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Im engeren Sinn ist Familie ein Ehepaar mit einem oder mehreren Kindern, im weiteren gehören auch Großeltern und Verwandte dazu und Menschen, die mit im Haushalt leben. Die meisten Menschen haben im Laufe ihres Lebens zwei Familien, die sogenannte Orientierungsfamilie, in der sie aufwachsen, und die sogenannte Zeugungsfamilie, die sie selbst gründen. In der Familie können nach bisherigen Erfahrungen am besten Kinder aufgezogen und auf ein selbständiges Leben in der Gesellschaft vorbereitet werden. Die Ehepartner erfahren durch diese Aufgabe eine Vertiefung und Erweiterung ihrer Beziehungen und ihres Lebensraumes. Das gemeinsame Leben in der Familie begründet meist eine dauerhafte Beziehung zwischen Kindern, Erwachsenen und Alten. Manche Aufgaben, die früher von der Familie wahrgenommen wurden, z.B. soziale, kulturelle und religiöse Bildung und die Alterssicherung, sind heute z.T. an andere Institutionen wie Schule, Gleichaltrigengruppe, Massenmedien und Sozialversicherung abgegeben. Das bedeutet einerseits eine Öffnung und Entlastung der Familie, andererseits aber auch Verunsicherung und Entleerung. Was die Partner aus einer Familie machen und wie sie darin leben, wenn es Schwierigkeiten gibt hängt nicht so sehr von äußeren Faktoren wie Wohnung, Besitz oder Gesetzgebung ab, sondern von der Einstellung zu dieser Lebensgemeinschaft. Da die positive Bewertung der Familie heute nicht so selbstverständlich ist wie früher, muß mehr darüber gesprochen, gefragt, erklärt, gestritten, abgewogen und gemeinsam überlegt werden, was Familie sein kann und soll - wozu übrigens Kinder zunehmend früher und oft besser in der Lage sind als ihre Eltern; Anregung dazu gibt es in Büchern wie Gordon, Familienkonferenz, in Zeitschriften und Veranstaltungen. In der Schöpfungserzählung (1. Mose 2,24) und von Jesus wird gesagt, daß die Familie grundsätzlich zeitlich und sachlich begrenzt ist und in Frage gestellt werden muß, wenn sie wesentlichen Aufgaben und Lebensmöglichkeiten entgegensteht. Glück und positive Bewertung der Familie sollten Alleinstehende, Alleinerziehende, Wohngemeinschaften, Witwer und Alte nicht abwerten und ausschließen.
Das Wort bedeutet ursprünglich "von einer Gottheit in Verzückung gesetzt". Heute ist damit der restlose Einsatz für eine religiöse oder politische Idee oder auch für ein praktisches Vorhaben gemeint. Fanatiker scheinen keinerlei Zweifel an der von ihnen vertretenen Sache oder an sich selbst zu haben, sind zu außergewöhnlichen Anstrengungen und Leistungen fähig und neigen oft zu Gewalttätigkeiten. Sie werden darin von denen bestärkt, die ihnen zuhören und Gefolgschaft oder auch Widerstand leisten. Auch die sogenannten "Fans" werden bei der Verehrung ihrer Idole und bei der Ausübung ihrer Hobbies in extremen Fällen fanatisch.
Das Wort kam als Name für eine 1919 von Mussolini in Italien gegründete nationalistische Bewegung auf, weil diese sich das altrömische Rutenbündel (=lateinisch fasces) mit dem Beil als Symbol wählte. Der Grundgedanke dabei war: Wenn alle sich zu einer festen Einheit unter einem Führer zusammenschließen, sind wir stark und können die schwache Demokratie und den Kommunismus überwinden.
Nach seinem "Marsch auf Rom" (1922) gelangte Mussolini mit seiner Partei durch Gewalttätigkeiten und Propaganda 1924 zu einer Zweidrittelmehrheit und konnte von da an totalitär regieren. 1929 arrangierte er sich in den Lateranverträgen mit der katholischen Kirche; das Königtum blieb formal erhalten. Seinen Traum von der Errichtung eines Mittelmeerreiches versuchte er 1936 durch die Eroberung Abessiniens ein Stück weit zu verwirklichen. Teils vom italienischen Faschismus beeinflußt, teils selbständig entstanden weitere Bewegungen dieser Art in Österreich (Vaterländische Front), Spanien, Portugal, Griechenland (Eiserne Garde), Rumänien, Jugoslawien, Slowakei, Ungarn und Polen (Pfeilkreuzler). In Deutschland brachte es der Nationalsozialismus unter Adolf Hitler 1933 ebenfalls zur unumschränkten Herrschaft und verbündete sich mit Italien im Zweiten Weltkrieg. Trotz des offensichtlichen Fiaskos der Faschisten in Deutschland (1945) und Italien (1943) finden faschistische Gedanken auch heute noch bzw. wieder Anklang in Gruppen, die unsere heutigen Probleme durch Nationalismus, Aufhebung demokratischer Regeln zugunsten weitgehender Machtbefugnisse einzelner lösen wollen und vor allem den Kampf gegen den Kommunismus fordern (Neofaschisten). Ihre Anhänger weisen häufig darauf hin, daß man doch auch die guten Seiten des Faschismus (und Nationalsozialismus) sehen müsse. Faschisten und die meisten Rechtsradikalen bezeichnen ziemlich pauschal alle ihre politischen Gegner als Kommunisten (und umgekehrt).
