Tabu

Das ursprünglich polynesische Wort bezeichnet etwas besonders streng Verbotenes: Bestimmte Gegenstände dürfen nicht berührt und verändert, heilige Orte nicht betreten werden. Eine Verletzung des Tabus hat nach dem Glauben derer, die es beachten, schwere Strafen wie Krankheit oder Tod zur Folge. Was in der einen Religion oder Kultur als erlaubt gilt, kann in einer anderen tabu sein (z.B. die Heirat zwischen Geschwistern oder die Homosexualität).

Beispiele für Tabuvorschriften finden sich auch in der Bibel, etwa in dem Verbot, die Gott geweihte Bundeslade zu berühren (2. Samuel 6,7) oder den Namen Gottes auszusprechen.

In der heutigen Sprache gebraucht man das Wort meist dann, wenn etwas so streng (oder selbstverständlich) verboten erscheint, daß man über das Verbot und die Sache selbst nicht einmal reden darf, ohne Gefahr zu laufen, zum Außenseiter zu werden. Bei den fundamentalen Lebensinteressen der Gesellschaft, wie z.B. dem Verbot des Mordes, ist das verständlich; aber die Tabuierung von Bereichen wie Sexualität, nationale Verteidigung oder Eigentum erschwert häufig ein vernünftiges Verhalten. Auch in den Umgangsformen oder in der Mode gelten erstaunlich viele undiskutable Selbstverständlichkeiten, die man als moderne Tabus verstehen kann (Konventionen).

Da für Christen keine menschlichen Gebote unbedingte Geltung haben können, werden sie Tabus grundsätzlich in Frage stellen und dazu beitragen, sie abzubauen, wenn sie hinderlich sind. Den Mut und die Kraft dazu können sie aus ihrem Glauben holen.

Tanz

Ursprünglich eine überwiegend religiöse Handlung zur Abwehr böser Geister oder zur Herbeiführung von Erwünschtem (z.B. Regen oder Jagdglück); aber auch zur Ehre eines Gottes wurde getanzt. In manchen Religionen tanzen Götter sogar selbst, z.B. Shiwa im Hinduismus.

Aus dem Alten Testament sind der Tanz um das goldene Stierbild und der tanzende König David bekannt (2. Mose 32,6; 2. Samuel 6,14).

Tanz hat verschiedene Bedeutungen und Wirkungen. Kinder tanzen einfach aus Freude an der Bewegung oder als Spiel. Tanz nach Musik und vorgegebenen Schritten kann ein Gefühl der Gemeinschaft oder der Einstimmung in etwas Größeres vermitteln. Die Wechselwirkung von Rhythmus und Bewegung erleben viele als Kraftsteigerung, Hingabe oder Befreiung bis hin zu einem Gefühl der Erlösung und ekstatischer Selbstvergessenheit (z.B. in Diskotheken; Ekstase). Andererseits dient der Tanz (bis hin zur Kunstform des Balletts) auch als Mittel des Ausdrucks und der symbolischen Darstellung, z.B. höfischer oder volkstümlicher Kultur oder religiöser Inhalte. Insbesondere für Jugendliche ist der Tanz Medium der Begegnung mit dem anderen Geschlecht, in dem sie durch Mimik, Gesten und Bewegungen die eigene Individualität und Rolle darstellen.

Von den Kirchen wurde der Tanz zeitweise, wohl wegen seiner erotisierenden und rauschhaften Wirkung, als Gefahr und Konkurrenz angesehen. Heute hat er seinen Platz nicht nur in der Jugendarbeit, sondern gelegentlich auch in modernen Gottesdiensten.

Taufe

Schon vor dem Christentum gab es in orientalischen Religionen und griechischen Mysterienkulten Weihen und Reinigungs- bzw. Aufnahmeriten durch Waschungen, Untertauchen in Wasser oder auch Besprengen mit Blut. Auch der Eintritt in die jüdische Religion ist mit einem Tauchbad verbunden.

Das Neue Testament berichtet, daß Johannes der Täufer Umkehr predigte und zur Vergebung der Sünden taufte (Markus 1,2-11). Auch Jesus kam zu ihm an den Jordan und ließ sich taufen, taufte selbst aber nicht.

