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Jesus von Nazareth hat, so berichten die Evangelien, Menschen in seine Nachfolge gerufen. Nicht nur die Jünger, sondern auch andere Männer und Frauen begleiteten ihn und lebten mit ihm, um in seiner Nähe zu sein, von ihm zu lernen und seine Aufträge auszuführen. Manche haben dafür, ohne lange zu überlegen, ihre Familie, Wohnung und Arbeit verlassen, als Jesus sie ansprach und einlud: "Geh mit mir!" (Matthäus 9,9). Sie taten es, obwohl Jesus klar gesagt hatte: "Wer mit mir gehen will, der muß sich und seine Wünsche aufgeben. Er muß sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen" (Matthäus 16,24). Einmal fragte ihn Petrus: "Du weißt, daß wir alles stehen und liegen gelassen haben und mit dir gegangen sind. Was haben wir davon? Jesus antwortete: Ich versichere euch: Jeder, der um meinetwillen sein Haus, seine Geschwister, Eltern oder Kinder oder seinen Besitz zurückgelassen hat, der wird das alles hundertfach wiederbekommen und dazu das ewige Leben" (Matthäus 19,27).
Auch nach Jesu Tod haben viele Menschen seine Einladung und das Beispiel seiner Jünger auf sich selbst bezogen und je nach ihrer Situation und Auffassung des Glaubens versucht ihm nachzufolgen: In Christenverfolgungen gaben sie als Märtyrer ihr Leben hin. Nonnen und Mönche verzichteten auf Besitz und freie Verfügung über ihr Leben, wenn sie in ein Kloster eintraten. Luther betonte die Möglichkeit, daß jeder in seiner Familie, in seinem Beruf und in seiner Umgebung Nachfolge praktizieren kann. Nach Dietrich Bonhoeffer gibt es keinen Glauben ohne Nachfolge; sie ist der Weg der Kirche und des einzelnen in der Gemeinschaft der Glaubenden ("Nur der Glaubende ist gehorsam und nur der Gehorsame glaubt"). Heute führt der Ruf in die Nachfolge Menschen als Entwicklungshelfer in ferne Länder, in die Sozialarbeit oder in die Friedensbewegung (um nur einige Beispiele zu nennen).
Aber nicht nur die außergewöhnliche Veränderung der gesamten Lebensweise kann Nachfolge sein; auch in einzelnen Taten zeigt sich, ob ich mich nach Jesus richte oder nicht. Nachfolge wird heute nicht als Nachahmung des Lebens Jesu oder hervorragender Christen aufgefaßt, sondern als die praktische Konsequenz aus dem Glauben an Jesus. Was das ist und wie es verwirklicht werden kann, muß immer wieder neu erkannt und entschieden werden: Bin ich selbst ein Nachfolger Jesu? Will ich es sein?
Wenn wir uns an der Nachfolge der Jünger orientieren, dann ist zu sehen: Diese Menschen haben sich zuerst einmal in seiner Nähe gehalten, ihn beobachtet und ziemliche Mühe gehabt, ihn zu verstehen. Später, als Jesus tot war, wurden sie seine Nachfolger in dem Sinn, daß sie jetzt seine Sache in der Welt zu vertreten hatten. Seitdem gilt: "Jesus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun."
Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wird in der jüdischen und christlichen Religion als das Wichtigste angesehen (3. Mose 19,13-18; Lukas 10,25-37). Das ist weniger selbstverständlich als es scheinen mag. Warum wird nicht einfach Liebe geboten? Wer ist denn mein "Nächster" ?
Im Alten Testament ist es jeder Mensch, mit dem man täglich zu tun bekommt. Neben dem Angehörigen der Familie und des Volkes wird auch der Fremde zum Nächsten, wenn er im Lande wohnt.
