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Mit Ausnahme des Buddhismus haben alle Religionen mehr oder weniger ausgeprägte Vorstellungen von einem Jenseits. Sie reichen von einer Fortsetzung irdischer Verhältnisse über deren Steigerung in Gegensätze (gut und böse) bis hin zu sehr allgemeinen oder hauptsächlich von Verneinung bestimmten Gedanken (z. B. kein Leid, kein Leib, keine Zeit, kein Raum, keine Geschlechteraufteilung).
Das Jenseits wird als Ort Gottes bzw. der Götter, der Toten oder als Strafort gedacht (Hölle, Fegefeuer) . Die Veranschaulichung entspricht der jeweiligen Kultur (im Koran wird z. B. das Paradies als herrlicher kühler Garten geschildert).
Heute ist mit dem Wort Jenseits im religiösen Bereich wohl hauptsächlich zweierlei gemeint:
Praktisch wirkt sich ein Glaube an das Jenseits so aus, daß mit einer ausgleichenden Gerechtigkeit und überhaupt mit einer größeren Wirklichkeit gerechnet wird als nur mit dem, was ich erlebe.
Die vergleichbaren Inhalte des christlichen Glaubens trifft das Wort Jenseits eigentlich nicht, weil Gott dem Menschen in Christus mitten im Leben begegnet ("Das Reich Gottes ist schon jetzt mitten unter euch", Lukas 17,21). Die Auferstehung der Toten wird als Teil der Vollendung dieser Welt geglaubt, die jetzt schon angefangen hat.
Jesus von Nazareth ist Grundlage, Mitte und Kraft des christlichen Glaubens. Seine Bedeutung soll hier von zwei Seiten her dargestellt werden: Einmal von der menschlichen bzw. geschichtlichen Seite her
(Jesus) und zum anderen aus der Sicht des Glaubens (Christus).
Im Vollzug des Glaubens sind beide Betrachtungsweisen miteinander verbunden.
Jesus: Der Name bedeutet im Hebräischen Gott hilft.
Über Jesus von Nazareth wissen wir hauptsächlich durch die vier Evangelien in der Bibel; einige außerchristliche Geschichtsschreiber seiner Zeit erwähnen ihn nur kurz.
Die in den Evangelien gesammelten Worte und Taten Jesu sind keine in allen Punkten genaue Biographie, sondern wollen vielmehr die einzigartige Bedeutung und Wirkung dieses Mannes hervorheben, wie sie der Glaube seiner Anhänger nach seinem Tod in den Erscheinungen des Auferstandenen erkannt hatte.
Als historisch gesichert gelten kann u.a. mindestens das: Jesus ist einige Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung geboren und in Nazareth aufgewachsen. Im Alter von etwa 30 Jahren ließ er sich von Johannes dem Täufer taufen, predigte in vielen Orten Palästinas vom Kommen des Gottesreiches, heilte Kranke und sammelte Anhänger um sich. Einige Juden hofften, er würde als der langerwartete Messias das Volk von der römischen Besatzungsmacht befreien; aber Jesus verstand seine Sendung anders.
Nach etwa ein bis zwei Jahren öffentlicher Wirksamkeit wurde er in Jerusalem wegen Gotteslästerung und Aufruhr angeklagt und gekreuzigt.
Das Besondere an Jesu Lehre und Handeln war, daß er zur Umkehr und zum Umdenken aufrief (Tut Buße! Verlaßt euch nicht auf Geld, Besitz und Frömmigkeit! Richtet nicht! Liebt auch eure Feinde!).