Die in der Apostelgeschichte überlieferte Taufpraxis der Urgemeinde wird auf den Willen des auferstandenen Jesus zurückgeführt: "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe" (Matthäus 28,19-20). Die Taufe war zunächst eine Form der Aufnahme in die Kirche und der

Vermittlung des Heiligen Geistes. Der Apostel Paulus deutet sie (Römer 6) als Symbol und Vollzug der Verbindung mit Jesus: durch das Untertauchen mit seinem Tod, durch das Auftauchen mit seiner Auferstehung. Alles, was dem entgegensteht, wird durch die Taufe "abgewaschen". Der Mensch gehört jetzt zum "Leib Christi" und hat ein neues Leben erhalten.

Der Taufe Erwachsener geht das Glaubensbekenntnis voraus, bei Kindern sprechen es die Eltern, Taufpaten und auch die Gemeinde stellvertretend; dann ist die Taufe ein Zeichen dafür, daß Gottes Zuwendung und Gabe Voraussetzung für unseren Glauben ist (Pate). Die Säuglingstaufe ist etwa seit Anfang des 3. Jahrhunderts üblich. Da sie von den Kindern nicht bewußt erlebt wird, gibt es in der Firmung bzw. Konfirmation eine besondere Feier, die auch der Bestätigung der Taufe dient. Die Taufe zu einem späteren Zeitpunkt wird heute als gleichwertig angesehen, u.a. weil manche Eltern ihrem Kind die Entscheidung dafür selbst überlassen wollen oder auch um einem magischen bzw. oberflächlichen Verständnis der Taufe entgegenzutreten. In manchen Kirchen wird nur die Erwachsenentaufe praktiziert (z.B. bei den Baptisten).

Neuerdings findet die Taufe kaum noch im Krankenhaus, zu Hause oder in einer gesonderten Feier statt, sondern in einem Sonntagsgottesdienst mit der Gemeinde. Tauftag und Taufspruch werden in manchen Familien in besonderer Erinnerung gehalten.

Bei Todesgefahr für ein Kind darf jeder religionsmündige bzw. konfirmierte Christ die Taufe vollziehen. Eine Anleitung dazu findet sich im Gesangbuch.

Telefonseelsorge

Telefonseelsorge bietet die Möglichkeit zum Gespräch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie ist eine kirchliche (manchmal ökumenische) Einrichtung in größeren Städten. Die Rufnummer ist auch in Tages- und Kirchenzeitungen, auf Plakaten und in der Telefonzelle zu finden.

Mitarbeiter der Telefonseelsorge sind neben Theologen und Ärzten hauptsächlich Fachleute und Laien aus verschiedenen Berufen und Lebensaltern, die ihren Dienst ehrenamtlich und nebenberuflich tun. Sie können geduldig zuhören, haben Verständnis auch für außergewöhnliche Probleme und wissen, wohin sich der Anrufer gegebenenfalls wenden kann, wenn er spezielle Hilfe braucht.

Telefonseelsorger sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Anrufer und Telefonseelsorger bleiben anonym.

Teufel

Der Teufel als Urheber alles Bösen ist Symbol für die Macht des "Geistes, der stets verneint" und zerstört. In der Bibel ist der Satan (arabisch: Scheitan) zunächst Gegner eines Menschen, z.B. bei Gericht oder im Krieg. Später tritt er als Gegenspieler Gottes in verschiedenen Rollen auf, u. a. als Ankläger im Hofstaat Gottes (Hiob 1), als Verderber (der z.B. Judas zum Verräter macht, Johannes 13,27), aber auch als Gerichtsvollzieher Gottes (1. Korinther 5,5). Als oberster der bösen Geister (Dämonen) ist er "Herr dieser Welt". Andere Namen für ihn sind Beelzebub, Belial, Luzifer, Diabolos (griechisch = Durcheinanderwerfer).

Auch die Versuchungen Jesu werden in Form einer Auseinandersetzung mit dem Teufel erzählt (Matthäus 4). Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments ist die Macht des Teufels durch Jesus gebrochen.

Im Mittelalter stellten sich viele den Teufel als Wesen mit tierischen und menschlichen Zügen vor. Hexen waren angeblich mit dem Teufel im Bunde und wurden deswegen (bis 1780!) von kirchlichen und weltlichen Gerichten zum Tod verurteilt.

Von den literarischen Ausgestaltungen ist besonders der Mephistopheles in Goethes Faust bekannt geworden.

Noch bis in die heutige Zeit haben manche Kinder und auch Erwachsene

Angst vor dem Teufel, weil sie die symbolische Figur nicht als Mittel der Veranschaulichung verstehen (Exorzismus, Hölle).

