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SPANIEN
‘98 - Jetzt erst recht!
Zimmer 100 On Tour
Es gab eine Zeit, eine Zeit voller
Zärtlichkeit. Da wurde Saufen, Sex und Lieben immer groß geschrieben.
Diese Zeit nahm ihren Anfangspunkt im wohlerzogenen Zimmer 100 in der
allseits beliebt, geehrten, verwöhnten Landeshauptstadt der Mainmetropole
(für unkennt-liche Menschen sei diese Verklausulierung auf ein prägnantes
Schlagerwort zurückorientiert: Berlin).
In diesem Raum trafen 5 mutige, gutaussehende, allseits geschätzte, lustige,
trink- und singfreudige Individuen zusammen, die sich des späteren entschlossen,
Ihre Tugenden im Ausland unter Beweis zu stellen und nach den Abiturprüfungsaufgabenstellungen,
welche eine ungeheuerliche geisteswissen-chaftliche Beanstrengung von
eben diesen fünf lustigen Vieren behauptete, ohne Kenntniss der Kausalitäten
Richtung Südwesten mit dem Automobi-le zu fahren, um unbekannte Frauen
zu entdecken.
Nach einem dreizehnstündigen Autobahn-Schiffsfahrt-Marathon kamen die
Explorer bei aufstreben- der Morgenröte mitten im Verkehrschaos der españolischen
aufwachenden Stadt Mataro an und erlebten nach einem Gute-Morgen-Bier
der Marke Krombacher, die in diesem Ausflug noch eine verhängnisvolle
Rolle einnehmen sollte, die erste unglaubwürdige Neuigkeit: in stimmungsvoller
Erwartenheit auf einen Le Big Mac suchte das vierköpfige Trio eine allseits
bekannte Schnell-Essen-Kette auf, deren Namen hier an dieser Stelle verraten
werden darf: Mc Auto, in unseren Hemisphären als Mc Drive bekannt.
Doch wie groß war die ernüchternde Enttäusschung über die mittagtagtägliche
Öffnungs-zeit, die zur Folge hatte, dass unsere sechs Helden mit nüchternem
Magen in einer Einhei-mischen-Kneipe von einem Dolly Buster-Verschnitt
kulinarisch verwöhnt wurden. So gestärkt traf unser Mannschafts-Benz mit
voller Besatzung am grobkörnigen Sandstrand ein, zur Wiedererlangung aller
vorher in Besitz gehabter Kräfte. Und sonst?
Allmählich rückte die nächtliche Schlafplatzfrage in den Vordergrund,
wobei sie zwei wohlgeformte Frauen aus dem Blickfeld verdrängte. Nach
einem kurzen Disput, weil eine der insgesamt acht Personen einen montan
gelegenen Schlafplatz bevorzugte, einigte sich unser Sextett auf einen
malerischen, von romantischer Ironie durchzogenen und von Fels-klippen
umgebenen, am meergelegenen, traumhaften, mit ominösen Schriftzeichen
versehe-nen Schlafplatz.
Nach einigen Cervezas der spanischen Art verspürten unsere Protagonisten
ein leichtes Schlafbedrängnis und fanden hurtig in den zwei zur Verfügung
stehenden Bierzelten die wohlverdiente Nachtruhe. Gegen halb 6 Uhr am
freitäglichen Morgen traf ein unerwarteter Schicksalschlag die Zeltkolonie:
der Zufall wollte es, dass Lars in dieser unheilschwangeren Nacht keine
Ruhe finden sollte (Schicksal oder Fügung?) und sich hellwach in seinen
Träu-men wälzte.
Plötzlich huschte ein lichttaschenlampen-erzeugter Fleck am Zelteingang
herum. Doch dem nicht genug! Ein aus fünf Fingern bestehender menschliches
Körperteil suchte sich tastend auf Beutefang durch das Zelt. Von Larsens
„Hallooo?“ - Ruf erschreckt, zog sie sich samt übrigem Körper rasch zurück
und suchte das Weite. Durch diesen Tumult aufgeweckt, waren auch die anderen
schnell aufgeweckt und bemerkten, dass bis auf zwei Paar Schuhe alle sonstigen
Fußkleidungsstücke in allen erdenklichen Größen wie vom Erdboden verschluckt
waren. Dies war zweifelsohne ein Fall für Kommissar Schneider, der sich
sofort gemeinsam mit seinem Gehilfen, namens Kilian, die Fährte aufnahm
und sich auf die Suche nach den Übeltätern machte. Doch vergeblich! Die
Lage schien aussichtslos.
So deprimiert kehrte man zum Ort des Geschehens zurück, um gleich die
nächste Hiobs-botschaft zu erfahren: nicht nur ein Schuhdieb war hier
am Werk gewesen, sondern er hatte es deutlich auch auf Manuels handgestrickte
Socke, auf Jeans mitsamt Auto-Schlüssel und auf Bernds ABI-Shirt abgesehen.
Daraufhin stürzte man sofort zum am Firmament geparkten Auto, um festzustellen,
dass eine Fensterscheibe von unbekannter Hand offensichtlich eingeschlagen
war und der Kofferraum seines Inhalts entleert worden war. Die Diebe jedoch
bewiesen einen zweifelhaften Geschmack in bierlicher Hinsicht, da sie
die gesammelten Krombacher- Flaschen entwendet hatten im Gegensatz zu
einer Flasche Mönchshof, die sich noch an Ort und Stelle befand, obwohl
sich wie allseits bekannt Mönchshof Original wegen des außergewöhnlich
abgerundeten Geschmacks, den es einer besonders fein dosierten Hopfengabe
verdankt, empfiehlt.
So um fast alle Habseeligkeiten beraubt, verbrachten unsere Helden halbnackt
noch einen letzten kleinen Tag am Strand, wo man zur Belustigung aller
die unübersichtliche Mann-schaft um eine von Hand gebauter Sandfrau erweiterte,
die sich in aller Hinsicht als sehr tolerant erwies. Am Abend dieses Tages
brach man dann weitestgehend schuhlos und frustriert die Heimreise ins
verregnete Deutschland an.
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