|
Thomas Mann
Der Memoiren erster Teil
Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Er stammte aus einer Lübecker Patrizier- und Kaufmannfamilie. Sein Bruder ist der bekannte Schriftsteller Heinrich Mann. Nach dem Tod seines Vaters 1893 übersiedelte er nach München, wo er in einer Feuerversicherungsfirma volontierte.
Thomas Mann hatte kein Abitur und keine Berufsausbildung und lebte daher von den Zinsen aus dem Verkauf der väterlichen Getreidefirma.
In den Jahren 1895/97 machte er gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich eine für ihn als Künstler bedeutende Italienreise. 1898/99 war er Redakteur der Zeitschrift „Simplizissimus“.
1905 heiratete er die sehr schöne und vermögende Professorentochter Katja Pringsheim, obwohl er auch homosexuelle Neigungen hatte. Er hatte mit ihr sechs Kinder.
Im ersten Weltkrieg verfiel er der Kriegsbegeisterung der deutschen Gebildeten und schrieb die nationalkonservativen „Betrachtungen eines Unpolitischen“, die eine Kampfschrift gegen seinen pazifistisch und demokratisch eingestellten Bruder darstellten.
1933 emigrierte er nach Frankreich und danach in die Schweiz. 1938 übersiedelte er in die USA und erwarb 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1952 kehrte er in die Schweiz zurück. In Deutschland wollte er nach dem Krieg nicht mehr leben.
Manns Werk „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ entstand in dem Bewusstsein, am Ende der bürgerlichen Kulturtradition zu stehen und deren Werte als Erbe bewahren zu müssen. Der Roman trägt daher den Charakter einer resümierenden Zusammenfassung überkommener bürgerlicher Denk- und Lebensweisen.
Eine solche kritische Sichtung der Tradition war bereits Gegenstand seines ersten bedeutenden Romans „Buddenbrooks“ (1901), für den Mann 1929 den Nobelpreis erhielt. Hervorhebenswert ist außerdem das Romanfragment „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1954). Mann begann kurz vor seinem Tod mit dem Werk, konnte es jedoch nicht beenden. Aus diesem Grund ist nur der erste Teil abgeschlossen. Er schildert die Künstlerproblematik in Form eines humoristischen Schelmenromans.
Thomas Mann starb am 12. August 1955 in Kilchberg in der Schweiz.
wichtigste Werke: · Buddenbrooks (1901)
· Der Tod in Venedig (1913)
· Betrachtungen eines Unpolitischen (1918)
· Der Zauberberg (1924)
· Mario und der Zauberer (1930), 1994 mit K. M. Brandauer verfilmt
· Joseph und seine Brüder (1933)
· Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954)
„Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ entstanden in der Zeit von Jänner 1910 bis 1913 und Jänner 1951 bis April 1954. Es kam immer wieder zu Veröffentlichungen von Auszügen des Romans in diversen Zeitungen, sowie in einigen Lesungen. Das Buch war sehr erfolgreich, und es folgten zahlreiche Übersetzungen der deutschen Erstveröffentlichung.
Da Felix nichts lernen muss, sondern alle Episoden seines Lebens bravourös besteht, hat man das Werk der Gattung des Schelmenromans zugeordnet.
Felix Krull wird als Sohn des rheingauer Sektfabrikanten, Engelbert Krull, geboren. Er erlebt eine einsame, aber glückliche Kindheit. Er erkennt früh, dass er etwas Besonderes ist und aus „feinstem Holz geschnitzt“ ist. Es bereitet ihm größte Freude, seinem Paten Schimmelpreester als Modell für Akte zu dienen. Felix beendet früh die Schule und hat keinen fertigen Abschluss.