Theologie (Theologiestudium)

Das aus der griechischen Sprache stammende Wort bedeutet Lehre von Gott. Heute ist damit fast immer die christliche Theologie gemeint.

Trotz beträchtlicher Meinungsverschiedenheiten darüber, was Theologie eigentlich ist oder sein soll, kann man sie als die Bemühung verstehen, das jeweils aktuelle Verständnis des christlichen Glaubens und seiner Geschichte geordnet darzustellen. Sie wird nach den Regeln heutiger Geisteswissenschaft und Forschung betrieben.

Da die Menschen und Zeiten verschieden sind, gibt es Theologie in einer großen Vielfalt: Die Verfasser der Evangelien waren Theologen, die Apostel, Paulus - im Grunde ist jeder Christ ein Theologe; es werden aber meist nur Pfarrer oder Theologieprofessoren so genannt. Der Streit darum, welches die richtige oder bessere Theologie ist, kann der Kirche und den Christen nützen, wenn man dabei an die Aufgabe der Theologie denkt: Sie soll der Klärung, Stärkung und Verbreitung des christlichen Glaubens dienen. Theologie ist nicht nur für die Ausbildung und Arbeit der Pfarrer nötig, sondern auch für die Auseinandersetzung mit geistigen Strömungen der Zeit, anderen Religionen und als Antwort auf kritische Fragen an den christlichen Glauben. Oft haben Theologen der Kirche in schwieriger Lage die Richtung gewiesen, z.B. Martin Luther im 16.Jahrhundert (Reformation) und Karl Barth im Kirchenkampf.

Für das Theologiestudium ist in der Regel das Abitur nötig. Am Anfang müssen, soweit das noch nicht vorher geschehen ist, die Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch gelernt werden.

Zu den Fächern der Theologie gehören: Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Glaubenslehre (Dogmatik), Ethik, Praktische Theologie (z.B. Seelsorge, Gottesdienstgestaltung, Amtshandlungen des Pfarrers, Gemeindearbeit), Organisation der Kirche, Religionspädagogik, Philosophie und eine Reihe von Wahlfächern, z.B. christliche Kunst. Sie werden außer an Universitäten auch an kirchlichen Hochschulen gelehrt. Die Zahl der evangelischen Theologiestudenten ist seit Beginn der achtziger Jahre stark angestiegen.

Tier, Tierliebe, Tierversuche, Tierschutz

Tiere sind - ebenso wie Menschen und Pflanzen - Geschöpfe Gottes, denen die Erde als Lebensraum gegeben ist. Nach biblischer Vorstellung sind sie beseelte Wesen. Bekannt sind zur Zeit über 1200000 Arten. Schätzungsweise zehnmal so viele haben in früherer Erdzeit gelebt und sind ausgestorben. Durch die Ausbreitung des Menschen (mit Kultivierung des Landes und Industrialisierung) sind heute zahlreiche Tierarten in ihrer Existenz bedroht. Tiere haben mit dem Menschen mehr gemeinsam, als mancher weiß: Einige Arten helfen sich gegenseitig in der Not, warnen sich vor Gefahren, geben "Erlerntes" weiter, benützen Werkzeuge, erlernen Sprachsymbole, haben Freundschaften (d.h. nicht von Sexualbeziehungen abhängige Bindungen) und trauern. Auch sie organisieren Kriegszüge, halten Sklaven und haben Arbeitsteilung. In manchen Fähigkeiten unterscheiden sie sich vom Menschen nur dem Ausmaß nach, z. B. beim Experimentieren. Aber kein Tier hat die Fähigkeit zu abbildendem (d. h. künstlerischem) Gestalten. Zu geistigen Werten wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit oder Religion lassen sich im Tierreich keine Vorstufen finden.

Das Verhältnis der Menschen zum Tier ist vielfältig:

_1 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Trotzdem gibt es auch heute noch absichtliche, ausbeuterische oder unwissende Tierquälerei. In manchen Religionen gelten bestimmte Tiere als heilig (z.B. im Hinduismus die Kuh). Als etwas Heiliges oder besonders Wertvolles wurden früher bestimmte Tiere den Göttern geopfert (Opfer).

Das Christentum kennt keine Tieropfer mehr, seit Jesus selbst sich als "Lamm Gottes" geopfert hat. Daher sollten Christen noch entschiedener als bisher dafür eintreten, daß Tiere auch nicht für den Menschen geopfert werden. Die Kirchen haben sich für humanere Tierhaltung (z.B. bei Käfighennen) und Einschränkung von Tierversuchen eingesetzt.

