Montag, 01.03
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Losgeflogen sind wir um 11.30 (mit ner halben Stunde Verspätung) und nach gut 90
Minuten waren wir in London
Heathrow. Da wir einige Stunden Zeit hatten, wollten wir in die Stadt fahren, was laut
Werbung mit einem Flughafenzubringerbahn in 15 Minuten möglich sein sollte. Da wir die
Abfahrtstelle nicht fanden, fragten wir danach und erfuhren, daß diese Werbung absolut
nich stimmte, da es bis zur Stadt gut 60 Minuten dauere. Nun gut, bei McDonald's ist ja
auch schön und große Flughäfen auch nach Stunden noch sehr interessant.
Gegen 16 Uhr flogen wir also weiter nach Peking. Die
Flugzeit betrug 9 Stunden und mit 6 Stunden Zeitverschiebung kamen wir also nach unserer
inneren Uhr um 3 Uhr Nachts an (selbstverständlich verschliefen wir solche interessanten
Dinge wie einen Pekingflug nicht - ob freiwillig oder nicht steht hier nicht zur
Diskussion), in Peking war's dann schon morgens 9 Uhr. Auf in einen neuen Tag ! Als erstes
wollten die Sekretärin der Firma NEUSOFT anrufen, daß wir sie um 19 Uhr in Shenyang am
Flughafen begrüßen wollten. Ihre Telefonnummer hatten wir zwar nicht, immerhin die
Nummer der dortigen Uni und die Information, daß der Softwarepark irgendwie zur Uni
gehört. Also brauchten wir nur beim Unisekretariat die Telefonnummer der Sekretärin des
NEUSOFT-Sekretariats erfragen. Da wir direkt im Pekinger Flughafen Geld holten, brauchten
wir es nur noch in Münzen für's Telefon tauschen. Es gab zwar an jeder Ecke (außer für
deutsche Praktikanten voller Tatendrang) unübersehbare "Telefonkioske", aber
dennoch fragten wir eine Frau nach Münzgeld. Sie verstand zwar nicht so recht was wir
wollten, aber irgendwann konnten wir einfach nicht mehr das Angebot, ihr Handy zu
benutzen, abschlagen - was sie später ziemlich bereuen sollte. Heiko rief dann im
Unisekreteriat an - jedoch sprach dort auch niemand genuegend Englisch, um unser Anliegen
zu bearbeiten, deshalb baten wir die Handyleiherin, nach der Telefonnummer zu fragen. Da
sie auch nicht weiterkam (warum weiß niemand so recht) holte sie noch eine weitere Frau
dazu, die ein bißchen Englisch sprach, und nach über 35 Minuten hatten wir zumindest die
Nummer der Firma NEUSOFT.
Nachdem wir die arme Frau entlassen hatten - sie war schon total nervös, weil sie ja
eigentlich einen Fluggast abfangen wollte - versuchte sich Heiko nochmal selbst die
Sekräterin an die Strippe zu bekommen, was ihm nach (nicht übertrieben) 7 verschiedenen
Gesprächspartnern (3 verstanden wohl auch kein Englisch), über 10
Durchstellverbindungen, und ca. 10 Minuten Warteschleife gelang. Da es nun schon 12.30
war, wir um 17.00 Uhr wieder einchecken sollten und auch schon ein nettes Angebot einer
Frau, einen Dolmetscher und ein Auto für eine Sightseeingtour durch Peking zu mieten,
abschlugen, war uns eher nach etwas warmem zu Essen.
Glücklicherweise standen vor dem Flughafen 4 Container (so'ne Art Klohäuschen) in denen
es was zu Essen gab. Wir zeigten (leider) wahllos auf einige akzeptabel Nudel- und
Fleischsorten und bekamen zusätzlich noch Reis in einer Styroporschachtel serviert. Als
wir auf dreibeinigen Hockern an einem kleinen Tisch innerhalb des Containers saßen,
bemerkten wir erst was wir da bestellt hatten. Es schmeckte nach Feuer mit Feuer, Reis und
Feuer. Da jemand am Nachbartisch Dosenbier trank, zeigten wir darauf (bevor nochmal was
Mißverständliches bekommen hätten) und bekamen sogar, was wir uns vorstellten.
Die restliche Zeit bis zu unserem Weiterflug verbrachten wir auf dem Pekinger Flughafen
mit amüsantem Leutebegutachten.
Donnerstag, 04.03 - 1. Arbeitstag
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Es ist Donnerstag morgen kurz vor 8:30. Wir haben angenehmes Wetter, ca 12 - 15 Grad
schaetze ich, und wir laufen eine kaum befahrene Strasse der zum Ausgang des Softwareparks
fuehrt auf ein grosses graues Gebaeude zu, dass ein wenig dem Aussehen von Raumschiff
Enterprise gleicht.
Nicht zu uebersehen ist dabei ein grosser See der am Ufer ausgetrocknet scheint. Wir
raetseln ob es Salz oder Eis sein kann. Aufgrund der Waerme und der seltsamen
unregelmaessigen Struktur, koennte man wirklich daran zweifeln, dass der See wirklich mit
Eis bedeckt ist.
Beinahe luxurioes wirkt der Eingangsbereich des Softwarehauses. Zwei Portiers wachen ueber
den Empfangsbereich.
Da wir gestern schon mal kurz hier waren, um einige eilige Mails am Computer von Zhang
Shuai zu schreiben wussten wir noch, wo wir hinmuessen. Am Buero der Sekretaerin vorbei,
betreten das Zimmer des Direktors Dr. Yang Li, welcher uns gleich in den Konferenzraum
bittet. Nach einer kurzen Einführung in die Themengebiete der gerade neuangelegten Java
Abteilung, erzaehlen wir ihm, mit was wir uns bisher beschaeftigt haben.
Er stellt uns zwei Projekte vor, die von seinen Abteilungen gerade in Angriff genommen
werden sollen.
Mit den Worten: "Now, my task is over" (Mein Programm ist jetzt abgelaufen)
veweisst er uns an die jeweiligen Projektleiter. Wir betreten das Grossraumbuero mit etwa
200-300 Computerarbeitsplaetzen, wie man es von japanischen Firmen kennt.
Alle Mitarbeiter in der Abteilung haben einen englischen Namen angenommen, wahrscheinlich
um es den auslaendischen Praktikanten leichter zu machen, ihre Namen zu behalten.
Mein Betreuer, ich soll ihn einfach Tom nennen, weisst mich in mein Arbeitsgebiet ein.
Puenktlich zum Mittagessen erheben sich alle fast gleichzeitig von ihrem Arbeitsplatz und
laufen zur Kantine, die vom Buerogebaeude nur einige hundert Meter entfernt ist.
