
Alpträumen geplackt wurde und ab und zu etwas sagte was ich nicht
wollte. Schnell schüttelte ich meinen Kopf und trottete in die Küche.
Schnell griff ich nach der Tür des Kühlschrankes. Ich angelte
die normalen Dinge, wie Käse und Butter heraus und stellte alles auf
den Tisch. Dazu die Brettchen, die Gläser, den Orangensaft, den Toaster
und die Brötchen. „Heute wird ein schöner Tag!“ Sagte Elza hinter
mir und es war mir als hätte ich Ironie darin mitschwingen hören.
„Wieso?“ Fragte ich und drehte mich um. Elza war schon völlig fertig
angezogen und sah grinsend auf mein Nachhemd. Es war mein Lieblingsteil,
was vorne offen war. „Michi, das solltest du nicht tragen. Darin siehst
du so... seltsam jung aus.“ Ich kam auf sie zu und schnipste ihr gegen
die Stirn in meiner Augenhöhe. „Ich habe dich was gefragt!“ Sie deutete
auf das Fenster draußen und mir wurde klar was sie meinte. Es regnete
in Strömen. „Das wird ja so toll! Wir rennen da rum und der Schlamm
spritzt so um uns, dass man nichts mehr sieht. Das wird ne Schlammschlacht
und kein Vernünftiges Rennen.“ Ich nickte verständnisvoll. „Du
wirst es schon hinkriegen. Jetzt essen wir und dann gehe ich ins Bad.“
Wir setzten uns und aßen ohne ein Wort zu sagen. Elza starrte
vor sich hin und ich kaute lustlos auf meinem Brötchen herum. Mein
Appetit war schon bei dem Traum verschwunden. Er hatte diesmal mehr weh
getan als davor, denn Elza war auch bei dem Wirbelsturm gestorben. Sie
war gerannt und weit vor den anderen Staturen gewesen, doch trotzdem wurde
sie zerfetzt. Melancholisch sah ich zu ihr herüber, wie sie an dem
Saft nippte und umherstarrte.
Es ist doch falsch! Ich benehme mich trotzdem so selbstsüchtig.
Ich bringe sie einfach nur in Gefahr. Das ist nicht mehr lustig, das ist
tot ernst. Was soll ich tun? Ich fühle mich so gut! Aber es ist egal
wie es mir geht. Auf sie kommt es an. Ich will nicht das dir was passiert.
Aber was soll ich tun? Dich wegstoßen? Nein, dann würde ich...
„Hey! Träumerchen! Wach auf. Wir haben nur noch 20 Minuten, bis
wir los müssen. Also beeile dich!“ Elza weckte mich aus meiner Trance.
Meine leeren Augen sahen für einen kurzen Moment in ihre und ich sah
wieder wie sie zertrümmert wurde. Für einen Moment sah ich nicht
meiner Freundin, sondern der Statur ins Gesicht: „Wieso hast du das getan?!“
Fragte sie mit eisiger Stimme ohne den Mund zu bewegen. „AAHHH!“ Erschrocken
viel ich von meinem Stuhl. Elza stürzte sofort zu mir. „Michi! Ist
alles in Ordnung?“ Vor meinen Augen drehte sich alles, doch ich erkannte
sie endlich wieder. Sie war wieder die normale, doch der Schreck saß
mir tief in den Knochen. „Es ist... alles in Ordnung!“ Sie zog mich etwas
schwerfällig hoch und sah mich besorgt an. „Du wirst doch nicht krank
werden?“ Schnell faßte sie auf meine Stirn. Vor mir sah ich wieder
die Statur und ihre Hand fühlte sich eiskalt an, wie aus Stein. Ich
wollte wieder schreien, aber nicht ein Ton kam aus meiner Kehle.
Egal was ich sehe. Es ist nur Elza. Es ist alles ganz normal. Ich habe
nur zu wenig geschlafen.
Mit einem mütterlichen Schmollen nahm sie die Hand von meiner
Stirn. „Fieber hast du nicht. Willst du nicht doch lieber hierbleiben?