Fasten als Verzicht auf Sättigung oder auf bestimmte (z.B. besonders wohlschmeckende) Speisen oder auf Alkohol (Abstinenz = Enthaltsamkeit) ist in vielen Kulturen und Religionen verbreitet. Es scheint Ausdruck und Übung menschlicher Freiheit zu sein, zeitweise die Befriedigung elementarer Bedürfnisse auszusetzen. Im Altertum und im Mittelalter wurde aus Trauer, als Zeichen der Buße oder zur Vorbereitung auf religiöse Erlebnisse gefastet, insbesondere vor Festen wie Ostern und Weihnachten, aber auch vor der Taufe und vor dem Abendmahl. Man sah darin eine Hilfe zum Gebet, für die Besinnung auf Gott und zur Dämpfung sexueller und anderer Begehrlichkeit. Zur Zeit Jesu und bis zur Reformation war Fasten für viele Menschen eine verdienstvolle Leistung, die Selbstbestätigung und Anerkennung einbrachte. Es gab dazu zahlreiche Vorschriften und Bräuche. An einem religiösen Fasttag ist nur einmal am Tag eine sättigende Mahlzeit erlaubt. Eine kleinere Einschränkung ist der Verzicht auf Fleisch - in katholischen Gegenden regelmäßig am Freitag. Das soll an die Kreuzigung Jesu erinnern und im Blick auf sein Opfer die Fähigkeit zur eigenen Selbstüberwindung üben.
Heute wird von einer zunehmenden Zahl von Menschen nicht mehr aus religiösen Gründen gefastet, sondern um Übergewicht und gefährliche Übersättigung zu vermeiden. Neu aufgekommen ist das Fasten aus Solidarität mit den Hungernden auf dieser Erde. Das ersparte Geld wird dann gespendet. Hungerstreiks sind zum Mittel politischer Demonstration geworden. Fasten gelingt den meisten Menschen nur nach einiger Übung. Enttäuschungen über die eigene Schwäche bleiben kaum einem erspart. Mancher entdeckt dabei ganz neu, wie ein Stück Brot schmeckt, wenn man Hunger hat. Wie zur Zeit Jesu (vgl. Matthäus 6,16) kann Fasten und Enthaltsamkeit den Nachteil haben, daß es übellaunig macht, Denken und Fühlen zu stark bestimmt und zum Angeben verführt. Deshalb sollte die damit verbundene Absicht immer wieder vom Glauben her überprüft werden.
In der katholischen Kirche wird die nach dem Tod eines Christen für möglich gehaltene Läuterung Fegefeuer genannt. Nach katholischer Lehre können darin läßliche Sünden und zeitliche Sündenstrafen durch das Erdulden einer vorläufigen Gottesferne und die Fürbitte der Kirche getilgt werden, damit die Seelen dann zur vollen Anschauung Gottes gelangen.
Das symbolhaft-anschauliche Wort ist im Mittelalter aufgekommen und wird nur in Deutschland gebraucht; die dazugehörigen Vorstellungen sind aber in den romanischen Ländern volkstümlich und auch durch die darstellende
Kunst ausgestaltet worden. Dante hat das Fegefeuer (Purgatorium) in seinem Werk "Göttliche Kommödie" dichterisch beschrieben. Sieht man einmal von der phantasievollen und spekulativen Ausgestaltung dieser Vorstellung und Lehre ab, stecken bedenkenswerte Folgerungen aus dem christlichen Glauben darin. Schließlich wird im Glaubensbekenntnis von einem "Reich des Todes" gesprochen, in das Jesus "hinabgestiegen" ist (vgl. 1. Petrus 3,19). Das Fegefeuer soll den Gläubigen also nicht Angst und Schrecken einjagen, damit sie sich anständig verhalten, sondern es entspricht der Tatsache, daß viele Menschen unvorbereitet und mit einem recht unvollkommenen
Glauben sterben. Es kann zur Tröstung der Angehörigen beitragen, wenn sie glauben dürfen: Im Zeitpunkt des Todes ist doch nicht alles so endgültig festgelegt, daß in Ewigkeit daran nichts mehr zu ändern ist. Die von der katholischen Kirche gebotene Fürbitte für die Verstorbenen regt ein Gedenken an die Toten an, erinnert auch den Beter daran, daß er sterben muß, und weckt das Vertrauen, daß auch jenseits des Lebens und unseres Verstehens die Geschichte Gottes mit dem Menschen weitergeht. Andererseits ist darauf hinzuweisen, daß die reformatorischen Kirchen diese Lehre und Vorstellung von einer Läuterung nach dem Tod ablehnen. Luther tat dies, weil die Vergebung der Sünden nach dem biblischen Zeugnis vollständig ist und keiner Nachbesserung bedarf; Calvin, weil er sehr stark die Vorherbestimmung des Menschen zur Seligkeit oder Verdammung betonte (Prädestination). Auch läßt sich eine biblische Begründung wohl kaum nachweisen. Die Praxis des Glaubens an ein Fegefeuer leistet zudem einem quantitativen und kleinlichen Verständnis von Gnade und Vergebung Vorschub, wenn sie durch das Beten etwa einiger Vaterunser stellvertretend zu erwerben und dann dem Verstorbenen so zuzuwenden sind daß sich sein Strafmaß im Fegefeuer verringert. Da auch die Kirchen mit Aussagen über einen Zustand nach dem Tod sehr zurückhaltend geworden sind, spielt die Vorstellung von einem Fegefeuer heute wohl keine große Rolle mehr. Manchmal wird auch nur scherzhaft davon gesprochen.
Über das Gebot der Nächstenliebe hinaus fordert Jesus, nicht nur den Bruder (bzw. die Schwester), die Freunde und Wohltäter, sondern auch den Gegner und Feind zu lieben (Matthäus 5,44). Er hat selbst für jene gebetet, die ihn gekreuzigt haben: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Die ersten Christen haben das von Anfang an als Gebot übernommen (z.B. Paulus 1. Korinther 4,12 und Römer 12,9-21;1. Petrusbrief 3,9). Christen dürfen also glauben, daß es sich lohnt, aus dem Prinzip der Vergeltung auszusteigen, weil alle Menschen als Geschöpfe Gottes zutiefst zusammengehören. Feindesliebe ist - wie übrigens Liebe überhaupt - nicht in erster Linie ein Gefühl, sondern eine Wirkung des
Glaubens, vernünftiger Überlegungen und geduldigen Lernens und Probierens. Sie kann etwa so anfangen oder aussehen:
Ein unerfüllbares Gebot? Christen haben es immer wieder versucht, sich gegenseitig darin bestärkt und es manchmal auch geschafft. Kriegsdienstverweigerer geben es häufig als Begründung für ihren Pazifismus an.
