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Gedenktag des Todes Jesu. Die Silbe "kar" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Klage; die ganze "Kar"woche vor Ostern ist dem Andenken an Jesu Leiden und Sterben am Kreuz gewidmet.
Ursprünglich waren Tod und Auferstehung Jesu zusammen der Inhalt des Osterfestes. Seit dem 2. Jahrhundert wurde der Karfreitag mit Beten (Gebet) und Fasten begangen (vgl. Markus 2,20). Es gab kein Abendmahl. Glocken und Orgel schwiegen lange Zeit in den einfacher als sonst gehaltenen Gottesdiensten.
In der katholischen Kirche ist der Karfreitag kein gebotener Feiertag, in der evangelischen wird er etwa seit dem 17. Jahrhundert weithin als hoher Feiertag begangen. Meist ist damit eine Abendmahlsfeier verbunden. Mittelpunkt des Gottesdienstes ist die Verlesung der Leidensgeschichte (Abschnitte z. B. aus Matthäus 26-27). In manchen Kirchen wird auch am Nachmittag zur Todesstunde Jesu (um 15.00 Uhr) eine Andacht gehalten.
Das Empfinden des Geschehens ist besonders an diesem Tag ebenso wichtig wie Erklärung und Verstehen. Dazu kann auch die weitere Gestaltung des Tages helfen (z.B. durch entsprechende Musik).
Der ursprüngliche Sinn dieser Festzeit war die Austreibung böser (Winter-) Geister durch Musik und Tanz, Maskentreiben und örtlich unterschiedliche Gebräuche.
Im christlichen Kirchenjahr wurde Karneval als Kontrast und eine Art Ausgleich vor der ernsten Passions- und Fastenzeit gefeiert. Heute bietet der Fasching je nach Einstellung und Bereitschaft etwa folgende Erlebnismöglichkeiten:
Der einzelne kann sich überlegen: Was bedeutet mir Fasching? Was erwarte ich mir davon? Warum und wie beteilige ich mich? Welche Werturteile spielen mit, wenn ich Fasching ablehne?
Das zugrundeliegende griechische Wort bedeutet unterweisen, belehren.
Die meisten evangelischen Christen lernen einen Katechismus (den Kleinen Katechismus Martin Luthers oder den Heidelberger Katechismus der Reformierten) in der Schule oder im kirchlichen Unterricht kennen. Er enthält die Zehn Gebote, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis sowie Erklärungen zu den Sakramenten.
Eine Erklärung der Stücke und Gespräche darüber soll zum Verständnis des christlichen Glaubens beitragen. Ziemlich viel mußte auswendig gelernt und bei einer Prüfung vor der Konfirmation aufgesagt werden.
Da dies heute nur noch vereinzelt geschieht, gibt es neuerdings auch Katechismen für Jugendliche und Erwachsene, z.B. den Evangelischen Erwachsenenkatechismus, den Evangelischen Gemeindekatechismus, den (katholi-schen) Holländischen Katechismus und eine für Jugendliche gedachte Fassung "Was wir glauben". (Alle sind erheblich umfangreicher als Luthers Kleiner Katechismus.)
Sie eignen sich als Material und Grundlage für Gespräche und kirchliche Veranstaltungen. Zum Teil ist darin auch ein wenig "Theologie von unten" enthalten, weil die Texte und Formulierungen vorher in verschiedenen Gruppen ausprobiert wurden.
Interessant werden diese Bücher durch einen Vergleich mit dem eigenen Glaubensverständnis und mit früheren Formulierungen. Ein Glaubensbuch in der DDR ("Aufschlüsse"; auch in der Bundesrepublik erhältlich) behandelt z.B. die drei Artikel aus dem Glaubensbekenntnis in veränderter Reihenfolge unter den Überschriften "Jesus - Gottes Mensch. Solidarität und Mündigkeit"; "Gottes Welt - Vorgabe, Entwurf, Hoffnung"; "Gottes Volk - Gemeinschaft und Dienst".
Zunehmend benützen auch Gruppenleiter und einzelne Christen ohne theologische Ausbildung diese Bücher.
Ein Katechet (bzw. eine Katechetin) ist ein Religionslehrer oder Mitarbeiter im kirchlichen Unterricht ohne volle theologische Ausbildung. Früher war das Wort Katechumene gebräuchlich für Taufschüler; es wird heute noch in manchen deutschen Landeskirchen für die Mädchen und Jungen im ersten Jahr des Konfirmandenunterrichts verwendet.
Das Wort katholisch bedeutet "allgemein", "alle betreffend", "umfassend", "über die ganze Welt verbreitet". Es kommt z.B. in dem aus dem Jahr 381 stammenden Nizänischen Glaubensbekenntnis als eine von vier zu glaubenden Eigenschaften der Kirche vor: "Ich glaube an eine einige, heilige, katholische und apostolische Kirche." Katholisch bedeutet nach diesem Verständnis, daß die Kirche offen und für alle dasein soll und daß im Grunde alle Christen in der Welt zusammengehören. In der Umgangssprache wird es heute als Bezeichnung einer Konfession, nämlich der römischkatholischen Kirche, verwendet. Trotz der Abspaltung der orthodoxen Kirchen im Jahr 1054 und der anglikanischen und protestantischen Kirchen versteht sich die katholische Kirche als die einzige von Gott eingesetzte und vom Heiligen Geist geleitete Heilsgemeinschaft und damit als die einzige, wahre, vollgültige Gestalt des Christentums. In ihr hat sich entfaltet, was von Anfang an wie in einem Samenkorn angelegt war.
Die Bibel ist auch für die katholische Kirche die Hauptquelle der Lehre, allerdings nach der Auslegung durch das kirchliche Lehramt und unter Berücksichtigung der Tradition.
Die Hauptkennzeichen der katholischen Kirche im Unterschied zu anderen Konfessionen sind:
In der Praxis weichen allerdings in der katholischen Kirche ebenso wie in anderen christlichen Konfessionen Glauben und Verhalten vieler Mitglieder erheblich von der offiziellen Lehre ab - übrigens auch bei Theologen und Priestern (z.B. in der holländischen Kirche).
Während früher die Unterschiede zwischen den Konfessionen als so tiefgehend angesehen wurden, daß ihre Angehörigen Kriege miteinander führten, erkennt die katholische Kirche heute die rechtmäßig getauften Mitglieder anderer Konfessionen als Christen und "Brüder im Herrn" an, denen man die Schuld an der Trennung nicht zur Last legen darf; wer allerdings um die Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche weiß und doch nicht in sie eintritt, kann nach der Aussage des 2. Vatikanischen Konzils (1962-65) nicht gerettet werden.
Von vielen Protestanten wird an der katholischen Kirche insbesondere die Einheit in der Vielfalt, die Pflege anschaulicher, sinnenhafter und volkstümlicher Religiosität und das Festhalten an der Tradition als Vorbild und Herausforderung anerkannt.
Abgelehnt wird aber weithin auch bei modernisierter Erklärung die zu starre Festlegung der kirchlichen Lehre, das Beharren auf altertümlichen Vorstellungen, der Macht- und Absolutheitsanspruch des Papstes und die Vielzahl von moralischen Vorschriften. So sind von hundert deutschen Katholiken (1982) 67 für die Möglichkeit eines gemeinsamen evangelischkatholischen Sonntagsgottesdienstes, 71 für die kirchliche Wiederverheiratung Geschiedener, 72 für die Priesterehe, 74 für die Abschaffung des Ehehindernisses der Konfessionsverschiedenheit und 81 für die moralische Erlaubtheit der Empfängnisverhütung (Geburtenregelung) . Die katholische Kirche lehnt solche Veränderungen jedoch ab, um ihre Tradition und damit ihre Eigenart und ihren Zusammenhalt zu bewahren.
Für Nichtchristen sind vermutlich die Unterschiede zwischen der römischkatholischen und anderen christlichen Kirchen gering.
Heute gibt es etwa 700 Millionen Katholiken auf der Erde, davon etwa 27 Millionen in der Bundesrepublik Deutschland.
Seit dem Mittelalter werden mit diesem Wort die Vertreter von Auffassungen bezeichnet, die nicht mit der offiziellen Lehre einer Kirche zu vereinbaren sind. Das Wort ist abgeleitet von dem Namen "Katharer", einer religiösen Bewegung im 12. Jahrhundert, die als "häretisch" (= Abspaltung, Irrlehre) verurteilt und verfolgt wurde.
