Ebenbild Gottes

In der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1,27) wird der Mensch ausdrücklich als Ebenbild Gottes bezeichnet (man kann die Worte auch mit Bild, Abbild oder Gleichnis übersetzen). Das bedeutet nach damaligem Verständnis: 1. Der Mensch soll in der von Gott geschaffenen Welt Gottes Vertreter sein und darin in seinem Sinne und Auftrag Herrschaft ausüben. 2. Das Wesen des Menschen ist von Gottes Geist und Willen bestimmt.

Als Abbild Gottes hat der Mensch zu Gott eine besondere Verbindung - übrigens auch nach der "Vertreibung aus dem "Paradies"; von einem Verlust der Ebenbildlichkeit durch den "Sündenfall" ist im Alten Testament nichts gesagt.

Tatsache ist allerdings, daß der Mensch seine Gott-Ebenbildlichkeit bei sich selbst und anderen nur wenig und manchmal gar nicht wahrnimmt; vielmehr scheint sein Aussehen und Verhalten dieser Behauptung sehr oft geradezu zu widersprechen; z. B. wenn er andere foltert, mordet, Kriege führt, die Umwelt und auch sich selbst mutwillig zerstört.

Im Neuen Testament wird nur Christus als Ebenbild Gottes bezeichnet (Hebräer 1,3; 2. Korinther 4,4); der Mensch wird (wieder) Bild Gottes, wenn er Christus nachfolgt, d.h. ihm ähnlich wird (2. Korinther 3,18).

Die Gottebenbildlichkeit des Menschen läßt sich also nur durch den Glauben wahrnehmen und wahrmachen. Darin liegen Chance und Herausforderung zugleich: Wer damit rechnet, wird den Menschen nicht nur aus sich selbst heraus und nach seinem Aussehen und Verhalten bewerten, sondern nach mehr fragen.

Aber auch Menschen, die nicht an Gott glauben, können auf die in dem Glaubenssatz vom "Ebenbild" liegende Frage eingehen: Gibt es eigentlich noch eine andere Wirklichkeit als die des Menschen selbst und seiner Umwelt, von der her er sich und andere verstehen und bewerten kann?

Der Glaube an die Gottebenbildlichkeit des Menschen hat jedenfalls ganz praktische Auswirkungen. So soll der jüdische Rabbi Hillel einmal das Baden als gutes Werk bezeichnet haben, da er mit seinem Körper ja das Ebenbild Gottes pflege. Wer so im Umgang mit sich selber denkt, wird das Ebenbild Gottes auch in anderen Menschen sehen. Es lohnt sich, einmal für sich oder zusammen mit anderen Einfälle zu sammeln, was das heute ganz konkret bedeutet: Der Mensch als Ebenbild Gottes.

Egoismus

Als Egoist gilt jemand, dem es im Denken und Handeln überwiegend oder fast ausschließlich um die eigene Lust, um Bequemlichkeit, um Vorteil und Macht, Erfolg und materiellen Gewinn für sich selbst geht. Das Wort wird meist abwertend und vorwurfsvoll gebraucht, weil Egoismus der bei uns geltenden Höflichkeit, Moral und Religion widerspricht. Das christliche Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" fordert dazu auf, die Interessen und Bedürfnisse anderer im gleichen Maße wie die eigenen zu berücksichtigen.

Nach heutiger Erkenntnis ist auffallender Egoismus nicht ein angeborener Charakterzug, sondern auf Einflüsse der Umwelt in der Kindheit und Jugend zurückzuführen. Hierbei spielt das Vorbild der Eltern und anderer Bezugspersonen eine ausschlaggebende Rolle. (Nicht selten bewirken sie auch, daß ein Mensch zuwenig Durchsetzungsvermögen und Ichstärke, also zuwenig "gesunden Egoismus" entwickelt.)

Egoismus bringt zwar kurzfristig Vorteile, was bei vielen Beobachtern Neid und Bewunderung auslöst. Aber diese Haltung ist im Grunde unzweckmäßig, weil der Mensch zu seiner Selbstverwirklichung auf andere angewiesen ist. Ohne die Zuwendung zu anderen und wechselseitiges Geben und Nehmen kann sich eine Persönlichkeit nur begrenzt und einseitig entfalten; ihr fehlen das Glück und das Erleben der anderen. Erfahrungsgemäß ist das aber niemandem zu beweisen; nur wer es glaubt, tut es. Gesunder und vernünftiger "Egoismus" kümmert sich eben darum auch um die anderen.

Schwer zu beurteilen (und zuzugeben!) ist, ob und wie Egoismus bestimmend für das eigene oder das Verhalten anderer ist. Dies kann nämlich auch bei scheinbar fürsorglichen und liebevollen Handlungen der Fall sein. Durch

Höflichkeit, Recht und Regeln für Konflikte läßt sich der tieferliegende Egoismus nicht beseitigen, auch nicht durch Vorwürfe; eher schon durch das Erlebnis unverdienter Zuwendung und Liebe. Aber auch das kann ein Egoist als Dummheit ansehen und zum eigenen Vorteil vereinnahmen. In einem solchen Stadium ist Egoismus schwer zu heilen, denn er ist dann fast schon eine seelische Krankheit, die sich zunehmend selbst verstärkt.

Bibel, Gebet und vor allem die offene Aussprache mit anderen können dazu helfen, herauszufinden, wo und wie stark ich ein Egoist bin. Die meisten Christen beschäftigt die Frage stark, wie sie von ihrem Egoismus befreit werden oder damit leben können. Eine krankhafte Steigerung des Egoismus ist der Egozentrismus. Egozentrische Menschen beziehen alles auf sich selbst, wollen ständig im Mittelpunkt stehen und erkennen kaum soziale Spielregeln und die Wünsche anderer an.

Ehe

Ehe ist eine alles umfassende Lebensgemeinschaft zwischen Frau und Mann, die gesellschaftlich anerkannt ist (Grundgesetz Art. 6) und für Christen einer religiösen Ordnung entspricht. Sie beginnt formal als öffentlich erklärter Vertrag, der zahlreiche Rechte und Pflichten begründet, für Christen darüber hinaus mit der kirchlichen Trauung, in der sie sich gegenseitige Liebe und Treue bis zum Tod versprechen. Hier erhalten die Eheleute den Segen für ihre Ehe und hören (mit der Gemeinde!), daß sich Ehe nicht aus der Summe einzelner Rechte und Pflichten ergibt, sondern aus der Liebe und der Vereinigung der beiden "zu einem Leib" (Epheser 5,31).

Dieses Eheideal bezeichnet Paulus als Geheimnis, weil es nur durch den Glauben aufzunehmen und zu verwirklichen ist. Die beiden Eheleute haben nach diesem Verständnis alles gemeinsam, also nicht nur Besitz und Bedürfnisse, sondern auch die Schuld an den Problemen, die es in jeder Ehe gibt. Und sie sind ein Leib auch dann, wenn sie völlig anderer Meinung sind und sich stark auseinandergelebt haben. Eine solche Gemeinschaft ist nach christlicher Ethik auf die Dauer nur mit einem Menschen möglich. In der römisch-katholischen Kirche wird die Ehe seit 1439 als Sakrament bezeichnet.

Die Ehe regelt weitgehend die sexuellen Beziehungen zwischen den Ehepartnern, bestimmt den rechtlichen Stand der Nachkommenschaft (z.B. als Erben) und bringt meist eine umfassende Wirtschaftsgemeinschaft und Arbeitsteilung mit sich (teilweise gesetzlich geregelt im Eherecht).

Der Entschluß, eine Ehe einzugehen, beruht auch heute weitgehend auf der Anziehung der Geschlechter und dem Grundbedürfnis des Menschen nach Gemeinschaft und Familie; aber er wird auch mehr als früher überlegt und gegenüber anderen Formen des Zusammenlebens abgewogen. Insbesondere die Rollenverteilung in der Ehe ist mit zunehmender Emanzipation der Frau zum Problem geworden.

Für Jesus war die Unauflöslichkeit der Ehe durch das Gebot und die Verantwortung füreinander selbstverständlich, für Paulus von ihrem inneren Wesen her begründet. Diese Überzeugung kann dazu helfen, auch bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben und den Vorteil einer längeren gemeinsamen Lebensgeschichte zu erfahren.