Mit besonderer Vollmacht und eindringlichen Vergleichen brachte er seinen Zuhörern Gottes Liebe und Vergebung nahe. Vor allem wandte er sich an die Armen, Schwachen und Verachteten. Selig nannte er die Armen, Trauernden, Gewaltlosen, Barmherzigen, die Friedensstifter und die nach Gerechtigkeit Hungernden. Er forderte, religiöse und gesetzliche Vorschriften nicht nur buchstabengetreu und in alter Gewohnheit, sondern nach ihrem Sinn zu erfüllen, d.h. im Blick auf Gott und die Mitmenschen; vor allem deswegen geriet er in Konflikt mit den Theologen und Priestern seines Volkes. Er hat die von ihm vertretene gute Botschaft mit seinem Leben bezahlt.
Christus: Das aus dem Hebräischen in die griechische Sprache übertragene Wort bedeutet der Gesalbte, d.h. der als "Messias" von den Juden erwartete und von Gott gesandte Retter und Herrscher.
Als Zusatz zum Namen des Menschen Jesus von Nazareth ist es nicht nur ein Titel oder eine Wertung (wie z.B. Karl der Große), sondern ein Glaubensbekenntnis: Jesus ist der Christus! Andere Aussagen dieser Art sind im Neuen Testament und bei den ersten Christen Heiland, Gottes Sohn
(so z.B. der römische Hauptmann vor dem Kreuz, Markus 15,39), König und besonders oft Herr (ein Wort, das sonst nur für Gott gebraucht wurde). Thomas nennt Jesus im Johannesevangelium sogar "Mein Herr und mein Gott" (20,28).
Von besonderer Bedeutung für diese Glaubensbekenntnisse sind der Tod und die Auferstehung Jesu, durch die er eigentlich erst zum Christus wurde (Kreuz).
Im apostolischen Glaubensbekenntnis wird von ihm ausgesagt, daß er der einzige ist, der Gott wirklich vertritt ("eingeborener Sohn"); durch ihn wird alles anders bewertet und verändert ("hinabgestiegen in das Reich des Todes"). Er ist jetzt Gott gleichgesetzt (Himmelfahrt).
Der Glaube erwartet sich von ihm in Zukunft noch mehr ("... er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten " ) .
Später wurden in der Kirche auch ausführliche Lehren über Jesus entwickelt. Ein Konzil in Chalcedon definierte (451) Christus als "wahrer Gott und wahrer Mensch". Anselm von Canterbury (um 1100) betonte sein stellvertretendes Opfer, das bei Gott Versöhnung, Erlösung und Vergebung ermöglicht und bewirkt.
Neben diesen und anderen verbreiteten allgemeinkirchlichen Aussagen darüber, wer Jesus für den Glauben ist, gibt es eine Vielzahl von "Bekenntnissen", die auf ihre Art eine Antwort geben auf die Frage, die Jesus selbst gestellt hat: "Für wen halten mich eigentlich die Leute?" (Lukas 9,18). Auf Bildern wird Jesus oft als Lehrer, Helfer oder Weltenrichter gemalt. In neuerer Zeit haben ihn Theologen als "Stellvertreter", "Zeuge des Glaubens" und "Mensch für andere" bezeichnet; in einem Glaubensbuch aus der DDR ("Aufschlüsse") wird er "Bruder" und "Mitmensch" genannt. Das kann Angebot, aber auch Herausforderung sein zu fragen, darüber nachzudenken und selbst zu sagen, wer Jesus für mich, für uns und für andere ist.
Christen sind nach ihrem Glauben dazu aufgerufen, Zeugen der ihnen anvertrauten Wahrheit Gottes zu sein; dies gilt auch gegenüber den Juden. Andererseits gründet sich der christliche Glaube in weiten Teilen auf den jüdischen, sodaß Christen auf das Zeugnis der Juden angewiesen sind. Abgesehen davon, daß sich das Verständnis von Mission insgesamt geändert hat, herrscht nach jahrhundertelangen Judenverfolgungen in der evangelischen Kirche die Meinung vor, daß das Verhältnis von Christen zu Juden heute nicht mehr von der Absicht bestimmt sein kann, diese für den eigenen Glauben und die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche zu gewinnen. Vielmehr soll versucht werden, den begonnenen Dialog fortzusetzen und den Glauben der heutigen Juden besser zu verstehen. Daraus ergibt sich viel Anlaß, das eigene Glaubensverständnis zu klären, zu entfalten oder zu verändern. Die Anerkennung der besonderen Berufung der Juden steht dazu nicht im Widerspruch.
