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In der täglichen Praxis bezeichnen wir eine Aussage als wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Ob das der Fall ist, läßt sich leicht feststellen, wenn bestimmte Voraussetzungen und genaue Regeln gelten wie etwa in der Mathematik; bei vielen anderen Aussagen läßt sich nur schwer oder gar nicht nachprüfen, ob sie wahr sind (man braucht da bloß an Gerichtsprozesse, Wahlkämpfe, Werbung oder religiöse Lehren zu denken). Jeder hat schon erlebt, wie nachteilig und gefährlich es sein kann, sich auf unwahre Aussagen zu verlassen. Es kann glücklich oder unglücklich machen, die Wahrheit über etwas herauszufinden. Was wir jeweils für "die Wahrheit" halten, ist selten mehr als die halbe; ist auch diese wahr? Liegt sie bei gegensätzlichen Aussagen manchmal in der Mitte?
In der Bibel ist Wahrheit nicht etwas allgemein Richtiges oder das mit der Wirklichkeit übereinstimmende, sondern Gott selbst ist wahr, und alle Wahrheit ist allein in ihm begründet. Er ist letztlich das (oder besser: der) einzige, worauf sich Menschen wirklich verlassen können.
Christen finden diese Wahrheit in dem, was Jesus gepredigt, gelebt und bewirkt hat ("Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", Johannes 14,6). Aber auch sie haben Mühe, sich - immer wieder neu - auf diese Art von Wahrheit umzustellen, weil sie ziemlich stark von unserem alltäglichen Denken abweicht.
Wahr ist nach diesem Verständnis, wer und was uns Glauben, Liebe und Hoffnung gibt. Darin ist zwar die Forderung nach der Richtigkeit einer Aussage selbstverständlich eingeschlossen; aber der Glaube wird davon bewegt, daß es um mehr geht:
Diese Wahrheit läßt sich nicht beweisen, aber glauben und leben, trotz vieler Widersprüche und Lügen.
Einige Religionen fordern von ihren Gläubigen Reisen zu heiligen Orten, z.B. der Buddhismus, Hinduismus und der Islam. Auch im Alten und im Neuen Testament wird von Wallfahrten berichtet, u.a. zum Laubhütten- und zum Passahfest. Zur Zeit Jesu zog man dazu nach Jerusalem. In einigen Psalmen sind uns noch Lieder erhalten, die dabei gesungen wurden (z.B. Psalm 122).
Im Mittelalter kamen Wallfahrten ins "Heilige Land" (= Palästina) auf, die sehr entbehrungsreich gewesen sein müssen. Später pilgerten Gläubige zu Orten, von denen Marienerscheinungen oder Wunderwirkungen durch Bilder und Reliquien berichtet worden waren.
Die Motive für die Beteiligung an Wallfahrten waren und sind unterschiedlich:
Bekannte katholische Wallfahrtsorte sind Altötting, Lourdes, Assisi und Rom. In der Jugendarbeit werden Wallfahrten auch als Wanderungen mit Gesprächen, Meditationen und Information durchgeführt.
Die Begründer der evangelischen Kirchen lehnten Wallfahrten ab, weil Buße und Glauben nicht von menschlichen Leistungen abhängen. Für manche evangelische Christen bringen aber Reisen zu Kirchentagen oder zu Stätten der Reformation vergleichbare Erfahrungen. Im außerkirchlichen Raum lassen sich in diesem Zusammenhang die Friedensmärsche oder Demonstrationen mit weiten Anreisen nennen.
In vielen Religionen wird Gegenständen, Orten und Menschen durch kultische Handlung eine besondere Bedeutung (insbesondere für den Gottesdienst und die religiöse Verehrung) gegeben. Für das frühere Weltverständnis gewannen sie damit eine ihnen anhaftende Eigenschaft mit bestimmten Wirkungen.
Heute werden Weihen und geweihte Gegenstände von ihrer Symbolkraft her verstanden (z. B. Weihrauch als Zeichen für die zu Gott aufsteigenden Gebete und Weihwasser als Erinnerung an die Taufe; Symbol).