Ehebruch

Da die Ehe eine umfassende und auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft ist, wird mit dem 6. Gebot (2. Mose 20,14) nicht nur der außereheliche Geschlechtsverkehr für Verheiratete, sondern alles verboten, was die eigene und die Ehe anderer gefährden und zerstören kann. Jesus setzt schon die Lust zu außerehelichen Beziehungen dem Ehebruch gleich (Matthäus 5,28). Tatsächlich sind sexuelle Beziehungen von Verheirateten zu anderen Personen als dem Ehepartner in den meisten Fällen Zeichen und Folge einer tieferliegenden persönlichen Entfremdung, an der dann auch nicht nur einem Schuld zu geben ist. Jesus hat jedenfalls eine Ehebrecherin nicht verurteilt und sie vor Bestrafung bewahrt (Johannes 8,1-11). Luther zeigt in seiner Erklärung, daß das 6. Gebot nicht nur durch Unterlassung, sondern vor allem durch Liebe und gegenseitige Wertschätzung zu erfüllen ist.

Ehelosigkeit

Schon die Wortbildung zeigt, daß Ehelosigkeit als Mangel verstanden wird: Ehe ist (nach 1. Mose 2,18) Schöpfungsordnung Gottes, und danach ist es "für den Menschen nicht gut, daß er allein ist".

Jesus hat die Ehe nicht abgelehnt, war aber selbst ehelos und sprach von der Möglichkeit, daß Menschen entweder nicht für die Ehe geeignet sind oder aus wohlüberlegter Entscheidung darauf verzichten möchten (Matthäus 19,12). Im Reich Gottes, so sagte er, wird es den Unterschied zwischen ledig und verheiratet nicht mehr geben; das heißt, daß dieser aus der Sicht des Glaubens schon jetzt nicht mehr von grundsätzlicher Bedeutung ist. Ähnlich hat sich auch Paulus geäußert (1. Korinther 7,1-40), was oft als Abwertung von Ehe und Sexualität verstanden worden ist.

Welche Gründe und Umstände heute für Ehelosigkeit und deren Bewertung maßgebend sind, ist weithin unklar und jedenfalls ganz unterschiedlich. Für viele ist es nach wie vor ein schwer anzunehmendes Schicksal, wenn sie nicht zu einer Ehe gelangen. Sie sollen das, so sagt eine Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland, als Aufgabe alternativer Lebensgestaltung erkennen und die gleiche Achtung empfangen wie Verheiratete. Andere wollen sich nicht zu früh oder überhaupt nicht in einer Ehe binden. Da Gemeinschaft und sexuelle Beziehungen zwischen unverheirateten Personen in unserer Gesellschaft kaum noch erschwert oder verurteilt werden, brauchen sie jedenfalls nicht nur deshalb eine Ehe einzugehen, um zusammen leben zu können.

Manche heiraten nicht, weil sie sich ganz einem Beruf widmen wollen (bei römisch-katholischen Priestern, Diakonissen und manchen Ordensangehörigen schreibt es die Kirche oder eine Regel vor). Nur wenige bleiben ehelos, um ständig wechselnde Beziehungen eingehen zu können. Frauen fürchten zunehmend die Abhängigkeit vom Mann und von den Kindern in einer Ehe.

Klar ist, daß beide Möglichkeiten und auch Zwischenlösungen (wie Wohngemeinschaften) Vor- und Nachteile haben. Deshalb ist es um so wichtiger, die Sache genau zu überlegen, sich dabei die eigene Grundeinstellung bewußt zu machen und sie zu überprüfen; denn sie gibt letztlich den Ausschlag, ob ein Mensch in seiner Lebensform Erfüllung findet oder nicht.

Ehescheidung

Nach christlichem Verständnis widerspricht eine Ehescheidung dem Wesen der Ehe: "Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden" (Markus 10,9). Die Ehepartner werden von Jesus als "ein Leib" bezeichnet. In der kirchlichen Trauung heißt es deshalb: " ... bis der Tod euch scheidet."

Schwere Eheverfehlungen wurden aber schon früh als Grund für eine Scheidung angesehen (Matthäus 5,32). Da es vor Gericht fast immer äußerst schwierig oder unmöglich ist, das tatsächliche Verschulden der Beteiligten festzustellen, wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1976 das "Zerrüttungsprinzip" eingeführt. Danach werden Ehen geschieden, wenn die Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, daß die Ehegatten sie wiederherstellen. Letzteres wird nach einjähriger Trennung angenommen, wenn beide Partner zustimmen, bei Widerspruch eines Teils nach drei und in besonderen Härtefällen nach fünf Jahren.

Die rechtliche und moralische Erschwerung der Ehescheidung soll die Ehe als Institution schützen und die Möglichkeit offenhalten, daß die Partner doch wieder zusammenfinden. Man geht dabei von der Annahme aus, daß in vielen Fällen der äußere Fortbestand der Ehe auch bei Entfremdung und Konflikten für die Beteiligten (insbesondere für die Kinder) und für die Gesellschaft weniger nachteilig ist als eine Scheidung, zumal auch eine gerechte Regelung der Folgen einer Ehescheidung sehr schwer ist.

Nach römisch-katholischem Verständnis ist eine Scheidung gültig geschlossener Ehen nicht möglich. Erlaubt ist also nur die "Trennung von Tisch und Bett", wenn es nicht gelingt, die Ehe für nichtig, d.h. gar nicht zustande gekommen, erklären zu lassen.

In der evangelischen Kirche wird die kirchliche Trauung Geschiedener heute im allgemeinen nicht mehr verweigert, weil das einer Verurteilung der Geschiedenen gleichkäme und Schuld nicht den Segen ausschließen muß.

Ehre

Ehre ist die Wertschätzung und anerkennende Einstufung eines Menschen durch andere. Sie kann einen besonderen Ausdruck in öffentlichen Auszeichnungen wie Titel oder Orden finden.

Ehre war früher meist mit Abstammung (Adel), Beruf, Rang, Stand und Alter verbunden; heute ergibt sie sich überwiegend aus besonderen Leistungen, die als vorbildlich anerkannt werden.

Im Grunde hat jeder Mensch seine Ehre als Person (Menschenrechte). Wer sie schuldhaft verletzt, kann bestraft und sogar zu Schadenersatz verurteilt werden. Daraus ist zu erkennen, daß die Gesellschaft ein

Interesse an einer angemessenen und von ihr geregelten Anerkennung ihrer Bürger hat. Diesen verschafft Ehre meistens größeren Einfluß, Privilegien und materielle Vorteile; viele öffentliche oder gemeinnützige Aufgaben werden als Ehrenämter ohne Bezahlung wahrgenommen.

In der Bibel ist viel mehr von der Ehre ("Herrlichkeit") Gottes als von der des Menschen die Rede. Gott die Ehre zu geben bedeutet gleichzeitig die Befreiung von der ehrerbietigen Abhängigkeit gegenüber anderen Göttern, Mächten oder Menschen ("Ehre sei Gott in der Höhe ...", Lukas 2,14). Die Menschen haben ihre Ehre durch den Stand, in den Gott sie gestellt hat, also als Eltern (4.Gebot), Leitende oder Alte.

Nach dem christlichen Glauben ist die Ehre Gottes in Jesus erschienen; daran haben die Gläubigen Anteil (Johannes 1,14 und 17,22). Untereinander soll "einer dem anderen mit Ehrerbietung zuvorkommen", fordert Paulus (Römer 12,10). Auf ihn geht auch das Sprichwort "Ehre, wem Ehre gebührt" zurück; er hat es im Blick auf die Vertreter des Staates geschrieben (Römer 13,7).

Allerdings warnen Jesus und Paulus nachdrücklich davor, das eigene Denken und Handeln überwiegend vom Streben nach Ehre bestimmen zu lassen. Dann wird nämlich vieles nicht mehr aus Liebe, sondern aus Ehrgeiz getan. Der führt zwar zu beachtlichen Anstrengungen und Leistungen, aber nicht zu Gerechtigkeit und Solidarität mit anderen Menschen.

Warum wird die Ehre anderer so oft verletzt? Wahrscheinlich deshalb, weil die meisten Menschen glauben, für sich selbst eine Aufwertung zu erreichen, wenn sie andere herabsetzen, d.h. ihnen die Ehre verweigern oder die vorhandene zerstören.

