Laie

Ein Laie ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Mensch, der von einem Sachgebiet nichts oder erheblich weniger als ein Fachmann versteht, der darin beruflich tätig ist. In der Kirche sind Laien Nichttheologen.

Im Neuen Testament kommt dieser Ausdruck nicht vor. Es gibt zwar im "Volk Gottes" (griechisch laos; davon wurde das deutsche Wort Laie abgeleitet) verschiedene Gaben, Ämter und Dienste, aber keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen geweihten Priestern und allen anderen Christen. Daß sie trotzdem schon im 1. Jahrhundert nach Christus wieder eingeführt wurde, geht wohl auf den Einfluß anderer damaliger Religionen zurück, in denen nur ein Priester zwischen Gott und Mensch vermitteln konnte.

In der Reformationszeit wurde der geistliche Unterschied zwischen Pfarrern und Laien wieder abgeschafft. Als Begründung für das "allgemeine Priestertum" wird oft die Bibelstelle 1. Petrus 2,9 zitiert: "Ihr aber seid das erwählte Volk, ein Volk von Königen, die Gott als Priester dienen, ein heiliges Volk, das Gott selbst gehört."

In fast allen evangelischen Kirchen haben Laien in den kirchenleitenden Versammlungen (Synoden, Kirchenvorstände) die Mehrzahl der Sitze, und es gibt inzwischen auch eine große Zahl von Mitarbeitern mit anderer als theologischer Ausbildung. Aber durch den Vorsprung an theologischem Wissen und die soziale und rechtliche Stellung der Pfarrer fühlen sich viele evangelische "Laien" auch heute noch dem Pfarrer in mancher Hinsicht untergeordnet. Manche Christen und Außenstehende meinen nur die Pfarrer, wenn sie von der Kirche reden.

In den Freikirchen und z. B. bei den Baptisten ist das ganz anders. Dort sind die Laien nicht die ehrenamtlichen Helfer der Pfarrer, sondern werden von diesen in ihrer selbständigen und verantwortlichen Arbeit für die Kirche unterstützt. Das hat den großen Vorteil, daß den Gemeindegliedern und Außenstehenden das christliche Zeugnis in Menschen "wie du und ich" begegnet.

Die gleichberechtigte Stellung des Laien kommt in der Kirche zunehmend nicht nur in der Mitgestaltung von Gottesdiensten zum Ausdruck, sondern mehr noch in eigenständigen Laienbewegungen, die in den verschiedensten Berufs- und Lebensbereichen christlichen Glauben vertreten: Frauen- und Männerverbände, Missions- und Bibelgesellschaften; auch der CVJM und der christliche Studentenweltbund, die Evangelischen Akademien und der Deutsche Evangelische Kirchentag können hier genannt werden. Auf katholischer Seite wurde die Stellung des Laien in der Kirche durch die Betonung des "Laienapostolats" aufgewertet und den Laien in der "Katholischen Aktion" eine selbständige Arbeit erlaubt.

Leben

Was Leben ist, läßt sich eigentümlicherweise allgemein gar nicht so leicht definieren. Im Materialismus sieht man darin "eine spezifische Bewegungs- und Existenzform der Materie, die durch Stoffwechsel, Reizbarkeit, Fortpflanzung und Wachstum gekennzeichnet ist". Es gibt niedrige und hochentwickelte Formen des Lebens.

Wenn wir heute auch weitgehend wissen, wie sich Leben in der Erdgeschichte entwickelt hat, so erklärt hier doch der Zufall nur wenig: Leben ist trotzdem das extrem Unwahrscheinliche, letztlich Ungesicherte, Wunderbare und Geheimnisvolle. Wenn sich auch kein Gottesbeweis daraus ableiten läßt, so ist doch bemerkenswert, daß in den meisten Religionen Leben auf göttliches Schaffen zurückgeführt wird. Verbreitet ist auch die Unterscheidung zwischen dem irdischen, unvollkommenen und einem jenseitigen, vollendeten Leben (Jenseits).

Im Alten Testament erscheint Leben als eine Gabe Gottes, der es auch wieder nehmen kann; nur Gott hat das Leben in sich selbst. Von Gott getrennt zu sein oder zu ihm im Widerspruch stehen, ist letztlich "lebendiges Totsein" (Lukas 15,24; Offenbarung Johannes 3,1).