Neuerer Ausdruck und Selbstbezeichnung für eine überwiegend von Frauen getragenen Bemühung um die Befreiung (Emanzipation) und Gleichstellung der Frau in allen Bereichen des Lebens. Nach jahrhundertelanger Vorherrschaft der Männer (Patriarchat) wollen die Frauen nicht länger nur die Rolle der Gattin, Mutter und Hausfrau spielen oder Sexpartnerin für den Mann sein. Sie zeigen auf und kritisieren, wie einseitig und verhängnisvoll vieles ist, was Männer in Politik, Recht, Moral, Arbeitsorganisation, Kriegen und Religion gemacht haben. Viele aus dem Patriarchat stammende Vorurteile und Gewohnheiten sind noch lange nicht abgeschafft; manche noch nicht einmal richtig bewußt. Das zeigt sich z.B. darin, was man einer Frau zutraut und was nicht, wie sie sich verhalten soll, wenn sie eine "richtige" Frau ist oder sein will usw. Feministinnen wollen deshalb die weibliche Sicht und Eigenart in ihrem eigenen Leben und in der Gesellschaft mehr zur Geltung bringen, betonen aber auch, daß jeder Mensch sowohl weiblich wie männlich zugleich ist (Androgynität). Sie möchten also gar nicht so werden, wie Männer jetzt sind, sondern mit den Männern zusammen zu einer neuen, möglichst herrschaftsfreien Gemeinschaft gelangen. Um das zu erreichen, schließen sie sich solidarisch zusammen und kämpfen in Demonstrationen, Aktionen, Selbsthilfegruppen, Büchern, Zeitschriften, Diskussionen für ihre Ziele. Die bekanntesten sind:
Nicht wenige Feministinnen vertreten ihre Kritik und Forderungen sehr aggressiv und sind in ihrem Kampf gegen "Weiblichkeitswahn" (Betty Friedan), Hausfrauendasein und Mode sogar vielen Frauen zu einseitig und extrem. Die Reaktion der Männer auf den Feminismus reicht von Ablehnung, Entrüstung, Ironie, Mitleid und Ausweichen bis zu aktiver Unterstützung. Die Gesellschaft merkt aber allmählich, daß es ein Nachteil für sie ist, wenn Frauen in vielen Gebieten zu wenig vertreten sind (z.B. in Politik, Wissenschaft und Kirche und in den Leitungsgremien). Auch gegen Religion und Kirche wendet sich feministische Kritik, weil durch ihren Einfluß die Frau abhängig gehalten und auf ihre traditionelle Geschlechtsrolle festgelegt werden soll ("Sexismus"), die z.B. auch Paulus beibehalten haben wollte, als er forderte: "Die Frau schweige in der Gemeinde. Wollen sie aber etwas lernen, so laßt sie daheim ihre Männer fragen" (1.Korinther 14,35f). In der Kirche haben Frauen eine "feministische Theologie" entwickelt, in der sie ihre Glaubenserfahrungen mit eigenen Worten zur Sprache bringen. Sie zeigen auf, daß die Bibel in einer patriarchalischen Kultur geschrieben worden und Gott deshalb selbstverständlich männlich ist, Eva mit der Sünde angefangen hat und die Frau als Eigentum und Untergebene des Mannes angesehen wird. Demgegenüber hatte Jesus aber ein offeneres und partnerschaftlicheres Verhältnis zu Frauen, als es der damaligen Zeit entsprach und auch als es in den Berichten zum Ausdruck kommt, die von Männern verfaßt wurden. Das Gottesbild der Bibel hat durchaus auch mütterlich-weibliche Züge (Jesaja 66,13), und Jesus läßt in einem Gleichnis Gott wie eine Frau handeln (Lukas 15,8f). In der Kirche sollte nicht nur (gedankenlos) von Brüderlichkeit gesprochen werden, weil Christen die Schwesterlichkeit genauso nötig haben. Nach Paulus soll es in der Gemeinde überhaupt keinen grundsätzlichen Unterschied mehr zwischen Frauen und Männern geben (Galater 3,28; Frauen in der Kirche).
Feste und Feiern sind besonders hervorgehobene und gestaltete Zeiten, Tage oder Zusammentreffen aus einem bestimmten Anlaß. Sie sollen die Bedeutung darstellen oder in Erinnerung bringen, die ein Ereignis, eine Einrichtung oder ein Glaubensinhalt für die Beteiligten hat.
Feste unterbrechen den alltäglichen Lebensablauf und gewähren Freiheit von Zwängen. Sie geben Raum und Anregung zu Ruhe, Besinnung, Fröhlichkeit, Trauer und Gemeinschaft. Anlässe für Feste und Feiern sind kirchliche und staatliche Feiertage, Anfang und Ende des Lebens oder wichtiger Lebensabschnitte, Jahreszeit und Jahrestage, Erfolge. Gestalter und Teilnehmer haben im Rahmen von bestehenden Regeln einen gewissen Spielraum bei der Akzentsetzung und Ausrichtung von Feiern. Übliche Formen und Mittel hierfür sind Gottesdienst, Ansprache, Essen und Trinken, schöne Kleidung, Schmuck, Musik, Tanz, Spiel, Dichtung, Theater, Umzüge, Feuerwerk, Geschenke, gute Wünsche und alte Bräuche. Wenn der Anlaß von Feiern nicht (mehr) verstanden wird, können Feiern langweilig, komisch und ärgerlich sein, oder sie werden mit anderen Inhalten gefüllt (z.B. Weihnachten). Manche kritisieren an Feiern und Festen, daß sie mehr von traditionellen Regeln als von aktuellen Bedürfnissen bestimmt werden und zwischen Feier und Alltag ein zu großer Widerspruch besteht. Neuerdings wird diskutiert, einige staatlich geschützte Feiertage abzuschaffen, um mehr Arbeitszeit zu gewinnen (Arbeit). Zunehmend versuchen Menschen aber heute auch, gemeinsam so zu feiern, daß davon Kraft und Sinn für ihr Leben ausgeht.