So wichtig ist mir das mit dem Rennen auch nicht!“ Ich schüttelte
nur steif den Kopf, unfähig etwas zu sagen. Rasant stolperte ich ins
Bad und schlug die Tür mit einem gewaltigen Krachen zu. Erleichtert
lehnte ich mich an die Tür. Alles vorbei. Alles wurde wieder normal
vor meinen Augen. Schwerfällig lehnte ich mich auf das Waschbecken.
„Oh je, hoffentlich ist es jetzt vorbei!“ Ich schüttelte meinen Kopf
und warf mir Wasser ins Gesicht, als ich wieder zum Spiegel sah, sah mich
mein verwandeltes Spiegelbild mit kalten Augen an. „Du bist egoistisch
und so menschlich! Du haßt dich doch jetzt schon selber! Was wirst
du tun wenn Elza auch stirbt? Wenn sie einen Talisman in sich trägt?“
Ich hielt mir die Ohren zu. „Sei ruhig! Es ist alles ganz anders. Ich will
auch ein normales Lebe führen.“ Ich fühlte eine Ohrfeige auf
meine Wange, wie von einer kalten Hand. Mein Spiegelbild sah mich sauer
an. „Hast du immer noch nichts gelernt! Du bist Sailor Neptun! Du kämpfst
gegen das Böse! Das Schicksal der Welt liegt in deiner Hand!“ „Wenn
ich wirklich dafür ausgewählt worden bin. Dann ist das Schicksal
schon geschrieben, wenn es sagt die Welt geht so wie so unter, wieso sollte
ich dann kämpfen?“ Zu meiner Überraschung lächelte das Spiegelbild.
„Du verstehst das alles noch nicht. Du bist noch jung!“ Erst jetzt viel
mir auf, wie alt das Spiegelbild war. Sie mußte über 30 sein.
Tiefe Augenringe umrahmten ihre traurigen Augen. „Du stellst dir unter
Schicksal etwas völlig falschen vor. Ich weiß es, aber es ist
mir nicht gestattet es dir zu sagen. Du mußt es selbst herausfinden.
Allerdings wollte ich dir dein Lernen etwas angenehmer gestalten. Ich wollte
dir das ersparen, was am schmerzvollsten in deiner Zeit ist, aber wahrscheinlich
siehst du in mir doch nur den Boten irgendeines Gottes der von nichts eine
Ahnung hat. Schon gar nicht wie sich ein Mädchen in deinem Alter fühlt.
Das habe ich auch geglaubt, aber so etwas hat mich nicht geschickt. Ich
will dir helfen und dich nicht einschränken. Wieso sollte ich meinem
jungen Ebenbild schaden wollen?“ Sie lächelte mütterlich und
wurde dann wie auf einen Schlag wieder ernst. „Aber! Heute wird etwas passieren!
Also sei bereit!“ Und verschwunden war sie. Kopfschüttelnd sah ich
auf den Spiegel, schloß dann die Augen und griff nach der Zahnbürste.
„...und da sagte der doch glatt....“ Elza redete und redete. Das war
anscheinend nach Sport ihre größte Stärke. Normaler Weise
hörte ich gern ihren Geschichten zu, doch heute war alles anders.
Ich konnte mich nicht auf ihre Stimme konzentrieren und um ehrlich zu sein,
war es mir heute fast schon lästig, dass sie nur schnatterte. Andererseits
war es gut, so konnte ich in Ruhe nachdenken.
Was wird passieren? Hat es was mit Elza zu tun? Ein Dämon der
Elza angreift? Ein Unfall? Oder etwas ganz anderes?
„...und.... hey? Michi, hörst du mir überhaupt zu?“ Ich nickte
nur und sah in die andere Richtung. Elza verzog sauer das Gesicht. „Michiru!“
Langsam wendete ich meinen Kopf ihr zu, doch meine Augen sahen eher durch
sie durch als sie an. Langsam jedoch nahm ich wahr wo ich mich befand.