Der christliche Glaube schärft das Bewußtsein für die Gefahren, die im Geben und Nehmen von Ehre liegen. Aber auch bei Ehrerbietung im kirchlichen Bereich wird zu oft vergessen, daß Leistungen nur aufgrund von Begabung und günstigen Umständen erbracht werden können und keiner daraus für sich selbst Kapital schlagen soll. Wenn einem Christen Ehre erwiesen wird, soll er selbstkritisch bleiben und zugeben, daß es viele andere gibt, deren Leistungen unter schwereren Bedingungen im Verborgenen bleiben und keine Auszeichnung erhalten. Zusätzlich stellt sich für ihn die Frage, ob es

Ehre ist, die auch vor Gott gilt (Johannes 5,44 und 12,43).

Eid

Der Eid ist als Bekräftigung einer Aussage sehr alt. Ursprünglich lag das Besondere des Eides darin, daß Gott oder eine höhere Macht als Zeuge angerufen wurde und Fluch oder Strafe wirksam werden sollte, falls die beschworene Aussage falsch war (Meineid).

Heute haben Eide den Sinn, Menschen bei besonders wichtigen Aussagen

(von denen z. B. die Rechtsprechung oder das Schicksal anderer Menschen abhängt) auch in ihrem Gewissen zu verpflichten und ihnen durch Androhung hoher Strafen das Lügen riskanter zu machen.

In einem Treueid verpflichten sich Politiker vor dem Parlament, Beamte und (Berufs- bzw. Zeit-) Soldaten zu einem bestimmten Verhalten. Wird ein Eid als unbedingter Treueschwur aufgefaßt, so kann sich daraus gedanken- und verantwortungslose Auslieferung an Mächtige ergeben. Im Zweiten Weltkrieg fühlten sich viele Soldaten auch dann noch an ihren Treueid gebunden - der damals auf den "Führer" Adolf Hitler geleistet werden mußte -, als ihnen klar wurde, daß ihnen Unrecht befohlen wurde (Treue). Früher lautete die ausführliche religiöse Eidesformel: "Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden ... so wahr mir Gott helfe." In der Bundesrepublik Deutschland kann niemand zum Gebrauch einer religiösen Eidesformel gezwungen werden. Eidesmündig sind hier die Bürger ab 16.

Jesus hat das Schwören ganz eindeutig abgelehnt (Matthäus 5,33-37; so auch Jakobus 5,12), weil er meinte, daß man sich immer auf das verlassen können sollte, was Christen sagen, und eine besondere Beteuerung deshalb nicht nötig sei. Auch an den Mißbrauch des Namens Gottes und die Unbedenklichkeit, mit der Gott als Zeuge angerufen wird, ist bei der Ablehnung des Eides zu denken. Insofern ist es eigentlich verwunderlich, daß Christen überhaupt und mit der Anrufung Gottes Eide leisten. Ist das nur Anpassung an die Regeln der Allgemeinheit? Sie lassen damit jedenfalls auch erkennen, wie schwer es ist, bei der Wahrheit zu bleiben und sie in der Rechtsprechung zu finden. Einige religiöse Gruppen, wie z.B. die Mennoniten, weigern sich zu schwören, auch wenn sie dafür bestraft werden.

Eigentum

In allen Kulturen ist die Zuordnung von Dingen, die Menschen zum Leben brauchen oder benützen, rechtlich geregelt. In Artikel 14 des Grundgesetzes heißt es: (l) "Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

Zum Eigentum gibt es unterschiedliche Einstellungen, z.B. folgende:

Jesus fordert dazu auf, sich nicht in erster Linie vom Erwerb oder Besitz von Eigentum bestimmen und ausfüllen zu lassen, sondern es den Zielen des Glaubens unterzuordnen; "denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Besitz ab, auch wenn dieser noch so groß ist" (Lukas 12,15; vgl. auch Matthäus 6,24; Markus 10,23).

Der Christ ist mitverantwortlich für die Bedingungen, unter denen Eigentum erworben werden kann. Hier gibt es noch viel Ungerechtigkeit zu beseitigen. Die evangelische Kirche unterstützt eine Politik, die bisher vermögenslosen Schichten den Erwerb von Besitz und Miteigentum an industriellen Produktionsmitteln ermöglicht.

Der Glaube kann helfen, die Problematik des Eigentums zu erkennen. Sie fängt nicht erst bei einer bestimmten Größenordnung von Besitz an, sondern z.B. dort, wo Eigentum gegen andere verwendet wird. Wer sich als Christ von Gott angenommen weiß, hat es nicht mehr nötig, mit seinem Besitz anderen Eindruck machen zu wollen.

Christen werden ein größtmögliches Maß an gemeinsamer Benutzung von Eigentum für erstrebenswert halten. Die Fähigkeit zur Schaffung und zum Gebrauch von Gemeinschaftseigentum ist weiterzuentwickeln; was alle Menschen brauchen, kann nicht der Verfügungsgewalt einzelner unterliegen.

Einsamkeit

Manche Menschen suchen sie, um nachdenken zu können, Abstand zu gewinnen und Ruhe zu finden. Jesus wurde in der Einsamkeit der Wüste vom Versucher auf die Probe gestellt (Matthäus 4, 1f). Franziskus von Assisi opferte seinen Wunsch nach Einsamkeit nur widerstrebend der Erfüllung des Auftrages, das Evangelium zu predigen.

In der Schöpfungsgeschichte steht der Satz: "Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist" (1. Mose 2,18). Unfreiwillige Einsamkeit wird von den meisten Menschen als Mangel und Not empfunden. Der Philosoph Pascal meinte sogar: "Alles Übel hat seinen Grund darin, daß der Mensch nicht allein sein kann." (Bonhoeffer: "Wer nicht allein sein kann, hüte sich vor der Gemeinschaft - wer nicht in Gemeinschaft leben kann, hüte sich vor dem Alleinsein.")

Wie einsam viele Menschen heute trotz Fernsehen, Radio, Auto und Telefon sind, zeigt u.a. die Inanspruchnahme der Telefonseelsorge. Sie erfahren Einsamkeit in vorübergehender Trennung, und sie leiden, wenn ihnen der Tod einen lieben Partner genommen hat oder wenn sich im Alter niemand mehr um sie kümmert. Andere sind einsam, weil niemand sie richtig versteht oder sie sich selbst mit anderen nicht verstehen. Sie fliehen dann in irgendeine Aktivität oder zufällige Beziehung, nicht selten auch in den Alkohol- oder Drogenkonsum. Einsamkeit kann krank machen und bis zum Selbstmord treiben.

Manche Einsamkeit kann selbstverschuldet sein, wenn vorhandene Beziehungen nicht gepflegt und neue nicht rechtzeitig gesucht wurden; ob das geschieht und gelingt, hängt natürlich weitgehend von der Grundeinstellung ab, die ein Mensch hat. Falsch und erfolglos ist es, Einsamen Vorwürfe zu machen: Du lebst zu sehr in der Vergangenheit. Denk doch nicht nur an dich! Unternimm doch mal etwas, usw. Sie brauchen vielmehr unaufdringliche Zuwendung, Herausforderung und Möglichkeiten der Beteiligung. Auch kleine Zeichen der Einbeziehung helfen ihnen oft schon viel.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche, der die Unfähigkeit zum Alleinsein verachtete, hat einmal geschrieben: "Für einen Frommen gibt es keine Einsamkeit." Aber wer sich von Menschen verlassen fühlt, spürt oft auch Gottes Nähe nicht.

Einsame sollten den Mut haben, ihre Einsamkeit mitzuteilen. Da jeder schon selbst Einsamkeit erfahren hat, kann er daraus lernen, was einem Einsamen hilft und wie man ihm begegnen sollte.

Das Gebet kann zwar kein Ersatz für fehlende Gemeinschaft, wohl aber eine Hilfe sein (Gebet).

Ekstase

Eine Beschreibung oder Definition von Ekstase kann kaum das vermitteln, was das Wesentliche solcher Erlebnisse oder Zustände ausmacht; handelt es sich doch um ein Heraustreten oder Entnommenwerden aus den normalen Lebensverhältnissen, um außergewöhnliche Begeisterung, besondere Schau und das Gefühl totaler Hingabe. Es kommt dabei zu erstaunlichen körperlichen Reaktionen (Zucken, Schreien, Unempfindlichkeit), starker Erregung und verminderter Selbstkontrolle. Manche Menschen fühlen sich in der Ekstase eins mit der Gottheit. Ausgelöst wird Ekstase u.a. durch Meditation, Tanz, Rhythmus, suggestive Ansprachen, Orgasmus, Rauschmittel und religiöse Riten.