Christen werden solche Gespräche stets mit der Hoffnung und dem Gebet führen, daß daraus ein "Dreiergespräch" entsteht, bei dem der eigentlich Sprechende der lebendige Herr ist.
Außerdem sind Christen gerade in ihren Beziehungen zu Juden daran zu erinnern, daß in jeder Begegnung und im Miteinanderleben Zeugnis enthalten ist. Deshalb läßt sich die Wahrheit des christlichen Glaubens gegenüber Juden am besten so darstellen, daß Christen - nach allem, was vorgefallen ist -versuchen, danach zu leben. (Heute leben etwa 30 000 Juden in der Bundesrepublik.)
Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren oder zum jüdischen Glauben übergetreten ist (letzteres geschieht durch Tauchbad und bei Männern durch die Beschneidung).
Da es Juden in vielen Völkern, Staaten und Rassen gibt und auch der nicht an Gott glaubende gebürtige Jude oder der Bürger des Staates Israel Jude genannt wird, ist der Name heute nicht mehr klar begrenzt.
Die jüdische Religion hat ihren Grund in der Geschichte des Volkes Israel. Nach der mündlichen und schriftlichen Überlieferung wurde das jüdische Volk schon im 2. Jahrtausend vor Christus von Gott (Jahwe) auserwählt, um nach einem Bundesschluß mit ihm unter seinem Schutz und nach seinem Gesetz zu leben. Auch das von den 12 jüdischen Stämmen etwa 1250 v.Chr. besetzte Land Kanaan (= Palästina) wurde als eine Gabe Gottes angesehen. Die Erinnerung an diese Geschichte hat für die Juden eine ähnliche Bedeutung wie für Christen das Glaubensbekenntnis (z.B. 5. Mose 26,4-9).
Im Judentum geht es weniger um die Zustimmung zu Glaubenssätzen (Glauben an etwas), sondern um das Tun der göttlichen Weisungen.
Diese sind in den 5 Büchern Mose aufgeschrieben. Sie enthalten neben den Zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe (3. Mose 19,18) zahlreiche
Reinheits-, Fasten-, Opfer- und Moralvorschriften. Ihre Beachtung wird von den Juden nicht als Last, sondern als Vorzug aufgefaßt. Auch nach der Zerstörung des Tempels und der Vertreibung aus Palästina hat es ihnen geholfen, ihren Glauben und ihre Zusammengehörigkeit zu bewahren.
In der ganzen Welt versammeln sich heute etwa 15 Millionen Juden zu
Gottesdiensten in Synagogen, um Gott zu loben und das Gesetz zu betrachten, das durch zahlreiche anerkannte Schriften (wie Talmud und Mischna) erklärt wird. Mit ihren Festen feiern sie die Taten Gottes in ihrer Geschichte (Neujahrsfest, Versöhnungstag, Laubhüttenfest, Passah, Wochenfest, Purim u.a.).
Da die Juden Jesus nicht als den Messias anerkennen, warten sie immer noch auf einen Heil- und Friedensbringer, der auch die jüdische Gemeinschaft wieder voll herstellen soll.
Christen stehen heute vor der Aufgabe, ein neues Verhältnis zum Judentum zu gewinnen. Durch ihre Verurteilung der Juden als Hauptschuldige am Tod Jesu und durch eine vorurteilshafte Abwertung jüdischer Frömmigkeit (z.B. die der Pharisäer), vor allem aber durch Betreiben oder Dulden von Judenverfolgung sind Christen und Kirche an den Juden zutiefst schuldig geworden. Ein offenes Gespräch läßt nicht nur die Unterschiede sondern die tiefe Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum erkennen. Aus einem vorurteilsfreien Verständnis des Judentums kann sich für Christen eine Vertiefung und Veränderung des eigenen Glaubens ergeben.
