|
Das hebräische Wort bedeutet ruhen, mit etwas aufhören. Die jüdische Feier des Sabbats geht auf das 3. (bzw. 4.) Gebot zurück. Darin heißt es: "Vergiß nicht den Tag der Ruhe; er ist ein besonderer Tag, der dem Herrn gehört. Sechs Tage in der Woche hast du Zeit, um deine Arbeit zu tun. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, auch nicht deine Kinder, deine Sklaven, dein Vieh oder der Fremde, der bei dir lebt. In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde und Meer mit allem, was lebt, geschaffen. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den siebten Tag der Woche gesegnet und zu seinem Tag erklärt" (2. Mose 20,8-10).
Für den frommen Juden ist die Sabbatheiligung keine Last, sondern ein Vorzug: Er hat an diesem Tag Gelegenheit, sich auf seinen Glauben zu besinnen. Das war zu einer Zeit, als die meisten Menschen große Mühe damit hatten, sich das Lebensnotwendige zu erarbeiten, eine wegweisende Befreiung und Sinngebung.
Im jüdischen Gesetz gibt es genaue Vorschriften, wie der Sabbat zu feiern ist und was man an diesem Tag tun oder nicht tun darf. Fromme Juden nehmen es sehr ernst, sich darin zu bewähren.
Jesus nahm das damalige Verständnis des Sabbatfeierns zum Anlaß und als Beispiel, um auf die Rangfolge und den eigentlichen Sinn der Gebote hinzuweisen: Es geht in erster Linie darum, Gottes Liebe zu erkennen, anzunehmen und dementsprechend zu handeln ("Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat", Markus 2,27, auch 3,4).
Für die ersten Christen waren das Verständnis und die Praxis des Sabbats (neben der Beschneidung) so sehr zum Kennzeichen jüdischer Religion (Judentum) geworden, daß sich die nichtjüdischen Christen davon lösten, indem sie am ersten Tag der Woche die Auferstehung Jesu feierten (Sonntag). Mit der Zeit wurde aber - wohl wegen des oben zitierten Gebotes - die Pflicht zur Arbeitsruhe und zum Gottesdienstbesuch wieder stärker betont, insbesondere in der katholischen Kirche. Manche Christen machen es sich selbst und im eigenen Interesse zur Regel, eine bestimmte Zeit von Arbeit freizuhalten, um sich auf ihren Glauben und seine Verwirklichung besinnen zu können.
Mit diesem lateinischen Wort, das bei den Römern eine feierliche Indienstnahme bezeichnete, wurde das griechische Wort "Mysterium", d.h. Geheimnis, übersetzt. Gemeint sind damit im evangelischen Bereich die von Jesus eingesetzten zeichenhaften Handlungen Taufe und Abendmahl, in der katholischen Kirche darüber hinaus (als Dogma seit 1547) Beichte mit Vergebung, Ehe, Firmung, Priesterweihe und Krankensalbung ("Letzte Ölung") .
Luther sah in den von Jesus eingesetzten Sakramenten eine Ergänzung und sichtbare Form des Wortes, die dem Erscheinen Gottes als Mensch in dieser Welt entsprechen.
In der katholischen Kirche können diese "Gnadenmittel" (mit Ausnahme von Taufe und Ehe) gültig nur von einem Priester gespendet werden. Wenn dies in der vorgeschriebenen Form geschieht, wirken sie unabhängig von der Würdigkeit des Spenders. Taufe, Firmung und Priesterweihe haben nach katholischer Lehre eine unauslöschliche Wirkung.
Die Grundbedeutung des Wortes ist im Hebräischen Wohlsein, Ganzsein (unbeschädigt); es wird für Frieden, Heil und Glück gebraucht, d.h. als Sammelbegriff für "alles Gute" (was wir uns ja auch oft wünschen). Viele Worte der Bibel bezeugen, daß dieser umfassende Friede nicht von Menschen zu schaffen und zu erwarten ist, sondern von Gott. Man muß schon für mehr offen sein als für Machtpolitik und eigene Interessen, um diesen Frieden anzustreben; er wird im Alten und Neuen Testament als Geschenk Gottes versprochen. Paulus schreibt an die Römer: "Wir wollen also alles daran setzen, daß wir in Frieden miteinander leben und uns gegenseitig weiterhelfen" (14,19).
"Schalom" wird nicht nur von den Israelis als Gruß gebraucht; auch viele Christen sagen es mit dem Bewußtsein, "daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt", sondern von allem, was Gott spricht und gibt. Erfahrungsgemäß denken Menschen zu gering und begrenzt von dem, was wirklich zu ihrem Heil dient. Deshalb lohnt es sich, in der Bibel nachzusehen, was da unter Frieden verstanden wird (mit diesem Wort wird das hebräische Schalom meist übersetzt, z. B. in dem heute noch in Gottesdiensten verwendeten Segen, 4. Mose 6,26).
Das Wort wird meist für die Gesamtheit dessen benützt, was unser Leben von vornherein und unabänderlich bestimmt; aber auch für einzelne Ereignisse wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Vertreibung, Unfall oder Tod ("Schicksalsschläge").
Als schicksalhaft wird häufig die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse und die körperliche Ausstattung eines Menschen bezeichnet.
Je nach Grundeinstellung wird Schicksal auf Gott (bzw. Götter oder Göttinnen), Menschen oder auf Zufall zurückgeführt.
Der Glaube an ein vorherbestimmtes Schicksal hilft vielen Menschen, mit Fehlschlägen, Verlusten, Nachteilen und sogar mit Ungerechtigkeit fertig zu werden oder sich jedenfalls damit abzufinden (Prädestination, Islam). Andere sehen Schicksal als eine Vorgabe an, die sie zu aktiver eigener Lebensgestaltung herausfordert. Karl Marx lehrte, daß sich der Mensch im Grunde seine Lebensbedingungen selbst schaffen kann und soll.
Der christliche Glaube geht von einer "Führung" Gottes aus. Aber das bedeutet nicht, daß im Leben eines Menschen alles bis ins kleinste vorherbestimmt wäre. Deshalb sind Christen auch nicht daran interessiert, sich - etwa von Astrologen - die Zukunft vorhersagen zu lassen.
Der Glaube an die Schöpfung und Erlösung des Menschen durch Gott betont vielmehr die Verantwortung des Menschen für sich selbst und seine Umwelt. Sie ist Antwort auf das in der Bibel bezeugte Wort Gottes, z.B. Micha 6,9: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Wir sind dazu aufgefordert und ausgestattet, an der Verbesserung unserer Lebensmöglichkeiten zu arbeiten.
Christen bekennen: "Ich glaube an Gott, ... den Schöpfer des Himmels und der Erde." Diese Aussage drückt die Erfahrung und Gewißheit aus, daß der Glaube an Gott alles einschließt, was es in der Welt gibt, je gegeben hat und geben wird. Aus diesem Glauben heraus sind die beiden Schöpfungsberichte entstanden, die am Anfang der Bibel zu finden sind (1. Mose 1-2,4; 2,4-25). Sie beschreiben nicht im einzelnen den Verlauf der Weltentstehung, sondern sie enthalten Glaubensaussagen über das Wesen der Welt und des Menschen. Die wichtigsten sind folgende:
Andere Texte der Bibel bringen Staunen und Lob über die Größe und Schönheit der Schöpfung zum Ausdruck (z.B. Psalm 8 und 19).
Paulus schreibt aber auch von der Sehnsucht der ganzen Schöpfung nach Erlösung von Vergänglichkeit und Ausbeutung (Römer 8,18-30).
Die Welt ist heute durch die moderne Technik in einem nie vorher dagewesenen Ausmaß von Zerstörung bedroht. Wenn Christen glauben, daß sie
Gottes Schöpfung ist, dann müssen sie auch wirksame praktische Konsequenzen daraus ziehen.
Das Wort kommt von "sollen": Ich schulde anderen etwas, wenn ich ihnen verpflichtet bin, etwas von ihnen erhalten oder ihnen etwas versprochen habe. Schuld hat, wer andere schädigt oder gegen ein Gesetz bzw. Gebot verstößt, strafrechtlich aber nur dann, wenn keine Gründe für Schuld- ausschließung vorliegen (wie z. B. Unzurechnungsfähigkeit, Nötigung oder Notwehr).
Schuld wird einerseits subjektiv als schlechtes Gewissen und Schuldgefühl empfunden, andererseits von Mitmenschen festgestellt und zugemessen (Schuldvorwurf, Gerichtsverfahren, öffentliche Meinung, Klatsch). Wegen der meist damit verbundenen Strafe wird Schuld häufig bestritten. Viel Schuld und Mitschuld bleibt deshalb verborgen oder wird Unschuldigen zugewiesen. Schuldgefühle haben je nach Einstellung eines Menschen unterschiedliche Auswirkungen, z. B. daß das verbotene Verhalten noch einmal überlegt, künftig vermieden oder der Schaden wiedergutgemacht wird; aber auch Aggressivität, Angst, Verlust der Selbstsicherheit und Krankheit können die Folge sein. Wenn zwischen mehr oder weniger großer Schuld eines Menschen und diesem selbst unterschieden wird, ist er immerhin nicht als ganz schlecht anzusehen. Schuld kann gesühnt und vergeben werden.