Wie in vielen anderen Religionen und Kulten kommt Ekstase auch im christlichen Bereich vor: Das Alte Testament berichtet von Propheten, die bei Visionen oder Predigten in Ekstase gerieten.

Paulus "rühmt" sich (2. Korinther 12,1-13) sogar einer "Entrückung" bis in den "dritten Himmel", bei der er "unsagbare Worte hörte, die ein Mensch nicht aussprechen kann".

Im Neuen Testament werden Ekstasen auf das Wirken des Heiligen Geistes zurückgeführt (z.B. bei Stephanus, Paulus und an Pfingsten). Das bei Gemeindeversammlungen auftretende ekstatische "Zungenreden" (wohl ein verzücktes Lallen) war für Außenstehende so unverständlich, daß Paulus dazu aufforderte, die Worte entweder zu erklären oder besser gleich vernünftig zu reden (1. Korinther 14,1-25).

Im Lauf der Kirchengeschichte ist ekstatische Frömmigkeit zwar immer wieder aufgetreten, aber von der Kirche (und insbesondere im Protestantismus) durch feste Formen und Ordnungen verdrängt worden. Nur in den Pfingstkirchen, bei Christen in Afrika, in Südamerika und in vielen Gemeinden Schwarzer in Nordamerika hat sie sich gehalten. Wahrscheinlich finden manche Jugendliche ekstatische Erfahrungen in der Kirche nur bei größeren Veranstaltungen wie z. B. Kirchentag. Nicht wenige suchen sie bei Sportveranstaltungen, in Diskotheken und im Drogenkonsum.

Eltern

Eltern sind eine Frau und ein Mann, die durch Zeugung, Empfängnis und Geburt (oder auch Adoption) eines Kindes oder mehrerer Kinder miteinander verbunden sind (auch wenn sie nicht zusammen leben). Meist ergibt sich eine Vertiefung dieser Beziehung durch gemeinsame und langdauernde Erziehung, aber auch Unsicherheit und Konflikt in der neuen sozialen Rolle.

Übereinstimmung zwischen Eltern und deren gegenseitige Ergänzung vermittelt Kindern das Erlebnis von Stabilität und Geborgenheit. Aber auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den beiden Elternteilen sind sehr wichtig. Kinder erleben die Eltern oft als die Mächtigen, Besitzenden und gegen sie Verbündeten. Deshalb machen sie Versuche, mit Elternteilen wechselnde Koalitionen einzugehen. So verändern sich die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern ständig, insbesondere bei beginnendem Jugendalter und wenn die Kinder sich von den Eltern lösen, um selbständig zu werden.

Nicht nur die Liebe, Partnerschaft und Zusammenarbeit der Eltern sind für das Kind prägendes Modell, sondern auch die Konflikte. Dabei gilt, belegt durch Untersuchungen: Eltern mit Fehlern sind besser als fehlende Eltern.

Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, fordert Eltern und Kinder dazu auf, ihre Beziehungen zueinander besser zu verstehen und vom christlichen Glauben her zu gestalten.

Emanzipation

Das Wort bedeutet die Aufhebung einer Abhängigkeit, z.B. im Altertum die Freilassung eines Sklaven oder die Entlassung von Kindern aus der Herrschaft des Vaters.

Mitte des l9.Jahrhunderts bezeichnete man damit zusammenfassend das Ziel des Kampfes um die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frau.

In neuerer Zeit wurde Emanzipation zum Leitbegriff für die Kritik an aller Art von Fremdbestimmung. Sie soll durch Erziehung, Abbau von Vorurteilen und Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse erreicht werden. Konflikte werden dabei nicht als Störung, sondern als notwendiges Stadium auf dem Weg zur Selbstbestimmung angesehen.

Schon früh richtete sich die Forderung nach Emanzipation auch gegen Religion und Kirche: sie würden die Menschen in geistiger Abhängigkeit halten, die Unterordnung der Frau und die Unterdrückung der Sexualität predigen und auf der Seite der Machthaber stehen.

Im Neuen Testament und in der christlichen Verkündigung ist aber ganz klar die Zusage der Freiheit enthalten; sie ergibt sich aus dem Glauben an Jesus (Johannes 8,32-36; 2. Korinther 3,17). Allerdings wurde sie nur sehr begrenzt verwirklicht: von einzelnen in ihrem Denken und Handeln mit Gleichgesinnten; in kleinen Schritten im Rahmen der jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

Man muß zugeben, daß die Kirche und viele Christen weit hinter den ihnen gegebenen Möglichkeiten zurückgeblieben sind, Freiheit für sich selbst und andere zu verwirklichen (vgl. Galater 5,1f). Aber es geht nach dem christlichen Glauben nicht so sehr um die Forderung einer Freiheit von etwas obwohl das unter der Bezeichnung Sünde und Herrschaft des Bösen eine Rolle spielt; vielmehr gewinnt der Christ seine Freiheit in der Annahme einer Zusage und Zuwendung Gottes für ein daraus folgendes Leben und Verhalten. In der Gemeinschaft mit anderen und bei der Erfüllung der als notwendig erkannten Aufgaben wird er auch seine eigene Selbstverwirklichung finden können (Gefahr: Egoismus).

Christen werden also nicht Emanzipation gegen andere anstreben, sondern versuchen, sie mit ihnen gemeinsam zu verwirklichen. Sie lassen sich dabei wohl von anderen kritisch fragen, ob sie nicht doch zu sehr übernommenen Traditionen und Gewohnheiten verhaftet sind und deshalb dazu neigen, sich mit Ungerechtigkeit abzufinden. Aber sie glauben auch nicht, daß mit der Abschaffung bestimmter Ungleichheiten und Benachteiligungen (z.B. bei der Berufstätigkeit der Frau) schon alle Probleme gelöst wären. Sie sollten bereit sein, mit allen zusammenzuarbeiten, die sich um mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung in unserer Welt bemühen, auch wenn diese andere Motive dafür haben als den christlichen Glauben.

Engel

In der Bibel werden Engel als Wesen beschrieben, die zwischen Gott und Menschen vermitteln. Sie sind Gottes Boten und dienstbare Geister.

In einer Zeit, in der es kein Telefon, kein Fernsehen und keine schnellen Verkehrsmittel gab, konnten Herrscher ihre Nachrichten nur durch Boten überbringen lassen. Diese wurden mit großen Ehren empfangen. Etwa so ähnlich sind Engel für viele Menschen Zwischenwesen, die den großen Abstand zu Gott überbrücken (Mythos).

Im Neuen Testament treten Engel häufig zur Ankündigung besonderer Ereignisse auf, z.B. bei der Geburt Jesu; oder sie erklären, wenn etwas schwer zu verstehen ist, z.B. bei der Auferstehung.

Neben den Boten kennt die Bibel Engel, die eine Art himmlischen Hofstaat Gottes bilden. An oberster Stelle stehen Michael, Gabriel und Raphael (obwohl Engel als Wesen ohne Geschlecht zu denken sind, erhielten sie entsprechend dem damals vorherrschenden Patriarchat männliche Namen). Andere Engelgruppen heißen Cherubim und Seraphim.

In der christlichen Kunst werden Engel in vielfachen Formen auf Bildern und als Figuren dargestellt. Das dient nicht nur zur Ausschmückung von Kirchen, sondern ist anschaulicher Ausdruck für die Vielfalt der Wirkungen Gottes.

Wenn wir (wie auch Jesus, Matthäus 18,10) von "Schutzengeln" sprechen, so drückt sich darin die Überzeugung aus, daß über die Grenzen menschlichen Erkennens hinaus vieles zusammenwirkt, um unser Leben zu erhalten.

Entschiedenes Christentum

Der 1881 in Nordamerika von dem Pfarrer Francis Clark unter dem Namen "Christian Endeavour" (=christliche Bestrebung) gegründete Jugendbund verbreitete sich rasch in der ganzen Welt und kam 1894 auch nach Deutschland (Bundeszentrale in Kassel).