Seit es Juden gibt, vor allem aber seit Entstehung und im Bereich des Christentums, hat der Antisemitismus oftmals seinen Ausdruck in grausamen und planmäßigen Judenverfolgungen gefunden. (Es gab allerdings auch Länder und Zeiten, in denen die Juden anerkannte Mitbürger waren.)
In Europa kam es seit der Zeit der Kreuzzüge (seit 1096) und später bei Seuchen, schlechten Zeiten und unter anderen Vorwänden in vielen Ländern immer wieder zu sozialen und rechtlichen Benachteiligungen (z.B. hohe Steuern, besonderes Erkennungszeichen, Berufsverbote, unterdrückende Ordnungen, Gettos, Ausweisung) und zur Ermordung von Juden.
In Deutschland wurden Juden erst 1871 anderen Bürgern gesetzlich gleichgestellt.
Weil die Nationalsozialisten auf Hitlers Befehl den Versuch machten, alle Juden in ihrem Machtbereich umzubringen, verwendet man dafür auch das Wort "Holocaust" (von griechisch: alles verbrannt; Ganzopfer. Es wurde in Deutschland Anfang 1979 durch die gleichnamige Fernsehserie bekannt). Ein Drittel des jüdischen Volkes (= ca. 6 Millionen) wurde damals auf grausame Weise aufgrund wahnhafter Ideen getötet: Männer, Frauen, Alte, Kinder (Auschwitz).
Christen haben nach dem Krieg 1945 das Bekenntnis ausgesprochen: Wir alle haben daran mitgewirkt, und sei es nur durch Zuschauen, Wegschauen, Mitlaufen oder Nichtwissen(wollen).
Auch heute ist die Gefahr offener oder verdeckter Judenverfolgung noch keineswegs ausgeschlossen.
Sieht man die Pubertät als Abschluß der Kindheit und Berufstätigkeit bzw. Heirat und Familiengründung als Beginn der Erwachsenenrolle an, so umfaßt Jugend etwa die Zeit zwischen 13-25. In dieser Zeit entwickelt der junge Mensch seine Persönlichkeit (Identität), löst sich vom Elternhaus und sucht seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Jugend ist nicht nur das, was sich ihr an äußeren Möglichkeiten bietet (in dieser Hinsicht hat die junge Generation mehr Auswahl als früher); kennzeichnend sind vielmehr das Selbstgefühl und die Einschätzung vonseiten der Erwachsenen.
"Die Jugend" gibt es nicht. Deshalb ist vor Typisierungen wie "skeptische", "unbefangene", "übertriebene" oder "schlaffe" Generation zu warnen. Aber Befragungen und Untersuchungen erlauben es, über den Einzelfall hinaus Gemeinsamkeiten und Auffallendes festzustellen und die eigene Einstellung zu überprüfen.
Im Unterschied zu früheren Zeiten herrscht bei heutigen Jugendlichen Pessimismus hinsichtlich der Zukunftsaussichten vor (z.B. was die Umweltzerstörung durch Technik und Chemie betrifft, die 76% der 18- bis 24jährigen 1981 befürchten).
88% akzeptieren das demokratische System, jedoch sind 85% nur etwas, kaum oder überhaupt nicht politisch interessiert.
Die Familie ist zwar nach wie vor von großer Bedeutung; aber geprägt werden Jugendliche zunehmend von der Gleichaltrigengruppe und von der weiteren Umwelt.
