Handauflegung

In vielen Religionen ist die Handauflegung eine symbolische Geste der Übertragung, z.B. von Segen, Geist, Heilkräften oder Vollmacht für ein Amt. Jesus legte Kranken die Hand auf, wenn er sie heilte, und Kindern, um sie zu segnen (Markus 6,5; Matthäus 19,15).

Heute wird die Handauflegung in den christlichen Kirchen noch bei der Taufe, Firmung, Konfirmation, Amtseinsetzung von Geistlichen, Trauung und Segnung von Kranken vollzogen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß Heil und Hilfe nicht nur durch Worte vermittelt werden. Christen sind darin in einer umfassenden Gemeinschaft verbunden, die ganz konkret spürbar wird.

Heil

Heil ist im religiösen Sinn die Vorstellung und Erwartung, daß das Leben ganz gut sein kann und wird: unversehrt, gesund, erfüllt und lebenswert in voller Gemeinschaft von Menschen mit Gott und untereinander. Das Heil wird also als das Reich Gottes auf Erden verstanden.

Für den Glauben kommt es nicht als fortschreitende Verbesserung äußerer Verhältnisse durch den Menschen, sondern nur von Gott selbst als Hilfe und Rettung, weil der Mensch nicht von allein zum Guten finden kann.

Naturgemäß ist die Sehnsucht nach Heil in Kriegen, bei Zerstörung und Sinnlosigkeit am größten; viele spüren sie aber auch im Wohlstand und im Erfolg.

Im zweiten Jesajabuch (Kapitel 40-55) wird das Heil nicht nur für das Volk Israel, sondern von einem Beauftragten Gottes für die ganze Welt erwartet (Messias). Der Name Jesus bedeutet "Gott ist Heil" oder "Gott hilft". In ihm ist für den christlichen Glauben das Heil da; voll wird es sich aber erst am Ende der Zeit zeigen.

Heiland

Das Wort bedeutet Heilbringer, also: Retter, Erlöser, der von Schuld, Sünde, Krankheit, Streit, Krieg, Angst, Tod und allem Übel befreit, das von Menschen nicht überwunden werden kann (altsächsisch heliand; Heil).

Die Erwartung eines Heilandes gibt es in vielen Religionen, z.B. Krischna (im Hinduismus), Apollo, Osiris. Auch in Königen und Kaisern wurden Heilbringer gesehen, etwa zur Zeit der Geburt Jesu in Kaiser Augustus. Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) hat in einem berühmten Gedicht vom Kommen eines Weltheilandes in der Geburt eines Kindes geschrieben. Noch heute nehmen manche Staatsmänner mehr oder weniger in Anspruch (oder es wird von ihnen erwartet), Heilbringer zu sein.

Im Alten Testament ist Gott Jahwe selbst (hauptsächlich für das Volk Israel) Heiland. Aber auch jüdische Könige und andere werden so genannt. Propheten wie Jesaja haben das Kommen eines Weltheilandes angekündigt. Diese Hoffnung wird im Neuen Testament in Jesus als erfüllt angesehen. Er wird u.a. in Geburtsgeschichten und (Johannes 4,42) von Nichtjuden Heiland genannt. Wenn er (wie im 2. Petrusbrief 1,1 f.) "Herr und Heiland" genannt wird, so zeigt das, daß ein Heilbringer auch Macht haben muß.

Der Glaube an Jesus als den nahen und helfenden Heiland kommt in vielen Gebeten und (vor allem: Weihnachts-) Liedern zum Ausdruck. Andere Züge seiner Person (z.B. der Ruf zur Umkehr) und die Bereitschaft, sich selbst und unverzüglich für praktische Veränderungen einzusetzen, müssen dadurch nicht in den Hintergrund treten.

Heilige, heilige Stätten

Heilig ist in den meisten Religionen, was in einer besonderen Beziehung zum Göttlichen steht und deshalb eine Verbindung dazu vermittelt. Es können dies Orte, Gebäude (z.B. ein Tempel), Sachen (die für den Gottesdienst gebraucht werden), Schriften (die Bibel; im Islam der Koran), Tiere und Personen sein (z. B. Priester; auch Johannes der Täufer wurde so genannt, Markus 6,20).

Die Absonderung des Heiligen vom Weltlichen entsprach der Bedeutung, die alle Religion für die Menschen hatte, und half wohl auch dazu, Ehrfurcht zu üben. Der Nachteil ist, daß das Weltliche gegenüber dem Heiligen abgewertet wird.