In der katholischen Kirche wird Diakonen, Priestern und Bischöfen ihr Amt durch eine "höhere Weihe" (mit Handauflegung, Gebet und Bibelwort) übertragen. Das trägt sicherlich mit zu Autorität und Würde dieser Amtsträger bei.
Auch in den evangelischen Kirchen gibt es feierliche Amtseinführungen und Einweihungen (z. B. von Gemeindehäusern, Kirchen oder Glocken). Aber hier handelt es sich im Grunde um die gleiche Art von Verkündigung und Segnung, wie sie allen Menschen zukommen und auch bei anderen Gelegenheiten vollzogen werden (z.B. bei einer Andacht). Sie begründen keine bleibende Qualität von bestimmten Personen oder Sachen. Es kann aber für eine Gemeinschaft oder für den einzelnen hilfreich sein, etwas für den Glauben Wichtiges besonders hervorzuheben und dabei den Zusammenhang deutlich zu machen, in dem es steht.
Bei der Inbetriebnahme von Einrichtungen und bei manchen privaten oder öffentlichen Feiern spricht man oft in einem nichtreligiösen Sinn von "Einweihung" (z. B. Fahnenweihe, Einweihung von Gebäuden oder einer Wohnung, Schiffstaufen, Jugendweihe).
Fest der Geburt Jesu, nicht seines Geburtstags, der ist unbekannt. Ursprünglich und in der Ostkirche heute noch als Fest der Erscheinung
(= Epiphanias) am 6. Januar gefeiert, wurde es von Mitte des 4. Jahrhunderts an auf den Tag der Wintersonnenwende gelegt, weil nicht mehr der "unbesiegte Sonnengott" Roms, sondern Christus als "Licht der Welt" geglaubt wird.
Inhalt des Weihnachtsfestes ist die in Jesus von Nazareth Gestalt gewordene Liebe Gottes zur Welt, die "Fleischwerdung des Wortes". Gott kommt dem Menschen entgegen, arm, gewalt- und machtlos. Er ist nicht mehr unerreichbar im Jenseits, sondern mitten unter uns. Das hat in den von Matthäus und Lukas ausgestalteten Geschichten zur Geburt Jesu einen anschaulichen Ausdruck gefunden.
Auch viele Gebräuche und Gestaltungsformen des Weihnachtsfestes sind mehr oder weniger bewußt und erkennbar davon bestimmt: Geschenke sollen Sinnbild der Liebe und Zuwendung Gottes sein; der auch im Winter grüne Tannenbaum im Zimmer ist Symbol der Hoffnung und Freude, die durch Christi Geburt ausgelöst werden. Krippen- und Hirtenspiele, Weihnachtslieder, -geschichten und -bilder lassen den Grund des Festes unter verschiedenen Aspekten erleben.
Gewohnheit und Wohlstand ohne Verantwortung und Dank haben allerdings den Sinn des Weihnachtsfestes z. T. in den Hintergrund treten lassen. Zeitgemäße theologische Erklärung und Gottesdienstgestaltung sowie neue Formen der Gemeinschaft können helfen, Weihnachten entsprechend seiner Bedeutung zu feiern. Auch die Sammlung "Brot für die Welt" in der Weihnachtszeit weist auf den Sinn dieses Festes hin: Gott kommt zu den Armen und Benachteiligten.
Als Weisheit gelten sowohl die Lebenserfahrung und tiefe Einsicht einzelner Menschen als auch die allgemeingültige Wahrheit über das Leben.
Früher wurde sie nur älteren Menschen oder alten Schriften zugeschrieben. Heute wird das Wort oft abfällig und ironisch gebraucht, wenn damit abgeklärte Distanz, erhabene Überlegenheit oder gar Besserwisserei gekennzeichnet werden sollen. Echte Weisheit ist aber meist sehr einfach und einleuchtend.