Mary (Zhang Shuai) besorgt uns eine Geldkarte fuers Essen. Den anderen folgend stehen wir
an einer breiten Theke (aehnlich der beim Metzger) an, und zeigen auf das Gewuenschte. Wir
entscheiden uns beide fuer das am wenigsten fremd aussehende, eine Art
Hackfleischbaellchen. Reis ist die obligatorische Beigabe zum Hauptgericht. Wir schnappten
uns noch ein Set in Papier verpackte Holzstaebchen, und suchten uns einen freien Tisch.
Nach einigen Bissen begleitet durch eine etwas selsame Mimik meines Gegenuebers, beschloss
ich einfach, dass es mir schmeckt. Es war auch wirklich nicht schlecht, geschmacklich
unseren Hackfleischbaellchen sehr aehnlich - etwas seltsam biss sich nur das schleimige
Drumherum.
Wie wir es aus einigen Reisefuehrern lernten, sollte man nicht alles aufessen, sonst
koennte man den Eindruck erwecken, dass es nicht ausreichend war. Und hoeflich, wie wir
nun mal sind, liessen wir noch einiges auf dem Tablett, denn wir wollten nicht gleich
negativ auffallen.
Im Laufe des Nachmittags bekomme ich einen Computer an meinem Platz installiert, mit dem
ich nun wieder Verbindung zur restlichen Welt haben kann.
Tom ist ziemlich genau in unserem Alter, er studiert Informatik an der North Eastern
University in Shenyang.
Um uns ein wenig besser kennenzulernen, laden wir in zu einem abendlichen Plausch bei
Keksen und Tee ein. Wir lernen ettliches ueber die chinesischen Schriftzeichen, ihre
Urspruenge, und Wandlungen ueber die Zeit kennen. Tom erklaert sich bereit uns ab und an
ein wenig Chinesischunterricht zu geben.
Freitag, 05.03
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Wir waren mit Tom in Shenyang Einkaufen. Um uns bei
Tom fuer seine Muehen zu bedanken, luden wir ihn zum Essen bei McDonald's ein.
Es gibt geich vier davon in Shenyang und noch einige KFC (Kentucky schreit...). Fuer Tom
war es das erste Mal, aber auf unsere Frage, ob er das mag meinte er: "Yes, yes,
maybe it's good... (for some others)". Diese Aussage spiegelt sehr deutlich das
wieder, woran man sich im Umgang mit Chinesen gewoehnen muss. Sie haben eine sehr moderate
Art zu zeigen, was sie denken.
"Vielleicht" hast fast grundsaetzlich erstmal, "lieber nicht". Ein
entschiedenes Nein, wird man selten erleben.
Es ist schon sehr interessant einige Dinge, die in den Reisefuehrern beschrieben sind,
real nochvollziehen zu koennen.
Samstag, 06.03
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Wir fuhren wir mit Tom in die Stadt; er wollte uns
zeigen, wie billig man in China Software bekommt. Hier war es also tatsaechlich so, wie
ich auch schon in Deutschland hoerte: In einem runtergekommenen Haus, von aussen nicht als
Laden erkennbar, sind ettlich Staende, wie auf dem Markt, aneinandergereiht, wo Frauen und
Kinder CD-ROMs, Audio und Video-CDs verkaufen.
Auf meine Frage, ob das ganze hier legal ist, sagt Tom laechelnd, dass ab und zu mal die
Polizei vorbeikommt, doch sie irgendwie nicht so recht wissen, was sie dagegen tun sollen.
Die werden sich dann wohl auch an den VideoCD-Staenden bedienen, wo die neuesten Filme,
wie "Blade", oder "You've got mail" zu unglaublichen Preisen zu finden
sind. Heiko hat sich "Email fuer dich" gleich mitgenommen. So billig kann er den
Film wohl nirgends mehr ansehen, geschweige denn kaufen.
Die Fime sind allesamt mit chinesischen Untertiteln und Originalton und wurden mit einer
Videokamera von einer Kinoleinwand abgefilmt. Manchmal wackelt zwar das Bild etwas und man
hoert die Kinobesucher
lachen oder husten. Es ist schon beeindruckend, dass fuer unsere 80 Mio. Einwohner in
Deutschland nahezu jeder Film synchronisiert wird, und hier, wo potentiell 15 mal mehr
Zuschauer waeren, zu solchen Mitteln gegriffen werden muss.
An Software war wirklich alles populaere zu bekommen. Die neuesten Versionen von
Programmen im Wert von einigen Tausend Mark auf jeder CD.
Auch gab es einige Software die es nicht gibt, z.B. Microsoft Delphi, Windows 97 oder
Microsoft Outbook 98. Aber alles auf wirklich echt ausseheneden Covern. Und natuerlich die
neuesten Spiele, die's in Deutschland teilweise noch nicht gibt. Zu finden waren auch
Audio-CDs wie z.B. Bluemchen, Modern Talking oder Beethoven.
Achja, noch eine Information die aber wahrscheinlich keinen interessiert: Pro CD werden 5
bis 7 Yuan verlangt, das sind etwa 1.20 bis 1.50 DM. Also nicht ganz so teuer wie ein
leerer CD-Rohling zum selberbrennen.
Dienstag 8.03
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Aus unserer Kueche (wir bestimmt auch ) kam noch der Gestank von Pommesfett als Mary,
die Sekretaerin,
die uns vom Flughafen abgeholt hat, gestern zu Besuch kam. Sie hatte auch noch jemand aus
dem Buero mitgebracht. Heiko hatte ein paar von zu Hause auf einer CD mitgebracht, dadurch
konnten wir ihnen ein wenig von Oberderdingen zeigen - in den Koepfen von zwei Chinesinnen
rerpraesentiert nun dieses kleine Dorf die Vorstellung von Deutschland. Auf meinem
Notebook konnten wir ihnen geographisch zeigen, wo genau das Dorf (das mit den laecherlich
geringen Einwohnerzahl) liegt, in dem wir studieren.
Die deutschen Staedtenamen haben allesamt eine ganz eigene chinesische Aussprache , z.B.
heisst Frankfurt hier "Falankefu"... Tom beispielsweise kannte alle Staedte mit
populaerer Fussballmannschaft.
Die Info's, die sie hier ueber Deutschland haben, sind sehr unterschiedlich. Manche reden
von etwas ueber 5 Millionen Einwohner in ganz Deutschland, andere denken, Frankfurt allein
hat 5 Millionen Einwohner.
Gestern sprach Mary ueber die Eindruecke, die die auslaendischen Gaeste bei ihr bisher
hinterlassen hatten. Von den Deutschen hatte sie den Eindruck, dass sie gerne im Team
zusammenarbeiten (wie sie nur darauf kommt) und sehr direkt sind, in der Art etwas
auszudruecken.
Ganz anders war ihr Eindruck von Amerikanern, von denen auch schon welche hier gearbeitet
haben. Ihr ist aufgefallen, wie egoistisch sie nach dem persoenlichen Erfolg strebten.
Wenn die wuesste!
