10 goldene Regeln zur gefahrlosen Nutzung des Telefons
Das Telefon, eins der umstrittensten und
sagenumwobensten Medien unserer Zeit. Wenige konnten bisher sein Geheimnis und
seine tiefere Bedeutung auch nur annähernd verstehen. Aber mindestens kurz nach
der Erfindung des Pizza-Service bekam das Telefon seinen tieferen Sinn.
Regel 1:
Ruft Sie jemand aus einer Telefonzelle an, so
vermeiden Sie, das Gespräch an sich zu reißen. Oftmals redet der Angerufene in
diesem bestimmten Fall die ganze teuer bezahlte Zeit hindurch und der
bedauernswerte Anrufer darf außer seinem Nachnamen nichts sagen. Seien Sie
sozial: Keine Monologe am Telefon! Unterbrechen Sie den begonnenen Vortrag über
die Philosophie der rechts- und linksdrehenden Milchsäuren spätestens beim
penetranten "Piiieep, Piiieep" der Telefonautomaten, um dem Anrufer
dann doch noch mal kurz das Gehör für seine wahrscheinlich wichtige Mitteilung
zu schenken.
Regel 2:
Das Telefon klingelt, und wie wir es in Regel 1 gelernt haben gehen wir ohne
Angst und unbedarft an den Hörer. Doch was passiert? Kein Stimme sondern ein
mehr oder weniger melodisches Piepen ist zu vernehmen. Legen Sie in diesem Fall
einfach beruhigt wieder auf; es handelt sich hierbei nur um ein hereinkommendes
Fax. Gehen Sie beim nächsten Klingeln einfach nicht ans Telefon, sondern tun
etwas anderes Interessantes zur Ablenkung, zum Beispiel das Konjugieren von
Verben. Sie haben instinktiv schon wieder abgehoben? Nicht schlimm! Legen Sie
einfach noch einmal auf und versuchen Sie sich zu beherrschen. Der Telefonreflex
ist stark und auch der Faxer wird dafür Verständnis haben. Sein Fax wird es
wahrscheinlich gleich noch mal versuchen. Merke: Faxgeräte sind in der Regel äußerst
penetrant. Beim zehnten Versuch dürfte es jedoch schon ziemlich zermürbend für
beide Beteiligten sein. Lösung: Fax einfach einschalten. Eventuell nicht
eingeweihten Mitbewohnern in der Familie dennoch die Funktionsweise des Faxes
erklären.
Regel 3:
(gilt nur für Haushalte mit gesonderten Anschlüssen, die eigene
Durchwahlnummern haben): Viele Haushalte haben mittlerweile die faszinierende Möglichkeit,
durch einfaches Drücken einer Nummerntaste des Telefons (0-9) Gespräche zu
einer bestimmten Person durchzustellen. Doch zuweilen tritt hier das Problem
auf, die richtige Nummer für die richtige Person zu wählen. Meist wird genau
die falsche gewählt. Verwirrung und Unzufriedenheit sind die Folge. Womöglich
ein frustriertes Auflegen die schlimmste. Lernen Sie diese besonderen Nummern
und ihre zugehörigen Personen doch einfach auswendig. Lautes Vorsprechen vor
dem Schlafengehen wirkt Wunder, Sie werden es sehen.
Regel 4:
In letzter Zeit kommt es auch in Europa immer mehr in Mode, sich am Telefon
nicht mit seinem Nachnamen, sondern mit einem kurzen amerikanischen
"Hallo?" zu melden. Sollte sich ein von Ihnen angerufener Gesprächspartner
für diese Form der Gesprächseinleitung entscheiden, so seien Sie vorsichtig!
Versorgen Sie den Angerufenen jetzt nicht ungestüm mit persönlichen
Informationen, denn es könnte zu Peinlichkeiten kommen, falls Sie sich irrtümlich
verwählt haben und die Person am anderen Ende gar nicht die ist, für die Sie
sie halten. Fragen Sie ruhig noch einmal nach, wenn Sie sich nicht sicher sind;
dies ist durchaus nicht unhöflich. Vielmehr werden so Situationen vermieden, in
denen Sie ihrem engsten Freund telefonisch davon berichten, was für ein Idiot
doch Ihr neuer Chef sei, bevor Ihnen plötzlich klar wird, daß da doch
irgendwas mit der Nummer nicht...
