Studie einer multiplen Persönlichkeit
Betreff: Ines Angerer
LK’s Englisch/Erdkunde

Der Krankheitszustand der oben genannten Patientin muß in 4 wesentliche Phasen unterteilt werden.

Besonders auffällig, auch für Außenstehende, sind die Winter- und Sommerunterschiede im Verhalten der Patientin X.
Der Winter kennzeichnet sich durch bewußt eingesetzte Isolation, einen 18h Schlafrhythmus, Eßstörungen (über-höhter Zuckerbedarf des Körpers) und verminderte Be-anspruchung der Gesichtsmuskulatur zwecks Lachen. Die zwischenmenschliche Kontaktbereitschaft steigt von Grad zu Grad, bis sie im August ihren Höhepunkt erreicht und somit die Wiedereingliederung in die Ge-sellschaft bewirkt. Durch das innere und äußere Aufblü- hen der Patientin wächst das Interesse der Männerwelt zusehends, womit sich für sie die Möglichkeit bietet einen mehr oder weniger willigen Spielgefährten zu finden.
Leider nur sind ihre Beziehungen nie von langer Dauer, denn außerhalb der Ferienzeit muß die Patientin sich ja wieder auf andere wichtige Dinge konzentrieren, z.B. Schule. Doch auch dort ist sie nie lange anzutreffen, da sie sich oft schon vorzeitig vom Schul-dienst verabschiedet, mit den Worten: „Ich bin hier falsch!“
Wieso sie trotzdem als älteste Schülerin des Gymnasiums Bad Kissingen täglich in den grauen Schulbau trottet, ist selbst uns unerklärlich. Ihre Faulheit weitet sie zudem auch noch auf den außerschulischen Bereich aus.
So versuchte sie sich in zahlreichen Nebenjobs, z.B. Gecko, Galerie zum kleinen Haus, Café etc., doch lange hielt sie es dort nie aus: Ein Hoch auf die Trägheit! Dies läßt auf ihre allgemeine Lebenseinstellung schließen, welcher das Motto zugrunde liegt:
„Des muß ma’ alles langsam angehen, sonst überrollt’s ein’ am End’ noch!

So vegetiert also unsere Patientin X dahin, bis liebe Menschen auftauchen, und sie ihrem grauen Alltagstrott entreißen. Dies endet oft mit großen Schritten in die Vergan-genheit, womit wir bei der dritten und für uns wissenschaftlich interessantesten Phase angelangt wären. Diese uns heute unerklärliche Phase, die nur noch durch Augenzeu-gen nachgewiesen werden kann, war geprägt von Ausgelassenheit, totaler Freizügig-keit, wilder Hingabe(?) und völliger Trunkenheit. Typisch für diese Zeit waren ihre zahl-reichen Liebeleien, die ihre Spuren bis in die Gegenwart ziehen.
Dabei geriet sie an die unterschiedlichsten Persönlichkeiten, vom psychisch Kranken (M.H.), über die Ausgeflippten und Knuddeligen (H.R.; B.S.; Sotos...) bis hin zum Aushilfsäthiopier (J.B.).
Diese virusartigen Merkmale kommen bei regelmäßigen Schul- und Urlaubsfahrten wieder zum Vorschein, was dann ihre Umwelt in reges Staunen versetzt. Überbleibsel aus dieser Zeit sind zum Beispiel auch ihr Verhältnis zu Geld, welches sie gerne aus-gibt und eigentlich nie hat (egal ob verloren, vergessen, geklaut oder doch wegge-schmissen(?) - alles kam schon vor), sowie gelegentliche Alkoholexzesse. Jetzt wagen wir uns als renommierte Psychologen an die vierte und letzte Phase der Patientin X. Hierbei befinden wir uns wieder in der Gegenwart, welche durch depressive Stim-mungsschwankungen gekennzeichnet ist und nur gelegentlich durch von uns verab-reichte Medikamente (v.a. Alkohol und anschließend Alka Selzer) für kurze Zeit von Suizidanfällen abhält. Leider waren wir nicht immer rechtzeitig am Einsatzort, und so erinnern noch heute kleine Narben an gelegentliche Selbstverstümmelungsaktionen.

Wie die Zukunft unserer Patientin aussehen wird, weiß wohl keiner so genau. Experten hoffen auf ein Revival der Phase 3 in der Abiturzeit. Auf alle Fälle werden wir uns auch weiterhin eingehend um unsere Patientin kümmern und ihr immer mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Also Ini, nimm’s net so schwer und hau Dich nei!

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ines angerer
URL: http://www.abitur98.de/angerer.htm
update: 09.02.1999
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