Im Alten Testament wird allein Gott überlegene Weisheit zugesprochen. Für Menschen ist "die Furcht des Herrn der Weisheit Anfang" (Sirach 1,16). Das Alte Testament enthält das angeblich von Salomo stammende, aber erst etwa 100 Jahre vor Jesus aufgeschriebene Buch "Weisheit". Dort wird in den ersten Kapiteln eindrucksvoll der Wert der Weisheit gerühmt.
Im Widerspruch zu dem, was bei Menschen als Weisheit gilt, zeigt sich für Paulus die Weisheit Gottes im Kreuz Christi (1. Korinther 1,21-25).
Jeder einzelne Mensch hat seine Weltanschauung, die sich aus seinem persönlichen Standpunkt und seiner Grundeinstellung ergibt. Dazu gehört auch das Weltbild, das er aufgrund seines Bildungsstandes hat.
Allgemein spricht man von Weltanschauung, wenn mehrere oder viele Menschen diese Einstellung und Denkweise gemeinsam haben.
In einem weiteren Sinn kann man auch Religionen als Weltanschauungen bezeichnen. Der Unterschied zur Religion ist aber, daß Weltanschauungen als Versuch von Menschen aufzufassen sind, von sich aus und ohne Glauben an Gott oder etwas jenseits dieser Welt ihrem Leben und der Welt als Ganzem einen Sinn zu geben (oder ihn darin zu finden). Dabei ist das Bedürfnis wirksam, einzelne Erkenntnisse und Ziele zu einem Gesamtbild ohne unlösbare Widerspüche zusammenzufassen. Nachteilig kann es aber sein, wenn eine Weltanschauung wie ein Vorurteil wirkt. Weltanschauungen sind z.B. der Materialismus, Idealismus oder Sozialismus.
Weltanschauung und christlicher Glaube wurden und werden oft als Gegensätze empfunden, zumal einige Weltanschauungen mehr philosophisch, politisch, wirtschaftlich oder naturwissenschaftlich bestimmt sind. Andererseits zeigen sich Menschen, denen an der Sinnfrage etwas liegt, oft auch dem christlichen Glauben gegenüber sehr aufgeschlossen. Manche Theologen vermuten allerdings, daß sie stark dazu neigen, die ihrer Weltanschauung zugrundeliegende Einstellung auf Gott zu übertragen und sich auch von ihm ihr eigenes Bild zu machen (Gottesvorstellungen).
Der christliche Glaube stellt alle Bilder, die wir uns von uns selbst, von der Welt und von Gott machen, in Frage. In der Botschaft der Bibel kommt ein Sinn auf uns zu, der von uns nicht selbst erdacht werden kann. Insofern müßte es grundsätzlich kaum einen Unterschied machen, welche Weltanschauung ein Mensch hat, wenn er das Angebot des christlichen Glaubens annimmt. Praktisch scheint es aber doch so zu sein, daß (insbesondere eine zur Ideologie verfestigte) Weltanschauung es häufig erschwert, sich auf den christlichen Glauben einzulassen. Denn dieser erklärt die Welt nicht aus dem, was sie nach menschlicher Anschauung ist, sondern richtet sich auf Gott als ihren Schöpfer und Erlöser.
Das Wort wird fast nur noch für die gezielte Bemühung um den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen gebraucht. Im weiteren Sinn bezeichnet es aber auch Versuche, durch entsprechendes Verhalten Aufmerksamkeit, Anerkennung, Zustimmung oder Liebe zu erhalten (z. B. Brautwerbung, Mitgliederwerbung, Wahlkampf).
Werbung entspricht der Entscheidungsfreiheit des Menschen und respektiert sie. Sie kann informieren und Gleichgültigkeit oder Ablehnung überwinden. Dafür werden Angebote natürlich mit viel Aufwand von der besten Seite gezeigt. Damit setzt oder verstärkt Werbung Standards z.B. für schönes und gepflegtes Aussehen, Verhalten und Besitz. Nachweisbar unwahre Werbung und unlauterer Wettbewerb sind in vielen Staaten durch Gesetz verboten.