Irgendwie hatte ich auch das Gefuehl, sie kannte unser Denken ueber China, jedenfalls kam
es mir so vor, als wollte sie sich rechtfertigen.
Heute gab es mal etwas wirklich Gutes zum Mittagessen in der Kantine. Es war deutlich
besser als das glibberige Mittagessen der letzten Tage, welches geschmacklich wirklich
ganz gut war, nur hat es uns durch sein Aussehen doch immer etwas gehemmt, richtig
zuzuschlagen.
In der Kantine gibt es im uebrigen dreimal am Tag etwas zu essen. Morgen werden wir mal
das typisch chinesische Fruehstueck versuchen - Eier mit Reiswasser. Ich bin schon mal
gespannt.
Mittwoch, 10.03
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Heute morgen probierten wir das Fruehstueck(Reiswasser und Eierkraut) aus der Kantine
und beschlossen danach, dass wir in Zukunft doch lieber auf unser selbstgemachtes
Honigbrot zurueckgreifen werden. Man kann nicht einmal sagen das es schlecht geschmeckt
haette, es hatte ueberhaupt keinen Geschmack.
Jeden Abend, bevor wir schlafen gehen, fragen wir uns gegenseitig chinesische Vokabeln ab.
Ueber die Fehlerrate wird dabei Buch gefuehrt. Derjenige, der bei diesem Test schlechter
abschneidet, muss ein Glas, des von uns so beliebten gruenen Jasmintees trinken. Seitdem
bleiben wir beide heimlich laenger wach -zum Lernen.
Soweit ich das am Entleeren der Muelleimer feststellen kann, kommt alle zwei Tage eine
Putzfrau, und kuemmert sich um unsere Wohnung. Wir haben
derzeit Problem mit dem Abfluss in der Dusche, so dass immer nach dem Duschen das gesamte
Bad unter Wasser steht.
Die Arbeitsmoral hier ist schwer einzuschaetzen. Ich kann nicht sagen, ob die Leute hier
in den ca. 8-10 Stunden, die sie im Schnitt im Buero verbringen, mehr arbeiten, als bei
uns in Deutschland. Manchmal kommt es mir so vor, als waere das hier das einzige, was sie
tun. Einige spielen irgendwelche Computerspiele, andere starren voll konzentriert den
ganzen Tag in ihren Monitor und programmieren und wieder andern schlafen ganz einfach mal
ein Stuendchen, waehrend der Arbeitszeit.
und so geht's weiter ...
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In den Kaufhaeusern und Supermaerkten bekommt man eigentlich so gut wie alles, was das
Herz begehrt, sogar Colgate und Ariel. Die Frage ist allerdings meist der Preis. Was die
Leute hier wohl nicht so gerne essen, ist Kaese, denn bisher haben wir nirgends welchen
gefunden. Von unseren Vorgaengern wissen wir, dass es in Shenyang einen franzoesischen
Supermarkt gibt, in dem man sogar Croissants oder Baguette kaufen kann. Aufgrund das
genialen Essens in der Kantine kochen wir relativ haeufig selber, wobei wir hier ganz
passable Hochs und unglaubliche Tiefs erleben: Vor kurzem kauften wir so eine Art Minimaultaschen,
welche man anbraten musste; wir kochten sie aber in Salzwasser. Was danach rauskam, hat
sich angefuehlt wie Autoreifen und ein bisschen weniger wuerzig geschmeckt; naja, es hatte
so ein Beigeschmack von Lakritz und Pfefferminz. Aber welcher westliche Informatikstudent
kann schon chinesische Zubereitungshinweise lesen...
Obwohl wir einige Probleme hatten, was die Zugangsberechtigung zu unserer Universitaet
uebers Internet anbelangt, gibt's im Fernsehen durchaus englische Sender wie CNN ! Dann
gibt's Starworld , ein englischer Unterhaltungskanal und so etwas MTV aehnliches, da ist
es ja fast egal, dass ab und zu jemand Chinesisch spricht. Ansonsten gibt's CCTV-1 bis
CCTV-8 und noch paar andere kleine Sender. Natuerlich alles auf Chinesisch! Die Department
Leaderin erklaerte uns, dass es nicht gerade einfach sei, einen
"uneingeschraenkten" Internetzugang fuer Auslaender (obwohl ich glaube, dass es
damit wenig zu tun hat.) zu erhalten, dass es da politische Restriktionen gaebe usw...
Desweiteren ist die Internettelefonie (genauer: Weltweites Telefonieren zum Ortstarif)
gaenzlich verboten.
Man kann sich hier wirklich nicht beschweren. Die Bettwaesche wird gewechselt, die
Putzfrau schaut jeden zweiten Tag vorbei, frisches Wasser (das Leitungswasser soll man
nicht ungekocht trinken, aber auch Sprudel ist unüblich - zumindest habe ich hier noch
keines gesehen) wird auf Bedarf von einem Mann in Uniform vorbeigebracht. Seine Waesche
kann man von einer Frau für wenig Geld waschen lassen, oder wenn man nicht zu faul dazu
ist, kann man sie auch selber in die Maschine stecken. Abgesehen von dem Essen in der
Kantine, daß uebrigens keiner so recht mag, ist es wirklich toll hier im Park. Man ist
zwar etwas abgeschieden vom Rest der Welt, doch stuendlich kann man unentgeltlich mit dem
Bus in die Stadt fahren. Und das beste hier sind die Ladenöffnungszeiten: 12 Stunden am
Tag und 7 Tage die Woche. Wie die das hier ohne Mullen und Knullen hinkliegen flage ich
mich auch.
Samstag, 13.03.
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Heute waren wir mit Tom im Kaiserpalast von Shenyang, der vor ca. 400 Jahren der
wichtigste Chinas war, bevor die Quing Dynastie von einer anderen (schoen herumgeredet,
gell?) abgeloest wurde, welche nach Peking zog. Angeblich ist der Palast eine
Miniaturversion der beruehmten "Verbotenen Stadt" in Peking. Wir werden spaeter
selbst vergleichen koennen. Hierzu geben viel mehr her, nur eines nicht: Es war
erbaermlich kalt ! Aber was soll's. In wenigen Wochen hat's hier angeblich eh 35 Grad im
Schatten. Da Tom bisher viel mit uns unternommen hat, und wir herausfanden, dass er am 28.
Maerz Geburtstag hat, haben wir vor, ihm etwas zum Geburtstag zu schenken. So weit so gut
- doch auch hierin stecken Gemeinheiten! In China (Asien?) gibt's naemlich zwei
Kalendersysteme: nach unserem sogenannten Mondkalender wurde Tom am 28.3.1976 geboren. Im
chinesischen Sonnenkalender war das jedoch der 28.2.1976. Dieser Unterschied kommt dadurch
zustande dass ein Sonnenkalenderjahr einige Tage weniger hat - genauer, es gibt alle 2
oder 4 Jahre zwei Februare! Und der 28.2.1999 im Sonnenkalender entspricht dem 14.4.1999
im (westlichen) Mondkalender. Also haben alle Chinesen zwei Geburtstage, wobei der
Sonnenkalendergeburtstag wichtiger zu sein scheint! Sind damit alle Klarheiten beseitigt?