Nach dem christlichen Glauben wird das wahre und volle ("ewige") Leben durch Jesus Christus ermöglicht (Johannes 6,47; 20,31). Die in ihm wieder geschaffene Verbindung mit Gott ist auch durch den Tod nicht mehr auf-zuheben ("Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt", Johannes 11,25).

Im übertragenen Sinn spricht man von kulturellem oder kirchlichem Leben, wenn in bestimmten Bereichen Aktivität feststellbar ist. Das Leben eines Menschen ist nicht nur sein körperliches Lebendigsein, sondern alles, was damit zusammenhängt: Anfang und Ende, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Sinn und Gestaltung: mein Leben als Lebensraum zwischen Schicksal und Freiheit und was ich daraus "mache". Wie "erlebe" ich es?

Lebensqualität

Jesus hat gesagt: "Das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Besitz ab, auch wenn dieser noch so groß ist" (Lukas 12,15). Und an einer anderen Stelle: "Das Leben ist mehr als Essen und Trinken" (Matthäus 6,25).

Aber was gehört zu einer guten Qualität des Lebens ? Sicherlich die Befriedigung von Grundbedürfnissen, Freiheit von Not und Angst, Selbstbestimmung: Alles, worauf nach der Erklärung der Menschenrechte alle einen Anspruch haben.

Angesichts der modernen Technik, Umweltverschmutzung und der in einer Massengesellschaft entstandenen Verhaltensweisen wird die Frage nach der Lebensqualität aber gerade in den Ländern wieder neu gestellt, die über den höchsten Lebensstandard der ganzen Welt verfügen. Gilt auch von uns, was in der Offenbarung des Johannes an eine Gemeinde geschrieben wird:

"Du hast zwar den Namen, daß du lebst; aber in Wirklichkeit bist du tot" (Kapitel 3,1)?

Christen sollten Übung darin haben, nach der Qualität des Lebens zu fragen und sich auf diesem Gebiet nichts vorzumachen. Die Frage nach dem Sinn hat dabei ebensoviel Gewicht wie die nach den materiellen Bedingungen. Dieser Zusammenhang wird heute deutlich, z.B. bei der Luftverschmutzung, der Nahrungsmittelchemie und beim Datenschutz (Ökologie).

Aus ihrem Glauben können Christen vor allem eins wissen: Lebensqualität erreichen wir weniger dadurch, daß wir sie fordern, sondern indem wir dafür arbeiten, Opfer bringen und auch für andere etwas dazu beitragen (alternative Lebensformen).

Leiden

Leiden ist nicht nur körperlicher Schmerz, Mißerfolg und Begrenzung. Zum Leid kann alles werden, was ich nicht annehmen will und kann. Verursacht wird Leid durch Krankheit und Schicksal, insbesondere aber durch das, was sich Menschen gegenseitig antun und schuldig bleiben.

Im Leben mancher Menschen überwiegt und überschattet es alles andere. Bereits in der Angst vor dem Leid ist es da, und in jedem Leid kündigt sich schon der Tod an. Wer kann ermessen, wieviel auf der Erde gelitten wird? Auschwitz - wie konnte das geschehen? Warum muß der eine mehr und ein anderer weniger leiden?

Der Gläubige erwartet und erhält von seiner Religion Antwort auf diese Fragen; Kritiker und Skeptiker versuchen, mit dem Hinweis auf das Leid den Glauben ad absurdum zu führen: Wie kann Gott das zulassen?

In der Schöpfungsgeschichte wird alles Leid auf mißbrauchte Freiheit, Ungehorsam und Abkehr des Menschen von Gott zurückgeführt. Aber Hiob und der Beter im Psalm fragen, warum auch der Gerechte leiden muß. Antwort: Das Leid ist eine Prüfung für den Glauben. Gott hilft im Leiden. Daraus entsteht Leidensfähigkeit.

Jesus erklärte das Leiden nicht; aber er wandte sich vor allen anderen den Leidenden zu: "Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden", sagte er in der "Bergpredigt" (Matthäus 5,4). Sein eigenes Leben war bis zum qualvollen Tod am Kreuz bestimmt vom Leiden. Es hat seit seiner Auferstehung einen anderen Sinn bekommen. Aber noch immer leidet er in jedem seiner geringsten Brüder mit (Matthäus 25,31f.; 1. Korinther 12,26).