Der christliche Glaube geht davon aus, daß Schuld nicht erst bei einem Verstoß gegen Recht und Moral entsteht, sondern schon in der Gesinnung liegt (Matthäus 5,21f.). Sie kann vom Menschen selbst nicht beseitigt werden, weil ihre Wirkung nicht abzugrenzen ist. Dieses weitreichende Schuldverständnis soll Grund und Ausmaß der Heillosigkeit menschlichen Lebens aufzeigen und Bereitschaft wecken, Schuld zuzugeben und um Vergebung zu bitten.
Schuld zwischen Menschen muß im Zusammenhang mit der Schuld gegenüber
Gott gesehen werden. Weil Gott uns Menschen unendlich viel Schuld vergibt, haben wir die Möglichkeit und Pflicht, auch anderen zu vergeben (Gleichniserzählung vom hartherzigen Schuldner, Matthäus 18,21-35). Im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32) hält der Vater dem heimkehrenden Sohn nicht seine Schuld vor, sondern nimmt ihn mit Freude wieder auf. Schuldbekenntnis im Gottesdienst und Gebet sollen dazu helfen und befreien, auch im Alltag zur eigenen Schuld zu stehen und andere nicht zu verurteilen. Das ist für den einzelnen und die Gemeinschaft hilfreicher, als Schuld zu verleugnen und zu vergelten. Deshalb beten Christen im Vaterunser: "... und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."
Mit Recht wird heute in manchen Bereichen der Erziehung und Sozialarbeit die Frage nach Schuld weitgehend abgelehnt (z.B. bei Drogenabhängigkeit); aber eine völlige Entschuldigung mit dem Hinweis auf Anlage, Umwelteinflüsse oder veraltete Moral nimmt dem Menschen auch seine SelbstVerantwortung und damit seine Persönlichkeit und Würde.
Das Wort wird für das Verhältnis zwischen Frauen in der feministischen Bewegung gebraucht.
Wahrend Jesus fast immer von Brüdern und Schwestern spricht, werden im kirchlichen Bereich die Frauen oft einfach in die Bezeichnung Brüderlichkeit einbezogen. Das läßt erkennen, wie gedankenlos und einseitig vieles nur aus der Sicht des Mannes betrachtet wird. Mit dem Gebrauch des Wortes Schwesterlichkeit versuchen Frauen und Männer, dies bewußt zu machen. Der schwesterliche Umgang unter Frauen hat im Unterschied zu manchen Männlichkeitsidealen eigene Akzente wie Solidarität mit dem eigenen Geschlecht, gegenseitige Stärkung des Selbstwertgefühls, einfühlendes Eingehen auf die andere und Zärtlichkeit.
Die Unterscheidung zwischen Körper und Seele gibt es schon seit der Frühzeit der Religionen und der Philosophie (z.B. im alten Griechenland bei Plato). Die Seele wurde als Träger und Zentrum der Lebensvorgänge angesehen. Sie kann sich vom Körper lösen und ist unsterblich.
Der Hinduismus lehrt, daß die Seele nach dem Tod in den Körper eines anderen Lebewesens übergeht (bei guten Menschen in ein höheres, bei bösen in ein niedrigeres). Sie hat also eine überzeitliche jenseitige Existenz und kann sich wiederholt "inkarnieren" (d.h. in lebendiger Gestalt zeigen, Reinkarnation). Mit Auffassungen dieser Art kann eine Geringschätzung des Körpers verbunden sein.
Im Alten Testament bedeutet das Wort nefesch (= Psyche) "Lebenshauch" oder einfach Leben. So heißt es z.B. in der Schöpfungsgeschichte: "Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde und blies ihm den Lebenshauch in die Nase. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen." (Luther übersetzte: "... zu einer lebendigen Seele.")
Oft wird das Wort auch in der Bedeutung "Ich" oder "Du" gebraucht, also für das Zentrum der Person, den ganzen Menschen. In diesem Sinn sagte Jesus einmal: "Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber an seiner Seele Schaden nimmt" (das heißt: sein Leben verliert; Matthäus 16,26).
Mittelalterliche Theologie und Volksfrömmigkeit sahen in der Seele ein unsichtbares Wesen, das nach dem Fegefeuer in der Ewigkeit des Himmels bzw. der Hölle Lohn oder Strafe findet.
Heute wird der Mensch wieder mehr als ganzheitliches Wesen aufgefaßt.
Die Psychologie beschränkt sich auf die Erforschung des Bewußtseins und der Auswirkungen des Unbewußten, verzichtet aber auf.eine Definition von Seele.
Für den christlichen Glauben sind nicht zeitbedingte Vorstellungen über Wesen und Existenzweisen der Seele maßgebend; es kommt vielmehr auf die mit dem Wort Seele verbundenen Grundaussagen an, die sich etwa so zusammenfassen lassen:
Im weiteren Sinn wird als Seelsorge die gesamte Tätigkeit eines Pfarrers bezeichnet. Ist er (oder sie) für besondere Gruppen eingesetzt, spricht man von Gehörlosen-, Blinden-, Militär-, Krankenhaus-, Gefängnis- oder Urlauberseelsorge.
Im engeren Sinn ist damit Hilfe und Beratung in Lebens- und Glaubensfragen gemeint, mit denen ein Mensch allein nicht fertig wird. Oft ist es schon eine große Hilfe, sich einem Außenstehenden gegenüber aussprechen zu können, der zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Pfarrer und andere Mitarbeiter der Kirche werden für diesen Dienst besonders ausgebildet und bringen auch ihre Erfahrungen mit ein. Das Wichtigste bei seelsorgerlichen Gesprächen ist: nicht zu verurteilen - weder andere noch sich selbst. Allerdings kann der Seelsorger auch dazu helfen, sich verdrängten Problemen zu stellen.
Seelsorge kann entweder in der Sprechstunde des Pfarrers, zu besonders vereinbarten Terminen, auch zu Hause und bei Not sogar mitten in der Nacht in Anspruch genommen oder bei anderen Gemeindegliedern und in angeleiteten Gruppen gesucht werden. In letzter Zeit haben fast alle größeren Städte eine ständig besetzte Telefonseelsorge.
Natürlich kostet es eine gewisse Überwindung, sich einem anderen anzuvertrauen, aber wer es einmal gemacht hat, weiß, daß es sich lohnt, und ist dann oft auch selbst bereit, für ein seelsorgerliches Gespräch zur Verfügung zu stehen.
Das Wort bezeichnet nicht nur die Handlung des Segnens, sondern in der Umgangssprache auch alles, was als positive Wirkung des Segnens aufgefaßt wird ("Erntesegen").
Segen und Fluch beruhen auf dem Glauben, daß ein in besonderer Form ausgesprochener Wunsch tatsächlich etwas bewirkt.
Im Alten Testament segnet entweder Gott selbst oder ein Mensch in seinem Auftrag. Der Segen ist meist auf die Erhaltung und Entfaltung des Lebens gerichtet (z.B. in der Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1,22 und 28).
Gesten wie das Erheben oder Auflegen der Hände sowie die Verwendung feierlicher Formeln und deren Wiederholung verleihen den Worten zusätzliches Gewicht. Ein noch heute am Ende evangelischer Gottesdienste gebrauchter Segen stammt aus 4. Mose 6,24: "Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig! Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil!"
Wenn Jesus Kinder oder seine Jünger segnete, wollte er ihnen und anderen damit die Liebe Gottes zeigen und nahebringen. Mit dem Segen über Speise und Trank verband er Dank und Lob; so wird es auch heute noch in vielen Gemeinden und Familien gemacht.
Der Apostel Paulus begann und schloß seine Briefe nicht nur mit Grüßen, sondern meist auch mit Segenswünschen (z.B. Römer 16,24).
Bei Taufen, Konfirmation, kirchlichen Trauungen und Bestattungen ist der Segen nicht nur ein würdiger Anfang und Abschluß, sondern die ausdrückliche Übertragung des in der Feier Gesagten auf die Zukunft.
Wer gesegnet ist, kann selbst auch anderen zum Segen werden. Christen sehen viele Möglichkeiten, sich gegenseitig und anderen Menschen den Segen Gottes zu wünschen. Sie bringen damit ihren Glauben zum Ausdruck, daß der Mensch mehr zum Leben braucht als das, was ihm von der Natur zukommt und was er selbst schaffen kann. Ein Segenswort kann daran erinnern, wie unendlich viel zusammenwirken muß, damit wir leben können. Und wie wenig selbstverständlich gerade der Glaube ist! (Deshalb z.B. der Wunsch: "Gesegnete Weihnachten".) Manche bitten selbst um den Segen anderer, z.B. Kranke und Sterbende.