Das Wort wird meist in positiver Bedeutung verwendet im Blick auf die technische und soziale Entwicklung in den Industriestaaten. Und es ist schon zum Staunen, wie weit es Menschen gebracht haben. Verständlich, daß daraus ein Vertrauen oder Glaube entsteht, es würde auch so weitergehen. Fortschritt ist das Ergebnis von Arbeit und Erfindung. Es steckt viel schöpferische Kraft darin. Christen können das als Ausführung des von Gott an die Menschen gegebenen Auftrages verstehen: "Füllet die Erde und macht sie euch untertan!" (1. Mose 1,28). In der Geschichte mußte sich der Fortschritt manchmal gegen die auch von der Kirche vertretenen Lehrsätze und Traditionen durchsetzen, z. B. als die Erkenntnis aufkam, daß sich die Erde um die Sonne dreht. Die frühere Meinung, daß die Sonne um die Erde kreise, war damit überholt. Im Bereich der Kunst ist das anders. Da gibt es zwar einen Wandel des Geschmacks, aber das Neue muß deshalb nicht besser sein als das Vorhandene; es ist nur anders. Auf dem Gebiet der Religion ist es ähnlich. In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, daß manches, was als Fortschritt begrüßt wurde, unser Leben gefährdet, zum Beispiel Atomwaffen, Auto, Fernsehen, Städtebau. Vieles Wertvolle ging als Folge des Fortschritts unwiederbringlich verloren, z. B. zahlreiche Tier- und Pflanzenarten als Folge moderner Landwirtschaft und Schädlingsbekämpfung. Deshalb ist es nicht mehr ganz so selbstverständlich wie früher, daß alles, was erfunden wurde, auch produziert und gemacht wird. Der Fortschritt auf sozialem Gebiet hat (insbesondere im Weltmaßstab) mit dem technischen nicht Schritt gehalten. Andererseits werden wir zur Lösung gerade der sozialen Probleme weitere technische Fortschritte brauchen. Mehr als früher muß danach gefragt werden, wozu der Fortschritt dienen soll, was er kostet, was dafür geopfert werden müßte. Der christliche Glaube hilft, im Kleinen und im Großen zu überlegen:
So wie der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von dem Sinn, der aus dem Glauben kommt, so kann auch der Fortschritt nicht Hauptziel und Antrieb aller Arbeit und Wirtschaft sein, wenn dadurch die Existenz der Menschheit und unsere Lebensqualität bedroht werden.
Es ist von Anfang an christliche Überzeugung, daß alle Menschen vor Gott gleich sind. Mann und Frau haben im Schöpfungsbericht gemeinsam den Auftrag bekommen, das Leben in dieser Welt zu gestalten (1. Mose 1,28). In vielen Grundaussagen der Bibel wird deutlich, daß Frauen und Männer auch in der Kirche gleichwertig und gleichberechtigt sind (z. B. Galater 3,28). Im Widerspruch dazu steht die Tatsache, daß in der Praxis bis weit in unsere Zeit hinein die männliche Vorherrschaft in vielen Bereichen der Kirche beibehalten wurde. Zwar gab es im Umkreis Jesu und in den ersten Gemeinden zahlreiche Frauen; aber ebenso wie heute überwiegend in dienender und untergeordneter Stellung. Das kann nur zum Teil damit erklärt werden, daß die Kirche von den jeweils geltenden gesellschaftlichen Ordnungen abhängig ist; denn gerade was die Gleichberechtigung der Frau betrifft, blieb sie in den letzten Jahrhunderten sogar hinter der allgemeinen Entwicklung zurück (Emanzipation, Feminismus). So ist z.B. Frauen erst 1978 in allen Gliedkirchen der EKD der uneingeschränkte Zugang zum Pfarramt zugestanden worden. Dabei sind Frauen aktiver am Gemeindeleben beteiligt als Männer: Zum Gottesdienst kommen doppelt so viele Frauen wie Männer, und die ehrenamtliche Arbeit in der Kirche wird ebenfalls zu zwei Dritteln von ihnen geleistet. Es gibt im Bereich der evangelischen Kirchen zahlreiche Frauenorganisationen. Die größte darunter ist neben den Schwesternschaften, dem Müttergenesungswerk und der Vereinigung berufstätiger Frauen die Frauenhilfe. Ihr Ziel ist es, "evangelische Frauen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft zu unterstützen und Bereitschaft zur Verantwortung zu wecken". Das geschieht z.B. in Aktionen wie Bildungsurlaub für junge Mütter, Urlaubswochen für alleinstehende Mütter, Hilfsdienste für inhaftierte und strafentlassene Frauen, Besuche in Altenheimen, Hausaufgabenbetreuung für Gastarbeiterkinder und Arbeit mit Betriebsrätinnen. Ist es heute noch zweckmäßig, in der Kirche und Gemeinde reine Frauengruppen zu bilden? Es entspricht vielfach den Lebensumständen, Bedürfnissen und besonderen Fähigkeiten vieler Frauen, wie die obengenannten Beispiele zeigen; aber in Zukunft werden wohl in zunehmendem Maße Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Frauen und Männern auch in der Kirche wahrgenommen werden können - zum Vorteil hoffentlich beider Geschlechter und damit der Gesellschaft (vgl. hierzu die von einem Ausschuß der Evangelischen Kirche in Deutschland 1979 vorgelegte Studie "Die Frau in Familie, Kirche und Gesellschaft" ) .