Sonntag, 14.03.
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Mit Tom und Frank vereinbarten wir heute Abend ein Treffen in unserer Wohnung. Wir
haben jedoch sehr spät das Büro verlassen, deswegen lohnte es sich nicht mehr, wie
ursprünglich geplant, in den "Club" zu gehen. Bisher waren nur einmal kurz mit
Mary dort, um sie uns anzusehen: Eine relativ grosse Kneipe in rustikalem Stil, wo man
Billard spielen, was trinken oder sich auch gemühtlich unterhalten kann. Wir verschieben
es auf ein anderes Mal, und machen es uns in unserer Wohnung gemühtlich bei Tee, Cola und
deutschen Süssigkeiten. Tom interessierte sich für unsere Meinung über Hitler.
Erzählte uns über den Angriff der Japaner auf China während des 2ten Weltkriegs (wobei
mehr als drei Millionen Chinesen getoetet wurden.). Daran haengte er sein Bild ueber
Japaner auf. Ob er das bei den Deutschen wohl genauso sieht??
Anfangs waren wir doch etwas verdutzt ueber das Verhalten der Leute. Obwohl wir nun einige
mehrmals zu uns einluden, und wir uns praechtig unterhielten, hatten wir am naechsten
Morgen bei deren Begegnung das Gefuehl, dass wir ihnen keinen Schritt naehergekommen sind
(sie gruessten nicht einmal). Mittlerweile hat sich dieser Eindruck etwas gelegt - wir
haben festgestellt, dass unser allmorgentliches Gruessen hier absolut unueblich ist. Sie
gruessen sich untereinander gar nicht, jedoch machen sie seit neuestem bei uns eine
Ausnahme.
Eine Chinesin aus dem Managementbuero hat uns angesprochen, als sie von unserer
Anwesenheit erfahren hatte. Sie lebte fuer fuenf Jahre in Berlin, und spricht auch recht
gut Deutsch. Bei Gelegenheit werden wir uns naeher mit ihr unterhalten - mal sehen was von
ihr Interessantes rueberkommt.
Montag, 15.03.
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Als wir vor einer Woche in der Stadt waren, und auf den Strassen 15 cm hoch der Schnee
lag, formierten sich ettliche Leute zu Schneeschiebertruppen und hinterliessen ueberall
Schneehaufen. Wir fragten Tom, wieso sie das tun, und er meinte, dass sich die Leute fuer
die Ordnung in der Stadt verantwortlich fuehlen. In Deutschland waere dies nicht denkbar,
oder? (Passendes Zitat einer Chinesin: "I don't believe in a traditional God like you
do; I believe in Marx."). Vielleicht gibt es doch Menschen auf dieser Erde, wo
Kommunismus einen Sinn macht ;-) Nachdem es in den letzten Tagen danach aussah, waermer zu
werden, hat es heute Nacht wieder kraeftig geschneit, so dass morgens wieder alles mit
einer 10 cm dicken Schneeschicht bedeckt war. Auf dem Weg ins Buero, sahen wir schon
ettliche Maenner von der Armee, (eigentlich nur eine Art privater Wachdienst des
Softwareparks) mit Schaufeln bewaffnet, beim Schneeschippen. Tja, und heute machten wir
eine wertvolle Erfahrung: Gegen 11.30 morgens gingen dann alle ploetzlich raus, ohne dass
wir beide wussten, wieso. Wir folgten unseren Kollegen nach draussen. Dort lagen dann
bestimmt 200 Schneeschaufeln vorbereitet und etwas mehr Leute versuchten, eine zu
ergattern. Und jetzt waren wir diejenigen, die schippten. Und
zwar fast alle. Die Managertypen mit ihren Anzuegen und Krawatten waren genauso dabei, wie
zwei westliche Praktikanten. Nur die meisten Frauen blieben im Office.Nach ca. 20 Minuten
standen ueberall unkoordiniert Schneehaufen in der Gegend, die von irgendwelchen uralten
Leuten auf einen Traktorwagen geschippt wurden, um sie wegzufahren.Ich wuerde sagen, das
ging insgesamt schneller als wenn ein deutscher Unimog mit Schneeschieber zu Gange gewesen
waere !
Geld gab's heute auch, und zwar 1500 Yuan, das sind etwa 350,- DM, nicht viel fuer
einen Informatiker im zweiten Praxisemester ! Tja, aber Tom bekommt weniger als die
Haelfte ! Dabei zahlt er noch 50 Yuan fuer's Zimmer (wir uebrigens nichts). Sein Zimmer
liegt zufaellig direkt an unserem und ist auch genauso gross. Einziger kleiner
Unterschied: Wo wir zu zweit wohnen, sind sie zu Acht! Das erklaert auch das grosse
Wohnzimmer... Heiko spielte schon laenger mit dem Gedanken sich einen PC fuer daheim(im
Zimmer) zuzulegen, um kurz vor dem "InsBettchenGehen" noch ein wenig in sein
Tagebuch zu schreiben. Er fragte Mary um Rat - sie schlug ihm vor, einen alten Rechner aus
dem "Office" zu mieten. Nach einigen Tagen, kam zum Erstaunen von Heiko, Mary
mit einem fertigaufgesetzten Mietvertrag fuer einen alten PC. Eigentlich wollte er ihn gar
nicht so richtig, es war doch damals nur eine Frage, aber was haette er nun tun sollen?
Die restliche Zeit der Woche haben wir ziemlich viel gearbeitet.