Wir liefen zu diesem riesigen Sportplatz, wo ich jeden Tag zur Schule vorbei
kam. Es war dort heute sehr voll. Da wir oben lang liefen, sahen die vielen
Menschen mit ihren verschieden farbigen Regenschirmen aus wie Pilze. Ein
Lächeln spielte um meine Lippen und schließlich begann ich zu
lachen, als ich ein Mädchen zwischen ihnen entdeckte, was als einzigste
keinen Regenschirm hatte und total durchnäßt war. Ihre langen
blonden Zöpfe mit den Odangos sahen eher aus nasses Stroh, als
Haare. Ich begann herzhaft zu lachen und mir fiel fast der große
blaue Regenschirm runter, unter dem Elza und ich liefen runter. Elza sah
mich verständnislos an. „Michiru, ab und zu verstehe ich dich wirklich
nicht! Wieso lachst du denn so? Eben warst du noch so anwesend wie ein
Geist auf einem Sommerfest und nun lachst du dich kaputt und sagst mir
nicht mal wieso!“ Lachend zeigte ich auf das Mädchen und auch Elza
prustete los. Es war aber auch zu komisch wie die kleine, sie mußte
so 11 sein, ständig über ihr im Regen zu groß gewordenes
Kleid stolperte, wieder aufstand, sich hilflos umsah und nur um, als sie
dachte jemanden erkannt zu haben, hin rannte, wieder hinfiel. Als wir näher
kamen, hatte ihre Mutter, eine Frau mit langen blauen Haaren, sie in die
Arme genommen und ihr einen kleinen hell rosa Regenschirm in die Hand gedrückt.
Das kleine Mädchen strahlte nun und stolzierte ganz stolz mit dem
Regenschirm herum. Sie schien richtig glücklich zu sein. Obwohl ihr
fürchterlich kalt sein mußte. Es waren heute immerhin nur 5°
C, außerdem noch so durchnäßt. Mir wurde schon beim Gedanken
kalt. Ich fror auch. Mir fiel auf das ich mich viel zu dünn angezogen
hatte. Ich trug eine helle Seidenstrumpfhose. Den türkisen Schuluniform
Rock und darüber einen weißen engen Pullover. Ich hatte nur
einen blauen Mantel übergeworfen. Aber egal. Lächelnd sah ich
wieder zu dem Mädchen. Der Regen schüttete. Durch den dichten
Wasservorhang konnte man leider nicht all zuviel sehen. Mein Lächeln
verschwand als ich zusah, wie sie zu einer Traube von Mädchen hinrannte,
die sie leicht neckten und sie nur mit ihnen lachen konnte. Sie sahen so
glücklich aus, so jung und unschuldig.
Wie ich, bevor das alles geschah...
Fiel mir schmerzhaft ein und es stach wie tausend Messerstiche in mein
Herz. Schwerfällig sah ich weg und lief Elza nach, die direkt auf
die Umkleide Kabine zusteuerte. Sie war schon viel weiter als ich und nur
mit Mühe konnte ich sie einholen bevor sie hinein ging. „Warte nicht
auf mich. Wir müssen uns gleich aufstellen. Also, such dir einen schönen
Platz und feuere mich kräftig an!“ Lässig warf sie mir meinen
Regenschirm zu und verschwand hinter der blauen Tür. Ich seufzte tief.
Langeweile überkam mich. Was sollte ich jetzt die restliche Zeit bis
zum Start tun. Erst mal den Regenschirm aufmachen. Ich sah nach oben in
den mit Wolken verhangenen Himmel. Alles war so grau. So trostlos. Genau
wie ich. Was sollte ich tun? Einige Zeit starrte ich einfach nur in die
Wolken, doch die konnten mir auch nicht helfen und der stechend kalte Regen
war zuviel. Langsam senkte ich wieder meinen Kopf und schlenderte durch
die Menge. Bisher war mir gar nicht aufgefallen, dass hier so viele Stände
aufgebaut waren. An einigen Ständen wurden heiße Getränke
und Essen verkauft, an anderen gelbe riesige Hände mit denen man winken
konnte oder ein klatschender Hut, doch das alles interessierte mich eher
weniger. Ich drängelte mich durch die Menge zum Geländer vor.
Neugierig luckte ich nach unten. Dort war eine 100 m Strecke und die Hindernisse
standen dahinter, warteten darauf aufgebaut zu werden. Als ich mich vorbeugte
um zu sehen ob Elza schon da war, blies mir ein kalter, nasser Wind entgegen.
Eisig fuhr er mir durch den Pullover. Die kleinen Tropfen schmerzten in
meinem Gesicht. Ich drehte mich um und knöpfte den Mantel zu und schlang
meine Arme, hauchte gegen die kalten Finger.
