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Die Bildungsoffensive
– Ein Erlebnisbericht
LK-Englisch bei Peter Spor
“I can offer you
nothing but blood, sweat and tears” und ähnliche düstere Prophezeiungen
schleu-derte unser LK-Zeus (“Ich bin der Spor, dein LK-Lehrer und du
sollst keine anderen LK-Lehrer neben mir haben!”) zwölf eingeschüchterten,
milchgesichtigen Heldenanwärtern entgegen.
Schon gleich die erste Stunde hinterließ bei uns einen so tiefen Eindruck,
dass einer aus unseren Reihen den Schwanz einzog und beschloß, sich an
einem anderen dicken Brocken zu versuchen, was er noch schwer bereuen
sollte. Denn schon bald offenbarte sich dem verbliebenen Elferrat, dass
der sich am Pult aufbauende Lorenzo di Olivio
- Fan uns lediglich eine seiner unzähligen Masken vorführte.
Auch wenn er sich selbst gern als personifizierte Bildungsoffensive
gibt, die wie ein Jedi-Ritter gegen
das Imperium zurückschlägt (“Was,
Sabrina, sie haben StarWars noch nicht gesehen? So eine Bildungslücke!”),
merkten wir unworthy slaves
und groundlings spätestens
nach der ersten Klausur, welche Ahnert uns da erspart geblieben war.
Durch seine besonderen Verdienste um die Einführung der 3-Minuten-Zigarette
kamen wir jede Stunde vor der Pausenreform in den Genuß einer 3-Minute-break
sponsored by Benson, in denen der Kaffeeautomat Rekordumsätze verzeichnete.
Dieser take it easy-approach setzte sich auch schnell im
Unterrichtsstil durch; mit ununterbroche-nem Kiefergelenkstraining durch
Kaugummis und Bonbons lästerte der passionierte Mürschter
über das Arbeitsverhalten von auf dem Pausenhof rumhängenden Abis ab und
leistete selbst keinerlei Widerstand gegen den lockeren Erfahrungsaustausch
zwischen den Generationen, den wir ihm nur allzu gern als Lehrplanalternative
boten.
Für seine in wackeren Selbstversuchen errauchten Drogenkenntnisse (“Jetzt
weiß ich, warum’s Shit heißt.”) und Erlebnisse aus dem Leben an US-Colleges,
für die er als “Getränkelieferant” tätig war, berichteten die
Backbench-Girls und 3 Spice-Boys
von den seltsamen Paarungsritualen der heutigen Jugend in den Diskotheken
der Umgebung. Immer was zu lachen lieferte der stolze Träger der “Held
der Arbeit – Auszeichnung als Ehrentraktorist des Rübenkombinats
Flotte Hacke” (siehe Anstecker am Revers) mit seinen Internet-seitenfüllenden
Sprüchen; damit uns hier nicht etwa der Stoff ausgeht, wurde die Sammlung
von Bill Clinton-Witzen als landeskundlicher Forschungsauftrag vergeben.
Gelegentliche Sticheleien gegen das weibliche Geschlecht, ließen den Anschein
entstehen, dass im Hause Spor jemand anderes die Hosen anhat. Als seine
Anna samt Leo & Kegel in die Berge fuhr, hat unser Peterli wohl mal so
richtig die Sau rausgelassen. Einen kleinen Einblick in derartige Zustände
durften wir auf den beiden schon legendären Kursfeiern gewinnen. Schon
im Juli ’97 konnten wir die Formel:
Alkohohlgehalt Kursleiter in ‰ = Alkoholgehalt gesamter
Kurs in ‰ ± x=> 0
anhand der empirischen Fallstudie P.Spor beweisen.
So verwundert es nicht, dass er das Prinzip des Tabu-Spiels
wahrscheinlich auch nicht mehr ganz soooo geblickt hat, da er versuchte,
die Begriffe ausschließlich unter Verwendung der Worte auf der Karte zu
erklären.
In der vorabiturlichen Zeit erwies sich die enge Freundschaft zum nach
Münnerstadt exilierten griechischen Wirtschafts-wissenschaftler
Niko als äußerst hilfreich, als es galt die Lage der griechi-schen Schnapsbrennerei-wirtschaft
unter besonderer Berücksichtigung des Ouzo
zu ergründen.
