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Berlin
1997
Kneip'-Kur
und Kultour
Am Montag dem 6. Ogtober sin mir alle
in zwei Busse nei mit so Busfahra, die wo fei echt nett warn drin nach
Baalihn gefaan.
Der Tschonni hat gemeind, der kennd dort den Fadder
von dem Jugentbergwärk am Wasser. Auf der Fahrd hats immer so gehobbelt,
ich glaub die ham keine gscheiden Audobahnen da wo wir warn.
Damid’s den ganzen Mädels net so langweilig wird hat der Andi
sich ganz lieb um die gekümmerd, sogar um die, die die schon nen Freund
ham. Sonst is nix bassiert.
Des Jugentbergwärk war so dief im Wald, des gleich am ersten Abend der
Oli nix mehr heimgfunden hat. Aber zum Glück
sin der Oli und der Uli
wichtig und ham so Tele-pfone für underwegs mit ohne Schnur. So kam der
dann als es scho ganz dungel war wieda zurüg und der Tschonni
in seim Schlafanzug mußte nix mehr aufgeregt übern Gang laufen und gans
böhs sein.
Und weil der wollde, das wir was sehen sin mir am Dienstach nach Potsdam
gefahn. Zuerst is die Karin bei so nem Schloß in den Blumen rumge-trambelt
und wir sin gans oft fodokraphiert worn, und dann in die Stadt. Da hat
uns dann der Klaus alles gans genau erglährt und am Ende der Woche ham
n baar gemeint, „der muss weg, weil der weiß zufiel“. Wir ham uns auch
nochn anderes Schloß angeguggt, da wo ma ne Susi gesungen hat, so hieß
des nämlich: Sangsusi.
In
Berlin warn wir sogar in m Haufen Museums. In einem gabs Wogmäns und viele
nagde Menschen aus Stein... ich glaub die warn aus der Steinzeit. In nem
anderen standen lauter Bohde und Hüdden und Töbfe rum, aber Tobfklobfen
war verboden, des Dollste an dem Museum war wie der Benji
schonglierd hat, ob-wohl der Geburdsdach hatte.
In so ner Kirche, wo der Nico und der Axel
um, die Wette ge-predigt ham war auch `ne Ausstellung wo lauter Pubben
rumge-stellt warn. Da liefen auch viele Färnseha, aber keiner hat zuge-guggt.
Eins warn richdiges Museum, da hingen Bilder. Aber des muss wohl n Kindermuseum
gewesen sein, weil da war so Zeug
wie der Axel immer mald. Vorher hat die Gerhild
und die Karin gsacht ghabt, des wir unbedinkt jeder in zwei so Sachen
wo Leute singen oder hübfen reingehn müsen. Des ham die fei in Echd gemeind.
Naja, hammer uns hald wie die Grohsen angezogen -der Benny
sogar mit Grawadde- und sin hald nei-gegangen. Aber des wars auch schon
middm Spaß.
Nun ja, räusper,
dar trivialen Er-
unsere ach so
stufenbetreuer
Neue nicht ver-
lag es einmal
|
nach
diesen lapi-
eignissen, die sich
kindischen Kolleg-
jedes Jahr auf’s
kneifen können, ob-
mehr den Kollegia- |
ten das Bildungsziel dieser Studienfahrt
zu realisieren. Um dem Anspruch an uns Abiturienten als geistige Elite
Deutschlands und künftige Speerspitzen der deu-tschen Wirtschaft gerecht
zu werden, schrieb sich ein großer Teil des Jahrgangs für das praxisorientierte
Seminar „Marktmechanismen angewandt: Angebot & Nach-frage“
an der wohl etabliertesten Börse der Hauptstadt neben der Oranienburger
Fleischbörse ein.
In
den überdurchschnittlich stark frequen-tierten Vorlesungen am Mittwoch,
Freitag & Samstag schloßen wir auf dem Parkett schnell handelspolitisch
günstige Verbindungen, die uns mit Insidergeschäften berauschende An-lagemöglichkeiten
eröffneten und umwerfen-de Erfolge bescherten (Uwe sei Dank für seine
Markteinschätzungen).