Zu den Methoden der EC-Arbeit gehört die Sammlung der Jugend in wöchentlichen Jugendstunden, bei denen die Bibel im Mittelpunkt steht. In monatlichen Weihestunden wird die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus neu befestigt. Durch offene Abende sollen Außenstehende angesprochen und gewonnen werden. Arbeitsbesprechungen und Dienstgruppen ermöglichen eigenverantwortliche Beteiligung hauptsächlich ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Wer darin Mitglied werden will, muß ein Gelübde unterschreiben, in dem er sich zu tätiger Mitarbeit verpflichtet. Es lautet: "Meinem Herrn Jesus Christus gelobe ich im Vertrauen auf seine Kraft: Es soll mein ernstes Bestreben sein, allezeit, besonders auch in meinem täglichen Beruf, zu tun, was meinem Herrn und Heiland wohlgefällt. Ich will jeden Tag Gottes Wort lesen und beten, meine Kirchengemeinde und Gemeinschaft nach Kräften unterstützen sowie auch ihre Gottesdienste und Versammlungen regelmäßig besuchen. Als tätiges Mitglied des Jugendbundes will ich alle meine Pflichten gegen den Bund gewissenhaft erfüllen, in seinen Versammlungen immer anwesend sein und zu ihrem gesegneten Verlauf nach meinen Gaben und Kräften beitragen. Von dem Besuch der Versammlungen des Bundes sollen mich nur solche Gründe abhalten, die ich vor meinem Herrn und Meister mit gutem Gewissen verantworten kann."

Der Jugendbund für Entschiedenes Christentum leistet umfangreiche Hilfe für Bedürftige (Indien, Alte und Kranke) und führt missionarische Aktionen durch, um junge Menschen anzusprechen.

In seiner Eigenart ist er für die Mitglieder und Mitarbeiter der volkskirchlichen Gemeinden eine Herausforderung - oft aber auch Anlaß, sich als moderner und weltoffener Christ von dieser Gruppe abzugrenzen.

Entwicklungshilfe

Angesichts der Tatsache, daß zwei Drittel der Weltbevölkerung nicht genug zu essen haben und etwa ein Drittel weniger als 250 DM im Jahr verdient, andererseits aber in den Industriestaaten im Überfluß produziert und konsumiert wird, ist die Notwendigkeit einer Hilfe für unterentwickelte Länder - auch durch die heutigen Massenmedien - vor aller Augen. Trotzdem werden die Reichen zur Zeit immer noch reicher und die Notleidenden im Verhältnis dazu immer ärmer. Woran liegt das, wo doch schon so viel geholfen wird?

Aber was ist hier "viel"? Im Bundeshaushalt liegen die Ausgaben für Entwicklungshilfe immer noch unter 1%, von den Kirchensteuern werden 2% gegeben. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Hilfe wird überholt vom Bevölkerungszuwachs.

Dabei ist es heute nahezu unbestritten, daß die Entwicklungsländer nicht "an sich" arm sind oder sein müssen. Die Ursachen für die Not liegen vielmehr in ihrer Sozial- und Wirtschaftsstruktur, mehr noch in ihrer Abhängigkeit von den Industriestaaten, in der einseitigen internationalen Währungspolitik - und immer noch in den Folgen des kolonialen Zeitalters mit seiner Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen in der Dritten Welt. Warum helfen die Industriestaaten der Dritten Welt? Neben christlicher Verantwortung, Mitleid und Solidarität gibt es auch das Interesse an der Erschließung von Absatzmärkten für die eigenen Produkte und Angst vor einem weltweiten Aufstand der Armen gegen die Reichen mit einer Gefährdung der Rohstoffquellen. Die Erkenntnis setzt sich durch, daß es nur diese eine Welt gibt als Lebensraum für alle.

Inzwischen wurde aus den Erfahrungen mit der Entwicklungshilfe gelernt:

Es ist falsch, vom Leitbild unserer Konsum- und Wohlstandsgesellschaft auszugehen. Das einseitige Geber-Nehmer-Verhältnis muß überwunden werden. Repräsentanten der Entwicklungsländer sollen mit- und selbstverantwortlich entscheiden, welche Projekte in Angriff genommen werden. Anerkannte Formeln wie "Hilfe zur Selbsthilfe", "Soziale Gerechtigkeit", "Bekämpfung der Armut und ihrer Ursachen " müssen konkretisiert werden. Dazu war und ist viel Sachkenntnis nötig, Geduld und persönliches Opfer. Es ist gar nicht zu vermeiden, daß infolge mangelnder Kenntnisse und Personalknappheit manche Fehlschläge vorkamen. Aber kann das eine Entschuldigung oder Rechtfertigung dafür sein, daß ich nichts gegeben habe oder geben will?

Als Kritik wird gegen Entwicklungshilfe vorgebracht:

Diese Argumente entspringen z.T. mangelnder Information; eben diese wird zunehmend als wichtige Aufgabe und Voraussetzung der Entwicklungshilfe angesehen. "Wir wissen zuwenig darüber, weil wir zu sehr von unseren eigenen Interessen und Sorgen gefangengenommen sind", heißt es in der Denkschrift "Der Entwicklungsdienst der Kirche - ein Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit", die von der Evangelischen Kirche in Deutschland 1973 veröffentlicht worden ist. Sie hat schon 1968 alle Gemeindeglieder aufgerufen, als Richtsatz für ihre persönlichen Beiträge zu "Brot für die Welt" oder andere Spenden mindestens 1% ihres Einkommens anzusetzen. Über 10000 Christen sind eine darüber hinausgehende Verpflichtung eingegangen: Sie erlegen sich eine freiwillige Sondersteuer in Höhe von 2 - 5% ihres Einkommens auf und stellen den Betrag im Rahmen der "Aktion Selbstbesteuerung" für Entwicklungsaufgaben zur Verfügung.

Unterschiedliche Meinungen gibt es darüber, ob die Hilfe schon glaubwürdiges christliches Zeugnis ist oder ausdrückliche Wortverkündigung und missionarische Arbeit dazukommen müssen. Auch hier wird es um die Einheit von Wort- und Tatzeugnis ankommen (Dienste in Übersee).

Enzyklika

Das ist der Name für amtliche Rundschreiben des Papstes an die römisch-katholischen Bischöfe und damit auch an alle Gläubigen über die Einstellung der Kirche zu bestimmten aktuellen Fragen (vergleichbar mit den Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland). Sie haben auch in der evangelischen Kirche und in der Öffentlichkeit viel Interesse gefunden, so z. B. die Enzykliken über die katholische Soziallehre (1931, 1961, 1967), über christliche Erziehung (1929), Ehe (1930), Gebrauch der Bibel (1943,1950) und Geburtenregelung (1968). Zum Nationalsozialismus hat Papst Pius XI. in der Enzyklika "Mit brennender Sorge" 1937 Stellung genommen.

Epiphanias

Bevor Weihnachten als selbständiges Fest der Geburt Jesu auf den 25. Dezember gelegt wurde, feierte die christliche Kirche am 6.Januar die "Erscheinung" (=Epiphanie) des Sohnes Gottes in dieser Welt als eines der drei Hauptfeste neben Ostern und Pfingsten. In der Ostkirche (Orthodoxe Kirche) steht dabei die Taufe Jesu im Mittelpunkt, bei der er nach Matthäus 3,17 als Sohn Gottes in Erscheinung trat (mit Weihe des Taufwassers an diesem Tag).

In der katholischen Kirche ist Epiphanias das Fest der "Heiligen Drei Könige", denen der Stern Jesu erschienen ist. Sie sind Beispiel dafür, daß auch Angehörige anderer Religionen Jesus als Heiland anerkennen, von ihm die Rettung der Welt erwarten und ihm als Ausdruck dafür wertvolle Geschenke mitbringen.

In der evangelischen Kirche wird Epiphanias entweder auch am 6.Januar oder am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Die in der Epiphaniaszeit im Gottesdienst verlesenen Texte aus den Evangelien zeigen Jesus als den Sohn Gottes, der sich den Menschen offenbart, zum Beispiel als 12jähriger im Tempel, beim Weinwunder zu Kana und bei der Speisung der 5000.