Für Jesus war das Heilige nicht mehr auf den Bereich des Tempels beschränkt (vgl. Johannes 4,19-26). Auch der Apostel Paulus schreibt, daß die Hingabe des ganzen Lebens eines Christen Gottesdienst und damit heilig sei (Römer 12,1- darin allerdings deutlich unterschieden von der "Welt", V.2). Im Neuen Testament werden Christen öfter Heilige genannt, weil sie von Gott geliebt und berufen sind (vgl. die Anfänge des Römer- und der Korintherbriefe).

Heilige sind nach dem Verständnis der katholischen Kirche Menschen, in deren Leben die Gnade Gottes so deutlich geworden ist, daß sie für andere Vorbild und Helfer sein können.

Eine Heiligsprechung setzt die Seligsprechung voraus und wird nach einem besonderen Verfahren durch den Papst vollzogen. Sie geschieht in der Annahme, daß dieser Mensch bereits zur ewigen Gemeinschaft mit Gott gelangt ist und deshalb für lebende und tote Menschen Fürbitte leisten kann.

Die Verehrung der Heiligen wird als nützlich empfohlen, ist aber für den Katholiken nicht Pflicht. Sie kann christlichen Glauben in einer anschaulichen und wirksamen Weise vermitteln und verstärken. Auch in dem protestantischen Augsburger Bekenntnis von 1530 wird "gelehrt, daß man der Heiligen gedenken soll, auf daß wir unseren Glauben stärken"; man soll sie aber nicht anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen. Denn Jesus Christus ist allein Vermittler zwischen Gott und Mensch.

Die unterschiedliche Bewertung und Verehrung von "Heiligen" ist heute in der Praxis kein trennender Unterschied mehr zwischen den christlichen Konfessionen.

Heiliger Geist

Es gehört zum Wesen Gottes, daß er nicht für sich bleibt, sondern in die Gemeinschaft mit Menschen eintritt. Das hat er in Jesus gezeigt. Christen haben den von Gott und Jesus Christus ausgehenden Geist als eine besondere Erscheinungs- und Wirkungsform Gottes erlebt und nennen ihn deshalb Heiligen Geist. Es ist der Geist, der zu Jesus und Gott hinführt. Luther im Kleinen Katechismus: "Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten, wie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt ..." (Auslegung zum 3. Artikel im Glaubensbekenntnis). Die anschaulichen Erzählungen der Bibel (Zeugung eines Kindes durch den Heiligen Geist, Matthäus 1,18, Brausen vom Himmel, Sprach- und Verstehenswunder an Pfingsten, Apostelgeschichte 2,1-4) heben mehr als die oft schwer verständlichen theologischen Lehren der Kirche die Wirkungen des Heiligen Geistes hervor. Er hilft,

(z.B. Ansage von Frieden, Gerechtigkeit als "Prophetie"),

heißt es deshalb in alten Gottesdienstformen),

"Beistand", Johannes 16,4f.).

Heilsarmee

Die von dem Methodistenprediger William Booth 1878 in London gegründete Organisation widmet sich der missionarischen Predigt und praktischen Hilfe für Gefährdete, Verwahrloste und Arme, insbesondere Drogen-, Nikotin- und Alkoholabhängige, Prostituierte, Obdachlose, Land- und Stadtstreicher, Straffällige und Arbeitslose in den Großstädten. Hierfür unterhält die Heilsarmee Heime für Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer und Alte. Ihre Haupteinsatzorte sind Straßen, Gaststätten und Vergnügungsviertel. Sie ist nach militärischem Muster aufgebaut (z.B. Kompanie, Korps, Division; Soldat, Major, General; Uniform; Zeitschrift "Der Kriegsruf") und heute in fast 100 Ländern der Erde vertreten.

Die meisten Inhalte des christlichen Glaubens gelten auch in der Heilsarmee; Taufe und Abendmahl werden für entbehrlich gehalten. Auch wer die Erscheinungsform der Heilsarmee etwas befremdend findet, könnte in folgenden Merkmalen Anregung und Herausforderung sehen:

Herr

Neben dem Gebrauch als Höflichkeitsanrede ist mit diesem Wort im Altertum ein Besitz- und Unterordnungsverhältnis gemeint, das dem so Bezeichneten die unumschränkte Verfügungsgewalt über Mensch, Tier und Sachen gab. Es wurde hauptsächlich für Kaiser und Gottheiten angewendet.