Jesus erklärt das durch ein Gleichnis ganz präzise: Zum Nächsten werde ich jedem, der meine Hilfe braucht und dem ich helfen kann. Wenn die eigentlich "Zuständigen" (wie der Priester und Levit im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, Lukas 10,25f.) ausfallen, dann bin ich dran: der Nächste, bitte. Also nicht nur bei denen, die ich mir selbst aussuche und die es als Gegenleistung erwarten können.
Das bringt meinen Terminplan durcheinander und Schwierigkeiten mit anderen Pflichten. Verständlich, daß diese unberechenbare Zumutung "Nächster" immer wieder eingeschränkt worden ist, so daß ich mit gutem Gewissen sagen kann: Das geht mich nichts an. Eine Zumutung, die weit über unser Vermögen hinausgeht? Ja, aber auch die Chance, mit meinen Fähigkeiten gebraucht zu werden und neue zu bekommen. (Für die "freie" Liebe bleibt noch genug Platz!)
Der Nächste, das ist nicht nur der Verletzte auf der Straße da könnte ich lange warten. Aber derjenige, der meine Hilfe braucht, vielleicht nur durch ein Wort, etwas Anerkennung, einen gemeinsamen Spaziergang oder einen anderen Dienst. Natürlich auch durch Hergeben von dem, was ich habe und er nicht (und das ist ganz selten nur Geld).
Ist aber bei uns nicht das meiste schon durch Arbeitsteilung und Zuständigkeiten geregelt? Das Gesetz reicht bei weitem nicht überall hin. Oft erschwert und verhindert es wirkliche Hilfe.
Auch bei Nichtchristen gibt es eindrucksvolle Beispiele spontaner, aufopfernder und selbstverständlicher Nächstenliebe. Im christlichen Glauben steht sie im Zusammenhang mit der Liebe zu Gott und der Erfahrung seiner Liebe zu mir. Der im Gebot gegebene Maßstab ("Liebe deinen Mitmenschen "wie dich selbst") findet seine Erklärung in der "goldenen Regel": "Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt" (Matthäus 7,12).
Unter einer Nation versteht man eine größere Gemeinschaft von Menschen, die sich durch gemeinsame Abstammung, Sprache, Kultur und Geschichte in einem abgegrenzten Gebiet oder Staat zusammengehörig fühlt. In manchen Staaten sind mehrere nationale Gruppen gleichberechtigt miteinander verbunden (= Nationalitätenstaat, z.B. Schweiz und Belgien).
Nationalismus war in den letzten beiden Jahrhunderten eine starke Triebkraft, Kleinstaaterei in Gebieten mit gleicher Sprache und Kultur durch die Gründung einheitlicher Nationalstaaten zu überwinden; auf diese Weise sind z. B. Italien und Deutschland entstanden. Auch viele Entwicklungsländer haben sich durch zunehmendes Selbstbewußtsein aus abhängigen Kolonialländern und rivalisierenden Stämmen zu selbständigen Staaten entwickelt.
Viele Menschen beziehen aus der Zugehörigkeit zu ihrer Nation eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls (Stolz) und setzen sich deshalb dafür ein, daß ihr Land auf möglichst allen Gebieten erfolgreich ist. Übersteigerter und fanatischer Nationalismus sieht in der eigenen Nation den höchsten Wert und trägt dazu bei, daß auch Minderheiten gleichgeschaltet und die eigenen Interessen gegen andere Länder rücksichtslos durchgesetzt werden. Feindseligkeiten und die meisten Kriege haben hier ihre Wurzel. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg scheint dem Nationalismus in Deutsch land völlig der Boden entzogen zu sein; denn der Nationalsozialismus Hitlers war gescheitert: Statt Großdeutschland gab es nun zwei kleine deutsche Republiken. Verkehr, Wirtschaft und Nachrichtentechnik lassen Grenzen durchlässiger werden; größere Zusammenschlüsse wie Europäische Gemeinschaft und politische Blockbildungen schränken die Selbständigkeit der einzelnen Staaten beträchtlich ein. Trotzdem ist der Nationalismus immer noch ein Problem. Rechtsextreme Gruppen sind meist auch extrem nationalistisch. Ohne daß der Name dafür verwendet wird, zeigt sich Nationalismus in vielen Formen und keineswegs nur im Sport (z.B. beim Fußball). Oft prägt Nationalismus das Auftreten von Touristen im Ausland oder das Verhalten zu Hause gegenüber Ausländern. Große Nationen werden selbstverständlich für wichtiger gehalten als kleinere, und Europa stellt sich mancher am liebsten als eine Gemeinschaft der Vaterländer vor. Auch die christlichen Kirchen sind zum Teil noch stark an den nationalen Grenzen orientiert und entsprechend weniger an einer weltweiten Gemeinschaft und Solidarität mit allen Menschen.