Freiheit hat der Mensch, weil bzw. wenn er zwischen mehreren Möglichkeiten wählen und sein Leben nach eigenem Willen bestimmen kann. Meist wächst Freiheit im Tun und Lassen durch Wissen und Fertigkeiten, insbesondere aber durch den Freiraum, den andere mir geben und den ich anderen schaffe. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantiert ausdrücklich das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Freizügigkeit und freie Ausbildungs-, Berufs- und Arbeitsplatzwahl. Das ist ein großer Fortschritt im Vergleich etwa zur Sklaverei früherer Zeiten. Trotzdem gibt es viele Einschränkungen und Bedrohungen unserer Freiheit. Politische, wirtschaftliche und technische Einwirkungen lenken die Masse des Volkes mehr, als es den meisten bewußt ist (Manipulation). Was ist z. B. die Freiheit der Wahl zwischen 10 Fernsehprogrammen wert, wenn dieses Medium meine Freizeit schon weitgehend überwuchert hat? "Niemand ist frei, der nicht über sich selbst Herr ist", schrieb Matthias Claudius. Wer sich nur gehen läßt und rücksichtslos tut was er will, keine Regeln anerkennt und nur die eigenen Chancen wahrnimmt, handelt nicht wirklich frei. Freiheit wird von einzelnen und Gruppen sehr unterschiedlich verstanden und ausgeübt. Während die einen Freiheit nur im schöpferischen, ordnungsfreien Bereich oder gar nur im Spiel der Gedanken sehen, wird sie im Marxismus als Handeln entsprechend der Einsicht in die objektiven Notwendigkeiten aufgefaßt. Viele verstehen unter Freiheit hauptsächlich, ungehindert das tun zu können, was ihnen Spaß macht und ihren Bedürfnissen entspricht. Die eigene Freiheit soll dabei ihre Grenze nur an der Freiheit anderer haben. Nach Artikel 18 im "Augsburger Bekenntnis" der Protestanten (von 1530) können Menschen zwar "unter den Dingen wählen, die die Vernunft begreift", haben aber nicht die Freiheit, Gottes Gebote zu erfüllen und aus dem Herzen die Lust am Bösen zu vertreiben. Alle Unfreiheit kommt nach der Bibel letztlich aus der Entfremdung des Menschen gegenüber Gott; sie macht unfähig zur Liebe und zum Guten (Römer 7,15 und 19). Freiheit findet der Mensch nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch Anteilnahme an der Freiheit Gottes, die durch Jesu Predigt und Opfer vermittelt wird (2. Korinther 3,17; Johannes 8,36). Christen erfahren Freiheit als Geschenk und Befähigung für die Aufgabe, die sich aus ihrem Glauben ergibt (Zivilcourage).
Was Freikirchen sind und wie es bei ihnen zugeht, ist ziemlich wenig bekannt, wahrscheinlich weil sie in Deutschland nur (aber immerhin) knapp eine halbe Million Mitglieder zählen. (Manche verwechseln sie auch mit den Sekten.) Sie müßten aber eigentlich als ein anderes Modell von Kirche gerade bei den Mitgliedern der evangelischen Landeskirchen größtes Interesse finden. Denn sie spielen in anderen, insbesondere den angel-sächsischen, Ländern eine weitaus größere Rolle als bei uns; und in den USA sind alle evangelischen Kirchen so ähnlich organisiert wie bei uns Freikirchen. Davon können (und müssen in Zukunft vielleicht) die evangelischen Landeskirchen und deren Mitglieder viel lernen. Die Anfänge der Freikirchen reichen zwar in das Mittelalter (Waldenser) und in die Reformationszeit zurück; richtig entwickeln konnten sie sich in Deutschland aber erst im 19. Jahrhundert, nachdem 1848 in den Landesverfassungen Religionsfreiheit gewährt wurde (auch danach haben die römischkatholische Kirche und die evangelischen Landeskirchen den Freikirchen noch manche Schwierigkeiten gemacht). Unter Berufung auf die Urkirche und die Bibel lehnten sie den damals noch sehr starken Einfluß des Staates auf die Kirche ab (einige Landesherren waren gleichzeitig auch Oberhaupt der Landeskirche). Sie gründeten selbständige Gemeinden, in denen die Laien das Sagen hatten. Wer darin Mitglied sein will, muß sich entschieden zum christlichen Glauben bekennen und aktiv sein. (Einige Freikirchen lehnen deshalb die Taufe von Kindern ab.) Das nötige Geld wird durch freiwillige Spenden aufgebracht; man kann sich ausrechnen, wieviel einzelne bezahlen, wenn Gemeinden von nur wenigen hundert Mitgliedern einen Prediger und ein Gemeindehaus unterhalten und trotzdem noch für Sammlungen wie Brot für die Welt pro Kopf das Achtfache von dem geben, was Mitglieder der Volkskirche aufbringen. Dabei könnten sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts in der Bundesrepublik durchaus Kirchensteuern erheben. In den wesentlichen Punkten des christlichen Glaubens gibt es (anders als bei den Sekten) zwischen Freikirchen und den evangelischen Landeskirchen kaum Unterschiede. Sie arbeiten untereinander im Bund Evangelischer Freikirchlicher Gemeinden und mit der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Evangelischen Allianz und in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammen. Dabei kam eine Verabredung zustande, sich nicht absichtlich gegenseitig Mitglieder abzuwerben. Die größeren Freikirchen in der Bundesrepublik sind, um nur einige zu nennen: Evangelisch-methodistische Kirche, Baptisten, Brüdergemeine, Altreformierte und Altlutherische Kirche.