Freitag, 19.03
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Gestern abend wollten wir unsere Wäsche abholen Wir kamen gerade aus dem Buero, ich
hatte den Wäschereizettel natuerlich nicht bei mir - aber es kann ja auch nicht
problematisch sein, der Waeschereifrau beizubringen, dass ich den Zettel nicht habe. Nach
minutenlanger interkultureller Kommunikation zeigte sie auf meinen Zettel und sagte
"Nihä da!". Alles klar, die kann ja sogar Deutsch...;-)
Nach ca. 20 Minuten , das Aussuchen der richtigen Waesche mitgezaehlt, gingen wir wieder
aus der Wäscherei. Ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam, sprach uns an, ob wir
nicht Tischtennis spielen wollten. Wir sagten zu, gingen aber erst noch in den heute
wiedereröffneten Supermarkt, dessen Besitzer gewechselt hat und die Produktauswahl und
Anzahl entsprechend dem ersten Tag etwas spaerlich war. Wir wollten unter anderem Eier
kaufen und als wir dies einem sehr gebrochen englischsprechenden Verkäufer klarmachten,
ging er in den Chefraum und kam Minuten später mit der Auskunft zurück, er könnte uns
nur vier davon geben. Eigentlich auch nicht tragisch. Doch dann gab er mir die ganze
Plastiktüte(!) voller Eier, (schätzungsweise 40 Stück) und einen Zettel auf dem die
Zahl 4 stand. Ich sollte das zur Kasse bringen und bekäme dann die vier Eier. Als wir an
der Kasse standen und schon bezahlt hatten, warteten wir darauf, daß uns endlich jemand
die vier Eier aushändigte. Stattdessen nur unverständliche Gesten. Dann kamen wir auf
die Idee, daß wir uns die Eier vielleicht selber aussuchen sollten, denn Eier in
Plastiktüten sind eher selten alle dicht. Aber auch das ließen sie uns nicht tun. Nach
minutenlangem gestikulieren, daß wir nur vier Eier wollten, (an den Zettel mit der Zahl
vier konnte sich wohl niemand mehr erinnern), wurde uns mal wieder von einem
englischsprechenden Informatiker geholfen. Am Ende bekamen wir wieder 7 Yuan (=1,50 DM)
für die hinterlassenen 36 Eier zurück. Was da genau alles schief lief, wissen wir bis
heute nicht, wir wissen nur, daß wir in der Zeit die 4 Eier fast hätten selber legen
können... Danach gingen wir also zum Tischtennisspielen und trafen einen kleinen Raum mit
zwei Platten und etwa 15 Leuten an. Die meisten davon waren (zufällig?) aus unserer
Abteilung. Wir konnten sie jedoch nur schwer davon abhalten, daß wir auch mal aussetzen
wollten...
Samstag 20.03.
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An diesem Morgen wollten wir auf eigene Faust losziehen, um festzustellen, wie gut man
sich ohne Sprachkenntnisse in der Stadt durchschlagen koenne. Heiko wollte aber vorher
noch unbedingt einige Karten mit unseren Zielen in chinesischer Schrift anfertigen lassen,
damit wir diese einem Taxifahrer zeigen koennen und auf jeden Fall wieder zurueckkommen.
Da aber nicht alle Leute im Softwarepark ihr Wochenende wie die Werktage verbringen, war
der Bus entsprechend voll und es nicht weiter verwunderlich, daß wir einige Bekannte aus
dem Buero trafen. Da ein Kollege aus Heikos Projekt sich einen Roman kaufen wollte, und
wir ein Stadtkarte, gingen wir mit ihm zum groessten Buchladen der Stadt (haette ich nicht
mal als solchen identifiziert, wenn ich direkt davorgestanden waere) und blieben auch
sonst den ganzen Tag zusammen. Wir fuhren diesmal jedoch nicht mit Taxen, sondern mit
Bussen. Den großzügigen Platz im Bus brauche ich glaube ich nicht weiter zu erklären,
da am Wochenende natürlich niemand anderes auf die Idee kommt, einzukaufen. Zum
Mittagessen waren wir in einem dreistöckigen China-Fast-Food-Restaurant. Im Erdgeschoß
gab's westliche Hamburger, im ersten Stock typische chinesische Kueche, gegliedert nach
verschiedenen Provinzen, dadurch ergibt sich eine Anzahl von schätzungsweise 100-200
verschiedenen Gerichten auf einer Thekenfläche von vielleicht 20 mittelgroßen
McDonald's-Theken. Und hier geschah das Unfaßbare: Das Essen schmeckte richtig gut, und
wir wurden zum ersten Mal so richtig bedenkenlos satt. Wie vieles in China, hatte auch
dieses Restaurant ein wohlklingendes Motto: "Esse, trinke und spiele dich (im dritten
Stock konnte man Computerspiele zocken) zum Himmel", oder so aehnlich. Danach gingen
wir noch durch ein Art Wochenmarkt, auf dem es eine unglaubliche Auswahl an Nahrungsmittel
gab, von exotischsten Früchten über alle möglichen Tierinnereien, sich bewegenden
Riesenlarven, Hühnern, (vom lebenden Exemplar bis frittiertem Krähenfuß),
fußballgrossen Radieschen (Heiko: Heißen die dann eigentlich Radies?) bis hin zu
(endlich!) Paprika.
Sonntag, 21.03.
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An diesem Morgen habe ich keine Geister, die mich aus dem Bett katapultieren wollen.
Mir geht es nicht besonders gut. Meine Erkaeltung hatte wohl ihren Hoehepunkt erreicht.
Ich wollte nur ausschlafen, was glaub ich, Heiko auch nicht so unrecht war. An diesem
Wochenende konnten wir leider keine Emails lesen, noch empfangen, da das gesamte Netzwerk
wegen Umbauten voellig lahmgelegt war.
Montag, 22.03
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Heute morgen habe ich mit Chen Ximin (Codename: Simon, mein Arbeitskollege) über die
chinesiche Ein-Kind-Politik diskutiert - er ist der Meinung, daß diese Maßnahme nötig
ist, um dem Bevölkerungswachstum, das durch Maos Aufrüstungsmaßnahmen in den fünziger
Jahren stark angestiegen ist, Einhalt zu gebieten, jedoch etwas zu spät komme. Er stimmte
mir zu, daß es in den Großstädten nicht unbedingt erforderlich wäre, diese Politik mit
aller Härte durchzusetzen, da der Drang zur Existenzsicherung nicht durch die Anzahl der
Kinder befriedigt wird. In den Städten kann man den Nachwuchs durch harte Auflagen gegen
Verstöße gegen die Ein-Kind-Politik (enorme hohe Geldbußen) gut kontrollieren. Anders
auf dem Land, wo die Leute noch traditionsgemäß einen Stammhalter zeugen wollen. Da man
jemandem, der wenig besitzt auch nicht viel nehmen kann, gewährt man den Bauern das Recht
(was soll man sonst tun) auf ein zweites Kind, wenn das erste ein Mädchen oder behindert
ist.
Neulich abend war Liu Bing bei uns zu Besuch. Einer unserer Vorgänger nannte sie Bing
Bing - scheinbar hat es ihr gefallen - jedenfalls dürfen wir sie nun auch so nennen. Sie
ist 24, hat den Master Degree of Computer Science, und hat kuerzlich ihren Doktor
begonnen. Sie hat die Absicht ihren Doktor in Deutschland fertigzumachen, und deswegen
nimmt sie gerade Deutschstunden an der NEU. Wir haben ihr angeboten, ihr dabei zu helfen.
Auf meine Anfrage, ob es an der Uni auch Chinesischkurse für Ausländer gäbe, erkundigte
sie sich vor Ort. Ergebnis war - für 800 US Dollar kann man zusammen mit Japanern und
Koreanern (die meist seit der 5ten Klasse Chinesischunterricht in der Schule haben)
Chinesisch lernen - alles mit Schriftzeichen versteht sich. Die Aussicht auf Erfolg schien
uns nicht gerade vielversprechend, deswegen war uns auch das Geld etwas zu schade;
wahrscheinlich wäre es auch ziemlich frustrierend geworden - da lernen wir doch lieber
vom chinesischen Fernsehen nichts.