Es ist schwer, Leid auszuhalten. Viele fliehen davor (z.B. in Alkohol und Drogen). Die Angst vor dem Leiden kann oft mehr zerstören als das Leid selbst. Vertröstung auf den Himmel gilt heute als Ausflucht. Auch die

Aufforderung " Reiß dich zusammen" hilft nicht.

Im Leiden zeigt sich, wie ein Mensch das Leben auffaßt. Wenn er es mit Dankbarkeit aus Gottes Hand empfängt, kann er auch im Leid weiter am Glauben festhalten (wie Hiob). Durch den Glauben empfangen Christen Geduld, Hoffnung und Trost im Leid, insbesondere auch durch das MitLeiden anderer. Sogar im Leiden erfahren sie Gnade (Philipper 1,29). Insbesondere aus dem Leiden um des Glaubens willen ist überzeugende Verkündigung entstanden (Märtyrer). Bewährung im Leiden wird aber nicht als eigene Leistung, sondernals Bewahrt- und Gehaltenwerden trotz eigener Schwäche erfahren.

Leistung

In der Umgangssprache wird das Wort für das Erbringen und das Ergebnis einer anstrengenden, schwierigen und zielgerichteten Tätigkeit oder für die Erfüllung einer Pflicht gebraucht. Ihr Wert ergibt sich u.a. aus dem Schwierigkeitsgrad, aus dem Bedarf, aus gesellschaftlicher Übereinkunft und aus persönlichen Zielsetzungen. Insbesondere selbstbestimmte Leistung kann ein hohes Maß von Erfüllung und Befriedigung verschaffen.

Obwohl wir wissenschaftlichen und anderen produktiven Leistungen unseren heutigen Lebensstandard verdanken und das Leistungsprinzip frühere Ungleichheiten etwa der Herkunft und des Standes beseitigt hat, wird doch zunehmend Kritik an der sogenannten Leistungsgesellschaft geübt. Der Hauptgrund dafür ist die Befürchtung, daß die bezahlte Leistung allmählich zum obersten Maßstab für die Stellung und Beurteilung eines Menschen in der Gesellschaft wird (und dementsprechend schon für manche Eltern die Noten-Leistungen ihrer Kinder in der Schule). Weil die Bedingungen für viele Leistungen immer schwerer und als Entfremdung empfunden werden, gibt es als Reaktion darauf insbesondere unter jungen Menschen Leistungsverweigerung.

Dafür hat natürlich mancher, der es gelernt und sich daran gewöhnt hat, etwas zu leisten, wenig Verständnis, zumal auch bei mangelnder eigener Leistung die Leistungen anderer (und des Staates) gefordert und in Anspruch genommen werden.

Vom christlichen Glauben her ist zu diesem Problem zu sagen, daß es der Begabung und dem Auftrag des Menschen entspricht, durch seine Leistung sein Leben zu erhalten und zu entfalten. Das Streben nach Leistung kann aber für einen Christen nicht zum wichtigsten Lebensinhalt werden

Vor "Leistungen" auf religiösem und moralischem Gebiet, um sich damit von anderen zu unterscheiden oder auf Gott damit Eindruck machen zu wollen, haben Jesus, Paulus und Luther eindringlich gewarnt. Deshalb kommt es darauf an, Leistung im Zusammenhang des Glaubens zu sehen. Sie gehört zu der Gemeinschaft des Gebens und Nehmens, in die wir gestellt sind. Darin sind "Leistungen" des Ertragens und Verzichtens, des Helfens und der Liebe genauso wichtig wie Leistungen der Arbeit oder irgendwelche Rekorde. (Die Grenze des Wortes wird hier deutlich).

Weil Leistung eine so bedeutende Rolle in unserem Leben spielt, werden sich Christen (am besten mit anderen zusammen!) immer wieder überlegen: Warum leiste ich etwas? Wie tue ich es? Wie wirkt sich meine Leistung auf andere und auf mich selbst aus? Wo und wie nehme ich Leistungen anderer in Anspruch, was bedeuten sie mir?

Folgende Thesen und Fragen können als Anregung für ein Gespräch dienen:

Weitere Anregungen kann die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema "Leistung und Wettbewerb" geben.