Der größte Teil neigt immer noch zu herkömmlichen Lebensentwürfen mit früher Heirat, Kindern und beruflichem Erfolg. Aber gegenkulturelle Vorstellungen (vom "alternativen Leben") gewinnen zunehmend an Einfluß, auch wenn die Zahl der "Aussteiger" relativ gering ist und Extreme kaum ins Gewicht fallen. 21% wollen nicht das Erbe ihrer Eltern übernehmen (z.B. Betrieb, Hof, Praxis). Immerhin 13% geben an, nie heiraten zu wollen, 7 % wollen nicht Vater oder Mutter werden. Arbeit zu finden ist ihnen zwar wichtig, aber sie sehen darin mehr Entfremdung als Lebensinhalt: In Schule und Beruf klagen sie über zu starken Leistungsdruck.
Ihr religiöses Interesse richtet sich weniger auf die Kirche als auf andere Formen von Sinnfindung.
Im Freizeitbereich gibt es einen Trend zu Unterhaltung und Zerstreuung. Das Hören von Musik ist bei weitem die wichtigste Freizeitbeschäftigung (75% geben es als ihr Hobby an). Manche sehen das schon zusammen mit Kleidung, Umgangsformen, Sprache usw. als eine eigene Jugendkultur in unserer Gesellschaft an (Subkultur).
Andererseits hat die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt bei Jugendlichen unter 17 vorgelegten Interessengebieten den ersten Rangplatz. 57% sind bereit, sich für eine gute Sache einzusetzen, und es gibt allein in der Jugendarbeit über 250 000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Wenn sie auch nicht mehr so für Ideale zu begeistern sind wie früher, so sind Jugendliche heute wohl weitaus weniger an materiellen Werten orientiert als Erwachsene. Die Jugend ist heute mehr als früher anfällig für (Wohlstands-?) Kriminalität und Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit und mehr als Erwachsene bedroht von Arbeitslosigkeit. Sie hat ein hohes Maß von Mitgefühl mit Schwächeren, Benachteiligten und sozialen Randgruppen.
Erwachsene erkennen zunehmend, daß es ihr eigenes Verhalten und ihre Probleme, Ängste und Schwächen sind, die zu Schwierigkeiten im Umgang mit Jugendlichen führen.
Belastet wird das Verhältnis zwischen den Generationen durch Angst, Aggression und Gewalt. Es steht immer wieder auf der Kippe zwischen zunehmender Distanz (Macht doch, was ihr wollt! Ihr werdet schon sehen, wie ihr ohne uns auskommt!) und gegenseitigem Annehmen auch in Konflikten.
Sicher ist eins: Die Erwachsenen sind verantwortlich für die künftigen Lebensbedingungen der Jugend, und diese wiederum wird es sein für diejenigen der Alten. Aber nicht nur deshalb sind sie schon in der Gegenwart aufeinander angewiesen.
Die evangelische Jugendarbeit hat zwei Wurzeln:
1. die im 19. Jahrhundert beginnende soziale Hilfe für junge Männer und Frauen, die als Lehrlinge, Arbeiter(innen) oder (Haus-)Angestellte allein in der Stadt lebten (Jünglings- und Jungfrauenvereine, Wärmestuben, Beratung),
2. die "Jugendbewegung", in der sich ein Teil der Jugend um die Jahrhundertwende zusammenschloß und gegenüber Gesellschaft und Kirche eigene Werte und Ziele anstrebte.
Bald nach der Machtergreifung Hitlers wurden alle bis dahin entstandenen Verbände aufgelöst. Jugendarbeit war nur noch innerhalb der Kirche möglich. Nach 1945 entwickelte sich eine große Vielfalt von Arbeitsformen und Verbänden evangelischer Jugendarbeit: Kinder- und Jugendgruppen für verschiedene Altersstufen und Interessen, offene Arbeit in Jugendheimen und Freizeiten.