Den größten Rückschlag seiner Kindheit erleidet Felix, als sich sein Vater das Leben nimmt, weil er seine Firma verkaufen muss. Das neue Oberhaupt der Familie wird sein Pate Schimmelpreester, der ihr in der schwierigen Lage nach dem Tod des Vaters mit gutem Rat zur Seite steht. Er verschafft Felix’ Schwester eine Stelle als Operettensängerin, seiner Mutter rät er zur Eröffnung einer Pension. Für Felix organisiert er einen Anstellung im renommierten „St. James and Albany Hotel“ in Paris. Doch zunächst begleitet Felix seine Mutter nach Frankfurt, um ihr bei der Eröffnung ihrer Pension zu helfen. Als Achtzehnjähriger wird er zur Stellung gerufen. Es gelingt ihm, den Wehrdienst durch einen bereits lange einstudierten und perfekt vorgespielten epileptischen Anfall zu umgehen, denn er wird für untauglich erklärt. Noch in der selben Woche bricht er nach Paris auf, um seine neue Aufgabe als Hotelangestellter zu beginnen.
An der französischen Grenze gelangt bei der Gepäckkontrolle das Schmuckkästchen einer wohlhabenden Dame in Felix’ Koffer. Felix merkt es, gibt es ihr aber nicht zurück, weil er genau weiß, dass er das Geld in Paris benötigen wird.
Felix kann mit seiner Karriere als Hotelangestellter sehr zufrieden sein. Er wird von vielen Menschen wegen seines Aussehens und seiner persönlichen Ausstrahlung bewundert. Ein Lord aus Schottland bietet ihm sogar eine Stelle auf seinem Schloss an. Felix begegnet im Hotel der Dame, deren Schmuckkästchen er beim Zoll gestohlen hatte, wieder und hat mit ihr ein Verhältnis. Er gesteht ihr seinen Raub an der Grenze, doch sie bestraft ihn nicht, sondern regt ihn zu weiteren Diebstählen an und gibt ihm sogar Geld.
Felix entscheidet sich - nachdem er nun wohlhabend ist - dem Leben eines Hotelangestellten wenigstens nach Dienstschluss zu entfliehen und mietet sich eine kleine Wohnung in der Nähe des Hotels. Er führt ein Leben, das dem eines reichen Mannes entspricht.
Eines Tages begegnet Felix vor einem Theaterbesuch einem ständigen Gasts des „St. James und Albany Hotels“ namens Marquis de Venosta. Dieser ist in eine Pariser Schauspielerin namens Zaza verliebt. Er soll auf Wunsch seiner Eltern eine Weltreise machen, damit er von der Geliebten getrennt wird. Doch der Marquis ist bereit alles zu unternehmen, um Paris nicht verlassen zu müssen. Die beiden beschließen, dass Felix für den Marquis die Reise antreten wird. Felix’ erste Station ist Lissabon. Auf seiner Zugreise dorthin lernt er den Paläontologen Doktor Kuckuck aus Lissabon kennen, der Direktor des Lissabonner naturhistorischen Museums ist. Felix wird von ihm in das Museum eingeladen und lernt durch einen Zufall Kuckucks Frau Maria und seine Tochter Zouzou kennen.
Als Marquis de Venosta findet er Zutritt zur feinen Gesellschaft, wird zur Audienz beim König eingeladen und erobert schließlich die Herzen von Maria und Zouzou.
Hier endet der Roman, doch von der Fortsetzung weiß man, dass sie Felix ins Zuchthaus bringen wird, aus dem er jedoch wenig geläutert wieder entlassen worden wäre.
Felix Krull: Er ist die Hauptfigur in diesem Roman. Als er in seiner Kindheit für Schimmelpreester Modell steht, erscheint er als Künstler, doch mit der Zeit verwandelt er sich immer mehr in einen Betrüger und Verbrecher. Er spielt mit den Menschen und ihren Illusionen und lebt davon, dass sich die Menschen täuschen und betrügen lassen.
Er hat die Fähigkeit, in alle Rollen schlüpfen und sich an alle Situationen anpassen zu können, auch wenn ihm dafür die Erfahrung fehlt. Er versteht es, aus seinem geringen Wissen und Können, zur rechten Zeit sehr viel zu machen. Felix’ Wesen ist phantastisch und pfuscherisch zugleich. Er wird nicht umsonst der „Glückliche“ genannt, denn er meistert alles problemlos, doch oft nur weil er das Glück auf seiner Seite hat.