Ist es der Werbung für Konsumgüter vorzuwerfen, daß sie mehr oder weniger offen auch allgemeine Lebensbedürfnisse wie das Verlangen nach Erfolg, Schönheit, Zärtlichkeit, Liebe, sexueller Spannung, Sicherheit usw. - anspricht? Hier wird jedenfalls viel versprochen, was durch Konsumgüter nicht gehalten werden kann (Konsum).
Wenn auch der Einfluß von Werbung aller Art gerade in kirchlichen Kreisen oft überschätzt oder zu negativ gesehen wird, so lohnt sich doch die kritische Frage: Wie reagiere ich selbst auf Werbung? Was gefällt mir daran? Warum kaufe ich etwas?
Auch in der Kirche werden Mittel und Methoden moderner Werbung verwendet, z.B. für große Sammlungen wie "Brot für die Welt" und "Misereor", bei Ausstellungen, durch Schaukästen und für die kirchliche Presse. Es gab Versuche, Mission und Verkündigung im Stil heutiger Werbung zu betreiben, z. B. durch die Anzeigenserie "Jeder von uns hat ein volles Konto an Liebe". Aber dagegen wurde der Einwand erhoben, daß sich der christliche Glaube nur durch glaubwürdiges persönliches Zeugnis und nicht zwischen Anzeigen für Zigaretten und Waschpulver vermitteln lasse. Immerhin hat auch die Kirche für ihre Arbeit von ernsthafter Werbung viel übernommen und gelernt.
Wieviel mir etwas wert ist, läßt sich unter anderem daran erkennen, wieviel Zeit und Anstrengung ich dafür aufwende und was ich dafür herzugeben bereit bin. Wertvoll ist alles zum Leben und Menschsein Notwendige. Wertbewußtsein trägt beim einzelnen und in einer Gemeinschaft dazu bei, daß wir Werte beachten, anstreben oder erhalten. Dies geschieht entweder aus eigener Einsicht und Zustimmung oder aufgrund von Geboten. (So schützt z.B. das Gebot "Du sollst nicht töten" den Wert Menschenleben.) Einzelne Werte (wie z. B. das Geld oder der Gebrauchswert einer Sache) werden höheren Werten untergeordnet. Geschieht das nicht, so ergeben sich Widersprüche ("Ihr könnt nicht Gott dienen und gleichzeitig das Geld als höchsten Wert ansehen", Matthäus 6,24).
Als Grundwerte gelten die Würde und Freiheit der Person, das Gemeinwohl und die Gerechtigkeit (Menschenrechte). Manche Werte sind uns so selbstverständlich geworden, daß es uns gar nicht bewußt wird, wenn wir uns danach richten. Werturteile werden in der Wissenschaft entweder als Voraussetzung angesehen oder nach Möglichkeit vermieden, weil sie wie Vorurteile wirken können.
Jesus hat den Wert eines jeden Menschen in seiner Beziehung zu Gott gesehen und die Einstufung nach Besitz, Stellung oder Leistung durch ihre Umkehrung aufgehoben ("Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten", Matthäus 20,16).
Die Bewertung von Sachen ergibt sich für Christen aus dem Zusammenhang ihres Glaubens und aus den ihnen gestellten Aufgaben. Sie sollte sich aber nicht in einer lieblosen Abwertung von Dingen oder Lebensmöglichkeiten äußern, die anderen Menschen etwas bedeuten.
Auf jeden Menschen wirken Kräfte ein, die es ihm schwermachen, an seinen persönlichen Überzeugungen und Zielen festzuhalten und sie zu verwirklichen. Widerstand gegen Einflüsse wie Gruppendruck, Werbung oder Propaganda kann in Verweigerung, Kritik und verstärkter Förderung dessen bestehen, was jemand für besser hält. Ungerechtigkeit und Unterdrückung durch staatliche Machtausübung rufen passiven und aktiven Widerstand bis hin zu Gegengewalt und Mord hervor. Gibt es für Christen in bestimmten Fällen ein Recht oder sogar die Pflicht zum Widerstand?