Die Landeskirchen fördern die Jugendarbeit in den Gemeinden und Kirchen kreisen durch (Landes-)Jugendpfarrer und andere hauptamtliche Mitarbeiter sowie durch Zuschüsse. Selbständig arbeiten Verbände wie der Christliche Verein Junger Männer (bzw. Menschen, wenn auch Mädchen aufgenommen werden. Abkürzung CVJM bzw. international YMCA/YWCA), die Evangelische Schülerarbeit, die Mädchenbibelkreise (MBK) und die christlichen Pfadfinder (innen) sowie viele freie missionarische Gruppen (z.B. EC-Jugendbünde für Entschiedenes Christentum). Spezielle Angebote und Akzente sind darin die theologisch-missionarische Arbeit, internationale, ökumenische und Ost-West-Kontakte, musisch-kulturelle und gesellschaftspolitische Bildung (insbesondere Entwicklungspolitik), freiwillige soziale Dienste, Aktionen und Projekte. Der Zusammenschluß all dieser Arbeitsformen und Verbände ist die "Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin West" (AEJ). Auch Kindergottesdienst, Chöre, Musikgruppen und Konfirmandenunterricht können heute zur Jugendarbeit gerechnet werden. An evangelischer Jugendarbeit beteiligen sich (außer den Kindern) etwa 20% der konfirmierten Jugend. Staatliche Zuschüsse zeigen, daß sie als notwendige gesellschaftliche Bildungs- und Sozialarbeit anerkannt ist.
Kennzeichnend für Jugendarbeit ist (in Ergänzung und im Unterschied zur Schule und Familie) die Freiwilligkeit, weitgehende Selbstbestimmung und Altersgleichheit.
Für die Kirche ist Jugendarbeit Dienst an der Jugend und gemeinschaftliche Aktivität junger Menschen in der Kirche und Gemeinde. Junge Menschen haben (und schaffen sich!) in der Jugendarbeit Raum und Freiheit für Begegnung, Gemeinschaft, Verarbeitung von Problemen und Nöten dieser Altersstufen, Freizeitgestaltung, Erlebnisse und Glaubenserfahrung. In der Kirche wächst die Bereitschaft, Jugend mit ihren Fragen und Beiträgen zum Verständnis und zur Praxis des Lebens und des christlichen Glaubens als Partner und Teil der Gemeinde anzunehmen. Es hat sich gezeigt, daß von der Jugend und Jugendarbeit erneuernde Impulse für die kirchliche Arbeit ausgehen, z. B. während der Kirchentage, bei der Gottesdienstgestaltung und für das Verständnis von christlicher Lehre und Moral.
Evangelische Jugendarbeit ist der kirchliche Arbeitszweig mit den meisten ehrenamtlichen (überwiegend jugendlichen) Mitarbeitern (z.Z. etwa 80000 in der Bundesrepublik). Um die Arbeit leisten zu können und dabei selbst einen Gewinn für ihre Entwicklung zu haben, brauchen sie qualifizierte Begleitung und Fortbildung, vor allem aber Verständnis bei den auftretenden Schwierigkeiten und Konflikten.
Mit diesem Wort werden religiöse Organisationen bezeichnet, die nach 1950 entstanden bzw. etwa seit 1970 in Europa aufgetreten sind und deren Mission besonders Jugendliche und junge Erwachsene anspricht. Sie werden auch "asiatische religiöse Gruppen", ("destruktive") "Neureligionen" und "Jugendsekten" genannt. Das zeigt, daß es im Grunde keinen wirklich treffenden Sammelnamen dafür gibt.
Die bekanntesten dieser Gruppen sind:
(= großer Weiser). 1976 ca. 1 Million Anhänger.