Er hat gelernt, aus allem seinen Vorteil zu ziehen, und jede Gelegenheit zu nutzen. Dies ist für ihn möglich, weil die Menschen von seiner Rechtschaffenheit überzeugt sind und nicht damit rechnen, dass Felix sie betrügen will.
Felix leidet an Narzissmus. Er schreibt in seinen Bekenntnissen keine Sünden oder Laster nieder, sondern die Geschichte seiner gesellschaftlichen und erotischen Erfolge. Er erkennt schon sehr früh, dass er aus „feinstem Holz“ geschnitzt ist.
Ich aber besaß seidenweiches Haar, wie man es nur selten beim männlichen Geschlechte findet, und welches, da es blond war, zusammen mit graublauen Augen, einen fesselnden Gegensatz zur goldigen Bräune meiner Haut bildete. [...] Meine Hände, auf die ich frühe acht hatte, waren, ohne überschmal zu sein, von angenehmem Charakter, niemals schweißig, sondern mäßig warm, trocken, mit geschmackvoll geformten Fingernägeln versehen und sich selbst ein Wohlgefallen; und meine Stimme hatte, schon bevor ich sie wechselte, etwas Schmeichelhaftes für das Ohr, so dass ich sie, wenn ich allein war, gern in glücklichen, gebärdenreichen, übrigens sinnlos kauderwelschen und nur täuschend angedeuteten Plaudereien mit meinem unsichtbaren Gouverneur erklingen ließ.
Es bereitet ihm große Freude seinem Paten Schimmelpreester Model für seine Akte zu stehen und sich schon im zarten Kindesalter als kleinen Kaiser verehren zu lassen. Er wird von allen Seiten bewundert, was seine Ich-Bezogenheit fördert. Die Damen verfallen alle seinem offen und diskret wirkenden Charme.
Engelbert Krull: Er ist der Vater von Felix und ein Genußmensch, der mehr an festlichen Banketten, als an seiner Arbeit, mit der er seine Familie erhalten muss, interessiert ist. Er geht lieber auf Feste, auf denen er sich amüsieren kann, anstatt sich um das Geschäft zu kümmern. Seine Sektfabrik bringt so viel Geld ein, dass die Familie ein schönes Leben führen kann, und mehr verlangt Engelbert auch nicht. Er scheitert im beruflichen, wie auch im privaten Leben, denn ihm fehlt der Sinn seines Lebens.
Der Konkurs der Firma bedeutet für ihn einen großen Schock. Er muss sich eine neue Arbeit suchen, um seine Familie ernähren zu können, doch dies scheint ihm zu anstrengend zu sein. Mit der Schande eines Arbeitslosen will er aber auch nicht leben und beschließt daher, sich das Leben zu nehmen. Es ist für ihn der einzige Ausweg, doch vergisst er dabei seine Familie, denn für Felix ist sein Tod ein schwerer Schlag.
Mutter Krull: Felix hat kein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mutter. Er meint, dass sie keine hervorragenden Geistesgaben besäße und menschlich schwach sei. Er verzweifelt an der Vergnügungssucht seiner Mutter, denn sie gibt sich oft gedankenlos der Genusssucht hin.
Ihre Tochter Olympia ist ihrer Mutter sehr ähnlich. Sie hat das Glück, dass sie einen überaus weiblichen, schönen Körper hat und sehr gut singen kann. Dies verhilft ihr später zu einer Karriere als Opernsängerin.