Tod

Die Definition des Todes als das nicht rückgängig zu machende Ende biologischer Prozesse in einem Organismus reicht nicht aus. Die Erfahrung des Todes anderer und das Wissen darum, selbst sterben zu müssen, läßt den Tod lange vor dem Eintritt des biologischen Endes zu einer Macht werden, die alles sinnlos machen kann, nicht zuletzt durch die Angst davor.

Nur jeder zehnte Deutsche denkt laut Umfrage öfter über seinen Tod nach, 30% tun es hin und wieder. Gerne wird von vielen der Tod als Schauspiel (insbesondere in den Massenmedien) erlebt.

Für mehr als die Hälfte der Christen in Deutschland ist der Tod das absolute Ende, sogar für 30 % der evangelischen Kirchgänger, die an Gott glauben.

Andererseits hat gerade der Tod mancher Menschen ganz unerwartete Wirkungen gehabt. So wurden zum Beispiel das Leben und die Theologie Dietrich Bonhoeffers durch seinen Tod im Konzentrationslager zum Vorbild und Vermächtnis.

Im Alltag wird der Tod meist verdrängt. Der Tod anderer läßt empfinden, wie wenig gesichert und selbstverständlich das eigene Leben ist. Manche Menschen bereiten sich auf den Tod vor. Nicht wenige führen ihn selbst herbei (Selbsttötung) . Nur selten wird vom Tod als "Freund" oder "Erlöser" gesprochen. Es ist schwer, gegenüber dem Tod die eigene Einstellung zu finden. Sie hängt jedenfalls mit dem Verständnis des Lebens eng zusammen.

Das Einfachste scheint zu sein, den Tod nach einem Prozeß des Alterns als naturgegebenen Abschluß des Lebens anzusehen. Da es sich aber bei jedem Menschen um eine einmalige Person mit lebendigen Beziehungen zu anderen handelt, ist das selbst bei hohem Lebensalter nicht zutreffend, um so weniger, wenn der Tod früh, überraschend oder gewaltsam eintritt. Vielleicht ist das der Grund, warum in der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments und auch in anderen Religionen die Unsterblichkeit als ursprünglicher Zustand und der Tod als Folge der Sünde und des Bösen erscheint (so auch Paulus im Neuen Testament: "Der Tod ist der Sünde Lohn", Römer 6,23).

In den meisten Religionen gibt es den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, sei es durch Auferstehung, Verwandlung oder geistig-seelische Unsterblichkeit.

Von Christen wird der biblische Glaube bezeugt, daß der Tod Jesu für ihn und für andere nicht das Letzte war. Vielmehr ist durch seine Auferstehung der Tod für alle Menschen anders geworden: Er hat seinen Schrecken verloren (1. Korinther 15,26; Johannes 5,24). Wer im Glauben an Gott lebt, ist auch im Tod nicht verloren; an der Auferstehung Christi sollen vielmehr alle teilhaben.

Solcher Glaube richtet sich nicht nur auf ein Jenseits, sondern wirkt sich auf die Lebenseinstellung und -gestaltung aus.

Todesstrafe

Im ersten Buch Mose heißt es in Kapitel 9, Vers 6: "Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden, denn nach seinem Bild hat Gott den Menschen gemacht." Aber auch Gotteslästerung und andere Vergehen werden im Alten Testament mit dem Tod bedroht.

Im Neuen Testament werden das Recht und die Praxis des Staates, mit dem Tode zu bestrafen, nicht kritisiert; aber es ist klar, daß mit dieser Strafe am allerwenigsten die Gerechtigkeit geschaffen werden kann, die vor Gott gilt.

Durch Artikel 102 des Grundgesetzes ist in der Bundesrepublik Deutschland die Todesstrafe seit 1949 abgeschafft.

Als Argumente für die Todesstrafe werden angeführt:

Gegen die Todesstrafe spricht u.a.:

Nur wenige christliche Kirchen haben offiziell und eindeutig die Todesstrafe abgelehnt; die meisten stellen sie in das Ermessen des Gesetzgebers. Wenn sich bei besonders schrecklichen Gewaltverbrechen auch bei Christen der Gedanke an die Todesstrafe einstellt, sind die Motive dafür wohl eher Rache- und Ohnmachtsgefühle als das Streben nach Gerechtigkeit. Wer gegen Abtreibung, Euthanasie und sogar Schwangerschaftsverhütung ist, müßte konsequenterweise auch die Todesstrafe ablehnen. Nach dem christlichen Glauben ist Gott allein Herr über Leben und Tod und spricht selbst das letzte Urteil über jeden Menschen. Seit an Jesus von Nazareth die Todesstrafe vollstreckt wurde, können Christen nicht mehr glauben, daß sie ein gerechtes Mittel ist.