Unter Freizeit versteht man überwiegend die von Berufstätigkeit und Arbeit aller Art freie Zeit. Sie kann in Pausen, am Feierabend oder Feiertag, im freien Wochenende, im Urlaub oder im Ruhestand liegen. Ihr Umfang hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen (wöchentliche Arbeitszeit 1850 im Durchschnitt noch über 70 Stunden, heute 40 Stunden). Nach Artikel 24 der 1948 von der UNO verabschiedeten Menschenrechte hat jeder auf Freizeit Anspruch. Sie wird in ihrem Zweck und Wert unterschiedlich gesehen und ausgefüllt. Früher war Freizeit für viele hauptsächlich Erholung von der Arbeit und Wiederherstellung der Arbeitskraft. Wo Last und Zwang der Arbeit besonders groß sind, beginnt für manchen erst mit der Freizeit das eigentliche Leben. Der Lohn schafft die Voraussetzung, von den zahlreichen Angeboten und technischen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung Gebrauch zu machen (Konsum). Heute wird Freizeit zunehmend als Möglichkeit der freien Entscheidung und Wahl erlebt, ganz gleich, ob sie dann (überwiegend oder abwechselnd) für Erholung, Nichtstun, Bildung, Kreativität, Pflege menschlicher Beziehungen, helfenden Dienst oder Politik verwendet wird (um nur einiges zu nennen). Untersuchungen zeigen, daß die Freizeitgestaltung in hohem Maß von der Schulbildung und dem Beruf abhängt. Auch soziale Normen und kommerzielle Motivation (z. B. Werbung) spielen dabei eine ausschlaggebende Rolle. Wiederholung und passive Beteiligung werden auf die Dauer langweilig. Neues und eigene Aktivität muß meist mit einem gewissen Aufwand gelernt werden. Was einer in der Freizeit tut, wirkt auf ihn selbst zurück und bestimmt seine weiteren Lebensmöglichkeiten. Gerade in der Freizeit besteht die Gefahr, in Abhängigkeiten zu geraten oder sich im Vielerlei zu verlieren. Deshalb versuchen Eltern, Schule und Freizeitpädagogik, Kinder und Jugendliche in der Gestaltung ihrer Freizeit zu beeinflussen, sei es, um ihnen die eigenen Vorstellungen von sinnvoller Freizeit nahezubringen, sei es, um ihnen zu helfen, auch in der Freizeit ihre eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten zu erkennen und zu Selbstverwirklichung und Befriedigung zu gelangen. Auch die Kirche ist maßgeblich und in großem Umfang im Freizeitbereich tätig. Vom Feiertagsgebot her kann Freizeit als Geschenk Gottes aufgefaßt werden, das die Möglichkeit für Feier, Besinnung und ein dem Glauben entsprechendes Handeln gibt.
Schon Ende des vorigen Jahrhunderts und in der Jugendbewegung entdeckten Jugendliche den Reiz des Lagers, der Fahrt und des Wanderns. Das verschaffte Abstand von Schule und Zuhause, stärkte die Gemeinschaft und brachte tiefgehende Erlebnisse in schöner Landschaft und fremden Ländern. 1913 führte der "Verband zur Pflege der weiblichen Jugend Deutschland" in Tambach mit 130 Teilnehmerinnen die erste "Freizeit" durch. Hauptziel war damals, gemeinsam die Bibel zu lesen und über Fragen des Glaubens und der Lebensgestaltung nachzudenken.
Seitdem sind Freizeiten fester Bestandteil kirchlicher Jugendarbeit. Die Zielsetzung enthält neben Erholung soziales Lernen, kulturelle Bildung und religiöse Orientierung, z.B. bei der Selbst- und Mitbestimmung, Konfliktregelung, in Hobbygruppen und bei der Gestaltung von Andachten. Zahlreiche ehrenamtliche junge und erwachsene Mitarbeiter sind an der Durchführung beteiligt; sie werden in Seminaren und schriftlich darauf vorbereitet (u.a. über rechtliche Bestimmungen, Erste Hilfe, Freizeitpädagogik und Programmangebot). Es gibt Freizeiten für Kinder, Konfirmanden, Jungen und Mädchen gemischt oder getrennt, Schüler und Berufstätige, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie sind meist offen auch für Jugendliche, die sich sonst nicht am kirchlichen Leben beteiligen. Sehr beliebt sind internationale und ökumenische Freizeiten; neuerdings auch die als kirchliche Erwachsenenbildung angebotenen Familienfreizeiten. Öffentliche und kirchliche Zuschüsse erlauben einen niedrigeren Preis als bei kommerziellen Jugend- und Ferienreisen. Prospekte und Kataloge sind bei Pfarrämtern, Jugendreferaten und Jugendverbänden erhältlich.
Fremde, Fremdgruppen, Entfremdung
"Fremd ist in der Fremde nur der Fremde", hat Karl Valentin einmal tiefsinnig gesagt. Wie sich ein Mensch außerhalb seiner Heimat und seines vertrauten Lebensbereichs fühlt, hängt weitgehend davon ab, wie die "Einheimischen" ihn aufnehmen. Und das ist mehr als eine Frage der Umgangsformen und Landessitten.
Im alten Israel gab es zwar zwischen dem Juden und dem Fremden einen tiefgehenden Unterschied: Letzterer gehörte nicht zum erwählten Volk Gottes. Fremd ist deshalb fast schon soviel wie feindlich. Die Juden hatten das selbst erfahren - in der ägyptischen Sklaverei und im babylonischen Exil: "Wie sollten wir singen im fremden Land?"
(Psalm 137,4). Andererseits heißt es aber auch im Alten Testament:
"Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Land, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland" (2. Mose 23,9).
Von Jesus schreibt Johannes: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf" (Johannes 1,11).
Obwohl die Welt als Gottes Schöpfung allen gehört und alle Menschen Kinder Gottes sind und im Glauben Brüder und Schwestern, fühlen sich viele hier und untereinander doch ziemlich fremd, oft sogar sich selbst "entfremdet".
Dabei wird viel getan, um Distanz in Nähe zu verwandeln: Gruppendynamik auch in der Kirche, Fremdenverkehr, Information. Trotzdem bleibt uns vieles fremd, und sogar Vertrautes kann dazu werden und wird immer schneller dazu, besonders in den Städten. In den sogenannten "Gastarbeitern" wird der Fremdling für uns zum Problem. Wie reagieren Christen darauf? Ihnen und allen "Gastarbeitern", Asylanten, Emigranten, Spätaussiedlern und anderen Fremden ist zugesagt: "Ihr seid nun nicht länger Fremde und Gäste, sondern ihr gehört mit zum Volk Gottes und seid in
Gottes Hausgemeinschaft aufgenommen" (Epheser 2,19). Dementsprechend zu leben ist Konsequenz des christlichen Glaubens.
Freundschaft ist eine von gegenseitiger Zuneigung und Achtung bestimmte Verbindung zwischen zwei oder mehreren Menschen; meist sind diese gleichgesinnt und gleichen Geschlechts. Auch für das Verhältnis der Mitglieder einer Clique, Gruppe oder organisierten Gemeinschaft wird das Wort Freundschaft verwendet. Als Gruß (russisch "druschba") enthält es eine programmatische Aufforderung zur Völkerverständigung. Zunehmend nennen sich auch die Partner in einer nichtehelichen Liebesbeziehung bzw. Lebensgemeinschaft Freunde.