Erbsünde

Jeder Mensch macht wohl einmal die Erfahrung, daß er Böses in sich und um sich herum vorfindet, zum Bösen gezwungen ist - und doch die Verantwortung dafür übernehmen muß. Diese Tatsache bezeichnet das Wort Erbsünde mit einem Vergleich aus der Biologie: Wir werden in Verhältnisse hineingeboren, in denen Sündlosigkeit und eine ungebrochene Beziehung zu Gott unmöglich sind. Im zweiten Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses (1530) wurde formuliert, "daß nach Adams Fall alle Menschen ... in Sünde empfangen und geboren werden, das heißt, daß sie alle von Mutterleib an voll böser Lust und Neigung sind und von Natur keine wahre Gottesfurcht und keinen wahren Glauben an Gott haben können" (vgl. Paulus, Römer 5,12-21).

Auch Psychologie und Soziologie untersuchen heute (frühkindliche) Prägungen durch Erziehung und Umwelteinflüsse, insbesondere durch die Gesellschaft. Der enge Zusammenhang zwischen dem Verhalten des einzelnen und den "Verhältnissen" ist dadurch offenkundig geworden. Die materialistische Weltauffassung sieht im Menschen sogar nur das Produkt seiner Umwelt. Im Unterschied dazu bringt der christliche Glaube mit dem Wort Erbsünde mehr die Frage nach der Entfremdung aller Menschen von Gott in den Blick. Nicht der Glaubensgehorsam, sondern der Aufruhr gegen Gott vererbt sich. Zwar läßt sich zwischen dem Anteil der eigenen, selbstverschuldeten Sünde und der Verflochtenheit in die Sünden anderer nicht genau unterscheiden; aber es ist doch wichtig und realistisch, zu erkennen, daß wir zutiefst und weit über unsere Selbsterkenntnis hinaus von einer lange vor uns bestehenden Macht des Bösen bestimmt sind.

Erleuchtung

Licht wird in vielen Religionen als Symbol für Wahrheit, Geist und Leben gebraucht. Auch in der Bibel ist der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis für den Menschen und die Welt bestimmend (besonders im Johannesevangelium). Erleuchtung ist die Beteiligung des einzelnen

Gläubigen am göttlichen Licht und wird als Werk und Gabe des Heiligen Geistes erfahren. Sie ist nur selten ein besonderes Erlebnis, sondern Bestandteil des christlichen Glaubens überhaupt. So heißt es in Luthers Kleinem Katechismus zum dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses: "Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten..." Es ist also schon ein Teil der Erleuchtung zu erkennen, wenn ich mich nicht selbst zum Glauben auf_ schwingen kann. Erleuchtung bedeutet, das eigene Leben in einer anderen Bewertung und neue Zukunftschancen sehen zu können. Christen verlassen und berufen sich also nicht auf ein schon im Menschen wohnendes Licht, sondern erwarten entscheidende und tiefgreifende Impulse von Gott. Erfahrungsgemäß ist diese Einstellung die Voraussetzung dafür, daß es auch dazu kommt.

Erlösung

Luther hat in seinem Kleinen Katechismus den zweiten Artikel im Glaubensbekenntnis, der von Jesus Christus handelt, unter die Überschrift gesetzt: Von der Erlösung. Das Wort faßt also, ähnlich wie Rechtfertigung oder Versöhnung, die Zusagen, Erfahrungen und Hoffnungen des christlichen Glaubens zusammen.

Schon im Alten Testament wurde die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten, aus dem Exil in Babylon und aus mancher anderen Not als Erlösung durch Gott erlebt und bezeichnet.

Zur Zeit Jesu und im Mittelalter empfanden viele Menschen ihr Leben bestimmt von bösen Mächten, Sünde und Tod und sehnten sich nach Befreiung davon. Im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu sieht der Glaube den stellvertretenden Durchbruch, der allen Menschen Erlösung bringen kann.

Auch heute erleben nicht nur Christen ihre Existenz als unheilvoll: Gefahren durch Wettrüsten, Umweltzerstörung, Zwänge der Technik, des Konsums und der Medien, dazu eigene Schuld, Lieblosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Mit den Anstrengungen einzelner ist da nichts zu machen. Es muß sich grundlegend etwas ändern. Gibt es einen Ausweg?

In Gottesdiensten wird zwar das Wort Erlösung viel gebraucht, und im Vaterunser ist die Bitte um "Erlösung vom Bösen" enthalten. Aber nur wenige verbinden diese Hoffnung ganz konkret mit ihrem eigenen Leben und mit unserer Welt. Fühlen wir uns wirklich erlösungsbedürftig? Wie und in welcher Zukunft halten wir eine Veränderung für möglich, die Erlösung bringt?

Der christliche Glaube sagt mehr als nur dies, daß z.B. der Tod für einen schwerleidenden Kranken Erlösung ist. Christen erfahren den Beginn der Befreiung von sinnzerstörenden Mächten und immer wieder neu von der Verstrickung in eigene Schuld. Die Möglichkeit und Erfahrung eines neuen Lebens wird so sehr als grundlegend anders empfunden, daß dafür das Wort "Erlösung" gebraucht wird. Sie hat allerdings erst angefangen. Ihr Wert und voller Umfang wird sich noch zeigen (Römer 8,23).

Erntedankfest

Schon seit dem Altertum werden am Ende der Erntezeit Feste und Gottesdienste gefeiert (z.B. in Israel das Laubhüttenfest). Sie entsprechen dem Bewußtsein dafür, daß der Mensch sein Leben letztlich dem Geheimnis der Schöpfung und dem Wunder des Wachstums verdankt, das er durch Arbeit und Technik zwar fördern, aber nicht machen kann.

Dankbarkeit ist die Grundhaltung, die das nicht einfach als selbstverständlich empfindet, sondern immer mehr entdeckt, wie reich wir eigentlich sind. Aus der Besinnung auf die Grundlagen des Lebens schöpfen wir Freude, Kraft für neue Saat und Arbeit und Bereitschaft für gerechtes Teilen.

Eros, Erotik

Eros ist der griechische Gott der Liebe, der damals auch als einer der Welterschaffer verstanden wurde. Er ist noch heute Symbol für die sinnliche, bewundernde und verlangende Liebe. Sie kann triebhafte Sexualität kultivieren und geistige Liebe näher an die Realität bringen.

Eros ist Liebe aufgrund der Erkenntnis und Wertschätzung besonderer Vorzüge eines Menschen wie Schönheit und Verhalten. Sie kann von der werbenden und spielerischen Liebe bis hin zur temperamentvollen Leidenschaft reichen. Für manche wird Erotik zeitweise zum höchsten Lebensinhalt oder zu einer Technik, um den Genuß zu steigern.

In Verbindung mit tiefgehender persönlicher Beziehung und Partnerschaft sehen Christen in der Erotik weniger eine Gefahr als vielmehr eine beglückende Gestaltungsmöglichkeit intimer Liebe. Eros kann auch das Verhältnis eines Menschen zur Kunst, zur Pädagogik und zur Wahrheit bestimmen (Agape, Nächstenliebe).

Ethik

Das Wort bedeutet Sittenlehre. Ethik gibt es als Beschreibung, Begründung, Kritik und Vermittlung von Regeln und Werten, die als erstrebenswert und lebensnotwendig angesehen werden. Sie gibt Antwort auf die Fragen: Was dürfen, sollen und müssen wir tun? Was ist verboten?

Schon im Altertum hat sich die Philosophie mit der Frage beschäftigt, welche Gesinnungen und Handlungen als gut oder böse zu bewerten sind. In den Religionen wird die Lehre vom richtigen Verhalten von den Grundaussagen des Glaubens abgeleitet. Christliche Theologen gehen dabei von einem Verständnis des Menschen aus, der als Geschöpf Gottes zum Sünder geworden, durch Gnade aber zu neuem Leben berufen ist. Im einzelnen ergeben sich aber beträchtliche Unterschiede. So sehen katholische Moraltheologen die meisten Gebote in der natürlichen Ordnung begründet, während auf evangelischer Seite mehr der geschichtliche Wandel und der Einzelfall berücksichtigt werden (Situationsethik).

Es besteht heute eine Tendenz, mit möglichst wenig Vorschriften und Regeln auszukommen - was eigentlich dem christlichen Glauben ganz gut entspricht; denn aus dem Gebot, Gott und seinen Nächsten (wie sich selbst) zu lieben, läßt sich im Grunde alles andere ableiten. Deshalb bezweifeln manche, ob es überhaupt eine besondere christliche Ethik geben kann.