Im Alten Testament wird Gott Jahwe der einzige und damit oberste Herr genannt (5. Mose 6,4). Dem entspricht beim Menschen das Hören und Gehorchen, weil in Gott alles seinen Sinn und seine Ordnung hat (bei Hiob z.B. Glück und Leiden, 1,21).

Im Neuen Testament wird Jesus mit diesem höchsten Titel bezeichnet (Philipper 2, 9-11). Darin drückt sich der Glaube aus, daß Gott sich in Jesus trotz allem, was entgegensteht, durchsetzen wird: Leiden gegen Macht, Liebe gegen Feindschaft, Hoffnung und Auferstehung gegen den Tod. Die Wirkung der Herrschaft Gottes in Jesus ist nicht despotisch, sondern helfend und befreiend; bestimmend sind nicht Gewalt und Strafe, sondern Liebe und Einsicht (Matthäus 20,24-28). Daraus ergibt sich eine Infragestellung und letztlich Aufhebung aller menschlichen Herrschaft. Die Bezeichnung Herr wird insbesondere für den wiederkommenden Jesus verwendet (Wiederkunft).

Herrlichkeit

Mit diesem Begriff übersetzt Luther ein Wort, das im Alten Testament die spürbare und machtvolle Gegenwart Gottes bezeichnet. In manchen Erzählungen wird diese Ausstrahlung bildhaft mit Wolke, Feuer und Rauch beschrieben.

Im Neuen Testament meint das entsprechende Wort (doxa) mehr die Entfaltung der Majestät Gottes. Sie leuchtet in seinen Boten (Lukas 2,9) und erscheint in Christus ("Wir sahen seine Herrlichkeit", Johannes 1,14), vor allem auch in seiner Auferstehung. Die Gläubigen haben daran teil. Manche empfinden sie z.B. in einem schönen Gottesdienst oder wenn ihnen im Glauben etwas klar geworden ist. Wer durch den Glauben befreit wird von dem, was unser Leben einschränkt und zerstört, kann mit den Worten des Vaterunsers beten: "Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit."

Erst am Ende der Zeit wird sich die Herrlichkeit Gottes voll zeigen.

Himmel

Im Altertum wurde der Himmel nicht als unendlich, sondern als halbkugelförmige Begrenzung der Welt angesehen, an der die Sterne befestigt waren und Schleusen von außen den Regen durchließen. So konnte innen die Erde und das Leben darauf als Ganzes empfunden werden. Die im Himmel wohnenden Geister und Götter gehörten dazu.

Nach dem Alten Testament ist der Himmel Teil der Schöpfung Gottes. Himmel und Erde (bzw. Hölle) entsprechen auch hier den gedanklichen Gegensätzen Gott und Mensch, oben und unten, ewig und vergänglich, mächtig und schwach, gut und böse. Jesus hat mit seinen bildhaften Vergleichen vom Himmelreich (= Reich Gottes) gezeigt, daß das Wort Himmel nicht räumlich gemeint ist. Der Himmel ist für ihn nicht mehr das unerreichbare Jenseits, sondern offen (Johannes 1,51). Allen, die an ihn glauben, ist der Himmel Ziel und Heimat geworden (Philipper 3,20).

Leider gibt es im Unterschied zur englischen Sprache (mit sky und heaven) im Deutschen nur ein und dasselbe Wort für den sichtbaren natürlichen Himmel und für die größere, umfassende Wirklichkeit, in der Gott ist und sein Wille herrscht - also für den Himmel des Glaubens. Recht verstanden kann jedenfalls das, was wir an wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Weltall haben, dem religiösen Gebrauch des Wortes Himmel nicht abträglich sein.

Himmelfahrt

Der in der Apostelgeschichte 1,4-11 (und Lukas 24,51) entsprechend damaligem Denken anschaulich als Auffahrt in den Himmel geschilderte Abschied Jesu von seinen Jüngern darf nicht als Raumfahrt verstanden werden. Vielmehr ist damit das gleiche gemeint, was an anderen Stellen des Neuen Testamentes mit " Erhöhung" bezeichnet wird: Sein Sterben am Kreuz ist vor Gott kein Scheitern, sondern Opfer für alle und Überwindung des Todes. Er zeigt sich darin als Gottes Sohn und ist als Auferstandener "im Himmel" unabhängig von Raum und Zeit für alle da, die an ihn glauben. Der Himmel muß jetzt nicht mehr als unzugängliches Jenseits verstanden werden, sondern wird neuer Lebensraum. Christus ist dort für immer unangreifbar und unzerstörbar das, was er gebracht hat. Von ihm kann noch mehr erwartet werden, als bisher erlebt und geglaubt wurde.