Im Unterschied zu Bekanntschaft, Genossenschaft, Kameradschaft oder Kollegialität ist Freundschaft tiefer, vertrauensvoller, persönlicher und - obwohl sie auf freier Wahl beruht verbindlicher. Nicht nur gegenseitige Hilfe und gemeinsames Handeln gehören dazu, sondern auch Kritik, unabhängiger Rat und Treue.
Freundschaft kann sich aus mehr oder weniger zufälligen Begegnungen, gemeinsamer Schulzeit, Freizeitgestaltung oder Arbeit ergeben, in seltenen Fällen auch durch absichtliche Suche oder Vermittlung anderer. Ob ein Mensch Freunde hat bzw. haben will, hängt davon ab, was er für sich selbst davon erwartet und zu geben bereit ist. Eine Freundschaft braucht Offenheit und Zeit, um sich entwickeln zu können. Ihre Qualität zeigt sich bei Belastungen.
Für Kinder sind Freundschaften sehr wichtig, weil sie die emotionalen und geistigen Beziehungen über die Familie hinaus erweitern. Manchmal stören sie die Familie aber auch; dann versuchen eitern, durch Kritik oder Verbote Einfluß auf die Freundschaften ihrer Kinder auszuüben.
Im Bereich der lehrreich wurde der Wert der Freundschaft wegen der Bruderschaft untereinander und der Hilfsbereitschaft gegenüber allen Menschen nur wenig betont. Tolstoi sah darin sogar die Gefahr einer Einschränkung des Liebesgebotes, denn Liebe gilt entweder allen Menschen, oder sie ist keine wahre Liebe. In Martin Luthers Erklärung der vierten Bitte des Vaterunsers ("Unser täglich Brot gib uns heute") sind "gute Freunde " unter den Beispielen für das genannt, was zum Leben notwendig ist (vgl. die Freundschaft zwischen David und Jonathan 1. Samuel 18,1-4; 19,1-7; 20; 2. Samuel 1,26).
Frieden als Zeit ohne Krieg ist eine uralte Sehnsucht der Menschen. Sie ist auch in den Religionen da und lebt aus dem Glauben: Krieg muß nicht sein (Jesaja 2,4. Auch der Marxismus sagt Frieden voraus, wenn alle Klassengegensätze überwunden sind).
Aber Frieden ist schwer zu erhalten und noch schwerer zu schaffen: Der Kampf hat Wunden geschlagen und Leben zerstört; der Sieger nützt seine Macht aus. In einem erzwungenen "Frieden" liegt schon der Grund für neue Auseinandersetzungen.
Nach Jahrtausenden leidvoller Erfahrung mit Krieg und Gewalt und angesichts der Vernichtungskraft moderner Waffen setzen sich heute immer mehr Menschen für den Frieden ein: Wissenschaftler erforschen Ursachen und Bedingungen für Krieg und Frieden. Private Gruppen, Konferenzen, Aktionen (z.B. der "Friedensbewegung") und einzelne bemühen sich, den Willen und die Fähigkeit zum Frieden zu stärken, z. B. durch Hilfsdienste, Demonstrationen, Preisverleihungen (Nobelpreis), Information und internationale Begegnungen. Politiker handeln Vereinbarungen über Rüstungsbeschränkungen aus. Übergeordnete Institutionen wie die Vereinten Nationen (uno) und der Internationale Gerichtshof in Den Haag haben schon viel erreicht; aber ihr Schiedsspruch wird bei Kriegen selten angenommen, und durch Gewalt wollen oder können sie ihn nicht durchsetzen.
Kriegsdienstverweigerer und Pazifisten wollen den Frieden durch Verzicht auf Verteidigung erhalten; das gleiche Ziel streben Soldaten an, wenn sie annehmen, daß eine ausreichende Verteidigungsbereitschaft Angriffe verhindert ("Friedensdienst mit und ohne Waffen", eine Formulierung vom Deutschen Evangelischen Kirchentag 1967).
Eine "Erziehung zum Frieden" wirkt u.a. darauf hin, daß Vorurteile (Feindbilder!) abgebaut, auch im Streit Regeln eingehalten und Gegner trotz gegensätzlicher Interessen geachtet werden.
Der Glaube setzt noch tiefer an: Friede ist nicht eine Pause zwischen zwei Kriegen, sondern ein gutes und gerechtes Verhältnis der Menschen untereinander, zu ihrer Umwelt und zu Gott (" Schalom" im Alten Testament). Jesus wollte durch Liebe und Opfer seines Lebens Frieden von Gott zu den Menschen bringen. Deshalb können Christen zu "Friedensstiftern" werden (Matthäus 5,9), indem sie selbst mit anderen in Frieden leben und nach Kräften auch in ihrer weiteren Umgebung zum Frieden beitragen und helfen ("Jagt dem Frieden nach gegen jedermann", Hebräer 12,14). Wie das zu machen ist, erfordert immer neue Phantasie, Arbeit und Geduld.
Die Evangelische Kirche in Deutschland hat 1981 eine Denkschrift "Frieden wahren, fördern und erneuern" herausgegeben. Material für die kirchliche Friedensarbeit gibt es bei Pfarrämtern (Aktion Sühnezeichen, Entwicklungshilfe).
Fromm bedeutet im Althochdeutschen nützlich, förderlich; auf Personen bezogen: tüchtig, rechtschaffen.
Luther hat damit in der Bibel eine Reihe von Worten übersetzt, die gerecht, gottesfürchtig, gut (= so, wie Gott den Menschen haben will), demütig und treu bedeuten.
Zur Zeit Jesu galt als fromm, wer die Vorschriften des jüdischen Glaubens beachtete.
