Scharlatane jeglicher Couleur haben im Mittelalter leichtes Spiel. In einer Zeit, die dem Hexenwahn fröhnt und in der die Menschen allerlei mysteriöse Mächte zwischen Himmel und Erde vermuten. Zu den Leichtgläubigen darf sich durchaus auch der Ende des 16. Jahrhunderts in München residierende Bayerische Herzog Wilhelm V. zählen. Schließlich führt er seit kurzem einen eigenen Hofmagier namens Marco Bragadino auf seiner Gehaltsliste. Dem Sinn fürs Praktische kann man dem Herzog gleichwohl nicht absprechen. Denndem Venezianer Bragadino eilt der Ruf des Goldmachers voraus. Der Herzog hofft, mit dessen Künsten die Staatsverschuldung auf einen Schlag beheben zu können. Leider sind damals die heute grenzüberschreitenden Kommunikationsströme damals nur spärliche Rinnsale. Sonst hätte Herzog Albrecht wohl von dem gerade in Venedig als Kurpfuscher gebrandmarkten Goldmacher die Finger gelassen. Gleichwohl scheint Bragadino auch mit dem Talent eines Entertainers beschlagen gewesen zu sein. Gekleidet in “Mammona” (Gott des Reichtums) und bewaffnet mit Destillierkolben, Blasbalgen usw. schipperte Bragadino und einige Helfershelfer in Gondeln durch die Venediger Kanäle und zelebrierte dem Volk seine einzigartige Kunst. Eben bis zur Enttarnung. Sein kurzes Münchner Gastspiel verläuft indes nicht nur im Sande. Es endet unter dem Schwert des Scharfrichters. Mitten auf dem heutigen Münchner Marienplatz. Man schreibt das Jahr 1589. An den Kragen geht es auch Bragadinos beiden rabenschwarzen Hunden. In Ihnen erblickte das abergläubische Volk den Inbegriff des Bösen. Sollte der windige Bragadino heute noch in der Hölle sein Goldsüppchen kochen, so ist es ihm vielleicht ein Trost, dass seine Magie bis in die heutigen Tage wirkt - in Form der traditionellen Marco Bragadino Faschingsvorlesung an der Münchner Universität.
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