Jede Glaubensgemeinschaft wird und muß versuchen, sich gegen Abweichungen abzugrenzen, die ihr Selbstverständnis und ihren Zusammenhalt erheblich gefährden können. Beim christlichen Glauben ist das insofern schwierig, als dabei die Grundsätze eben dieses Glaubens nicht verletzt werden dürfen. Schon Paulus forderte, Irrlehrer aus der Gemeinde auszuschließen (Galater 1,8-9). Seitdem hat die Kirche in der Auseinandersetzung mit ihren "Ketzern" die eigene Lehre weiter entwickelt und präzisiert (im Altertum ging es hauptsächlich um den Glauben an Jesus und Gott und um das Verständnis von Gnade).
Zeitweise (seit dem 12. Jahrhundert) wurde Ketzerei nicht nur mit Exkommunikation, Verbannung, Verbrennung der Schriften oder Haft, sondern sogar mit dem Feuertod bestraft. Der Hinweis, daß die Strafe aufgrund der kirchlichen Feststellung von Ketzerei (= Inquisition, Ketzergerichte) von der weltlichen Gerichtsbarkeit verhängt bzw. vollzogen wurde, macht diese Tatsache für die christlichen Kirchen nicht weniger beschämend. Denn es waren oft gerade die Mißstände in der Kirche, die zu neuen Lehren und praktischen Versuchen der Erneuerung geführt haben; diese waren dann aber oft so extrem, daß sie von den Großkirchen abgelehnt wurden.
Auch die evangelischen Bekenntnisschriften enthalten die Verdammung von Irrlehren. Das bedeutet, daß die Wahrheitsfrage und die Bemühung um Übereinstimmung mit dem Ausgangspunkt des christlichen Glaubens trotz aller Neuerungen nicht aufgegeben werden kann. Deshalb gibt es heute in den evangelischen Kirchen neben Gespräch und wissenschaftlicher Arbeit auch die Möglichkeit von Lehrzuchtverfahren, die mit Amtsenthebung enden können. Sie sind bei der Vielfalt von Lehrmeinungen allerdings schwer durchzuführen und deshalb sehr selten. Manche kirchlichen Gruppen (wie z.B. die Bekenntnisbewegung) fordern die Kirchenleitungen immer wieder nachdrücklich auf, ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen und, wenn nötig, den Ausschluß von Pfarrern und Theologieprofessoren zu betreiben, die sich nach ihrer Meinung von der Lehre der Bibel entfernt haben.
Manche anderen Religionen (wie z. B. der Hinduismus) kommen ohne eine Instanz zur Feststellung von Irrlehre aus.
Was ein Kind ist, läßt sich scheinbar leicht sagen: ein Abkömmling seiner Eltern, solange es auf deren Fürsorge angewiesen ist. Erlebt und bewertet wird es allerdings ganz verschieden.
Kinder empfinden ihr Leben als unbeschwert und gesichert, oft aber auch als abhängig und ängstigend. Für viele Erwachsene ist ein Kind hauptsächlich Objekt der Erziehung, ein unfertiger Erwachsener, etwas zum Gernhaben oder zum Ärgern, weil es Lärm macht und nicht gehorcht. Kinder können unerwünscht oder wichtigster Lebensinhalt sein. Vater und Mutter sind darin am Wunder der Schöpfung neuen Lebens beteiligt. Alte sagen gerne, daß die Kindheit die schönste Zeit des Lebens sei. Jesus stellt Kinder den Erwachsenen als Vorbild hin, wahrscheinlich wegen ihrer Bedürftigkeit und Bereitschaft zu vertrauen. ("Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn gerade für sie steht Gottes neue Welt offen", Matthäus 19,14). In Psalm 127,3 heißt es: "Kinder sind eine Gabe des Herrn."
Der Wunsch, selbst Kinder zu haben, ist heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Die Einstellung zu Kindern ergibt sich nicht nur aus vernünftigen Argumenten, sondern aus der Grundeinstellung zum Leben und damit aus dem Glauben. Forschungsergebnisse aus Psychologie und Pädagogik können helfen, Kinder besser zu verstehen. Sie entwickeln ihre Persönlichkeit sowohl durch Nachahmung als auch durch Verweigerung und können als eigenständige Partner das Leben der Eltern und Erwachsenen anregen und bereichern.
Diese Gottesdienstform gibt es in der evangelischen Kirche erst seit etwa 200 Jahren. Sie ist aus der Sonntagsschule hervorgegangen, die in England für Kinder eingerichtet wurde, die nicht in die Schule gehen konnten, sondern in der Fabrik arbeiten mußten.
Heute werden im Kindergottesdienst kindgemäße Lieder eingeübt und gesungen, biblische Geschichten erzählt und Alltagsprobleme der Kinder behandelt. Zur Vertiefung malen oder spielen die Kinder oft selbst das Gehörte und bekommen Bilder oder etwas zu lesen mit nach Hause.
Viele Eltern fördern den Besuch des Kindergottesdienstes, weil dort eine religiöse Erfahrung und Gemeinschaft vermittelt werden kann, wie sie die Familie oder der Hauptgottesdienst nicht bieten. Besonders wertvoll ist der Kindergottesdienst, wenn in der Familie darüber gesprochen und allmählich eine Hinführung an den Hauptgottesdienst (bzw. Familiengottesdienst) oder andere Formen der Gemeindearbeit erreicht wird. (In einigen Landeskirchen können Kinder schon vor der Konfirmation zum Abendmahl kommen.)
Der Besuch des Kindergottesdienstes ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
Im Kindergottesdienst arbeiten zahlreiche erwachsene und jugendliche
Helfer mit, in der Bundesrepublik etwa 60 000 (für die jugendlichen Helfer ist es oft der erste ehrenamtliche Dienst nach der Konfirmation). Sie werden durch Vorbesprechungen, Seminare und Kindergottesdiensthelfertage sowie durch schriftliches Material unterstützt und lernen selbst die Inhalte des Glaubens besser zu verstehen. Die Kinder aber erleben, daß Gottesdienst nicht nur Sache des Pfarrers ist.
Die griechischen Worte für Kirche bedeuten "das zum Herrn Gehörige" (Haus) oder die vom Ausrufer eingeladene Versammlung (die "Herausgerufenen"). Im Deutschen kann die Bezeichnung Kirche für ein Gebäude als sichtbares und wegen der Gottesdienste typisches Zeichen einer Institution, hauptsächlich aber für die von Jesus Christus begründete Gemeinschaft von Menschen verwendet werden, die in seinem Geist miteinander verbunden sind. Kirche ist schon da, wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind (Matthäus 18,20), in Gruppen, Gemeinden und in der großen Zahl und Gesamtheit von Konfessionen und Kirchen in der ganzen Welt. In der Bundesrepublik sind die größeren Kirchen als Religionsgemeinschaft eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Mitgliedschaft wird durch Taufe oder Eintritt begründet, aber die Grenzen der Kirche sind nicht scharf zu bestimmen. Begonnen hat die christliche Kirche im Kreis der Jünger Jesu. Im Matthäusevangelium wird Petrus dabei besonders hervorgehoben (Matthäus 16,18).
Pfingsten zeigt die besondere Bedeutung des Heiligen Geistes für die Kirche (Apostelgeschichte 2).
Im Laufe der Geschichte entwickelten sich, z.T. bedingt durch theologische, kulturelle und nationale Unterschiede, eine Vielzahl von Gemeinschafts-, Rechts- und Frömmigkeitsformen, Ämtern und Organisationen. Die Kirche(n) wurden zu einer einflußreichen politischen und sozialen Macht. Spaltungen und Verweltlichung haben die Glaubwürdigkeit der Kirche beeinträchtigt. Die Rückbesinnung auf die Bibel und den Auftrag der Kirche war immer wieder Anlaß zu umfassenden Reformen. In der evangelischen Kirche gilt als Kennzeichen der Kirche die richtige Bezeugung des christlichen Glaubens und der richtige Gebrauch der Sakramente (Taufe und Abendmahl). Christlicher Glaube ist seinem Wesen nach auf Gemeinschaft angelegt und nicht, wie manchmal angenommen wird, die private oder geheime Sache des einzelnen. Deshalb wird die Kirche als "Leib Christi" bezeichnet, d.h. eine lebendige Ganzheit, in der verschiedene Glieder miteinander verbunden sind (1. Korinther 12,12f.). Ohne sie hätte auch der einzelne Christ vieles nicht, was er zum Glauben braucht: Gottesdienst, Feier, Information, geschulte Mitarbeiter, Gemeinschaft und Aktion. Eine besondere Aufgabe der Kirche und ihrer Mitglieder ist die Vermittlung des christlichen Glaubens auch an andere (Mission) und die Lebenshilfe (Diakonie).