In der christlichen Kirche hat Frömmigkeit verschiedene Ausdrucksformen gefunden.Das Wort wird heute nicht mehr so häufig gebraucht. Aber man kann annehmen, daß die meisten sich etwa folgendes darunter vorstellen: Fromm ist, wer regelmäßig in den Gottesdienst und zum Abendmahl geht, in der Bibel oder die Tageslosung liest, viel betet, opferbereit ist, die Moral beachtet und mit einem Leben nach dem Tod rechnet.
In der orthodoxen und katholischen Kirche kommt noch die Heiligenverehrung dazu.
Schon früh in der Kirchengeschichte wurde das Leben im Kloster als eine besondere Form der Frömmigkeit angesehen.
In der evangelischen Kirche kam der Pietismus als eine Frömmigkeitsform auf, die stark auf ein persönliches Verhältnis zu Jesus ausgerichtet war. Er führte zu "Erweckungsbewegungen", die breite Bevölkerungsschichten erfaßten.
Diese Art von Frömmigkeit wird allerdings zunehmend als zu gesetzlich und einseitig empfunden und kritisiert. Andere Formen der Frömmigkeit sind mehr gemeinschaftsbezogen und am Einsatz gegen gesellschaftliche Probleme wie Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung orientiert. In Meditation, neuen Liedern, selbstgestalteten Feiern und größeren Veranstaltungen (wie z.B. Kirchentag) finden insbesondere junge Menschen Rahmen und Form für ihre Art von Frömmigkeit.
Da unsere Kultur nicht mehr so einheitlich ist wie früher, kann es auch die Frömmigkeit nicht mehr sein. Soviel aber ist klar: Der christliche Glaube wird immer eine angemessene Form des Ausdrucks und der Übung brauchen, die der Individualität des einzelnen entspricht, ihn aber auch mit anderen verbindet.
Dieses katholische Kirchenfest zur Verehrung des Altarsakraments wird (seit 1264) am Donnerstag nach der Pfingstwoche gefeiert. Es beruht auf der (von Luther abgelehnten) Auffassung, daß die geweihte Hostie auch unabhängig von einer Abendmahlsfeier den Leib Christi darstellt. Im Tabernakel aufbewahrt, gibt sie einer Kirche eine besondere Weihe.
Am Fronleichnamsfest wird sie in einer feierlichen Prozession (=Umzug) durch die Straßen getragen. An vier Altären (= die vier Himmelsrichtungen, d.h. alle Bereiche der Welt) werden Texte aus den vier Evangelien gesungen, Gebete gesprochen und der Segen durch Hochheben der Monstranz erteilt (lat. monstrare = zeigen, mit einem kunstvoll verzierten Ständer, der das Gefäß mit der Hostie enthält). Das bringt zum Ausdruck, daß Christus nicht auf Kirche und Gottesdienst beschränkt ist, sondern in die Stadt und in das Land gebracht wird, wovon ein Segen für die ganze Gesellschaft ausgehen kann. Ähnlich wie andere Demonstrationen sind auch Fronleichnamsprozessionen für Beteiligte und Zuschauer eine Aktionsform und Erfahrung, die besondere Wirkungen hat. Heute sind sie allerdings häufig auch ein Test dafür, wer sich (z.B. unter den Politikern, Lehrern oder Geschäftsleuten) zur Kirche hält, was sich durch Mitgehen oder Hausschmuck zeigen läßt.
Das Wort wurde aus der Fachsprache der Psychologie in die Umgangssprache übernommen und bezeichnet die Empfindung der Erfolglosigkeit, Enttäuschung und Vergeblichkeit (populär abgekürzt "Frust").
Je nach Stärke und Häufigkeit können Frustrationen schlimme Folgen haben, z.B. Aggression, Zurückfallen auf frühere Entwicklungsstufen, Niedergeschlagenheit und körperliche Krankheit. Besonders bei Kindern und Jugendlichen belasten schon kleinere Frustrationen die weitere Entwicklung und Unternehmungslust erheblich.
Unsere heutigen Lebensverhältnisse scheinen das Entstehen von Frustrationen zu begünstigen oder zu verursachen. Deshalb wird die Forderung erhoben, die Verhältnisse zu ändern, damit Anlässe für Frustrationen vermindert werden.
Sie sind aber zu einem Teil in Einstellungen und Erwartungen eines Menschen begründet. Auch diese können überprüft und verändert werden.
Wo oder solange das nicht möglich ist, wird versucht, die Fähigkeit zu verstärken, Frustrationen auszuhalten, konstruktiv zu verarbeiten und daraus zu lernen. Dazu ist aber viel Einfühlungsvermögen, Geduld und eine tragende Gemeinschaft nötig. Fraglich ist, ob sich die "Frustrationstoleranz" durch besondere Übungen und absichtlich herbeigeführte Frustrationen steigern läßt; viele Eltern, Lehrer und Vorgesetzte zeigen durch ihr Verhalten, daß sie das annehmen, obwohl bekannt ist, daß Erfolgserlebnisse und Anerkennung eine weitaus günstigere Wirkung haben. Aber sie sind eben leider nicht immer möglich.
Ist vom christlichen Glauben her etwas Positives zur Vermeidung und Verarbeitung von Frustrationen beizutragen?
Ein Christ wird zunächst einmal nicht den Anlaß jeder Frustration vorwurfsvoll bei anderen und in seiner Umwelt, sondern auch bei sich selber suchen.
Zum anderen ist die Einhaltung der "goldenen Regel", andere so zu behandeln, wie ich selbst es von ihnen erwarte (Matthäus 7,12), ein ziemlich gutes Mittel gegen das Entstehen von Frustrationen.
Und schließlich rechnen gerade Christen in ihrem Glauben damit, daß es in dieser Welt einiges auszuhalten gibt, und werden deshalb davon nicht überrascht sein, sondern sich darauf einstellen. Das macht auch manche Frustration erträglicher.
Das Entscheidende aber wird sein, aus welcher Kraft heraus ein Mensch lebt und woher er sein Selbstbewußtsein bezieht. Der Glaube verbindet mit einer größeren Wirklichkeit, die auch Frustrationen annehmbar macht oder vermeiden hilft.