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Alles begann vor langer, langer Zeit, als der Computer für die meisten nicht mehr
als ein Fremdwort bedeutete und Günni und seine Schwester, Heidrun, gerade mal
der Mutterbrust entwöhnt, sich in dunkelsten Hamburger Kneipen herumtrieben.
Aber nicht die Milieustudie hatten sie im Sinn, sondern ihre ersten Schritte
(besser Gitarrengriffe und Gesangsversuche) im damals noch nicht von viel Geld
geprägten Musikgeschäft.
Als sie spürten, dass die Zahl der Wurfobjekte in Richtung Bühne langsam zurück
ging, verpflichteten sie einen Gleichgesinnten und tourten mit diesem Trio einige Jahre
durch Hamburg. Dann jedoch stand das
bürgerliche Profitstreben und Wohlstandsleben, samt Heirat, Kinder und
Hausbau, im Vordergrund und ihre künstlerische Kariere ging geradewegs den Bach
hinunter. Trotz dieses kulturellen Niedergangs können wir heute diese Periode als die eigentliche
Geburtsstunde der Roaring Folk Company bezeichnen.
Irgendwann in den Achtzigern, wahrscheinlich in einer der ständigen Sinnkrisen, bemerkten
die beiden Geschwister das tiefe Loch in ihrem Innern, bis sie Jiri, den Bassisten
oder eher Multiinstrumentalisten, kennenlernten, der ihre
Begeisterung für die schönen alten Folkhits aus den Sechzigern teilte. Die
Renaissance der tief verwurzelten Leidenschaft des Musizierens erfolgte anfangs in
unregelmässig abgehaltenen Musiksessions im eigens dafür eingerichteten
Hauskeller von Günni, später dann mit kleinen Auftritten in Kneipen.
In dieser Phase platzte Bernd in die Runde, der, mal eben auf der Flucht aus Ostberlin, dem
offenherzigen und fröhlichen Treiben im eher kühleren Hamburg durchaus zugetan und
für den Anschluss sehr dankbar war. In der selbstsicheren Art des
Möchte-gern-Berliners übernahm er sofort den Part des Schlagzeugers, obwohl er
dieses Instrument nur vom Sehen und seiner Akustik her kannte. Trotz erster
Achtungserfolge und der Dynamik, nicht nur die Trommelfelle seiner Drums zu strapazieren,
konnte er sich nie als der rhythmische Leitfaden der Gruppe durchsetzen. Häufig
war er schon am Ziel, da suchte Günni noch verkrampft den Septimakkord. Da Bernds
Fähigkeiten auf der Gitarre aus der Jugendzeit eventuell mehr Früchte
davonzutragen versprachen, wurde dafür extra die Stelle eines Leadgitarristen
ausgeschrieben - der Beamte Günni hatte darin Erfahrung!
Zum Glück trat nun
Robert in Erscheinung, der als ungarischer Auswanderer und, was uns viel mehr
begeisterte, als professioneller
Schlagzeuger unser Interesse fand. Die Bemühungen galten jetzt dem
Deutsch-Unterricht von Robert, der schnell ins Milieu eingegliedert werden musste.
Seine ersten Worte "Noch ein Bier!" klangen, phonetisch betrachtet, noch etwas schräg,
kamen aber von Herzen und trieben den Lehrern die Freudentränen in die Augen.
In dieser Besetzung erlebte die Band einige Höhepunkte, besonders zu den
alljährlichen Treffen in Eislingen nahe Stuttgart, wo eine Partnerband ihr Unwesen trieb.
Roberts Finanzsituation war nicht die Beste, und so fand seine Geldbörse
schließlich ein zweites Einkommen in Form einer Kaffeehausband, deren Termine immer
öfters mit den unseren kollidierten. Das Glück in dieser Situation stand mit
Wolfgang eines Tages im Keller, der in Robbys Fussstapfen treten sollte, was schwierig genug
sein sollte.
Wenn er mal gelegentlich die Töppe nicht rechtzeitig trifft, dann steht die Drohung
der Anschaffung einer Rhythmusmaschine über seinem Haupt - so geht`s bei uns zu!
1998 folgte der nächste Hammer für die Band in Form der beruflichen
Abwanderung von Jiri, dem längjährigen Bassisten, nach Freiburg. In
Anspielung auf seine zarten Fingerchen wurde seiner Abschiedsbemerkung, seine Hände
wären zum Spielen eh ungeeignet, von niemanden widersprochen. Dafür
organisiert er jetzt, quasi als Bandmanager, unsere ersten Auslandsgastspiele in
Tschechien, im wunderschönen Böhmerland nahe Boskovice bei Brünn. Dass eine
Gegend mit solch edlen Brautaditionen und derartig köstlichen Weinangeboten zu einem
Eldorado für die roten Nasen werden würde, stand wohl ausser Frage.
Der letze Einsteiger ist damit Horscht , so jedenfalls von Bernd liebevoll genannt, der
am Bass sich binnen kürzester Zeit in 70-80 Titel einarbeiten musste - alle Achtung!
Nun hofft der Rest, in dieser Besetzung wieder zu voller Blüte und neuen Erfolgen zu gelangen.
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