Aus ihrem Glauben ergibt sich ganz klar: "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelgeschichte 5,29). "Leistet dem Bösen Widerstand und haltet unbeirrt am Glauben fest" (1. Petrusbrief 5,9).
Andererseits sollen Christen nicht Böses mit Bösem vergelten (Römerbrief 12,17). Jesus sagte: "Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen" (Matthäus 5,44). Sie kommen also immer in einen Konflikt, wenn rechtmäßige und gewaltlose Mittel des Widerstandes gegen Unterdrückung und Verbrechen nichts bewirken oder nicht mehr möglich sind. Auch Notwehr ist für sie nicht einfach selbstverständlich.
Wenn sich auch die Kirche in früheren Zeiten politisch und teilweise sogar militärisch kräftig gegen Angriffe auf ihre Rechte und Einflußmöglichkeiten wehrte, so beschränkte sie sich doch im wesentlichen auf geistigen und gewaltlosen Widerstand und forderte ihre Mitglieder auf, lieber Unrecht zu erleiden als zu tun. Gott werde selbst dafür sorgen, daß sich Unrecht und Tyrannei nicht halten können, predigten auch die Reformatoren. In neuerer Zeit (und insbesondere nach den bekanntgewordenen Verbrechen in totalitären Staaten, wie in Deutschland während der nationalsozialistischen Herrschaft) wird in der Kirche nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht jedes Christen betont, den Rechtsstaat zu verteidigen und gegenüber allen Machthabern aktiven Widerstand zu leisten, die andere Menschen bedrohen, unterdrücken oder töten.
Damit es dazu nicht erst kommt, können die Bürger in einer funktionierenden Demokratie durch die Ausübung ihrer politischen Rechte und Pflichten dafür sorgen, daß Machtausübung kontrollierbar bleibt. Darüber hinaus unterstützen viele Christen durch Proteste, Gebet und Spenden Widerstandsbewegungen in anderen Ländern, die gegen Rassismus und totalitären Terror kämpfen (Antirassismus).
Im Neuen Testament und damit im christlichen Glauben ist mit dem Wort Wiedergeburt nicht eine Seelenwanderung gemeint, sondern die Erfahrung und Möglichkeit, daß Menschen durch den Glauben an Jesus von Grund auf anders werden und einen neuen Anfang machen können.
Auf die Frage des Nikodemus (das war einer der führenden jüdischen Männer in Jerusalem zur Zeit Jesu), wie denn ein erwachsener Mensch noch einmal geboren werden könne, antwortete Jesus: "Ich versichere dir: nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen" (Johannes 3,5). Die Taufe und der Heilige Geist werden also als Chance angeboten, durch den Glauben radikal anders zu werden, als wir sind. (Rückblickend läßt sich auch sagen: als wir ohne ihn geworden wären.)
Die Tragweite dieser Aussage wird auch von Christen nur zum Teil erfaßt. Manche Pietisten meinten, Wiedergeburt wäre mit dem besonderen Erlebnis einer Bekehrung verbunden. Aber sie ist für den Glauben als Chance, durch ein neues Verhältnis zu Gott auch neues Leben zu finden, immer gegeben, ganz gleich, wie das alte gewesen sein mag.
Die ersten Christen erwarteten das baldige Wiederkommen Jesu zum Jüngsten Gericht und zur Vollendung der Welt. Sie haben sich davor nicht gefürchtet, sondern beim Abendmahl gebetet: "Komm, Herr Jesus" (Offenbarung 22,20). Zum Teil wurde diese Erwartung auch bildhaft ausgestaltet. Das entsprach manchen Endzeiterwartungen und Ankündigungen des Weltendes, die es damals gab. Der Glaube an die Wiederkunft Jesu weist im Kern darauf hin, daß für Christen jetzt und in Zukunft alles von Jesus her zu beurteilen ist.