Die Verbundenheit mit der Kirche hängt nicht nur von der Stärke des Glaubens ab, sondern auch von zutreffender Information und der (erlernten bzw. geübten) Fähigkeit, die Dienste der Kirche mit Gewinn in Anspruch zu nehmen und sich aktiv an ihrem Leben zu beteiligen.
(Ökumene; Volkskirche; Staat und Kirche; Katholische, Lutherische, Reformierte, Unierte Kirche; Freikirchen.)
Kirchen in der früheren 'Deutschen Demokratischen Republik'
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) haben die im östlichen Teil Deutschlands liegenden evangelischen Landeskirchen ihr Gebiet bis zur polnischen Grenze im wesentlichen beibehalten: Anhalt, Berlin-Brandenburg, Görlitz, Greifswald, Mecklenburg, Kirchenprovinz Sachsen (Magdeburg), Sachsen (Dresden) und Thüringen. Sie gehörten zunächst gemeinsam mit den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik der "Evangelischen Kirche in Deutschland" an, bis sie sich 1969 zum "Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR" zusammenschlossen, dessen Ziel die Vertiefung der Gemeinschaft und das Zusammenwachsen der 8 Landeskirchen zu einer Zeugnis- und Dienstgemeinschaft war. Vertreten wurde dieser Bund durch die auf vier Jahre gewählte Synode und die Konferenz der Kirchenleitungen.
Mecklenburg, Sachsen und Thüringen bildeten die "Vereinigte EvangelischLutherische Kirche in der DDR", die übrigen sind uniert; die reformierten Gemeinden in diesen Kirchen haben zusätzlich eine selbständige Vertretung im Reformierten Generalkonvent. Außerdem gab es auch in der
DDR noch einige kleinere evangelische Freikirchen (Baptisten, Methodisten, Altlutheraner, Mennoniten) und die dem Kirchenbund angegliederte Brüder-Unität.
In der Verfassung der DDR war zwar die Glaubens- und Gewissensfreiheit garantiert (Art.20); aber das Leben und Zeugnis der Christen und die Arbeit der Kirchen wurde durch die grundsätzlich ablehnende Haltung des Marxismus gegenüber Religion und Christentum erschwert.
Etwa ein Drittel der Einwohner der DDR waren bei ihrem Ende noch Mitglieder der evangelischen Kirchen, 10% gehörten der katholischen Kirche an. Neben den Ortsgemeinden gab es Personalgemeinden (z.B. die Evangelische Studentengemeinde) und besondere Dienste der Diakonie. Mehr als die Hälfte des aus Kirchensteuern (die von den Kirchen selbst eingesammelt wurde) und Kollekten kommenden Geldes wurde für die Bezahlung der Mitarbeiter benötigt, gut ein Drittel wurde für diakonische
Arbeit ausgegeben, für die es im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens auch staatliche Zuschüsse gab. Zahlreiche Verbindungen zu Kirchengemeinden in der Bundesrepublik und zur Ökumene waren nicht nur für die Christen in der früheren DDR sehr wichtig und hilfreich, sondern als Beispiel für "Kirche im Sozialismus" Vorbild und Infragestellung für viele Gemeindeglieder im "freien Westen".
Kirchenaustritt, Kircheneintritt
Bisher wurde für die meisten Menschen in Westeuropa die Mitgliedschaft in der Kirche durch die Säuglingstaufe mit später nachfolgender Konfirmation bzw. Erstkommunion begründet. Seit das nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher, bekommen auch die Argumente für oder gegen einen Kirchenaustritt bzw. (Wieder-) Eintritt zunehmende Bedeutung. Die Gründe für einen (Wieder-) Eintritt ergeben sich natürlich hauptsächlich aus dem Verständnis des christlichen Glaubens; aber zum Teil können auch andere Überlegungen mitspielen. Hier die Zusammenstellung einiger Gründe, nach pro und contra aufgeteilt:
ohne Mitgliedschaft möglich.
Wer Interesse an einem (Wieder-) Eintritt in eine christliche Kirche hat, sollte Verbindung mit einem Pfarrer oder mit aktiven Mitgliedern einer Gemeinde aufnehmen. Mit ihnen können Gespräche über Glaubensfragen und die Rechte und Pflichten einer Kirchenmitgliedschaft geführt werden. Die Aufnahme in die Kirche erfolgt nach einem Kirchengemeinderatsbeschluß durch einen Pfarrer und Vertreter der Gemeinde.
Auch vor einem Austritt sollte mit anderen Christen über diesen Schritt gesprochen werden, damit dieser wohlüberlegt ist und die Gemeinde etwas über die Gründe erfährt, die zu einem Austritt führen.
Abweichend vom jüdischen Sabbat, der am Ende der Woche als Ruhetag gefeiert wird, widmete die christliche Kirche von Anfang an den Sonntag als ersten Tag der Woche dem Gedenken und der Feier der Auferstehung Jesu.
In den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte entstanden dann zu den Hauptinhalten des christlichen Glaubens besondere Feste (Ostern, Weihnachten, Pfingsten) und Zeiten mit besonderer Bestimmung (z.B. Fasten- und Passionszeit, Adventszeit, nachösterliche Freudenzeit), die entsprechend ihrer inneren Abfolge und im Blick auf frühere Feste anderer Religionen auf das Sonnen- bzw. unser Kalenderjahr verteilt wurden. Später kamen dann in der katholischen Kirche noch Feste der Marien- und Heiligenverehrung, in der evangelischen Kirche Bußtage und Reformations-tag hinzu. Seit etwa 1600 spricht man insgesamt vom Kirchenjahr, das mit dem 1. Advent vier Wochen vor Weihnachten beginnt und mit Sonntagen des Gedenkens an die Toten bzw. an das Ende der Welt und die Ewigkeit endet. Die Inhalte des Kirchenjahres sind zwar den meisten Christen nicht mehr so intensiv bewußt wie früher - obwohl sie den kirchlichen Festen viele arbeitsfreie Tage und Ferien verdanken -; aber die Hauptfeste wie Ostern und Weihnachten und die Zeit der Vorbereitung darauf bestimmen doch ziemlich stark das Erleben. So kann das Kirchenjahr eine Hilfe sein, die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens regelmäßig im Jahr in angemessener und festlicher Form zu erleben. Sein innerer Zusammenhang und die Zeiten der Vorbereitung dienen der Hinführung auf diese festlichen Höhepunkte und der weiterführenden Betrachtung, da die Bibeltexte und gottesdienstlichen Stücke (wie Gebete, Lieder, Liturgie) darauf abgestimmt sind. In den meisten Kirchen kann man die jeweilige Zeit des Kirchenjahres an den Farben des Altar- und Kanzelschmucks erkennen (z.B. bedeutet "weiß" ein Christusfest, "rot" ein Kirchenfest und "violett" Advents- oder Fastenzeit bzw. Bußtag).
Für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres gibt es auch eine Auswahl von Bibeltexten (Perikopen), für die Wochen jeweils einen bestimmten Bibelvers (Wochenspruch) oder Psalm.
Ein Nachteil der Festlegung bestimmter Glaubensinhalte auf jährliche
Feste kann darin gesehen werden, daß ihre durchgehende Bedeutung in den Hintergrund tritt. Aber das hängt wohl mehr davon ab, wie sie gefeiert werden. Es hat sich auch gezeigt, daß die Vorgabe des Kirchenjahres die Berücksichtigung aktueller Glaubensfragen nicht verhindert, zumal die Zeit von etwa 20 Wochen zwischen dem Dreieinigkeitsfest (Trinität) und dem Ende des Kirchenjahres ohnehin fast frei von besonderen Sonn- und Feiertagen ist.
Mit diesem Wort wird der Widerstand der deutschen evangelischen Kirchen und einzelner Christen gegen den Versuch der Gleichschaltung durch das totalitäre nationalsozialistische Regime von 1933 bis 1945 bezeichnet.