Was für eine Schnapsidee, bei diesem Wetter ein Sportwettkampf
zu veranstalten!
Ärgerte ich mich, seufzte und sah wieder in die Menschenmenge.
Ein unangenehmes Gefühl fuhr mir in die Glieder. Noch nie hatte ich
mich bei SEHR vielen Menschen wohl gefühlt, doch noch nie war es extrem
gewesen. So viele Menschen, so nah aufeinander, das war alles so fremd
und ungewohnt. Plötzlich fühlte ich ein starkes Gefühl in
mir. Dasselbe wie in meinem Traum. Ein warmes Kribbeln in meinem Herz.
Mein Blick war auf ein Mädchen gefallen, die ich, wenn ich nicht genau
hingesehen hätte, für einen Jungen gehalten hätte. Sie stand
etwa 10 Meter von mir entfernt vor einer Bude stand. Sie war riesig. Ihr
blonder Bubikopf stand über allen anderen. Die Haarsträhnen hingen
ihr naß ins Gesicht. Ich wußte nicht was es für ein Gefühl
war, was mich dazu zwang genauer hinzusehen. Sie stand einfach nur da.
Sah mit leeren Augen in den Himmel. Ihre zarten blonden Haarsträhnen
hingen ihr wirr ins Gesicht und ihr kurzen Jungenschnitt war völlig
durchweicht. Alles an ihr war perfekt auf eine Männerfigur passend.
Nicht erkennbare Busen, doch nein, unter dem „8“ Startzeichen, was sie
über ihrem gelben Sporthemd trug, wölbten sich zwei Busen, ihre
Schultern waren breit und sahen irgendwie verspannt aus, ihre durchtrainierten
Arme und Beine sahen aus wie die einer griechischen Statur. Aber am meisten
faszinierte mich ihr Gesicht. Grünblaue Augen, breite Augenbrauen,
sehr scharf geschnittenes Gesicht und autoritäres Kinn machten die
Maske perfekt, doch ihre Lippen waren dünn. Ohne Lächeln, ohne
Gefühl und doch so sanft.
Wunderschön!
War das einzigste was mir dazu noch einfiel, doch dann überkam
mich ein unglaublicher Drang zu ihr zu gehen. Sie sah so einsam, so verlassen,
so weltentrückt vor.
Blödsinn Michiru! Sie ist ein großes, starkes und... hör
auf zu schwärmen. Sie ist ein Mädchen. Ein ganz normales Mädchen.
Ich konnte nicht anders, machte einen Schritt auf sie zu, hoffte das
sie mich sehen würde, doch plötzlich drehte sie sich blitzschnell
um, ging weg, ließ meine Träume platzen, ließ mich im
regen stehen, ließ mich ihr noch nicht mal nachsehen, da sie wie
aus heiterem Himmel verschwunden war. Schnell sah ich weg, versuchte mich
wieder zu konzentrieren. Ich war wegen Elzas Wettkampf hier und nicht um
Unsinn anzustellen. Mit einer ruckartigen Bewegung drehte mich nach um
und sah ich wieder nach unten, wo Elza zwischen den anderen stand.
Sie lockerte sich auf und machte ein paar Dehnübungen, als sie mich
entdeckte winkte sie mir fröhlich zu. Ich winkte unanwesend zurück,
denn meine Aufmerksamkeit widmete sich ganz dem jungenhaften Mädchen,
was nun auch zum Start ging. Neben mir schrien ein paar Mädchen: „Tenoh-kun!
Wir lieben dich! STRENG DICH AN! DANN GEWINNST DU!“ Ich sah die Mädchen
überrascht an. Sie trugen die Muugen-Schul-Uniform und sahen alles
sehr schlau aus, doch durch den verliebten Glanz in den Augen fühlte
ich etwas eigenartiges in mir, durch das ich sie nicht mochte. Fast wie
Hass gegen sie, aber wieso? Sie hatte doch gar nichts getan. „Tenoh-kun?
Eher Tenoh-san! Kommt sie von eurer Schule?“ Fragte ich schüchtern,
das braunhaarige Mädchen neben mir. Feurig sah sie mich an. „Natürlich!
