Unfehlbarkeit

Nach römisch-katholischer Lehre und auch nach allgemein-christlicher Auffassung wird die Kirche als Ganzes durch die Gnade Gottes und den Heiligen Geist davor bewahrt, Gottes Wahrheit im Lauf der Zeit zu verlieren; was tatsächlich gar nicht so selbstverständlich ist und deshalb schon als Hoffnung oder Glaubenssatz formuliert werden kann.

1870 wurde auf einem Konzil in Rom die in der katholischen Kirche schon lange von vielen anerkannte Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma erhoben. Sie gilt aber nur dann, wenn er unter ausdrücklicher Berufung auf den Heiligen Geist und sein Lehramt (= ex cathedra) einen Glaubensinhalt als verbindlich verkündet. Ein solches Dogma kann dann auch vom Papst nicht mehr verändert oder aufgehoben werden.

Bei der Verkündigung der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (1950) wurde darauf hingewiesen, daß der Papst hier nur etwas definiert habe, was schon lange und von vielen Katholiken übereinstimmend geglaubt worden sei. Indem päpstliche Lehrentscheidungen für alle Zukunft festgeschrieben werden, hat sich die römisch-katholische Kirche in einem hohen Maß auf ihre Tradition festgelegt. Eine Vereinigung der christlichen Kirchen wird dadurch sicherlich sehr erschwert.

Unierte Kirchen

In den unierten (d.h. vereinigten) Kirchen Deutschlands sind Gemeinden mit lutherischem, reformiertem und gemischtem Bekenntnis organisatorisch und in der Gemeinschaft des Gottesdienstes und der Sakramente miteinander verbunden. Das wurde in Preußen von König Friedrich Wilhelm III. 1817 anläßlich des 300. Jahrestages der Reformation so eingeführt.

Heute sind in der Bundesrepublik Deutschland die Evangelischen Kirchen im Rheinland, in Westfalen, in Berlin-Brandenburg, Provinz Sachsen (Magdeburg), Greifswald, Görlitz und Anhalt. Sie haben sich in der Evangelischen Kirche der Union zusammengeschlossen und gehören der Evangelischen Kirche in Deutschland an.

Auch in anderen Ländern und Kontinenten gibt es Zusammenschlüsse von Kirchen mit gleichem, ähnlichem oder unterschiedlichem Bekenntnis bzw. Verhandlungen mit dem Ziel, eine Union einzugehen. Das entspricht nicht nur einem ökumenischen Verständnis von Kirche, sondern es ist auch für die Zusammenarbeit auf vielen Gebieten notwendig, z.B. bei der Mission. Wer großen Wert auf die Besonderheit einer bestimmten Konfession legt, hat auch in einer unierten Kirche Gelegenheit, sich zu einer Gemeinde seines Bekenntnisses zu halten (das u.a. daran zu erkennen ist, welcher Katechismus dort verwendet wird).

Unierte Kirchen und Gemeinden können ein Beispiel dafür sein, wie Christen trotz bestehender Glaubensunterschiede kirchlich miteinander verbunden sind.

Urchristentum

In Jerusalem entstand nach dem Tod Jesu unter dem Eindruck der Osterereignisse die "Urgemeinde". Schnell breitete sich der christliche Glaube auch in anderen Orten aus. Diese ersten Gemeinden, über die in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Neuen Testaments berichtet wird, nennt man das Urchristentum.

Schon immer war es für die Christen späterer Zeiten von besonderem Interesse, weil man darin gegenüber den weiteren Entwicklungen Urtypus und Ideal des Christentums sah.

Besonders eindrucksvoll sind die Gewißheit und Zuversicht, mit der die ersten Christen Jesus als den Retter der Welt predigten und dafür sogar ihr Leben hingaben (z. B. Stephanus, Apostelgeschichte 7). Die anfängliche Einmütigkeit und Gütergemeinschaft gilt vielen heute noch als Vorbild. Tatsache ist aber auch, daß es von Anfang an unterschiedliche Auffassungen des christlichen Glaubens und seiner praktischen Verwirklichung gab. So hielt man sich in der Urgemeinde zunächst weiter an die Gesetze der jüdischen Religion, während Paulus diese für überholt erklärte. Sogar bei Aposteln wie Petrus setzte sich erst langsam die Überzeugung durch, daß Christus nicht nur für die Juden gekommen ist (vgl. Apostelgeschichte 15). Streit gab es auch bei der Frage, wer unter den Christen Autorität haben und welche Ämter es geben sollte. Überhaupt kamen gerade durch die Ausbreitung des Christentums immer neue praktische Probleme auf, die gelöst werden mußten. Da es noch keine Erfahrungen, Gewohnheiten und Regeln gab wie heute, mußten die Gemeinden ihren Weg erst finden. Letzteres ist aber auf vielen Gebieten auch in der Gegenwart der Fall, so daß das Urchristentum im Grunde gar nicht so verschieden von den heutigen Kirchen ist.