Trotz einiger Chinesischstunden, die Heiko und ich bisher von Tom, Mary und Bing Bing
bekommen haben (wobei wir bestimmt ´ne Stunde darauf verwendeten, den Unterschied in der
Aussprache zwischen "qi" und "ji" auszumachen - danach glaubten wir
immerhin, einen Unterschied hören zu können) habe ich das Gefühl, keine richtigen
Fortschritte zu machen.
Mary war heute abend beim Essen ziemlich geknickt. Sie hat kurz davor erfahren, daß sie
den Test für die Aufnahme zum MBA (Master of Business and Administration) wegen 12
fehlenden Punkten (von 260 nötigen) verpatzt hat. Möglicherweise kann sie noch etwas mit
Geld an dem Ergebnis drehen. Übrigens kostet diese Ausbildung ca. 25000 Yuan (ca. 5600
DM) - was haben wir es doch gut in Deutschland. Trotzdem , denke ich, würde sie gerade
jetzt liebend gerne das Geld zahlen.
Mittwoch, 24.03
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Heute abend direkt nach der Arbeit haben wir uns mit Tom und Jack zum
Schlittschuhlaufen im "Summerpalace" verabredet. Mit dem Bus ging's in die Stadt
- er hätte direkt davor gehalten, wenn Jack (er saß am weitesten vorne) nicht verpaßt
hätte dem Busfahrer Bescheid zu sagen. Also mußten wir von der zweiten Haltestelle ca.
10 Minuten zurücklaufen. Am riesigen Shenyanger Fußballstadion vorbei, sind es nur noch
einige Meter zu diesem runden, kuppelförmigen Gebäude, worin sich (fast unglaublich)
viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bieten sollen. Angefangen mit einem riesigen
Schwimmbad mit ettlichen Rutschen und verschiedenen Becken, über Bowlingbahnen und Hallen
mit Spielautomaten (Computer), hin zu unserem eigentlichen Ziel: der Skatinghall. Für 30
Yuan (ca. 6 DM) pro Person konnte man 2 Stunden lang mit geliehenen Schlittschuhen die
Halle unsicher machen. Tom hatte anfangs noch Schwierigkeiten mit der Balance (es war sein
erstes Mal), doch nach diesen 2 Stunden ging's dann sichtlich besser. Jack erzählte, daß
sie Schlittschuhlaufen im Sportunterricht hatten. (Er kommt aus dem Norden Chinas. Dort
sei das üblich!)
Danach suchten wir auf dem Rückweg zur Bushaltestelle nach einer Möglichkeit für ein
gediegenes Abendessen. Da wir Tom und Jack den Eintritt fürs Schlittschuhlaufen bezahlt
haben, wollten sie es sich nicht nehmen lassen uns zum Abendessen einzuladen. Wir
entschieden uns für ein kleines Lokal in einer Seitenstraße, daß nicht gerade durch
sein äußeres Erscheinungsbild glänzte. (aber es zählen ja meist die inneren Werte, so
auch hier ;-)) Tom bestellte irgendwas, wir wollten uns überraschen lassen, und die
Kellnerin brachte eines nach dem anderen - sie schien nicht mehr aufhören zu wollen. Als
der Tisch dann so gefüllt war, daß sogar jedes Glas seinen festen Platz hatte, begannen
wir. Und ich kann euch sagen - kein Vergleich mit dem Restaurant im Softwarepark - es war
einfach nur lecker :-) Ich wußte zwar nicht, was es nun im einzelnen war, jedoch war
echtes Fleisch dabei (ich betone es deswegen, weil es im Restaurant so gut wie immer nur
Fleischersatz aus Soja gibt). So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Sobald es
wärmer hier wird, hält uns glaub ich nichts davon ab, wegen dem Abendessen in die Stadt
zu fahren.
Donnerstag, 25.03.
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Endlich wird es hier auch wärmer, endlich werden wir öfter mal abends in die Stadt
fahren können, ohne Bedenken zu haben, als Eiszapfen zu enden. Für den Abend hatten wir
nichts Spezielles geplant, wir wollten nur in den Club 'ne Runde Billard spielen, bevor
Mary mich fragte, ob wir nicht was zusammen machen könnten. Alle waren wir uns einig,
daß wir nicht in die Kantine wollten und da wir eh mal zusammen kochen wollten, war dies
die beste Gelegenheit dazu. Wir hatten noch etliches im Kühlschrank, Mary brachte noch
Fleisch mit, wir würfelten alles zusammen, wie es hier üblich ist. Nicht daß das
Ergebnis nun unbedingt für ein 3 Sterne Kochbuch geeignet gewesen wäre, war es
jedenfalls besser als in der Kantine. Nach wie vor, wollten wir in den Club zum
Billardspielen - und Mary mußte mit. Eineinhalb Stunden für 8 Yuan (1,80 DM). Maries
Mann war mal wieder geschäftlich unterwegs, und sie ganz allein (und einsam) und mit sich
und der Welt unzufrieden - so versuchten wir ihr bei ihren Problemen zu helfen. So saßen
wir noch über eine Stunde in unserer Wohnung am Esszimmertisch und beredeten die
Eheprobleme unserer Nachbarin und Sekretärin.
Freitag, 26.03.
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Abends waren wir mit Zhang Shuai (Mary) in Shenyang zum Essen in einem koreanischen
Restaurant. Wir mußten mal wieder jemand für uns bestellen lassen, weil wir die
Speisekarte nicht lesen konnten - es war wohl kein Restaurant, das Ausländer bevorzugen
würde, klein, gemütlich, mit überaus freundlichen Kellnerinnen, die uns am Eingang mit
einem Knicks und ein paar freundlichen (glaube ich zumindest :)) Worten begrüßten.
Unsere Begleiterin warnte uns zwar schon davor, daß die Koreaner üblicherweise relativ
scharf würzen, aber auf einen Versuch wollten wir es ankommen lassen. So weit so gut. Wir
nahmen an dem uns zugewiesenen Tisch Platz und überließen Mary die Bestellung. Wir
warteten höchstens 10 Minuten, bis alles auf dem Tisch stand - wie üblich, konnte man
nicht mehr sehen, welche Farbe die Tischdecke hatte, weil der gesamte Tisch mit Tellern
oder Schüsseln bedeckt war. Neben vielen veschiedenen Salatsorten (Chinakohl) und anderen
Beigaben (u.a. eine Schale mit kleinen gebackenen Silberfischen), deren Aussehen wir nicht
zuordnen konnten, wurde uns ein Teller mit rohem Fleisch und einer gefüllt mit
Tintenfischstreifen vorgesetzt. Wahrscheinlich durchfuhr Heiko und mich in dem Moment der
gleiche Gedanke: Sollten wir das Zeug wohl wirklich roh essen? Doch gleich darauf brachte
man uns so eine Art Racklettgrill. Alles in allem kann man sagen, sah es dann nicht mehr
sehr befremdlich aus, ganz anders als es schmeckte. Wie angekündigt, war vieles recht
scharf und das meiste hatte einen süßen Beigeschmack.