Todsünden

Im 1. Johannesbrief heißt es: Jedes Unrecht ist Sünde. Aber nicht jede Sünde führt zum Tod. Es gibt eine Sünde, die den Tod bringt (5,16-17; vgl. auch Markus 3,28).

Im Mittelalter zählte man außer Mord, Götzendienst und Unzucht auch "Hauptsünden" wie Stolz, Habsucht und Zorn zu den Todsünden. Nach katholischer Lehre sind das Taten, die sich bei klarer Einsicht und in freier Entscheidung in einer wichtigen Sache gegen den in der Natur und im Wort geoffenbarten Willen Gottes richten. Sie haben (im Unterschied zu den "läßlichen" Sünden) den Verlust des ewigen Lebens zur Folge, wenn sie nicht im Bußsakrament vergeben werden (Beichte).

In der evangelischen Kirche wurden diese und andere Unterscheidungen von Arten der Sünde grundsätzlich abgelehnt. Aber ganz hat sich das nie durchgesetzt.

Was jemand bei sich selbst und bei anderen als schwere oder leichte Sünde bewertet, läßt Rückschlüsse darauf zu, was er überhaupt unter Sünde versteht.

Toleranz

Toleranz bezeichnet die Bereitschaft und Kraft, gegensätzliche Überzeugungen und Handlungen anderer Menschen zu ertragen und nicht zu versuchen, sie durch offenen oder versteckten Zwang zu unterdrücken. Früher wurde das Wort hauptsächlich im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit verwendet. Diese wurde den Christen im Römischen Reich 313 durch Kaiser Konstantin eingeräumt, von der christlichen Kirche aber gegenüber Andersgläubigen nur selten praktiziert. So galt z.B. die im Augsburger Religionsfrieden (1555) und nach dem Dreißigjährigen Krieg im Westfälischen Frieden (1648) vereinbarte Religionsfreiheit nur für die darin anerkannten Mehrheitsreligionen. In Artikel 4 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und in den Menschenrechten ist jedem Menschen die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses mit ungestörter Religionsausübung garantiert. Aber in der Praxis fällt es auch Christen immer wieder schwer, andere Überzeugungen und Verhaltensweisen als die eigenen gelten zu lassen, insbesondere wenn sie von der Wahrheit ihres eigenen Glaubens zutiefst überzeugt sind und über Macht verfügen.

Die katholische Kirche lehnt jede dogmatische Toleranz ab, "denn Wahrheit und Irrtum können nicht gleich gut und gleich wahr sein". Das soll die Christen aber nicht hindern, Andersgläubigen mit wahrer christlicher Liebe zu begegnen.

Auch unter evangelischen Christen (und vor allem unter Theologen!) lösen Glaubensunterschiede nicht selten aggressive Verdrängungskämpfe aus. Religionen wie der Buddhismus und der Hinduismus sind im Ansatz erheblich toleranter.

Wenn Toleranz nicht aus Gleichgültigkeit und mangelndem Engagement kommt, bringt es wohl jeden Menschen immer wieder mit sich selbst in Konflikt, wie er sich gegenüber abweichenden Meinungen und Handlungen verhalten soll, die er für schädlich hält. Schließlich betrifft es nicht nur die eigene Person, wenn eine extreme Partei infolge anfänglicher Toleranz die Oberhand gewinnt (wie z.B. der Nationalsozialismus). Hier müssen die Werte der Meinungsfreiheit und des Gemeinwohls gegeneinander abgewogen werden.

Tradition

Das Wort bedeutet Überlieferung und bezeichnet alles, was bewußt und unbewußt an Erfahrungen, Wissen, Regeln, Verhaltensweisen und Werken von Vorfahren übernommen und bewahrt bzw. hinterlassen wird.

Die geistige Entwicklung des Menschen beruht zu einem großen Teil auf der Fähigkeit, Gelerntes und Gewohntes weiterzugeben, zu bewahren und darauf aufzubauen - aber auch darauf, sich von Traditionen lösen zu können, wenn sie notwendige und erstrebenswerte Veränderungen behindern.