Damit ist ausgeschlossen, daß jemals noch ein anderer gleichwertiger oder größerer Bote Gottes kommen könnte. Deshalb heißt es im Glaubensbekenntnis: "Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten."
Wichtig an der Erwartung des Wiederkommens Jesu ist nicht, wann und wie er kommen wird, sondern wie sich diese Hoffnung auf das Verhalten von Christen auswirkt. Sie ist der bildhafte Ausdruck für die Gewißheit, daß Jesus auch aus der Zukunft auf uns zukommt und auch nach so langer Zeit nicht zur fernen Vergangenheit wird. Kein Führer, nicht die Wissenschaft und auch nicht der Wohlstand, nicht einmal Krieg oder Totalitarismus können seinen Einfluß ausschalten.
Diese Zusage haben alle nötig, die angesichts der heutigen Welt keine großen Chancen für den christlichen Glauben sehen und Angst um das Überleben der Menschheit haben.
Wille ist das mehr oder weniger starke Streben, Ziele zu erreichen. Das gilt im Grunde auch für den, der etwas nicht will.
In den meisten Fällen will ich etwas, weil ich damit mein Leben erhalten und ausgestalten kann. Aber auch zerstören und töten will der Mensch. Ist mein Wille frei?
Wahrscheinlich sind wir mehr von der Umwelt und von unseren Anlagen bestimmt, als uns bewußt ist. Wenn wir das Gefühl haben, frei gewählt zu haben, sind es oft nur so unwesentliche Entscheidungen wie die zwischen verschiedenen Kaffeesorten.
Andererseits ist es erstaunlich, was menschlicher Wille durchzusetzen vermag: Helen Keller lernte sprechen, lesen und schreiben, obwohl sie von Kind an blind und taub war, und half anderen Menschen in ihrer Not.
Ist der Wille die treibende Kraft im Menschen, die alles andere in ihren Dienst stellt, wie z. B. der Philosoph Friedrich Nietzsche meinte? Oder ist er abhängig von Erkenntnis, Gefühl und Leidenschaft?
In der Rechtsprechung wird nur derjenige für seine Taten voll verantwortlich gemacht, der (nach menschlichem Ermessen) frei in seiner Entscheidung war. Krankheit, Unterdrückung und seelische Abhängigkeit können die Möglichkeiten für eine Willensentscheidung stark einschränken.
Nach christlichem Verständnis ist der menschliche Wille durch die Sünde und das Böse gebunden. So schreibt Paulus im Brief an die Römer: "Ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Das Gute, das ich will, das tue ich nicht. Sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich" (7,15.19). Das klingt niederdrückend. Aber Paulus schreibt auch, daß unser Wille befreit werden kann durch den Geist Gottes (Römer 8). Christen machen die Erfahrung, daß ihnen gelingt und geschenkt wird, was sie sich vorher nicht einmal von ganzem Herzen wünschen wollten.
Trotzdem gilt auch für sie, was Jesus zu Petrus sagte, als dieser nicht einmal eine Stunde für ihn wach bleiben konnte: "Den guten Willen habt ihr, aber ihr seid nur schwache Menschen" (Matthäus 26,41). Wenn wir uns nach dem Willen Gottes richten, dann wird seine Kraft in uns Schwachen mächtig (2. Korinther 12,9).
Das Wort bezeichnet den geordneten Bestand an nachprüfbaren und widerspruchsfreien Kenntnissen über einen bestimmten Bereich der Welt und ein von anerkannten Regeln und Methoden bestimmtes Verfahren, zu weiteren Erkenntnissen über Eigenschaften, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge zu gelangen. Abgesehen von der Faszination und Befriedigung, die wissenschaftliche Erkenntnis schon als solche geben kann, ermöglicht ihre Anwendung dem Menschen eine zunehmende Beherrschung der natürlichen und sozialen Umwelt. Das hat sowohl zur Verbesserung der Lebensbedingungen wie zu enormen Zerstörungen geführt.