Das wird seit dem 4. Jahrhundert 40 Tage nach Ostern am Himmelfahrtstag bedacht und gefeiert und im Glaubensbekenntnis gegen die oft vorherrschende Enge und Trostlosigkeit ausgesprochen.

Hinduismus

Wer mit dem Hinduismus in Berührung kommt oder sich darüber informieren will, sollte sich darüber klar sein, daß eine verstehende Erkenntnis schwer zu gewinnen ist, weil diese Religion sehr vielschichtig und z.T. widersprüchlich ist und sich eigentlich nur dem Miterleben erschließt.

Außerdem ist unsere Betrachtung immer von der eigenen Kultur und Religion bestimmt.

Hinduismus ist eine Sammelbezeichnung für die am weitesten verbreitete indische Volksreligion, wie sie sich seit ihren Anfängen um etwa 1000 v.Chr. aus dem Brahmanismus und später in der Auseinandersetzung mit dem Buddhismus und Islam entwickelt hat. Sie ist gekennzeichnet von einer ungeheuren Fülle von unterschiedlichen Lehren, Göttern, Kultformen, Festen und örtlichen Heiligtümern. Gemeinsame Grundlage ist eine umfangreiche Sammlung heiliger Schriften (Veden genannt, mit den auch bei uns bekannten Upanishaden und der Bhagavadgita), der Glaube an das Karma (Wiederverkörperung der Seele je nach gutem oder bösem Verhalten) und die Einteilung in Kasten (die höheren Kasten sind Priester, Kaufleute und Bauern, die niedrigste ist die der "unberührbaren" Parias).

Angestrebt wird die Einheit der Menschenseele (atman) mit dem Weltgeist (brahman) durch Erkenntnis, Gebete, Askese und meditative Konzentrationsübungen wie Yoga.

Für eine nähere Beschäftigung mit dem Hinduismus können folgende Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede im Vergleich zum christlichen Glauben von Interesse sein:

Der Hinduismus hat heute etwa 400 Millionen Anhänger.

Hoffnung

Hoffnung ist eine Möglichkeit des Menschen, sich aufgeschlossen und positiv auf Zukünftiges oder von ihm Gewünschtes einzustellen. Sie kann mehr oder weniger begründet sein und von zweifelnder Ungewißheit über zuversichtliche Erwartung bis hin zu unbeirrbarem Ausharren reichen. Oft ist sie gerade dann besonders stark, wenn es äußerst unwahrscheinlich ist, daß das Erhoffte eintritt, z. B. Genesung bei schwerer Krankheit.

Was gibt uns Hoffnung? Worauf hoffe ich, für mich und andere, für die Menschheit? Was macht Hoffnung stark?

Die Hoffnung des Christen ergibt sich aus seinem Glauben und unterstützt diesen wiederum. Sie findet sich nicht damit ab, daß in der Welt Ungerechtigkeit und Unfriede herrschen und der Sinn des Lebens vom Tod vernichtet wird. Ihr Inhalt ist nicht nur das eigene Wohlergehen oder ein besseres Jenseits, sondern die weitere Verwirklichung dessen, was Gott versprochen hat. Sie versteht sich selbst schon als den Beginn dessen, was sie erwartet. Deshalb zeigt sich Hoffnung nicht nur in dem, was ein Mensch sagt und fühlt, sondern mehr noch in dem, was er tut und wie er es tut.

Nach Paulus (1. Korinther 13,13) gehören Glaube, Hoffnung und Liebe zusammen. Die Hoffnung des Glaubens "läßt nicht zugrunde gehen" (Römer 5,5), und sie ist "lebendig" (1. Petrus 1,3), d.h., sie entsteht immer wieder neu. Sicher liegt in der Hoffnung die Gefahr, daß sie von der Gegenwart ablenkt und zu Enttäuschungen führt ("Hoffen und Harren macht manchen zum Narren", sagt ein altes Sprichwort). Aber der Christ hofft nicht so sehr auf etwas Bestimmtes, das in nächster Zeit nachweisbar eintreten soll, sondern darauf, daß sich sein Glaube als zuverlässig und wahr erweist in allem, was auf ihn zukommt. Auch eine enttäuschte einzelne Hoffnung macht sein weiteres Hoffen nicht sinnlos (Zukunft).