Solange sich die Lebensweise der Menschen im Lauf der Jahrhunderte nur wenig änderte, war ihnen eine möglichst unveränderte Fortsetzung der Tradition wichtig. Heute stehen insbesondere Jugendliche den meisten alten Traditionen (wie z. B. der Pflege des Volkstums mit seinen Gebräuchen sowie insbesondere der überlieferten Moral und Religion) eher kritisch und ablehnend als aufgeschlossen gegenüber. Oft ist es ihnen einfach zu mühsam, sich mit dem Sinn und der Praxis von Überliefertem vertraut zu machen.

Das ist auch für den christlichen Glauben ein Problem, weil seine Entstehung lange Zeit zurückliegt und viele Christen der Meinung sind, der Zugang zu ihm führe nur über die Kenntnis und Übernahme kirchlicher

Traditionen, die möglichst unverändert bewahrt werden sollen. Nach der Lehre der katholischen Kirche ist die Tradition für sie von grundlegender Bedeutung und nur von ihr allein im wesentlichen fortgeführt worden. Die evangelischen Kirchen vertrauen demgegenüber auf die Bibel (die übrigens auch schon ein Ergebnis von Überlieferung ist).

Jesus hat zwar die Tradition seines Volkes aufgenommen, aber durch sein Leben und Sterben etwas völlig Neues gebracht. Dementsprechend wird auch seine Botschaft nicht nur in der Beachtung der Tradition erfahren und verwirklicht, sondern mehr noch in aktueller und zukunftsoffener Lebensgestaltung.

Christen müssen immer wieder überlegen, wie sie zu Überlieferung aller Art stehen und wie sie damit umgehen wollen:

Ein Rezept für eine ausgewogene Einstellung zur Tradition gibt es nicht. Je nach Lebensgeschichte, Persönlichkeit und Situation muß jeder selbst (möglichst in Verbindung mit anderen) herausfinden, welchen Wert Tradition für ihn und für die Gemeinschaft hat, in der er lebt.

Trauer

Der Mensch findet und hat sein Leben zu einem wesentlichen Teil in den Beziehungen zu anderen; deshalb ist der Verlust eines nahestehenden Menschen eine schwere Krise des Selbstgefühls (auch bei geliebten Tieren und Sachen kann das so sein). Am Anfang ist der Schock meist am größten, auch als Folge der Begegnung mit dem Tod. Dann folgt die oft lange Zeit der notwendigen Umstellung und inneren Ablösung mit schmerzlicher Erinnerung, Abschied, Klage und Dankbarkeit, nicht selten auch mit Anklage und Schuldgefühlen.

Vorgegebene Formen, Worte und Zeichen können helfen, Trauer erträglicher zu machen. Dazu gehören die feierliche Bestattung mit Worten und Zeichen des Glaubens, die Anteilnahme anderer (Trost) und die Grabpflege (Grab). Trauer zu zeigen und auszuhalten ist besser als sie unterdrücken oder überspielen zu wollen (etwa indem die Beerdigung möglichst kurz sein soll oder mit der Aussage, daß es doch ein hohes Alter, eine Erlösung oder ein schöner Tod gewesen sei). Wie Trauer erlebt und verarbeitet wird, hängt auch davon ab, ob und wie schon vorher an den Tod gedacht und davon gesprochen wurde. Aus der Trauer können sich neue Möglichkeiten der Lebensgestaltung ergeben; der Verlust wird dabei nicht vergessen.

Traum

Träume sind Phantasieerlebnisse im Schlaf. Im Unterschied zur Phantasie im Wachzustand werden Träume wie ein wirkliches Geschehen empfunden, obwohl sie sich oft weit davon entfernen.

Die Traumforschung ist zu dem Ergebnis gekommen, daß alle Menschen träumen. Wenn auch die meisten Träume schon vor dem Aufwachen wieder vergessen werden, sind sie doch für das seelische Leben sehr wichtig. Der Traum wird auch "Hüter des Schlafes" genannt, weil darin unerfüllte Wünsche oder belastende Erlebnisse verarbeitet werden. Verdrängte Probleme, die Menschen krank machen können, versuchen Psychotherapeuten durch Traumdeutung zu erkennen.