Trotz großer Verschiedenheit zwischen diesen Gruppen gibt es folgende Gemeinsamkeiten:
Die Lehren und Lebensformen dieser in Europa neu aufgetretenen Religionen sprechen Menschen und insbesondere Jugendliche an, denen Geborgenheit, Selbstbewußtsein, verbindliche Zielsetzung und Vorbilder fehlen. Sie erscheinen vielen als Alternative zu dem leistungs- und konsumorientierten Leben oder als Ausweg aus den Schwierigkeiten, die sie in Familie, Schule, Studium, Beruf und Partnerschaft haben. Als Grund für den Eintritt in eine neue religiöse Gemeinschaft wird am häufigsten genannt, daß der bisherige Glaube zu wenig überzeugend gewesen sei. Die meisten Jugendlichen kommen in solche Gruppen, weil ihr Gefühl davon stark angesprochen wird. Oft geraten sie darin in eine schwer zu lösende Abhängigkeit und können sich nach einem Verlassen dieser Gemeinschaft nur mit Hilfe anderer wieder zurechtfinden. Die dabei bleiben, sagen, daß sie in der neuen Religion glücklich sind, ihre Lebenskrise bewältigt und eine sinnvolle Aufgabe gefunden haben.
Folgende Einstellungen zu den Jugendreligionen sind anzutreffen:
1. Radikale Ablehnung und Bekämpfung durch Information, Beratung und soziale Hilfe (u.a. durch das Bundesministerium für Jugend und Familie, Elternvereinigungen und Beauftragte der evangelischen Kirchen für Sekten und Weltanschauungsfragen).
2. Teilweise Anerkennung und Annahme der Herausforderung, die in den Jugendreligionen liegt. Christen suchen dann die Ursachen für den "Erfolg" der Jugendreligionen bei sich selbst und ihrer eigenen Kirche: Dort gibt es kaum eine enge und herzliche Gemeinschaft (wie sie eigentlich für christliche Gemeinden nach Römer 12,10 typisch sein sollte); der Glaube wird nicht als persönliche Beziehung zu Jesus erlebt, und die meditative Betrachtung kommt viel zu kurz. So sehen manche Christen selbstkritisch in den asiatischen Religionen, was ihrer eigenen Kirche fehlt: "Tiefe, Schwung, Empfindung, Spiritualität. Wir sind in unserer Religion ohne Vision, ohne Traum, ohne Gebetskultur, ohne Meditation, ohne Fasten, ohne Buße, ohne Wunder, ohne Heilung, ohne Umkehrruf, ohne Verheißung und Enderwartung, ohne tägliche religiöse Praxis und ohne religiösen Tiefgang."
Bei so gegensätzlichen Bewertungen ist es für den einzelnen schwer, angemessen auf das Auftreten von Vertretern dieser religiösen Gruppen zu reagieren. Sie sollten auf keinen Fall nur als exotische Minderheiten eingeschätzt werden. Vorurteile, Angst und Selbstgerechtigkeit stehen einem zutreffenden Verständnis entgegen. Christen müssen sich neu um ihr eigenes Glaubensverständnis und -leben bemühen, um auf die Herausforderung der Jugendreligionen mit Wort und Tat antworten zu können.
Ähnlich wie das Christentum an die Stelle heidnischer Feste eigene setzte (z.B. Weihnachten), so führten freireligiöse Gemeinden im 19. Jahrhundert als Gegenstück zur Konfirmation die Jugendweihe ein. Bei der Feier werden die jugendlichen Teilnehmer auf die geistigen Ziele der Gemeinschaft verpflichtet. Auch von den Nationalsozialisten wurde die Jugendweihe gefördert.
In der früheren Deutschen Demokratischen Republik war die Jugendweihe seit 1955 ein Festakt, mit dem Jugendliche (meist beim Verlassen der Schule) in das aktive gesellschaftliche Leben aufgenommen werden sollen. Die Vorbereitung darauf geschah in Jugendstunden, durch Besichtigungen und andere Veranstaltungen, an deren Organisation Partei, staatliche Organe, Schule, Betriebe und die Freie Deutsche Jugend (FDJ) beteiligt waren. Die Teilnahme war offiziell freiwillig, und es sollten alle jungen Menschen ungeachtet ihrer Weltanschauung teilnehmen; aber wer sich weigerte, hatte eben doch Nachteile im weiteren Fortkommen. Das Gelöbnis enthielt neben dem Bekenntnis zum Sozialismus auch die Verpflichtung zu Bildung, Kameradschaftlichkeit, Vaterlandsliebe, Freundschaft mit der UdSSR und zur Verteidigung des Friedens und des Sozialismus.