Für äußerst großzügige Versorgung mit kulinarischen Köstlichkeiten (Danke
noch einmal, oh Spor!) konnten wir uns zumindest ein wenig mit einem Kneipe-Bett-Shuttle
beim Kursleiter revanchieren. Spätestens ab 13/1 wurde die Stimmung im
Kurs der auf den Kursfeier immer ähnlicher.
Schon früh hatte sich im Kurs eine klare Rollenverteilung herausgebildet.
Übereinstimmend hatten wir Simon bald zum scapegoat
auf Dauer erkoren. Der eigentlich sympathische Junge vom Staffels litt
besonders unter den Stolpersteinen “of zzie Tie-äitsch”, des erklärten
Erzfeindbildes von Herrn Spor. Zudem wurde Simons LKler-Dasein durch die
beständigen Aufräumarbeiten seiner Putzfrau erschwert - Experten gehen
davon aus, dass sein sämtliches Englischmaterial unterdessen auf der Mülldeponie
Wirmsthal seinen Lebensabend verbringt.
Die Rolle des Fauli-Schlumpfs füllte
Felix voll und ganz aus. Als Dauerverschläfer erkor er schon bald den
Tisch zu seinem 2. Kopfkissen. Die Lektüre wurde generell erst während
der Besprech-ung gelesen und für sonstige Hausaufgaben opferten Felix
und sein mit ihm im Dauergemurmel begriffener Nachbar Benedikt auch keine
Minute zuviel; Antworten wurden erst bei verlegenem Schweigen des Restkurses
aus dem Ärmel geschüttelt. Dennoch brachten es die Drei von der Schwankstelle
auf eine marktbeherrschende Stellung im Unterrichtsgespräch.
Besonderer Beliebtheit beim Kursleiter erfreuten sich auch die “Three
Witches” (Sabrina, Ines, Tanja), die ihren Namen der glorreichen
Lektüre von MacBeth verdanken, jedoch leider nur gele-gentlich in Vollbesetzung
aufliefen.
Die verbleibenden fünf Backbenchers weiblichen Geschlechts (Silke, Dagmar,
Daniela, Catherine und Nathalie) konnten insbesondere durch ihr aufmerksames
Zuhören –Lästermäuler könnten es auch als Stummdasitzen abtun- überzeugen
und sich so einen festen Platz im Herzen des erklärten “No Sports!”-Kursleiters
sichern, dem ihre “No words!”-Philosophie solchen Gefallen bereitete,
dass er ausgesprochen häufig ihre Namen ausrief...
Sollte bis hierhin der Eindruck entstanden sein, wir seien in unseren
zwei Jahren Zusammensein ein fauler, geschwätziger Sauhaufen gewesen,
so... ... ...entspricht das nicht ganz der Wahrheit.
Besonders vor anstehenden Geschichtsklausuren wurden wir aktiv und veranstalten
einen regen Fragereigen um Peter, das wandelnde Geschichtsbuch, herum,
der uns selbst die kompliziertesten Zusammenhänge leichtverständlich darzulegen
wusste. Seine prägnanten Tafelbilder
(sein ganzer Stolz) taten ein übriges, um die Mädels auf Stunden hinaus
mit Abzeichnen zu beschäftigen und uns allen die zahlreichen Unterrichtslektüren
(Tortilla Curtain, MacBeth, Frankenstein, Mr Macomber, The Sniper...)
aufzubereiten. Das Mitzählen der alten Abitur-Aufgaben, die wir mehr oder
minder intensiv bearbeiteten, haben wir schon lange aufgegeben...
Was vom Englischkurse übrigblieb ? Schöne Erinnerungen, fröhlich verlebte
Stunden, ungezählte Zitate, ein wunderbares Kurs-Lehrer-Verhältnis, eine
beschwipste Birne, viele Lebensweisheiten und trotz oder gerade wegen
allem das gute Gefühl, auf’s Abi vorbereitet zu sein...
Jubelt und jauchzet dem Herrn,
all Ihr, Die Ihr dereinst nach uns den Spor unter
Euch wohnen lasst. Erweiset Euch seiner
Würdig und folget uns nach ! Amen.
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