Andererseits müssen allgemeine Zielvorstellungen (wie z.B. auch Goethes "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" oder Kants "Handle so, daß das Prinzip deines Handelns jederzeit Prinzip für das Handeln aller sein könnte") immer wieder neu auf bestimmte Bereiche und Einzelfälle angewendet werden, z. B. auf Ehe und Familie, Eigentum, Arbeit, Gewaltanwendung und Weltgestaltung. Bei einer Veränderung von Gesetzen und moralischen Normen sind die Folgen für die Beteiligten und für die Gesellschaft zu bedenken, z.B. bei einer Ehescheidung, bei der Behandlung von Minderheiten und bei der Wehrdienstverweigerung. Das alles hat die Ethik mitzubedenken und muß dabei zu größtmöglicher Gerechtigkeit und Widerspruchsfreiheit kommen.

Ethik beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit der Bedeutung von moralischen Normen für den einzelnen und die Gesellschaft. Die Einsicht in die Wandelbarkeit von Moral und ihren Zweck für den einzelnen - auch die Verhaltensforschung hat hierzu viel beigetragen - kann den Umgang mit ethischen Vorgaben freier und zweckdienlicher werden lassen.

Im Grunde hat jeder einzelne Mensch "seine" Ethik (mit einem Fremdwort wird das "Ethos" genannt). Gespräche darüber (z.B. im Religionsunterricht oder bei Gemeindeveranstaltungen) können helfen, sich darüber klarer zu werden und manche Einstellungen zu überprüfen.

Euthanasie

Das griechische Wort bedeutet "gutes Sterben" und bezeichnet ursprünglich eine gefaßte Haltung gegenüber dem Tod bis zum Lebensende. Später rechnete man auch die schmerzlindernde Hilfe des Arztes in der Todesstunde bis hin zur lebensverkürzenden Aussetzung weiterer ärztlicher Bemühungen und aktive Sterbehilfe auf Verlangen des Kranken dazu. Unter Hitlers Herrschaft gab es ein "Euthanasieprogramm" zur Vernichtung "lebensunwerten Lebens", bei dem mehr als 100000 geistig und körperlich behinderte Menschen ermordet wurden, bis es wegen des Protestes der Bevölkerung und der Kirche gestoppt wurde.

Euthanasie im heutigen Sinn als mehr oder weniger aktive Hilfe zur Herbeiführung des Todes ist in allen Kulturstaaten verboten und unter Strafe gestellt. Die Kirche weist in diesem Zusammenhang auf die uneingeschränkte Geltung des 5. Gebotes hin: "Du sollst nicht töten." Angesichts der Möglichkeiten moderner Medizin muß hier jedoch mehr als früher der verantwortlichen Entscheidung des Arztes und der Selbstbestimmung des Kranken überlassen bleiben. Hilfe und Begleitung beim Sterben werden wieder neu als Aufgabe der Angehörigen und der Kirche erkannt.

Evangelikal

Evangelikal ist (z.T. auch Selbst-) Bezeichnung von christlichen Gruppen, in denen eine klare persönliche Entscheidung für Christus betont und missionarische Arbeit auf der Grundlage der Bibel betrieben wird. Sie grenzen sich dabei gegen neuere Bibelauslegung und Theologie ab, die nach ihrer Auffassung dem wörtlichen Sinn der Bibel nicht mehr entspricht (Bekenntnisbewegung).

Evangelisation

Evangelisation ist eine Form missionarischer Verkündigung des Evangeliums mit dem Ziel, Menschen zur Entscheidung für die Annahme des christlichen Glaubens zu bewegen. Meist bezeichnet man mit dem Wort eine oder mehrere besondere Veranstaltungen in einer Gemeinde oder in einem Zelt, bei denen an mehreren Abenden ein Evangelist über Bibeltexte oder Themen des Glaubens predigt und dazu auffordert, Jesus Christus als den Herrn anzunehmen. Da dies sehr eindrucksvoll geschieht und auch das Gefühl mit Liedern, Gebeten und durch das Beispiel anderer stark angesprochen wird, kommt es dabei häufig zu plötzlichen Bekehrungen, die das Leben einzelner erheblich verändern. Bei größeren Evangelisationen arbeiten Helfer mit, die Besuche machen und Gespräche führen, Stunden für Kinder und offene Abende für Jugendliche anbieten und eine Nacharbeit einleiten, die dem Gemeindeaufbau dienen soll. Dieser Stil von Verkündigung wird von manchen als zu aufdringlich abgelehnt; sie kritisieren, daß damit überwiegend doch nur die ohnehin schon in der Kirche aktiven Christen erreicht werden. Erstaunlich ist es aber doch, welche Wirkungen mit Evangelisationen erreicht werden. Sie sind eine Herausforderung an alle Christen und Gemeinden, sich mit ihren Möglichkeiten und Mitteln für die Verbreitung des christlichen Glaubens einzusetzen.

Evangelisch

Mit dem Wort evangelisch bezeichnen sich Christen, die im Evangelium Inhalt und Bestimmung ihres Glaubens sehen und ihren Glauben hauptsächlich auf das Zeugnis der Bibel gründen. Schon 1521 hat Luther diese Bezeichnung vorgeschlagen. Sie setzte sich aber erst im 17.Jahrhundert als Konfessionsbezeichnung durch. Besser als das Wort protestantisch bringt sie das positive Selbstverständnis der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen zum Ausdruck. Richtig verstanden stecken darin Chance und Herausforderung.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Die EKD verstand sich in ihrer Grundordnung aus dem Jahre 1948 als ein "Bund lutherischer, reformierter und unierter Kirchen", also nicht als Kirche mit einzelnen Christen als Mitgliedern und mit voller Kirchengemeinschaft. Sie sollte aber "die bestehende Gemeinschaft der deutschen evangelischen Christenheit sichtbar machen". Seit sich 1969 die acht Landeskirchen in der DDR zu einem eigenen Bund zusammengeschlossen haben, gehören der EKD nur noch die evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik und West-Berlin an. Organe der EKD sind die Synode (120 Mitglieder, davon 60 Laien und 60 Theologen), die Kirchenkonferenz (je ein Vertreter pro Landeskirche) und der Rat, der die Kirche leitet und nach außen vertritt. Die EKD nimmt u.a. folgende Aufgaben wahr: Einheitliche Regelung gesamtkirchlicher Fragen (z.B. Herausgabe eines gemeinsamen Gesangbuches, Militärseelsorge), Stellungnahmen zu sozialethischen und politischen Problemen (Denkschriften), Öffentlichkeitsarbeit, Vertretung gegenüber der Bundesregierung, Beziehung zu evangelischen Christen und Kirchen im Ausland (Außenamt), Mitarbeit in der Ökumene. Allerdings wachen die beteiligten Landeskirchen sehr über ihre Selbständigkeit. Kirchliche Gruppen wie die "Bekenntnisbewegung" haben mehrfach den Austritt ihrer Landeskirchen aus der EKD gefordert, weil sie keine Gemeinschaft mit Kirchenleitungen haben wollen, die "falsche Lehre" zulassen oder das Antirassismus-Programm des Weltrates der Kirchen unterstützen. Wenn sich auch längst alle einig sind, daß "vorhandene Unterschiede in kirchlicher Lehre, Ordnung und Lebensform heute keine kirchentrennende Bedeutung mehr haben", so ist es bis jetzt doch noch nicht gelungen, durch eine Neuformulierung der Grundordnung zu einer vollen Kirchengemeinschaft zu gelangen. Dabei wäre dies aus Gründen besserer Zusammenarbeit und vor allem für die evangelischen Christen, die innerhalb der Bundesrepublik umziehen oder reisen, sehr hilfreich. Die Interessen der einzelnen Mitglieder - und vor allem der Theologen - sind da aber verschieden: Die einen versprechen sich mehr von einer Großkirche, die (wie die katholische!) mit einer Stimme sprechen kann; andere möchten lieber ihre eigenen Traditionen bewahren.