Letzte Ölung

Dieses Sakrament der katholischen Kirche wird heute Krankensalbung genannt. Der Priester salbt Schwerkranken oder Sterbenden die Stirn und Hände mit geweihtem Öl und spricht dabei: "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen; er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf."

Die Krankensalbung wird auf Jakobus 5,14f. zurückgeführt, wonach ein Kranker die Vorsteher der Gemeinde rufen soll, damit diese für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Als Wirkung der Krankensalbung werden Heilung und Vergebung der Sünden erhofft.

Angehörige von gläubigen Katholiken (und Anwesende) sind im Fall plötzlicher Todesgefahr oder auch bei Eintreten des Todes verpflichtet, zugleich mit dem Arzt auch den Priester zu benachrichtigen.

Liebe

Obwohl die meisten Menschen sie für das Wichtigste im Leben halten, ist gar nicht so leicht zu sagen, was Liebe eigentlich ist. Nach allgemeinem Sprachgebrauch wird unter Liebe verstanden

Liebe führt Menschen über die Grenzen ihres Ichs hinaus und läßt ihr Leben inhaltsreicher werden. Folgendes Verhalten wird im allgemeinen mit Liebe begründet, obwohl es natürlich auch andere Motive haben kann:

Bereitschaft und Fähigkeit zur Liebe sind im Menschen angelegt. Die Grundlage für die Liebe, die wir geben, ist die Liebe, die wir empfangen haben (vor allem als Kind). Aber leider gibt es zu wenig davon und viele Schwierigkeiten damit. Der Liebe entgegen stehen z.B. Angst, Unterdrückung, Beschränktheit, Antriebsschwäche, unkontrolliertes Verhalten, Mangel an Wertbewußtsein und an Verständnis für andere Menschen (Egoismus). Kann der christliche Glaube etwas dazu beitragen, daß es mehr Liebe bei den Menschen gibt, als von Natur und Vernunft aus da ist?

Jesus hat gesagt und gezeigt, daß jeder Mensch von Gott so geliebt wird, wie er ist, ohne Vorbedingung. Wer das glaubt, erkennt es in vielen Einzelerfahrungen (z.B. in seinem körperlichen Leben, in seiner Umwelt, in der Sinngebung seines Erlebens und Handelns).

Die Konsequenz daraus ist, daß diese Liebe weitergegeben und selbst praktiziert wird. "Daran wird jeder erkennen, daß ihr meine Jünger seid, daß ihr Liebe untereinander übt", sagt Jesus (Johannes 13,35). Christen entdecken durch ihren Glauben, daß Liebe kein Opfer ist, sondern ihren Sinn und

Wert in sich selbst trägt. Durch das Gebot der Nächstenliebe entdecken Christen viele Anlässe zum Lieben. Die vom Glauben bestimmte Liebe ist nicht nur ein Gefühl, richtet sich auch nicht nur auf einzelne Eigenschaften eines Menschen oder auf bestimmte Personengruppen (wie z.B. die Familie), sondern grundsätzlich auf jedes Geschöpf Gottes.

Der Apostel Paulus hat im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes ein großartiges Loblied auf diese Liebe geschrieben.

Es gibt aber auch Kritik an dem Angebot und der Forderung von Liebe durch den christlichen Glauben:

Daran ist sicher viel Richtiges. Aber der Christ glaubt, daß Gott selbst Liebe ist (1. Johannesbrief 4,8). Das bedeutet nicht nur, daß der Mensch in nichts anderem Erfüllung finden kann als in der Liebe; sondern auch, daß ihm dabei geholfen wird. Seine Aufgabe und Chance ist, Liebe zusammen mit anderen so zu lernen, daß durch Liebe immer mehr Liebe möglich wird.

Linke, die

Ursprünglich wurde das Wort (seit der Französischen Revolution 1789) für die Parteien gebraucht, deren Fraktionen im Parlament auf der linken Seite saßen. Das waren damals die Radikalen, die eine grundlegende Veränderung des Staates anstrebten, während rechts die Gemäßigten saßen, die nur langsam oder gar nichts verändern wollten.