In der katholischen Kirche werden auch Gegenstände, Pflanzen und Tiere gesegnet. Altäre und Kirchen erhalten nach katholischem Verständnis erst durch einen Segen ihre Weihe und Heiligkeit.
Seit Beginn der Kirchengeschichte haben sich immer wieder religiöse Gruppen von der Mehrheit der Christen oder einer Konfession getrennt oder sind von dieser ausgeschieden worden, weil sie in wesentlichen Punkten ein anderes Glaubensverständnis hatten.
In den Zeiten, als das Christentum Staatsreligion war, wurden sie als Ketzer blutig verfolgt, obwohl manche Sekten im Mittelalter nur die Kirche reformieren und radikales Christentum leben wollten. Auch im westfälischen Frieden (1648) wurden nur die katholische, lutherische und reformierte Konfession anerkannt.
Fast alle der heute aktiven Sekten sind erst in den letzten beiden Jahrhunderten entstanden (z. B. Mormonen, Zeugen Jehovas, Neuapostolische Gemeinschaft, Siebente-Tags-Adventisten, Pfingstkirchen, Christliche Wissenschaft, um nur einige zu nennen; auch die neueren Jugendreligionen werden als Sekten bezeichnet). Heute gibt es mehr als 20 Millionen Mitglieder von Sekten in der Welt.
Kennzeichnend für christliche Sekten ist hauptsächlich:
Für Christen stellt sich die Frage, wie sie sich gegenüber Sekten und deren Angehörigen verhalten sollen.
Zunächst ist damit zu rechnen, daß auch ihre Einstellung zu den Sekten von Vorurteilen bestimmt ist. Nur weil es sich um Minderheiten handelt, werden sie oft schon als krankhaft, absonderlich oder bösartig angesehen. In letzter Zeit wächst allerdings die Bereitschaft, in dem, was die Sekten vertreten, einen Hinweis auf das zu sehen, was in der eigenen Kirche möglicherweise zu kurz kommt oder falsch gemacht wird.
Kontakte mit Mitgliedern von Sekten können für Christen Anlaß sein, ihr eigenes Glaubensverständnis zu klären und sich darum zu bemühen, es verständlich zu begründen.
Die absichtlich an sich selbst bis zum Lusthöhepunkt herbeigeführte sexuelle Erregung wird auch Masturbation oder Onanie genannt (in der Umgangssprache gibt es zahlreiche weitere Worte dafür). Schon Kleinkinder spielen lustvoll mit ihren Geschlechtsorganen und entdecken dabei ihren Körper. Mehr als 90% der Jungen und eine zunehmende Zahl von Mädchen erleben während der Pubertät den Eintritt ihrer sexuellen Reife durch Selbstbefriedigung. Es ist eigentlich schwer verständlich, daß dieses natürliche Verhalten lange Zeit durch die geltende Sexualmoral negativ beurteilt und unterdrückt wurde.
Kritiker des christlichen Glaubens erklären das mit der Behauptung, daß die Menschen durch Schuldgefühle wegen sexueller Betätigung absichtlich so verunsichert werden, daß sie sich auch sonst autoritärer und ausbeuterischer Herrschaft anpassen.
Im Selbstverständnis der Christen war der Grund für die Ablehnung der Selbstbefriedigung wohl (neben dem früher in der Kirche hoch bewerteten Ideal der sexuellen Enthaltsamkeit) die Vorstellung, daß sexuelle Lust nur beim Geschlechtsverkehr zwischen Eheleuten erlaubt sei. Vielleicht spielte auch die (unbegründete) Angst eine Rolle, häufige Selbstbefriedigung könnte eine körperliche Schwächung oder Schädigung verursachen.
Heute wird Selbstbefriedigung nicht nur geduldet, sondern als eine - wenn auch begrenzte - Möglichkeit sexuellen Empfindens bejaht. Viele sehen darin überhaupt kein ethisches Problem mehr.
Um sich über das eigene Verhalten und die Reaktion gegenüber anderen klarzuwerden, kann es hilfreich sein, mögliche positive und negative Seiten dieser sexuellen Verhaltensweise zu überlegen:
Die Problematik der Selbstbefriedigung liegt u.a. darin,
Vielleicht helfen solche allgemeinen Überlegungen dazu, offener über diese und andere Formen sexuellen Verhaltens zu sprechen. Eltern und andere Erwachsene können dabei zeigen, daß sie Sexualität bejahen und die Intimsphäre Jugendlicher respektieren. Wichtiger als allgemeine Aussagen ist aber der Versuch, die individuelle körperliche und seelische Bedeutung auch dieser sexuellen Möglichkeit bzw. Aktivität zu erkennen.
Die Tatsache, daß die Zahl der Selbsttötungen seit Beginn dieses Jahrhunderts sprunghaft gestiegen ist, muß für Christen beunruhigend sein. Sind das Menschen, die bewußt das Recht für sich in Anspruch nehmen, mit einem "Freitod" selbst über ihr Leben zu verfügen? Sind es Kranke oder Opfer der Lieblosigkeit und Not? Sind es Sünder, die sich gegen Gottes Gebot "Du sollst nicht töten!" (daher auch die Bezeichnung "Selbstmord") vergangen haben?
Selbsttötung steht im Widerspruch zum christlichen Glauben, der das Leben als Gottes Geschenk und Aufgabe ansieht und auch dann annimmt, wenn es schwer ist. Aber wem ist nicht schon selbst der Gedanke an Suizid gekommen? Auch Christen haben in Zeiten religiöser und politischer Verfolgung ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt (z.B. der Schriftsteller Jochen Klepper, der 1942 darin eine letzte Möglichkeit des Glaubens gesehen hat). Wenn die Kirche früher Selbstmördern das kirchliche Begräbnis verweigert und mit ewigen Strafen gedroht hat, so mag dies vielleicht manchen vom letzten Schritt der Selbsttötung abgehalten haben; zu rechtfertigen ist diese Verurteilung aber damit nicht (heute wird auch in der katholischen Kirche in den meisten Fällen Krankheit und damit Schuldlosigkeit angenommen).
Der christliche Glaube hat nicht nur die Zuversicht, daß auch ein Selbstmörder bei Gott angenommen ist; er bewirkt vielmehr das Eingeständnis, daß wir zuwenig Liebe und Sinngebung für Menschen haben, die am Leben verzweifeln.
Fast alle Selbstmordgefährdeten machen andere vorher auf ihre Absicht, sich selbst zu töten, aufmerksam. Diese Ankündigungen sind unbedingt ernst zu nehmen. Ärzte, Fachleute in Beratungsstellen, Mitarbeiter in der Telefonseelsorge und Pfarrer haben auf diesem Gebiet spezielle Kenntnisse. Wenn es nicht gelingt, den Suizidgefährdeten mit ihnen in Kontakt zu bringen, dann können sie jedenfalls denen raten, die mit ihm zu tun haben.
Die überwiegende Mehrzahl derer, die von einer Selbsttötung abgehalten oder nach einem Versuch gerettet werden konnten, ist später dafür dankbar. Auch das zeigt, daß Selbsttötung in den meisten Fällen eine Kurzschlußhandlung in einer für ausweglos gehaltenen seelischen, sozialen oder wirtschaftlichen Not ist.
Selbstvertrauen ist das wertende Fühlen und Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Lebensmöglichkeiten. Es ergibt sich aus dem Vertrauen, das andere mir entgegengebracht haben, aus früheren Erfahrungen mit Erfolg und Mißerfolg, aus dem Vergleich mit anderen Menschen oder anerkannten Maßstäben und aus dem, was ein Mensch glaubt.
Selbstvertrauen hilft nicht nur, mit schwierigen Aufgaben besser fertig zu werden; es beeinflußt auch die Wünsche und die Hoffnung eines Menschen. Mangelndes Selbstvertrauen kann trotz guter Begabung und günstiger Situation zu Mißerfolg und Versagen führen, woraus leicht ein Teufelskreis entsteht, ebenso übrigens wie durch den Versuch, es durch Angeben auszugleichen.
In der Pädagogik wird Selbstvertrauen zielstrebig durch Anerkennung und Erfolg bei lösbaren Aufgaben verstärkt. Diese Methode entspricht der Wertschätzung jedes Menschen und seiner besonderen Gaben, wie sie sich aus dem christlichen Glauben ergibt.
In der Umgangssprache werden die Worte selig und Seligkeit meist für das gebraucht, was Menschen als größtes Glück und höchste Lebenserfüllung empfinden oder anstreben.
In der Bibel bedeuten sie mehr und anderes, nämlich die im Glauben erfahrene Nähe und Liebe Gottes in Gegenwart und Zukunft (in neueren Ausgaben wird das Wort "selig" auch mit "Freuen dürfen sich alle ..." oder "Glücklich zu preisen sind ..." übersetzt).
Zur Überraschung vieler hat Jesus Arme, Leidende und Verfolgte selig genannt ("Bergpredigt", Matthäus 5,3-12). Sie werden und sind es durch den Glauben an Gottes Hilfe und Erlösung.