Danach Billardspielen im Club mit ein paar Kollegen.
Samstag, 27.3.99:
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So gegen 10.00 Uhr sollten wir unsere Rechner kurz runterfahren, da der Strom
abgestellt werden wuerde. ("They switch to another dynamo", hiess es. Doch der
Strom blieb - Fehlalarm. Dafuer wachten wir heute morgen (eher frueher Nachmittag ;-) auf
- kein Strom im Bad. Unser Boiler speichert zum Glueck fuer knapp 5 Minuten heisses Wasser
- Pech fuer den zweiten... Aber zumindest im Office war Strom, und um 15.00 Uhr sind wir
dann per Bus in die Stadt mit 2 Maedels (naja, sie sahen zumindest so aus, aber unserer
Erfahrung sind Maedchen, die wie 19 aussehen mindestens 27 und verheiratet...), die uns im
Software Park ansprachen und es sich herausstellte, dass sie auch zu diesem franzoesischen
Kaufhaus ("Carrefour" - chin. Aussprache, wider Erwarten "Kallefoul"
;-)) wollten. Wieder mal wollten wir auf eigene Faust losziehen, mal ohne Begleitung, die
uns staendig aushilft - wieder nichts - naja. Wir fuhren dann weiter mit dem oeffentlichen
Bus zum Nordbahnhof; wir hatten den Eindruck, ganz China faehrt mit genau diesem!
Dort gibt's sogar Baguette, Butter und Kaese (150 gr. importierter Streichkaese 6 Mark...)
Nach dem Einkauf (bis die Rucksaecke eben voll waren) fuhren wir wieder zu zweit per Taxi
zu einer der Shoppingstrassen und suchten uns in einer der unzaehligen Seitenstrassen ein
chinesiches Restaurant, was nicht allzuschwierig war, da alle paar Meter ein
"Chinese" zu finden ist. Obwohl Samstag abend, 19.30 Uhr war, waren wir die
einzigen Gaeste dort, und da wir (immer noch) kein Chinesisch konnten und von der
Restaurantbesatzung niemand Englisch, standen nach wenigen Minuten sechs Leute um unseren
Tisch, um mit Hilfe unserer Woerterbuecher "was Gutes" zusammenzustellen. Es hat
sogar recht gut geklappt, wenn man mal von einem Stueck UFO ( UFO = Unknown Food Object;
es hatte das Aussehen von Mozarella, die Substanz von Wackelpudding) mit Kraeuter,
Langkornzucker und Glasnudelstueckchen absieht, dass wirklich sehr fremd fuer unsere
Gaumen schmeckte. Sehr gut dagegen war der geduenstete Chinakohl und Chilli -
Huehnerfleisch (gong-bao ji) mit Erdnuessen.
Sonntag, 28.03
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Nachdem es wieder etwas spaeter wurde letzte Nacht - wir sahen noch Licht bei unseren
Nachbarn und wollten Tom als erstes zum Geburtstag gratulieren - leider vergebens, er war
gar nicht da.
Da wir nichts besonderes fuer diesen Tag geplant hatten, draengte es uns auch nicht,
besonders frueh aufzustehen. Uns fiel noch einige Dinge ein, die wir gestern beim
Einhaufen vergessen hatten also nahmen wir den naechsten Bus in die Stadt. Mit dem Taxi
fuhren wir zur "Zhong Jie" (MiddleStreet - eine der Fussgaengerzonen in
Shenyang). Wir hatten eine Stadtkarte dabei, welche wir dem Taxifahrer unter die Nase
hielten und einfach zeigten wo wir hin wollten. Dennoch ist es schon beeindruckend,
worueber man sich mit ca. 35,4 Worten chinesischem Sprachwortschatz und etwa 897 Gesten
man reden kann (Beispielsweise hat uns einer erklaert, dass das Telefonieren im Auto von
der Polizei mit 100 Yuan geahndet wird). Taxifahrer, die einen VW fahren, freuen sich ganz
besonders wenn wir sagen, wir seien "Women shi Deguo ren" (Wir sind Deutsche),
und zeigen dann auf das Symbol auf dem Lenkrad ihres VW Santana.
Ein leichtes Hungergefuehl zog uns eine der vielen kleinen Seitenstrassen mit den
Restaurants. Wir bestellten, es war immer noch so problematisch, wie beim ersten Mal.
Gleich wurden wir von einem an einem Nachbartisch sitzenden Koreaner gefragt, ob er uns
helfen koenne. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihm und seinen Freunden und nach 15
Minuten sprach das ganze Restaurant ueber die "Deguo ren" (Deutsche). Wir hatten
vernommen, das gerade diskutiert wurde, wo Frankfurt liegt - ob das wohl auch in
Deutschland liegt - nein, Frankfurt liegt in Frankreich, sagte einer im Restaurant - wir
wollten uns nicht auf Diskussionen einlassen.
Montag, 29.03.
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Die meisten aus unserer Abteilung sind Studenten, die hier arbeiten, um es fuer ihr
Studium anrechnen zu lassen. Mit dem Gehalt eines Informatikers kann man sich hier in
China schon zu den Gutverdienenden zaehlen. Man auch damit ganz gut leben, da doch viele
Sachen hier billiger sind, und wenn man nicht unbedingt die importierten Dinge aus dem
Westen haben muss, dann ist es schon mit Deutschland vergleichbar. Laut Simon (er hat den
Dr. der Informatik) verdient er jedoch hier in Shenyang laecherlich wenig (2 bis 3 mal
weniger) verglichen mit Peking, Schanghai oder Hongkong. In der Firma sprechen sich
Kleinigkeiten wirklich schnell herum, ganz besonders, wenn sie die zwei Neuen betreffen.
Mary hatte erfahren, dass wir heute abend zum Eislaufen in den "Summerpalace"
wollen, und prompt wusste es jeder. Solange wir uns nichts erlauben, was ihnen gegen den
Strich geht, ist es so auch ganz gut. Nach dem Abendessen trafen wir uns mal wieder mit
Liu (Scarlet) Bing, um unser Chinesisch noch weiter zu perfektionieren. Es war mal wieder
ziemlich witzig - ich glaube jeder, der uns zugehört, hätte über unsere kläglichen
Versuche, Bings Aussprache zu imitieren, lachen müssen. Etwas später kam Mary noch dazu,
und damit hatten wir einen Schiedsrichter mehr, auf dessen "Dui" (ok, das ist
gut) wir hoffen konnten.