Evangelium

Dieses (griechische) Wort, das frohe Botschaft (oder "Gute Nachricht") bedeutet, bezeichnet zusammenfassend alles, was der christliche Glaube in Jesus empfangen hat und weiter gibt: die Berufung zu einem Leben in der Gnade Gottes (Galater 1,6). In einem "Predigt"-Zitat Jesu wird es (Markus 1,15) so definiert: "Jetzt erfüllt Gott, was er versprochen hat: er will seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden. Ändert euch und glaubt dieser guten Nachricht!" Das Evangelium ist also: Gott kommt in Jesus Christus rettend zu uns, zu mir. Paulus betont in seinem Verständnis von Evangelium den Gegensatz zum Gesetz: Für ihn ist es die Rechtfertigung des Sünders durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus allein aus Glauben: "Wer Gott vertraut, kann vor ihm bestehen und wird leben" (Römer 1,17). Das Besondere an dieser guten Nachricht ist, daß sie zwar ein für allemal, aber doch auch immer wieder neu gehört und angenommen werden kann. Sie hebt Gottesferne und Gesetzlichkeit auf und läßt mitten in Kleingläubigkeit und Hoffnungslosigkeit den Wert des Menschen als liebenswertes Geschöpf Gottes erkennen, wenn sie ihm als glaubwürdiges Zeugnis zugesprochen wird. Von daher ist es verständlich, daß die Schriften, in denen der Ursprung dieser frohen Botschaft berichtet wird, auch "Evangelien" genannt werden. Sie enthalten die von Jesus überlieferten Worte, Taten und Wirkungen in Form einer Lebensgeschichte aus der Sicht des Glaubens der ersten Christen (Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannesevangelium). Im Gottesdienst wird jeweils ein (dem Kirchenjahr entsprechender) Abschnitt daraus als "das" Evangelium vorgelesen; manche Gemeinden zeigen ihre Wertschätzung dafür, indem sie dabei aufstehen und mit "Halleluja" oder "Ehre sei dir, Christe" darauf antworten. Die grundlegende Bedeutung des Evangeliums für den Glauben und die Kirche zeigt sich auch in dem volkstümlichen Gebrauch des Wortes im Sinn von "höchste Autorität". Etwas weniger im Bewußtsein ist allerdings, daß das Evangelium eine frohmachende Botschaft ist. Durch neue Gottesdienstformen soll die Gemeinde mehr als bisher Gelegenheit erhalten, das zum Ausdruck zu bringen.

Ewigkeit

Bei diesem Wort denken die meisten an eine ins Endlose verlängerte Zeit oder an einen völlig zeitlosen Zustand, also an ein "Jenseits" . Beides ist schwer vorstellbar, kann aber als Gegensatz zu der Hektik und Vergänglichkeit unseres Lebens empfunden und erhofft werden. In der Bibel ist Ewigkeit eine Eigenschaft Gottes. Er ist vor aller Zeit da, hat die Zeit geschaffen und wird sie überdauern. Durch den Glauben kann der Mensch Anteil an dieser Ewigkeit bekommen: Ewiges Leben ist dann das Fortdauern der Liebe Gottes zum Menschen durch Tod und Auferstehung hindurch. Es beginnt im Glauben schon jetzt und kann als das eigentliche, erfüllte Leben angesehen werden: "Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben" (Johannes 3,36). Dem Glauben an eine Ewigkeit entspricht, daß unser Leben nicht nur von seinem Beginn und Ende her zu verstehen ist, weil es in einem Zusammenhang mit größeren und im Grunde unendlichen Zeiträumen steht. Ich kann mich dann auch im Sterben auf das verlassen, woran ich im Leben geglaubt habe. Nichts ist verloren, und es gibt wirklich eine Liebe, "die niemals vergeht" (1. Korinther 13,8). Allerdings kann es auch als Bedrohung empfunden werden, daß unser Tun und Lassen weit über unser Verstehen und Leben hinaus Folgen haben wird. Die Frage, ob Zeit und Welt begrenzt oder unendlich sind, spielt auch in der Philosophie und Naturwissenschaft eine Rolle. Der griechische Philosoph Anaximander lehrte, daß der Urstoff ewig sei; Plato behauptete dies von den Ideen. Aufgrund naturwissenschaftlicher Beobachtungen und Hypothesen nehmen heute viele Forscher an, daß die Welt weder unendlich noch ewig ist; aber das betrifft den Glauben eigentlich wenig. Ihm geht es um die Offenheit für das ganz andere. Die in dem Wort "Ewigkeit" liegenden Vorstellungen und Hoffnungen sind dafür nicht mehr, aber auch nicht weniger als Vergleich und Hinweis, Andeutung und Zeugnis.

Exegese

Mit diesem (griechischen) Fremdwort wird die wissenschaftliche oder kirchliche Auslegung biblischer Schriften bezeichnet. Sie erschwert zwar eine Verwendung von biblischen Texten nach der spontanen eigenen Auffassung, stellt aber die ursprüngliche Absicht und Meinung der Verfasser klarer heraus, weil sie die zeit- und umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen berücksichtigt, die sie bestimmten. Im Bereich der christlichen Kirchen wird sie hauptsächlich nach den Regeln der historisch-kritischen Methode praktiziert, aber auch mit dem Interesse der Verwendung von Ergebnissen für die Praxis der Gemeindearbeit (Bibelwissenschaft).

Exkommunikation

Wie in vielen anderen Organisationen ist auch in der katholischen Kirche der Ausschluß eines Mitgliedes aus der Gemeinschaft der Gläubigen ein Mittel, um Störungen abzuwehren. Gründe für eine Exkommunikation (auch Kirchenbann genannt) können u. a. Bruch des Beichtgeheimnisses, Mißbrauch des Abendmahls, tätlicher Angriff gegen Papst, Bischöfe oder Priester und Abfall vom Glauben sein. Sie tritt nach solchen Vergehen automatisch ein; in schweren Fällen wird sie vom Papst oder Bischof öffentlich ausgesprochen. Ein Exkommunizierter ist zwar nicht aus der Kirche ausgeschlossen, weil die Taufe nicht zurückgenommen werden kann; er verliert aber sämtliche kirchlichen Rechte, z. B. zur Übernahme von kirchlichen Ämtern, zur Teilnahme an den Sakramenten und das Recht auf kirchliche Bestattung; nur das Anhören der Verkündigung im Gottesdienst ist erlaubt. Durch die Vergebung in der Beichte oder durch Widerruf vor Zeugen kann die Exkommunikation wieder aufgehoben werden. Daran ist zu erkennen, daß sie in erster Linie Strafe zur Besserung und nicht endgültige Trennung sein soll. Eine biblische Rechtfertigung für dieses Verfahren sah man in dem Wort Jesu, daß ein sündiger Bruder, der nach zweimaliger Zurechtweisung (unter vier Augen, dann vor Zeugen) auch auf die Gemeinde nicht hört, wie ein Heide oder Zöllner zu behandeln sei (Matthäus 18,15-17).

Im Mittelalter hatte eine Exkommunikation auch beträchtliche politische Wirkung, weil sie staatliche Rechtsfolgen haben konnte, z.B. die Ver-hängung der Reichsacht. In den meisten evangelischen Kirchen gibt es einen rechtlich geregelten Ausschluß aus der Gemeinschaft nicht. Vergleichbar mit der Exkommunikation ist aber die bis in unser Jahrhundert hinein gehandhabte Kirchenzucht, durch die es zu einer ähnlichen Einschränkung der kirchlichen Rechte kommen konnte (und z.T. noch kann) wie in der katholischen Kirche bei der Exkommunikation.

Exorzismus

Vertreibung von bösen Geistern (Dämonen) oder auch des Teufels durch Beschwörungen, Gebete oder Handlungen; auch Gegenstände wie z.B. Amulette werden als abwehrende Mittel verwendet. Exorzismus beruht auf dem Eindruck, daß Menschen in manchen Fällen gar nicht sie selbst, sondern wie von einer fremden Macht besessen sind. Zur Zeit Jesu hat man auch Krankheiten, z. B. Epilepsie, als Ausdruck von Besessenheit verstanden. Deshalb erscheinen manche seiner Heilungen als Dämonenaustreibungen. Sie sollen allerdings hauptsächlich Demonstrationen seiner Sendung und Vollmacht sein. In den ersten christlichen Gemeinden waren Taufe und Exorzismus miteinander verbunden. In der mittelalterlichen und heute noch in der katholischen und orthodoxen Kirche wird Exorzismus in einer vorgeschriebenen Form ausgeübt, wenn Zwangszustände nicht nur als Krankheit aufgefaßt oder nicht als solche erkannt werden und wenn die Erlaubnis eines Bischofs vorliegt. In der (katholischen, nur selten in der evangelischen) Taufliturgie gibt es noch die (bei Säuglingen stellvertretend von den Eltern oder Paten ausgesprochene) Absage an den Teufel durch ein Bekenntnis zu Christus.