In der vorwissenschaftlichen Zeit war Religion gleichzeitig Welterklärung. Gerade wissenschaftliche Theologie hat aber dazu beigetragen, rationale Erklärung der Welt und religiöse Aussagen über ihren Sinn voneinander zu unterscheiden, indem z.B. die Absicht und Eigenart der Schöpfungsgeschichte und der Wundererzählungen aufgezeigt wird, die nicht als naturwissenschaftliche Behauptungen zu verstehen sind, sondern als Glaubensaussagen.
Viele Wissenschaftler sehen heute, daß ihre Arbeit keine Antwort auf die Sinnfrage geben und den Menschen nicht besser machen kann, weil sie sich immer nur auf einen begrenzten Teil der Welt und des Lebens bezieht. (Deshalb hatte Paulus recht, wenn er schrieb: "Unser Wissen ist Stückwerk", 1. Korinther 13,9) Auch die Entscheidung über die Auswahl wissenschaftlicher Forschung und vor allem über die Verwendung ihrer Ergebnisse kann nicht nur aus der Wissenschaft selbst abgeleitet und begründet werden.
Aus dem christlichen Glauben ergeben sich zahlreiche Aufgaben und damit Ermutigung für wissenschaftliche Arbeit: Sie soll helfen, die Welt und das Leben besser zu verstehen, und dazu beitragen, es zu erhalten und zu entfalten. Das wird aber nur gelingen, wenn wir nicht in Abhängigkeit von dem geraten, was wir selbst geschaffen haben.
Nachdem in früheren Zeiten überwiegend Großfamilien und diese zum Teil noch mit Magd und Knecht, Lehrling und Geselle in einem Haus zusammenwohnten, ist heute die Wohnung für eine Familie mit 1-2 Kindern und ohne weitere Verwandte die Regel geworden. Viele Menschen wohnen einzeln.
In den sechziger Jahren entstanden Wohngemeinschaften, in denen jüngere und ältere Menschen, Alleinstehende und Familien, Frauen und Männer einer von ihnen empfundenen oder befürchteten Isolation entgehen wollten. Als Vorteile solcher Wohngemeinschaften werden angegeben:
Arbeitsteilung ermöglicht mehr Berufstätigkeit der Frauen (Emanzipation).
Natürlich gibt es auch eine Reihe von Problemen und Nachteilen:
Gemeinsames Leben wurde von Christen nicht nur in Ordensgemeinschaften angestrebt: Ihr Leben in den Häusern und Familien ist in den Zusammenhang der Gemeinde und unter die Gemeinschaft von Gottesdienst und Abendmahl gestellt. Davon ist leider in der Volkskirche nicht mehr viel zu spüren. Deshalb sind auch Christen an den Erfahrungen interessiert, die in Wohngemeinschaften gemacht werden. Vielleicht ermutigen sie dazu, auch in den Familien offener zu leben. Die genannten Nachteile beruhen möglicherweise auf mangelnder Erfahrung. Wechselnde sexuelle Beziehungen sind in Wohngemeinschaften wahrscheinlich auch nicht häufiger als bei anderen Gemeinschaftsformen.
In den letzten Jahren sind einige ausgesprochen christliche Wohngemeinschaften gegründet worden.
In der christlichen Kirche wird die Bibel "Wort Gottes" genannt, weil sie die gute Nachricht (= das Evangelium) von der Erscheinung Gottes als Mensch in Jesus von Nazareth enthält. In ihm ist das Wort, durch das Gott die Welt erschaffen hat, "Fleisch" geworden. Wort Gottes ist also nicht nur ein Reden, sondern gleichzeitig ein Handeln Gottes.
Auch die Predigt wird manchmal Wort Gottes genannt. Darin drückt sich der Glaube aus, daß Gott durch geschriebene oder gesprochene Worte vieler Menschen redet und wirkt.