Ein extraordinär effektives Instrument zur Marktanalyse repräsentierte
der DBBIX (Deutscher BierBörsen Index), der von den Größen der
deutschen Brauindustrie dominiert wird: Paulaner, KöPi, Diebels, DAB...
Die Buchführungsabteilung unter Christian H. entlarvte
einige Mängel in der korrek-ten Abhandlung vieler Transaktionen verschiedenster
Broker, so daß schließlich Zahlungsrückstände durch zinslose Fremdfinanzierung
gedeckt werden mußten. Vom bisher unerkundeten Betätigungsfeld des Börsenhandels
fasziniert investierten einige ambitionierte Jungbroker über ihre Liquiditäts-aufnahme-kapazitäten.
Ein in Börsenkreisen noch wenig bekannter Knaabe
erlitt seinen Börsencrash gleich auf dem Parkett und tat seinen Frust
der Spree kund, während er sich seine Investi-tion nochmal durch den Kopf
gehen ließ. Ähnlichen Fehlspekulation fielen insbeson-dere bisher unscheinbare
Händler zum Opfer, die für ein äußerst begrenztes Anla-gerisiko bekannt
waren; sie zogen sich schnell aus dem aktiven Handel zurück.

Die Hektik des Marktgeschehens brachte vie-le Börsianer um ihren Orientierungssinn,
wes-halb diese eine ungeahnte Kreativität bei der Wahl ihrer Beförderungsmittel
zurück zu un-serer Residenz entwickelten.
Andere, glücklich die S-Bahn erhascht zu ha-ben, stimmten zur Freude über
erfolgreiche Geschäftsabschlüsse eine wohlbekannte Heimatmelodie an, um
die Eingeborenen an ihrer Freude teilhaben zu lassen.
Ein anderer de(s)orientierter Yuppie, der doch
noch rechtzeitig zur Busabfahrt er-schien, beherzigte Jürgens wiederholte
Bitten, zur Reinhaltung seines „Wohnzim-mers“ den Abfalleimer zu benutzen.
Schnell
kristallisierte sich auch eines heraus: den klein-sten gemeinsamen Nenner
aller möglichen Aktivitäten und gleichzeitig das größte kulinarisch-kulturelle
Erlebnis stellte der Verzehr eines ausgewogenen, gesunden (laut McDonald’s
Nährwertbroschüren) Nachtmahls einer inter-national renommierten Restaurantkette
dar, weshalb sich auch alle Johanniter immer gegen zwölf zu einer Neuinszenierung
der Kinder vom Bahnhof Zoo einfanden.
Bei günstigen Windverhältnissen konnte man sobald man Johnny
Benzol roch davon ausgehen, daß doch noch genügend Zeit für ein BigMäc-Menü
war.
Manchmal verzögerte sich die Abfahrt allerdings noch um ein MaxiSpar-Menü,
da Renate S. versuchte ihre bis-her niedrigen
Fehlquoten zu kompensieren.
Einzig einige kosmopolitisch angehauchte Kollegiaten wagten sich in die
Welt des Kuhfladens nahöstlicher Küche vor, die in unserer Heimat durch
einen mediterranen Monopolisten beherrscht wird. In der zweitgrößten Stadt
der Türkei herrscht jedoch ein ganz anderes Preisgefüge, das dem risikofreudigen
Gourmet neue Dönerdimen-sionen eröffnete.
Weil wir ja selba
aus voll dem Kurdorf kommen, da hab isch doch gleich jesacht, hey Alter,
hier is voll das Ku’dorf, voll die Wumme von Disco, hey boah müss’n wer
rein!
Der Jojo gleich ma voll stylish, abba kommt da
der Gorilla von Türsteher un sach: „So nich!“. Und dat bloß wegen som
bißchen CS-Gas und ´n Brotmessa, voll krass! Naja, ham wer dann ins „Auto“
jebracht... also fett!