Soll und kann der Nationalismus durch eine Art Weltbürgertum abgelöst werden?
Völker und Nationen sind im Grunde so ähnlich zu sehen wie einzelne Menschen: Ihre Eigenart, geschichtliche Entwicklung und auch ihre Bedürfnisse sind ernst zu nehmen. Sie sind gleichwertig, gleichberechtigt und mitverantwortlich für das Zusammenleben aller Menschen und Staaten auf dieser Erde. Aber die Nation darf nicht zum Götzen werden. Nationalstolz ist nicht das Opfer eines einzigen Menschenlebens wert. Deshalb werden Christen so zu denken und zu handeln versuchen, daß Nationalismus nicht aufkommen kann oder abgebaut wird, wo er eine Gefahr ist.
Diese politische Bewegung und Ideologie hat unermeßliches Leid über Deutschland und von hier aus über viele andere Völker gebracht. Mehr als 50 Millionen Menschen sind in dem vom "Führer" des Nationalsozialismus und seinen Anhängern verursachten Zweiten Weltkrieg und durch die von ihnen geplanten und ausgeführten Gewaltverbrechen getötet worden. Wie konnte es dazu kommen?
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war das Deutsche Volk (1918) in einer politisch und wirtschaftlich schwierigen Lage:
Hitler übernahm 1921 die Führung der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" (NSDAP) und verstand es, durch seine begeisternden und gehässigen Reden und den Straßenterror seiner "Sturmabteilungen" (SA) und "Schutzstaffeln" (SS) Anhänger zu gewinnen und andere politische Gruppen zu unterdrücken. Er behauptete, versprach und forderte:
Nach dem gescheiterten Versuch, 1923 in München gewaltsam an die Macht zu gelangen, schrieb Hitler in der Festungshaft sein Buch "Mein Kampf" und entfaltete darin sein Programm weiter. Obwohl man daraus seinen Größenwahn und seine Gefährlichkeit erkennen konnte, gelang es ihm und seiner Partei doch, in den Wahlen des Jahres 1933 fast die Hälfte der Sitze im Reichstag zu erringen. Man kann sich das heute nur so erklären, daß das Programm des Nationalsozialismus entweder zu wenig bekannt war, nicht ernst genommen wurde oder daß viele Wähler in ihrer Begeisterung und Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lage drohendes Unrecht in Kauf nahmen.
Durch ein ursprünglich befristetes Ermächtigungsgesetz gab eine Mehrheit des Reichstages Hitler 1933 so weitgehende Vollmachten, daß er ein totalitäres Regime errichten konnte, das nicht wieder rückgängig zu machen war. Alles wurde "gleichgeschaltet"; die NSDAP und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) waren allmächtig. Wer gegen den Nationalsozialismus war, kam ins Konzentrationslager (KZ). Auch die Kirchen leisteten nur wenig Widerstand und erst dann, als es gegen sie selbst ging (Kirchenkampf). Wirtschaftliche und politische Erfolge schienen Hitler recht zu geben: Durch den gewaltsamen "Anschluß" Österreichs und die Besetzung großer Teile der Tschechoslowakei dehnte sich Deutschland weiter aus. Es lag ganz auf der Linie des Nationalsozialismus, seine weiteren Ziele durch Krieg zu verwirklichen, den die anderen Großmächte (England, Frankreich, USA) durch immer neues Nachgeben bis zuletzt vermeiden wollten.