Jesus nannte außerdem die Gewaltlosen ("Sanftmütigen"), die Friedensstifter, die nach Gerechtigkeit Hungernden und die Menschen mit einem reinen Herzen selig. Das ist auch ein Hinweis darauf, daß Selbstverwirklichung nicht nur (oder überhaupt nicht) dort zu finden ist, wo wir sie meist suchen.
Eine in der katholischen Kirche vom Papst unter bestimmten Voraussetzungen verkündete Seligsprechung stellt einen Menschen als Vorbild für den Glauben heraus.
Das Wort bezeichnet im weitesten Sinn die Eigenart der Geschlechter und alle Beziehungen zwischen ihnen. Meist versteht man darunter aber nur die mit dem sexuellen Begehren verbundenen Empfindungen und Verhaltensweisen.
Menschliche Sexualität dient nicht nur der Fortpflanzung. Sie ist nur zu einem geringen Teil triebhaft festgelegt, sondern wird weitgehend durch den Einfluß der Umwelt und durch persönliche Entscheidung gestaltet. Wir haben also die Möglichkeit, unsere Einstellung zur Sexualität und unser sexuelles Verhalten zu verändern.
Aus dem christlichen Glauben wurden im Verlauf seiner Geschichte unterschiedliche Sinngebungen und Bewertungen der Sexualität abgeleitet. Jesus bekräftigte die Aussage der Schöpfungsgeschichte, nach der Mann und Frau so angelegt sind, daß sie mit Leib und Seele eins werden wollen. Er hat aber auch auf die Möglichkeit hingewiesen, daß Menschen aus Glaubensgründen auf sexuelle Beziehungen verzichten (Matthäus 19,3-12).
Der Apostel Paulus wendete das Gebot der Nächstenliebe auch auf die sexuellen Beziehungen zwischen Mann und Frau an: Jeder soll den anderen lieben wie sich selbst (Epheser 5,25-33). Er hielt die Ehe für das Normale, obwohl er selbst es vorzog, unverheiratet zu bleiben. Seine weiteren Aussagen zu dieser Frage wurden in der Kirche später so verstanden, daß Sexualität vom Glauben beherrscht und anderen Zielen untergeordnet werden soll. Die Unterdrückung sexueller Lust wurde zeitweise geradezu als verdienstvolle Leistung angesehen (wahrscheinlich auch deshalb, weil sie so schwer fällt).
Heute versuchen die christlichen Kirchen dazu beizutragen, daß Sexualität frei, bewußt und verantwortlich erlebt werden kann. Christen sehen Sexualität als eine Kraft an, die Menschen zueinander führt und sie tief miteinander verbindet. In sexuellen Beziehungen erleben sie ein Höchstmaß an Lust und Erfüllung darin, daß sie sich selbst dem Partner hingeben und alles tun, um ihn glücklich zu machen. Sie wissen, daß auch die Sexualität Erlösung braucht von Schuld, Angst, Vorurteil, Sprachlosigkeit und Egoismus. Erst dadurch wird die Einbeziehung alles Sexuellen in den Zusammenhang des gesamten Lebens möglich (Verantwortung).
Shinto bedeutet "Weg der Götter". Der Shintoismus ist die einheimische japanische Religion. Seit etwa 700 n.Chr. hatte sich der Shintoismus mit dem eindringenden Buddhismus auseinanderzusetzen und wurde von diesem stark beeinflußt. Von 1868 bis 1945 war der Shintoismus in Japan Staatsreligion. Kennzeichnend für diese Religion ist:
Der Shintoismus fordert Pflichttreue, Ehrlichkeit, Selbstbeherrschung und Todesverachtung. Die religiösen Feiern finden in der Familie und in Heiligtümern ("Schreinen" = erlauchtes Haus) statt. Dabei werden den Kamis Zweige des Kirschbaums, Speisen und Gebete gewidmet.
Bei einer Betrachtung des Shintoismus (bzw. Begegnung mit gläubigen
Japanern) kann Christen besonders stark die Eigenart ihrer eigenen Religion bewußt werden.
In Japan gibt es seit dem 16. Jahrhundert christliche Mission durch Jesuiten, die zeitweise verboten war. Heute leben in Japan etwa 3 Millionen Christen.
Das Wort bedeutet ursprünglich "einer Richtung nachgehen" und bezeichnet das Wesentliche, Grundlegende, von dem alles andere abhängt. Zeichen, Aussagen, Handlungen und Ereignisse haben Sinn, wenn sie sich in einem größeren Zusammenhang verstehen lassen.
Vielem kann der einzelne selbst einen Sinn geben, wenn er z.B. etwas anfängt: eine Ausbildung, Gründung einer Familie oder politische Arbeit. Daraus ergibt sich dann der Sinn weiterer Handlungen und oft auch der Sinn seines Lebens im ganzen. Das alles geschieht aber auf der Grundlage von Sinnvorgaben, die wir mehr oder weniger selbstverständlich übernehmen. Die Sinnfrage stellt sich immer dann neu, wenn sich die bisherige Sinngebung als begrenzt erweist und Ereignisse auftreten, die im Widerspruch dazu stehen: Enttäuschungen, Verlust, Scheitern, Krankheit, Leid und Tod. So wie der Sinn einer Entwicklung oft erst rückblickend und von einer höheren Stufe der Erkenntnis wahrgenommen werden kann, so kann angenommener Sinn sogar rückwirkend wieder zerstört werden (z.B. durch Treuebruch). Wer keinen Sinn (mehr) in seinem ganzen Leben sieht, wird sich treiben lassen und kann in schwere Depressionen geraten, die in vielen Fällen mit dem Selbstmord enden (Selbsttötung).
In der heutigen Zeit spüren viele, daß Sinn mehr ist als Funktionieren oder Glück. Der christliche Glaube geht davon aus, daß der Mensch nicht selbst seinem Leben einen umfassenden und letzten Sinn geben kann, der sich bis zum Tode bewährt, sondern daß er Sinn von Gott geschenkt bekommt. Das heißt nicht, daß durch den Glauben alles befriedigend erklärt werden kann; manchmal bleiben nur die Hoffnung und Gewißheit, daß auch die Widersprüche in Gott aufgehoben sind. Kierkegaard sagte: Der eigentliche Sinn des Lebens besteht darin, daß der Mensch eine Verbindung mit Gott haben kann (Johannes 15,6).
Sinti ist die Selbstbezeichnung einer der drei Hauptgruppen der Roma (bei uns unter dem Namen Zigeuner bekannt). Sie kamen seit etwa 1400 n.Chr. als Flüchtlinge aus Indien über östliche Länder nach Europa. Insbesondere in Deutschland mußten sie als Minderheit leidvolle Erfahrungen machen:
Die seit Anfang dieses Jahrhunderts bestehende christliche Zigeunermission versucht zu helfen (die meisten Sintis sind katholische Christen). Auch der Kirchentag hat in großen Veranstaltungen mit den Sintis auf die immer noch bestehende Benachteiligung hingewiesen.
Die Sintis sind ein trauriges Beispiel dafür, wie auch christliche Gesellschaften durch Jahrhunderte mit Minderheiten umgehen, ohne daraus zu lernen, es bei neu auftretenden Fremdgruppen (z.B. Gastarbeitern) besser zu machen.
Im Altertum und besonders im Orient wurde mit dem Sohn-Vater-Verhältnis symbolisch eine wesentliche Beziehung bezeichnet. Könige wurden so genannt, weil dem Herrscher göttliche Herkunft und Eigenschaften zugeschrieben wurden.
Im Alten Testament wird Sohn Gottes genannt, wer von Gott auserwählt war, so z.B. das ganze Volk Israel ("Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen", Hosea 11,1).
Jesus ist in älteren Stellen des Neuen Testaments Sohn Gottes durch Erwählung (etwa seit seiner Taufe, Matthäus 3,17). In später entstandenen Texten ist er Sohn Gottes durch seine vom Heiligen Geist bewirkte Geburt (Jungfrauengeburt) oder schon vor seinem Erscheinen auf Erden (Johannes 1,1f.).
Mit dem Ausdruck ist nicht gemeint, daß Jesus als Mensch unumschränkte Macht und Möglichkeiten gehabt hätte, sondern daß er in einem einzigartigen Verhältnis zu Gott stand. Er ist nicht wie andere Menschen Produkt seiner Herkunft und Umgebung, sondern in seinem ganzen Wesen und Wirken aus dem Willen und von der Liebe Gottes bestimmt, so daß er diesen vertraulich Vater ("Abba") nennen kann (Markus 14,36). Bei Johannes heißt es sogar: "Ich und der Vater sind eins" (10,30). "Wer mich sieht, sieht den Vater" (14,9).
Dies Verhältnis bewährt Jesus im Gehorsam bis zum Kreuz. Es wird von Gott durch die Auferweckung bestätigt.