Im Altertum führte man Träume auf die Einwirkung von Göttern und übernatürlichen (guten oder bösen) Mächten zurück, die dem Menschen darin etwas sagen oder zeigen. Traumdeuter standen in hohen Ehren. Auch in der Bibel ist von Träumen zu lesen, die Menschen in die Zukunft blicken oder Gottes Willen erkennen ließen (z.B. die Träume Jakobs im Alten Testament und im Neuen Testament der Auftrag Gottes an Josef, den Vater Jesu, nach Ägypten zu fliehen). Allerdings wird auch gewarnt: "Träume haben schon viele irregeführt und die getäuscht, die darauf vertrauten"

(Sirach 34,1-8).

Trauung, kirchliche

Eine kirchliche Trauung ist ein Gottesdienst zum Beginn einer Ehe. Sie hat folgenden Sinn:

Für die Eheschließenden kann das Vorgespräch mit dem Pfarrer und die Mitgestaltung der kirchlichen Trauung Anlaß zur Klärung ihrer Einstellung zur Ehe sein, z.B. durch die Auswahl des Bibeltextes und die Formulierung von Gebeten oder anderen Aussagen. Auch die Trauungsworte können mit dem Pfarrer besprochen werden. Eine überzeugend gestaltete kirchliche Trauung kann in einer Zeit großer Unsicherheit im Zusammenleben von Mann und Frau ermutigend und wegweisend für alle Beteiligten sein.

Wenn in den letzten Jahren die Zahl der kirchlichen Trauungen im Verhältnis zu den standesamtlichen Eheschließungen abgenommen hat, so dürften die Gründe hierfür in der Scheu vor Feierlichkeit, geringer Verbundenheit mit der Kirche, Unkenntnis der Bedeutung einer kirchlichen Trauung oder in der Zugehörigkeit zu verschiedenen Konfessionen liegen. Um so wichtiger ist es, daß es Christen gibt, die Brautleuten erklären können, warum eine kirchliche Trauung ein guter Anfang auch für ihre Ehe ist.

Rechtsgültig ist in Deutschland (seit 1875) nur die standesamtliche Eheschließung.

In den meisten Landeskirchen gibt es übrigens seit einiger Zeit neben der Möglichkeit, bei konfessionsgemischten Ehen die Trauung von den Pfarrern der betreffenden Kirchen gemeinsam durchführen zu lassen, auch das Angebot eines Gottesdienstes anläßlich der Eheschließung mit einem Partner, der keiner christlichen Kirche bzw. einer anderen Religion angehört.

Treue

Das Wort hängt mit Vertrauen zusammen. Meist wird es nur für die eheliche Treue im Blick auf ausschließliche sexuelle Beziehungen gebraucht; aber es bedeutet ganz allgemein und umfassend Verläßlichkeit und Einhaltung gegebener Zusagen mit allen Konsequenzen. Als Gesinnung ist Treue mehr als nur die formale Erfüllung einer mehr oder weniger bewußt und freiwillig übernommenen Pflicht, nämlich innere Wertschätzung und die Bereitschaft, auch unter veränderten Bedingungen das Entsprechende zu tun und Versprechen zu halten.

Treue wird zwar in unserer Gesellschaft hoch bewertet, ebenso aber auch Offenheit, Flexibilität, Freiheit, Fortschritt und Bekehrung zum Besseren. Deshalb ist es manchmal schwer, zu sagen, was Treue in einem bestimmten Fall ist. Manche definieren das einfach selbst, unterscheiden zwischen sexueller und sozialer Treue oder sprechen von Treue zu sich selbst. Ist sie zu fordern? Ist sie eine "Leistung"? Wo hat sie ihre Grenzen, wenn der Partner sich verändert hat oder ich selbst anders geworden bin (Alkohol, Krankheit, Gefängnis, Berufswechsel)? Treue zum "Führer des Dritten Reiches" erwies sich für viele sogar als verwerflich. Für den Psychologen kann Treue in so unterschiedlichen Motiven begründet sein wie Trennungsangst, vollständige Befriedigung durch den Partner, Bindungsangst, Kontaktschwierigkeiten, welche die Gelegenheit zur Untreue vermindern, und äußeren Einflüssen wie eine strenge Sexualmoral. Sie ist nur auf der Grundlage von anderen Fähigkeiten möglich, wie z.B. Selbstbeschränkung, Zielstrebigkeit, Wertbewußtsein, Erinnerungsvermögen und Phantasie. Sicher ist, daß Liebe und menschliches Leben überhaupt nur durch die Stetigkeit und Verläßlichkeit der Treue wachsen und dauern können.