Heute wird das Wort pauschal als Bezeichnung für politische Parteien, Gruppen, Programme und Ansichten gebraucht, die im Gegensatz zu den Konservativen auf Veränderung der Verhältnisse in Staat und Gesellschaft drängen. Die von der Kritischen Theorie und der Studentenbewegung der sechziger Jahre unterstützte "Neue Linke" erhebt etwa folgende Forderungen (in Schlagworten):

Die gegenwärtige Gesellschaft wird überwiegend negativ und pessimistisch bewertet; der Glaube an eine mögliche Verbesserung durch Reformen oder Revolution ist groß. Linke fühlen sich fortschrittlich (progressiv). In der Bundesrepublik werden etwa die Sozialdemokratische Partei (oder wenigstens ihr "linker" Flügel), die Jungsozialisten und z.T. auch die Jugendorganisationen der CDU und FDP und natürlich Gruppierungen mit kommunistischer Tendenz als links eingestuft. Daran ist zu erkennen, wie ungenau die Bezeichnung ist, zumal es auch in konservativen Parteien und Organisationen (wie z. B. in der Christlich-Demokratischen Union und in den Kirchen) linke Flügel gibt. Obwohl die Linke (wie der Marxismus) der Religion und der Kirche eher kritisch und ablehnend gegenübersteht, finden doch viele Christen dort ihre eigenen Auffassungen vertreten und engagieren sich deshalb in den entsprechenden Gruppen oder sympathisieren mit ihnen.

Die häufigsten Kritikpunkte gegenüber linksgerichteten Forderungen sind:

Nicht selten wird "links" als Schlagwort für alles gebraucht, was jemand für gefährlich hält.

Sicher ist, daß bei Linken viel Idealismus und Engagement da ist. Das sollte auch von Vertretern anderer Auffassungen Anerkennung finden. Sie haben aber oft auch zu einer Verhärtung der Gegensätze beigetragen, die eine gemeinsame Lösung der anstehenden sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme behindert.

Liturgie

Das Wort bedeutet Dienst und wird schon seit den Anfängen der Kirche für den christlichen Gottesdienst gebraucht. Der Ablauf und die einzelnen Stücke der meisten Gottesdienste haben eine lange Tradition und eine ganz bestimmte Bedeutung. Wer sie versteht, kann besser mitmachen und hat mehr davon.

In den evangelischen Gottesdiensten stehen Bibellesung, Predigt und Gebet im Mittelpunkt. Dazu kommen Begrüßung, Lieder, Bekanntmachungen, Segen; in der lutherischen Gottesdienstordnung (die fast mit dem Ablauf der katholischen Messe übereinstimmt) noch Sündenbekenntnis, Gnadenzuspruch, Gotteslob und Glaubensbekenntnis. Immer häufiger werden Abendmahlsfeier und Taufe in den Sonntagsgottesdienst einbezogen.

Eine ausführliche und nach alten Regeln gestaltete Liturgie macht einen Gottesdienst feierlicher, verbindet mit Christen früherer Generationen und mit denen, die anderswo leben. Der Bezug zum heutigen Leben braucht dabei durchaus nicht zu fehlen. Die Besucher können ihn selbst herstellen, wenn sie bei den allgemein gehaltenen Formeln an aktuelle Ereignisse und an ihre persönliche Situation denken.

Die Einführung einer festen Liturgie hat den Vorteil, daß alle wissen, was kommt. Es gibt keine Unsicherheit darüber, wie man sich zu verhalten hat (wenn man zur Gemeinde gehört). Außerdem stärkt sie das Gemeinschaftsgefühl. Bleibt eine Liturgie über längere Zeit im wesentlichen gleich, so gewöhnt man sich daran und gewinnt auch das Gefühl, daß der Glaube etwas ist, worauf man sich verlassen kann.

Wenn andere aber die herkömmlichen liturgischen Formen als veraltet empfinden und lieber neue ausprobieren oder einführen möchten, dann gibt es Konflikte. Nicht alle Katholiken haben z.B. die Einführung der deutschen Sprache in die Liturgie der Messe begrüßt. Und so mancher Gottesdienst in neuer Gestalt hat in evangelischen Kirchen heftigen Protest ausgelöst. Inzwischen wurden durch viele Versuche aber auch neue brauchbare Ausdrucksformen für den Gottesdienst gefunden und zugleich der Wert der alten Liturgie wieder neu entdeckt. Sie ist ja kein Selbstzweck, sondern soll dem einzelnen und der Gemeinschaft zur Stärkung des Glaubens und zum Lobe Gottes dienen. Dazu kann jeder Gottesdienstteilnehmer beitragen.