Hölle, Höllenfahrt Jesu

In vielen Religionen gibt es Vorstellungen von einem unter der Erdoberfläche liegenden Totenreich. Im Alten Testament und auch von Jesus wird die Hölle als Ort der äußersten Gottesferne und der Strafe für die im Leben begangenen Sünden gesehen. Sie wurde im Mittelalter auf Bildern und in der Dichtung bis in Einzelheiten hinein ausgestaltet (z.B. Dantes Inferno in der Göttlichen Komödie). Wahrscheinlich hat die Angst vor der Hölle früher einfache Menschen genötigt, die religiösen Vorschriften der Kirche zu achten.

Noch heute bezeichnen viele mit dem Wort Hölle extrem Schreckliches und unvorstellbare Qual; meist sind es Menschen, die anderen "das Leben zur Hölle machen".

Auch wenn die bildhafte Symbolik von Hölle und Höllenfahrt Jesu heute weitgehend ihre Bedeutung verloren hat, läßt sich ihr Gehalt für den Glauben festhalten:

ihn gerade darin aber auch überwunden hat (Offenbarung 1,18).

Homosexualität

Meist werden nur gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen zwischen Männern homosexuell genannt; dem Wortsinn nach trifft die Bezeichnung aber ebenso auf sexuelle Beziehungen zwischen Frauen zu ("lesbische Liebe"). Viele denken bei dem Wort auch nur an die körperlichen Beziehungen und nicht an die damit oft verbundene gleichgeschlechtliche Liebe.

Etwa 5% der Menschen sind in ihrer sexuellen Partnerwahl ausschließlich auf das eigene Geschlecht gerichtet. Fast die Hälfte verhalten sich zeitweise homosexuell oder empfinden erotische Liebe sowohl zum eigenen wie zum jeweils anderen Geschlecht (= Bisexualität). Neuere Forschungen sehen überwiegende Homosexualität und Heterosexualität (= nur auf das andere Geschlecht gerichtete Sexualität) nicht mehr nur als ererbte ("abweichende" oder "normale") Veranlagung an, sondern als Ergebnis frühkindlicher Entwicklung auf der Grundlage der zunächst bei allen Menschen vorhandenen Bisexualität. Durch die Erziehung zur gesellschaftlich anerkannten Rolle des Mannes oder der Frau wird die andere Möglichkeit des Empfindens verdrängt. Abweichungen davon empfinden viele Menschen als anormal, krankhaft, unnatürlich, gefährlich, unmoralisch, kriminell. Diese Abwertung macht es Homosexuellen weithin unmöglich, offen und unter günstigen Bedingungen nach ihrem Empfinden zu leben. Erst seit 1969 ist in der Bundesrepublik Deutschland homosexuelle Aktivität zwischen erwachsenen Männern nicht mehr strafbar (wofür sich auch die evangelische Kirche eingesetzt hat).

Homosexuelle Beziehungen können genauso wie heterosexuelle Ausdruck für persönliche, liebevolle und dauerhafte Verbindungen sein.

Kritische Aussagen zur Homosexualität in der Bibel sind nach der gegenwärtigen Auffassung vieler Theologen nicht grundsätzlich gegen Liebesbeziehungen zwischen Menschen gleichen Geschlechts gerichtet, sondern gegen sexuelle Beziehungen ohne Liebe und ohne Verantwortung gegenüber Gott und dem Partner (3. Mose 18,22; 20,13; Römer 1,24-27; 1.Korinther 6,9; diese Stellen sind auch auf dem Hintergrund der Abgrenzung gegen andere Religionen zu verstehen). Eine Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland fordert zwar, daß die Homosexualität nicht mehr als widernatürliches und schuldhaftes Verhalten verurteilt werden darf; aber diese wird darin immer noch hauptsächlich am Maßstab der christlichen Eheauffassung gemessen und als "sexuelle Fehlform" angesehen.

Demgegenüber sehen zunehmend mehr Christen gleichgeschlechtliche Liebe als grundsätzlich gleichwertig mit der Liebe zum anderen Geschlecht an; bei beiden kommt es nur darauf an, daß sich die Partner dabei ganz und verantwortlich annehmen.