Wie verblendet und verbrecherisch der Nationalsozialismus war, zeigte sich in Mord und Zerstörung gegen Ende des Krieges trotz völlig aussichtsloser Lage. Widerstandsgruppen waren erfolglos.
Nach Kriegsende wurden führende Nationalsozialisten angeklagt und bestraft. Dem deutschen Volk wurde eine Gesamtschuld am Aufkommen des Nationalsozialismus zugesprochen, aber doch die Chance eines Neuanfangs gegeben. Vielen wurde erst jetzt klar, was der Nationalsozialismus in Wahrheit war. Schwer verständlich, daß nationalsozialistisches Gedankengut heute noch offen oder verdeckt von älteren und in letzter Zeit auch von jüngeren Menschen wieder vertreten wird. Sind Deutsche dafür besonders anfällig? Steckt doch mehr Richtiges und Berechtigtes darin, als wir nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges zugeben wollen?
Auch wer nationalsozialistische Ideologie und Herrschaft nicht selbst erlebt hat, wird betroffen sein, wenn Fragen auftauchen wie diese:
Das Wort Natur wird in vielfacher Bedeutung gebraucht. Meist wird damit die Gesamtheit dessen bezeichnet, was dem Menschen ursprünglich vorgegeben und nicht von ihm verändert oder geschaffen ist. (Im engeren Sinn: Natur als Leben oder als ursprüngliches Wesen.)
Natur ist vieles zugleich: groß, schön, grausam, gesetzmäßig, wunderbar, nützlich... Für den Christen ist sie Schöpfung Gottes, Lebensraum. Was in der Schöpfungsgeschichte von der Erde gesagt wird, gilt sinngemäß für die ganze Natur: "Breitet euch darin aus und nehmt sie in Besitz. Ich setze euch über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an" (1. Mose 1,28).
Wie nie zuvor ist Natur heute durch Forschung, Medien und Reisemöglichkeiten erschlossen, aber auch durch unsere Lebensweise gefährdet.
So wie Natur für Christen immer wieder Anlaß zum Staunen über Gottes Werk ist, so ist der Natur- und Umweltschutz auch ihre Aufgabe. Ihnen wird von Kritikern vorgehalten, daß sie der Entwicklung einer naturzerstörenden Technik keinen Widerstand entgegengesetzt und sich dafür manchmal sogar noch auf die Bibelstelle "Machet euch die Erde untertan" (so die frühere Übersetzung von 1. Mose 1,28) berufen haben; auch ihre Sexualmoral sei naturfeindlich.
Für vieles, was Christen glauben, läßt sich eine Grundlage und Bestätigung in der Natur finden (z. B. in der Verhaltensforschung); aber der wesentliche Inhalt der christlichen Religion läßt sich nicht aus ihr ableiten. Das gleiche gilt für Versuche, aus der Natur Maßstäbe für die Rechtsprechung abzuleiten ("Naturrecht"), z.B. aus der Zweigeschlechtlichkeit bestimmte Ehegesetze. (Ökologie)
Mit Worten wie Nichtseßhafte, Landfahrer, Stadt- und Landstreicher werden Menschen bezeichnet, die ohne gesicherte Lebensgrundlage umherziehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind das (1982) etwa 100000, überwiegend Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Sozialfürsorge, Lohn für unregelmäßige Arbeit und/oder Betteln. Die meisten sind nach einer ungünstigen sozialen Entwicklung an den in unserer Gesellschaft (für Ausbildung, Beruf, Besitz und Gemeinschaft) geltenden Normen gescheitert. Auch ein Aufenthalt in einer Strafanstalt trägt zu dem nahezu unentrinnbaren Kreislauf bei: Ohne festen Wohnsitz keine Arbeit, ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld keine Wohnung, ohne Wohnung keine
Arbeit ...