Im Glauben an Jesus können alle Menschen zu Söhnen oder Töchtern bzw. zu Kindern Gottes werden (Johannes 1,12). Sie leben dann nicht mehr unter dem Zwang von Gesetzen, sondern aus freier Einsicht und Überzeugung (Galater 4,4-7).
Das Wort kommt von dem lateinischen solidare, d.h. dicht- bzw. festmachen, nämlich eine Zusammengehörigkeit oder Gemeinschaft.
In der Arbeiterbewegung wurde damit die Bereitschaft bezeichnet, füreinander einzustehen, auch wenn dies Nachteile bringt (z.B. Lohnausfälle oder - früher - Entlassung bei Streik). Solidarität ist das Grundprinzip der Gewerkschaften.
Aber nicht nur Angehörige der gleichen Schicht oder Interessengruppen fühlen sich solidarisch, um gemeinsam mehr zu erreichen; zunehmend erklären sich Menschen mit anderen solidarisch, weil sie ihnen helfen möchten oder Hilfe für sie fordern (z. B. Demonstranten mit Hausbesetzern, Freie mit Gefangenen; Arbeitende mit Arbeitslosen; Europäer mit Völkern in der Dritten Welt).
Solidarität richtet sich fast immer auch gegen etwas, nämlich gegen Mißstände und damit auch gegen Gruppen, die diese verschuldet oder zu verantworten haben. Ein hohes Maß an Ungerechtigkeit hat zur Folge, daß durch die Solidarität mit den Opfern andere zu Gegnern oder sogar Feinden werden.
Christen vergessen auch in enger Solidarität mit anderen nicht, daß sie durch ihren Glauben allen Menschen verbunden und aufgefordert sind, ihre Feinde zu lieben.
Voraussetzung von Solidarität ist, daß die Situation anderer wahrgenommen und nachempfunden werden kann. Dazu wird ein Christ fähig, wenn er sich nach dem Gebot Jesu richtet: Behandelt andere so, wie ihr selbst behandelt werden möchtet (Matthäus 7 ,1 2)! Vorbild dafür ist die Solidarität Gottes mit den Menschen, die sich für den Glauben darin zeigt, daß er in Jesus selbst in diese Welt gekommen und Mensch geworden ist.
Wenn Jesus in der Bergpredigt Arme, Leidende und Verfolgte selig nennt (Matthäus 5,3-12), dann solidarisiert er sich mit ihnen. Bei ihm war das nicht nur ein Programm, sondern es entsprach seinem Handeln. Paulus faßt die Vorgabe Jesu mit den Worten zusammen: "Einer soll dem anderen helfen, seine Last zu tragen" (Galater 6,2).
In den Anfängen der christlichen Gemeinden wurden das Abendmahl und später auch die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche gefeiert (der im damaligen Römischen Reich einem Sonnengott gewidmet war, daher heute noch die Bezeichnung Sonntag; arbeitsfrei wie beim jüdischen Sabbat gab es dazu erst im Jahr 321).
Gottesdienstbesuch und Arbeitsruhe wurden von der Kirche im Lauf der Zeit mit Verweis auf das dritte Gebot als Hauptkennzeichen des christlichen Sonntags herausgestellt ("Du sollst den Feiertag heiligen").
Heute sehen auch die meisten Christen den Sonntag hauptsächlich als einen Tag zur freien Verfügung an.
Aus dem christlichen Glauben ergibt sich zum Verständnis und zur Gestaltung des Sonntags folgendes:
Ein Christ fragt also nicht nur danach, was er selbst davon hat, sondern bedenkt, was er durch seine Beteiligung anderen ermöglicht (oder eben nicht, wenn manche Gottesdienste bald wegen Mangels an Beteiligung eingestellt werden müssen).
nahezubringen.
Unter sozialer Verteidigung versteht man den Versuch, einem Angriff von außen oder Umsturzversuch von innen ausschließlich durch vorbereiteten gewaltlosen Widerstand entgegenzuwirken. Verteidigt werden dabei nicht die Grenzen eines Landes, sondern sein soziales System, ohne das es für jeden Angreifer nahezu wertlos ist.
Die Vertreter dieser alternativen sicherheitspolitischen Konzeption gehen davon aus, daß die Besetzung eines Industriestaates unmöglich oder zu teuer wird, wenn sich die gesamte Zivilbevölkerung weigert, mit den Angreifern zusammenzuarbeiten. Die "Umrüstung" auf soziale Verteidigung hätte außerdem den Vorteil, daß sich andere Staaten nicht mehr bedroht fühlen müßten. Im Kriegsfall gäbe es weniger Zerstörung und Tote.
Frühere Erfahrungen mit passivem und gewaltlosem Widerstand haben gezeigt, wieviel schon von wenigen Menschen und ohne nennenswerte Vorbereitung erreicht werden kann (z. B. bei dem seit 1920 von Gandhi angeführten Kampf der Inder gegen die englische Kolonialherrschaft; 1920 beim Kapp-Putsch mit Generalstreik; 1923 bei der Besetzung des Ruhrgebietes durch Franzosen und Belgier; beim Widerstand norwegischer Lehrer gegen das von den Nationalsozialisten eingesetzte Quisling-Regime; 1953 beim Aufstand in der DDR; beim Kampf Martin Luther Kings gegen die Rassendiskriminierung und 1968 beim Einmarsch der Russen in die Tschechoslowakei). Wieviel würde möglich sein, wenn die soziale Verteidigung mit einem ähnlichen Aufwand wie die militärische vorbereitet werden könnte?
Gegner dieses Konzepts wenden ein, daß die Gefahr internationaler Übergriffe größer wird, wenn es keine ausreichende militärische Abschreckung gibt und der zu erwartende soziale Widerstand zu gering eingeschätzt wird. Sie halten es für unwahrscheinlich, daß eine ausreichende Zahl von Bürgern ihren Widerstand gegenüber Drohungen und Gewaltanwendung aufrechterhalten würde.
Die Befürworter dieses Konzepts sagen: Für Deutschland sind grundsätzlich nur solche Verteidigungsstrategien vernünftig, bei denen das Volk im Kriegsfall überleben kann. Das ist z.B. bei der "Vorneverteidigung" der NATO nicht der Fall, wenn in Deutschland Atomwaffen eingesetzt werden. Deshalb setzen sich zahlreiche christliche Gruppen (z.B. "Ohne Rüstung leben", "Aktion Sühnezeichen" und Pax Christi) für militärische Abrüstung und Entwicklung der sozialen Verteidigung ein.
Der Wortstamm bezeichnet im weitesten Sinn alles, was das Zusammenleben von Menschen betrifft oder fördert. Sozial denkt und handelt jemand, der die Gemeinschaft mit anderen bejaht und das Gemeinwohl vor die eigenen Interessen stellt.
Sozialismus ist ein weltanschaulich bestimmtes politisches Programm, das die Herstellung einer ausgleichenden Gerechtigkeit in allen Lebens- und besonders in den Arbeitsbedingungen zum Ziel hat. Umstritten sind die Wege, auf denen es verwirklicht werden kann.
Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im 19.Jahrhundert sahen die meisten Anhänger der Arbeiterbewegung (und später Karl Marx und Friedrich Engels) eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft als notwendig an, um den Kapitalismus abzuschaffen, die Produktionsmittel zu verstaatlichen und die Arbeiterklasse an die Macht zu bringen.
Heute will die Mehrzahl der politischen Organisationen soziale Gerechtigkeit auf demokratischem Weg durch schrittweise Verbesserungen erreichen (z.B. die in Deutschland seit 1869 bzw. 1890 bestehende Sozialdemokratische Partei).
In der praktischen Politik muß immer neu entschieden werden, was im einzelnen sozial gerecht ist. Dazu leisten auch die Kirchen Beiträge.
Mehr als früher treten sie heute für die Berücksichtigung der benachteiligten und schwächeren Menschen in unserer Gesellschaft und in anderen Ländern der Erde ein.
Im einzelnen gibt es unter Christen unterschiedliche Einstellungen zum Sozialismus.
Manche sehen darin die Gefahr, daß der Staat zu viel Macht bekommt, nur noch das materielle Wohlergehen im Vordergrund steht und die Verantwortung der Einzelpersönlichkeit eingeschränkt wird (für sie bedeutet Sozialismus das Gegenteil von Individualismus). Sie warnen davor, aus dem Sozialismus eine Weltanschauung zu machen. Die sozialistische Praxis sei häufig religionsfeindlich und könne in ihren Ergebnissen nicht überzeugen (Kommunismus).
Andere verstehen das Christentum selbst vom Ursprung her als eine soziale
Bewegung. Sie versuchen deshalb, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen, wo immer ihnen das notwendig und praktisch möglich erscheint. Dem Vorbild Jesu entsprechend halten sie dabei eine entschiedene Parteilichkeit für gerechtfertigt.
