Im letzten Julitag des Jahres 1888 präsentiert sich München in Festtagslaune. Die Centenarfeier zum Andenken an den hundertsten Geburtstag König Ludwigs I. steht auf dem Programm - mit zweijähriger Verspätung. Der mysteriöse Tod Ludwigs II. in den Fluten des Starnberger Sees machte den Feierlichkeiten seinerzeit einen Strich durch die Rechnung. Prächtig geschmückte Festwagen, umrahmt von malerisch kostümierten Künstlergruppen fahren die Ludwigstraße entlang zum Odeonsplatz. Dort blickt der Prinzregent freundlich winkend auf das bunte Treiben. Die Organisatoren haben wirklich alle Register gezogen. Selbst eine als feuerspeiender Drache verkleidete Dampflokomotive wird ins Festgetümmel geschickt. Fauchend entweichen Funken und Rauch aus den aufgerichteten Nüstern des Ungetüms schlagen die häßlichen Hautflügel. Und der Schuppenschwanz peitscht durch die Luft. Ein Mann mit lang herabwallendem Bart und nackten Armen, angetan mit roter Kappe und Jacke, Schurzfell und schwarzer Hose leitet den Drachen. Drei weitere tragen die Ketten, an welcher der Drache geschmiedet ist. Dieses riesige, willig der Leitung eines einzelnen Mannes folgende Ungetüm soll die Riesenkräfte der Natur versinnlichen, welche sich die Eisenindustrie dienstbar gemacht hat. Nur die Riesenkräfte der acht, eigens für den Festzug vom Zirkus Hagenbeck abgestellten Elefanten im Festzug zieht wohl niemand ins Kalkül. Denen fährt nämlich - angesichts des dampfenden Ungetüms - ein gehöriger Schreck in die Rüssel. Die Tiere brechen aus und trampeln fürchterlich trompetend quer durch die Stadt. Beträchtlich ist die Schadensbilanz. Eine alte Frau wird im Gedränge totgetreten, eine weitere trifft der Schlag. Glimpflich kommt eine Elefantenreiterin davon. Sie erleidet beim Abspringen einen Rippenbruch.

Die Elefanten sind los

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