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg fand Hitler anfangs auch bei vielen evangelischen Christen und Kirchenführern mit seinen Versprechen Anklang, dem deutschen Volk wieder Macht und Ansehen zu verschaffen. Sie waren mit ihm einig im Kampf gegen Kommunisten und Demokratie.
Nach der Machtübernahme 1933 wollte Hitler auch eine deutsche Einheitsreligion schaffen. Deshalb drängte er die 28 Landeskirchen, sich zu einer deutschen Kirche zu vereinigen. Diese wollte er unter die Führung einer Gruppe von "Deutschen Christen" (DC) stellen, deren Theologie in vielen Punkten dem Nationalsozialismus entsprach (z.B. Ablehnung des Alten Testaments, Jesus wurde als Held und Hitler als der Heilbringer des deutschen Volkes verstanden, Führerprinzip auch in der Kirche). 1933 gewannen die DC bei den Kirchenwahlen durch die Unterstützung Hitlers viele Sitze in den Synoden und damit leitende Posten in den Landeskirchen. (Manche, die sich daran erinnern, wundern sich heute noch, wie evangelische Christen, Theologen und Kirchenführer auf diese primitive Propaganda hereinfallen konnten.)
Als der "Arierparagraph" sogar für die Pfarrer und Beamten der Kirche eingeführt werden sollte (d.h., sie mußten entlassen werden, wenn sie jüdisch waren oder jüdische Verwandte hatten), entwickelte sich der Widerstand. Pfarrer Martin Niemöller gründete den Pfarrernotbund. Die "Bekennende Kirche" arbeitete neben den offiziellen Landeskirchen z.T. in der Illegalität und wurde von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verfolgt. Gemeindeglieder protestierten in Versammlungen gegen Hausarrest und angedrohte Absetzung ihrer Bischöfe (Barmer Theologische Erklärung). An der Tatsache, daß Hitler daraufhin manche seiner Pläne aufgab, läßt sich heute erkennen, daß der Nationalsozialismus nicht ganz so übermächtig war, wie er damals und später von den meisten eingeschätzt wurde. Schließlich wollte Hitler auch gegenüber dem Ausland und für die Olympiade 1936 eine gute Figur machen.
Die Widerstandsgruppen waren unter sich uneinig, wie sie vorgehen und auf wieviel Zusammenarbeit mit dem Staat sie sich einlassen sollten. Nach einigen Versuchen der Verständigung (1935-37) übte der Staat wieder mehr Druck aus durch Verhaftungen, Verhöre, Rede- und Schreibverbote. Niemöller kam 1938 ins Konzentrationslager, aus dem er erst 1945 durch die Alliierten wieder befreit wurde.
Nach dem Kriege bekannten Vertreter des Kirchenkampfes im "Stuttgarter Schuldbekenntnis", daß sie "nicht genug gebetet, geglaubt und bekannt haben".
Wie würde unsere Kirche heute auf einen ähnlichen Angriff reagieren?
Die großen Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland erhalten etwa 80% ihres Geldes aus Kirchensteuern ihrer Mitglieder, zu deren Erhebung sie Artikel 140 des Grundgesetzes berechtigt. Die restlichen Mittel werden durch Spenden, Erträge aus Stiftungen und Vermögen und Einnahmen bzw. Zuschüsse aufgebracht. Der Steuersatz beträgt durchschnittlich 9% der Einkommen- bzw. Lohnsteuer, das sind je nach Steuersatz zwischen 2 und 4,5% des steuerpflichtigen Einkommens.
Die Einhebung der Kirchensteuer durch die Finanzämter (gegen eine Gebühr von etwa 3%) ist für die Kirchen der schnellste, sicherste und billigste Weg, für die Kirchensteuerpflichtigen der schmerzloseste und bequemste; der Abzug ist auf das ganze Jahr verteilt und von der Einkommensteuer absetzbar.
Auch in der früheren DDR gab es nach 1945 eine ähnliche Regelung. Bald aber sahen die Behörden die Kirchensteuer nur noch als Beitrag an und stellten keine Berechnungsunterlagen mehr zur Verfügung. Deshalb mußten die Kirchen in der DDR eigene Kirchensteuerämter einrichten. Nach der Vereinigung wurde 1991 auch in den Kirchen der neuen Bundesländer die Einhebung der Kirchensteuern durch die Finanzämter wieder eingeführt. Gegen die Kirchensteuer wird eingewendet, daß die Gabe nicht mehr als Opfer entsprechend dem christlichen Glauben empfunden wird. Außerdem sei die Abhängigkeit vom Staat und von seiner Steuergesetzgebung zu groß. Infolge von Freibeträgen fallen z. B. viele Mitglieder der Kirche trotz beträchtlichen Verdienstes nicht mehr unter die Kirchensteuerpflicht. Tatsächlich geht es in den meisten anderen christlichen Kirchen auch mit freiwilligen Beiträgen. Sie müssen sich dann sehr mit der Geldbeschaffung befassen und geraten in eine gewisse Abhängigkeit von reichen Mitgliedern.
Eine Abschaffung der Kirchensteuer hätte mit Sicherheit eine Verminderung der Zahlungen und damit der kirchlichen Dienste zur Folge (die dann z.T. vom Staat oder von den Gemeinden übernommen werden müßten). Durch freiwillige Gaben hat jeder die Möglichkeit, die beiden Arten der Finanzierung kirchlicher Arbeit zu kombinieren.
Nachdem es schon Vorläufer im 19.Jahrhundert gegeben hatte, findet seit 1949 im Bereich der evangelischen Kirchen in Deutschland (anfangs alljährlich, jetzt) alle zwei Jahre als (fünftägige) Großveranstaltung der "Deutsche Evangelische Kirchentag" statt (Gründer: Reinold von ThaddenTrieglaff). Der Kirchentag wird von Laien geleitet. Das vom Präsidium ausgewählte Hauptthema bestimmt alle Referate und Diskussionen. Zu den letzten Kirchentagen kamen über 100 000 Dauerteilnehmer (darunter mehr als die Hälfte Jugendliche), zu den Abschlußveranstaltungen manchmal eine halbe Million Besucher (bis 1961 auch aus der früheren DDR; dort gab es bis zur Wiedervereinigung regionale Kirchentage).
Arbeitsformen während des Kirchentages sind u.a.: Gottesdienste, Bibelarbeiten, Vorträge, Arbeitsgruppen, Begegnungen (z.B. zwischen Christen und Juden), kulturelle und gemischte Abendveranstaltungen und Dauerangebote wie "Markt der Möglichkeiten", "Halle der Stille", Seelsorge.
Der Kirchentag versteht sich als offenes Forum. Die Vielzahl der Meinungen und Glaubenszeugnisse bei Kirchentagen war bisher für die Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" ein Grund, von jeglicher Beteiligung abzuraten.
Eine vergleichbare Veranstaltung auf katholischer Seite ist der Deutsche Katholikentag.
Zum Klerus gehören nach katholischem Kirchenrecht die Personen, die Anteil (das ist die griechische Wortbedeutung) am Amt und an der Vollmacht in der Kirche haben. Je nach Weihegrad haben die Kleriker besondere Rechte und Aufgaben. Das.soll aber nicht als Vorrang angesehen werden, sondern als größere Verpflichtung zum Dienst in der Kirche.
Wenn der Unterschied zwischen dem geistlichen Stand und den Laien betont wird und der Klerus dazu neigt, alles in und vieles außerhalb der Kirche bestimmen zu wollen, spricht man von Klerikalismus (Pfarrer).
Klöster entstanden im Bereich der christlichen Religion seit dem 4.Jahrhundert, zunächst als gemeinsamer Wohnsitz alleinlebender Mönche, dann als Mittelpunkt von Ordensgemeinschaften (heute auch Kommunitäten genannt). Die abendländische Klosteranlage geht auf Benedikt von Nursia (um 500) zurück und besteht meist aus Klosterkirche, Versammlungsraum (Kapitelsaal), Speisesaal (Refektorium), Schlafraum (bzw. Zellen), Bibliothek, Kreuzgang und kleineren Räumen. Man spürt die Ruhe und Konzentration, die dort herrschen, meist schon durch die Art des Gebäudes. Außenstehenden ist der Zutritt zum Kloster (mit Ausnahme der Kirche) in der Regel nicht gestattet (Klausur).