Lüge

Das achte Gebot verbietet falsche Aussagen (2. Mose 20,16). Jesus verschärft dieses Gebot noch: "Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen" (Matthäus 12,36). Nicht nur die formale Richtigkeit einer Aussage wird gefordert, sondern insgesamt Wahrhaftigkeit, Treue und Zuverlässigkeit, "weil wir als Glieder miteinander verbunden sind" (Epheser 4,25). Lüge zerstört nicht nur die Gemeinschaft zwischen Menschen, sondern auch das Verhältnis zu Gott. Das gilt auch umgekehrt: Nach Paulus lebt jeder, der im Gegensatz zu Gott steht, in der Lüge (Römer 1,25).

Lüge ist nicht nur die einzelne falsche Aussage, sondern insgesamt die Geringschätzung und Unterdrückung der Wahrheit. Das ist so verbreitet, daß wir es entweder gar nicht merken oder ganz normal finden, wenn z.B. in der Werbung oder im täglichen Umgang miteinander durch ein Gemisch von Teilwahrheiten, Weglassen und Täuschung ein falscher Eindruck erweckt wird. Nicht wenige, die anderen etwas vormachen, glauben (mit der Zeit) selbst an das, was nicht wahr ist. Das kann so überhandnehmen und wesentliche Lebensbereiche entstellen, daß man von "Lebenslüge" spricht. Denn einer Lüge folgen fast immer weitere, um die erste glaubhaft zu machen. Das Hauptmotiv für die Lüge ist wohl die Absicht, sich damit einen Vorteil zu verschaffen, der aber auf die Dauer nur selten einer ist ("Lügen haben kurze Beine"). Nicht nur Kinder lügen häufig aus Angst; wir machen uns das Sagen der Wahrheit gegenseitig schwer. Viele finden kleinere Lügen weniger schlimm als die Schwierigkeiten, die durch das Sagen der Wahrheit entstehen können. Notlügen, d.h. falsche Aussagen, die unter Druck gemacht werden, erscheinen den meisten ohnehin entschuldbar (nicht so den Moraltheologen: "Man ist immer in Not, wenn man lügt").

Die Gemeinschaft bestraft Lügen mit dem Entzug des Vertrauens, mit schlechtem Ruf und mit Geldbußen und Gefängnis (z.B. bei falschen Aussagen vor Gericht oder unrichtigen Angaben in der Steuererklärung). Psychologen und Berater versuchen zu helfen, wenn Lüge krank macht oder das Zusammenleben stört. Auch in kirchlicher Gruppenarbeit wird geübt, die Wahrheit zu sagen und anzunehmen.

Obwohl die Pflicht zur Wahrheit unbestritten ist, denkt doch kaum jemand einmal etwas ausführlicher über seinen Umgang mit der Wahrheit nach. Die meisten Christen fühlen sich dabei wohl, daß sie immerhin ohne größere und grobe Lügen auskommen. Aber wir könnten uns fragen: Wie ehrlich schätze ich mich selber ein? Was bezeichne ich bei mir als Lüge? Warum und wozu habe ich gelogen? Welche Auswirkungen hatte das vermutlich? Habe ich über mich selbst oder über andere gelogen? Kann und will ich mir diese Fragen selbst ehrlich beantworten? Früher gab es in der Beichte Gelegenheit, sich solchen Fragen zu stellen. Auch Gebet und Gespräche mit anderen können dazu helfen, weil wir es darin nicht nur mit uns selbst zu tun haben.

Lust

Im engeren psychologischen Sinn ist Lust eine angenehme Erregung, die sowohl im Wunsch nach etwas wie in dessen Erfüllung liegen kann. Körperliche Lust ist mit Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen und sexueller Aktivität verbunden und dient damit der Erhaltung des Lebens. Der Mensch hat als einziges Lebewesen die Möglichkeit, sein Lustempfinden in vielfacher Weise zu steigern, insbesondere auf geistigem und künstlerischem Gebiet. Sogar Arbeit und Anstrengung können für ihn lustvoll sein - leider aber auch, anderen zu schaden.