Spenden sind freiwillige Gaben, die meist in Form von Geld gegeben werden. Ist der Zweck bzw. die sammelnde Organisation vom Staat als gemeinnützig anerkannt, so kann die Spende eine Steuerersparnis je nach Höhe des zu versteuernden Einkommens bringen.
Schon zur Zeit der ersten Christen wurden in den Gemeinden für Arme und Kranke oder für den Unterhalt von Mitarbeitern Spenden eingesammelt (Apostelgeschichte 4,34; 2. Korinther 8 und 9). Heute wird in Gottesdiensten (dort z.T. "Kollekte" genannt), bei manchen kirchlichen Veranstaltungen und bei Haus- und Straßensammlungen Geld gespendet (u.a. für Hilfsbedürftige, für kirchliche Bildungsaufgaben und Arbeitszweige, für die Verbreitung des christlichen Glaubens durch Mission und Bibelgesellschaften, manchmal auch für die Renovierung oder Ausstattung der Kirchen). Bei freiwilligen Gaben ist nach dem christlichen Glauben nicht die Höhe des Betrages entscheidend, sondern die Einstellung, mit der gegeben wird. Kleine Gaben können einen großen Wert haben, z.B. die Pfennige einer
Witwe (Markus 12,41) oder die Mark vom Taschengeld eines Kindes.
Spenden sollen keine lästige Pflicht und auch kein Opfer sein, sondern gern als ein "Lastenausgleich" gegeben werden (2. Korinther 9,7). Manche Familien überlegen und entscheiden gemeinsam, wieviel und wofür sie Geld geben wollen und woher dies genommen werden soll. In Freikirchen und für bestimmte Zwecke wie Entwicklungshilfe oder Schaffung von Mitarbeiterstellen verpflichten sich einzelne oder Gruppen, regelmäßig einen bestimmten Betrag (oder Prozentsatz ihres Einkommens) zu spenden. In den Freikirchen werden alle Kosten für die Gemeindearbeit und die Kirche durch Spenden aufgebracht.
Je nach Einstellung und Spielerfahrung kann Spielen unterschiedliche Bedeutung und Wirkung haben. Den meisten Menschen macht es überwiegend Spaß, auch wenn es mit Anstrengungen oder sogar Niederlagen verbunden ist. Spielen bringt Unterhaltung, Spannung und Abstand vom "Ernst des Lebens". Im Unterschied zur Arbeit zielt es nicht unmittelbar auf die Verbesserung und Sicherung der Lebensbedingungen. Mancher Lebensinhalt wird im Spiel besonders bewußt erlebt, z.B. Bewegung, Wahrnehmung, Phantasie, Gemeinschaft. Spiel ist Erfahrung und Ausdruck menschlicher Freiheit. Besonders Kinder können im Spiel (schon in den ersten Monaten!) wichtige Fähigkeiten entwickeln und üben, u.a. Kommunikation mit anderen, Beachtung von Regeln und zielstrebiges Handeln bei wechselnden Bedingungen. Sie lernen im Spiel, wenn sie spielen gelernt haben; letzteres geschieht mehr durch Mitspielen als durch das Angebot von Spielmitteln.
Im Spiel vollzieht sich auch in hohem Maß die Anpassung an gesellschaftliche Normen und Verstärkung sozialer Einstufungen. Deshalb gibt es im Bereich der Erziehung die Bemühung, Spiele so auszuwählen und zu gestalten, daß den Schwächeren und Verlierern keine Nachteile entstehen.
Grundlegend für den Spiritismus (lateinisch: Geisterglaube) ist die Annahme, daß die Geister oder Seelen Verstorbener noch existieren und es durch ein besonderes Verfahren oder Mittelspersonen (Medien) möglich ist, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, um von ihnen Dinge zu erfahren, die menschlichem Wissen nicht zugänglich sind. Dies geschieht meist bei Sitzungen in dunklen Räumen mit mehr oder weniger geheimnisvollen Riten. Die Geister machen sich dann angeblich durch Klopfzeichen, Tischrücken oder Erscheinungen ("Materialisationen") bemerkbar. Manche sind davon so beeindruckt, daß ihnen Spiritismus zur Weltanschauung und zum Religionsersatz wird. Im 5 .Buch Mose (Kapitel 18,11 ) wird das Forschen nach den Geistern der Toten als Greuel bezeichnet.
Die christliche Kirche hat den Spiritismus immer als Aberglauben abgelehnt. Er entspricht auch nicht einem heute weitverbreiteten Verständnis von Leben und Tod, wonach die Seele (bzw. der Geist) nicht mehr als Wesen aufgefaßt wird, das sich vom Leib trennt und nach dem Tod ein Schattendasein führt. Selbst wenn man es für möglich hält, daß es Verbindungen mit Totengeistern gibt, ist immer noch kritisch zu fragen, welcher Art diese sind. Nach einer selbst im Okkultismus anzutreffenden Meinung halten sich in Erdnähe nur die Geister der Toten auf, die ihren
Weg im Jenseits verfehlt haben. Von ihnen wäre also keine höhere Weisheit zu erwarten.
Das Wort kommt aus der lateinischen Sprache (spiritus =Geist) und bezeichnet die Gestaltung des ganzen Lebens aus dem Geist des christlichen Glaubens. (Der Begriff Frömmigkeit bezieht sich meist nur auf Gebet und Beteiligung am kirchlichen Leben). Viele Menschen, die unter zunehmendem Materialismus leiden, sehnen sich nach einer neuen Spiritualität, die ihr Planen, Denken und Handeln durchdringt (Botschaft der 5. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, 1975). Sie versuchen ihre Lebensqualität nicht durch Besitz und Konsum zu steigern, sondern durch Besinnung, geistige Erfahrungen und religiösen Lebensstil. Dafür wird insbesondere die Bergpredigt Jesu (Matthäus 5-7) als Maßstab angesehen. Gemeinschaft, Meditation und Übungen helfen vielen, zu sich selbst zu kommen und über ihr eigenes Leben hinaus auch ihre Umwelt nach den Zielen ihres Glaubens zu gestalten. Spiritualität führt zu Solidarität mit anderen, die Hilfe brauchen.
Ein Staat ist die umfassendste Organisation einer (meist nationalen) Gemeinschaft in einem bestimmten Gebiet. Sein Zweck sind die Förderung des Gemeinwohls und die Sicherung von Recht und Ordnung. Er muß dazu mit entsprechenden Machtmitteln ausgestattet sein.
Über die beste Staatsform, den Umfang seiner Aufgaben und die Art ihrer Ausführung gibt es in der allgemeinen Theorie und im Einzelfall auch unter Christen unterschiedliche Auffassungen.
Zur Zeit Jesu war das Römische Reich in Palästina die maßgebliche Staatsmacht. Er antwortete auf die Frage, ob es richtig sei, an diese unerwünschte Herrschaft Steuern zu zahlen: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, aber gebt Gott, was Gott gehört" (Matthäus 22,21).
In den ersten Christengemeinden mußte sich eine dem Glauben entsprechende Einstellung zum Staat erst entwickeln. Christen leisteten Widerstand, wenn sie den Kaiser als Gott anbeten sollten ( Christenverfolgung). Der Apostel Paulus schreibt an die römische Gemeinde: "Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist" (Römer 12,2). Aber auch die Christen "sollen sich der Ordnungsmacht des Staates fügen". Denn "die Vertreter der Staatsgewalt erfüllen einen Auftrag Gottes, indem sie ständig für die Einhaltung der Rechtsordnung sorgen" (13,1 und 6).
Da das häufig ganz offensichtlich nicht der Fall ist, haben Christen die Aufgabe, sich dafür einzusetzen, daß der Staat tatsächlich "beim Tun des Guten hilft und das Unrecht straft" (Römer 13,4). Wenn das nicht geschieht, gilt die Aufforderung: "Ihr sollt Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelgeschichte 5,29). Die "Offenbarung des Johannes" stellt den (römischen) Staat als Verkörperung des Bösen dar, weil er einen totalen Anspruch auf den Menschen erhebt (Kapitel 12 und 13).
Im Mittelalter stritten sich Staat und Kirche um die Vorherrschaft, weil die Kirche sich nicht nur gegen Eingriffe in ihren Bereich wehrte, sondern auch in politischen Dingen eine weitgehende Mitbestimmung beanspruchte. In neuerer Zeit gibt es in den meisten Ländern mit Religionsfreiheit eine rechtliche Trennung von Staat und Kirche (u. a. auch, um keine einzelne Kirche zu bevorzugen).
Für die praktische Arbeit der Kirche hängt viel davon ab, ob ihr der Staat wohlwollend, ablehnend oder völlig neutral gegenübersteht. So haben z.B. die in der Bundesrepublik Deutschland als Körperschaften des öffentlichen Rechtes anerkannten Kirchen den Vorteil, daß auch in den öffentlichen Schulen nach ihrem Bekenntnis Religionsunterricht erteilt und Lehrer an den Universitäten dafür ausgebildet werden. Kirchliche Stellungnahmen (aber auch die kritischen Beiträge einzelner Christen) zu den Aufgaben und Maßnahmen des Staates finden viel Beachtung (Denkschriften der EKD). Es gibt aber auch die Warnung davor, daß die Kirche durch allzu großes Entgegenkommen des Staates in Abhängigkeit geraten kann (z.B. in der Militärseelsorge oder durch die von den Finanzämtern eingezogene Kirchensteuer).