Wer bei sich selbst homosexuelle Neigungen feststellt, muß klären, wie stark diese sind, sich darauf einstellen und nach Lebensformen suchen, um sich individuell und sozial zu entfalten.

Christen und kirchliche Einrichtungen beginnen damit, Homosexuellen bei den Problemen zu helfen, die ihre Neigung zum gleichen Geschlecht (in unserer Gesellschaft immer noch) mit sich bringt. Sie unterstützen Homosexuelle darin, würdige und gleichwertige Gemeinschaftsformen zu finden. Festen Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlich empfindenden Partnern kann wie bei einer Trauung Verantwortung, Anerkennung und Segen zugesprochen werden. In Einzelfällen haben Kirchengemeinden einen homosexuellen Pfarrer akzeptiert.

Homosexuellen Christen kann ihr Glaube helfen, ihre gleichgeschlechtliche Ausrichtung in den Zusammenhang ihrer Persönlichkeit und Umgebung einzubeziehen. Wenn auch die Ehe zwischen Frau und Mann nicht ihre Lebensform ist, so werden sie diese doch nicht abwerten. Sie sollten sich auch durch Ablehnung und immer noch bestehende Vorurteile ihrer Mitchristen nicht verbittern lassen, sondern ihnen vergeben und nach Kraft und Geduld suchen, um ihnen bei dem notwendigen Lernprozeß zu helfen.

Hostie

Das lateinische Wort hostia bedeutet Opfer. In den christlichen Kirchen wird das Abendmahlsbrot so bezeichnet. Es hatte zunächst die Form flacher, runder Weizenkuchen; seit dem 10. Jahrhundert benutzte man Oblaten, die haltbar und leicht zu handhaben sind, im Mund zergehen und nicht krümeln. In der evangelischen Kirche werden beim Abendmahl zunehmend Brotstücke verwendet.

Bei der katholischen Messe wird eine etwas größere Hostie vom Priester als Ausdruck der Verehrung hochgehoben. Geweihte Hostien werden in katholischen Kirchen im Tabernakel aufbewahrt und bei Prozessionen herumgetragen. Daran ist zu erkennen, daß sich ein unterschiedliches Abendmahlsverständnis auch in Auswahl, Gestaltung und Gebrauch der Elemente zeigen kann.

Humanität

Das Wort (von lateinisch humanum = menschlich) wird meist im Sinn von Menschenfreundlichkeit gebraucht: Hilfe für Arme, Verletzte, Gefangene oder Behinderte ist humanitär. Sie ist notwendig, weil unsere Wirtschaft, Kriegsführung, Strafjustiz und die Gesellschaft als Ganzes oft nicht oder nicht ausreichend human sind.

Entsprechend der Philosophie des Humanismus ist Humanität ein Ideal, das Leben, Freiheit und Menschenwürde schützen und zur vollen Entfaltung bringen soll. Ob wir darin seit den Zeiten der alten Griechen und der Aufklärung wirklich Fortschritte gemacht haben, wird unterschiedlich beurteilt.

Im Einzelfall ist natürlich oft nicht klar oder strittig, was Humanität konkret erfordern würde. Zudem wird sie oft als unmöglich oder unpassend angesehen ("Humanitätsduselei"). Aber die meisten Staaten und Menschen erkennen sie doch als elementare Grundforderung an.

Christen können sich bei ihrem Einsatz für Humanität mit anderen verbinden, die dies nicht aus religiösen Gründen tun. So wird im Bereich der sozialistischen Länder behauptet, daß nur der Kommunismus die Verwirklichung des Humanismus sei; im Kapitalismus dagegen scheitere die Idee von der Humanität an den gesellschaftlichen Verhältnissen.

In westlichen Staaten bleibt der Humanismus oft nur auf den Bereich der Bildung und des Schöngeistigen beschränkt; die Bemühungen um eine Humanisierung z. B. der Arbeitswelt, des Strafvollzugs und der Wohnverhältnisse dagegen sind vielen noch nicht radikal genug.

Der Beitrag des christlichen Glaubens zu der Idee und Forderung der Humanität kann das Vorbild der Menschlichkeit Jesu sein, die in ihrem Wesen Mitmenschlichkeit, Eintreten für die Schwachen und Stellvertretung ist.