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Sletsch
- Saison
Es begab sich zur Hauptbrunftzeit, als vier
unerschrok-kene Jägermeister sich auf die Fährte eines seltenen Individuums
machten.
Zunächst suchten die vier Freunde das Hauptrevier ihrer erhofften Beute
auf. Aber das kleine verschlafene Kloster namens Frauenroth, idyllisch
gebettet in tiefster Rhön, wo Fuchs und Hase sich trotz Jäger gute Nacht
sagen, brachte nicht den erwünschten Erfolg. Dieses unter Naturschutz
zu stellende Wesen war nämlich trotz intensivster Suche nirgendwo aufzufinden.
Ein Blick in den Stall „An der Klostermauer“ überzeugte uns davon, dass
Schletsch mit geradezu übersinnlichcn Kräften einer inneren Eingebung
folgend auf seinen silhergrauen, altersschwachen Mustang mit dem amtlichen
Brandzeichen KG-CD 1 02 gestiegen war und die Weite der Prärie gesucht
hatte.
Aber auf das Wildeste entschlossen kamen die Verfolger auf eine alte Jägerlist:
sie nutzten die Nasen der beiden daheim gebliebenen, erfahrenen Spürhunde.
Diesen nachreitend gelangten sie in den Großstadtdschungel (?) von B.K.
Die Spur endete schließlich vor den Toren des Gymnasi-ums. Da hier die
Bluthunde keiner eindeutigen Fährte mehr folgen konnten, und sich die
Hauptspur in mehrere schwächere Spürchen verzweigte, beschlossen die Jäger
jeder gesondert nachzuge-hen.
Endlich stießen sie auf einen Berg von gebrauchten Taschentüchern, deren
Herkunft sich auf Schle-tsch zurückverfolgen ließ. Völlig verzweifelt
wandten sich die Gefährten an Schüler und Lehrer (wo vor allen die Aussagen
seines „ehemaligen Lehrers“ Thomas Schlereth von großer Bedeutung waren)
die in etwa folgendes Bild dieser Spezies beschrieben:
Das Erscheinungsbild ist durch eine unauffällige Tarnkleidung gekennzeichnct,
die aus in naturfarb-tönen gehaltenen Jeans, grünem Hemd, wahlweise mit
oder ohne grünem Pulli und den obligato-rischen Tumschuhen besteht. Sein
Verhalten ist übermüßig fleißig, kombiniert mit hoher Intelligenz, was
zur Folge hat, dass das Geschöpf super Noten in den Naturwissenschaften
Mathe und Physik hat, denen die anderen Noten aber in nichts nachstehen.
Außerdem zeugten die Vorfreude auf das bevorstehende Deutschabitur und
das acht bis neun Punkte Traumfach Englisch
von reger Sprachbegeisterung. Kaum inspiriert von diesem Persönlich-keitsprofil
verließen sich die vier Großwildjäger nunmehr auf ihr Gehör. Sie vemahmen
in weiter Ferne Jagdgeräusche von Horn und Trompete.
Doch wieder zu spät, denn ungeschickt wie sie waren, pirschten sich die
Wilderer leider nur fast geräuschlos und auch noch mit dem Wind an. Aufgeschreckt
durch einen brechenden Zweig schwang sich das Individuum auf seinen motorisierten
Drahtesel.
Auf eine falsche Fähre gedrängt verschlug es ihn nach Zahlbach, den Ort
des von ihm „geliebten“ Lärmes und Zigarettenrauches. Ein kurzes Verhör
des Barkeepers räumte letzte Mißverständnisse aus. Unser Gesuchter ist
sicherlich kein Partylöwe in diesem Sinne, was kontinuierliches Missen
bei Kollegstufenfeiern erklärte.
Letztendlich fanden die Jägersleut’ ihn aber doch !! Zusammen mit vier
von ihm, unserem Saufani-mateur, zugerichteten Schnapsleichen hatte er
beim T H W Unterschlupf gefunden. Sich in voller Lebensgröße aufrichtend
grüßte er, Stefan Schlereth, seine Verfolger mit den Worten: „Wollt ihr
auch einen Selbstgebrannten“ und nippte spärlich an seinem Gläschen.
Wir strahlten glücklich, und die Party, dessen verkappten Organisator
wir nach stundenlanger Suche ausfindig gemacht hatten, begann.
Nun gut, Sledge, nach langem gemeinsamen Kampf
wünschen wir Dir für Deine Zukunft alles Gute. Ob Du Dich der Forstwirtschaft
oder dem Jurastudium in München widmest, sei Dir überlassen. Doch laß
gelegentlich mal was von Dir hören.
Die „Großwildjäger“

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