Christen werden immer wieder Anlaß haben, ihre Einstellung zum Staat zu überprüfen, und sich bemühen, dabei eine ihrem Glauben entsprechende Einstellung insbesondere zu dem Staat zu finden, in dem sie leben. Sie sind sich der Gefahren und Versuchungen bewußt, die in jeder Machtausübung und Großorganisation liegen. Einseitigem Anspruchsdenken und resignierender Staatsverdrossenheit wirken sie ebenso entgegen wie einer Überschätzung oder Verherrlichung des Staates. Ihre Rechte und Pflichten als Staatsbürger nehmen sie so wahr, daß dabei ihre Grundeinstellung deutlich wird (Barmer Theologische Erklärung).
Da niemand weiß, wann und wie er oder ein nahestehender Mensch sterben wird, kann sich keiner ausreichend darauf vorbereiten. Aber es hängt wohl zu einem Teil von der Grundeinstellung des Betroffenen ab, wie Sterben verläuft und erlebt wird.
In den letzten Jahren haben Ärzte, Seelsorger und Schriftsteller den Vorgang des Sterbens neu erforscht. Ihre Beobachtungen und Bücher können helfen, Sterben zu ertragen und weniger Angst davor zu haben (z.B.
E. Kübler-Ross, Interviews mit Sterbenden, und J.Chr. Hampe, Sterben ist doch ganz anders).
Beim Sterben gibt es meist verschiedene Stadien. Am Anfang - etwa nach einer ärztlichen Diagnose - wollen es viele Kranke nicht wahrhaben, daß sie sterben müssen. Dann können Mutlosigkeit und Verzweiflung oder Auflehnung und Kampf folgen. Wenn Zeit bleibt und oft mit Hilfe anderer kommt es bei vielen Sterbenden zu einer ruhigen Erwartung des Endes.
Entscheidend wichtig ist, daß ein Sterbender in den letzten Tagen und Stunden nicht allein ist. Auch wenn er nicht mehr sprechen und vermutlich nicht mehr hören kann, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er die Nähe eines Vertrauten spürt, wenn dieser bei ihm sitzt und seine Hand hält. Beichte, Abendmahl, gemeinsames Gebet, Vorlesen von Psalmen oder bekannter Liedstrophen und bei Katholiken die Krankensalbung (Letzte Ölung) können eine Hilfe für Sterbende und Angehörige sein. Vereinzelt wird heute sogar eine aufwendige medizinisch-technische Verlängerung des Lebens abgelehnt, wenn Sterbende dadurch isoliert werden und ihr Sterben nicht mehr bewußt erleben können.
Allgemein formuliert ist jedes absichtlich wegen eines mißbilligten oder verbotenen Verhaltens zugefügte Übel eine Strafe. Sie kann viele Formen haben: Verachtung, Schimpfen, Schlagen, Zwang zu etwas Unangenehmem, Ausschluß aus der Gemeinschaft, Entzug von Liebe, Freiheit und von Rechten oder Vorteil; Haft, Tötung (Todesstrafe).
Die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit von Strafen wird meist mit Abschreckung, Gerechtigkeit und Erziehung (bzw. Besserung begründet.
Alle drei Ziele lassen sich jedoch in der Praxis durch Strafen nicht immer und in vielen Fällen gar nicht erreichen. Auch für Christen ist die Bewertung von Strafe und ihre Handhabung ein Problem.
Im Alten Testament werden die beim Menschen nicht nur gegenüber Feinden entstehenden Rachegelüste durch ein Recht eingeschränkt, nach dem Gleiches mit Gleichem vergolten werden soll ("Auge um Auge, Zahn um Zahn", 2. Mose 21,24). Gläubige Juden sahen in Unheil aller Art eine Strafe Gottes für ihren Ungehorsam und einen Beweis seiner väterlichen Liebe.
Jesus lehnte Vergeltung als Strafgrund und -maßstab ab (Matthäus 5,38-39). Aber schon seine ersten Anhänger kamen ohne Strafen nicht aus (Matthäus 18,15f.). Die christliche Kirche hält Strafen für unvermeidlich, um die Geltung des Rechtes zu sichern, das den einzelnen und das Gemeinwohl schützen soll. Sie setzt sich aber ebenso dafür ein, daß aus Strafe Hilfe werden kann und Vergebung zu Gemeinschaft und Liebe führt (u.a. auch in der Rechtsprechung und im Strafvollzug).
In der Erziehung wird Strafe zunehmend durch Erklären, Überzeugen und Einsicht in die Folgen des eigenen Verhaltens ersetzt. Wo Strafe unumgänglich wird, muß sie genau auf den Einzelfall gerichtet sein.
Christen haben durch den Glauben an die Versöhnung mit Gott grundsätzlich die Möglichkeit, ohne die Reaktion des Strafens auszukommen. Wenn sie trotzdem strafend auf andere einwirken (wollen), werden sie sich kritisch fragen, warum und wie sie das tun: Sind vielleicht Überlastung, Ärger, Enttäuschung, versteckte Aggression, verletzte Eitelkeit, moralisches Überlegenheitsgefühl, Verteidigung der eigenen Macht oder einfach Bequemlichkeit der Grund? Steckt in der Art der Strafe eine Geringschätzung des anderen Menschen, dem ich ein Umdenken gar nicht (mehr) zutraue?
Christen haben auch keinen Grund, sich selbst zu bestrafen oder in irgendwelchen Ereignissen (z. B.: Krankheit, Schicksalsschläge) mehr als den normalen Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu sehen.
Wenn sie selbst von anderen bestraft werden, versuchen sie, gegen diejenigen keine Abneigung zu entwickeln, die das zu verantworten haben. Wo Menschen wirklich in Liebe verbunden sind, brauchen sie keine Strafen.
Übersteigertes, krankhaftes Verlangen nach Dingen oder Empfindungen (z.B. Nikotin, Alkohol oder Drogen), im weiteren Sinn: Freßsucht, Habsucht, Geltungssucht.
Innere Unausgefülltheit, unbefriedigende soziale Beziehungen oder Neugier lassen das Bedürfnis entstehen, sich angenehme Empfindungen oder auch nur Ersatz dafür zu verschaffen. Wegen mangelnder Kenntnisse über die Wirkung bestimmter Stoffe können manche schon nach einmaliger, die meisten Suchtgefährdeten nach häufiger oder regelmäßiger Einnahme bewußtseinsverändernder Mittel nicht mehr davon ablassen. Die Folgen sind Zerstörung der Gesundheit, der Persönlichkeit und der sozialen Stellung bis hin zu Kriminalität und Tod.
Ein dauerhafter Verzicht oder Entzug bei Drogensucht ist nur durch langfristige therapeutische Behandlung möglich. Wichtig ist, daß der Suchtkranke sie selbst will. Hierfür stehen Suchtberatungsstellen und Suchtkrankenhäuser zur Verfügung (deren Plätze allerdings bei der steigenden Zahl der Suchtkranken nicht ausreichen).
Auch in der Kirche ist die Notwendigkeit der Vorbeugung erkannt worden: Durch schriftliche und mündliche Information, Beratung und eine ansprechende Jugendarbeit soll Suchtgefährdeten und ihren Bezugspersonen geholfen werden, die Gefahr zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Religiöse Orientierung und Gemeinschaft sind dabei von entscheidender Bedeutung, z.B. Freundeskreise, Anonyme (ehemalige) Alkoholiker u.a.
Das Wort Sünde hat die gleiche Wurzel wie absondern. Es bezeichnet in der christlichen Religion nicht nur die einzelne Übertretung eines (göttlichen) Gebotes (wie z.B. 1. Mose 2-3, Sündenfall), sondern die Aufhebung der Gemeinschaft mit Gott. Der Mensch will sein Leben ganz allein in seine Hand nehmen und sich nicht mehr von Gott danach fragen lassen (deshalb verbirgt er sich vor ihm, 1. Mose 3,8). Das führt auch zur Aufhebung der unbefangenen Gemeinschaft zwischen Mann und Frau (1. Mose 3,7) und zum
Brudermord (1. Mose 4). Sünde bedeutet, daß Menschen ohne Verbindung und Übereinstimmung mit der Wirklichkeit sind, der sie ihr Leben verdanken: ohne ihren Schöpfer, entfremdet der Natur und im Kampf aller gegen alle. Angesichts dieser der Sünde zugeschriebenen Folgen fragen viele, warum Gott dem Menschen überhaupt die Möglichkeit gegeben hat, sich gegen ihn zu erheben. Ist die Freiheit des Menschen soviel wert?