In der Bibel wird Treue nicht als natürliche Neigung und Fähigkeit des Menschen gesehen. Wirklich treu ist im Alten und Neuen Testament nur Gott. Nur im Glauben an ihn kann der Mensch treu sein und werden. Sogar das Wort für Glaube ist in der Bibel oft das gleiche wie für Treue. In diesem Zusammenhang gesehen ist Treue ein Geschenk, eine neue Möglichkeit, die mit Hilfe des Partners und in Gemeinschaft mit anderen bewährt wird.

Trinität

Schon zu Lebzeiten Jesu glaubten viele Menschen, daß sich in ihm Gott selbst gezeigt hat. Das gleiche sagten sie nach Ostern vom Wirken des Heiligen Geistes. Daraus entstand die Lehre von der Dreifaltigkeit und Dreieinigkeit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie ist seit dem 4. Jahrhundert nach Christus gemeinsames Glaubensgut aller christlichen Kirchen. Der Sonntag nach Pfingsten wird als Trinitatisfest gefeiert.

Die Tatsache, daß es im Deutschen zwei verschiedene Worte für Trinität gibt, legt folgende Erklärungen nahe:

In dem Glauben an die Dreiheit Gottes liegt nicht so sehr ein logisches Problem (3 = 1 ?), sondern die Aufhebung real empfundener Widersprüche:

Die Rede vom dreifaltigen und dreieinigen Gott ist oft Gegenstand für schwer verständliche theologische Überlegungen und auch Anlaß für Kritik gewesen (das Judentum und der Islam sehen darin ein Abweichen vom Monotheismus). Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß sich ihre Wahrheit weniger in theologischer Lehre zeigt als vielmehr im Leben der Christen. Als Beispiele seien genannt:

Unsere Lebensqualität hängt ab von den Beziehungen, in denen wir stehen: vom Verhältnis zwischen Frau und Mann, Eltern und Kindern, Freunden und Mitmenschen, zwischen gleichen und verschiedenen Partnern. In ihrem Bewußtsein denken Menschen über sich selbst und ihr Verhältnis zu anderen nach: Unser Leben ist nicht auf einen Punkt zu bringen. Wir haben es letztlich in der Liebe und in den vielfältigen Verbindungen und Erscheinungsformen des Geistes. Die Lehre von der Dreifaltigkeit und Drei-einigkeit Gottes kann hierfür Modell, Maßstab und eine Hilfe sein, in den verschiedenen Erscheinungsformen Gottes ihn selbst zu finden.

Trost

Das Wort wird nicht mehr so oft gebraucht wie früher. Sollten die Menschen weniger trostbedürftig, also stärker oder lebenstüchtiger geworden sein? Liegt es daran, daß wir nicht gern Trost anbieten ("vertrösten"), wo die Verhältnisse geändert werden müssen? Oder ist es die Verlegenheit, nicht mehr so recht zu wissen, wie und womit wir andere trösten können, was für mich selbst Trost ist?

Es kommt ja nicht nur darauf an, überhaupt mit schweren Erlebnissen und Verlusten fertig zu werden; die Frage ist vielmehr, wie wir das schaffen. Bewährt sich meine Grundeinstellung in dieser Lage? Oder besteht die Gefahr, daß alles sinnlos wird?

Trost kann in manchen Fällen lebenswichtig sein. Oft hilft schon die Nähe eines vertrauten Menschen, ein Händedruck oder eine Umarmung. Formeln wie "Das darfst du nicht so tragisch nehmen", "Das Leben geht weiter" oder "Anderen geht es noch schlechter als dir" werden mit Recht als "schlechter Trost" angesehen. Was habe ich zu sagen, wenn es um die Sinnfrage geht? Was kann ich als Trost annehmen? Christen erfahren wirksam Trost aus der Besinnung auf die Grundlagen ihres Glaubens und damit ihres Lebens. Dabei können ihnen der Zuspruch und das Zeugnis anderer helfen, aber auch die Bibel, ein Gesangbuchlied oder ein Bild. Mancher erlebt erst in einer Notlage, welche Kraft und Qualität darin liegen (z.B. in Psalm 23). Christen werden von Paulus als Menschen bezeichnet, "die durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben" (Römer 15,4). Der im Johannesevangelium als Tröster versprochene Heilige Geist wirkt, indem er der Gemeinde Aufgaben zeigt.

Der Trost des Glaubens kann helfen, innerlich nicht zu resignieren, Würde und Menschlichkeit zu bewahren und einen neuen Anfang zu finden. Wer selbst Trost gefunden hat, lernt dabei auch, andere zu trösten

(2. Korinther 1,3f.).