Ihr Name ist Tenoh Haruka. Aber sie gilt bei uns eher als Junge und wird
von den meisten Mädchen aus der Schule angebetet. Oh er ist so göttlich!
Und er ist besser als alle anderen. Er ist schneller als der Wind!“ Ich
sah von ihr nach unten. Diese (oder Dieser?) Haruka Tenoh stellte sich
in die achte Bahn. Zwei nach Elza. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen,
Elza anzufeuern, aber nun....
Ich vergaß es völlig.
Etwas wird passieren! Ist es das?
Meine Gedanken waren total verwirrt. Ich konnte nicht einen heraus
hören. Kein Ton kam über meine Lippen. Ich stand nur wie versteinert
da und starrte nach unten. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor bis der Spielleiter
erschien: „Alle auf ihre Positionen!“ Rief er durch ein Lautsprecher. Alle
standen in einer Reihe nebeneinander, doch Haruka übertraf sie alle
bei weitem an Größe und Eleganz. „Auf die Plätze!“ Wie
gebannt sah ich zu Haruka. Sie setzte sich hinein und nicht ein Lächeln
kam über ihre Lippen, wie bei Elza. „Fertig!“ Alle hoben ihr Hinterteil,
was ich sonst immer als so komisch ansah, doch es nun für mich eher
ein unglaublich wichtiges Ritual war. „LOS!“ Elza sauste als erste los.
Haruka lief in der Mitte und ich war fast schon ein bißchen enttäuscht,
als sie nicht schneller zu werden schien. Elza gewann immer mehr an Vorsprung.
Doch da. Harukas Augen funkelten auf, sie beschleunigte und war innerhalb
eines Augenblickes im Ziel und somit weit vor Elza. Als die anderen ins
Ziel rannten, stand Haruka da, sah arrogant über die Schulter zu den
Verlierern und lachte. Es war Wahnsinn. Wie konnte ein Mensch so rennen.
Harukas Füße schienen den Boden nicht einmal berührt zu
haben. Sie war für einen Moment so schnell wie der Wind gewesen oder
nein. Sie war der Wind! Sie war es tatsächlich: Uranus!
Langsam erholte ich mich wieder und nahm wieder meine Umgebung war.
Na ja, ich war noch nie so an die Welt gefesselt. Immer schwebte ich in
unerforschten Höhlen meines Bewußtseins und wußte während
der Zeit immer nicht wann oder wo ich in der Realität war. Das passierte
mir in letzter Zeit immer häufiger. Dadurch machte ich mir Elza und
auch alle anderen (mich selbst eingeschlossen) zum Feind, da ich dann nicht
ansprechbar war. Aber zurück war ich nun wieder und freute mich schon
auf zu Hause. Wo ich meiner Geige mit einem eben ausgedachten Lied dieses
Ereignis schildern konnte. Meine Tante meinte immer ich sei verrückt,
da ich in meiner Geige einen Menschen sah und nicht nur das. Ich sah in
ihr, meine Freundin. Meine einzige. Zwar hatte ich Elza, aber wie lange
noch. Wie lange konnte ich so weiter leben? Wie lange würde es dauern
bis Elza etwas zustieß und ich auch auf sie verzichten mußte.
Alles das, beschäftigte mich zur Zeit sehr, aber jetzt war ich viel
zu aufgeregt um mich ernsthaft mit so einem Problem auseinander zu setzten.
Ich schüttelte meinen Kopf und sah nach unten. Auf der Rennstrecke
wurden die Hürden aufgestellt. Weit dahinter saßen die Läuferinnen.
Elza sah total fertig aus. Sie keuchte und schwitzte. Einige andere saßen
ebenfalls dort, die anderen lagen im nassen Gras und ließen
sich abkühlen, wozu der Regen gut half. Doch wo war Haruka? Wo war
meine gesuchte Partnerin? Uranus? Ich sah auf und suchte mit strengem Blick
die Riege wo Elza saß nach ihr ab. Da war sie schon mal nicht. Dann
sah ich auf die im Regen liegenden Mädchen. Nein, da auch nicht. Schlußendlich
sah ich sie. Sie lehnte neben der Box in der die Teilnehmerinnen saßen
und hatte die Augen geschlossen. Sie strahlte totale Gelassenheit aus.
