Aus
der Auseinandersetzung mit den Leistungen der Vorgänger hat sich schon in
der Spätantike eine beachtliche Philosophie-Geschichtsschreibung
entwickelt, von der aber nur das Werk des Diogenes Laertios ("Leben
und Meinungen der Philosophen") erhalten blieb. Es wurde neben den in
den überlieferten Klasssikerwerken selbst enthaltenen Bezugnahmen zum
Ausgangspunkt der für die abendländische Philosophie typischen
kontinuierlichen vergegenwärtigenden Aneignung und Integration der
Philosophiegeschichte in das systematische Philosophieren. So bestand die
"scholastische Methode" der mittelalterlichen Philosophie in der
systematischen Heranziehung der Argumente der Klassiker für die
Entscheidung der philosophischen Probleme (Quästionen). Seit der
Renaissance bildete sich im Verband mit den historisch-philologischen
Geisteswissenschaften die Philosophie-Geschichte als eigenständige
Disziplin heraus, Zunächst und bis ins 18. Jahrhundert als antike
Philosophie-Geschichte, dann auch als mittelalterliche und neuere.
Schwerpunkt und Interesse sind darin immer sowohl die
historisch-philologische Tatsachenforschung (Textrekonstruktion und
-edition sowie Interpretation der Klassiker) als auch die aktualisierende
Anwendung des Überlieferungsbestandes auf die Gegenwartsprobleme
geblieben. Heute wird die antike Philosophie meist in enger Kooperation
mit der klassischen Philologie bearbeitet, die mittelalterliche oft mit
der katholischen und protestantischen Theologiegeschichte. Für die neuere
und neueste Philosophie bahnt sich erst allmählich eine vergleichbare
Kooperation mit der allgemeinen Wissenschaftsgeschichte an.
Spezialdisziplinen sind die Philosophie-Geschichten der einzelnen Nationen
und Kulturen, deren Bearbeitung ihrerseits teils die Domäne der
jeweiligen nationalen Gelehrten ist, teils aber auch fast ausschließlich
in die Kompetenz der entsprechenden Philologien (Indologie, Sinologie,
Japanologie, Arabistik, Hebraistik) fällt. Ihre Ergebnisse bilden die
Grundlage der vergleichenden Philosophie-Geschichte, die bisher vor allem
in den USA, Indien und Japan gepflegt wird und deren Ausbau für die
interkulturelle Weltkommunikation dringendes Desiderat ist.
Quellen:
Geschichte der Philosophie, begr. v. K. Vorländer, neu bearb. v. E.
Metzner (1949-75), Grundriss der Geschichte der Philosophie, begr. v. F.
Üeberweg (1951- 58 völlige Neubearbeitung 1983)