Unter der Leitung eines Abtes oder einer Äbtissin leben Mönche oder Nonnen dort im Abstand zur übrigen Welt nach ihren selbstgewählten Regeln (u.a. Verzicht auf Familie, sexuelle Beziehungen, Besitztum, Selbstbestimmung; Verpflichtung zum Gebet und zu bestimmten Diensten). Sie tun das, um sich ganz Gott und ihrem Glauben zuwenden und damit trotz aller Abgeschiedenheit anderen ein Beispiel geben zu können.
In Klöstern finden heute häufig Einkehrtage, Meditationen, geistliche Übungen (Exerzitien) und Tagungen statt; auch einzelne suchen dort Zuflucht und Besinnung. Handwerkliche, künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeit haben manche Klöster berühmt gemacht. Einige sind Mittelpunkt für die Aussendung von Mönchen oder Nonnen nach draußen, z.B. in die Mission.
Auch in anderen Religionen gibt es Klöster, insbesondere im Buddhismus. Ihre Existenz wird von vielen als eine Mahnung aufgefaßt, sich nicht völlig an den hektischen und oberflächlichen Lebensstil unserer Konsumwelt zu verlieren.
Mit diesem Wort bezeichnet man die Gesamtheit der Beziehungen, die es zwischen einzelnen oder Gruppen gibt, insbesondere die wechselseitige Beinflussung und den Austausch von Informationen. Da es das Ziel des christlichen Glaubens ist, eine möglichst gute Beziehung zwischen den Menschen zu erreichen, werden Christen an einem besseren Verständnis der Bedingungen und Störungen von Kommunikation sehr interessiert sein. Folgende Ergebnisse der Kommunikationsforschung sind z.B. wichtig:
Massenmedien bestimmt. Sie kann durch moderne Kommunikationsmittel verbessert werden, wenn gelernt wurde, diese richtig anzuwenden.
Wenn es auch manchem so scheinen mag, als ob mit solchen Erkenntnissen nur mit anderen Worten gesagt wird, was man früher auch schon wissen konnte, so wurde doch auch in der kirchlichen Arbeit aus der Kommunikationslehre praktischer Nutzen gezogen. Man strebt z.B. mehr als bisher wechselseitige Kommunikation an, weil sie wirksamer ist als einseitige Beeinflussung. Biblische Texte werden auch als Hilfsmittel der Kommunikation verstanden und verwendet. Rückfragen geben Anlaß, die in der Kirche verwendeten Worte und Zeichen zu verändern, wenn sie nicht mehr verstanden werden. Durch geeignete Methoden können Störungen in der Kommunikation bewußt gemacht und beseitigt werden. Liebe läßt sich damit allerdings nicht "machen", weil sie aus der Grundeinstellung eines Menschen kommt, d.h. aus dem, was er durch andere und aus seinem Glauben empfangen hat.
Das Wort bezeichnet im Grunde einen alten Traum der Menschen: daß es den Unterschied und Kampf zwischen Reichen und Armen und den zwischen Machthabern und Untertanen nicht mehr geben soll.
Auf die eine oder andere Weise ist die Verwirklichung dieses Traumes in der Geschichte oft versucht worden, u. a. auch von der christlichen Urgemeinde (Apostelgeschichte 2,42f.; 4,32 bis 37). Manche sehen darin eine richtige und vorbildliche Konsequenz des christlichen Glaubens; andere und wohl die Mehrzahl der Christen lehnen Kommunismus ab, weil Gott die Menschen eben unterschiedlich geschaffen habe, das Recht auf Privateigentum im 7. Gebot festgelegt sei und es unter den Bedingungen dieser Welt immer eine Über- und Unterordnung geben müsse.
Der Kommunismus als politisches Programm zur Beseitigung der Ausbeutung der Arbeiter und zur Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft ist durch Marx, Engels und später Lenin entwickelt worden (1848 Kommunistisches Manifest). Sie forderten, daß die Arbeiter die Macht übernehmen sollten ("Diktatur des Proletariats") und die Produktionsmittel (z.B. Fabriken, Verlage, Landwirtschaft) in Gemeineigentum überzuführen seien, das vom Staat verwaltet wird. Geistige Arbeit soll nicht mehr höher bewertet werden als körperliche. Auf diese Weise sollen mit der Zeit sogar das
Geld und der Staat überhaupt überflüssig werden. Der Kapitalismus dagegen müsse notwendigerweise an seinen eigenen Problemen scheitern.
Diese Auffassungen waren von Anfang an verbunden mit einer materialistischen und atheistischen Philosophie (Materialismus). Religion dient nach Marx nur den Mächtigen und Besitzenden dazu, die Ausgebeuteten daran zu hindern, ihre Lage richtig zu erkennen und sich daraus zu befreien, weil sie sie als gottgewollt ansehen und sich auf ein Jenseits vertrösten lassen. Religion sei das "Opium des Volkes" (Ausbeutung).
In der Sowjetunion hatte der Kommunismus seit Oktober 1917 (Absetzung des Zaren durch eine Revolution) Gelegenheit, diese Vorstellungen zu verwirklichen. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist heute kommunistisch regiert.
Gemessen an den Zielen und Vorhersagen sind die Ergebnisse noch nicht überzeugend. Zwar gibt es nicht mehr so krasse Einkommensunterschiede wie in der freien Marktwirtschaft; aber das Maß an Freiheit ist doch deutlich geringer und die Stellung der Arbeiter auch nicht besser als in den meisten westlichen Demokratien.
Viele sehen deshalb in der Realität des heutigen Kommunismus schon seine Widerlegung. Aber die marxistische Kapitalismuskritik hat auch unter Christen viele Anhänger. Nicht wenige lehnen den Kommunismus ab, ohne ihn genauer zu kennen.
Christen in den Ostblockstaaten stellten sich bis zum Beginn der 90er Jahre darauf ein, daß sie in einer sozialistischen Staatsordnung leben mußten, und versuchten, darin einen konstruktiven Beitrag zu leisten (Staat und Kirche). Fast alle kommunistische Staaten tolerieren die Kirchen in engen Grenzen und hoffen, daß sie mit der Zeit von selbst absterben. In den letzten Jahren führten Liberalisierungstendenzen in kommunistischen Staaten zu mehr Freiheit und Anerkennung auch für christliche Kirchen und andere Religionen.
Aufgabe der Christen ist immer noch, das Verhältnis zwischen 0st und West zu entideologisieren und auf die Wirkung einer glaubwürdigen christlichen, freiheitlichen und sozialen Lebensgestaltung zu vertrauen. Damit würde gleichzeitig auch die Grundidee des Kommunismus verwirklicht.
Konfession heißt Bekenntnis. Woran ein Christ glaubt und wofür er auch anderen gegenüber einsteht, ist sein Bekenntnis (Glaubensbekenntnis).
Das Wort wird auch für eine Zusammenfassung der wichtigsten Glaubenssätze einer Religionsgemeinschaft (z.B. die 1530 dem Reichstag vorgelegte "Augsburger Konfession" der evangelisch-lutherischen Kirche) und schließlich für diese selbst gebraucht.
In der Zeit der Christenverfolgung und auch vor der Reformation konnte es gefährlich sein, den eigenen Glauben offen zu bekennen. Das gilt auch heute noch in vielen Staaten.
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Richtungen des Christentums wurden noch mehr als hundert Jahre nach der Reformation so wichtig genommen, daß man deswegen Kriege führte und sich gegenseitig feindlich gesonnen war.
Die Tatsache, daß im Norden Deutschlands die evangelische und im Süden die katholische Konfession vorherrscht, geht auf die Zeit nach der Reformation zurück. Zum Teil bestimmten damals die Landesherren mit ihrem eigenen Bekenntnis, welcher Konfession ihre Untertanen angehören sollten. Heute gibt es in der Bundesrepublik Deutschland u. a. katholische (römischkatholische, altkatholische), evangelische (lutherische, reformierte und unierte) sowie orthodoxe und freikirchliche Konfessionen.
Früher waren die meisten Schulen konfessionell bestimmt (d.h., Lehrer und Schüler gehören dem gleichen Bekenntnis an, und die Besonderheiten der jeweiligen Konfession finden mehr Berücksichtigung als in einer Gemeinschaftsschule; heute werden Bekenntnisschulen überwiegend als kirchliche Privatschulen geführt).
