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Biedermeier (1815-1848)

Begriff

  • abgeleitet von Ludwig Eichrodts Parodie auf den treuherzigen Spießbürger, den "Schwäbischen Schullehrer Gottlieb Biedermaier" (1850-1857)
  • übertragen auf bürgerliche Wohnkultur und Genremalerei (Spitzweg)
  • Schlagwort für die restaurative Phase bürgerlicher Beschaulichkeit zwischen dem Wiener Kongress und der Revolution 1848
  • läuft zum Teil parallel zur Spätromantik und zu der politisch engagierten literarischen Bewegung des "Jungen Deutschland" oder des "Vormärz"

Historischer Hintergrund des 19. Jahrhunderts

  • kulturell wie politisch prägend sind zwei gegensätzliche Strömungen:
  • Beharren, Restauration, Rückzug in die private Idylle
  • politisches Engagement für Fortschritt und Revolution
  • Die industrielle Revolution, ausgehend von England, bewirkt bedeutende wirtschaftliche und politische Veränderungen.
  • Das Bürgertum erstarkt, der Wirtschaftsliberalismus (Adam Smith) führt zu ungehemmter wirtschaftlicher Blüte.
  • Zu der bürgerlichen Weltanschauung, dem Liberalismus, gehört das Recht der ungehinderten Entfaltung des Individuums, ebenso die Forderung nach Menschenrechten und Verfassung.
  • Mit der wirtschaftlichen Expansion entsteht die soziale Frage: Armut der ausgebeuteten Proletarier.
  • Der Beginn der Arbeiterbewegung ist kommunistisch und sozialistisch bestimmt.
  • Forderung nach gesellschaftlicher Veränderung durch Wandel der ökonomischen Vorraussetzungen
  • Seit den napoleonischen Kriegen entsteht ein Streben nach geeinter Nation, vielfach verbunden mit sozialen Forderungen.
  • Führende Kräfte sind Professoren und Studenten ( Burschenschaften).
  • Dem entgegen steht Metternichs Beharrungspolitik nach dem Wiener Kongress: Wiederherstellung traditioneller Herrschaftsstrukturen (Papst, Könige).
  • "Heilige Allianz" zwischen Russland, Preußen und Österreich
  • Das Ergebnis ist eine lange Friedenszeit in Europa, aber die Abwehr liberaler Kräfte.
  • Deutschland ist ein loser Staatenbund mit latentem Dualismus Preußen-Österreich.

Kultureller Hintergrund Spätromantik

  • kein einheitlicher Zeitstil seit dem "Ende der Kunstperiode" (Heine) mit Goethes Tod 1832
  • Die Spätromantik bestimmt noch Musik (Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Maria von Weber) bis zu Richard Wagner, sowie die Malerei (Caspar David Friedrich).

Klassizismus

  • architektonische Ausgestaltung der Großstadt
  • Bau repräsentativer Bürgerhäuser als Höhepunkt der Wohnkultur

Geistesgeschichtlicher Hintergrund/ Historismus

  • Der Jurist Friedrich Karl von Savigny (1779-1861) begründet die historische Schule im Bereich des Rechts.
  • Mit Leopold von Ranke (1795-1886) beginnt die empirisch-kritische Geschichtswissenschaft.
  • Entwicklung eines konservativ geprägten Traditionsbewusstseins

Staatsidee Hegels

  • Der Philosoph Friedrich Hegel (1770-1831) setzt den Begriff des Staates an die Stelle des romantischen Volksbegriffs.
  • Natur und Geschichte sind einheitliche Erscheinungsformen des Geistes, der Weltvernunft (Gott).
  • Die Geschichte entwickelt sich dialektisch, jede Stufe hat ihr historisches Recht auf dem Weg zum bestmöglichen Staat.
  • Es gilt, für den Rechtsstaat zu streiten.

Tendenzen und Merkmale

  • Biedermeier ist bürgerlich gewordene Romantik.
  • Nach den Revolutionskriegen entsteht ein Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung, privatem Glück und innerem Frieden.
  • Einsicht in die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit, entsagende Anerkennung der Bedingtheit menschlichen Lebens: Selbstbescheidung, Mäßigung, Unterwerfung, Resignation
  • Die Dichtung ist betont innerlich, oft von verzichtender Melancholie, schlicht in Sprache und Form.
  • Liebe zum Kleinen, zum Alltäglichen, zur Natur
  • Genaue und detaillierte Beschreibungen entstehen.
  • Die Tendenz des Bewahrens zeigt sich auch in der Wahl historischer Themen und dem Rückgriff auf das Ideal des Schönen/Guten der Klassik.
  • Es entstehen Stimmungsbilder, Novellen, Kalender und Almanachgeschichten, Balladen, historische Dramen und Rührstücke.

Autoren und Werke

  • Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848): Novelle "Die Judenbuche" (1842): Mit sparsamen sprachlichen Mitteln entsteht eine erschreckende Realität.
  • Franz Grillparzer (1791-1872), österreichischer Dichter
  • Eduart Mörike (1804-1875): Roman "Maler Nolten" (1832): romantische Motive, aber Gestaltung der Personen aufgrund moderner psychologischer Einsichten
  • Adalbert Stifter (1805-1868): Erzählungen

Textbeispiele

Gedicht

Annette von Droste Huelshoff
Annette von Droste-Hülshoff

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