Epochen (Literatur)
 
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Sturm und Drang (1767-1785)

Begriff

  • weitgehend auf Deutschland beschränkte Bewegung junger Schriftsteller, die sich in Straßburg und Frankfurt um Goethe sammeln, in Schwaben um Schubart und Schiller

Historischer Hintergrund

  • Fürstenwillkür absolutistischer Herrscher einerseits, Forderung nach Menschenrechten andererseits
  • Missstände des Despotismus, vor allem in den kleineren und mittleren Fürstentümern des Südwestens, werden in der Dichtung angeprangert: Prunk, Verschwendungssucht, Mätressenwirtschaft, dazu schwere Bedrückung der Untertanen durch Steuern und Soldatenhandel.
  • Es wächst das bürgerliche Ehrgefühl.
  • An kleinen Höfen wird die Kultur gefördert.

Geistesgeschichtlicher Hintergrund

  • Jean-Jacques Rousseau (1712-1778): Kulturpessimismus („der Kulturmensch "verdirbt" die gute Schöpfung“) ist durch Naturoptimismus zu überwinden ("Zurück zur Natur!").
  • Das Volk ist der wahre Souverän, es braucht eine natürliche Gesellschaftsordnung.
  • Edward Young (1683-1765): Intuitionen, nicht Anwendung von Kunstgesetzen, prägen das Genie.
  • Johann Gottfried Herder (1744-1803): beschreibt die geschichtliche Entwicklung des Menschen und seiner Schöpfungen, würdigt die Schönheit der natürlichen Sprache und die Gefühlsstärke der Volkskunst.
  • Durch ihn wird Shakespeare, "das außerordentliche Genie mit barbarischen Fehlern" (Voltaire), statt der Franzosen zum Vorbild der jungen Dramatiker.
  • Nicht Kunstgesetze gelte es zu wahren (gegen die aristotelischen Einheiten von Handlung, Ort und Zeit im Drama), sondern Naturgesetze der Kunst in ihrer jeweiligen individuellen historischen Situation zu erfassen.
  • 1770 Begegnung Herders und Goethes in Straßburg
  • Anreger des Sturm und Drang: der Pietismus; Lessings Forderung einer dynamischen Figurenführung im Drama; Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803):"Der Messias" (1748-1773) usw., der die Empfindsamkeit, eine starke gefühlsbetonte Richtung innerhalb der Aufklärung, zum Höhepunkt bringt und die Lyrik des jungen Goethe nachhaltig beeinflusst.

Tendenzen

  • Wendung gegen die Erstarrung der lehrhaften Aufklärung und ihrer Vernunftherrschaft, jedoch radikale Weiterführung des Humanitätsgedankens, bezogen auf die Ganzheit menschlichen Wesens
  • Entfesselung von Phantasie und Gefühl, grenzenloser Individualismus eines "Kraftmenschen"
  • Titan Prometheus als Urbild des Originalgenies, des künstlerischen Schöpfers
  • Neue, elementare Konflikte erwachsen der tragischen Erfahrung des Genies: unendliches Wollen, endliche Bedingtheit ("Faust").

Merkmale

  • Konflikt mit der Obrigkeit ( persönliche Erfahrungen der Stürmer und Dränger)
  • Rebellion gegen fürstlichen und väterlichen Machtmissbrauch
  • Anprangerung der Standesgrenzen und ihrer Konflikte ( eine Heirat zwischen den Ständen ist unmöglich --> das "gefallene" Mädchen, siehe Gretchentragödie)
  • Ablehnung dogmatisch-kirchlicher Normen, Vergöttlichung der Natur
  • Natürliche Empfindung wird gegen moralisch-geistige Enge, Leidenschaft gegen Vernunft gesetzt.
  • Auch Erfahrungen persönlicher Schuld (Goethe) werden eingearbeitet.
  • Politisch-revolutionäre Gedanken vor allem bei Schubart und beim jungen Schiller, schwärmerische Empfindsamkeit beim jungen Goethe und bei Lenz
  • Erlebnislyrik: individueller Ausdruck persönlichen Schicksals (Goethe : "Sesenheimer Lieder")
  • Themen im Drama: politische und menschliche Freiheit, der Einzelne und die Gesellschaft (Schiller: "Kabale und Liebe")
  • formal: "Fetzenszenen" unter dem Einfluss Shakespeares, Knittelverse und freie Rhythmen, Explosivstil
  • Briefroman: Goethes „Werther“ als höchste Subjektivierung persönlichen Leides prägt eine Generation.
  • Schlüsselwort: Herz

Autoren und Werke

  • Gottfried August Bürger (1747-1794): volkstümliche Kunstballade „Lenore“, Gedichte, Münchhausen-Geschichten, Übersetzungen
  • Johann Wolfgang Goethe (1749-1832): Dramen „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“(1773), „Clavigo“ (1774), „Die Leiden des jungen Werthers“(1774), „Urfaust“, „Prometheus“
  • Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792): tragische Gestalt im Umkreis Goethes. „Der Hofmeister“(1774), „Die Soldaten“(1776)
  • Friedrich Schiller (1759-1805): „Die Räuber“, „Kabale und Liebe“

Textbeispiel

Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe

prometheus

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