Allgemein die im 16. Jh. einsetzende, im 18.Jh. vorherrschende
gesamteuropäische Bewegung des Rationalismus, der Emanzipation des Denkens von
kirchliche - dogmatischer Bevormundung (Primat der Vernung).
Anwendung dieser Ideen auf die Literatur im Zeitraum 1720 - 1785
Zunächst geprägt von Johann Christoph Gottsched, danach Gotthold Ephraim
Lessing
Umfassende geistig - literarische Erneuerungsbewegung, in die
Empfindsamkeit sowie Sturm und Drang eingelagert sind
Philosophischer Hintergrund
Die Aufklärung vollendet die Bemühungen seit Ende des Mittelalters, den
Menschen aus jenseits-irrationalen Bindungen zu lösen und diesseits zu
orientieren.
Philosophen die zur geistigen Emanzipation beigetragen haben: Renè
Descartes (1596-1650): Begründer des Rationalismus, Glauben an die
Erklärbarkeit aller Dinge ("Ich denke, also bin ich")
Thomas Hobbes (1588-1679):mechanistisches Weltbild, Universum und Mensch
als Uhrwerk.
John Locke (1632-1704): Begründer des Empirismus
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716): Welt als Uhrwerk in von Gott
prästabilierter Harmonie.
Christian Wolff (1679-1754): völliges Vertrauen in die Macht der Vernunft.
Dieser Aufbruch auf allen Gebieten der Erkenntnistheorie, Wissenschaft,
Religion und Staatslehre mündet in die Philosophie Immanuel Kants (1724-1804),
der aus dem Aufklärungsdenken seine Pflichtethik entwickelt, den kategorischen
Imperativ:" Handle so, dass die Maxime deines Willens zugleich als Prinzip
einer allgemeinen Gesetzgebung dienen kann."
Historischer Hintergrund
Nach dem Dreißigjährigen Krieg herrscht zunächst eine scheinbar dauerhafte
europäische Ordnung: Absolutismus auf dem Kontinent, parlamentarische
Monarchie in England.
Tiefes Friedensbedürfnis (Abbé Saint-Pierre: Abschaffung des Krieges,
ewiger Friede)
Höfe der Landesfürsten sind Kulturzentren
Gegen Diplomatie und Kabinettspolitik, Despotismus und Intrige wachesen
Selbstbewusstsein und Ehrgefühl des Bürgers.
Forderung nach unabhängiger Justiz, Milderung der Strafen, Schutz vor
fürstlicher Willkür
Dem Ideal des aufgeklärten Absolutismus entspricht die praktische Politik
kaum.
Tendenzen
Der dreifachen Zersplitterung ( konfessionell, sozial, national) werden
als geistig einigende Gedanken eingegengesetzt: religiöse Toleranz, Gleichheit
der Menschen von Natur aus, Weltbürgertum als Überwindung rassischer und
nationaler Schranken
Ziel: allseitige selbständige Entwicklung des Geistes
Naturwissenschaftliche Erkenntnis gegen kirchliche Dogmen
Deismus als philosophisch-moralische Religion
Bestimmung des Menschen: Einsicht in die Herrschaft der Vernunft -->
Beförderung der Tugend, Beseitigung der aus Unkenntnis entstandenen Misstände.
Optimismus, Verständnis der Welt als "der besten aller Welten" (Leibniz),
bewusst gesetzt gegen "das irdische Jammertal" des Mittelalters, Glaube an
Erziehung und Belehrbarkeit
moralische Zeitschriften zur Belehrung der Leser
Merkmale
Die Kunst (= Nutzen und Ergötzen) ist geprägt durch überwiegen
protestantische gelehrte Autoren.
Rückgriff auf die Reinheit antiker Formen, klare Trennung der Gattungen
sowie tragischer und komischer Elemente
Richtlinien für die Tragödie: die aristotelischen Einheiten von Handlung,
Ort und Zeit
Im Mittelpunkt kein heroischer Held, sondern der durch Willen und Vernunft
zur Vollkommenheit strebende Mensch
Lyrik ist noch vom frz. Rokoko bestimmt (Schäferspiel, Anakreontik)
Lehrgedicht und Fabel werden wegen ihrer moralischen Tendenz bevorzugt.
Wichtig vor allem sind die dramatische Dichtung und die Reform der
Theaterbühnen
Autoren und Werke
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769): Fabeln und Erzählungen mit
volkserzieherischer Tendenz als "Hausbuch"
Johann Christoph Gottsched (1700-1766): Entscheidende Leistung in der
Dichtungstheorie: Schuf - ähnlich Opitz - ein Regelwerk zur Vervollkommnung
deutscher Literatur nach den Vorbildern von Corneille und Sophokles
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Höhepunkt und Überwindung
aufklärerischer Dichtung