Nur wenige Nichtseßhafte ziehen aus Überzeugung ein ungebundenes Leben der Anpassung an die Abhängigkeit von regelmäßiger Arbeit, Besitz und Familie vor.
Ansätze von Nichtseßhaftigkeit sind neuerdings bei jungen Menschen zu erkennen, die z. T. aus politischen Gründen ihren Aufenthaltsort (z.B. Wohngemeinschaften, leerstehende Wohnungen) häufig wechseln.
Nichtseßhafte werden überwiegend als bemitleidenswert, minderwertig, lästig oder gefährlich empfunden. Man ist unsicher, ob sie durch eine Geld- oder Sachspende nicht in ihrer Lebensweise bestärkt werden. Zu einem Gespräch mit ihnen kommt es selten.
Im 19. Jahrhundert haben die Pfarrer F. v.Bodelschwingh (1831-1910) und J.H. Wichern (1808-1881) damit begonnen, Nichtseßhaften zu helfen.
Heute unterhalten Städte, Wohlfahrtsverbände und Kirchen (Diakonie) Heime, die Nichtseßhafte kostenlos oder gegen einen Gutschein des Sozialamtes bzw. für geringes Entgelt einige Tage oder Monate aufnehmen. Auch Beratung und Beschäftigung in geeigneten Arbeitsstellen werden angeboten (Minderheiten).
Das lateinische Wort nihil bedeutet "Nichts". Nihilismus bezeichnet eine Gesinnung, die keinen höheren Wert, keinen Sinn und nichts Verpflichtendes anerkennt. Die Möglichkeit wahrer Erkenntnis und die Existenz Gottes werden bestritten.
Der Philosoph Friedrich Nietzsche nannte sich selbst (1900) in seinem Buch "Der Wille zur Macht" einen Nihilisten. Für ihn gab es nur eine ewige Wiederkehr, die ohne Sinn und Ziel ist.
Nihilismus ist wahrscheinlich eine Reaktion auf unglaubwürdige und widersprüchliche Sinnangebote und der Versuch, sich radikal davon zu befreien, indem jeder Sinn überhaupt verneint wird. Der aggressive Nihilist bezieht sein Selbstwertgefühl daraus, ohne den Glauben an all das auszukommen, was dem Leben der meisten anderen Menschen Sinn und Ziel gibt. Es macht ihm Freude, durch seine Kritik die von anderen anerkannten Werte zu vernichten.
Als Philosophie und Weltanschauung ist der Nihilismus wenig verbreitet. Das liegt wohl auch daran, daß er sich nur schwer konsequent vertreten läßt; denn an irgend etwas muß sich auch der erklärte Nihilist orientieren und halten. Von größerer Bedeutung ist der unausgesprochene und praktische Nihilismus, der auch bei "Christen" weitverbreitet ist. Wo eigentlich nach ihrem Glauben Liebe, Hoffnung und Verantwortung sein sollten und könnten, ist oft - nichts. "Was muß man tun, um Millionen Menschen verhungern zu lassen? Nichts", heißt es in einem Spendenaufruf für die Dritte Welt. Wie oft sagen wir: "Das geht mich/dich nichts an." Der Tod wird als die absolute Grenze gefürchtet, danach kommt - nichts. Wenn zwei Menschen im Streit auseinandergehen, wird alle Liebe, die sie vorher zueinander hatten, oft zu nichts. Das Leben des Menschen steht also vielfach in der Gefahr, ver-nicht-et zu werden.
Christen glauben, daß Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat. Sie bietet Lebenschancen und Sinnerfahrung genug, um nicht dem Nihilismus verfallen zu müssen.