Der Religionsunterricht findet in der Bundesrepublik nach Konfessionen getrennt statt; es gibt aber auch schon viel Zusammenarbeit.
Ein starkes Betonen der Konfessionsunterschiede nennt man Konfessionalismus.
Viele empfinden konfessionelle Unterschiede gar nicht mehr als störend, sondern sehen darin mehr kulturell oder national bedingte Eigenheiten. Andere wollen durch ökumenische Zusammenarbeit die Gemeinsamkeiten betonen und fördern. Worauf es ankommt ist sicherlich, daß der christliche Glaube überzeugend vertreten und gelebt wird und die persönlichen und konfessionellen Unterschiede nicht als Widerspruch dazu wirken.
Im Mittelalter hatte sich als Ergänzung zur (Kinder-) Taufe das Sakrament der Firmung herausgebildet, das als Erinnerung und Bekräftigung der Taufe für Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenenalter zu verstehen ist. In den evangelischen Kirchen wurde die Firmung zwar nicht als Sakrament angesehen, aber mit der Konfirmation (1720 bis 1835) eine vergleichbare Feier eingeführt, die mit der ersten Zulassung zum Abendmahl verbunden ist. Heute ist die Konfirmation feierlicher Abschluß eines 1-2jährigen Unterrichts, der in ein zeitgemäßes Verständnis des christlichen Glaubens und in das Leben der Gemeinde einführen soll. Dabei können die Jugendlichen ihre eigenen Fragen stellen und die Gemeinde durch praktische Tätigkeit kennenlernen. Moderne und oft auch spielerische Methoden und Gemeinschaftsformen sollen bewirken, daß sie sich gerne am Konfirmandenunterricht beteiligen, zu dem auch meist Freizeiten, Wahlkurse und die Gestaltung von Gottesdiensten gehören. Zunehmend arbeiten auch Eltern und andere Gemeindeglieder im Konfirmandenunterricht mit. So wird dieser für die Gemeinde und Kirche zu einer Probe, weil sich hier zeigen muß, ob der Glaube jungen Leuten verständlich und annehmbar dargestellt werden kann. Dabei entscheidet sich dann auch oft, welche Einstellung Christen während ihres späteren Lebens zu ihrer Kirche haben. Manche finden durch die kirchliche Konfirmandenarbeit den Zugang zu aktiver Mitarbeit in Jugendarbeit und Kindergottesdienst. Laut Umfragen haben die meisten Erwachsenen den Konfirmandenunterricht in guter Erinnerung, wenn ihnen auch damals der Zwang zur regelmäßigen Teilnahme lästig war. Für Konfirmanden und Eltern ist die Konfirmationsfeier besonders eindrücklich, wenn die Konfirmanden sie selbst mitgestaltet haben. Sie bekommen dabei einen persönlichen Bibelspruch und eine Urkunde. Mit der Konfirmation erhält der Jugendliche die Berechtigung zum Patenamt (Pate). In den Familienfeiern steht der junge Mensch erstmals im Mittelpunkt. Die Konfirmation, die Zeit davor und danach sind für Eltern, Kinder und Verwandte ein besonderer Anlaß, gemeinsam zum Abendmahl zu gehen.
Auch wer nicht getauft ist, kann sich zur Konfirmation anmelden und die Taufe bei dieser Gelegenheit nachholen.
Konflikte gibt es in einer Person und zwischen Menschen und Gruppen, wenn gegensätzliche Wünsche oder Interessen aufeinandertreffen. Das ist normal und unvermeidlich.
Das Problem liegt darin, wie Konflikte ausgetragen und entschieden werden: Setzt sich der Stärkere durch, versucht man einen Kompromiß zu finden, oder bringt die Berufung auf Regeln und Gesetze die Lösung? Meist sind Konflikte so mit Spannung und Streit verbunden, daß sie Feindseligkeit bis hin zu Gewalttätigkeit und Krieg erzeugen. Deshalb wurde in letzter Zeit verstärkt geforscht und überlegt, wie Konflikte entstehen und verlaufen, um sie besser und ohne Schaden für die Beteiligten lösen zu können. Daran müssen auch Christen interessiert sein, weil ihnen aufgetragen ist, sich selbst nicht mit Gewalt durchzusetzen, Streit zu schlichten und für Gerechtigkeit zu sorgen.
In den meisten Fällen ist es nicht gut, Konflikte zu verdrängen oder ihnen aus dem Weg zu gehen, weil sich die gegensätzlichen Interessen später doch und oft auf anderen Gebieten wieder zeigen. Besser ist es deshalb, offen über den Konflikt zu sprechen und zu versuchen, die verschiedenen Interessen zu verstehen. Dazu gehört auch, die eigenen Gefühle zu beschreiben. Natürlich ist es sehr schwer, das ehrlich zu tun, ohne daß der Konfliktpartner dadurch noch ärgerlicher wird. Die Beteiligten sollten sich als gleichwertig und die Interessen des anderen zunächst einmal als berechtigt ansehen. Eine gute Kontrolle dafür, ob ich das tue, ist es, den gegnerischen Standpunkt einmal selbst mit eigenen Worten zu formulieren und zu fragen, ob der andere mit dieser Darstellung einverstanden ist. Viel ist schon gewonnen, wenn sich die Partner dazu genügend Zeit nehmen oder einen anderen zu Rate ziehen. Der Konflikt bleibt dann begrenzt; ich muß deshalb einen anderen nicht als Feind ansehen. Das alles kann - auch durch Erfahrungsaustausch und aus Mißerfolgen! - gelernt werden, am besten schon früh in der Familie. Ein Buch wie das von Th. Gordon "Familienkonferenz" kann dazu helfen.
Ein mit etwas Phantasie und Liebe zustandegekommener Kompromiß als Konfliktlösung verdient Anerkennung, wenn es kein "fauler" ist (d.h. einer, der nur scheinbar und ohne Berücksichtigung wichtiger Streitgründe geschlossen wird).
Wenn Konflikte auf der Ebene zwischenmenschlicher Beziehungen zunehmend friedlicher und konstruktiver gelöst werden, ist zu hoffen, daß dies auch zwischen den Großgruppen und Völkern gelingt.
Als konservativ gilt, wer gegenüber Neuerungen skeptisch ist und Bewährtes erst dann aufgeben will, wenn ganz sicher ist, daß etwas Besseres da ist, das nicht im Widerspruch zur bisherigen Tradition steht. Konservative versprechen sich mehr vom langsamen Wachstum als von schneller oder radikaler Veränderung. Sie sind gegen Liberalismus, Modernismus und Fortschrittsgläubigkeit. Im 19. Jahrhundert wurden konservative Parteien gegründet, deren Politik sich gegen Anarchismus, Kommunismus und Sozialismus richtete.
Jeder einzelne Mensch, jede Gruppe und jeder Staat wird in der Regel danach trachten, daß erhalten bleibt, was für sie von Vorteil ist. Insofern wirken Gewohnheiten, Gesetze und große Organisationen bewahrend, d.h. konservativ; mehr aber noch Vorurteile und Angst. Ältere verhalten sich im allgemeinen gegenüber Jugendlichen, traditionsreiche Institutionen gegenüber Neugründungen konservativ.
Ist es ein Ergebnis seiner Veranlagung, Erziehung oder Erfahrung, wenn ein Mensch konservativer ist als ein anderer?
Insbesondere Religionen und Kirchen werden als konservativ angesehen und kritisiert, weil sie z. B. die Form ihrer Gottesdienste und moralische Vorschriften so lange wie möglich beibehalten, auch wenn diese gar nicht mehr verstanden werden. In den meisten Fällen geschieht dies aber nicht aus Bequemlichkeit, sondern unter Berufung auf göttliches Gebot (z.B. beim Verbot der Abtreibung).
Soweit der christliche Glaube auf der Grundlage geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen beruht, muß er notwendig auch konservativ sein. In der Bibel wird des öfteren dazu aufgefordert, das Anvertraute zu bewahren und an der übernommenen Lehre festzuhalten (1. Timotheus 6,20; Philipper 2,16; 2. Thessalonicher 2,15; Hebräer 4,14;10,23 und öfter).
Andererseits ist der christliche Glaube ebenso stark auf Umdenken (Buße), Hoffnung und Zukunft ausgerichtet. Er stellt Aufgaben, die ohne Veränderung des Bestehenden nicht zu erfüllen sind (z.B. soziale Gerechtigkeit, Frieden und der Einsatz für ein zeitgemäßes Verständnis der christlichen Botschaft).