Weil sie darin einen Gegensatz zum christlichen Glauben sahen, erklärten die evangelische und katholische Kirche die Jugendweihe als unvereinbar mit der Teilnahme an der Konfirmation und Firmung. Dadurch wurden viele Jugendliche und deren Verwandte in große Gewissensnot, aber auch vielfach zu klaren Entscheidungen gebracht.
Seit den 70er Jahren wurde es für junge Christen üblich, mit etwa einem Jahr Abstand nach der Jugendweihe auch zur Konfirmation zu gehen.
Durch die Behauptung einer Geburt ohne die Zeugung durch einen Mann wurde im Altertum die Besonderheit eines Menschen herausgestellt, so z.B. bei den ägyptischen Pharaonen, Augustus, Laotse und Buddha.
Bei Matthäus und Lukas findet in diesem volkstümlichen Bild der urchristliche Glaube Ausdruck und Ausgestaltung, daß Jesus nicht als ein Produkt seiner Umwelt zu verstehen ist, sondern in seinem ganzen Wesen und Wirken aus dem Willen und der Liebe Gottes lebt und deshalb Gottes Sohn genannt wird. ("Und sie erstaunten und sagten: Woher hat er diese Weisheit und Wunderkräfte? Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?" Matthäus 13,55).
Bei wörtlichem Verständnis gilt Josef als Adoptivvater Jesu. Wie wenig ein biologisches "Wunder" beweisen könnte, zeigt die Tatsache, daß der Koran zwar die Jungfrauengeburt anerkennt, nicht aber Jesus als Gottes Sohn (Sure 3,40f.). Das vom Heiligen Geist gegebene neue Verhältnis zu Gott ist (nach Johannes 1,12-13) allen Christen zugesagt: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind."
Jüngster Tag, Jüngstes Gericht
In vielen Religionen ist der Glaube verbreitet, daß der Welt von außen (durch Gott oder Götter) ein Ende gesetzt wird und damit ein Gericht verbunden ist, bei dem die Guten belohnt und die Schlechten bestraft werden (Himmel; Hölle). Im Alten Testament kündigten manche Propheten den "Tag des Herrn" als ganz nahe bevorstehend an, und auch Jesus hat wohl mit einem baldigen Weltende gerechnet. Die ersten Christen erwarteten dieses Ereignis als Wiederkunft Jesu, der dann selbst das Gericht halten wird. Obwohl dies so nicht geschah, blieb das Bewußtsein von einem möglichen plötzlichen Weltende bei vielen Christen lebendig.
Die katholische Kirche lehrt, daß der Mensch im Augenblick seines Todes schon vor Gott als seinem Richter steht. Da Raum und Zeit mit dem Tod aufgehoben sind, ist dies kein Widerspruch zu einem Gesamtgericht am Ende aller Zeiten.
Für heutige Christen kommt es auf den Kern dieser Vorstellungen an. Sie bedeuten für den Glauben folgendes:
Dieses Verständnis des "jüngsten" Gerichtes ist für den Christen keine Drohung, die ihn erst dazu nötigen müßte, sich richtig zu verhalten und besonders anzustrengen. Für ihn ist das alles durch seinen Glauben schon wirksam (vgl. Johannes 5,24: "Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen"). Trotzdem kann die Vorstellung von einem Jüngsten Tag und Jüngsten Gericht die Hoffnung auf die unbegrenzte Erfüllung dieses Glaubens stärken und zu einem verantwortlichen Leben helfen (Offenbarung 21,1f.).