Die Fähigkeit, an etwas Lust zu empfinden, ist in viel größerem Ausmaß erlernt und erworben, als uns das meist bewußt ist. Die Lust ist um so größer, je mehr Spannung, Vorbereitung oder Anstrengung davor liegt oder je seltener sie ist. Für fast alle Lusterlebnisse sind wir auf die Mitwirkung anderer Menschen angewiesen.

Dem Lusterleben steht die Realität entgegen, in der oft Zeit, Gelegenheit und Mittel fehlen, um die gewünschte Lust zu finden. Hinzu kommt das Problem: Was mir Lust bereitet, ist anderen oft gleichgültig, mühsam oder sogar unangenehm. Nur in seltenen Fällen haben wir selbst Lust daran, anderen Lust zu verschaffen.

Mit der Verfeinerung der Lust sind auch der Aufwand und die Kosten dafür gestiegen. Insbesondere auf sexuellem Gebiet scheint es so, als ob hier durch größere Freiheit und Vermeidung unerwünschter Folgen mehr und intensivere Lust erlebt wird als früher. Andererseits nimmt angesichts der zahlreichen Möglichkeiten und der hohen Bewertung von Lust die Unzufriedenheit zu, wenn jemand nicht genug davon bekommt. Momentaner Lustgewinn geht oft zu Lasten anderer, weiterreichender Zielsetzungen. Welchen Stellenwert hat die Lust in unserem Leben? Leben und arbeiten wir im Grunde für die Lusterlebnisse, sind sie der Sinn des Lebens? Woher kommt es, daß Jugendliche zu vielem keine Lust haben?

In der Bibel wird davor gewarnt, sich alle Lebenserfüllung von der Lust zu erwarten, weil sie vergänglich und begrenzt ist. Weil dafür oft die "Fleischeslust" als Beispiel genommen wurde, kam der Eindruck auf, das Christentum sei lustfeindlich. Tatsache ist aber, daß das Wort Lust in der Lutherübersetzung öfters im positiven als im negativen Sinn vorkommt - wenn z. B. von der Lust an der Wahrheit, am Wort und Gebot Gottes und an Gott selbst die Rede ist. Die "böse" Lust ist die egoistische Gier, die nur für sich selbst Befriedigung sucht, auch wenn das im Widerspruch zu den Zielen und Werten des Glaubens steht und die Gemeinschaft mit anderen dadurch zerstört wird. Sie gibt es nicht nur beim Sex, sondern auf allen Gebieten.

Christen sehen in ihren Lusterlebnissen Anlässe, Gott dem Schöpfer zu

danken (Ulrich von Hutten: "Es ist eine Lust zu leben!"). Aus der Dankbarkeit gewinnen sie die Freiheit, Lust zu erleben und sie anderen zu gönnen oder zu bereiten.

Lutherische Kirche

Aus der Reformation (ab 1517) sind eine Vielzahl evangelischer bzw. protestantischer Kirchen hervorgegangen. Etwa ein Drittel davon sind lutherisch, d.h., sie beziehen und begründen sich hauptsächlich auf die Lehren Martin Luthers (1483-1546) und die lutherischen Bekenntnisschriften. (Dazu gehören u.a. die Augsburgische Konfession und der Kleine und Große Katechismus Luthers.)

Heute gibt es größere lutherische Kirchen in Deutschland (VELKD), Skandinavien und in den USA. In Frankreich, Italien, Rumänien und vielen anderen Ländern sind sie in der Minderheit und werden von den größeren unterstützt, die mit ihnen im Lutherischen Weltbund zusammengeschlossen sind (das sind z. Z. über 80 Kirchen mit fast 60 Millionen Mitgliedern in mehr als 40 Ländern).

Das Besondere an lutherischen Kirchen läßt sich etwa so zusammenfassen:

Im Lauf der Jahrhunderte kam es in lutherischen Kirchen zu Entwicklungen, die im Gegensatz zu diesen Grundprinzipien standen, z.B. als durch die Lehre von der wörtlichen Inspiration die Bibel zum Gesetzbuch gemacht werden sollte. Das zeigt, daß auch die lutherischen Kirchen immer wieder Reformation nötig haben. Sie wurde u.a. durch Rückbesinnung auf Luther und die Bibel, wissenschaftliche Arbeit und freie Diskussion in Gang gebracht und unterstützt.

Unterschiede zwischen lutherischen, reformierten und unierten Kirchen werden heute nicht mehr als Glaubensgegensätze angesehen.