Keine Ruhe, nein sie war irgendwie unruhig, aber gelassen als ob sie nichts
und niemand schocken könnte. Sie war galant anzusehen. So einfach,
so... jungenhaft. Jede ihrer Bewegungen prägte ich mir genau ein.
Die lässige Geste mit der sie die nassen Haare aus dem Gesicht schlug,
fesselte mich, wie es ein feuerspeiener Drache nicht besser gekonnt hätte.
Ich war einfach hin und weg von ihr. Aber nicht, wie ich von einem Jungen
oder gar Mädchen fasziniert war, sondern auf eine ganz andere Weise,
die nichts mehr mit Freundschaft, gar Liebe oder Mitleid zu tun hatte.
Es war eher, als wenn ich das Schicksal unserer Welt gespürt hätte.
Es war eine Vorherbestimmung! Alles hier, dass wurde mir nun schlagartig
klar. Das ich herkam, nach Tokio, dass meine Freundschaft mit Elza nicht
hielt, sogar der Regen, durch den ich sie überhaupt erst bemerkt hatte.
Aber wieso? Wieso ich? Wieso sie? Wieso trafen wir uns? Und was war dieses
merkwürdige Gefühl? Nicht das am Herz, sondern in meinem Bauch,
als würde eine Bombe darin ticken.
Habe ich mich vielleicht verliebt? Blödsinn. Es heißt doch
immer das man dann Schmetterlinge im Bauch hat und keine Bomben!
Ich konnte nicht weiter hinsehen und wendete meinen Blick auf Elza,
die sich nun wieder etwas gefaßt hatte. Mit wütendem Blick ging
sie zu Haruka herüber und in diesem Moment hätte ich alles dafür
gegeben mit ihr zu tauschen, so nah vor Haruka zu stehen. Sie sagte etwas
mit gereizter Miene. Haruka behielt die Augen geschlossen und bewegte kurz
und knapp die Lippen.
Was sagen sie?
Elza schien dadurch nur noch saurer zu werden und schimpfte wie ein
Rohrspatz los. Haruka öffnete entspannt die Augen, sagte etwas, drehte
sich von ihr weg und ging zum Start. Ihr Blick war eisig, ihre Miene wieder
wie eingefroren. Jede ihrer Bewegungen so prezise, so ausgeglichen. So
stark und schön. Aber etwas war ihr ins Gesicht geschrieben. Sie war
eine Einzelgängerin. Von außen Arrogant und kühl, doch
war sie wirklich so? Ich glaube nicht, dass sie sich in die Arme nehmen
ließe, sondern eher jemand der einen in die Arme nimmt. Seufzend
ließ ich meinen Kopf sinken und schloß die Augen. Ein warmes
Gefühl fluttete meinen erkalteten Körper. Ich hatte das Gefühl
von jemandem in die Arme genommen zu werden. Ich wünschte mir, dass
es die Wirklichkeit wäre, doch da bließ ein kalter Wind um mich.
Vor meinem inneren Auge sah ich zwei Kriegerinnen. Rücken an Rücken.
Türkis an blond. Groß und klein. Sie wirkten wie ein Ying-Yang
Zeichen, dass sich gegenseitig ergänzte. Jeder Teil brauchte den anderen.das
sollten wir sein? Ich, die sich immer selbst verliert und Haruka, die so
perfekt zu sein schien? Nein, dass war nur wieder so ein Trugbild.
„Meine Damen und Herren! Liebe Schüler und Schülerinnen!
Der Hirdenlauf und der Rest der heutigen Kämpfe werden auf morgen
verschieben. Die Veranstalungen werden wegen schlechten Wetters verschoben!“
Ich sah überrascht nach unten. Haruka lief eben mit einer Tasche locker
über den Rücken geschlagen an Elza vorbei. Sie sagte etwas mit
einem kalten Lächeln und ging. Elza sah ihr nur sauer nach und stürmte
dann nach oben.
„Oh diese Ziege! Sie ist zwar gut, aber...“ Elza schimpfte wie wild
rum als sie aus der Umkleidekabine kam. „Oh Michi! Hast du diese Ziege
namens Tenou Haruka auch gesehen?“ Ich ging langsam neben ihr her. „Na
ja, ich finde nicht das sie so schlimm ist!