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Emro’s Imbiß
Das Wort zum Emro !

Leider erst viel zu spät, nämlich am 09.02 unseres letzten Schuljahres kamen wir in den Genuß einer Institution, die uns half die, vorher so triste, weil bäckerlose, zweite Pause zu überstehen: Emro’s Imbiss.
Dieser Gourmettempel, der ohne Zweifel in einem Atemzug mit “Gosch” auf Sylt und “Käfer” in München genannt werden kann, versorgt die Schule mit allem, was das Schülerherz begehrt.
AuHungrige Schüler, unterdessen Stammgäste geworden, die auch schon mal ein nettes Wort mit ihrem Chefkoch, maître Emro wechselnch mancher Lehrer erliegt dem Duft von Leberkäs- und Frikadellenbrötchen. Doch dieser Geruch wird nicht von allen gutgeheis-sen. So wird es von Nicht- und Wenig-fleischessern sicher-lich als störend em-pfunden, sich jeden Tag gegen den nicht bestreitbarem Ge-ruch von gewärmten Fleisch durch die Schule zu kämpfen. Hier ist eine Verbesserung durch einen Dunstabzug, Verkauf im Freien... wohl unumgänglich.
Trotzdem sind wir der Meinung, daß man auch einmal den Schülern ein Recht auf Selbstbestim-mung zubilligen sollte, denn die Mehrheit der Schüler ist für den Fortbestand dieser Einrichtung. Schließlich soll das Gymnasium den Schüler zu einem mündigen Bürger heranziehen, der selb-ständig und eigenverantwortlich handelt. Dies sollte auch der Elternbeirat und insbesondere seine erste Vorsitzende einsehen.
Enttäuscht war ich persönlich vor allem von unseren Religionslehrern. Lehrten sie uns in neun Jahren Gymnasium vor allem Toleranz gegenüber Armen und Schwachen sowie Minderheiten, hatten sie angesichts einer Mehrheit für den Erhalt des Imbisses keine Probleme sich vehement für dessen sofortige Abschaffung einzusetzen. Mich würde interessieren, ob die Religionslehrer etwas gegen den Verkauf speziell für eine ethnische Minderheit unternommen hätten.
Überhaupt zeigen sich in der eigentlich so unwichtigen Diskussion um den Imbiß aus meiner Sicht viele Probleme unserer Gesellschaft. Jeder verlangt immer nur von anderen, ohne selbst Zuge-ständnisse zu machen. Ob Atomendlager, Asylbewerberheim, oder Autohof. Man ist von ihrer Not-wendigkeit überzeugt, nur doch bitte nicht vor der eigenen Haustür.
Man fordert auch immer nur, daß Arbeitsplätze durch den Staat geschaffen werden, behindert selbst aber Mitbürger mit Eigeninitiative, die neue Firmen gründen, wie eben der an die Schule kommen-de Imbiß. Anscheinend leben wir in einer Gesellschaft, in der es mehr honoriert wird, sein Leben in Dauerarbeitslosigkeit zu fristen und ständig über die eigenen Verhältnisse zu jammern. Na ja, dann hat man wenigstens Zeit, um an eigentlichen Arbeitstagen Castor-Transporte zu blockieren.
Eine weitere Einstellung in der heutigen Gesellschaft zeigte sich mir noch bei einer Befragung unseres Religionslehrers Herrn Fell. Ich fragte ihn, wie er gegen den Imbiß sein könne, obwohl dieser doch die Erwerbsgrundlage dessen Besitzers sei, der den lobenswerten Versuch unter-nimmt, sich eine eigene Existenz aufzubauen und ohne den Verkauf im Gymnasium zumindest Einbußen erleiden würde. Denn schließlich ist es doch möglich, daß dieser eine zusätzliche Arbeitskraft einstellt. Hierauf erwiderte er: “Na ja, man kann ja auch nicht alle Arbeitsplätze in der Kernkraft erhalten.”
Dies von einem Mann zu hören, der sonst alle Großkonzerne wegen ihres Stellenabbaus verteufelt, und uns die dadurch erfolgende Unterwanderung bzw. Abschaffung des Sozialstaats einreden will, zerstört wohl alle Glaubwürdigkeit.
Dieser Artikel soll keinesfalls als Werbung für den Imbiß verstanden werden. Er soll statt dessen an Hand der Diskussion um ihn Probleme ansprechen, die uns alle angehen.

Wobei natürlich trotzdem nicht geleugnet werden kann, dass Emros Leckerbissen die eingehutzelten Bäckereiprodukte der Konkurrenz in Geschmack und Preis/Leistungsverhältnis weit ausschlagen !!!

 


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das wort zum emro

URL: http://www.abitur98.de/emro.htm
update:10.02.1999
copyright 1998, 1999 by Benedikt Wahler
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