Wir auf jeden Fall voll an dem Typen vorbeijezischt und nix wie rin. Abba
irgend-wie war’s am Ballermann orgenaler! Hey boah, ha, wir uns sowas
von ‘ie Seiten
jehalten als dann plötzlich der Jojo und der Benny
voll abjehottet auf der Tanzfläche.
Hey und die Mucken, von wegen Ines und Sa-brina,
voll die Kante jegeben mit Schampus. Und, ha, Alter, fängt die plötzlich
an Spanisch zu lallen, hey boah ey. Dat is mein Ernst, lach isch oder
was?!
Und der Jürgen, unser Schauför, hier voll mit-gebechert und mit ner BurgerKing
Krone abje-rockt, ultra-korrekt der Mann, ey.
Und
weil wer abends um 12 daheim sein muß- ten, als wär`n wer hier im Kinergarten,
ham wer imma mi`m Jürgen im Bus weiterjefeiert - bis ultimo, aber volle
Hotte.
Am Samstach abend Johann ma einen auf läs-sisch
gemacht und uns jesacht, wir können die janze Nacht einen Ballern jen,
escht korrekt der Alte.
Wir erst ma wieda rin in ne Bierbörse und uns
mit Uwe einen hinter die Binde jekippt un` dann jegen Frühschicht ab in
´ne Disse und auf der single-Party die Schnallen anjebaggert.
Nur der Benny und den Kestla
hat's in irgendso'nen Szene-Schuppen verschlajen, irgendwas mit Schatzkiste
oder so hieß der - voll die krassen Raver, echt
ab-gespacet!
Nachdem auch die letzten Alkohol-
und Tanzzombies mit ein-setzendem Vogelgezwitscher am Nordufer strandeten,
kon-nten wir alle mehr oder weniger nach dem Frühstück gestärkt, augenberingt
die zwei „Tanzbusse“ besteigen.
Schnell bemächtigte sich die kleine, radikale Schlagerfront der
akkustischen Schaltzentrale in dem Bus, und kotzte durch ihren Egoismus,
angeführt von einer „eingebildeten Kuh“ so
manche an.

Von diesen unnötigen, lautstark ausgetragenen Differ-enzen abgesehen,
können wir auf eine Woche kultureller Leckerbißen, in allen Geschmacksrichtungen,
die von allen gerne angenommen wurden, zurückblicken.
Der fabelhaften Betreuung durch Frau Ahnert
und Frau Neumann, sowie der, jeden Grosch
einschüchternden Geschichtskenntnisse Herrn Kriegs,
denen wir aufmerk-sam lauschten, gebührt unser Lob und unser Dank.
Ein großes Dankeschön geht auch an unsere beiden Busfahrer, Thomas und
Jürgen, die uns sicher durch den Metropolenverkehr schaukelten.
Sehr geehrter Herr Kröner, auch wenn
wir sie erst zum Schluß nennen, gilt Ihnen unser größter Dank, für Ihre
große Geduld, die Sie Vermißten, Verplanten und scheinbar unter die Räuber
gefallenen entgegenbrachten. Diese Gutmütigkeit, Ihre Berlinerfahrung
und Ihre minutiös
ausge-klügelte Reiseplanung ermöglichten uns eine unvergeßliche Woche
in Berlin.
Um unseren vollgestopften Terminplan nachvollziehen zu können hier einer
kleiner Auszug für alle Unbeteiligten:
18.00:---------
Rückkunft am Nordufer
18.00-18.10: Duschen, Haarewaschen, Legen und Fönen
18.10-18.15: Abendessen
18.15-18.25: Anziehen, Zähneputzen, Schminken, Einduften
18.25-18.30: Schnell noch ´n Bier und/oder ´ne Zigarette
18.30:--------- Abfahrt
18.30-19.00: Schülerabwurf an Deutscher Staatsoper, Deutschem Theater,
---------------------Komischer Oper, Theater
des Westens, etc.
Dankeschön Ihre beste K13 aller Zeiten
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