Wie wenig das eine gegen das andere auszuspielen ist, läßt sich daran erkennen, daß sich Luther für seine Reformation der Kirche auf deren Grundlagen und Quellen berufen hat. Da sich die Geschichte nicht wiederholt, gibt es auch keine Regel dafür, wann Bestehendes zu bewahren und wann ein Risiko einzugehen ist. In der Kirche ist jedenfalls nicht wie in der Technik das Alte durch das Neue einfach überholt. Meist bekommt oder behält hier nicht nur eine Seite recht, sondern die Entwicklung muß sich aus der Auseinandersetzung zwischen Konservativen und Reformern ergeben. Zu bedenken bleibt immer, daß Jesus sicher kein Konservativer war.
Das Wort Konsum bedeutet etwas für sich nehmen und verwenden. Durch den Gebrauch werden die meisten Güter auch verbraucht; sie müssen durch neue ersetzt werden. Die Wirtschaft moderner Gesellschaften hat das so organisiert, daß viele Konsumgüter, an denen früher Mangel herrschte, heute zur Genüge und z. T. sogar im Überfluß zur Verfügung stehen. Dafür wird jeder dankbar sein, der sich dessen im Einzelfall noch bewußt ist.
Da der Gewinn der Hersteller davon abhängt, daß sie möglichst viel verkaufen, versuchen sie, die Konsumwünsche der Menschen durch Qualität, Preisgestaltung, Werbung und Weckung neuer Bedürfnisse möglichst stark anzuregen. Sie drängen darauf, jeweils das Neueste zu besitzen. Das hat nicht nur die Folge, daß mehr konsumiert wird, als zum Lebensunterhalt notwendig ist; vielmehr bestimmt der Konsum auch zunehmend die Art des Zusammenlebens: Man beurteilt sich und andere nach Umfang und Qualität des Konsums. Das Leben wird bestimmt von den Sachen, die ich besitze, kaufen oder verbrauchen kann (Mensch = Verbraucher).
Christen kennen die Gefahr, daß sie im Konsum ihr eigentliches Leben nicht gewinnen, sondern verlieren können; denn "niemand lebt davon, daß er viele Güter hat" (Lukas 12,15) . Sie versuchen deshalb, durch Kritik, Einschränkung oder Verzicht dem Konsum die untergeordnete Bedeutung zu geben, die ihm angemessen ist. Manche erleben Konsumverzicht als besondere Selbsterfahrung und Befreiung zu anderen Lebensmöglichkeiten und Aufgaben, die sie als vordringlich erkannt haben.
Die Kritik am Konsumverzicht meint, daß dadurch keine tiefgreifende Änderung zu erreichen ist, sondern nur die Wirtschaft gefährdet wird.
Konvention im menschlichen Zusammenleben bezeichnet ein soziales Verhalten, bei dem gesellschaftliche Regeln und Standards eingehalten werden. Meist ist das auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen (wie z.B. Jugendliche, Erwachsene, Arbeiter oder Personen in einflußreichen Stellungen) begrenzt.
Eigentlich läßt der Wortsinn vermuten, mehrere Menschen hätten sich durch Verhandlungen auf etwas geeinigt und verhalten sich dann auch danach. Tatsächlich entstehen gesellschaftliche Konventionen, ohne daß sich ihr Ursprung und ihre Begründung exakt nachweisen ließen. Es werden dabei auch kaum die (voraussichtlichen) Vor- und Nachteile eines bestimmten gemeinsamen Verhaltens abgewogen. Das "Alte" oder "Neue" muß nicht immer besser oder schlechter sein als das, was sich dann durchsetzt oder vorher galt; es genügt oft schon, wenn es einfach anders ist. Ist es eine Veränderung der Situation, die zu neuen Konventionen führt? Wahrscheinlich ist ihr Entstehen doch eher in einer anderen Art der Wahrnehmung und des Denkens begründet.
Der Vorteil von Konventionen liegt u.a. darin, daß sie dem einzelnen mehr Verhaltenssicherheit geben und das Verhalten anderer vorhersehbar wird. Sie verbinden Menschen miteinander. Auch die Mode ist eine Art von Konvention, allerdings weniger in ihren schnell wechselnden Einzelerscheinungen als vielmehr in der Anerkennung ihrer Bedeutung.
Im Unterschied zu moralischen Regeln sind Konventionen weniger genau bestimmt.
Konventionen anderer (Gruppen) erscheinen Außenstehenden oft unzweckmäßig oder zumindest seltsam, während man die eigenen kaum spürt.
Tatsächlich ist heute auch bei jungen Leuten, die Konventionen älterer Menschen als überholt und hinderlich empfinden, vieles ebenso oder sogar noch starrer geregelt, z. B. auf dem Gebiet der Umgangsformen, der Sprechweise, der Meidung und der Paarbeziehungen zwischen Mädchen und Jungen. Auch das Verhalten in der Schule und die Anrede (Du oder Sie) ist stark von Konventionen bestimmt.
Konventionen in Kirche und Gemeinde können hilfreich sein. Ihre Einhaltung oder Nichtbeachtung darf aber nicht zum Maßstab der Beurteilung anderer werden.
Krankheit ist in der Definition eine angeborene oder neu auftretende Störung der körperlichen, geistigen und seelischen Lebensvorgänge. Subjektiv wird Krankheit unterschiedlich empfunden und erlebt, meist als Hinderung an etwas, mit Schmerzen, Angst und Abhängigkeit von anderen verbunden; aber auch oft als Anlaß für Besinnung und eine Überprüfung der Lebensgestaltung.
Christen brauchen Krankheit nicht (wie gelegentlich im Alten Testament) als Strafe Gottes zu verstehen. Der Glaube sieht die Krankheit im Zusammenhang des Lebens, das Gott gibt (vgl. Hiob 2,10).
Die Gemeinschaft mit anderen und vorher eingeübte Formen können helfen, auch bei schwerer Krankheit an der eigenen Grundeinstellung festzuhalten (z.B. Gebet, Bibellesen, Abendmahl, Gespräch, Lieder). Die Kirche bietet Seelsorge in Krankenhäusern und Besuche zu Hause durch Pfarrer oder einen Besuchsdienst an. Die Fürsorge für Kranke wurde schon immer als wichtige Aufgabe der Gemeinde angesehen und ist auch durch die moderne Medizin nicht überflüssig geworden.
An einem Pfahl mit Querbalken wurden im Altertum Schwerverbrecher und Aufständische durch Aufhängen oder Annageln hingerichtet. Der Tod trat meist erst nach langem Leiden durch Erschöpfung oder Kreislaufzusammenbruch ein. Auch Jesus endete so. Eine Tafel gab als Grund der Strafe an: Er wollte angeblich König der Juden sein (Matthäus 27,37).
Warum ist dieses Ereignis und das Symbol dafür Grundlage und typisches Zeichen für den christlichen Glauben geworden? Weil die ersten Christen glaubten, daß im Sterben Jesu mehr geschehen ist als das Scheitern eines
Idealisten. Er hatte ein neues Verhältnis zu Gott und der Menschen untereinander gepredigt und gelebt: Jeder ist von Gott geliebt und kann zu ihm kommen. Keine Schuld, keine Vorschriften sollen dem mehr entgegenstehen. Die Gottferne der ganzen Welt wurde auf Golgatha offenbar, als dieser Mensch umgebracht wurde. In seinem Opfer aber zeigte sich, daß Glaube, Gottvertrauen, Gehorsam und Liebe stärker sind als Gewalt und Tod. Der römische Hauptmann sagt vor dem Kreuz: "Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn" (Markus 15,39). Er blieb es und wurde es für alle Menschen durch die Auferstehung.
Seit dem Kreuzestod Jesu erfahren Menschen durch den Glauben, daß es Stellvertretung gibt und ihnen die Hingabe dieses Menschen hilft. Ihr eigenes Leiden, ihre Schwäche und ihr Scheitern sind darin aufgehoben. Das Kreuz hat Sinn, weil es nicht im Widerspruch, sondern im Zusammenhang mit dem Leben Jesu steht.