Dienstag, 30.03
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Ganz unverhofft kommt Mary (die Sekretärin) heute morgen mit Spiegel und Kamm zu
meinem Nachbarn Dr. Chen "Simon" Ximin. Hmm. Was war jetzt los? Bringt sie
demnächst wohl noch ne Zahnbürste für jene, die es daheim nicht mehr schafften? Wie ich
kurze Zeit später erfahren hatte, hatte sich ganz unerwartet das Fernsehen für ein
Interview angekündigt. Das ist hier keine Seltenheit - desöfteren tauchen hier Leute mit
riesigen Kameras auf. Zuerst machten sie einige Aufnahmen von ihm, wie er vor seinem
Computer sitzt und fleißig programmiert, danach gingen sie für ein paar Fragen in die
Bibliothek. Und da ich direkt neben ihm sitze und sie wohl nicht oft die Gelegenheit
haben, eine Ausländer so Nahe vor die Linse zu bekommen, habe ich wohl auch die Ehre im
chinesischen Fernsehen zu erscheinen :-) Also Leute, schaltet demnächst das Liaoninger
Abendprogramm ein. Die nächsten paar Zeilen widme ich dem, was ich hier so hauptsächlich
tagsüber mache - meiner Arbeit. Für diejenigen, die nicht daran interessiert sind sollen
hier weiterlesen.
Unser Department, genannt das "Java-Center", ist in mehrere Gruppen unterteilt,
genau genommen in zwei: eine forscht im Bereich Software-Komponenten und die andere, in
der ich mitwirke, beschäftigt sich in erster Linie mit Programmierung von Anwendungen auf
kleinen Geräten (wie z.B Verkehrsnavigationssysteme oder Persönliche Organizer (PDA,
Handhelds)) mit PersonalJava. Unser Versuchsobjekt ist dabei ein Navigationssystem der
Firma Alpine. Das erste Ziel der Gruppe ist nun die Java-Laufzeitumgebung auf diesen
speziellen Prozessor zu portieren. Das stellt sich als recht mühevolle Arbeit dar, zum
einen weil man in der niedersten Ebene des Systems programmieren muß, und zum anderen ist
die Quelltextdokumentierung des Betriebssystems in Japanisch (Hersteller). Also müssen
sich ein paar arme Studenten (u.a. Tom), die in der Schule ein halbes Jahr Japanisch
gelernt haben, Wort für Wort die Dokumentation übersetzen. Es gibt da natürlich schon
elektronische Hilfsmittel, doch selbst mit diesen sollte man nicht meinen, daß es ein
Kinderspiel ist. Das Japanische besteht nämlich zu 20% aus englischen Wörtern, die in
japanische Schriftzeichen tranformiert wurden. Worte werden aus japanischen Silben
zusammengebaut - so daß es dem englischen Original ähnlich klingt - scheinbar gibt es
dafür keine computergestützte Übersetzungsmöglichkeit. Soviel zur nötigen Vorabeit,
die so weit ich weiß bis Ende April fertig werden sollte.
Mein Aufgabenbereich basiert auf der fertigen Portierung. Er liegt vorwiegend in der
Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten mobiler Agenten für unser Navigationssystem, und
der Umsetzung einer vernünftigen Idee. Heute Mittag präsentierte ich meinem Nachbarn
(und gleichzeitig mein Tutor) Dr. Simon, meine Idee für eine mehr oder minder sinnvolle
Anwendung von mobilen Agenten (hat wenig mit 007 zu tun, vielmehr mit 0en und 1en). Ein
Agent ist nichts anderes als ein kleines Programm, das sich selbst durch das Internet
hangeln kann, um beispielsweise Informationen zu beschaffen, oder irgendwelche Dienste
auszuhandeln oder in Anspruch zu nehmen und nach getaner Arbeit wieder zu seinem Absender
zurückkehrt und Resultate liefert. Durch die Verwendung dieser Technologie, die im
übrigen noch ziemlich in der Kinderschuhen steckt, kann man beispielsweise sehr elegant
teuren online Verbindungen aus dem Weg gehen - das ist mitunter ein wichtiger Grund, der
Agenten für den Einsatz in diesem Bereich sehr interessant macht. Meine
Grundanwendungsidee ist ganz einfach: Mehrere Fahrzeuge, die mit einem Navigationssystem
ausgerüstet sind, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre GPS Position oder auch andere
Informationen auszutauschen. Die Position mehrerer Fahrzeuge könnte auf der Karte
angezeigt werden (Kollonenfahren, Treffpunkte ausmachen..)
Ebenso könnte bei einer Panne, oder bei einem Unfall automatisch die Werkstatt oder der
Notdienst verstaendigt werden. Er war der Meinung, das man was damit anfangen könne.
Jetzt werde ich einen Prototyp meiner Idee bauen, der die Funktionalität und die
Geschwindigkeit demonstrieren soll.
Beim Tischtennisspielen im "White House" war wieder
mächtig viel los. Sie kommen bestimmt nicht wegen uns, aber warum gerade heute wieder so
voll ist, weiss wohl niemand. (Scheh war's auf jeden Fall). Eines ist schon erstaunlich,
egal welchen meiner Kollegen ich nach dem legalen Preis für Software CD ROMs oder
Video-CDs gefragt habe, keiner kennt ihn - das ist mein Ernst!
Mittwoch, 31.03.
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Schon lange angekündigt war die Eröffnung des Hallenbades hier im Softwarepark. Für
morgen ist die Einweihung angesetzt, doch wollten sie wohl noch vorher eine Generalprobe
machen, um zu checken, ob auch alle Becken dicht sind. :-) Jedefalls durfte man heute
abend schon schwimmen gehen - kostenlos. So schnell könnten wir nicht wieder 10 Yuan
sparen!
Scheinbar hatten es nicht viele mitbekommen, denn wir trafen höchstens 10 Leute dort an,
jedoch man muß auch dazu sagen, daß wir erst eine halbe Stunde vor Schließung hinkamen.
Wir erfuhren aus erster Hand von Mary, dass es heute zur Probe offen war - im Büro wußte
auch niemand davon - wir konnten also noch ein paar begeistern, mit uns mitzugehen. Hier
im Norden Chinas scheint es unüblich zu sein, im jungen Alter schwimmen zu lernen
(Vielleicht wegen der fehlenden Gelegenheiten, und den recht hohen Eintrittspreisen in
oeffentlichen Schwimmbaedern). Nachdem sich einige noch Badehosen im Supermarkt besorgt
hatten, waren wir noch für 'ne knappe halbe Stunde schwimmen. Das Becken ist wirklich
groß dafür, dass es nur 500 potentielle Nutzer gibt (soviele leben etwa im
Softwarepark). Und das Beste ist, es beschwert sich niemand, wenn man vom Beckenrand ins
Wasser springt.
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