Patch Adams: Arzt, Clown, Exzentriker, baut derzeit ein Krankenhaus auf, in dem Patienten kostenfrei behandelt werden.
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Patch Adams`Vision vom kostenfreien Krankenhaus mit Kunst und Kameradie wird Realität - der Film über den amerikanischen Arzt, der
im April 1999 in den deutsche Kinos lief, hat einen gewaltigen Spendenschub hervorgerufen.
Mit seinem gezwirbelten Schauzer und seiner langen Statur erinnert
der echte Patch Adams (im Film spielte Robin Williams diese Rolle) ein weing an Salvadore Dali.
Und mit dem teilt er auch eine unübersehbare Lust an Exzentrizität.
Aber Patch ist Arzt geworden - nicht ohne Rebellion gegen das Establishment - und statt surreale Gemälde zu malen, hat er seit den
frühen 70er Jahren einen Traum verfolgt, der manchem Mediziner-Kollegen durchaus surreal erscheinen mag: Ein total kostenfreies Krankenhaus, in dem Lebensfreude, Kreativität und ein intensives Miteinander von Patienten und Pflegepersonal die Hauptrolle spielen.

Zudem schrieb Adams, auch hier den Surrealisten nicht unähnlich, sein eigenes Manifest, indem er die Hauptprinzipien artikulierte:
Wir verlangen keine Belohnung
Das Verhältnis zwischen Arzt und Patienten beruht auf Freundschaft und, wir versichern uns nicht gegen Kunstfehler mit einer
Berufshaftpflichtversicherung.
Sein Intitut trägt den schönen Namen "Gesundheit ! ", der in amerikanischen Ohren so exotisch klingt.
Es habe als eine Praxis im Hause Adams`begonnen, erzählt Patch, wo seine Familie oft genug das Schlafzimmer mit Patienten geteilt habe.
Das Projekt zog über die Jahre Tausende von Mitarbeitern an, die trotz Ebbe in der Kasse und der totalen Aufgabe von jeglicher Privatsphäre bei der Stange blieben, einfach weil man "soviel Spaß" miteinander hatte.
Zwischen 1971 und 1983 wurden hier rund 15.000 Patienten kostenfrei behandelt.
Vor etwa 10 Jahren hängt Adams freilich den Arztkittel "vorläufig" an den Nagel, um als Clown und passionierter Aktivist für seine revolutionöre Idee zu werben - und Geld einzutreiben für ein geplantes 40-Betten-Kranenhaus i US-Bundesstaat West Virginia.
Seine Reisen um die Welt führten ihn auch nach Deutschland, wo er auch Kollegen in die Kunst des "Cliniclowning" einführte.
Am Ende war es jedoch Hollywood, das Kinogänger in den USA zu großzügigen Spenden bewegte, genug, um den Bau anzugehen.
Patchs Traum von einer großen Spielwiese für medizinische Fürsorge
innerhalb eines kommunitären Zusammenlebens und -arbeitens rückt in greifbare Nähe, und immer mehr freiwillige Helfer aus allen Arbeitsbereichen und allen Teilen der Welt finden sich ein, um ihren Beitrag.
"Dieses Haus soll so fabelhaft werden, daß Leute es gar nicht erwarten können, da reinzukommen", sagt Patch Adams.
Neben der medizinischen Versorgung - traditionelle und alternative Heilmethoden aller Art - wird es hier Kunst, Theater, Musik, landwirtschaftlichen Eigenanbau, Tierhaltung, Freizeitvergnügen, viel Natur und Dienst füreinander geben.
Die Rollen sollen durchaus ausgetauscht werden: Patienten kümmern sich umeinander, der Arzt rührt die Sauce an, und die Schwester schwimmt eine Runde im See.
Im "Gesundheit-Institut" soll das erwünschte Vertrauensverhältnis
zwischen Arzt und Patient nicht durch Versicherung und ein distanziertes und bürokratisiertes System abgeblockt werden.
Adams singt das Lied der Freundschaft und Hingabe füreinander.
"Ich möchte mit jedem Menschen, der dies zuläßt, ein intimes Verhältnis haben. Ich will mich geradezu in jeden verlieben, mit dem ich zusammen bin ! Und ich bin neugierig.
Darin liegt ja gerade der Zauber, ein Arzt zu sein.
Menschen sind bereit, dich in ihr Leben einzulassen.
Als Doktor kriege ich in einer ersten Begegnung, worum ein Freund des
Patienten sich vielleicht ein Leben lang bemüht. Atemberaubend !"
Gemeindeschwestern, und andere, die noch Hausbesuche machen, lernen ihre Patienten lieben.
Adams beklagt, daß Hausbesuche zur Rarität geworden sind, denn hier finde die echte Begegnung statt, hier lerne der Arzt seinen Patienten kennen.
Und diese Intimität, sagt Patch, gebe ihm den Adrenalinschuß, den er braucht, um nicht auszubrennen.
"Nur, wer sich voll in den Moment der Begegnung mit dem Patienten einläßt, kann Verausgabung und Resignation vermeiden."
Freilich: Spaß muss das Ganze machen - wo immer der Arzt mit der Clownnase auftritt, spricht er sich vehement für die Freude des Lebens aus.
Wir seien geradezu leidenssüchtig, meint er.
"Wenn ich mich mit einem Patienten unterhalte, dann kann der mir für gewöhnlich ein reines Worte-Ballett vortanzen, wenn`s um seine Schmerzen geht - drei, vier Stunden vergehen im Nu.
Wenn ich ihn dann auffordere, ebenso lang über die Freuden in seinem Leben zu sprechen und darüber, wie sehr er das Leben liebt, ist er meistens nach zehn Minuten durch."
Hinter dem Konzept des "Cliniclowns" steckt mehr als Patchs natürlicher Hang, den "komischen, kosmischen Kitzel" in jeder Situation zu sehen.
Da geht es nicht darum, am Krankenlager albern zu sein oder dem Tod eine lange Nase zu drehen.
Vielmehr will Patch Adams authentisch sein, warm, anfaßbar - und dies gerade angesichts vom großem Leid.
Am Ende steht die Entscheidung, ja zu sagen zum Leben - trotz alledem:
"Ich möchte diese zwanghafte Sucht nach Leiden austreten. Dabei habe ich alles Mitgefühl für Menschen, die Schmerz erfahren", sagt Adams, "aber ist all das wirklich größer als das Wunder des Lebens ?
Ist es größer, als einfach dazusitzen und den Augenblcik zu genießen, wie immer der auch beschaffen sein mag ? Ich möchte sagen, nein. "
Donnerstag, 29. April 1999.
Ärzte-Zeitung. Postfach 101047, 63 264 Dreiech. Tel.: 06102 - 5060. |
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