Professor Felix Schimmelpreester: Er ist sehr besorgt um die Familie Krull und besonders um Felix. Als Engelbert stirbt wird er für Felix zum Vater. Er hat sehr früh erkannt, dass Felix etwas Besonderes ist und seine äußeren Vorzüge gegenüber seinen Altersgenossen daher schon im Kindesalter gefördert. Er selbst ist Künstler und Philosoph und sagt über sich: „Die Natur ist nichts als Fäulnis und Schimmel, und ich bin zu ihrem Priester bestellt. Warum ich aber Felix heiße, weiß Gott allein.“
Marquis Louis de Venosta: Er ist ein eleganter, junger Mann, der aus einer sehr reichen Familie kommt, die Tradition und Brauchtum hochhält. Er glaubt, in Zaza seine Liebe fürs Leben gefunden zu haben. Er möchte daher nicht riskieren, sie durch eine Weltreise, die ihm von seinen Eltern vorgeschrieben wurde zu verlieren. Seine Eltern bezeichnen ihn als unehrenhaft, weil er keinen adeligen Beruf ergriffen und sich nicht nach einer standesgemäßen Frau umgesehen hat. Er liebt die Kunst und lässt sich von alten Traditionen bezüglich Liebe und Heirat nicht beirren, sondern folgt seinen Gefühlen.
Professor Antonio Jose Kuckuck: Er ist ein hervorragender Gelehrter, der als Direktor des Lissabonner naturhistorischen Museums in höchstem Ansehen steht. Er sorgt für „Zucht und Ordnung“ in seinem Haus, ist aber sehr freundlich und entgegenkommend.
Er lebt ähnlich wie die Eltern des Marquis nach alten Sitten. So hat er beispielsweise den Ehemann für seine Tochter ausgesucht und achtet auch darauf, dass seine Tochter keinen intimen Umgang mit Felix hat.
Suzanna „Zouzou“ Kuckuck: Sie ist die Tochter von Professor Kuckuck und ein sehr hübsches, aber streitsüchtiges Mädchen, das Felix auf den ersten Blick begeistert. Sie hat eine kaum überwindbare Abscheu vor der Liebe, von der auch Felix sie nicht befreien kann. Sie ist Miguel Hurtado, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter ihres Vaters, versprochen.
Mann greift in den meisten seiner Werke das Bürgerliche auf und bekennt sich zur demokratischen und humanisierenden Funktion der Kunst. Er war Gegner der Nazidiktatur und wurde im Exil zum aktiven Antifaschisten.
Er beschäftigt sich mit dem Verfall des Bürgerlichen, den er zweideutig auslegt: einerseits schwindet die Vitalität und die Menschen werden eingeschränkter in ihren Handlungsmöglichkeiten, andererseits entwickeln sie eine immer großer werdende Sensibilität für Dinge, die ihnen bisher vielleicht unwichtig erschienen. Die meisten von Manns Texten haben einen pessimistischen Hintergrund, doch am Ende seines Lebens entstanden auch humoristische Werke.
Er wollte mit den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ den Schelmenroman erneuern und eine Parodie auf den deutschen Bildungsroman schreiben. Seine Grundthemen sind die Dekadenz und die Degeneration der Gesellschaft. Sie hängen unmittelbar mit Verbrechen zusammen (Entwicklung vom Künstler zum Verbrecher) und erweitern die Möglichkeiten menschlichen Handelns.
Thomas Mann will mit diesem Romanfragment zeigen, dass man keine besonderen Begabungen haben muss, um im Leben erfolgreich sein zu können. Entscheidend ist, was man aus sich selbst macht und dass man nicht versucht jemand zu sein, der man nicht ist. Man muss seine Schwächen erkennen und seine Stärken in den Vordergrund stellen.
Mann zeigt, dass die Welt betrogen werden will, denn „nur der Betrug hat Aussicht auf Erfolg und lebensvolle Wirkung unter den Menschen,...“. Felix besteht, wie Grimmelhausens „Simplicius Simplicissimus“, jede Situation erfolgreich, auch wenn er noch nie in einer ähnlichen Lage war. Er täuscht der Welt etwas vor. Er betrügt sie. Er bekommt immer wieder die Bestätigung, dass die Menschen betrogen werden wollen. Er merkt dies beispielsweise, als der gut aussehende Schauspieler sich nach der Vorstellung als alter, grauer Mann mit Narben auf dem Rücken entpuppt. Er hatte es geschafft, den Zusehern ein falsches Bild seiner Person zu verkaufen.