Friedrich Schiller und der Theologe Paul Tillich haben im "Sündenfall" nicht nur ein Verhängnis, sondern den Anfang der Menschheitsgeschichte gesehen; für sie gehört Sünde zum Wesen des Menschen. Das bedeutet: Er kann sein Leben verfehlen. Es ist immer schon ein Leben ohne Gott (Erbsünde). Wer sich aber damit entschuldigen will, daß wir eben alle Sünder sind, zeigt genau damit, wie weit wir von Gott und einem verantwortlichen Menschsein abgefallen sind.
Da die Sünde das ganze Denken und Selbstbewußtsein verfälscht (weil alles auf die Selbstbehauptung hinauslaufen muß), kann sie überhaupt nicht als das erkannt werden, was sie ist, solange sich an ihrer "Herrschaft" nichts ändert. Was Sünde ist, merken wir erst dann, wenn wir davon erlöst werden. Das aber geschieht durch die entgegenkommende Liebe Gottes; durch Jesus, der die Aufhebung der Entfremdung von Gott gebracht hat; und in der darauf gründenden neuen Gemeinschaft der an ihn Glaubenden. Wer etwa dadurch beschämt wird, daß Jesus die Gemeinschaft der am meisten Verachteten seiner Zeit gesucht und ihnen einen neuen Anfang angeboten hat, der spürt, wie fern er selbst von dieser Liebe ist bzw. war. Er merkt dann z.B. auch, daß Sünde nicht nur böses Handeln oder Denken sein muß, sondern einfach Nichtstun sein kann (Nihilismus).
Durch Drohung und Strafe ist die (so verstandene) Sünde nicht zu vermeiden oder aufzuheben, sondern nur durch Vergebung. Der christliche Glaube bringt die Gewißheit, daß Abwertung und (Selbst-)Verurteilung des Sünders nicht das letzte Wort haben, sondern daß die bedingungslose Liebe Christi aus dem Menschen ein neues Geschöpf macht.
Die kirchliche Auslegung und Lehre sieht im 3. Kapitel des 1. Buches Mose eine Art Lehrgeschichte, die Wesentliches über das Verhältnis des Menschen zu Gott aussagt. Das Wort Sünde kommt darin zwar nicht vor, aber für die Sache wird eine klassische Definition gegeben.
Entgegen einem ausdrücklichen Verbot Gottes haben Eva und Adam (= Mensch) von einer Frucht gegessen, die Erkenntnis des Guten und Bösen, damit aber auch den Tod bringen sollte. Letzteres wollten die beiden auf die Einflüsterung der Schlange hin Gott nicht mehr glauben; sie dachten, er wolle ihnen das Beste vorenthalten - und probierten es. Ihre Neugierde, Harmlosigkeit und der Wunsch, klug zu sein, scheinen verständlich und wirken fast sympathisch. Wenn sie werden wollten "wie Gott", so heißt das wohl auch: ohne Gott leben zu können, ihn nicht mehr zu brauchen; frei zu sein im absoluten Sinne.
Die Folge davon war der Verlust ihrer "Unschuld", Angst, Scham, Vertreibung aus dem "Paradies", Mühsal, Sterblichkeit, Brudermord
(1. Mose 4). Sie verloren die Fähigkeit, in Frieden zusammenzuleben, und merkten: Ohne Gott gelingt das Leben nicht.
Das gilt auch für uns. Also ist die Geschichte wahr. Sie hat aber auch eine tröstliche Seite: Die Sünde gehört nicht zum Wesen des Menschen, sie stammt aus seiner freien Entscheidung. Er kann also auch wieder davon befreit werden (vgl. Römer 5,12-21).
Symbole sind Zeichen, Sinnbilder oder Gegenstände, die eine bestimmte Bedeutung haben. Fast alle Religionen haben Symbole, in denen sich für Gläubige Göttliches zeigt. Sie helfen ihnen bei religiöser Betrachtung, Gottesdiensten und im Alltag zur Vergegenwärtigung des Heiligen.
Auch im politischen Bereich spielen Symbole eine Rolle, z.B. Fahnen und Abzeichen. Sie bringen in ihrer Wirkung meist die Eigenart des Staates oder die Macht der Herrschenden zur Geltung.
In der Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes ist die Schlange das Symbol für die Versuchung durch das Böse. Der Regenbogen wurde zum Symbol für die Zuversicht, daß die Erde nach dem Willen Gottes auch in Zukunft für den Menschen Lebensmöglichkeiten bieten wird.
Hauptsymbol der Christen ist das Kreuz als Zeichen für das Leiden und Sterben Jesu; Brot und Wein des Abendmahls sind Symbole seiner Gegenwart und Liebe.
Außerdem gibt es eine Fülle von weiteren Symbolen, von denen heute nur noch wenige in ihrer vollen früheren Bedeutung verstanden und gebraucht werden (z.B. das Lamm als Symbol für Jesus, der sich für andere opfert; das Kind in der Krippe; die Taube für den Heiligen Geist; das Wasser bei der Taufe für die Reinigung von Sünde und Schuld).
Bei Meditationen und in manchen kirchlichen Gruppen finden jedoch Symbole wieder zunehmendes Interesse, z. B. die Kerze als Symbol für das Licht des Heiligen Geistes und das Leben des Glaubens, das im Leuchten für andere aufgeht. Viele erleben (zum Teil erst nach einer längeren Einübung) in der Betrachtung solcher Symbole die Tiefe und Kraft der Wirklichkeit, die das Symbol darstellt. Bei dem Streit, ob Taufe und Abendmahl "nur" Symbolhandlungen sind oder eine besondere, unmittelbare Anwesenheit Gottes bzw. Jesu bringen, wird übersehen, daß uns Gott gerade in einem Symbol nahe kommen kann, weil (und wie) er in Jesus Mensch geworden ist. Jeder Gottesdienst ist eine Symbolhandlung. Auch Handlungen wie Prozessionen und Demonstrationen können symbolhafte Bedeutung bekommen.
Bei den meisten Menschen ist die Kontaktaufnahme und Beziehung zu anderen von einem Gefühl entweder angenehmer Erwartung oder Abneigung bestimmt, ohne daß sie genau sagen könnten, woran das liegt (das griechische Wort Sympathie bedeutet eigentlich Mitgefühl).
Wenn das nicht (teilweise) eine angeborene Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit ist (die wie ein Filter wirkt), liegt der Grund für unterschiedliche Sympathiegefühle wahrscheinlich in angenehmen oder unangenehmen Erfahrungen, die wir in früher Kindheit mit Menschen gemacht haben, deren Aussehen oder Verhalten sich uns in irgendeinem (uns als Erwachsenen später unbewußten) Zug als Maßstab der Beurteilung anderer eingeprägt hat. Sympathie ist also eine Art (positives) Vorurteil.
In einem sympathischen anderen erlebe ich mich wohl auch selbst wie in einem Spiegel ("Endlich jemand wie ich! Sie gehört zu mir, weil sie von mir genommen ist", freut sich Adam, als er Eva sieht, 1. Mose 2,23). Manchmal finde ich andere auch deshalb sympathisch, weil sie so sind, wie ich (eigentlich) gerne sein möchte, oder unsympathisch, weil sie einige meiner (verdrängten?) schlechten Eigenschaften haben.
Untersuchungen haben gezeigt, daß die Sympathie in der Regel mit der Häufigkeit von Kontakten wächst (und umgekehrt); was nicht ausschließt, daß sie wegen Streits plötzlich in das Gegenteil umschlagen kann. Dem Vorteil, daß Sympathie die schnelle Aufnahme und dann Pflege guter Beziehungen erleichtert, steht der Nachteil gegenüber, daß dies mit den weniger (oder Un-)Sympathischen um so schwerer fällt.
Sympathisanten nennt man heute Menschen, die einer Gruppe oder Bewegung zwar nahestehen, aber doch nicht voll bei ihr mitmachen. Sympathie ist bei diesem Sprachgebrauch deutlich weniger als Solidarität oder Liebe.
Der christliche Glaube ist (bzw. macht) von Sympathie und Antipathie weitgehend unabhängig. Christen haben zwar Mitgefühl mit anderen Menschen, weil sie selbst Liebe und Solidarität erfahren haben. Aber Jesus sagt ihnen auch: "Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben? Sogar Betrüger lieben ihresgleichen. Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen" (Matthäus 5,46f.).
Natürlich hat es keinen Sinn, die Tatsache verbergen, verdrängen oder überspielen zu wollen, daß mir jemand sympathisch oder unsympathisch ist (die Höflichkeit wirkt hier oftmals ausgleichend). Manche neueren Methoden der Gruppenarbeit können helfen, über Sympathie und Antipathie zu reden. Sympathie muß aber andere nicht ausschließen oder abwerten, und Antipathie muß kein unveränderbares Dauervorzeichen vor einem anderen Menschen sein.
Christen sollen und können ihre Nächsten lieben wie sich selbst und nicht nur diejenigen, die ihnen sympathisch sind.