Urlaub

Das Wort geht zurück auf die Sprache der mittelalterlichen Ritterkultur und bedeutete damals die Erlaubnis, von seinem Herrn oder Vorgesetzten wegzugehen. Seit dem 19. Jahrhundert werden die (z.Z. durchschnittlich 25) freien Werktage im Jahr so genannt, die jedem Arbeitnehmer zustehen, die aber auch die meisten Freiberuflichen, Nichtberufstätigen und Studierenden als besondere Zeit ansehen und gestalten. Man geht offenbar davon aus, daß sich die Last der Arbeit und des Alltags während eines Jahres sozusagen ansammelt und nur eine längere, zusammenhängende und entsprechend gestaltete Pause Erholung und Abstand bringen kann. Nicht wenigen wird die Arbeit, die sie verrichten (müssen), außer durch Bezahlung überhaupt erst im Hinblick auf den Urlaub erträglich. Deshalb nehmen sie auch sehr hohe Kosten und große Anstrengungen dafür in Kauf.

Urlaub ist für viele die Zeit (und Erfahrung!) der Selbstbestimmung, Freiheit und Ungebundenheit.

Außer dem Wunsch nach Erholung sind z.T. sehr spezielle Erwartungen damit verbunden, z.B. Bildung, Begegnung, Natur, Stille - oder das ganz andere: ausgleichende Aktivität, das besondere Erlebnis und Abenteuer; etwas, das bei anderen Geltung verschafft und einen hohen Erinnerungswert hat. Manche verwenden ihren Urlaub auch für ehrenamtliche Mitarbeit bei einer Freizeit oder einer sozialen Aktion ("Urlaub für andere").

Etwa die Hälfte der Deutschen ist mit ihrem Urlaub ganz zufrieden, ein Drittel so einigermaßen; die Gründe für Unzufriedenheit liegen meist im Wetter oder in äußeren Umständen; manche haben gerade im Urlaub auch Probleme mit sich selbst.

Gewählt und gekauft wird Urlaub z.T. nach Prospekt und Beratung, hauptsächlich aber auf Empfehlung von Bekannten. Die Kirche bietet in Urlaubsorten Seelsorge und andere Dienste an.

Utopie

Meist werden mit dem Wort, das im Griechischen "nirgendwo", "ohne Ort" bedeutet, wirklichkeitsfremde Vorstellungen und Hoffnungen bezeichnet. Warum entwirft der Mensch in Romanen, Liedern und Plänen Utopien? Wie gehen wir damit um?

Der ideale Staat des griechischen Philosophen Plato sollte den Politikern und Bürgern Vorbild sein; der Theologe Augustin (354-430) entwarf in 22 Büchern das Bild von einem "Gottesstaat", in dem das Böse schließlich besiegt wird. Der Engländer Thomas Morus schrieb 1516 ein Buch mit dem Titel "Utopia", das eine Gesellschaft ohne Eigentum und Feindschaft schildert.

Dagegen enthält die "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley (1932) oder "1984" von George Orwell (1949) drastische Warnungen vor den Gefahren zukünftiger technischer und politischer Entwicklungen. Auch die marxistische Erwartung eines absterbenden Staates in einer klassenlosen Gesellschaft ist eine Utopie.

Utopien können helfen, Menschen für ein weitgestecktes Ziel zu begeistern; so hat z.B. der "Traum" des farbigen Amerikaners Martin Luther King vom gleichberechtigten Zusammenleben Angehöriger verschiedener Rassen gewirkt. Und die vor fast 3000 Jahren aufgekommene Vision vom Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen (Micha 4,3) muß immer noch zitiert werden, weil es inzwischen mehr Waffen gibt als je zuvor. Sind Utopien der Trost der

Machtlosen?

Auch der christliche Glaube hat utopische Züge, z.B. in der Bergpredigt Jesu (Matthäus 5-7); aber Jesus sagt auch: "Mein Reich ist mitten unter euch" (Lukas 17,21).

Für Christen können Utopien Anregung und Hilfe sein, sich nicht mit bedrückenden Verhältnissen abzufinden, sie werden sich aber dabei nicht von dem abhalten lassen, was sie schon jetzt zu tun haben.