Regel 5:
Seien Sie achtsam mit Wahlwiederholungstasten! Ihre Privatsphäre könnte durch
diese inzwischen zur Standardausstattung eines jeden modernen Telefons zählende
Servicefunktion mitunter stark beeinträchtigt werden. Gerade bei Telefonen, die
mehrere Nummern im Wahlwiederholungsspeicher behalten können, ist diese Gefahr
besonders groß. Neulich wurde in der Presse von einer Frau berichtet, deren
Ehemann die Telefonnummer des Liebhabers der Frau im Wahlwiederholungsspeicher
des hauseigenen Telefons fand und so auf die Affäre seiner Gemahlin aufmerksam
wurde. Es kam zur Scheidung. Sie sehen: Eine unachtsame Verwaltung des
Telefonspeichers kann zu extremen Folgen führen! (Merke: Soll die Ehe glücklich
sein, lösche den Wahlwiederholungsspeicher fein!)
Regel 6:
Wenn Sie bei größeren Firmen anrufen und dort -- nachdem Sie der Telefonistin
geduldig erklärt haben, mit welcher Person oder Abteilung Sie gerne verbunden
werden möchten -- in eine Warteschleife geschaltet werden, so werden Sie nicht
ungeduldig. Machen Sie das Beste aus Ihrer Situation und erfreuen Sie sich an
der schönen Musik, mit der man Ihnen die Wartezeit verkürzt. Wenn Ihnen danach
ist, summen Sie ruhig die Melodie mit! Begehen Sie aber nicht den Fehler, ein
Gespräch mit der Dame anzufangen, die Ihnen gegenüber in regelmäßigen Abständen
die bilinguale Bitte "Bitte gedulden Sie sich einen Augenblick -- Plies
hold se lein!" äußert; es könnte sich um eine Aufzeichnung handeln!
Regel 7:
Legen Sie sich nie zurecht, was Sie am Telefon sagen wollen. Studien haben
ergeben, daß in 95,34% der Fälle solche Personen ihren Text vergessen und in
einem Chaos aus Stottern und Unverständnis untergehen. Gehen sie ganz spontan
an das Gespräch heran, überlegen sie nur im Groben, was sie eigentlich sagen
wollen. Schwafeln sie ruhig und nehmen sie sich Zeit, auf das Thema
hinzuarbeiten. Aller Anfang ist schwer, daher empfiehlen wir, vielleicht zunächst
mit einem Partner zu üben. Nehmen sie sich ein Gesprächsthema vor, und üben
sie mit dem Partner entspannt, ruhig und ausschweifend, darüber zu reden. Sie
werden sehen, bald sind sie ein echter Laberkopf!
Regel 8:
Stellen Sie sich vor, Sie werden angerufen und melden sich -- wie Sie es gelernt
haben -- mit ihrem Nachnamen, beispielsweise "Mülläää". Als Sie
als Antwort ein "Hier auch!" erhalten, legen Sie verstört den Hörer
auf. Grober Fehler! Nur in knapp 5,7% aller Fälle handelt es sich bei solchen
Antworten um Verarschungen! Mit hoher Wahrscheinlichkeit war wirklich ein
Mitglied ihrer Familie am Telefon. Vielleicht der verschollene
Bruder oder die reiche Tante aus Amerika. Also überprüfen Sie lieber zuerst, ob es sich nicht doch um einen
Verwandten handelt und legen dann auf. Es erspart Ihnen viel Ärger
und auch Hetzjagden!
Regel 9:
Folgendes Szenario: Ein ganz normaler Anruf bei einem Freund (wir wollen ihn
einfach mal "Schmitt" nennen). Der Anruf gelingt, doch -- Ei der daus!
-- gleich drei "Schmitts" ("Schmitt ?!?!, Schmitt?!?!
Schmitt?!?!") melden sich gleichzeitig. Keine Panik, Sie sind nicht geistig
gestört! Es handelt sich lediglich um eine Konferenzschaltung. Machen Sie
einfach deutlich, mit welchem der "Schmitts" Sie sprechen wollen, und
mit etwas Glück werden sich die anderen beiden aus dem Gespräch ausklinken.
Regel 10:
Sind Sie stolzer Besitzer eines schnurlosen Telefons, so sollten Sie es unter
keinen Umständen versäumen, sich das exakte Aussehen des Gerätes einzuprägen.
So seltsam diese Empfehlung auch scheinen mag -- sie ist sinnvoll, da viele
andere Haushaltsgegenstände ein ähnliches Aussehen aufweisen und
Verwechslungen unangenehm auffallen und Sie sich als technischen Laien outen könnten.
So dürfen Sie sich beispielsweise nicht über die erstaunten Blicke Ihrer
Mitbewohner wundern, wenn Sie wieder einmal mit dem Telefon den Fernseher
einschalten wollen und/oder in die Fernbedienung sprechen.