Es gibt allerdings keine Möglichkeit, Gotteswort und Menschenwort eindeutig und klar voneinander zu trennen. Ob das, was ein Christ sagt, Wort Gottes ist, hat er selbst nicht zu beurteilen, nicht einmal dann, wenn er wörtlich die Bibel zitiert hat. Denn es ist nicht nur in dem enthalten, was mit Worten gesagt wird, sondern mehr noch in dem, was das Reden vom Glauben an Jesus bewirkt: Betroffenheit, Befreiung, Antwort, Hoffnung, Gemeinschaft, Neuanfang und die Gewißheit, daß Gott auch durch mein eigenes Wort zu anderen reden kann und möchte.
Christen machen die Erfahrung, daß nicht nur Worte von Gott "reden", sondern auch Taten, Ereignisse, Bilder, Musik und Kunstwerke, wenn sie vom Glauben gedeutet werden können. Die Fähigkeit hierzu ergibt sich aber nur aus dem Hören auf das erste und letzte Wort Gottes, das er in Jesus
Christus gesprochen hat.
Als Wunder bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch einen Vorgang, der nach unserer Erfahrung oder wissenschaftlichen Kenntnis der Naturgesetze höchst unwahrscheinlich, unerklärbar und widersprüchlich erscheint.
In früheren Zeiten gab es viele Erlebnisse und Erzählungen von Wundern, weil die Menschen damals mehr als heute mit dem direkten Eingreifen Gottes oder anderer übermenschlicher Mächte rechneten ("Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind", sagt Goethes Faust).
Auch in der Bibel gibt es zahlreiche Wunderberichte. Bei den meisten ist ganz deutlich, in welcher Absicht sie erzählt werden: Sie sollen Gottes Willen und seine Macht zeigen. (Ein neutestamentlicher Ausdruck für Wunder bedeutet wörtlich "Zeichen".)
Die Evangelien schreiben Jesus etwa dreißig Wunder zu, überwiegend Krankenheilungen, einige Dämonenaustreibungen, Naturwunder und drei Totenerweckungen. Die mehr oder weniger mit Einzelheiten ausgestalteten Wundererzählungen lassen ihn als den von Gott Gesandten erscheinen. Selbst seine Gegner haben nach den biblischen Berichten seine außergewöhnlichen Taten nicht bestritten. Da man aber auch von anderen Menschen Wundertaten hörte, stellten sie Jesus die Frage, aus welcher Kraft und Vollmacht er seine besonderen Taten vollbringen könne (Matthäus 21,23).
Jesus selbst lehnte die Forderung nach Zeichen als Voraussetzung für den Glauben ab (Matthäus 12,38).
Für die ersten Christen waren Wunderberichte nicht nur (oder gar nicht) Beweis für die Gottessohnschaft Jesu, sondern Modellgeschichten für ihr Verhältnis zu Jesus. So vermittelte ihnen z. B. die Stillung des Sturmes auf dem See Genezareth Geborgenheit in Verfolgungen und der wunderbare Fischzug des Petrus Zuversicht für die Predigt von Jesus (Matthäus 8,23-27; Johannes 21,6). Die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana (Johannes 2,1-11) weist schon auf das "Wunder" des Abendmahls hin, in dem Jesus allen gegenwärtig ist, die an ihn glauben. Bis heute bilden sich christliche Gruppen, in denen Wunderheilungen durch Jesus und die Apostel zum Vorbild genommen und die Kraft des Heiligen Geistes durch Gebet und Handauflegung Kranken zugewendet wird (z.B. auch in der "Christlichen Wissenschaft", englisch Christian Science).
Die katholische Kirche geht davon aus, daß in Gnadenstätten wie Lourdes Heilungen geschehen, die auf natürliche Weise nicht zu erklären sind. Insgesamt breitet sich aber unter Christen in Europa Übereinstimmung darin aus, daß ihr Glaube sich nicht in der Bereitschaft beweisen muß, Wundergeschichten als tatsächlich so geschehen anzuerkennen, sondern in der Fähigkeit, aus ihnen Sinn und Lebenshilfe zu empfangen.