Epochen (Literatur)
 
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Deutsche Gegenwartsliteratur
zwischen 1980 und 1995

Historisch - politische und kulturelle Situation

  • ausgelöst durch Tschernobyl, Thematisierung ökologischer, atomarer Bedrohung, Endzeitstimmung: Christa Wolf: „Störfall. Nachrichten eines Tages“ (1987)
  • durch den Zusammenbruch des Kommunismus und die „Wende“ von 1989 Infragestellung gewohnter Erklärungsmuster, Verunsicherung, vorsichtige Annäherung
  • Die Herausforderungen des schwierigen deutsch - deutschen Zusammenwachsens werden zögernd, z.T. sehr persönlich literarisch verarbeitet. Begleitet wird dies von Auseinandersetzungen über die „Stasi – Vergangenheit“ (Kontroverse über Zusammenschluss der Schriftstellerverbände Ost - West).
  • Problematisierung intellektueller Mitverantwortung für menschenverachtende Unterdrückung als Ergebnis eines vermeintlich aufklärerischen Humanisierungsprogramms: Christoph Hein: „Wir haben den Gral nicht gefunden“ in „Die Ritter der Tafelrunde“ (1989)
  • Sorge um die „Zerstörung des Individuums“, Forderung nach dem „Primat der Person“, erneute, differenziertere Diskussion über Nietzsches Lebensphilosophie
  • Distanz gegenüber der Politisierung von Literatur, neuer Umgang mit antiken Stoffen, traditionellen Formen, Standortsuche, „Wiederentdeckung der Ressourcen einer literarisch fundierten Humanität“ (Peter Wapnewski, 1993)

Erzählende Literatur

  • entsprechende Themen u.a. bei Christoph Hein (*1944): Novelle „Der fremde Freund“ (1983; in der Bundesrepublik: „Drachenblut“): Scheitern einer Beziehung
  • Christa Wolf: Erzählung „Kassandra“ (1983): Bedrohung des Einzelnen, Zivilisationskritik /Roman „Medea – Stimmen“ (1986): Spiegelung politischer und menschlicher Gegenwartserfahrungen in der mythischen Gestalt
  • Helga Königsdorf (*1938): Erzählung „Respektloser Umgang“ (1986): Verantwortung der Naturwissenschaftler
  • Günter Grass: Roman „Die Rättin“ (1986): Endzeitvision/ Roman „Ein weites Feld“ (1995): Ost - West - Konflikte
  • Jurek Becker: Roman „Bronsteins Kinder“ (1996): die Kinder der Opfer des Holocaust

Dramen

  • pessimistische Weltsicht, Absage an die Veränderbarkeit der Welt, monologisierende Einsamkeit
  • Heiner Müller: “Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten“ (1982), „Germania 3“ (1994): der „neue Mensch“ als barbarischer Schrecken
  • Thomas Bernhard: „Heldenplatz“ (1988): Monotonie, Vergangenheitsentlarvung
  • Bodo Strauß: „Kalldeway Farce“ (1981), „Der Park“ (1983); „Die Zeit und die Zimmer“ (1988): Zynismus und Entfremdung

Lyrik

  • Renaissance der Lyrik als autonomer poetischer Sprechweise, Rehabilitierung artifizieller, ästhetischer Kategorien
  • Wiedergewinnung der Form, u.a. des Reims „als Technik der Beschwörung, des Zaubers, der Magie“ (Peter Rühmkorf, Frankfurter Poetik - Vorlesungen, 1980)
  • Karl Krolow: „Herbstsonett mit Hegel“ (1981)
  • subtiles Anknüpfen an lyrische Tradition, schriftstellerisches Handwerkszeug
  • Verbindung von Naturbild, lyrischen Paradox, Barockgedicht, Computerzeichen, Lakonismen, Melancholie und schwarzen Humor u.a. bei Durs Grünbein (*1962): „Schädelbasislektion“(1991),Sarah Kirsch: „Erlkönigs Tochter“ (1983), „Bodenlos“ (1996), Heinz Czechovski: „Nachtspur“ (1993), H.M. Enzensberger: „Kiosk“ (1995), Elke Erb (*1938) und Ulla Hahn (*1946)

Textbeispiel

Gedicht


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