Der Glaube an die Auferstehung bezeugt, daß dieses Kreuz nicht das Ende, sondern der Durchbruch für den Glauben an Jesus und damit für ein neues Lebensverständnis war. Darum gibt es auch für den Christen nichts mehr, das er nicht (als sein "Kreuz") auf sich nehmen könnte. Das Kreuz steht als Zeichen des Sieges über den Tod und der Hoffnung auf Auferstehung auf den Gräbern (Grab) und auf dem Altar. Es kennzeichnet die Bibel, deren Verkündigung Paulus als "Wort vom Kreuz" (1. Korinther 1,17f.) zusammenfassen kann. In vielen Gerichtssälen ist es Zeichen für letzte Wahrheit und höhere Gerechtigkeit. Täuflinge, die Gemeinde und Brot und Wein des Abendmahls werden mit dem Kreuzzeichen gesegnet. Auch das Bild, das Christen von Gott haben, ist durch das Kreuz ein anderes geworden (Kruzifix).
Krieg ist ein mit Waffen geführter Kampf zwischen Völkern oder Staaten mit dem Ziel, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen und sich dadurch Vorteile zu verschaffen ("Alle Kriege gehen ums Geld", sagte Sokrates).
Krieg wird recht unterschiedlich gesehen und bewertet, je nachdem, ob man Zuschauer (z.B. beim Fernsehen) oder Beteiligter ist, sich daran erinnert oder sich den Ernstfall im eigenen Land vorstellt. Schwer zu verstehen ist, daß Krieg trotz des unermeßlichen Leides und Schadens als "Vater aller Dinge" (Heraklit), "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" (Clausewitz) und sogar als " Element der von Gott eingesetzten Ordnung" (Chr. v. Moltke) beurteilt worden ist. Im Marxismus gilt der Krieg als gesetzmäßige Erscheinung in einer Massengesellschaft, solange die Produktionsmittel nur wenigen gehören. Faktisch wird weithin nach dem alten Rezept verfahren: "Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg" - obwohl das angesichts der Wirkung moderner Waffen zum Weltselbstmord führen kann.
Das Volk Israel fühlte sich beim Kampf um ein eigenes Land von seinem Gott Jahwe unterstützt, lernte diesen aber immer mehr als den "Gott des Friedens" kennen (Jesaja 9,5-6).
Für Christen ist klar: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!" (Weltrat der Kirchen, 1948). Schon gar nicht läßt sich der Glaube mit Gewalt verteidigen oder durchsetzen.
In der Praxis sah die Mehrzahl der Christen aber keinen anderen Weg, als Kriege zu billigen und sich daran zu beteiligen, sei es im Gehorsam und Vertrauen gegen ihre Regierung, mit schlechtem Gewissen oder aus Solidarität mit ihrem Volk zur Verteidigung eines Lebens in Freiheit und Selbstbestimmung.
Zunehmend wird aber auch radikale Ablehnung jeder Art von Krieg, Kriegsdienstverweigerung, Boykott kriegführender Staaten und die Forderung nach wissenschaftlicher Erforschung von Kriegsursachen aus dem christlichen Glauben begründet. Die Erkenntnis, daß Kriege nie Probleme lösen, sondern nur neue schaffen, führte dazu, daß viele den Frieden "ohne Waffen" schaffen wollen. Kriegsvorbereitung durch Rüstung vernichtet heute durch ihre Kosten mehr Leben als früher jahrelange Kriege (Industriestaaten rüsten mit ca. 1000 Milliarden jährlich, bringen aber weniger als 100 Milliarden an Entwicklungshilfe auf).
Nach Artikel 4,3 des Grundgesetzes hat in der Bundesrepublik Deutschland jeder Wehrpflichtige das Recht, unter Berufung auf sein Gewissen den Kriegsdienst mit der Waffe und damit auch den Wehrdienst zu verweigern. Umstritten war von Anfang an das Verfahren: Entweder sollten Prüfungskommissionen feststellen, ob es sich wirklich um eine Gewissensentscheidung handelt (wobei nur grundsätzlicher religiöser oder humaner Pazifismus anerkannt wurde). Oder eine Verlängerung des Ersatzdienstes sollte verhindern, daß Wehrdienst verweigert wird, weil er die persönliche Freiheit mehr einschränkt und z.T. als härter empfunden wird als die im Zivildienst verlangte Arbeit.
Daran, daß nur der Wehrdienstverweigerer seine Haltung begründen muß, ist zu erkennen, daß Staat und Gesellschaft darin die Ausnahme und in der Ableistung der Wehrpflicht die Regel sehen.
Bei der Entscheidung gegen oder für den Wehrdienst werden u.a. folgende Begründungen angeführt:
sein, daß unser Friedenswille ernst gemeint ist.
Das Problem wird zwar in Familien, Schulen und in der Jugendarbeit besprochen, und die Kirchen bieten Beratung und Beistand in den Verhandlungen an. Aber die Widersprüche werden dadurch nicht aufgehoben. Wenn auch die evangelischen Kirchen neuerdings zunehmend die Friedensbewegungen unterstützen, so fordern sie andererseits doch, daß der Dienst des Soldaten ebenso als Friedensdienst anzuerkennen sei. Durch die Einrichtung von Ersatzdienststellen versuchen sie nicht nur, billige Arbeitskräfte zu bekommen, sondern mit dazu beizutragen, daß der Zivildienst ein Friedensdienst sein kann (Diakonie).
Viel hängt davon ab, ob und wie die nicht wehrpflichtigen Bürger und Christen dieses Problem verstehen und mitbedenken. Wer die Bundeswehr noch als "Schule der Nation" und Kriegsdienstverweigerer als "Drückeberger" ansieht, wird kaum dazu beitragen können, daß die gegensätzlichen Wege das gemeinsame Ziel erreichen.
Die genaue Prüfung eines Sachverhaltes nach bestimmten Kriterien (d.h. Unterscheidungsmerkmalen oder Bewertungsmaßstäben) ist als notwendiges Mittel des Erkenntnisfortschritts allgemein anerkannt, insbesondere in der Wissenschaft. Kritik ist nach dem Wortsinn genaue Prüfung und Unterscheidung, Beurteilen und nicht Verurteilen.
Voraussetzungen für Kritik sind Abstand, Unabhängigkeit und abwägendes Denken. Ihr Ergebnis kann Anerkennung oder Ablehnung, aber einfach auch ein besseres Verständnis sein. Im Sprachgebrauch und deshalb wohl auch in der Praxis überwiegt die negative Kritik (als Verurteilen). Es ist sehr schwer, so zu kritisieren, daß es nicht (nur) verletzt, sondern weiterhilft. Ebenso schwer ist es, Kritik anzunehmen, selbst dann, wenn man sie für berechtigt hält.
Da jeder mehr oder weniger Kritik übt und kritisiert wird, muß der Umgang mit Kritik gelernt werden.
Auch Christen versuchen, eine ihrem Glauben entsprechende Einstellung zur Kritik zu finden und danach zu handeln. Einerseits sollen sie andere nicht verurteilen (Matthäus 7,1), andererseits kann ihnen aber der Zustand dieser Welt auch nicht gleichgültig sein.
Nach Paulus ist die Fähigkeit zur "Unterscheidung der Geister" eine besondere "Gnaden- (bzw. Geistes-)Gabe" (1. Korinther 12,10. Charisma). Im Bewußtsein dessen, daß wir alle von Gott beurteilt werden, sind Christen mit Kritik vorsichtig (Römer 14,4) und lassen sich selbst durch die Kritik anderer nicht total in Frage stellen (1. Korinther 4,3). Kritik ist für sie kein Mittel zur Abgrenzung und Unterscheidung von anderen (Römer 14,1f.). Sie fragen sich immer wieder, mit welcher Absicht und mit welcher Wirkung sie kritisiert haben. Kriterium für alle Kritik kann letztlich nur der Maßstab der Liebe sein. Für lieblose Kritik soll und kann ein Christ um Vergebung bitten.
Mit dem Wort (von lateinisch crucifixus = der ans Kreuz Geheftete) wird eine plastische oder gemalte Darstellung des gekreuzigten Christus bezeichnet. Kreuze mit dem Körper des sterbenden oder toten Jesus kommen erst nach dem Jahr 1000 auf. Im romanischen Stil wurde der Gekreuzigte als der königliche Sieger dargestellt, seit dem 13. Jahrhundert als Leidender.
In der reformierten Kirche gibt es wegen des Bilderverbotes überwiegend Kreuze ohne Körper.