(Der Schauspieler auf der Bühne) Er trug einen schwarzen, mit Atlas ausgeschlagenen Pelerinenmantel, Lackschuhe zu schwarzen Frackhosen, weißen Glacés und auf dem schimmernd frisierten Kopf einen Zylinderhut. [...] ein Gesicht, das wie aus dem feinsten Wachs gebildet schien. Es war zart rosafarben und zeigte mandelförmige, schwarz umrissene Augen, ein kurzes, gerades Näschen sowie einen überaus klar gezeichneten und korallenroten Mund. [...] (Der Schauspieler hinter der Bühne) Dies also, dies verschmierte und aussätzige Individuum ist der Herzensdieb, zu dem soeben die graue Menge sehnsüchtig empor träumte! Dieser unappetitliche Erdenwurm ist die wahre Gestalt des seligen Falters. [...] Die erwachsenen und im üblichen Maße lebenskundigen Leute aber, die sich so willig, ja gierig von ihm betören ließen. Mussten sie nicht wissen, dass sie betrogen wurden? Oder achteten sie in stillschweigendem Einverständnis den Betrug nicht für Betrug?
Thomas Mann greift die Thematik der Spannung zwischen Künstlertum und Bürgertum auf. Was in „Tonio Kröger“ 1903 nur angedeutet wurde, nämlich, dass sich der Künstler dem Verbrecher nähere, wird hier zu einem der Hauptthemen. Es wird jedoch parodistisch und liebenswürdig abgewandelt.
Felix erscheint in seiner Rolle als Betrüger niemals boshaft, sondern fast ein wenig naiv. Viele Menschen betrügt er unbewusst und nicht mit dem Ziel ihnen Schaden zuzufügen.
Für Manns Werk ist der Begriff „Bekenntnis“ nicht richtig gewählt, denn unter einem Bekenntnis versteht man eher eine selbstkritische Beichte voller Reue und nicht, wie bei der Niederschrift von Felix, eine Lebensgeschichte, die von Reue keine Spur zeigt. Felix beschreibt sich vielmehr als vollkommen und wunderschön.
Der erste Teil der Memoiren gliedert sich in drei Bücher, wobei die ersten beiden jeweils neun, das dritte Buch elf Kapitel haben. Das erste Buch wird auch als das „Buch der Kindheit“ bezeichnet.
Thomas Mann sagte 1955 im Gespräch mit Thomas Morton: „Well in the second volume I shall put Krull through some kind of matrimonial and penitentiary episodes and finally into a kind of retirement, where he writes his memories.“
Im selben Jahr schrieb er jedoch an einen Freund: „Aber wäre es denn ein Unglück, wenn die Krull - Memoiren weit offen stehen bleiben? Vielleicht sind sie zum unendliche Sehnsucht erregenden Fragment geboren.“
H. P. Dorn setzte Manns Werk 1958 mit seinem eigenen Werk „War ich wirklich ein Hochstapler?“ fort. Er setzt dort ein, wo Thomas Mann aufgehört hat, und beendet seine Geschichte in dem selben Pariser Hotel, in dem Felix seine Karriere begonnen hat.
Die Sprache entspricht der Ironie der Handlung. Sie entlarvt Krull elegant und doppeldeutig durch stilistische Elemente als Betrüger. Mann verwendet teilweise Begriffsverkehrungen (zum Beispiel die positive Darstellung des Betrugs), ironische Pattethik (die Beschreibung seines Hotelzimmers) und zynische Untertreibungen um Krulls Selbstgefälligkeit zu enthüllen.
Indem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit - gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde, indem ich mich also anschicke meine Geständnisse in der sauberen und gefälligen Handschrift, die mir eigen ist, dem geduldigen Papier anzuvertrauen, beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen nach Vorbildung und Schule denn auch gewachsen bin.